Ausgabe 
3 (1925) 18. Anfang Oktober 1925
Seite
685
 
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Heimatblatt für den füdl. Teil der Grafschaft Mark

Schriftleitung: Ferdinand Schmidt, Burg Altena

Erscheinungsweise: Halbmonatl. als Beilage zum Altenaer

auß erster Ehe einen Sohn gezeuget, namens Hermannus Pipenstock, so hieselbst ab anno 1595 biß ins 1641. Jahr Vicarius und Capelan und der Ohngeünderten Augspurgischen Confes­sion jederzeit zugethan gewesen, sondern hatte gem. Pastor Vincentius auch für anno 1580 et­liche Jahre des Hl. Abendmahl des Herrn sub utraque, ut vocant, abministriert, und als dar­über von den Adligen und andern Proceribus hieselbst nachgendts zur Rede gestellt, hatte er anno 1583 sich e suggestu öffentlich bey der gantzen Gemeindteversamblung zur Augspurgi­schen Confession erklert und dem Bapstumb, deme er doch in gröbesten Irrtümbern lang zu­voren ipso facto abgestanden, protestando gentz­lichen abgesagt.

Welchen, nachdem er ein Hundertjähriger worden und letzlich Schwachheit halber länger nicht predigen können, ist Ihme mein Vatter S. M. Johannes Witthenius anno 1611 adjun­giert, und als er, Pipenstock, anno 1612 Todtes verfahren, Parrens meus praevia vocatione, praesentatione, collatione e confirmatione verus et ordinarius Pastor worden und der Ohngeänderten Augspurgischen Confession seins Lebens ad extremum habitum redlich mit Hertzen und Mundt bis anno 1636 am 15. No­vembris, da er seinen Lauff vollendet und wohl seliglichen geschlossen, beygepflichtet.

Deme nun nechst bin Ich gebührender maßen und weise hieselbst zum Pastoren und meines Vatters Successoren benennet, vocirt, praesen­tirt und conferirt worden. Weilen aber be­voren und auch überdem die Gemeindte alhie wie auch in benachbarten Kirchspielen der gro­ßen Krieges Insolentien halber je mehr und mehr ins bittere Exilium verjagt und von Hauß und Hoff zu verweichen gezwungen worden, habe ich mich von Dortmunde ab auffr Straß­burg ad continuenda studia Theologica erhoben und 4 Jahre commorirt, unterdessen vorgem.

Hermannus Pipenstock, Vicarius und Sacella­nus hieselbst, den Gottesdienst zu Zeiten in Busch und Bergen, zuweilen auch auffm Ad­lichen Hauße Heßfeld verrichtet, bis er anno 1641 umb die H. Ostern Todtes verblichen. Wor­auff ich mich dan beruffener und ordinierter maßen negst gnedigst erteilter Churf. Branden­purgischer Confirmation eingestellet und biß daran durch Gottes barmhertziger Gnad und Beystandt continuiert.

Sonsten die Vicarios vel Sacellanos ut et Ludimagistros belangendt, ist hieselbst bei Herrn Pastoris Vincentit Pipenstocks Zeiten ein Vicarius und Capelan gewesen, Matthias Bol­senbecher geheißen, der der Augspurgischen Confession sich bekennet, folgendts als dersel­bige abgetretten, mehrgem. Hermannus Pi­venstock selbem biß in annum 1641 sucoed'ert. Allermaßen den auch nicht minder ein Natür­licher von Edelkirchen nahmens Johannes von der Schlechtenbach, der Augspurgischen Conjes­ion zugethaner Vicarius und Schulmeister hie­selbst etliche Jahre gewesen: folgendo Dns.

Theodorus Brenschedius hieselbst und zu Edel­kirchen Vicarius und zugleich Schulmeister ins zehende Jahr gewesen, biß nachgehendts zu Dortmundt ad S. Petri Sacellanus beruffen worden.

Folgendts offtgemelter Dus. Pipenstock ludimoderator gewesen, postmodum Eberhardt Dingstöler, der zugleich auch Küster gewesen; und endlich Gotschalcus Heventheil, so noch in vivis und emeritus, alle und jede der wahren Lutherischen Religion zugethane Per­sonen.

Endlich die Collation der Pastorat und Vi­karien hieselbst betreffendt, habe erkundigt, daß das Kirchspiel oder Gemeinde wegen der Pa­storat Jus vocandi et praesentandi qualifica­tam et placentem personam habe, zeitlicher Pastor zu Lüdenscheidt Jus conferendt und der Landesfürst confirmandi.

Aber die Vicarien belangendt, hatten dar­über der Pastor, die Kirchräte und Vorsteher sambt der Gemeinde ohn einiges weiteres nach­sehen nicht allein die Vocationem salvo jure Patronatus D. Antonii Vicariae, und Praesen­tationem, sondern auch Collationem et Confir­mationem.

Dieweilen ich nun dieses alles respective von meinem Vatter s. und Eltesten dieser Gemeinde glaubwürdig erkundigt und theils selbst er­fahren habe, habe es zu gebührendem respect obgem. Wolerwürdigen Lutherischen Ministerit Markensis zur wahren Nachricht der lieben Po­sterität in compendio fideliter also aufgesetzt und zur Wahrheit Urkundt auch jetziger Kir­chenräte untergedrückten Kirchen=Insiegel und meo autograffo confirmiert.

So geschehen am 7. Mai 1646.

Mathias Ernest Witthenius, Pastor ibid. mpp.

Out de Kummaude

Eine Altenaer Erbburgmannsfamilie(1395) Wy Diderik, Greve tor Marke, doin kund.. dat wy underrichtet sint, dat Ludolff van Al­tena, Ritter, ein alt erffborghman is to Al­tena; hir um bekenne wy em borghmans recht to Altena gelich anderen unssen bescreven borghmannen to Althena vorß., und wy und unsse erven solen ene hir by behalden, ind des to Orkunde hebbe wy unsse Ingesegel myt unsser witscap an disen brief doin hangen. Gegeven(13)95 des nesten gudensdagh na sunte Anthonies dage(Januar 20.).

M. R. B. I, Bl. 77.

Ernennung zum Waldförster in Altena(1629).

In dem folgenden, am 17. Juni 1629 aus Kö­nigsberg an den Statthalter der klevisch=märki­schen Lande, den Herrenmeister Grafen Adam von Schwarzenberg gerichteten Schreiben bestä­tigte der Kurfürst Georg Wilhelm von Branden­burg den Bernhard von Blechen in dem Wald­försterdienst zu Altena, der ihm früher von dem Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm übertragen worden war.

Fernsprecher Nr. 476.— Druck und Verlag: P. A. Santz, Altena i. Westf., Kirchstraße 26, Fernsprecher Nr. 68 und 96

Das erfüllte Versprechen

(Nach einer örtlichen Sage.)

Der Jüngling steht am goldnen Lebensmorgen, Und Alles lächelt wonnig ihm entgegen;

Doch seine Brust kann keine Freude hegen, Achl sie ist voll von Schmerz und bangen Sorgen.

Er wandert schwertmutsvoll zum Blütenhaine, Wo Rosenlauben duftend ihn umschließen,

Und tausend Lieder seelenvoll begrüßen;

Wo alles strahlt im lichten Frühiingsscheine:

Dort ist ein Plätzchen unter Buchenbäumen, Da hielt er oft die Teure fest umschlungen,

Die jüngst der Tod ihm grausam abgerungen Und fortgeführt zu nie entdeckten Räumen.

Da schleicht er hin mit brennendheißem Sehnen, Und Fieberwahn erfaßt ihm Geist und Glieder; Er sinkt ins kühle Schattendunkel nieder Und seufzt mit tiefen schmerzensvollen Tönen:

Verklärtes Wesen! sieh' mein Herzblut rinnen, Es fließt für dich, die alles mir gewesen;

Es fließt für dich, du reines Himmelswesen;

O, komm zurück und führ' auch mich von hinnen!

Wie wir uns einst mit Mund und Hand ver­

sprochen,

Hier hingestreckt auf weichem Frühlingsmoose; Nun hat zuerst der Tod, der schonungslose, Dein edles Lebensblütenreis gebrochen.

So höre denn mein Bitten und mein Flehen! Nichts kann mich hier im Staube mehr ent­

zücken;

Der Erde Last will meine Brust zerdrücken,

Ol komm und führ' mich hin zu deinen Höhen.

Kaum ist des Jünglings letzter Hauch verklungen, So öffnen sich des Paradieses Tore,

Und, sanft umwallt vom milden Himmelsflore, Hält die Verklärte plötzlich ihn umschlungen.

Und tausend ngel singen Jubellieder,

Daß alle Vögel zittern auf den Zweigen:

Und tief verstummend lauschen solchen Reigen, Bis sich die goldnen Tore schließen wieder.

Kreisblatt zugleich Neuenrader Zeitung. Sonderbezug tann durch die Post erfolgen.(Preis für 1 Jahrg. geh. 3 Goldmark)

Den Jüngling hat kein Auge mehr gesehen, Seit jene wunderbaren Chöre schwiegen.

Man weiß nicht, ob er mit hinaufgestiegen An Liebchens Arm zu ihren Friedenshöhen.

So klingt es dumpf aus ferner Vorwelt Munde, Und jeder kennt das Plätzchen dort im Haine, Das ewig grünt im lichten Frühlingsscheine, Und also treu bezeugt die alte Kunde.

Lüttringhaus(1836.) (Aus Altenaer Wochenblatt 1837.)

Die beiden Fräulein von Pungelscheid

(Fortsetzung.)

Als der Winsbecker im Frühjahre 1073 wäh­rend seiner Raub= und Streifzüge wieder ein­mal auf der Feste Pungelscheid einkehrte, fand er einen siechen Mann in der Burg. Die Früh­lingssonne begann die grauen Schleier, die die Nebelfrau in dem Tal der Verse ausgespannt hatte, mit ihrem Leuchten aufzutrinken.— Da, als alles hell und licht in der Welt zu werden begann, senkten sich dunkel die Schatten des Todes au sdie Burg, darin der Burgherr den letzten Kampf kämpfte.— Es war ein schwe­res Sterben da drinnen.— Die Seele des Rit­ters, die sich schon leise zu lösen begann von den Dingen dieser Welt, tastete immer wieder den Weg zurück zu Arnulf von Pungelscheid, dem letzten Träger des Namens.— Da aber, an einem Tage voll friedvollen Stilleseins, wanderte der Tod durch das Burgtor in die Feste hinein, stellte sich zu Häupten des Lagers, da Egbert von Pungelscheid den letzten Strauß ausfocht, und senkte die Fackel.

Nach dem Sterben des Ritters war es noch stiller in der Burg geworden. Nun fand auch Diedrich von Winsbecke den Weg nicht mehr hinein. So lebten die drei Frauen in tiefer u Abgeschlossenheit.— Die Burgfrau schritt fast 1 nie aus dem Burgtor hinaus. Kaum einer der

Nummer 18 Altena, Anfang Oktober 1925 3. Jahrgang

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