Kreisbtart

für den Kreis Hörde und den Landkreis Dortmund.

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Erscheint Dienstag, Donnerstags und Samstags. Wöchentliche Gratisbeilage:„Illustrierter Familienfreund.“

Nr. 81.

Schwerte. Dientag, 12. Juli 1892.

sechsspaltige Zeile, oder deren Raum 10 außerhalb des Leserkreises 15 Pfg.; Iteramen 30 Pig Redaktion, Druck und Verlag von Carl Braus in Schwerte.

25. Jahrgaug.

Amtliche Bekanntmachung.

Bekanntmachung,

betreffend die Verleihung des Titels Direktor an die Vorsteher der Provinzial=Taubstummen=Anstalten in der Provinz Westfalen.

In Abänderung des Reglements für die Verwal­tung der Provinzial=Taubstummen= Anstalten in der 25. Februar 1891 g6u6

Provinz Wessalen vom Zi. Dezember 1891— berg

Extrabeilage zum Amtsblatte der Königlichen Regierung zu Münster Stück 4. zu Minden und Arnsberg Stück 5 für 1891— hat der 33. Westfälische Provinzial= Landtag in seiner Sitzung vom 13. Februar 1892 be­schlossen, daß die zur unmittelbaren Leitung der be­treffenden Anstalten berufenen Vorsteher den Titel „Direktor", besitzen sollen, und daß hiernach der§ 6 Absatz 1 des vorgedachten Reglements folgende Fassung

„Die unmittelbare Leitung der Anstalten wird dem bei einer jeden derselben unter dem Titel Di­rektor angestellten Vorsteher(Hauptlehrer) nach Maßgabe der von dem Provinzial=Ausschusse zu erteilenden Dienstanweisung übertragen.“

Diesem Beschlusse haben die Herren Minister des Innern und der geistlichen, Unterrichts= und Medizinal­Angelegenheiten durch Erlaß vom 23. April 1892,

N. d. J. 1 B. 2229.——, ihre Venehmigung er­

M. d. g. A. U. 111 A. 1008 teilt, was ich in Gemäßheit des§ 8 der Provinzial­Ordnung für die Provinz Westfalen hiermit zur öffent­lichen Kenntnis bringe.

Münster, den 21. Mai 1892.

Der Landeshauptmann von Westfalen. Overweg, Geh. Ober=Regierungs=Rat. C. B. J-Nr. 1713.„(s I.„, Märk.

Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster Stück 22. Minden Stück 22, Arnsberg Stück 22 vom Jahre 1892.

Vorstehende Bekanntmachung bringe ich zur öffent­lichen Kenntnis.

Hörde, den 7. Juli 1892.

Der Königliche Landrat: Spring.

a) dem§ 14 zu 4 gedachten Statuts folgende Fassung: „4. Die Wahl des Stellvertreters des Direktors

und der Räte der Landesbank;"

b) dem§ 15 folgenden Zusatz:

„8. Die Wahl des Direktors der Landesbank"

Diesem Beschlusse haben die Herren Minister des Innern, der Finanzen, sowie für Landwirtschaft, Do­mänen und Forsten vom 13. April 1892— M. d. J. 1 A. 3134 F. M. 1. 4962, M. f. L. l. 7968— ihre Genehmigung erteilt, was ich in Gemäßheit des § 8 der Provinzial=Ordnung für die Provinz West­falen vom 1. August 1886— G.=S. S. 256— hier= mit zur öffentlichen Kenntnis bringe.

Münster, den 28. Mai 1892.

Der Landeshauptmann von Westfalen. Overweg, Geheimer Ober=Regierungsrat.

C. B. I=Nr. 1736

Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Münster Stück 23, Minden Stück 23, Arnsberg Stück 23, vom Jahre 1892.

Vorstehende Bekanntmachung bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis.

Hörde, den 8. Juli 1892.

Der Königliche Landrat Spring.

Bekanntmachung.

Die Liste der stimmberechtigten Gemeindewähler hiesiger Stadt liegt, nachdem die Berichtigung derselben erfolgt ist, in Gemäßheit des§ 20 der Westfälischen Städte=Ordnung in der Zeit vom 15. bis 30. d. M. vormittags von 9 bis 12½ und nachmittags von 3 bis 6 Uhr auf dem hiesigen Rathause, Zimmer Nr. 8 zur Einsichtnahme offen.

Während dieser Zeit kann jeder Einwohner der Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste bei dem unterzeichneten Magistrat Einwendungen erheben. Hörde, den 7. Juli 1892.

Der Magistrat: Dr. Mascher.

Bekanntmachung, betreffend die Abänderung des Statuts der Landesbank der Provinz Westfalen.

In Abänderung des Statuts der Landesbank der 4. März 1890

Provinz Westfalen vom 9. Juni 1890— vergl. Ex­

trabeilage zum Amtsblatte der Königlichen Regierung zu Münster und Minden Stück 26, zu Arnsberg Stück 27 vom Jahre 1890— hat der 33. Westfälische Pro­vinzial=Landtag in seiner Sitzung vom 13. Februar d. Is. beschlossen, daß der Direktor der Landesbank der Provinz Westfalen von dem Westsälischen Provinzial= Landtage gewählt werden soll und in Ausführung dieses Beschlusses

Bekanntmachung.

Die Vakanzenliste in betreff der mit Zivilversor­gungsberechtigen zu besetzenden Zivil=Dienststellen liegt auf dem Büreau des Königlichen Landratsamts des Landkreises Dortmund zu Dortmund zur Einsichtnahme für die Beteiligten offen.

Der Londrat: Geh. Regierungsrat van Rynsch.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Vereidigung bezw. Verpflichtung des Försters Kimmel zu Courl als Schiedsmann für den Bezirk Courl und Husen und des Geschäftsführers Max Züge zu Husen als Stellvertreter desselben stattgefunden hat. Brack l, 2. Juli 1892.

Der Ehren=Amtmann: Sybrecht.

Deutsches Reich.

Unser Kaiser ist Sonnabend abend auf seiner Nordlandsreise, von den Lofoten kommend, an Bord der Yacht„Kaiseradler“ in Bodö

angekommen. Die Yacht wird voraussichtlich dort bis zum Montag verbleiben. Am Sonntag hielt der Monarch wieder den Schiffsgottes­dienst ab. Der Kronprinz Wilhelm wird sich am Freitag mit seinen ältesten Brüdern nach Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel begeben.

Das Ansiedeluugswerk in Westpreußen und Posen soll, der„Schles. Zig.“ zufolge, in diesem Jahre eine möglichst gesteigerte Förderung erfahren. Zur Besiedelung sind für dieses Jahr 7 Güter bestellt. An Nachfrage durch Ansiedelungslustige ist nach wie vor kein Mangel. Für nächstes Jahr, wenn nicht schon früher, erwartet man stätkeren Zuzug von Ansiedlern aus Baden. Es würde dies die Folge der Informationsreise der von der badischen Regierung in die Ansiedlerbezirke nach Posen entsandten Kommission sein, die sich über die Ansiedler=Verhältnisse recht anerkennend aus­gesprochen haben soll. Der von der Staatsregie­rung bewilligte Jahresetat der Ansiedelungs=Kom­mission belief sich bislang auf 8 Millionen Mark. Es liegt nun in der Absicht der leitenden Ver­waltung, eine Erhöhung des Etat auf etwa 10 Millionen zu beantragen. Dieser Umstand spricht ebenfalls für die Absicht, das Ansiedelungswerk in gesteigertem Maße fortzusetzen.

Rußland.

Die Cholera ist bis nach Kasan vorge­drungen. Die offiziellen Krankenziffern, die

von der russischen Regierung aus den einzelnen Städten gegeben werden, sind niedrig, er­mangeln aber der Zuverlässigkeit. Privat­

berichte stellen die Dinge ganz anders dar, sie melden von zahlreichen Erkrankungen und Todesfällen und gänzlicher Kopflosigkeit. Alles flüchtet. Die Ausschreitungen der niederen

Bevölkerung in Astrachan, welche raubte und stahl, was sie finden konnte, und dann Reiß­aus nahm, haben infolge energischen Ein­schreitens der bewaffneten Macht ihr Ende

gefunden. Der Belagerungszustand dauert fort. Zu allem Leid wird noch ein massen­haftes Auftreten von Heuschrecken und anderem Ungeziefer gemeldet, welches die Ernte schwer bedroht.— Die russische Kaiserfamilie hat jetzt Kopenhagen verlassen und ist auf dem See­wege nach Rußland heimgereist. Angenehme Zustände warten dort des Zaren, wie man sieht, nicht.

Von Ewald August König. (Fortsetzung.)

„Armer Kerl!“ sagte der Maler, voll herz­licher Teilnahme.„Aber war nicht kürzlich hier die Rede von einem Grafen Vallier?“

„Er war's, der mich gestern abend um die Unterredung ersuchen ließ.“

„Was sagte er Dir?“ rief Onkel Stephan bestürzt.„Haßt er Dich noch immer?“

„Du wirst es sogleich erfahren. Als ich aus Amerika zurückgekehrt war, ging ich zuerst nach Paris, um über meine Frau und deren Familie Erkundigungen einzuziehen. Ich trug mich mit der Hoffnung, Graf Vallier werde inzwischen zu seinen Vätern versammelt sein und Hortense mich mit offenen Armen empfangen. Aber in allen diesen Erwartungen sah ich mich getäuscht; Graf Edmond von Saint Vallier lebte noch, und Hor­tense hatte einen Baron von Neuenburg geheiratet. Wie man mir sagte, lernte sie etwa acht oder neun Jahre nach unserer Trennung den Baron in Baden=Baden kennen, und Graf Ballier soll die Heirat vermittelt haben. Sie wohnten lange in Süddeutfchland und sind vor einem Jahre hier­her gezogen. Eine unsägliche Bitterkeit erfüllte meine Seele, als ich dies vernahm, und mit welchen Empfindungen ich diese Reise hierher fort­setzte, kannst Du Dir denken. Nicht Hortense und ihr Bruder allein weilen hier, auch die Zofe, die uns nach England begleitete—“

„Mademoiselle Pourtalier?“ unterbrach ihn der Maler, in dessen Zügen wachsende Ueber­raschung sich spiegelte.

„Ja wohl, und außer ihr befinden sich hier noch andere Diener aus früherer Zeit, die höchst wahrscheinlich den Grafen auf meine Anwesenheit aufmerksam gemacht haben.“

„Und was sagte der Graf Dir gestern abend?“ „Beleidigende Worte, mit denen er jedenfalls mich niederzuschmettern gedachte. Er will mir zwanzigtausend Francs geben, wenn ich sofort

Amerika.

Bei den Zusammenstößen zwischen den streikenden Schmiedearbeitern und der Polizei bei Pittsburg sind, wie nunmehr definitiv fest­gestellt worden ist, von den zuletzt siegreichen Arbeitern 6 getötet, 6 schwer und 18 leicht verwundet, während die von den Tausenden in die Enge getriebenen Polizisten 9 Tote und 21 Verwundete im Gefecht verloren. Gegen 100 Beamte wurden aber, nachdem sie vou den Arbeitern gefangen genommen waren, noch von dem wütenden Pöbel mit Stöcken und Fäusten mißhandelt. Im ganzen

234 Polizeibeamte gefangen genommen worden. Nur mit Mühe ist es übrigens den Führern der Arbeiter gelungen, die eingeschlossenen Polizisten zu retten. Sie legten in einer Ver­sammlung ihren Genossen ans Herz, zu be­denken, daß genug Blut geflossen sei. Erst nach vieler Mühe fanden diese Worte Berück­sichtigung. Auf dem Marsche nach dem Ge­fängnisse wurden die gefangenen Beamten aber doch, wie gesagt, auf das Brutalste von der Volksmenge mißhandelt. Einige von ihnen waren so schwer verwundet, daß sie kaum gehen, geschweige denn sich wehren konnten. Vor dem Gebäude des Gewerkvereins der Eisen= und Stahlarbeiter mußten die Polizisten den Hut abnehmen und die auf dem Gebäude wehende Flagge begrüßen. Während dieser Förmlichkeit wurden sie von Weibern mit Stöcken und Regenschirmen unter Hohngeschrei ins Gesicht geschlagen. Amerikanische Zeitungen schreiben selbst, daß so etwas denn doch noch nicht dagewesen sei.

Westfalen und Rheinland.

Schwerte, 9. Juli. Vorsicht! Die Kirschen sind reif, wieviel Unglücksfälle sind aber gerade in dieser Zeit, namentlich bei Kindern, durch das Hinunter­

schlucken der Steine hervorgerefen worden. In Bochum ist wieder leider der Fall vor zekommen, daß sich einem Kinde beim Essen von Kirschen der Kern in der Luft­röhre festsetzte und nur mit großer Mühe das Kind vor dem Toce des Erstickens gerettet wurde. Also— ihr Mütter, wenr euch das Leben eurer Kleinen am Herzen liegt, dann lasset diesen Mahnruf nicht an euch vorübergehen und vergesset nicht eurer Schutzbefohlenen die größte Vorsicht beim Essen von Kirsten einzu­schärfen.

Schwerte, 11. Juli. Vom Fürsten Bismarck traf am vergangenen Mittwoch von Kissingen aus, wo

nach Amerika zurückkehre, im andern Falle droht er mir mit der Polizei.“

„Das ist viel Geld, sehr viel Geld," sagte Onkel Stephan gedankenvoll,„aber Du wirst es ausgeben und dann wieder so arm sein wie zuvor.“

„Natürlich; ich bin zu alt geworden, um ein Geschäft gründen zu können, und ich kenne meine schwächen auch zu gut, um daran zu zweifeln, daß die Goldstücke sehr bald den Weg alles Ir­dischen gegangen sein werden. Ueberdies, und das ist die Hauptsache, widerstrebt es zu sehr meinem Stolz und meinem Ehrgefühl, aus diesen Händen Geld anzunehmen.“

„Gold stinkt nicht, sagte Vespasian," erwiderte der Maler, den Rauchwolken nachblickend, die zur Zimmerdecke emporstiegen;„ich hab's immer gerne genommen, ohne lange zu fragen, aus welchen Händen es kam! Ja, wenn jeder Thaler seine Geschichte erzählen könnte, dann würde man ihn wohl oft mit Abscheu und Entsetzen auf die Straße werfen. Aber ich begreife nicht, wie Graf Ballier Dir mit der Polizei drohen kann, er hat doch wahrlich Urfache zu schweigen und jede Einmischung der Behörde zu verhüten.“

„Er sagte mir mit dürren Worten, ich sei ein Vagabund, dessen Aussagen man als boshafte Verleumdung betrachten würde, also habe er keinen Grund, sie zu fürchten.“

„Beweisen mußt Du sie allerdings.“

„Ich kann es.“

„Womit?“

„Clemence Pourtalier war als Zeugin bei unserer Trauung zugegen, sodann auch besitze ich den amtlich beglaubigten Trauungsschein.“

„Und was gedenkst Du nun zu thun?“

„Ich weiß es nicht.“

Der Maler trat neben die Staffelei ans Fenster und blickte eine geraume Weile sinnend hinaus.

„Die Bedingung, nach Amerika zurückzukehren, darsst Du nicht eingehen,“ brach er endlich das Schweigen,„Du würdest dort untergehen. Ebenso­wenig möchte ich Dir raten, die reiche und vor­nehme Baronin von Neuenburg anzugreifen, mit

solchen Leuten ist nicht gut Kirschen essen. Ich meine, Du solltest nehmen, was Du bekommen kannst und dafür ewige Verschwiegenheit geloben; wir leben dann einige Jahre herrlich und in Freuden, und was nachher kommt, das findet sich.“

Heinrich Winkelmann warf einen Blick voll Entrüstung auf seinen Bruder, aber gleich darauf verscheuchte ein Lächeln wieder die Schatten von seiner Stirne, es war nur Leichtsinn, was Onkel Stephan bewogen hatte, diesen unüberlegten Vor­schlag zu machen.

„Ich sagte Dir schon, daß ich aus diesen Händen kein Geld annehmen werde," erwiderte er. „Hortense muß mir eine Zusammenkunft bewilligen, ich will mit ihr reden.“

„Wann willst Du sie besuchen?"

„Ich kann nicht zu ihr gehen, Graf Vallier, der in ihrem Hause wohnt, wird Befehl gegeben haben, mich nicht vorzulassen, und dem Hohn der Lakaien mag ich mich nicht aussetzen. Von der Unterredung mit ihr hängt mein ganzes ferneres Verhalten ab, ich würde ihr schreiben, wenn ich mit Sicherheit wüßte, daß sie meinen Brief erhalten wird.“

„Ich werde hingehen und das Rendezvous mit ihr verabreden,“ sagte der Maler,„bist Du damit einverstanden?“

„Vollkommen.“

„Schön, es soll heute noch geschehen.“

„Heute nicht,“ erwiderte Heinrich rasch,„warten wir noch einige Tage. Die einzige Tochter des Barons ist schwer erkrankt, ich will ihre Angst und ihre Sorgen nicht vermehren. Ich hege keinen Groll gegen sie, nur ihre Rechtfertigung will ich hören, genügt mir diese, so darf sie meiner Verzeihung sich versichert halten.“

„Und Graf Ballier?“

„Ha, wie ich ihn hasse! Könnte ich ihn demütigen, ihn bittend zu meinen Füßen sehen, einige Jahre meines Lebens wollte ich gerne darum geben

„Das sind fromme Wünsche," sagte Onkel Stephan, er glaubt sich in seinem Recht zu befinden, und nie wird er zugeben—“

„Ich weiß das alles, aber es könnte doch auch für ihn eine Stunde kommen, in der er be­reut, daß er damals so herzlos gehandelt hat. Würdest Du mir raten, auch unsern Bruder in dieses Geheimnis einzuweihen?"

„Nein, erwiderte der Maler nach kurzem Nach­denken.„Ernst ist ein herzensguter Mensch, aber er hat seine absonderlichen Ideen. Dann auch ist sein Sohn Untersuchungsrichter—“

„Du hast Recht, daran dachte ich noch nicht. Er mußte etwas von diesem Geheimnis erfahren haben, denn er fragte mich, ob ich die Geschichte kenne, die sich an den Ring knüpfe. Clemence sagte mir, sie habe nichts verraten, auch sie fand es seltsam, daß er den Ning von ihr gekauft hat. Daß ich mich damals von diesem Verlobungsringe trennen konnte, mag Dir beweisen, in welcher ge­reizten Stimmung ich mich befand, freilich kam noch hinzu, daß ich nichts anderes besaß, was ich der Zofe als Lohn für ihre treuen Dienste schenken sollte.“

Lautes Pochen an der Thür unterbrach in diesem Augenblick das Gespräch, der Maler stellte Flasche und Gläser in den Schrank und öffnete.

Der Schneider, den der Armendoktor geschickt hatte, trat mit seinem Gehülfen ein, ganze Berge von Kleidungsstücken und Wäsche legten sie auf den Tisch.

Onkel Stephan holte aus seinem alten Ge­rumpel eine spanische Wand hervor und stellte sie in der Mitte des Zimmers auf, hinter ihr kleidete Heinrich Winkelmann sich um.

Das Geschäft war rasch abgemacht, als ein ganz anderer trat der alte Mann hinter der Wand wieder hervor.

Der Schneider war entzückt über den modischen Schnitt und den vortrefflichen Sitz seiner Kleidungs­stücke, Onkel Stephan nickte vergnügt, ohne an seinen eigenen schäbigen Anzug zu denken, und nachdem der Gehülfe einige Empfehlungskarten überreicht hatte, entfernten die Beiden sich wieder unter zahlreichen Komplimenten und Verbeugungen. Hier steckt der Fünfthalerschein noch,“ sagte