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Bauß Gochaaasren
meß, am Karfreitage, am St. Jakobetage, am
Tage Martä Empsangnis, am St. BartholomäusTage, am Tage Mariä Geburt, zu Michaeli und Martini, zu Weihnachten und Neujahr wurden mildtätige Spenden in großen Mengen ausgete. t.
Stard die Aebtissin, so erwählten die Kapitularinnen aus ihren Reihen eine neue. Es war dann Sitte. daß die Erwahite sich aus 6 Wochen aus dem Stift entsernte und nach Ablauf dieser Zeit ihren feierlichen Einzug hielt. Bei ihrer Einsetzung mußte die Aebtissin schwören, 1. des Stiftes Erbe und Güter nicht auszutun, zu verpachten oder zu versetzen, es wären denn die 3 ältesten Kapitularinnen und Prediger dami einverstan. n, 2. die Kirche samt der Abtei und was derselben anklebet, ingleichen die Mühle und Schlacht, im Stande; kalten, 3. keine Schulfräuleins ohne Willen der anwesenden ältesten Kapitularinnen aus der Schule zu lassen. 4. keine Praebanten und Lehne zu rergeben ohne Einwilligung der gegenwärtigen Kapitularinnen und Prediger, 5. die Markensachen. Lehn=, Hofes und Herdicksche Cerechtigkeiten, bei uralten Freiheiten, allermöglichst zu handhaben, 6. alle Gerichts=Prozeß=Kosten und andere Unkosten, auch den dritten Teil der lau
1.*—“; ation und Beschwerden, aus ihren
Einkünften abzutragen. 7. den dxitten Teil der Kollen zur Ausbesserung des Pastorathauses zu bezahlen, 8. alle Kavitularinnen, Prediger und den Amtmann. wenn selbiger keine Wirtschaft treibet Mulfter frei zu lassen. 9. bei glücklichen Schaltsischereien den haussitzenden Kapitularinnen und Predigern mit einer Portion Fische an die Hand zu gehen und einem jeden Fräulein, sie sei zu Hause oder nicht, die Praependenhühner zu liefern.“ — Nach Einführung der Reformation war in Jahre 1719 durch Religionsvergleich festgesetzt worden. daß#eemal anf 3 evangelische Aebti sinnen eine katholische folgen sollte. Von dieser Zeit an halten die debtissinnen ferner zu beschwören, daß sie.10. zu Gabeif ger; menath. Fräuleins, wenn
dieselben Piesse lesen lassen, alle 4 Jahre 4 Reichsthaler zu Wein und Oblaten hergeben und 11. in der Religion ine Veränderung oder neue Be
schwerden machen. sonderlich beide Pastoraten und die Vicarien der 10000 Märtyrer und St. Nikolaus an keine als die Evangelisch=Lutherischen geden wellen“.
Wie wir schon sagten, war das alte Herdecke in jeder Weise von dem Stifte abhängig. Das gilt auch in rechtlicher Hinsicht, daruber berichtet unser nächster Aussatz Genaveres.
Aus der Chronik einer kleinen Stadt.
Von G. A. Ravenschlag.
Wenn Du, lieber Leser, einmal im Mai die Ruhr abwärts wanderst so komm“t Du an eine blühende Ortschaft, von grünen Höhen umrahm:. lieblich und schön wie der Frühlingstag: Runn=Heyrke ..„Dat is nich wohr! Dat Dörp kiärrt et an dä Ruhr nit“, höre ich Dich sagen. Nun ja,„Dörp“. Aus Dörfern werden Städte. Dafür gibt es„welterschütternde" Beispiele. Und der Name,— der hat sich mit den Jahren nur um einige„wohlklingende“ Konsonanten vermehrt...„Jüngesken, Jüngesken, ut'n Wolbertenpannkauken mäks Du kein Korintenstuten nich!"—
Ich bitte höflichst um Ruhe, Herr Naseweis. Frage nur Deine Großmutter. Die wird Dir's erzählen können. Weißt Du, als noch die Postkutschen über das Pflaster kasselten, wo heute längst die Straßenbahn fährt, und noch viel viel früher, da hieß der Ort so. Seit jener Zeit hat sich manches geändert. Aber trotz und alledem ist Nun=Heyrke doch das geblieben, was es heute noch ist: unser liebas, vorträumtes Städtchen Herdecke.
Es war im Juhre des Herrn 810, als eine Schwester Karls des Großen. Frederuna geheißen, ein Nonnenkloster gründete und eine dazu gehörige Kirche erbaute, deren Entstehung der Anlaß zu der späteren christlichen emeinde Nunn=Heyrke oder Runnen=Heyrke. Marien=Heyrke, war. Ansänglich bediente sich diese Gemeinde(mit Erlaubnis des Stifte.) der Klosterkirche zur Abhaltung ihrer Gottesdienste. Bald aber sah sie, ohne daß vom Stift irgendwelche Einwände erhoben wären. die Kirche so sehr als ihr Eigentum an, daß sie dem eigentlichen Besitzer nur noch folgende Vorrechte eingestand: Stallus in choro. Geläute, Wappensitz und Begräbnis. Nach glaubwürdigen Nachrichten bestanden außer dieser Kirche noch vier Kapellen, von denen die St.=Annen„ apelle bis zum Ende des 19. Jahrhunderts bestanden hat. Ueber das Schicksal der übrigen ist nichts bekannt, als daß eine derselben St. Nicolai Kapelle geheißen hat. Von größerer Bedeutung ist das Kloster selbst nicht. Es war ausdrücklich„für adelige Jungfrauen" bestimmt und verweltliche mit der Zeit so, daß schon im Jahre 1 500 kein Gelübde mehr abgelegt wurde. Auch konnte jede zu jeder Zeit wieder austreten, selbst um zu heiraten.
Wenn es nicht gar zu indiokret erscheint, so hnun icb nach berichten, daß Dietrich von Vol
e iche e. ihe mern und Wieiede v. d. Vyrbecte zu Hörde des öfteren das Kloster besuchten und„bleven dreu Nacht 10 Heyrke und Dansseten und Aereden (fraßen) dort.“
Ein Hauptbesitztum des Stiftes war eine Reliquie. nämlich der Schädel des Hauptmanns Cornelius. Von den Gottesdiensten wird uns erzähll, daß am„Wendeltage" die Aebtission zuerst 12 alte Frauen und einen jungen Knecht gewaschen habe, dann in der Kirche vor dem Nicolai=Altar 13 Knechten die Füße. Dazu sangen vier ihrer Jungfrauen feierliche Choräle. Die Gewaschenen empfingen darauf je ein Roggenbrot, einen Hering und einen Pfennig.
Im Jahre 1539 kam Dietrich Rafflenboel, genannt Nicolai, nach Herdecke, ein eifriger Verfechter der Resormation. Er heiratete die Tochter eines Schmiedes, Katharina Meyhan, die ihm einen Sohn, den später berühmten Philipp Nicolai schenkte. Dieser wurde 1583 nach Herdecke berusen und durch die Aebtissin Ida von Hafkenscheid eingesetzt. Aber nicht lange sollte er sich seiner Stellung freuen. Im Frühjahr 1586 tobte nachts ein furchtbares Geschrei durch die dunklen Straßen der Stadt: Die Spanier sind da! Wer nicht in ihre Hände fallen will, fliehe! Schnell nahm er seine Schwester Egla an der Hand und flot, nach Wetter, wo der Droste Romberg sein Schloß
befestigt hatte.
kamen Scharen von Flüchtlingen; denn die Spanier waren in der Nähe und hatten eben Witten geplündert. Da nahm Nicolai seine Bibel zur Hand, predigte über den 2. Psalm und fordert## die Menge zum Kampfe auf. Hierdurch ermutigt, sammelte Georg von Romberg Landsknechte von Altena und Berg und schlug die Plünderer in einem TTressen bei Schwelm.
Mitten unter den Greueln des 30jährigen Krieges gelobten die beiden evangel. Pastoren von Herdecke, Kalle und Windael:„Bei der angenommenen reinen lutherischen Lehre, der ungeänderten Augsburger Konfession stark und steif und fest zu stehen. dabei Leib, Leben. Gut und Blut zu wagen und nach Erheischung der Not aufzusetzen, auch äußerstem Vermogen nach sie mit Lehren, Predigen und sonstigen zu treiben.“—
Sie gründeten eine Pfarrschule unter Leitung eines Lehrers, der zugleich Organist und Küster war. Auch die Verwaltung des sogenannten Armenvermögens lag in ihren Händen.
Mit dem Armenvermögen verhielt es sich so: Im Jahre 1195 hatte ein frommer Klausner. Dietrich Sonc miit Hilfe des Herzogs Adol, von Cleve, Grasel. von der Mark die verfallene Ruhrbrücke wieder hergestellt und davor ein Gasthaus und eine Kapelle erbaut. Nach einer alten Urkunde gersprach der Herzog, daß die Brücke ewig beim Gasthause bleiben solle, und diesem die Pflicht Arme zu beherbergen und zu beköstigen obliege. Dafür war dem Pächter erlaubt, Brückenjoll zu erheben. Die Verwaltung blieb in Händen der lutherischen Gemeinde bis 1805. wo sie das Königliche Wegeamt übernahm. Die alte Chronika schließt mit den Worten: Die Menschen welken und vergehen wie die Blätter vor dem Winde. Gott allein aber bleibt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Daß doch der liebe Herrgott es schützen möge, unser liebe Nunn=Heyrke!
Känne Verwennung!
Von Fritz Gronnenberg.
olle Wilken was en Invalidenrentner und schlaug sik met sine paar Groschen schlecht und rächt dört Lläwen, wat iäm sake suer wor.
Uem sine Inkünfte te verbiättern, arbäide hä wuoles in em Iserngeschäft op äinige Stunnen. Utter en paar Mark Luohn kräig hä hier ok noch hier und do en Däilken. mol en Hamer, mal ne Tange, mal en Päcksken Niägel, mal süs wat, wat hä gerade bruken konn.
Vör Christdag was nu viäl in dem Geschäft te daun und Wilken harre methelpen mocht, Kisten packen und Packäte no de Post brengen. As hä sin Geld kriägen harr, sagg iäm de Lagerist noch:
„Nehmen Sie sich doch einen von den Büchsenöffnern mit, die dort ausgelegt sind.“ „Büchsenöffner?“
„Jawohl, hier bitte!" Und hä gäff iäm äinen.
Dä Olle dreigede dat Dingen in de Hand hen und hlär und käik et van allen Sien an. Hä harre känne Ahnung, wotau et te gebruken wor. Hä reit hen und hiär, do soll em op äinmol in, dat hä es irgendboa wat van Schuhknöäppers hoart harre. Willichen kam deshalw teletzte op en ganz verkahrden Gedanken und lagg dat Dingen wier hen.
„Nun, wollen Sie den Büchsenöffner nicht haben?" fraug de Lagerist.
„Nä.“ sagg Wilken.„dat Dingen kan., ech nich gebruken. So oalt und unbeholpen, as It meint, sind wi nu doch noch nich. Eck kann mine Büxe noch ganz guad met de Hänne hnößpen und mine Frau hict Hänne an de Büxe.
Pun Me
—.—
Aus der Sammlung märkischer Sprichworte und Redensarten. Von Fritz Linde.
Hei hächet ase'n Kuläpper(Knurrhahn).
Hei früset ase'n Schnieder.
Hei schwett ase'n Bären.
Hei stiellt ase ne Aelster.
Hei süpet ase'ne oalle Kauh. Hei riett ase'n Häldhäcker.
Hei es strackfutt ase Beßvars Buxe.
Hei springet ase'n Hiattebock.
Hei schlöäpet ase'n Dachs.
Hei blott ase'n Fiarken.
Hei koppet ase'n Reiger(Fischreiher).)
Hei fluuhet ase'n Kuallendriewer.
Heit hiat Geld ase Driete.
Hei sittet voller Stücke, ase de Bock vollr Küötteln.
Hei kritt Schlia ase'n jungen Nuen.
Hei hiat soviell(Lüse) ase Hoar: Kaite. Hei süht drin ase drei Da' Rianwiar.
Hei verkam drinne ase Klipping in en Läisten. Hei es so unmäntig ase’ne Kluchhenne met äinem Küken.
Neue He.malbücher.
Unzere Mitarbeiterin Emma Cramer= Crummener ließ im Heimatverlag Max Echkardt (Lüdenscheid) einen Gedichtband„Trauben und Schlehen erscheinen. Im hochdeutschen Teil finden sich lyrische Perlen, denen man gern eine weitere Verbreitung wünscht. In der Behandlung und Durchringung ihrer Motive weiß die Verfasserin ihre Selbständigkeit so zu wahren, daß man hier neue Klänge zu vernehmen glaubt. Befremdlich wirkt es allerdings mehrsach, daß sie es nicht wagt, die feinsten Schwingungen der Frauenseele künstlerisch zu formen, sondern sich dann zum Interpreten der Gefühle des Mannes macht. Darunter muß die Wahrheit des Dagestellten mit Notwendigkeit leiden. Im übrigen steht man unter dem Eindruck, daß die Dichterin in vielen Fällen nocht nicht den rechten Abstand zu ihren Versen gewonnen hat; eine scharfe Selbstkritik würde dis Büchlein erheblich gekürzt, innerlich jedoch bereichert haben. Eine Enttäuschung brachte mir der plattdeutsche Teil; denn die Lyrik ist darin fast garnicht vertreten, und die gereimten Schwänke kann man sich in einer plattdeutschen Prosa viel wirksamer denken. Wem das Plattdeutsch wirklich die Muttersprache ist, der muß in ihr ureigenstes Gefühlsleben künstlerisch gestalten.
Ein seines Heimatbuch bescherte uns B. Kleff in seinem„Bochum", das im Verlage Schürmann& Klagges(Bochum) erschien.„Wir haben auch eine Heimat"... das ist das Motto, unter dem der Verfasser darlegt, wie trotz aller Brutalitäten der Industrie doch das Heimatgefühl lebendig bleiben kann. Dieses Jahrbuch 1925 pflegt besonders die Heimatgeschichte. Wir hoffen gern, das die fo'genden Jahresbände auch das Dichterische und Künstlerische in einer ebenso glücklichen Form herauszustellen vermögen.— Auch unsere Nachbarstadt Hohenlimburg hat nun ihr populäres Heimatbuch. H. Essers. Hohenlimburg, ist und bleibt natürlich das Werk über die gen. Stadt. Aber die Lehrerschaft wollte im„Hohenlimburger Heimatbuch“ vor allem ein Jugend= und Volksbuch schaffen, und das ist ihr in geradezu vorbildlicher Weise geglückt. Das Sachliche entspricht der wissenschaftlichen Forschung und wird in seiner so anregenden Form geboten, daß es das Interesse weiter Leserkreise findet. Hier muß der Unterricht in der Heimathunde Heimatliebe wecken!— Zur Erinnerung an die Engelbert=Feier ließ Bruno Zierenberg im Verlage Phil. Bastin(Gevelsberg) sein„Engelbert=Buch“ erscheinen. Die Auswahl hätte m. E. nac erheblich kritischer erfolgen müssen. Auch für das Kinderbuch verlangen wir Kunstwerke, die dem Aufsassungsvermögen der Kleinen allerdings entsprechen sollen. In dem Buche steht neben der formvollendeten Dichtung allerlei Gutgemeintes aber künstlerisch Unzulängliches. auf das man auch bei einer Gedenkfeier gern verzichten möchte.— Ein Heimatbuch füc Bergleute veröffentliche K. Leich unter dem Litel „Glückauf“, im Verlage des Westsälischen Preßverbandes Witten(Ruhr). Es handelt sich um eine sehr geschickte Zusam'enstellung alles dessen, das achlich ung künstlerisch berutn erscheint, die Beheutung des Bergmanns für unsere Zeu darzninn. Hoffentlich findet das Buch auch unter den Bergleuten viele Leser. E. L.
B FPertteer
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Nr. 1
Monatliche Beilage zur Hagener Zeitung
Januar
Verantwortlich: Ernst Lorenzen in Hagen. Drick und Versaa von Gustan Bun in Hagen.
Die Franzosenzeit in der Grafschaft Mark.
Von Prof. Dr. Fritz Schemann.
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Mit tiefer Wehmut und herzlicher Teilnahme gedenken wir des tragischen Geschickes, das nun schon seit Jahren über die linksrheinischen Gebiete unseres Vaterlandes hereingebrochen ist. Immer wieder berichten unsere Zeitungen von harten Maßnahmen der Besatzungsbehörden. von der Beschränkung der persönlichen Freiheit, von empörenden Eingriffen gegen das Eigentum der Bürger. Mit Sehnsucht erwartet das ganze deutsche Volk den Tag, wo dieses alte deutsche Land wieder ganz dem Vaterlande angehört.
Das Sticksal, das heute schwer auf dem echt deutschen Lande lastet, war vor hundert Jahren auch unserer engeren Heimat, der Grafschaft Mark, beschieden, und noch lange lebte die Erinnerung an die Franzosenzeit von 1806—1813 in der Bevölkerung. Doch die gleichartigen Verhältnisse und Geschehnisse werden die Teilnahme für gerade diesen Abschnitt unserer Heimatgeschichte besonders wecken
Seit 1609 gehörte die Grafschaft Mark zu Brandenburg=Preußen. Sie bildete die preußische„Wacht am Rhein“ und stand nur zu oft auf einem verlorenen Posten, da die Berliner Regierung gar nicht in der Lage war, ihr Schutz und Hilfe zu gewähren. Dabei darf aber an dem redlichen Willen der Landesherren, der Mark nach ihren Kräften helfen zu wollen, nicht gezweifelt werden, trotzdem der sichtbare Erfolg manchmal auf sich warten ließ. Noch heute lebt in unserer Stadt das Andenken des Großen Kurfürsten in einer Straße fort, da er die bergischen Klingenschmiede in Eilpe ansiedelte und damit den Grund zu einer blühenden Industrie in unseren Tälern lecse. Hundert Jahre später hat der alte Fritz in seinen Kriegen die Treue der Märker erfahren; aber er hat dann na iher seine Fürsorge bis aufs Einzelne der Bauernhöfe erstreckt, die durch den Krieg besonders gelitten hatten. Allmählich fing denn die Regierung in Berlin an. die westlichen Länder nicht mehr als vorgeschobene Außenvosten, sondern als wertvolle vollgültige Bestandteile des nreußischer Staates anzusehen und dementsprechend zu behandeln. Schon zwei Jahre nach seiner Thronbesteigung erschien Friedrich Wilhelm II., begleitet vom Kronprinzen, in der Mark. Der hochverdiente Minister von Heinitz. den man mit Recht ihren Wohltäter nennt. hatte ihn, wie ein zeitgenössischer Schriftsteller berichtet, zu bewegen vermocht.„die Provinz zu bereisen und sich in die rauhen schröcklichen Gebürge bis Altena zu wagen“. Es war dies seit den Tagen des Großen Kurfürster der erste Besuch wieder, den ein Hohenzoller unserer Heimat abstattete. Aufrichtig war der Jubel der Sauerländer. Auch Hagen berührte der König auf seiner Reise und nahm Absteigequortier im Hause dee Herrn Elbers. des Großvaters Fritz Harnorts. In Berlin ward man sich bewußt welche Perle man in der Grafschaft Mark besaß. und es ist durchaus bein Zufall. daß der Minister von Heinitz und die Oberpräsidenten v. Stein und v. Rincke, die tüchtigsten Männer Preußens, gerade nach Mestfasen geschickt wurden, um die Interessen des Handels und der Industrie besonders wahrzunehmen.
Um so verständlicher erscheinen die Besorgnisse, die infolge der gewaligen, alle bestehenden staatlichen Ver
Willlergluck.
Zeichnung von Srust Erde=Hagen.
Slitzerschnee auf Tannengrün—
Blauer Schatten Schein—
Weihevolle Einsamkeit Hüllt uns selig ein.
Toller Wirbelflockentanz Mait die Welt so klein,
Und der stumme Illärdientsald Birgt ein Slück zu zwein.
Hänsel und Sretel Hand in Hand Staunend ins Zauberland gehn—
Mag hinter ihnen der weiße Tod Wegstapfen immer veriehn:
Schneeversunken unterm Tann Muß ihr Knusperhaus stehn; der Soldstern ürer dem Zuckerdach wird sich lockend drehn.
Kuchenherzen mit Ilandeikern— Millder Kerzenschein—
Singende Hepel und Marzipan:
Waldweihnacht lädt uns ein!
Toller Wirbeillockentanz.....
Und will die Welt verschnein— Weißverschwieg'nes Märchenhaus Birgt ein ewig Glück zwein.
hältnisse bedrohenden Zeitereignisse die Märker hinsichtlich des Verbleibens ihrer Heimat bei Preußen erfüllten. Sie wollten Gewißheit haben, welches die Zukunft ihres Landes sei und so richteten 1806 Hagener Bürger. unter ihnen Mitglieder der alteingesessenen Familien Harkort. Schopplenberg. Post, Dahlenkamp, Soeding. Elbers die berühmt gewordene, aus der Feder Fried
1926
rich Möllers, des Pfarrers von Elsey. stammende Adresse an den König. Sie baten ihn unter Hinweis auf das feste Band der Treue, das seit zwei Jahrhunderten Fürst und Volk umschlinge. das heilige Wort des Großen Kurfürsten aus dem Jahre 1647, wonach die Einwohner des Märkischen Süderlandes von ihm und seinen Nachfolgern nun und zu ewigen Zeiten weder abgetreten noch verwechselt werden sollten, von neuem der Grasschaft Mark verkünden lassen zu wollen. Mit bewegtem Herzen wiederholte Friedrich Wilhelm III. am 1. Juli die von seinem Ahnherrn gegebene Zusage. Die Antwort des Herrschers entfachte im ganzen Lande einen Sturm des Jubels. vom Schlosse herab bis in die kleinste Hütte des Gebirges. Von den Türmen erscholl Glockengeläute, die gesamte Bevölkerung strömte in die Kirchen. um dort von der Kanzel den Königsbrief verlesen zu hören und unter allgemeiner Begeisterung fand am 3. August die Feier des Geburtstages des geliebten Landesherrn statt. — Doch im Rate der Vorsehung war es anders beschlossen. Kurz nach dem Unglückstag von Jena trafen die ersten französischen Truppen in der Mark ein, besetzten sie ohne Schwertstreich und legten ihr eine Kontribution von 2 Millionen Francs auf. Ihr endgültiges Geschick entschied der Tilsiter Friede vom 9. Juli 1807. der bekanntlich sämtliche preußischen Landesteile des Westens von der Monarchie loslöste und Frankreich oder Frankreichs Basallenstaaten angliederte. Einige Tage vor seinem Abschluß nahm der König in rührenden Worten von den geliebten Bewohnern seiner treuen Provinzen Abschied und entband sie ihrer Untertanenpflicht. Wiederum war es der glühende Patriot Möller, der den Gefühlen, die die Märker in jener dunklen Stunde beeselten, in dem ewig denkwürdigen Briefe. der auch in Hagen zahlreiche Unterschriften fand, Ausdruck verlieh. Wer kännte nicht die schönen Schlußworte:„Das Herz wollte uns brechen. als wir Deinen Abschied lasen und wir konnten uns nicht überreden, daß wir aufhören sollten. Deine treuen Untertanen zu sein, wir. die Dich immer so lieb hatten.“ Wahrlich ein Bekenntnis, das den Fürsten und die Märker in gleicher Weise ehrt.— Von da an folgten die Geschicke der Grafschaft Mark und der benachbarten Lande dem Sturmwind der Ereignisse. Minden=Ravensberg wurde zum nergebildeten Königreich Westsalen geschlagen, während die Mark durch ein kaiserliches Dekret vom Januar 1808 nebst Soest und Lippstadt mit dem seit dem März 1806 bestehenden Großherzogtum Berg verbunden wurde. dem außerdem die freie Reichsstadt Dortmund. ferner das ehemalige Bistum Münster und die Grafschaften Lingen. Tecklenburg. Bentheim und Limburg hinzugefügt wirden. Der Beherrscher dieses stattlichen Gebiets von insgesamt 270 Quadratmeilen, das in die Departements des Rheins. der Sieg. der Ruhr (eben unserer Heimat) und der Ens zerfiel, war Joachim Murat. der Schwager Napoleons. Er weilte jedoch nur vorübergehend einmal in der Hauptstadt Düsseldorf, da ihm das Leben in Paris mit seinen Annehmlichkeiten und Zerstreuungen mehr zusagte. Den Boden der Mark hat er nie betreten. Als er dern im I 808 König von Neapel wurde, ernannte Napoleon seinen Ressen, den Prinzen Napoleon Ludwig. den Sohn des Königs von Holland und Bruder Navolcons III. zu seinem Nachfolger Weil er aber erst fünf Jahre alt war so behielt sich der Kaiser die Regierung
* dosvolrät bul bö. bessn
Sonö#kuS ScooN
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