Notate gezogen worden; dieselben haben inzwischen ihre Erg. Die Jahresrechnung der Gemeindekrankenkasse für 1889(Ref. Herr Tegeler) wird entlastet und auf Antrag des Finanzausschusses beschlossen, einen aus dem Jahre 1885/86 stammenden Fehlbetrag der früh Ortskrankenkasse, welcher bisher als Vorschuß der Stadt verbucht war, endgültig auf die Stadtkasse zu übernehmen und zwar mit Rücksicht darauf, daß dieses Defizit in Höhe von 3658,83 Mk. hauptsächlich durch die Inanspruchnahme der Kasse seitens der städtischen Beamten veranlaßt worden war.
7. Gymnasialkassen= Rechnung pro 1889/90. (Ref. Herr Grimberg.) Der städtische Jahreszuschuß, welcher für die Etatperiode 1886/92 auf 39 400 Mk. veranschlagt ist, hat sich auch in dem in Rede stehenden Jahr nicht unwesentlich höher gestellt, nämlich auf 46130,92 Mk. Es erklärt sich dies einestheils aus der Mindereinnahme von Schulgeld in Folge des Rückganges der Schülerzahl und zum andern aus der Erhöhung der Wohnungsgeldzuschüsse.— Die Rechnung wird anerkannt.
8. Der Jahres=Etat der Gymnasialk asse für die Jahre1892/98 balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 91220 M. Der städtische Zuschuß ist mit 50710 M. angesetzt; der Staatszuschuß beträgt 3600 Mk. Bei Erörterung der Abnahme der Schülerzahl fragt Herr Döhmann, ob Schüler von auswärts nicht durch die erhöhten Schulgeldzuschläge vom Besuche der Anstalt abgehalten werden. Der Herr Oberbürgermeister erwidert, daß die Erhöhung eine kleine Einwirkung auf die Frequenz allerdings gehabt habe. Doch werde es wohl nicht rathsam sein, jetzt schon wieder eine Ermäßigung eintreten zu lassen, zumal sich heute gar nicht absehen lasse, wie sich das Schulwesen in der Folge gestalten werde. Von einer zur Verminderung des städtischen Zuschusses ins Auge gefaßten Erhöhung des Schulgeldes um 20 Mk. habe man vorläufig Abstand genommen, da das Curatorium dem entschieden widerrathen habe. Es sei indeß nicht ausgeschlossen, daß man innerhalb der Ertatsperiode auf diese Frage zurückkomme. Auf eine Anfrage, ob das neue Gymnasialgebäude lediglich für die Zwecke des Gymnasiums bestimmt sei, bemerkte Herr Oberbürgermeister Bollmann, daß die Räume gegenwärtig auf das vorhandene Bedürfniß beschränkt seien, jedoch habe man für eine event. Erweiterung, z. B. behufs Verbindung mit einer Realanstalt, insosern Vorkehrung getroffen, als sich ohne Schwierigkeit ein Flügel anbauen lasse. Bezüglich der mit einem Kostenaufwand von 30000 Mk. projektirten Centralheizung im neuen Gymnasium wird mitgetheilt, daß eine Reihe von Systemen geprüft worden, und daß man sich schließlich für ein System entschieden habe, welches eine Commission, bestehend aus den Herren Director Dr. Broicher, Dreyer und Stadtbaumeister Bluth in Marburg besichtigt, und dessen Bewährung außer Frage stehe. Die betr. Anlage ist bereits in voriger Sitzung beschlossen worden, doch wird gewünscht, daß die das Nähere enthaltenden Akten dem Collegium noch einmal vorgelegt werden möchten. Nachdem Herr Mummenhoff noch seiner Befriedigung darüber Ausdruck gegeben, daß die Ueberbürdungsfrage Dank dem Eingreisen von hoher Seite nun endlich in ein anderes Stadium gebracht sei, wurde der Gymnasialetat genehmigt.
9. Der Armenkassen=Etat pro 1891/92, schließt wiederum in recht günstiger Weise ab; die Gründe sind aus früheren Darlegungen des Referenten Herrn Frielinghaus bekannt. Einnahmen und Ausgaben beziffern sich auf 135000 Mk. gegen 137000 Mk. im Vorjahr; der städtische Zuschuß beträgt 94000 Mk. d. i. 3000 Mk. weniger ass im Vorjahr. Bei den Positionen„Lausende Wochenspenden" und„Monatsunterstützungen“, hat eine Ermäßigung um insgesmamt 1500 Mk. eintreten können; um den gleichen Betrag haben sich die Pflegekosten der in Krankenhäusern aufgenommenen Personen verringert. Bemerkenswerth ist die Thatsache, daß sich die Zahl der Geisteskranken von Jahr zu Jahr vermehrt. Der Etat der Armenkasse wird nebst dem Etat des Kaiser Wilhelm=AugustaHospitals labschließend mit 22000 Mk.; städtischer Zuschuß 14000 Mk.(—1000 Mt.) und den Etats der Stiftungen nach dem Antrage des Finanzausschusses genehmigt.
10. Die Vorlage wegen Einrichtung einer Haushaltungsschule im Kaiser Wilhelm=Augusta=Hospital(Referent Herr Generotzky) geht dahin, daß die Schule, fur welche das Collegium seine Sympathien schon mehrfach ausgesprochen hat, mit dem 1. April d. J. ins Leben treten soll. Die jeweilig aufzunehmenden 6 Schülerinnen sowie auch die Lehrerin werden im Kaiser Wilhelm=Augusta=Hospital Wohnung und Verpflegung finden, erstere gegen die Verpflichtung, auch an den sonstigen häuslichen Arbeiten sich zu betheiligen. Für Gehalt der Lehrerin und erste Einrichtung ist ein Betrag von 1000 Mk. erforderlich. Sobald der Antrag genehmigt ist, soll die Berusung der Lehrerin erfolgen und hinsichtlich des Betriebes das Nähere festgesetzt werden. Die oberste Leitung der Schule wird dem Curatorium der Fortbildungsschule für weibliche Personen übertragen. Der Finanzausschuß befürwortet die Magistratsvorlage, die einem dringenden Bedürfnisse entgegenkomme; abgesehen davon habe auch der Herr Regierungspräsident die Frage schon häufig angeregt. Herr Bürgermeister Lange empfiehlt, die Unterhaltungskosten der Schule, welche sich auf jährlich 1200 Mk. stellen, gleichzeitig mit zu bewilligen. Herr Mummenhoff begrüßt es, daß die Sache so gut zu Stande gekommen, und hofft im Uebrigen, daß das Interesse der Regierung für dieselbe sich auch in klingender Münze bethätigen werde, wofür nach Meinung des Herrn Bürgermeisters Lange auch gute Aussicht besteht Herr Scharpenseel hat das Bedenken, daß das Nebeneinanderwirken des gedachten Curatoriums und der Armenverwaltung zu Differenzen führen könnte. Herr Krüsmann meint, daß die Mädchen in einer Küche, in welcher für Hunderte von Personen gekocht werde, nicht auch lernen könnten, wie man für einen kleinen Haushalt zu kochen habe. Herr Bürgermeister Lange theilt diese Bedenken nicht und bemerkt bezüglich des ersteren noch, daß jedenfalls von beiden Seiten Alles geschehen werde, um Conflikte zu vermeiden. Herr Döhmann würde es lieber sehen, wenn die Schule innerhalb der Stadt errichtet und, wenn der ärmeren Bevölkerung die Möglichkeit geboten würde, dort billige Speisen zu kaufen. Herr Burgermeister Lange: Die Schule könne, wenn sie in dem vorgesehenen Rahmen geschaffen werden solle, nur da errichtet werden, wo ohnedies für viele Leute gekocht werde. Da nun die Gefängnißküche natürlich nicht in Betracht zu ziehen, auch von der Küche des Bochumer Vereins habe abgesehen werden müssen, sei nur das Kaiser Wilhelm=Augusta=Hospital übriggeblieben, wo sparsam und gut gekocht und so ohne Zweifel den Zwecken der Schule am besten Rechnung getragen werde. Im Anschluß hieran machte der Herr Bürgermeister Mittheilungen über die von ihm in Karlsruhe, Kassel 2c. besichtigten Haushaltungs=Schulen, welche freilich über Das weit hinausgehen, was man hier erstrebe, und wies sodann noch darauf hin, daß der hiesigen Schule das volle Interesse und die beste Förderung Seitens der Damen unserer Frauenvereine werde zu Theil werden. Die Vorlage wurde hiernach mit ihrer Ausdehnung auf die Unterhaltungskosten des ersten Jahres(zusammen also 2200 Mt.) nahezu einstimmig angenommen.
11. Bericht der Commission über die Vorlage des Magistrats wegen Beschaffung von Bureauräumen. Wie Herr Frielinghaus Namens der vereinigten Ausschüsse bekannt gibt, hat die Angelegenheit dadurch ihre Erledigung gefunden, daß die Magistratsvorlage, wonach der Stadtverordnetensaal umgebaut werden sollte, zurückgezogen ist. Die erforderlichen neuen Geschäftszimmer sollen bis auf Weiteres im obersten Stockwerk des Rathhauses eingerichtet werden. Es ist hierdurch Zeit gewonnen, um die definitive Lösung der Frage in Ruhe und auf das Eingehendste zu berathen. Wahrscheinlich werden späterhin einzelne Bureaux der städtischen Verwaltung in das alte Rathhaus verlegt werden.
12. Statut für die Versorgung der Wittwen und Waisen der städtischen Beamten und Lehrer an den höheren Schulen(Res. Herr Mummenhoff). Nach diesem Statut gewährt die Stadt Bochum von jetzt ab den Wittwen und Waisen aller mit Pensionsberechtigung angestellten städtischen Beamten und Lehrer an den höheren Schulen eine Pension, und zwar besteht das Wittwengeld in dem dritten Theile der Pension, zu welcher der Verstordene berechtigt gewesen, und das Waisengeld in einem Fünftel bezw. einem Drittel des Wittwengeldes für jedes Kind. Dagegen zahlt die Stadt vom 1. April 1891 ab keine Beitrage mehr zu den von den betr. Beamten und Lehrern bei anderen Wittwen- und Waisenkassen geschlossenen Versicherungen. Behufs Erfüllung der obigen Seitens der Stadt übernommenen Verpflichtungen wird bei der Stadtkasse ein Nebenfonds gebildet, für welchen jährlich ein Betrag von 3 Prozent des pensionsfähigen Einkommens der hier in Betracht kommenden Beamten und Lehrer in den Stadthaushaltsplan einzustellen ist. Mit diesem Statut wird wiederholten Wünschen aus den betheiligten Kreisen, welche sich auf die staatliche Fürsorge berufen, entsprochen. Im Ausschuß ist dasselbe, wie der Reserent ausführt, Gegenstand eingehender Erwägungen gewesen; man habe dort nicht außer Achl lassen können, daß die Betreffenden besondere Steuervergünstigung genießen, und daß der Bürgerschaft ähnliche Vortheile nicht geboten seien; doch sei man — auch in der Veraussetzung, daß dadurch weiteren Gesuchen um Gehaltserhöhung vorgebeugt werde— dahin schlüssig geworden, das Statut mit einem Zusatz zur Annahme zu em
pfehlen. Der demgemäß in den Etat einzusetzende Betrag beläuft sich fürs Erste auf 4500 Mk. Der erwähnte auf Vorschlag des Herrn Oberbürgermeisters modifizirte Zusatz bestimmt, daß, wenn der Staat ein Reliktengesetz für die städtischen Beamten oder Lehrer oder für beide Categorien erlasse, der Beschluß außer Kraft treten und die Stadt über das Kapital sreie Verfügung erhalten soll. Eine längere Erörterung rief der§ 17 hervor, welcher von Abänderungen des Statuts handelt. Demselben wurde folgende Fassung gegeben:„Abänderungen können... zwar beschlossen werden, jedoch dürfen dieselben den Kreis der zum Bezuge von Wittwen= und Waisengeld Berechtigten— d. s. die zur Zeit der Abänderung des Statuts definitiv angestellten Beamten— niemals einschränken oder die Beträge des Wittwen= und Waisengeldes herabsetzen.“ Nach Genehmigung der Vorlage sprach der Herr Oberbürgermeister Dank aus Namens der Beamten und Lehrer, welche ihre Angehörigen nun versorgt wissen, und gleichzeitig die Erwartung, daß das Statut von gutem Einfluß sein werde auf die Thätigkeit im städtischen Dienst.
Den Schluß der öffentlichen Sitzung bildete die Berathung der Geschäftsordnung für eine neu einzusetzende städtische Baudeputation, welche gegenüber der bisherigen Baucommission erweiterte Befugnisse erhält und aus
2 Mitgliedern des Magistrats, 8 anderen Bürgern(zur Hälfte Stadtverordnete) und dem Hrn. Stadtbaumeister besteht. Die bezügliche Magistratsvorlage fand mit einigen Abänderungen die Zustimmung des Collegiums. Aus der Bürgerschaft wurden in die Deputation folgende Herrn gewählt: Grimberg, Schulte=Oestrich, Schwenger, Rosenstein, Flottmann, Müller, Berndt und Lächtermann.
Invaliditäts- und Altersversicherung. Nach
§ 1 des Invaliditäts= und Altersversicherungsgesetzes beginnt die Versicherungspflicht vom vollendeten sechszehnten Lebensjahre ab. Das sechszehnte Lebensjahr aber ist mit Beginn desjenigen Tages vollendet, an welchem Jemand nach dem allgemeinen Sprachgegebrauche seinen sechszehnten Geburtstag hat; denn dann hat er sechszehn Lebensjahre hinter sich. Wer also am 1. März 1875 geboren ist, wird am 1. März 1891 versicherungspflichtig, nicht etwa, wie vielfach angenommen wird, am 1. März 1892.
Seitens des hiesigen Fest=Ausschusses für den 15. westfälischen Lehrertag wird in diesen Tagen die Einladung an sämmtliche Zweigvereine versandt. Zu der Lehrmittel=Ausstellung haben sich viele bedeutende Firmen des In= und Auslandes angemeldet, so daß dieselbe eine äußerst umfangreiche und interessante werden wird.
# Vortrag. Zur Hebung der bei der Anwendung des Alters= und Invalidiäts=Versicherungs=Gesetzes vielfach entstandenen Zweifel und Irrthümer hat sich der Kaufmännische Verein hier veranlaßt gesehen, am nächsten Mittwoch einen Vortrag über das Gesetz unter besonderer Berücksichtigung des Handelsstandes halten zu lassen. Der Vortrag findet in dem Vereinslocale(Victoriahalle) statt. Da auch Nichtmitglieder Zutritt haben und auf der Tagesordnung noch andere wichtige Fragen, wie Krankenversicherung und Steuer Einschätzung, stehen, so wollen wir nicht unterlassen, auf den VortragsAbend besonders aufmerksam zu machen.
Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus, dessen Gründung unlängst in diesem Blatte erwähnt wurde, hat folgenden Aufruf erlassen:„Gegen unsere jüdischen Mitbürger wird ein gehässiger Kampf fortgesetzt, welcher der Natur unseres Volkes, seiner geschäftlichen Entwicklung und seiner Stellung unter den civilisirten Nationen zuwider ist. In massenhaft verbreiteten Flugschriften, Zeitungen und Broschüren werden die Juden, denen die Gesetze des Reichs die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung gewährleisten, ohne Unterschied und nur weil sie Juden sind, mit den niedrigsten Beschimpfungen verfolgt. Sie werden als Fremdlinge dargestellt und als Menschen, welche die si tlichen Grundlagen des Staats und der Gesellschaft gefährden. Die Aufhebung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung ist das Ziel der antisemitischen Agitation. Derselben gleichgiltig und unthätig zuzuschauen, wäre eine verhängnißvolle Unterlassung. In einzelnen Bezirken des Vaterlandes hat die antisemitische Bewegung größere Kreise, namentlich auf dem platten Lande, ergriffen; auf andere sie auszudehnen, ist man eifrig am Werk. Deutsche Fürsten und Staatsmänner haben das verderbliche und unchristliche Treiben der Antisemiten verurtheilt, aber es ist vor Allem eine Ehrensache für das deutsche Volk, vornehmlich für uns Christen, demselben baldigst ein Ende zu machen. Die Unterzeichneten, Mitglieder verschiedener Bekenntnisse und politischer Parteien, haben einen Verein zur Ab vehr des Antisemitismus ins Leben gerufen. Sie wollen der antisemitischen Agitation mit Wort und Schrift entgegentreten. Sie wollen wirklich vorkommende Ausschreitungen und Mißstände weder verhehlen noch entschuldigen, sondern durch positive Einwirkung, insbesondere auch durch wirthschaftliche Maßregeln, solche zu beseitigen suchen Sie wenden sich an ihre Mitbürger, ohne Unterschied der Partei und des Glaubens, mit der Bitte, sie bei diesen Bestrebungen zu unterstützen und dem Verein beizutreten.“ Unter den Unterschriften, welche dieser Aufruf erhalten hat, begegnen wir folgenden Namen aus Westfalen: Geh. Commercienrath Baare=Bochum. Prof. Dr. Barthoman=Münster. Bankdirektor Karl Heimsoth=Dortmund. Prof. Dr. Georg Kaufmann=Münster. Gymnasialdirektor Schmelzer=Hamm.
88 Delegirten=Wahl. Betreffs unserer Notiz: Wahl von Delegirten zum internationalen BergarbeiterCongreß ist noch zu bemerken, daß die definitive Wahl aller dort Genannten z. Z. noch nicht vollzogen ist, daß dieselben aber in den einzelnen Bezirken als Vertreter in Aussicht genommen sind.
Das große Loos der preußischen Klassenlotterie wurde am Freitag gezogen und fiel auf Nr. 125583.
Kleine Chronik. Ein seltenes und schönes Fest wurde am Donnerstag im hiesigen katholischen Krankenhause gefeiert. Es wurde an diesem Tage 25 Jahre, daß Herr Dr. Schmidt als Anstaltsarzt, und zwar bis vor einigen Jahren als alleiniger, in demselben thätig war. Zur Feier dieses Tages hatten sich das Kuratorium, die Schwestern, Freunde und Kollegen des Jubilars, sowie die meisten Kranken versammelt, um dem verdienstvollen Arzte den Dank darzubringen. Das katholische Krankenhaus, das sich aus kleinen Anfängen entwickelt hat, birgt jetzt durchschnittlich 250 Kranke, die von 26 Schwestern verpflegt werden.— Der durch Messerstiche schwer verletzte Bergmann v. d. H. aus Altenbochum, welcher in der Frühe des 26. v. M. im evangelischen Krankenhause einer Operation unterworfen wurde, befindet sich auf dem Wege der Besserung und sieht seiner völligen Genesung entgegen.— Im Hause des Herrn M. an der Kaiserund Rottstraßen=Ecke entstand am Samstag Abend ein Kellerbrand, derselbe war in kurzer Zeit gelöscht.
= Laugendreer=Bahnhof, 30. Jan. In der Nachmittagsstunde des gestrigen Tages hatte ein junger Bahnbediensteter beim Aufspringen auf einen schon im Fahren begriffenen Güterzug, den er allerdings ohne Berechtigung dazu benutzen wollte, das Unglück, hinabzustürzen und einen schweren Beinbruch zu erleiden. Nachdem man dem Verletzten den ersten Verband angelegt, wurde derselbe ins Wittener Krankenhaus transportirt.— In der M.'schen Brauerei zersprang beim Verpichen eines großen Lagerfasses dasselbe unter gewaltigem Krachen. Der gewaltsam weggeschleuderte Boden verletzte glücklicherweise keinen der Umstehenden.
(2 Langendreer, 30 Jan. Das Curatorium der hiesigen höheren Knabenschule beschloß, die Schule von Ostern dieses Jahres ab in der Weise umzuwandeln, daß dieselbe nicht allein eine Vorbereitungsstanstalt für das Gymnasium und Realgymuasium, sondern auch für die lateinlose Realschule bildet. Es soll zu dem Zweck das Lateinische keinen obligatorischen Unterrichtsgegenstand mehr bilden, sondern den Eltern überlassen bleiden, ob sie ihre Kinder an demselben theilnehmen lassen wollen oder nicht. Diejenigen Knaben, welche kein Latein mitnehmen, beginnen dann sofort mit dem Französischen. Die Stundenzahl für letzteres wird so gewählt, daß die Kinder möglichst nach 3 Jahren in die Tertia einer Realschule eintreten können. Selbstverständlich bereitet die Schule auch ferner noch für Gymnasium und Progymnasium vor. Die etwaige Herabsetzung des Schulgeldes wird von der Zahl der eintretenden Schüler abhängen. Voraussichtsich wird aber letztere in Folge der Umwandlung der Schule sich wesentlich vermehren. Bisher hat die Schule unter der bewährten Thätigkeit des Herrn Candidaten Kracht Tüchtiges geleistet. Die zu erwartende vermehrte Schülerzahl wird demselben Gelegenheit geben, seine Lehrbefähigung noch in ausgedehnterem Maße als bisher zu bekunden. Anmeldungen zum Eintritt nimmtschonjetzt Herr Pastor Prietschentgegen. Wir wünschen zum Besten der Gemeinde der Schule weiteres fröhliches Gedeihen, damit die Eltern in der Lage find, ihre Kinder möglichst lange, auch den Tag über, in der Hut des Elternhauses zu behalten.
Witten, 29. Jan. An Stelle des aus dem Wittener Magistrate ausgetretenen Herrn ReichstagsAbgeordneten Müllensiefen wählte die für heute anberaumte Stadtverordneten=Versammlung den Bruder des Ausgeschiedenen, Herrn Theodor Müllensiefen. Im ersten und zweiten Wahlgange erhielten Herr Müllensiefen und der Candidat der Antisemiten, Herr Dr. König, gleich viel Stimmen, worauf schließlich das Loos zu Gunsten Müllensiefen's ent
schied.“
Wattenscheid, 30. Jan. Die mit Eintritt des Thauwetters vielfach hervorgetretenen Schäden in Folge Hochwassers sind auch hier, wenn auch nur im geringen Maaße zu verzeichnen, indem der das Stadtgebiet durchfließende Mühlenbach über seine Ufer trat und einige Häuser so unter Wasser setzte, daß deren untere Stockwerke geräumt werden mußten. Das Wasser verlief jedoch nach einigen Stunden bereits wieder, sodaß etwaige weitere Gefahren damit gehoben waren. Als indirecte Folge des Witterungsumschlags dürfte auch der plötzliche Verfall eines Hauses an der Weststraße zu betrachten sein. Das Haus, ein sehr altes, bedenklich aus der Richtung gewichenes Gebäude, wurde seit einigen Tagen so wackelig auf dem Fundament, daß es einzustürzen drohte. Es ist vorläufig zwar abgestützt, wird aber wohl kaum zu erhalten sein und voraussichtlich ganz niedergelegt werden müssen.
Gelsenkirchen, 31. Jan. Das Oberbergamt hat heute in feierlicher Versammlung den Hinterbliebenen der auf Zeche Hibernia Verunglückten das Beileid des Kaisers kundgegeben,
Remscheid, 30. Jan. Bei der amtlichen mikroskopischen Untersuchungein es Stückes magern Fleisches aus einer angeblich von Holland eingeführten, und wie es heißt, mit dem Stempel eines deutschen Fleischbeschauers versehenen Speckseite fanden sich Trichinen in ungeheurer Menge.
Köln, 28. Jan. Ein frecher Raubmordversuch wurde gestern Abend in der Weyerstraße zu Ehrenfeld versucht. In der Wohnung einer Frau, deren Mann zum Kaisersgeburtstagsessen abwesend war, klopfte es bei eintretender Dunkelheit und auf ihr „Herein" traten zwei Männer in das Zimmer, von denen einer sofort die Thür von innen abschloß. Der andere trat an die am Osen sitzende Frau, griff sie am Halse und bedrohte sie mit Halsabschneiden, wenn sie einen Laut von sich gebe. Dann frug er die geängstigte Frau, wo ihr Mann das Geld verwahre und forderte die Auslieferung desselben. Die Frau führte den Räuber zu einer Kommode, in welcher 500 bis 600 Mk. in Gold, mehrere Goldsachen und 100 Mark Silbergeld lagen. Als die Frau die Schublade öffnete, hielt ihr der Kerl ein langes Messer vor das Gesicht, während der zweite Räuber sie durch einen Schlag mit einem harten Gegenstand auf den Hinterkopf zu Boden streckte, wo sie betäubt liegen blieb. Die Räuber nahmen das Geld und die Werthsachen an sich und entflohen. Erst nach einer Stunde wurde die schwerverletzte Frau von Hausbewohnern blutüberströmt an der Zimmerthüre gefunden, wohin sie sich geschleppt hatte.
Brauweiler, 29. Jan. Einem Häusling der hiesigen Arbeitsanstalt ist in Folge unvermutheter Erbschaft ein Betrag von annähernd 20000 Mk. zugefallen, der ihm ausgezahlt werden wird, wenn er die gegen ihn wegen Arbeitsscheu verhängte Strafe verdüßt haben wird.
Hochwasser-Nachrichten.
Köln, 30. Jan., 6 Uhr Abends. Der hiesige zegel zeigt einen Wasserstand von 2,78 Meter.
Duisburg, 30. Jan. Das Rheinwasser fällt nhaltend, seit Mittags 12 Uhr wieder um 8 Ctm. sie Häfen sind noch zugefroren. Nur sechs Wagen lohlen wurden in der heutigen Gestellung dem Außenafen zugeführt.
Emmerich, 30. Jan. Das Rheineis ist noch nmer fest, das Wasser fällt, da in Lobith das Eis zs und somit Strömung ist. Wasserstand 7 Meter. jie seit vorgestern hier liegenden Pioniere haben noch icht in Thätigkeit treten können.
Spyck bei Cleve, 30. Jan. Das Eis steht hier och fest. Oberpräsident, Regierungspräsident und ie Deichbehörden sind anwesend. Pioniere sprengten as vor den Traject=Booten lagernde Saumeis.
Wie die„D. med. Wochensch.“ vernimmt, liegt es nicht in der Absicht der preußischen Staatsregierung, in der bis jetzt bestehenden Art der Herstellung und des Vertriebes der Kochschen Lymphe eine Aenderung eintreten zu lassen.
Vermischtes.
(Kaiser Wilhelm und Fürst Bismarck.) Wir theilten kürzlich die Nachricht mit, der Kaiser habe dem Fürsten Bismarck zu Weihnachten ein Album von Aufnahmen aus den dem alten Kanzler wohlvertrauten Zimmern des Palais Kaiser Wilhelms I. übersenden lassen und den Dank des Fürsten mit einem huldvollen telegraphischen Glückwunsch zum neuen Jahre beantwortet. Die Blätter, welche der Kaiser nach Friedrichsruh hat senden lassen, geben, wie jetzt die„Allg. Ztg.“ hört, namentlich Darstellungen aus dem Vortrags=, Arbeits= und Bibliothekszimmer des alten Kaisers. Für die erste Aufnahme der Innenansichten, welche von der Großherzogin von Baden veranlaßt worden war, hatte man, um die nöthige Helligkeit zu erzielen, elektrisches Licht aus der benachbarten königlichen Bibliothek nach dem alten Palais geleitet. Diese Innenansichten sind dann vervielfältigt und in einem kostbaren Prachtwerke mit kurzem erläuternden Text herausgegeben worden. Das Werk dürfte sich in den Händen aller derjenigen hohen Würdenträger befinden, welche das Wirken des Knisers in den dargestellten Räumen zu unterstützen berufen waren.
(Eine hübsche Anekdote aus dem kaiserlichen Schloß) wird in Berlin erzählt. Es war diesmal ein Prinzeßchen und nicht ein Knabe erwartet worden. Die für den neuen Ankömmling bereit liegende Wäsche hatte deßhalb rothe Bände enthalten, während die Leibwäsche der Prinzen mit blauen Bändern versehen wird. Als der Kaiser aus dem Opernhause in's Schloß gerufen wurde, und hörte, daß ihm ein Prinz geboren, rief er in der Freude seines Herzens:„So, dann packt nur Euere rothen Bänder wieder ein.“
(In Sachen der Briefmarkenfälschung) wurde weiter ein Kausmann Flock in Montabaur verhaftet, bei dem eine große Anzahl falscher Marken gefunden wurde. Flock soll geständig sein, für 400—500 Mk. verausgabt zu haben. Flock will sie aus Frankfurt erhalten haben und bezeichnet einen Lithographen Höchst als Hersteller. Auch in Frankfurt a. M. erfolgte die Verhaftung eines Schuhmachers und eines Althändlers, die im Verdachte der Verbreitung der Falsifikate stehen. Es scheint, daß die Fälscher mit einem ganzen Stabe von Agenten arbeiteten, um die Falsifikate an den Mann zu bringen. In Frankfurt sind namentlich die Metzger und Spezereihändler geschädigt, denen falsche Marken vielfach in Zahlung gegeben wurden. Auch in den umliegenden Ortschaften wurde der Betrug mit Erfolg in Szene gesetzt.
(Eine tolle Wette.) Wie der Pariser „Figaro" erzählt, wettete dieser Tage der Prinz von Rohan mit dem Fürsten von Torlonia um 5000 Frcs., daß er die große Steintreppe in Monaco mit seinem Viergespann und Wagengespann hinabfahren werde. In der Nacht vom Samstag zu Sonntag ist die Wette thatsächlich zum Austrag gebracht worden; der Prinz von Rohan fuhr mit seinem Viererzug die Treppe hinab, an deren Fuße er von dem Beifall seiner Freunde empfangen wurde.„Es gehört ein gewisser Leichtsinn“ dazu, so schreibt sogar das genannte Blatt, „eine solche Wette einzugehen. Prinz Rohan konnte dabei seinen Wagen zertrümmern, seine Pferde beschädigen und— sich selbst das Genick brechen.“
(Der Lehrer Flad in Kamerun,) der sich durch die Herausgabe einer Fibel mit SnaheliText für seine schwarzen Schüler ein besonderes Verdienst erworben hat, hat neuerdings einen Schritt weiter gethan, indem er das Schulliederbuch von Schwalm(C. Becher, Lichtenberg'sche Musikhandlung in Breslau) einführte und für den Gesang in seiner Schule verwenden läßt. Man kann daraus den Schluß ziehen, daß die Kinder unserer schwarzen Landsleute bedeutende Fortschritte in der Erlernung der deutschen Sprache gemacht haben müssen.
(Ueber die Heldden es großen Bermer„Sensationsprocesses", Vetters Cohn) will die öffentliche Meinung, wie man der „Frkf. Z.“ aus Bremen mittheilt, noch immer nicht zur Ruhe kommen. Vetters hat sofort seine Strafe angetreten, er sitzt bereits in Oslebshausen. Er war überhaupt von vornherein auf das höchste Strafmaß von zehn Jahren Gefängniß gefaßt. Der bereits im 51. Lebensjahre stehenden Geliebten des Vetters sind sieben Jahre Zuchthaus indeß etwas zu bitter, sie hat durch ihren Vertheidiger„Revision des Urtheils" anmelden lassen. Die socialdemokratische Presse hat sich des Falles Vetters=Cohn in ihrer Weise bemächtigt. Unter dem Hinweis, duß die von Vetters geführten Bücher nach dem Ergebniß der Verhandlung schon seit mehreren Jahren nicht in Ordnung waren, um eine Uebersicht über die Lage des Geschäftes zu ermögli hen, stellt sie die Frage auf:„Wie wurden diese Handelsherren dem Bremischen Einkommensteuergesetz, daß bekanntlich Selbsteinschätzung vorschreibt, gerecht, wenn sie sich nicht um ihr Einkomnen bekümmerten, thatsächlich gar nicht wußten, was sie in den letzten Jahren verdient hatten u. s. w.?“
(Gegen überflüssige Worte) erläßt der Landrath des Kreises Danziger Niederung eine zweckmäßige Verfügung. In derselben heißt es:„Die Ortspolizei= und Ortsbehörden ersuche ich, in den an mich gerichteten Schreiben alle überflüssigen Worte wegzulassen. Es können hiernach Höflichkeitsausdrücke, wie„gehorsamst",„ergebenst“,„gefälligst“ vollständig wegfallen. Ferner sind Eiugänge, wie„Dem königlichen Landraths=Amte berichte ich auf die Verfügung vom(Datum) gehorsamst, daß" u. s. w. nicht nur überflüssig, sondern machen auch die nachfolgende Satzbildung unnöthig umständlich.“ Es werden dann einige Winke gegeben, das Schreibwesen einfacher und kürzer zu gestalten.
(Ueber den Unfall Windthorsts) will das„Berl. Tagebl.“ noch folgende artige Cinzelheit erfahren haben: Als ihm der Cultusminister kühlende Umschläge auf das zerschundene Gesicht legte, dankte Windthorft seinem Samariter und fügte sofort hinzu: „In Ihrer Eigenschaft als Minister der MedizinalAngelegenheiten lasse ich mir solche kühlenden Um