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Leider tat aber der Schwarze Teufel Somer­ville nicht den Gefallen, auf der Sandbank lie­gen zu bleiben. Anscheinend hatte er doch die Finte durchschaut. Auf jeden Fall tauchte er gerade in dem Augenblick ins Wasser, als der Engländer sich zum Schießen anschickte. Aer­gerlich wollte Somerville umkehren.

Doch plötzlich begann das Boot zu schaukeln. Die Insassen wußten keine Erklärung hierfür, bis plötzlich an Steuerbord der Rachen und an Backbord der Schwanz des Schwarzen Teufels auftauchten. Das Vieh wollte zweifellos das Boot zum Kentern bringen.

Der Engländer war vor Schreck erstarrt. Er vergaß das Schießen einen Augenblick und seuerte erst, als der Stern des Bootes hoch aus dem Wasser aufragte.

der

der nächsten Sekunde flog er aus dem ken­

ternden Boot ins Wasser, die Inder hinter ihm her. Sie schwammen alle drei um ihr Leben. Die Angst, jeden Augenblick die Zähne des Schwarzen Teufels im Hosenboden zu spüren, verlieh ihnen Wunderkräfte. Trotzdem waren sie erstaunt, als sie alle drei die Seebank un­beschädigt erreichten. Anscheinend war der Schuß dem Krokodil ins Maul gegangen und hatte ihm für einige Zeit die Lust zum Zu­schnappen genommen.

Nach diesem Erlebnis betrachtete Somerville die Erledigung des Schwarzen Teufels als Eh­rensache. Freilich schienen die Aussichten da­durch nicht besser geworden zu sein. Der Schwarze Teufel kam nicht in Schußweite, sei­ne neuen Opfer bewiesen aber deutlich genug, daß der Schuß ihm wenig geschadet hatte.

Eines Morgens stieg Somerville gerade schlecht gelaunt von dem überhängenden Baum in dem er die Nacht über auf Anstand gesessen hatte, als ihm Sunnia in den Weg lief. Sie war nicht gerade hübsch— indische Großmüt­ter legen nicht soviel Wert auf gutes Aussehen wie ihre weißen Altersgenossinnen—, und Somerville wäre an ihr vorübergegangen, hätte sie nicht in dem Augenblick gegrinst und

geiggt:„Du kannst ihn wohl nicht erwischen,

Somerville fand die Frage höchst überflüs­sig. Bevor er richtig Zeit hatte, sich über sie zu ärgern, sagte die Alte:„Komm mit! Ich will Dir zeigen, wie eine schwache alte Frau den Schwarzen Teufel übertölpelt.“ Sie sagte das mit solcher Selbstverständlichkeit, daß der Engländer ihr nach ihrer Hütte folgte.„Drei Rupien“, sagte sie dort,„kostet die Sache". Der Engländer zahlte anstandslos. und Sun­nia brachte zwei Lämmer heran. Eines davon schlachtete sie sofort. Sie nahm es aus ohne das Fell zu beschädigen, und füllte die Bauch­höhle mit ungelöschtem Kalk. Dann nähte sie den Leib wieder zu.

Verständnislos sah der Engländer ihr zu und ließ sich noch gehorsam das tote Tier in den Arm drücken, während sie das andere Lamm am Strick hinter sich her zog. An einer Stelle am Ufer machte Sunnia halt:„Hier habe ich

Ihn vorhin gesehen, den Schwarzen Teufel.“ die nahm Somerville das tote Lamm aus der Hand:„Nun versteck' Dich irgendwo im Busch!“

Der Engländer gehorchte und sah Sunnia ver­

wundert zu.

Die Alte lief am Ufer auf und ab, bückte sich zuweilen und hob einen trockenen Ast auf, als sammelte sie Holz. Das Lamm folgte ihr mek­kernd. Anscheinend fürchtete Sunnia, daß ihr das Tier noch zwischen die Beine kommen könnte. Deshalb band sie es wohl unmittelbar am Ufer an einem Busch fest. Nach einiger Zeit setzte sie sich wie ermüdet unweit davon nieder.

Der Engländer wußte nicht, was das alles jedeuten sollte, als plötzlich die schwarze Schnauze und die kleinen Augen des Schwar­zen Teufels auftauchten. Vorsichtig spähte das Krokodil, dann kroch es langsam ans Ufer. Das Lamm meckerte ängstlich. Da schlug Sunnia in die Hände und schrie. Der Schwarze Teufel verzog sich.

Kaum war er untergetaucht, da sprang Sun­nia hoch, band das Lamm los und legte das tote an dessen Stelle. Sie verstand es, mit we­nigen Griffen dem Tier eine Haltung zu geben, die es lebend erscheinen ließ. Dann hockte sich Sunnia auf ihren alten Platz und schlief an­scheinend ein. Das lebende Lamm, das sie un­weit davon hinter einem Busch außer Sicht an­zebunden hatte, meckerte weiter.

Es dauerte nicht lange, bis der Schwarze Leufel wieder auftauchte. Er blinzelte Sunnia an, war überzeugt, daß die Alte schlief, und kroch ans Ufer. Er nahm sich nicht erst die Zeit, das Tier zu zerreißen, sondern schlang es nach wenigen Bissen hinunter. Dann kroch er ins Wasser zurück.

„Komm, komm“, sprang Sunnia plötzlich auf, packte ihr Lamm und rannte vor Somerville her. Dem Engländer dämmerte es, als er am Ufer, wo das tote Lamm gelegen hatte, ein wenig vom ungelöschten Kalk aus dem Tier­bauch sah. So lief er hinter Sunnia her, bis sie in Höhe einer Sandbank kamen.

Dort war die Hölle los. Der Schwarze Teu­fel schoß und wirbelte im Wasser herum, schnappte nach Luft, tauchte unter und kam wieder an die Oberfläche, weil er sich nicht mehr zu helfen wußte, weil jeder Schluck, mit dem er das Brennen in seinem Magen zu lö­schen hoffte, die Schmerzen nur steigerte. Der ungelöschte Kalk zerfraß ihm die Eingeweide. In seiner Angst und Qual kroch das Vieh schließlich an Land, wo Somerville ihm ohne jede Schwierigkeit den Fangschuß geben konnte.

„So erlegte Sunnia, die Großmutter, den Schwarzen Teufel. Warum sie ihre Kunst nicht schon vorher angewandt hatte, wußte freilich keiner.

tasie der umwohnenden Stämme stark angeregt hat. Daher erzählte man sich unter ihnen von blühenden Oasen im Innern einerseits, ande­rerseits von alten Stadtruinen, die unterm Wüstensand vergraben liegen. Auch B.:###l vorkommen, was indes aus geologischen Grün­den höchst unwahrscheinlich ist. Nicht iusge­schlossen bleibt dagegen die Möglichkeit, daß sich für den Archäologen höchst bedeutsame In­schriften, vielleicht in der uralten hymiaritischen Sprache oder sogar noch ältere, finden, denn vor rund vier Jahrtausenden führten mehrere Handelsstraßen, die sich noch nachweisen lassen, durch diesen heute völlig unzugänglichen Teil biens.

Ueber manche— wenn nicht alle— von die­sen Fragen dürfte der demnächst zu erwartende eingehende Bericht des Engländers Aufschluß geben, der von der gesamten, für die hier in Frage kommenden Gebiete wissenschaftlich in­teressierten Welt mit Spannung erwartet wird.

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Zeitschrift des Vereins für rheinische und westfälische Volkskunde. 27. Jahrgang,

3/4. Wuppertal=Elberfeld 1930. A. Martini & Grüttefien G. m. b. H.— Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage der Gegenwart ist der Verein für rheinische und westfälische Volks­kunde in der Lage gewesen, als zweite Ver­öffentlichung des laufenden Jahrgangs ein Doppelheft seiner Zeitschrift erscheinen zu lassen. Es enthält von G. Henssen eine Zusam­

ase alsce ier ei

sterwälder Kinder fort. Ueber die Wesensart der Westfalen nach Werner Rolevinck(De laude veteris Saxoniae(1478) berichtet Paula van Beek. In das Gebiet der religiösen Volks­kunde gehören zwei Aufsätze, zunächst von Eduard Arens: Wie die Pfarrer in Geseke in alter Zeit eingeführt wurden, und von M. M. Th. Voelker: Die Pflanze im volkstümlichen Glauben des Sauerlandes, Diesen größeren Aufsätzen reiht sich eine Reihe von kleineren Mitteilungen und Besprechungen an. Es wäre zu wünschen, daß die Zeitschrift, die für weitelte Kreise bestimmt ist, weite Verbreitung fände in einer Zeit, in der Besinnung auf das Volkstum gotwendig ist.

Durch die Rub' al

Die erste Durcizuerung der großen Arabischen Wüste.

Von Theodor Lindenstädt.

Mit seiner unlängst erfolgreich durchgeführ­ten Reise von Dhufar am Indischen Ozean zu den Bahrein=Inseln im Persischen Golf, die ihn mitten durch die gefürchtete Rub’ al Khali (arabisch— leerer Raum), die große Sandwüste im Süden Arabiens, führt, hat der Engländer Bertram Thomas sich mit in die erste Reihe der großen Forschungsreisenden unserer Zeit ge­stellt. Denn die Rub' al Khali gehörte bisher zu den unbekanntesten Teilen unseres Erdballs, sie war in ihrem Innern noch von kei es Weißen Fuß betreten worden.

Die Ankunft des Forschers in Dohah erfolgte für alle nicht Eingeweihten völlig überraschend,

An Autgud— H)

Menschenmordende Krokodile.

Im Sambesi ereignete sich bei Livingstone ein Krokodilangriff auf einen badenden Kna­ben. Der kleine van Staden schwamm in einem abgeteilten Badeplatz des Sambesi=Ruderver­eins. Die Umzäunung muß aber an einer Stelle durchlässig gewesen sein; denn vlötzlich wurde der Junge von einem Krokodil in die Tiefe gezogen, hielt sich aber noch schreiend ein paar Sekunden an der Umfriedigung des Bades fest. Ein Erwachsener sprang ihm in voller Bekleidung sofort nach und suchte den Knaben zu befreien. Beide Europäer finden den gefährlichen Reptilien zum Opfer. Nunmehr versuchte man unter Aufwand aller erdenklcher Vorsichtsmaßregeln, den gefährlichen Räubern ihre Opfer zu entreißen. Männer mit Spießen und Scharfschützen gingen in den Fluß. Aber auch diese Hilfsmannschaft richtete nichts aus und hatte obendrein noch einen Schwerverletz­ten, der einen furchtbaren Biß in beide Beine bekam.

Achthundert Meter Würstchen.

war der Plan zu dem Unternehmen wie die Abreise aus Dhufar doch völlig geheim gehalten

worden. Diese Verschleierung seiner Absihten bildete für Thomas eine Vorbedingung zum Erfolg: venn die am Südrande der größen Wüste lebenden Stämme widersetzten sich jedem Eindringen in ihr Gebiet, daher war auch Thomas schon im Januar letzten Jahres, als er bei einem ersten Versuch bereits weit nach Nor­den vordrang, zur Umkehr genötigt worden.

Außer den feindlichen Araberstämmen am Südrande der Wüste, deren Gebiet es möglichst unbemerkt zu durchziehen galt, drohten nech manche andere Gefahren dem kühnen Reisen­den. Dahin gehören die völlige Unfruchtbar­keit des zu durchziehenden Landes, sein Was­sermangel, der nur durch seltene Regenfiille gemildert wird, und das Auftreten trügerischn Fließsandes, wie er zuerst in Südarabien von dem deutschen Geographen von Wrede beob­achtet und auch von Thomas selbst auf einer früheren Reise festgestellt wurde. Daß dieser Fließsand sich auch in der Rub' Al Khali findet. scheint außer Zweifel zu stehen.

Es ist nur natürlich, daß ein dem Eindringen jedes Menschen so feindliches Gebiet die Phan­

An die schönen, eßlustigen Zeiten des Mittel­alters, mit ihren bekannten Fürstenhochzeiten, auf denen erstaunliche Mengen vertilgt wurden, wird man erinnert, liest man von den Feierlich­keiten gelegentlich der Vermählung des Stadt­rates Dibble aus Damtranack(Michigan) mit der Jungfrau Violet MeLcod. Als Politiher war der Bräutigam verpflichtet, eine Unmenge seiner Wähler zur Hochzeit einzuladen. Dem­entsprechende Mengen guter Sachen wanderten in empfangsbereite Mägen. So wurden unter anderem nicht weniger als zehn Faß Sauer­kraut verzehrt, zu denen es achthundert Meter warme Würstchen gab. Da der Schauplatz dieser unvergeßlichen Feier sich in alleraächster Nähe der kanadischen Grenze befindet, so darf man der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß die Gäste auf das Sauerkraut hin nicht verdurstet sind.

Deutsche Erde(Einzelheft RM.—.50 Jahres­bezug RM. 12.—. Erscheint zweimal monatlich im Terra=Verlag, Berlin W. 9). Im einleiten­den Teil des vorliegenden Heftes fanden wir einen hochinteressanten Artikel von Dr. G. Tischer„Macht und Recht im Kampf um deut­sche Erde“. Ueber die Reform der Männerklei­dung macht Dr. Eberhardt, München, durchaus gangbare Vorschläge. Mit wundervollen Auf­nahmen ist wieder der Teil„Aus deutschen Landen" ausgestattet, den eine Schilderung der Grafschaft Glatz einleitet. Im Teil„Deut­sches Geistesleben", Dr. Hans Offe:„Warum treiben wir heute Geopolitik?“ Reizend ist eine Skizze von Ena von Baer„Das Märchen von der deutschen Seele".„Rätsel der Tief­see“, Pflanzenblühen im Eiltempo“,„200 Jahre deutscher Eisen= und Bronzeguß“ sowie eine anregende Anleitung„Wie gestalte ich meinen Garten“, füllen den Teil„Natur und Technik“. Der laufende Roman sowie zahlreiche lesens­werte Kurzgeschichten meist heiteren Inhalts geben dem Heft wieder den Charakter einer vielseitigen Familienzeitschrift, der man weite­ste Verbreitung wünscht, zumal jede Abhand­lung die Liebe zur Heimat fördert und deut­sches Fühlen und Denken vermittelt. Der Ver­lag versendet ein kostenfreies Probeheft.

Verantwortlich H. Semmelmann, Altena. Druck und Versag: C. Santz, Altena.

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Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung

Nr. 12 Mittwoch, 18. März 1931

der Spur neuer Tiere

Von M. A. v. Lütgendorff= München.

Im Laufe dieses Jahres führte der amerika­nische Tiefseeforscher William Beebe Reisen aus, die ihn in einen Teil der Erde brachten, den vor ihm kaum je ein Forscher betreten haben dürfte. Er ließ sich in einem Taucher­apparat, einem doppelwandigem Stahlballon, ins Meer hinunter, gelangte bis in eine Tiefe von mehr als 400 Meter und sah dort Tiere in Gestalten, wie sie sich selbst tolle Phanta­sie kaum hätte ausmalen können. Da schwamm im Nachtdunkel der Tiefsee ein Fisch, von des­sen Unterseite ein violettes Licht ausstrahlte, während sein einziges großes Auge nur nach oben blicken konnte.„Sternfresser" nannte der Forscher einen anderen Fisch, der schwarz und fast unsichtbar umher jagte und immer nur solche Fische fing, die selbst leuchteten, weil diese„schwimmenden Laternen" im Dunkeln am leichtesten zu erbeuten waren. Und Netz­fänge aus der Tiefsee ergaben eine ganze Fülle von Kleinlebewesen, winzigen Kresbchen und Fischchen, die einander verfolgten und ver­schlangen und gleich gelben, roten und weißen Funken durch das lichtlose Wasser glühten. Unter den Tiefseetieren, die man durch das dick verglaste Bullauge des Ballons beobachten und fangen konnte, befanden sich viele, die man bisher noch nicht gekannt hatte, und es ist sicher, daß jede neue Reise in die Tiefe des Ozeans wieder neue, völlig unbekannte Tiere zutage fördern wird. Denn wieviel seltsame Lebewesen mögen die ungeheueren Wasser­massen der Weltmeere noch bergen!

Beweise hierfür liegen ja vor. So fand man im November 1921 bei Kap May in der Dela­ware=Bucht in Nordamerika ein totes Säuge­tier, das die Flut angespült hatte. Ein Tier, so riesenhaft, daß sein Gewicht das des Elefan­ten weit übertraf. Die Gelehrten, die das Rie­sentier betrachteten, kannten es nicht. Nach der Annahme des Forschers Mitchell=Hedges handelte es sich vielleicht um einen gewaltigen Seeelefanten, aber jedenfalls um eine Riesen­form dieser Tiergattung, wie man sie noch nicht beobachtet hatte. Hat doch der gleiche Forscher erst in den allerletzten Jahren auch im Meer neue Riesentiere gefunden, Sägefische, die eine Länge von 8 bis 10 Meter und ein Gewicht bis 5700 Pfund aufwiesen. Fische von einer solchen Kraft, daß sie Ketten von einhalbzölligem Werkzeugstahl wie Rü­ben durchbissen. Und einen 800 Pfund schwe­ren Riesenrochen, dessen Kiefer so gewaltige Kräfte besitzen, daß der Fisch Seemuscheln von 5 bis 6 Pfund Gewicht und von solcher Härte, daß kaum ein Hammer sie zerkleinern konnte, ohne Mühe zermalmte. Dann war unter den neuentdeckten Tieren dieser Forscherfahrt durch Mittelamerika und durchs Karibische Meer auch ein Alligator mit Schlangenaugen und einem Papageienschnabel, ein Tier von so selsamem Aussehen, daß man überhaupt nicht weiß, in welche Klasse man es einreihen soll; außerdem gab es Wasserläuse, wie man sie bisher niemals gesehen hatte. Sie sind 2,5 Zentimeter groß und bohren sich mit stahlharten Beinen in das Fleisch der Menschen und Tiere ein. Und so hart sind die Beine dieser Laus, daß es, wenn man sie durchbricht, knarrt, als ob man eine Stahlnadel zerbräche. Neben all diesen neuen Tierformen entdeckte man auch einen Krebs, der statt ins Wasser zu gehen auf Bäumen lebt, auf ihnen herumklettert und sich von den Früchten und Insekten nährt Auf bisher noch unbekannte Tiere lassen Funde schließen, die man in japanischen und nordamerikanischen Meeresgebieten machte. Er waren abgerissene Arme von Tintenfischen Diese Glieder waren bis zu 10 Meter lang.

Wie mag also das Tier selbst aussehen? Noch im vorigen Jahrhundert wurde das Vorhan­densein solcher Riesentintenfische, jener merk­würdigen Kraken, von denen so viele Seefah­rer berichtet hatten, von der Wissenschaft ziem­lich scharf zurückgewiesen. Aber nun haben diese Funde festgestallt, daß solche Tiere nicht nur wirklich leben, sondern vermutlich sogar noch größer sind, als selbst die Phantasie der Erzähler sie geschildert hatte. Denn nach der Größe der Teile, die von dem— wahrschein­lich— größten aller Kopffüßer stammen dürf ten, kann man annehmen, daß der ganze Kör­per des Tieres ungefähr 17 bis 20 Meter lang ist. Und es sind Formen unter dieser Gat­tung, die Augen im Durchmesser von nahezu 50 Zentimeter haben.

. Daß in der Tiefsee der Meere sehr viele Tiere leben, die bisher kein menschliches Auge erblickt hat, darüber kann wirklich kein Zwei­fel mehr bestehen. Gibt es nun aber auch Landgebiete, in denen man heutzutage noch ein gänzlich unbekanntes Tier, auffinden könnte? Erfahrene Naturforscher, die ihr Weg in die Wildnis von Urwäldern und schier unzugäng­lichen Sumpfgebieten geführt hat, behaupten dies unbedingt.„Noch heute gibt es, meiner festen Ueberzeugung nach, in Afrika noch Tiere, die auf ihre Entdeckung warten“, schreibt der bekannte Afrikareisende Hans Schomburgk weil auch er Zeichen und Spuren fand, die auf das Dasein von unbekannten Tieren schließen lassen. Im Bangweolo=See in Nordost=Rho­desia lebt höchstwahrscheinlich ein Tier, das et­was kleiner als ein Flußpferd ist; weiterhin vermutet Schomburgk nach einem Stück Kör­verhaut, das man ihm im Jahre 1911 vorlegte, daß es in den Sumpfgebieten des ehemaligen Kamerun noch ein neues, elefantenähnliches Tier gibt. Ob es sich vielleicht doch um den Wasserelefanten handelt, dessen Vorhandensein

man immer noch bezweifelt— wer kann es vissen? Eines Tages dürfte sich auch ein an­deres Tier entdecken lassen: ein schwarzes, jegengroßes Raubtier, von den Eingeborenen „Tu“ genannt, das sich in den Urwäldern von liberia aufhält. Schomburgk hörte erst im Jahre 1924 davon, und zwar im Vayland am oberen Morfi=Fluß, wo es sich bisweilen zeigt. Mancher mag dergleichen Berichte und Be­schreibungen anzweifeln, aber wer kann be­haupten, daß in Urwäldern, die noch keines Weißen Fuß jemals betrat— man denke nur an die landergroßen, bis heute gänzlich uner­forschten Waldstrecken, die der Amazonas in Brasilien durchströmt—, nicht noch so manches Tier lebt, von dem wir nichts ahnen. Gelang es doch, um nur zwei Beispiele anzuführen, erst zu Beginn unseres Jahrhunderts, in den Wäl­dern Afrikas ein ganz besonders großes Wild­schwein, das„Riesenwaldschwein", zu entdek­ken und dann das Okapi, jenes mit den Gi­raffen verwandte Tier mit dend großgestreiften Fell, wodurch es fast dem Zebra gleicht.

Ein neuentdecktes Tier muß übrigens nicht unbedingt ein Tier sein, das noch kein Natur­forscher je gesehen und untersucht hat, es kann sich vielmehr auch einmal um eine Tierform handeln, die man einst schon kannte, die aber aus irgend einem Grunde wieder vergessen wurde. So etwa wie der alte deutsche„Wald. rapp“ oder Alpenrabe, ein Vogel, der noch im sechzehnten Jahrhundert in Deutschland gelebt hat, dann aber, weil man ihn sinnlos ver­folgte, nach Aegypten auswanderte und eines schönen Tages— es war im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts— wieder neu entdeckt wurde; der viele Jahrzehnte als neue Form galt, bis man wiederum„entdeckte“, daß der neue Aegypter eigentlich ein guter Deutscher war, den man nur vergessen hatte, weil men ihn nicht mehr sah.

Die deutsche Himalaja=Expedition im Film

Das Lager der Expedition vor dem großartigen Panorama des Kangchenjönga. Oben rechts: Der Leiter des Unternehmens Prof. Dyhrenfurth=Breslau. Der Film der deutschen Osthimalaja=Expedition 1930 wurde zum ersten Male in Berlin gezeigt. Neben wissenschaftlichen Ausbeute ist dieser an wunder­baren Naturaufnahmen reiche Film das wichtigste Ergebnis der deutschen Expedition.