Namon Besucher gegenüber zur Scher Ficg. stärkte don Mut Jias. Gewandt wie ein hörnchen erklomm der Kleine die Höhe der Umzäunung. Nun erst wandte der Karabau ein mit starkem Hörnerpaar geschmücktes Haupt seinem Besucher zu, der keck und geschmeidig auf dem Plankengehege umherturnte. Die Kapriolen des kleinen Bronzefarbenen schienen die Neugier des Büffels erregt zu haben, denn dumpf schnaubend, die Mufsel erhebend, schob er sich einige Meter vorwärts.
Einige Minuten vergingen in gegenseitiger Betrachtung. Dann erinnerte sich Isa der mitgebrachten Maiskolben, und ein Wurf beförderte den ersten dieser Leckerbissen in die Nähe des Büffels. Ohne Zögern machte sich der Stier über den Kolben her, dessen weiche Körner seinem Geschmack zu entsprechen schienen. Auch der zweite sand Gnade vor seinen Augen, und lüstern nach weiteren Genüssen näherte sich der Karabau dem Spender dieser seltenen Gabe, was diesen, der dem Frieden nicht traute, zu schleunigem Rückzug bewog.
Von diesem Tage an besuchte Isa seinen gehörnten Freund täglich um die gleiche Zeit. Der Karabau, an die ständigen Leckerbissen gewöhnt, ließ es mit der Zeit zu, daß der kleine Javane während seines Schmauses mit einem blätterigen Zweig die geflugelten Plagegeister, die ihm das Dasein sauer machten, von ihm sernhielt. In der Gewöhnung dieser täglichen Besuche, duldete er es zuletzt, daß Isa ihn umspielte und sich auf seinen Rücken schwang während er wiederkäuend im Schatten des im Gehege befindlichen Waringibaumes lag.—
Heute war der letzte Tag, denn morgen sollte der Karabau auf dem Along=Along(Hauptplatz) mit dem Matjang um die Palme des Sieges kämpfen, und Isa hatte aus diesem Grunde die Menge der mitgebrachten Kolben verdoppelt. Beim Abschied streichelte er dem Karabau das Fell und versprach ihm, die Hilfe Allahs anzurusen, damit des Mächtigen Hand ihm den Sieg sichere...
Auf einem der den Along=Along umsäumenden Bäume hatte Isa mit einer Anzahl seiner Spielgefährten gegenüber der reichgeschmückten Sultanstribüne einen Platz gefunden. Inmitten der von einem Plankenzaun umgebenen Arena stand der Käsig der riesigen Katze, während außerhalb der Umzäunung mehrere Reihen lanzenbewehrter Javanen dem Tiger die Möglichkeit einer Flucht verriegelten. Auf das vom Sultan gegebene Zeichen begannen die einheimischen Musikanten auf ihren Gamelangs den einleitenden musikalischen Teil des Festes. Die Prachtentfaltung des fürstlichen Hofstaates, die sich vor Isas Augen ausbreitete, fesselte seine Aufmerksamkeit wohl einige Zeit, dann aber wandte sich sein Interesse den Vorbereitungen zu, die seinem Freunde den Eintritt in die Arena ermöglichten. Vom Gehege des Karabau bis zu dieser war eine durch Bambuskulissen gebildete Gasse geschafsen, durch die der Büffel seinen Weg nahm. Sein Erscheinen in der Arena wurde von den Zuschauern mit lautem Jubel begrüßt. Im selben Augenblick wurde die Eingangspforte hinter ihm geschlossen und verrammelt.
Der plötzliche Wechsel seiner Umgebung dannte den Karabau einige Zeit an die Stelle, an weicher er die Arena betreten hatte. Dann aber bekam er die Witterung der Großkatze. Mit einem Schnauben, das bewehrte Haupt
gum Angriff senkend, durchquerte er den Raum dröhnendem, schwerfälligem Galopp. Im selben Augendlick zog der auf dem Käfig des Tigers sitzende Javane die Schiebetür desselben heraus und entzog sich nach einer tiefen, an die Adresse des Herrschers gerichteten Reverenz mit einigen langen Sprüngen der Gefahrzone.
Das mächtige Gebiß entblößend, glitt einige Sekunden später die große, prächtig gezeichnete Katze geräuschlos aus ihrem engen Gefänenis heraus und flog wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil über den vom Sonnenglanz erfüllten Platz. Mit einem gewaltigen Satz warf sie sich auf die der Tribüne abgekehrte Seite der Plankenumzäunung, um über diese hinweg den Weg in die Freiheit zu suchen. Das wilde Geschrei der hier stehenden Javanen und ein Lanzenstoß, der des Tigers linke Pranke traf, ließ ihn von seinem Vorhaben abstehen. Mit einem kurzen Aufbrüllen schnellte er rückwärts; die Gewalt seines Sprunges ließ den Sand der Arena aufspritzen. Die verwundete Pranke sichtbar schonend,
wendete der Tiger sich nun der Eingangsseite zu, doch nun zwang ihn der Angriff des Büfselo, an seine Verteidigung zu denken. Dem Angriff des Karabau gewandt ausweichend Führte er im Vorheigleiten einen Prankenhieb
Ule Nomoechuffteieberin Soptiefboens*
nach seinem Bedränger und riß ihm das Fell über der rechten Schulter auf.
Der Schmerz der stark blutenden Wunde steigerte die Wut des Hornträgers ins Ungemessene und, seinen riesigen Körper blitzschnell herumwerfend, geht er zu neuem Angriff über. Wieder entzieht sich der Tiger dem drohenden Zusommenstoß, um dann mit rascher Wendung seinerseits zum Angriff überzugehen. Doch sein so schwerfällig erscheinender Widerpart entwickelt ebenfalls eine fabelhafte Gewandtheit, und sein mörderisches Hörnerpaar trifft den anspringenden Matjang mit kurzem Stoß in die Flanke. Ein kurzes Aufjaulen der Großkatze, die in der nächsten Sekunde Gebiß und Kralle in den Rücken ihres Gegners gräbt.
Ein heller Aufschrei aus den Kehlen der Zuschauer quittiert den Angriff der Großkatze. Isa, der in atemloser Spannung den Vorgängen in der Arena folgte, krampfte in jähem Schreck die kleinen Fäuste zusammen. Doch der Karabau, der unter der Wucht des Tigeransprunges wohl etwas taumelte, wirft sich, seinen Feind im Nacken, gedankenschnell gegen die Pfosten der Tribüne, die unter seinem Ansturm in ihren Grundfesten erbebt. Sein Vorhaben, den Tiger abzustreifen, gelingt ihm, denn dieser, dessen Hinterpranken in der Flanke des Büffels einen Halt gefunden haben, verliert durch den gewaltigen Anprall seine günstige Position und gibt mit arg zerquetschten Hinterpranken seinen Sitz auf. Seiner Bürde ledig geht der Karabau sofort von neuem zum Angriff über. Von seinem robusten Angreifer in die Enge getrieben, setzt der Tiger noch einmal zum Sprung an. Doch diesmal landet er nicht auf dem Nacken des Stieres, sondern dieser fing den Körper seines Feindes mit dem mächtigen Hörnerpaar auf und warf den wütend Aufbrüllenden in den Sand der Arena.
Lauter Jubel der Javanen begleitete den Erfolg des Karabau, der, seinen Vorteil wahrnehmend, sich auf die niedergeworfene Großkatze stürzte und diese mit Huf und Horn angriff. Die ungebrochene Kraft des Büffels überwand die wütende Gegenwehr des Gestreiften, dessen Gebiß und Pranken blutige Spuren in das Fell seines Gegners gruben, bis ein letzter mörderischer Hornstoß das Leben des Tigers endete.
Wöhrend ein tosender Jubelsturm wie eine Woge über den Along=Along dahinbrauste, bearbeitete der Karabau, durch den Schmerz seiner Wunden zur Raserei aufgestachelt, unentwegt den Körper seines leblosen Gegners mit seinem Waffen. Einige explodierende Feuerwerl.skörper, in seiner Nähe zur Entzündung gebracht, vertrieben den Wütenden endlich vom Kadaver des Tigers, und taumelnd von der Anstrengung des Kampfes strebte er durch die ihm geöffnete Gasse seinem Gehege zu...
Isa hatte, stolz über den Sieg seines Karabaus, in den Jubel der Stammesgenossen eingestimmt; dann aber trieb ihn das Verlangen, seinem vierfüßigen Freund nahe zu sein, von seinem luftigen Sitz herab. Als er das Gehege des Karabaus erreichte, sah er den Arenasieger, von Fliegenschwärmen umgeben, dumpf schnaubend inmittten seines Gefängnisses stehen. Ohne Zandern überwand der Kleine die Plankenumzäunung und lief mit ausgebreiteten Armen auf seinen Freund zu. Die blutunterlaufenen Augen des Büffels hatten kaum den kleinen Eindringling bemerkt, als er, den riesigen Kopf senkend, auf diesen zustürmte. Die drohende Gefahr erkennend, wandte sich Isa zur Flucht, aber der Stier, dessen Rauflust durch den überstandenen Kampf bis zur Raserei gesteigert war, erkannte in seinem Besucher nicht seinen
Wohltäter von gestern, sondern seh in ihm nur
den willkommenen Gegenstand zur Kühlung ter in ihm kochenden Wut. Wie eine Feder narf er den Kleinen in die Luft.
Während vom Along=Along her der Klang der Gamelangs, untermischt mit dem Beifall der Javanen herüberscholl, erlosch im Gehege des Karabaus unter dem Huf und Horn des wütenden Büffels die kleine, bronzefarbene Menschenblüte als das unschuldige Opfer einer heiligen Ueberlieferung.
(1
Rätselecke
Verferbilde
Do let das Gurg-FräuleinP
Bilderrätsel:
Auflösungen aus voriger Nummer: Kreuzwortrütsel.
Schach:
USOI-3 eFS
2)Kbz-b3 Kds-e1
3) e2-c4 k u. Varianten
Verantwortlich: H. Semmelmann. Aitena. Druck und Verlag: P. A. Sanz. Altena.
Nr. 5
Samstag, 5. Februar
1927
Die Sekretärin
Skizze von Paulrichard Hensel.
War es wirklich schon so lange her, daß drüden in dem Sessel die kleine Eva Gellert gesessen hatte, immer aufmerksam, immer willig und freundlich? Es waren Wochen— aber eine lange Zeit für Reinhold Bach, dem die Sekretärin so unentbehrlich geworden war, wie es dir Arbeit für ihn schon lange war. Halb im Scherz noch hatte es angefangen, das Ende, an einem Januartag.—
„Müde, kleine Eva?“ hatte er scherzend gefragt. nachdem sich wiederholt der Kopf des Mädchens während des Diktates immer wieder ruckweise gesenkt hatte.
Lächeind soh er in das verwirrte Gesicht der Sekretärin, die ihm gegenübersaß, und erriet nur zu leicht den Störenfried, der sich in seine Arbeit drängte, der alle Berechnungen über den Hausen war; und die Menschen zu Kindern machte.
„J, ja, der Fasching!"
Es lag etwas wie Trotz in der Bewegung. mit der Eva Gellert den Schreibblock fortlegte. „Ja“„sagte sie und zuckte mit den Schultern, „das gehört nun einmal zu unserer Stadt, und das muß man erleben, denn man ist nicht lange jung—“ Und ihre Füße wippten schon unmerklich im Takt der vorgeahnten Tänze. Dann schien sie sich zu besinnen, sah ein Weilchen verlegen auf ihre Hände und sagte plötzlich:„Ich werde vielleicht bald gar nicht mehr kommen können— ie habe mich verlobt—“
Reinholo Bach sah mit seltsamem Blick auf das Mädchen„Gewiß mit einem Märchenprinzen. nicht wahr? Denn es wird doch wohl kein Harlekin sein?" Er stand auf und legte Bücher und Mappen zusammen.„Schade. Sie arbeiteren gut— und Sie verstanden sich so gut mit meiner Kaffeemaschine. Aber nun haben Sie wohl keine Zeit mehr. Hier ist es zu still für Sie
Als sie schon in Hut und Mantel die Türklinke gefaßt, wandte sie sich noch einmal um. „Warum denken Sie nicht auch an den Karneval?" Aber es schien, als hätte er sie nicht gehört. Da ging sie mit halblautem Gruß hina.s.——
In der Nacht nach jenem Tag hatte im Zimmer des Ingenieurs noch lange das Licht gebrannt. Pläne und kühne Entwürfe bedeckten die Tische, aber nun fiel die Feder aus der müden Hand, und Reinhold Bach lehnte den Kopf zurück. Doch diese Spanne, in der die Zeit für ihn still stand, war nur kurz. Denn wie die Gedanken an die Arbeit mählich schlafen gingen, wurden neue aufgeweckt, von der Einsamkeit von dem lustigen Singen auf der Straße und von einem Traumbild, das der Rauch der Zigaretten vor seine Augen zauberte. Er kannte und fürchtete diese Stunden, die keine Feierstunden waren, weil er sie mit niemand teilen konnte und es niemand gab, dem er von seiner Arbeit erzählen konnte. Aber der eine Gedanke war bisher immer da gewesen: Morgen kommt die Eva Gellert wieder. Wenn sie ihre ###rliche Gestalt dort in den bunten Sessel chmiegte, war Sonne und Frühling im Zimmer: wenn sie lachte, sank die Welt draußen vor den regennassen Fenstern in Vergessen. Und wenn sie, halb Frau, halb Kind, nach getaner Arbeit für beide den Kaffee bereitete, blieben keine Wünsche mehr übrig.
Aber vor der Sehnsucht, die in den ersten Monaten des Jahres durch die Straßen drängt, kann man nicht die Türen verschließen. Das wußte Reinhold Bach aus früheren Jahren. Da hatte er gelacht, geliebt, getanzt— wie jetzt wohl irgendwo die kleine Eva— hatte aus jeder Stunde das Erleben gesucht, das ihm nur in dieser Zeit und niemals später mehr beschieden sein konnte. Mit dem Herzen erlebte er die Zeit, jung und ungebärdig, nicht ahnend, wie wehe dann der Aschermittwoch tut. Spä
Wintersonne
Ueber die Fichten dampfen die Nebel, geistern die Raben, fliegt ein Wind, über die Fichten hebt sich die Sonne, glutrot und flackernd, wie Flammen sind. Sonne im Winter küßt keine Blüten, streichelt nicht Falter, nicht Rosen rot, aber sie schenkt dem halb' schon erstarrten Käferlein Träume und süßen Tod!
Und sie verklärt zu leuchtendem Silber Dächer und Türme in weißem Reif, sinkt dann am frühen Morgen voll Milde. nieder in Wolken, ein fahlgelber Streif.
Margareth Mengel.
ter riß er mit erfahrener Hand die Freude an sich, lockte und versprach, spottete und betrübte — aber das Herz war nicht mehr dabei. Und das Ende war grau wie immer.—
Still waren die wenigen Tage, an denen Era noch kam. Es schien, als wolle jeder den Fragen des anderen ausweichen. Dann meldete sich die Sekretärin krank.
Reinhold Bach sah ihr in die Augen:„Nun sind Sie zum erstenmal unwahr zu mir“, sagte er. Und ließ sie gehen.—
Noch hingen in manchen Zweigen der Straßenbäume Fetzen bunter Papierschlangen. Die Menschen gingen lange wieder fremd und eilig aneinander vorbei, als gäbe es keine Freude, sondern nur den harten Takt der Arbeit. Doch dann und wann ging über ein Gesicht ein heller Schein, wenn wie das Wunder eines neuen Lebens kleine, zarte Knospen in den Vorgärten den Vorübergehenden anlachten oder einem Sendboten gleich ein Sonnenstrahl über den Weg huschte.—
Reinhold Bach hatte sich nach keiner neuen Gehilfin umgeschaut. Nicht einmal der Gedanke dazu war ihm gekommen. Es ist bisweilen gut, wenn die Arbeit nicht Zeit zum Nachdenken läßt.
An einem Sonnabend klingelte es an seiner Tür. Als er sie öffnete, stand draußen Eva Gellert.
Ich komme nun wieder“, sagte sie. Nichts
zier
schr
weiter.
Er nahm ihr schweigend den Mantel ab, öffnete die Türe— nun saß sie wieder in dem Sessel, ein wenig zusammengesunken, und wich mit den Augen verlegen aus.—
Und der Mann saß lange stumm in Verwunderung und Freude ihr gegenüoer. Dann sagte er leise, als spräche er in Gedanken zu sich: „Nicht wahr, Kind, die Karnevalszeit war schön? Da liebt man und wird geliebt; da betrügt man und wird betrogen. Man findet Menschen und verliert sie. Man verlobt sich sogar und denkt im Stillen: Aschermittwoch ist alles vorbei. Man trägt die Masken nicht ohne Sinn. Irgendwo zerbricht ein Herz— man weiß kaum, tat man es selbst oder war es das eigene.“
„Warum haben Sie damals mir das alles nicht gesagt?“ kam es von den blassen Lippen des Mädchens. Und das war mehr als vieles Erzählen. Reinhold Bach trat ganz dicht an sie heran, und faßte ihre beiden Hände:
„Weil es besser ist, wenn man es selbst erfährt. Weil ich mich dann nicht hätte freuen können, daß Du von selbst zu mir zurückkommen wirst; und weil ich jetzt vielleicht hoffen darf, daß Du immer bleiben wirst, kleine Eva — immer—“
Und sie hielt ganz still. als er ihr die Tränen von der Augen küßte.
Es gibt Menschen...
Sbizze von Arthur Zmarzly=Breslau.
Der Personenzug fuhr mit einschläserndem Rattern durch die mitternächtliche Landschaft. In einem Abteil dritter Klasse hatte das Schicksal acht Personen für einige Stunden dicht aneinander gerückt. Die Dame am rechten Fensterplatz versuchte schon seit längerer Zeit ein Gespräch in Gang zu bringen. Ihr Bemühen schlug aber immer wieder fehl. Dabei stieß ihre spitze Nase unruhig in die Luft, als suche sie einen Gesprächsstoff, der, aus dieser Atmosrhäre geboren, Anspruch auf allgemeine Geltung beansprechen durfte. Ihr kleiner schimmelgrauer Pinscher wanderte unterdessen ruhelos aus ihrem rechten Arm in den linken und wieder zurück. Sobald sie versuchte, die spärliche Unterhaltung zu beleben, hob der ältere Herr, der ihr gegenüber saß, den Kopf über das große Zeitungsblatt hinaus und blickte sie schweigend aus scharfen Brillengläsern an. Und es war ganz merkwürdig. Sie verlor dann immer ihre besten Gedanken und hemmte den Redefluß, nicht ohne vorher den anderen Fahrgästen die Versicherung gegeben zu haben.„daß es Menschen gibt... die...“ Sie führte das nicht weiter aus, aber auf ihrem Gesicht war die Fortsetzung der Rede deutlich zu lesen. Alle konnten den Stachel bemerken, der ihre Seele beunruhigte.
Wie zwischen zwei schwarzen, dicht aneinander gerückten Wänden hindurch polterte der Zug durch die Nacht.
Da— ganz deutlich war es zu vernehmen— sog sich die Bremse an die Räder. Der Zug lief langsamer. Wie ein Gummiball sprang die Dame mit dem Pinscher von ihrem Sitz. Sie blieb hoch aufgerichtet stehen, die spitze Nase starr in die Höhe gerichtet, als erwarte sie in den nächsten Augenblicken ein schreckliches Ereignis. Die anderen Fahrgäste sahen sie erst verständnislos an; dann wurden sie unruhig, erhoben sich und traten an die Fenster. Draußen war weit und breit nicht der kleinste Schimmer eines Stationslichtes zu erspähen, und die Räder knirschten unter dem Drucke der Bremse und liefen immer langsamer. Es hätte niemand sagen können, wer es gewesen war, der zuerst die Worte von einem Unglück herausgestoßen hatte. Aber das Wort lief um und fraß sich in die Hirne hinein.
Nur der Herr mit der Zeitung blickte von seiner Lektüre nicht auf. Er nahm keine Notiz von der Aufregung, die durch das Abteil lief.
„Da scheint etwas nicht in Ordnung zu sein.“ sagte der eine— und dann quirlte es durcheinander:„Das gibt bestimmt ein Unglück...! Daß gerade mir das passieren muß! Und mitten in der Nacht— man wird uns ausplündern..!
Sie hätte sicherlich noch ausführlicher ihr Ahnungsvermögen begründet, wenn nicht ein Ereignis eingetreten wäre, das ihr jedes weitere Wort abschnitt. Es gab plötzlich einen sehr heftigen Ruck. Schreie des Entsetzens stürzten mit den herum stehenden Fahrgästen durch den Wagen, und die ahnungsvolle Dame fiel in heftigem Schwunge an die Brust des schweigsamen Herrn, der in instinktiver Abwehr das Zeitungsblatt schützend vor sein Gesicht hielt. Aber dieses schwache Schutzschild konnte es nicht verhindern, daß ihre lange, spitze Nase durch das Papier hindurch stieß und der schimmelgraue Pinscher sein schwarzes, feuchtes Schnäuzchen fest an die Nase des so überfallenen Herrn drückte.
Der Zug stand. Auch die Dame mit dem Pinscher hatte Dank der tatkräftigen Hilfe des schwer belasteten Herrn bald wieder festen Fuß fassen können. Die anderen Fahrgäste stürzten sich nun auf ihr Gepäck. Die Dame mit dem Pinscher entwickelte plötzlich Riesenkräfte; ihr schwerer Koffer, bei dessen Verstauung ihr immer zwei Herren behilflich sein mußten, flog nur so aus dem Gepächnetz,
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