Rechtsdrehung 90°Linksdrehung 90° 
  
  
  
  
  
 
Einzelbild herunterladen

Puceini, Rant und Grank in einen Topf warf.

Die Damen gingen zwar mit höflichem Schrei­gen über derartige Entgleisungen hinweg, aber Grace sah, daß Lloyd bei solchen Gelegenheiten verlegen wurde. Sie wollte ihm alle weitere Verstimmung ersparen und vertiefte sich in alle möglichen wissenschaftlichen Werke. Doch, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr. Grace konnte sich die vielen fremden Namen nicht merken, und wenn sie wirllich ein r ihrem Gedächtnis eingeprägt hatte und selbst ihre Bedeutung wußte, so brachten Fräulein Boyle nd ihre Freundinnen bei nächster Ge­legenheit das Gespräch bestimmt auf ein73 anderes, ihr völlig unbekanntes Gebiet. Des­hald mußte Grace langsam zu der Ueberzeunung gelangen, daß ihre Adoptivschwiegermutter sie nur zu blamieren und Lloyd zu entfremden suchte. Grace fühlte, daß dies Fräulein Boyle auch gelang.

Die Geburt eines Stammhalters schien Lloyds Liebe wieder auszufrischen. Doch nur für kurze Zeit. Denn nun degann Fräulein Boyle schwe­reres Geschütz aufzufahren. Sie veranstaltete täglich Bibelabende, an denen sämtliche Haus­bewohner teilzunehmen hatten und die drei bis vier Stunden dauerten. Wenn dann die wür­dige Dame den Himmel bat, ihren lieven Adop­tivsohn von allem Uebel zu erlösen, so wußte Grace genau, daß sie hiermit gemeint war. Dann mußte sich die junge Frau an ihre Wider­sacherin selbst wenden, weil ihr Mann, der auf Geheiß seiner Adoptivmutter nicht arbeiten durfte und wöchentlich nur fünf Dollar Taschen­geld erhielt, ihr keine Kleiden; kaufen konnte. Mit schmelzender Freundlichkeit war Fräulein Boyle sofort bereit, die junge Frau von Kopf bis zu Fuß neu auszustatten. Sie kaufte ihr nicht weniger als siebenundzwanzig Kleioer auf einen Schlag. Doch nach Graces Ansicht aar diese Freigebigkeit nichts anderes als ein neues Attentat auf ihr Eheglück, denn die Kleider, die Fräulein Boyle ohne Widerspruch zu dulden gewählt hatte, mochten einer Sieb­zigjährigen stehen, aber nicht einer frischen, jungen Frau. Grace fühlte, daß sie ihrem Mann in dieser erzwungenen Maskerade lächer­lich erschien, und sie empfand, wie er sich täglich mehr von ihr abwandte. Zu alledem wehrte er sich nicht dagegen, daß seine Adoptivmutter den kleinen Stammhalter spöttisch nur als„Graces Baby" bezeichnete.

mein Wohlergehen sehen, denn ich habe noch Eltdrief vor, in dem ihn„Barba“— so hleß die

nicht soviel Selbstvertrauen zu mir.— Sei nicht so stolz auf meine natürliche Munterkeit.— Auch sollst du nicht gleich meine Temperatur messen und mich zum Arzt schicken, wenn mir etwas fehlt.— Laß nie das Licht in meine Au­gen scheinen, und wiege mich nie gewaltsam in den Schlaf!“

Spiritistenheirat

Herr James Weed in Stamford ist ein tüch­tiger Geschäftsmann, dem es in den siebzig Jahren seines Lebens gelungen ist, das nette Vermögen von zwei Millionen Mark zusam­men zu bringen. Mancher hätte sich danach befriedigt zur Ruhe gesetzt; aber Herr Weed hielt sich noch nicht für reich genug und ge­dachte auf dem mühelosen Wege der Börsen­spekalation noch die eine oder andere Million

entzückende Vollwaise— auf nächsten Sonntag vertröstete. Da wiederholte sich dasselbe Schau­spiel. Noch ein drittes Mal ließ sich der verliebte Mann hineinlegen. Dann kam ihm die Sache etwas verdächtig vor. Er reiste kurz entschlos­sen nach Brescia und fand dort nach einigem Suchen„Barba". Leider aber nicht in der Ge­stalt eines anmutigen jungen Mädchens, sondern in der eines rothaarigen, von Sommersprossen strotzenden Männleins. Er— und nicht„Sie“ — entpuppte sich als eine gewerbsmäßige Hei­ratsschwindlerin; der geschäftstüchtige Signor Barba korrespondierte regelmäßig als junge Dame und hatte es lediglich auf männliche Opfer abgesehen. Er wanderte ins Kittchen. Georgio aber beschloß, zeitlebens Junggeselle zu bleiben.

(2.—

Da riß der jungen Frau, die wußte, Llouds Liebe gehörte ihr nicht mehr, die Geduld. Sie nahm ihr Kino auf den Arm und verließ für immer den pompösen Schauplatz ihrer Er­

niedrigung.

Heute fordert Grace Howard von Fräulein Voyle hunderttausend Dollars Schadenersatz, weil sie der festen Ansicht ist, daß die Freund­lichkeit der alten Dame nur System war. um durch das Wachrufen alter Vorurteile ihrer Weltgewandtheit den Sien über die Schönheit und Frische ihrer Schwiegertochter zu verschaf­fen. Somit fand dieser ursprünglich so roman­tische Film aus dem Leben einen etwas uner­warteten Abschluß.

zu verdienen. Aber die Börse ist ein gefähr­licher Boden; man weiß nie sicher, wie die Kurse sich bewegen werden; so hielt es Herr Weed für geraten, zuvor einige zuverlässige Auskünfte einzuziehen. Wo konnte er diese besser erhalten als bei Frau Lilian Starr, die sich als hellseherisches Medium eines ausgezeich neten Rufes im weitesten Umkreise ersreute? Herr Weed war selbst ein überzeugter Spiritist und zweifelte daher keinen Augenblick, daß Frau Lilian ihm schon die richtigen Tips geben werde. Er sah sich in seinen Erwartungen weit übertroffen. Allerdings mit den Tips rückte das Medium noch nicht gleich heraus, dafür ge­lang es ihr aber überraschenderweise, sich mit den vor Jahren verstorbenen Eltern ihres Auf­traggebers in Verbindung zu setzen und von ihnen in Erfahrung zu bringen, daß die um das Wohl ihres Sohnes immer noch besorgten alten Leute keinen sehnlicheren Wunsch hätten, als die Ehe ihres Sohnes mit Frau Lilian. Herr Weed zweifelte um so weniger an der Wahrheit dieser überraschenden Mitteilung, als ihm die Hellseherin eine im gleichen Sinne lau­tende schriftliche Mitteilung seiner Eltern aus dem Jenseits vorlegen konnte. Als guter Sohn zögerte er daher nicht, den Wunsch der Verstor­benen zu erfüllen.— Mit den Börsentips war es auch nach der Hochzeit nichts; statt dessen gelang es aber der neugebackenen Ehefrau, ih­rem Gatten 100000 Mark in bar„für den Bau eines Spiritistentempels" zu entlocken. Sie hatte das Geld kaum in Händen, so verschwand sie und ward nicht mehr gesehen. Nach diesen traurigen Vorfällen soll der Spiritismus England einen seiner überzeugtesten Anhänger verloren haben.

Postschließfach Nr. 316

Babys Bitten an die Mutter

Die Mutterliebe ist stets darauf bedacht, ih­rem Kinde die beste Pflege zuteil werden zu lassen, aber nicht immer weiß sie die rechten Wege und quält, ohne es zu wissen, ihr Kleines durch falschen Uebereifer und unrichtige Be­handlung. In folgendem hat ein bekannter Kinderarzt einige wohlgemeinte Mahnungen in origineller Form an die Mutter gerichtet. Er läßt den jungen Erdenbürger folgende Bit­ten an sein Mütterchen richten

„Faß mich nicht öfter an, ais es nötig ist.— Gib mir keinen alten Lutscher, um mich am Schreien zu verhindern.— Zeige mich nicht al­len Tanten und Onkeln.— Nimm mich nicht immer aus meinem Bettchen, um mich an die Brust zu drücken und mit mir auf dem Fuß­boden zu spielen, und führe vor mir keinen wilden Indianertanz auf, indem du eine Klap­per schüttelst und mir einen Kauderwelsch vor­redest um mich am Schreien zu hindern.— Wenn ich meine Flasche sortwerfe, zwinge mich nicht sie von neuem zu nehmen, ich weiß besser als du, wenn ich Hunger habe.— Nimm mich nicht zu allen Vergnügungen mit, denn ich bin noch nicht so alt und vergnügungssüchtig wie du.— Küsse mich nicht, dazt bin ich noch zu jung, suche dir dazu einen Altersgenossen aus.

Georgio Buzatti, ein strebsamer junger Kauf­mann in Turin, hatte stets Glück im Geschäft, aber um so weniger in der Liebe. Er war schon im reifsten Mannesalter und noch immer unbe­weibt. Sehr gegen seinen eigenen Willen; er hätte nur zu gern eine rassige Italienerin als Gattin heimgeführt. Eines Sonntags wurde der Heiratslustige auf ein Inserat aufmerksam, das sein Interesse in höchstem Grade erweckte: „Junge, schöne Vollwaise sucht in Ermana#lung von Bekanntschaften auf diesem Wege Lebens­

Wem gehört unser Kind?

Die meisten Eltern sind der Meinung, ihr Kind sei ihr unumschränktes Eigentum. Sie haben es zur Welt gebracht, es mit Mühen aufgezogen, wer in aller Welt dürfte ihnen den Besitz streitig machen? Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ist ihnen ja auch unter normalen Umständen das Verfügungsrecht zugestanden. Eine andere Antwort gibt aber A. Weber im Daheim(66. Jahrgang Nr. 5). Dort heißt es in einem längeren Aufsatz u. a.:„Das Kind gehört sich selbst!“. Und wir sollten mehr und mehr lernen,„unser“ Kind nicht so unum­schränkt als Privateigentum zu betrachten, vielmehr vom ersten Lebenstage an bedenken, daß es sich selbst am allermeisten gehört. Von dieser Einsicht aus wird unsere Liebe die rechte sein, denn sie wird dem Kind nur das antun, was ihm selber dient und nottut. Da wird die zärtliche Mutter sich lieber das Küssen und Verhätscheln des Kindes versagen, als es im geringsten dadurch körperlich und seelisch zu gefährden. Sie wird das Kind nicht zur Spiel­puppe herabwürdigen, sondern das hohe, un­antastbare Gut, das ihr anvertraut wurde, in Ehrfurcht verwalten. Da werden die Eltern dem heranwachsenden Kind sein größtes Le­bensrecht lassen: sich frei zu entfalten nach sei­nen Anlagen und seinem eigensten Wesen. Sie werden es niemals voreilig in den ihnen er­wünschten Beruf drängen, vielmehr seine Ent­wicklung in Ruhe sich vollenden lassen und derweil mit der stets wachen Aufmerksamkeit ihrer Liebe beobachten, wohin es dies Men­schenwesen drängt. Erst aus dieser Einstellung heraus haben Eltern das Recht, zu gegebener Zeit dem Sohn oder der Tochter bei der Be­rufswahl zu raten und zu helfen. Nur so werden Eltern es leicht überwinden, wenn ihr Kind„aus der Art schlögt“, nur so alle die Be­denken besiegen, die ihren selbstsüchtigen Plä­nen mit dem Kind voreilig entsprangen. Und bedarf ein Kind, das in solcher wahren Eltern­liebe steht, der Ermahnung und der Strafe, so wird die ernste Sorge um das tiefste Wohl des Kindes sie heraufbeschwören, und niemals die unbeherrschte Sucht nach Autorität, nie irgend­eine nervöse Spannung, die nach Entladung drängt.

Seiten lange Bewerbung. Er brauchte nicht lange auf Antwort zu warten; schon nach acht­undvierzig Stunden hielt er ein parfümiertes Briefchen in der vor Aufregung zitternden Hand:„Sehr geehrter Herr, ich glaube. Sie sino der Mann, nach dem ich mich in meinen Mädchenträumen sehne. Wenn Sie der Ansicht sind, daß Sie mich glücklich machen könnten, möchte ich Sie gern kennen lernen.“ Und ob Signor Buzatti der Meinung war! Er schrieb einen glühenden Liebesbrief, wie er im Buche steht. Abermals kam prompt die Antwort der schönen Unbekannten:„Ich will Sie auf die Probe stellen. Senden Sie mir umgehend 500 Lire! Sollte ich bis Sonnabend im Besitz des Geldes sein, so könnten wir uns am Haupt­bahnhof in Mailand treffen.“ Dem Briefe lag das Bildnis eines entzückenden jungen Mäd­chens bei. Georgios Herz schlug höher. Er schickte die fünf Hunoerter telegraphisch nach Breseia, Postschließfach 316, fuhr am Sonntag in einem funkelnagelneuen Anzug nach Mailand und wartete dort auf seine Zukünftige. War­tete eine Stunde. Zwei Stunden. Den ganzen Vormittag. Doch die Holde aus Brescia kam nicht. In recht niedergeschlagener Stimmung

Das Kind gehört sich selbst!

Laß mich nie deine übertriebene Sorge um nach Turin heimgekehrt, fand Buzatti einen

Wie stehen Sie zum Wintersport, liebens­würdige Leserin? Gewiß, daß er gesundheits­fördernd ist, war uns beiden schon lange be­kannt, aber wissen Sie auch, daß er Ihnen auf 1500 m Höhe, inmitten des Schnees. Gelegen­heit gibt, Geschmack und Sinn für Farbe und Form in demselben Maße zu zeigen, wie auf dem parquet lumineux Ihrer bevorzugten Tanzdiele, daß in modischer Beziehung der Wintersportplatz in keiner Weise hinter den größten gesellschaftlichen Veranstaltungen zu­rücksteht? Ziehen Sie also die Konsequenz, und benutzen Sie diese letzten Herbsttage, um das November=Heft der Zeitschrift„Die neue Linie“ aufmerksam durchzusehen. Es bringt Ihnen nicht nur einen vollständigen Ueberblick über die Wintermode, sondern vertieft sich mit liebevoller Sorgfalt auch in alle Einzelheiten des weißen Sportes, vom„Blauen Norweger“ an, bis zum Fahrplan nach den großen Zen­tren der sporttreibenden Welt.„Die neue Li­nie“ Heft 3 ist überall zum Preise von Mark 1.— zu haben, sonst auch direkt vom Verlag Otto Beyer, Leipzig, Weststraße 72.

Verantwortlich: H. Semmelmann, Altena.

Druck und Verlag: Dr C. Santz, Altena.

9

□*

*•)**

27

S 1

1—

-SASS

1#1

8

Praden­

4 0

Beilage zum Altenaer Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung

Nr. 38 Altena, den 5. November 1929

Sie und ihr ich

Von Frieda Wildt=Goßmann.

Sie war das einzige Kind reicher Eltern und gewöhnt, daß ihr jeder Wunsch, der ihrem eigensinnigen Köpfchen entsprang, erfüllt wur­de. Die umworbene Tochter des angesehenen Fabrikanten genoß ihre Schönheit und Jugend nur für sich, nur an sich denkend. Sie konnte tun und lassen, was sie wollte. Die Eltern ver­götterten ihre Tochter und fanden infolgedessen alles richtig, was sie tat.

So gaukelte sie gedankenlos auf der Ober­fläche des Lebens dahin.

Sie trieb jeden Sport, der ihr stand, aber am liebsten steuerte sie ihren schnittigen Wagen durch die Gegend, von ihren Freundinnen sehr darum beneidet.

So fand sie auch eines Tages den Mann, der ihr gefiel, mit dem zwar verschuldeten, jedoch uralten Herrensitz dazu, ganz wie sie es sich ge­wünscht hatte. Nach ihrem Geschmack, mit ihrem Gelde wurden die Räume der Besitzung herrlich eingerichtet. Ihre Hochzeit bedeutete ein gesellschaftliches Ereignis.

Nun war sie die reiche Frau eines armen, adeligen Mannes, der sich ihren Wünschen wil­lig fügte. Sie führten ein glänzendes Haus. Gesellschaften, Jagden und Bälle wechselten ab. Sie war der bewunderte Mittelpunkt.—

Da— an einem Morgen, als sie aus dem Bade stieg, fühlte sie eine plötzliche Schwäche, die sie zwang, sich auf den Diwan zu legen. Es war zwar bald vorüber, aber es machte sie un­ruhig; denn sie hatte bisher bei ihrem gesunden Körper nie dergleichen gespürt. Schließlich, als sich dies Unbehagen öfter zeigte, ließ sie einen Arzt kommen, der ihr bestätigte, was sie schon im stillen befürchtet hatte: Sie sollte Mutter werden!

Das paßte ihr durchaus nicht. Es sollte etwas geschehen ohne ihren Willen! Sie wehrte sich da­gegen mit leidenschaftlichem Trotz. Ihrem Manne begegnete sie mit stillem Groll, sie wur­de unausstehlich für ihre Umgebung.

Nach einiger Zeit fand sie sich mit der Tat­sache ab, aber mit dem festen Willen, sich von diesem unerwünschten Zustand in ihren bisheri­gen Lebensgewohnheiten nicht stören zu lassen. Eines Tages würde dann das Kind da sein. natürlich schön und gesund wie sie selbst. Doch bis dahin wollte sie keinen Gedanken daran verschwenden und auf kein Vergnügen verzich­ten.

Große Summen wurden für raffiniert gear­beitete Kleider ausgegeben, die ihren Zustand verbargen. Dabei schnürte sie ihre wohlgebaute Gestalt so ein, daß sie oft Qualen litt, wenn sie bei den Diners kerzengerade auf ihrem Stuh! saß. Höchst peinlich war ihr der Gedanke, daß jemand ihren Zustand bemerken könnte. Die ruhige Würde, ja oft freudige Erwartung, die andere Frauen in solchen Fällen zur Schau tru­gen, war ihr unverständlich.

Der Professor, dem sie sich anvertraute, riet ihr. für die Zeit der Geburt eine Klinik aufzu­suchen. Aber sie ging nicht darauf ein, weil sie sich von ihrer gewohnten Umgebung nicht tren­nen wollte.

Gegen ein hohes Honorar erklärte sich nun der Professor bereit, schon einige Wochen vor dem Ereignis auf dem Herrensitz Gast zu sein. Eines Abends war ihre Stunde gekommen. Sie lag in ihrem großen Bett, zwischen seide­nen Decken, und fühlte unbekannte Schmerzen. Der Professor zog einen Kollegen zu, weil eine Narkose notwendig wurde.

Bange Stunden vergingen. Ihr Mann ging sorgenvoll vor ihrem Schlafzimmer auf und ab. Kein Laut war zu hören.

Da öffnete der Professor die Tür und flüsterte ihrem Mann etwas zu. Der trat ein, beugte sich über seine Frau, die blaß in den Kissen lag Langsam öffnete sie die Augen:„Wo ist mein! Kind? Ich will es sehen.“

„Es war nicht lebensfähig.— Ein Junge—“ kam es stockend und leise von den Lippen ihres Mannes.—

Vor ihren wieder fest geschlossenen Augen zuckten rote Blitze. Sie fiel, fiel— tief in dunkle Abgründe,— ihr eitles„Ich“ war zer­brochen...

Zum ersten Mal in ihrem Leben hatte das Schicksal gegen ihren Willen entschieden. In diesem Augenblicke fühlte sie sich Mutter — bitter schmerzlich— nun, da es ihr versagt war, Mutter zu sein!

für Kinder und für junge Frauen, sie sind die Farben der Blüten oder der jungen Blätter, sie gehören in das Jungmädchenzimmer und in den kleinen anmutigen Damensalon.

„Sage mir, welches deine Lieblingsfarbe ist und dein Charakter wird mir um vieles näher

Farben und Stimmung

Die Farben, mit welchen sich der Mensch in seinem Heime umgibt, sind für sein Wohlbefin­lden und ganz besonders für seine Stimmung durchaus nicht ohne Bedeutung. Goethes Genie erkannte diesen Zusammenhang zwischen menschlicher Psyche und Farbe schon vor mehr als einem Jahrhundert und seine„Farben­lehre" bahnte den Weg zu einer ganz neuen Wissenschaft.

Die angenehmste, nämlich wärmste Farbe, die ein Raum aufweisen kann, ist zweifellos die rote. Daher werden Wohn= und Eßzimmer. in welchen man„heimelig“ verweilen soll, am lieb­sten mit dieser Farbe tapeziert und die roten Polsterstühle erfreuen sich eigentlich seit Gene­rationen gleich großer Beliebtheit.

Auch gelb ist eine gute Farbe für die Woh­nung. Sie täuscht das Sonnenlicht am ehesten vor, weil sie ihm am meisten gleicht. Deswegen werden gelbe Steppdecken, gelbe Lampenschir­me und gelbliche Tapeten für Schlafzimmer be­sonders gerne verwendet, denn der darin Er­wachende hat auch selbst an einem nebligen und trüben Tage den Eindreuck, als ob die Sonne scheint. Welchen Vorteil für die Gemütsstim­mung dies in sich schließt, ist allgemein be­kannt.

Orange ist diejenige Farbe, die aus Rot und Gelb besteht. Trotzdem sie eigentlich die beiden Farbenvorzüge in sich vereinen müßte, ist sie nach Goethes Ansicht nicht so angenehm, da sie grell und aufreizend wirkt und die Konzentra­tion der Arbeit zu stören imstande ist.

Grün ist die Farbe der Anspruchslosigkeit und der Ruhe. Sie ist die gegebene Nüance für das Arbeitszimmer und der„grüne Tisch“, an dem Konferenzen abgehalten und wichtige Entscheidungen getroffen werden, ist eine inter­nationale Erscheinung. Grün ist überdies die Farbe, die dem Auge am meisten wohltut und ein Mensch, der viel zu schreiben hat, ruht gei­stig und psychisch aus, wenn er den Blick an die zartgrün gemusterte Wand des Arbeitsrau­mes richten kann.

Von der blauen Farbe aber ist Goethe wenig entzückt. So schön er diesen Ton in der Natur findet, wo er das Edelste, was diese hervor­bringt, schmückt, nämlich das klare Wasser und den strahlenden Himmel, so wenig ist er als Zimmerfarbe mit Blau einverstanden. Diese Farbe nämlich wirkt im geschlossenen Raume kalt und unpersönlich, ja geradezu entfremdend und der eigentliche Grund mag darin liegen, daß der blaue Farbton nicht in den geschlosse­nen Raum, sondern in die freie Natur zu ge­hören scheint.

Trübe Farben sind überdies Grau und Braun. Es sind die Farben der Unscheinbar­keit, der Trauer und der Abkehr von der Freude. Grau ist die Farbe der Trauer, die­jenige Farbe, in der Schwarz enthalten ist und Braun ist die Farbe des Schmutzes, des Re­genwassers und der sterbenden Herbstlichkeit. Daher kommt es, daß sich die Mönche in braune Kutten zu kleiden pflegen, weil sie schon durch ihre Kleidung ihre Unweltlichkeit ausdrücken müssen.

sein

­

Tr. Koloff.

Als ich in Paris war

Was mir auffiel„La rue“— die Höflichkeit— keine seidenen Strümpfe— die„weiblichen" Frauen.

Es ist kaum ein Vierteljahr her, da war ich in Paris. Und weil mich manch eine darum beneidet, will ich davon erzählen. Die Schön­heit der Stadt ist verbrieft und versiegelt. Wie steht es nun um die Bewohner?

Der Pariser ist zunächst in seine Straße ver­liebt. Er hat immer Zeit für sie, er durchrast sie nicht, er schlendert mit anmutig beweglen Schritten und mit einem Lächeln der Gemüts­ruhe im Gesicht. Nichts von Eile, Aerger, Un­freundlichkeit, nichts von Sorge um Zuspätkom­men und Aerger über Leute, die Zeit zu haben scheinen.—

Direkt auf die Straße stellen die Cafés ihre Stühle und Tischchen und nennen das Terrasse. Auch alle Restaurants kleineren Stils haben ihre Terrasse. Eng aneinandergedrängt sitzt man da fröhlich beieinander, umflutet von dem interessanten Leben des Pariser Verkehrs, und nun trinkt der Herr Pariser seinen Ape­ritif, seinen Kaffee, sein Straßburger vier, sei­nen mit Wasser verdünnten Wein. Dazu er fröhlich in die Gegend, mit interessiertem Blick, dem immer Hochachtung beigemischt ist, beschaut sich das weibliche internationale Publi­kum und mit Wohlwollen die männlichen Ge­schlechtsgenossen, die da vorbeipendeln, und die, wie er, verliebt in die„la Rue“ sind.

Was einem auffällt: Der Fußgänger ist kein Feind des Autofahrers. Sie behandeln sich gegenseitig achtungsvoll. Der Thauffeur muß fahren— und er ist auch kein Freund von Traurigkeit, er rast, wie das die Fahrer mal so an sich haben, aber an allen Wegkreuzungen wird er galant: lieber Herr Passant, jetzt bist du dran! Auch die langsamsten alten Dämchen aus der finsteren Provinz kommen zut taulich über die Fahrbahn. Sie halten die Fahrer nicht für passionierte Meuchelmörder, wie das hierzulande zuweilen geschehen soll.— Was auch auffällt: hübsche junge Damen sind nicht halb so geschminkt wie anderswo. Nur die Kriegsbemalung der Lippen scheint hier wie dort Trumpf zu sein. Und noch etwas: man sieht nicht ein Paar Seidenstrümpfe. Hübsche Beinchen, tadelloses Schuhwerk, aber einfache, haltbare, hauchdünne Strümpfe, die nicht ein­mal Seide vortäuschen sollen.

Auch in der größten Hitze trennt sich die Pariserin nicht von ihrem Mantel— alte Damen, junge Damen—, alles trägt ein leichtes Mäntelchen in Schwarz, Braun oder Dinkel­blau. Die Straße findet die Pariser Weiblich­keit außerordentlich einfach gekleidet, die deutsche Dame ist überrascht, hier wenig von der berühmten Eleganz der französischen Frau zu sehen, jedenfalls kann sich die Pariserin mit der Aufmachung nicht mit der Berlinerin messen Bei der Rückkehr fällt diese Tatsache verblüf­fend auf.

Man sieht in der französischen Hauptstadt viel Armut, die sich ohne besondere Scheu neben dem Reichtum breitmacht.

Frühmorgens werden auf der Straße Tep­piche geklopft, in der Art, daß man sie einjach

Hell und anmutig aber sind alle Mischfarben'auf dem vorher gekehrten Pflaster ausbreitet

wie rosa, lila und zartarün. Sie eignen sich und min lgsschlägt. Auch Kleiger werden auf