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aber andere Thätigkeiten, die den Züchter in Anspruch nehmen. Da ist erstens die Aufzucht der Kücken, die meist jetzt in dem Alter stehen, wo sie von der Mutter entwöhnt werden und sich in ihrer Hauptentwicklungs­veriode befinden. Man sorge daher für kräftiges Futter; bei schweren Rassen, wie Cochins, Brahma 2c., füge man dem Futter etwas phospvorsauren Kalk bei, zur besseren Entwicklung der Knochen. Bei großer Hitze achte man auf sorgfältige Desinfektion der Ställe, denn nichts ist ein döserer Brüter für Un­geziefer als die Wärme. Sand= und Aschenbäder sind reichlich zu gewähren. Zeigen die Hühner sehr großen Durst, so achte man auch sorgfältig auf das Trink­wasser, das leicht Durchsall erzeugt, dem man dadurch vorbeugt, daß man ein stark glühendes Eisen in das Wasser hält. Sollte gegen Ende des Monats schon ein oder der andere Siamm mit der Mauser be­ginnen, so achte man auf reichliches und kräftigendes Futter, damit diese äußerst schwächende Periode leicht überstanden wird. Edle Tauben lasse man auch von Ende dieses Monats, spätestens aber von Anfang des nächsten an nicht mehr brüten, da von den Tauben­Spätbruten dasselbe gilt, wie von denen der Hühner und man durch dieselben nur den Eltern schadet. Mit Mitte Juli kann man mit dem Rupfen der Gänse be­ginnen. Truthühnern gewähre man möglichst freien Auslauf; sobald die Felder leer, lasse man sie hin­aus auf die Stoppeln, wo sie noch reichlich Nahrung finden und sich die ihnen uuerläßliche Bewegung ver­schaffen.

Für Stadt und Land

1. Seite

* Lüftung der Bienenstöcke. Eine gut gebaute Bienenwohnung darf keine Ritzen oder Löcher haben,

wodurch die warme Luft entweichen kann. Es ist aber gut, an den Stöcken eine Vorrichtung anzubringen, mittelst welcher man in den heißen Sommermonaten im Stande ist, den Bienen frische Luft zuzuführen und zwar dadurch, daß man an der hinteren Thür oder Seite des Bienenstockes eine Oeffnung von etwa 3—4 Zoll im Quadrat anbringt, welche von Innen mit einem Drahtgitter überspannt und von Außen mit einem Holzschieber zum Schließen versehen ist. Wenn man an heißen Sommertagen durch Oeffnen dieses Schiebers etwas frische Luft in den Honig­raum einströmen läßt, so arbeiten die Bienen viel fleißiger. An kühlen Tagen verschließt man selbst­redend die Oeffnung mit dem Schieber. Daß der Brutraum zu sehr durch eine decartige Einrichtung abgekuhlt wird, braucht man nicht zu befürchten, da schon durch den dahinter liegenden Honigraum für eine entsprechende Erwärmung der einströmenden Luft gesorgt wird.

Farbe der Bienenwohnungen. Der Halt­barkeit und Schönheit halber streicht man Bienen­wohnungen vielfach mit Oelfarbe an. Welche Farbe man dazu wählt, ist den Bienen ganz gleichgültig, nur soll man, wenn man ein Bienenhaus besitzt, in welchem mehrere Etagen übereinander sind, die Stöcke einer jeden Etage anders anstreichen, damit ein Ver­fliegen der Bienen nicht so leicht möglich ist. Auch wenn eine junge Bienenkönigin aus einem Stocke ihren Befruchtungsausflug unternimmt, so soll man den Stock mit einem farbigen Schildchen oder einigen grünen Blättern besonders kennzeichnen, damit ein Verfliegen derselben nicht vorkommt.

* Die Hornisse ist ein arger Bienenräuber. Sie fängt die Bienen auf dem Felde von den Blumen weg oder überfällt die mit Honig beladenen Bienen auf dem Heimwege; ja sie dringt sogar in die Bienen­stöcke ein und raubt hier Bienen und Honig. Selten gelingt es einer Biene, sich aus den Klauen einer Hornisse zu befreien. Selbst die vielen Bienen im Stocke vermögen nichts ihrem Feinde anzuhaben, denn ihr Stachel prallt ab an dem harten Panzer der Hornisse. Dagegen durchbohrt die letztere ihr schwaches Opfer, beißt die nicht fleischigen Theile ab und tragt das Uebrige ihrem Neste zu. Man fange daher dieselben thunlichst vom Bienenstande weg mitelst langhalsiger Gläser, welche man zur Hälte mit Honigwasser fullt und in der Nähe des Standes an einen Baum hängt.

* Ein weiselsalsches Volk. d. h. ein solches, in dem sich eine oder mehrere Arbeiterinnen als Mutter aufgeworfen haben und Eier legen, nimmt erst dann wieder eine richtig befruchtete Mutter(Königin) an, wenn die eierlegende Arbeiterin aus dem Stocke ent­fernt ist. Dieselbe ähnlich wie eine Königin auszu­fangen, ist sehr schwierig, da dieselbe den übrigen Ar­beiterinnen vollkommen gleich sieht und ist deshalb nur dann möglich, wenn man dieselbe über der Eier­lage erwischt, was aber nur selten der Fall sein dürfte. Der Imker muß daher zu einem anderen Mittel greifen und die Bienen zwingen, sich der falschen Mutter selbst zu entledigen. Das einfachste Mittel dürfte wohl folgendes sein: Das weiselfalsche Volk bekommt einen neuen Platz auf dem Stande. Auf seine bisherige Stelle wird eine möglichst gleich

aussehende, leere Beute gestellt. In diese bringt man eine Brutwabe sammt den darauf sitzenden Bienen und gibt auch gleich eine Königin im Weiselkafig oder unter einem Pfeifendeckel bei. Die Bienen des ver­stellten weiselfalschen Stockes kehren bei ihren Aus­flügen zur alten Stelle zurück. Nach einigen Tagen bleibt im verstellten Stocke nur noch ein kleines Häufchen Bienen und die Afterkönigin zurück, die man dann sammt den wenigen Begleitbienen ab­schwefelt.

Obstbaumzucht.

* Wo an Obstbäumen der Fruchtsegen zu groß ist, besonders, wo an Formbäumen mehrere Früchte an einem Zweige sich befinden, muß jetzt zur Schonung des Baumes ausgebrochen werden. Von oft wunder­barer Wirkung ist das Bespritzen der tragenden Obst­bäume früh Morgens mit Regenwasser, noch besser, wenn man solchem auf 100 Liter 1 Kilo Eisenvitriol beimischt, die Früchte und das Laub werden dadurch gestärkt, größer und glänzender.

* Ueber der Erdbeerkrankheit Sphaerella fra­garise. In feuchten Sommern werden unsere Erd­beeren häufig von einem Pilze befallen, der den Blättern eine Rothfärbung verleiht und die Pflanze oft zu Grunde richtet. Als hauptsächlichste Veranlassung zu der genannten Krankheit spricht die Feuchtigkeit im Erdboden, als auch in der Atmosphäre mit. In Töpfen cultivirte Erdbeeren sind der Krankheit mehr ausgesetzt, als im Freien gezogene. Auch werden die großfrüchtigen Erdbeeren in der Hauptsache rascher und heftiger befallen. als andere Sorten. Als Mittel wird empfohlen: bäufiges Lüften der Treibhäuser; wieder­holtes Bestreuen der Pflanzen mit gepulvertem Kalk oder Schwefel und zwar noch vor Erscheinen der Krankheit, als Vorbeugunsmittel. Wenn die Krank­heit sich schon eingestellt hat und der Pilz bereits seine Conidien treibt, so besprenge man die Pflanze mit einer Lösung von Kupfersulvat 0,5—0,7 Gewichtstheilen, Natronkrystallen 0,7—0,10 Gewichtstheilen und 100 Gewichtstheilen Wasser. Nach meinen bisherigen Be­obachtungen und Notizen werden von der Krankheit sast gar nicht befallen die Monatseidbeeren; wenig be­fallen wird die Moschuserdbeere, Vierländer, unter den großfrüchtigen Dr. Morere. Theodor Moulie. Due de Magenta Professor Pynaert Spharpless. Stark angegriffen werden leider die vorzügliche König Albert von Sachsen, die zur Treiberei häusig benntzte Mar­guerite, Mammouth, May Qucen und Prowns Wunder.

Gemüsebau.

* Zwei Ernten von einer Kohlrabipflanze zu halten, wird hin und wieder empfohlen: die halb= oder dreiviertel ausgewachsene Knolle oder Aepsel ab­zuschneiden, in der Küche zu verbrauchen, die Pflanze selbst aber noch an ihrem Standorte zu lassen, denn sie treiben unn von neuem 3—5 oder auch mehr neue Knollen und geben so einen viel höheren Ertrag.— Wahr ist nun, daß eine so behandelte Kohlrabipflanze wieder neue Knollen ansetzt, doch kommt nur selten etwas Ordentliches dabei heraus, so daß diese Methode nicht sehr zu empfehlen ist. Dann wird der Kohlrabi gewöhnlich auch nur als Vor= oder Zwischenfrucht zu anderen Gemüsearten benutzt, z. B. um die Gurken­beete gepflanzt, soll möglichst frühzeitig abgeerntet werden, um den anderen Gemüsepflanzen mehr Platz zu verschaffen und in folchen Fällen ist es nicht zweck­mäßig die auf obige Weise behandelten Pflanzen bis zum Geben einer zweiten Ernte stehen zu lassen.

* Das Entblättern der Gemüsepflanzen. Nicht nur im Gemüsebau, sondern auch in der Landwirth= schaft finden wir oft den schädlichen Brauch die unteren Blätter der Kohlarten des Sellerie, der Rüben 2c ab­zubrechen, um sie entweder zu verfüttern oder aber, wie beim Sellerie, die Entwicklung der Knolle dadurch zu fördern. Diese Gewohnheit ist so eingefleischt, daß es oft trotz der deutlichsten Vorstellung nicht möglich ist, die Leute davon abzubringen. Das Ausdrechen ist nur dann ohne Schaden zulässig, wenn blos die bereits absterbenden Blätter entfernt werden, werden ader noch grüne, thätige Blätter der Pflanze genommen, so ist der Schaden, den dadurch die Pflanze in ihrer Entwicklung erleidet, ein bedeutenderer, als der durch Verfütterung der Blätter erzielte Nutzeffekt. Bei dem Sellerie halten viele diese Arbeit für eine unbedingte Nothwendigkeit, und doch schadet sie hier gerade so wie den anderen Pflanzen. Wer einmal versuchsweise den Sellerie zum Theil entblättert und zum Theil un­berührt gezogen hat, der wird sich diese Arbeit für die Zukunft sicher ersparen. Nicht das Entblättern, sondern kräftige Dungung, reiche Wasserzufuhr und ausgiebiges Gießen sind die Mittel zur Erzielung großer Sellerieknollen. Ein unentblättertes Beet von Sellerie oder Kohlarten ist mehr beschattet, die Ver­kunstung des Wassers direkt durch den Boden ist eine viel beträchtlichere, als bei mehr vom Laub bedeckten

Beeten; die letzteren trocknen deswegen bedeutend lang­

samer aus.

Ziergarten und Blumenpflege.

* Spätgepflanzte Ziersträncher. Wenn dieselben noch in vollem Trieb verpflanzt werden müssen oder wenn sie gar schon Blätter haben, so sind sie stark zurückzuschneiden und wiederholt zu gießen. Handelt es sich um sehr werthvolle Sträucher, so empfiehlt sich auch noch, sie zu beschatten. Man giebt hierzu jedem Strauch einen Pfahl und befestigt an diesem ein Stück Packleinen, welches über den Strauch aus­gebreitet, wird.

* Die Palme im Sommer im Freien. Es ist

merkwürdig, daß so manche in heißesten Klimaten heimische Pflanzen bei uns gegen die weniger heißen Sonnenstrahlen empfindlicher sind, als gegen die Glutsonne der Tropen. Bei Palmen trifft dies ganz besonders zu und deshalb sind diese, wenn im Sommer im Freien aufgestellt, bei heißem Sonnen­schein sorgfältig zu beobachten und unter Umständen zur Mittagszeit zu beschatten.

* Passiflora oder Passionsblume zum Blühen zu bringen hält für manchen recht schwer, doch kommt dies vielfach daher, daß ihr Standort zu schattig ist. Die Passiflora liebt einen hellen, luftigen Standort Sodann bedarf sie einer ausgesprochenen vollständigen Ruhezeit, damit sie Blüthen vorbilden kann. Beginnt sie zu treiben, so gieße man mit lauwarmem Regen­wasser. Eine Düngung mit Holzasche trägt zur Ent­wickelung eines reichen üppigen Flors bei.

Landwirthschaft.

* Heublumen, ein vortreffliches Fntter. Seit

die Kleegrassaat bei Anlegung von Wiesen mit Recht die Heublumensaat verdrängt hat, werden gleichwohl die Heublumen in altbergeübter Form gesammelt und im Frühjähre auf den Wiesen ausgestreut. Sie wirken dann allerdings gleichsam als Dünger, aber damit geht dennoch ein wirthschaftlicher Werth verloren. Betrachten wir die Heublumen näher, wenn sie durch ein Sieb von 5 Millimeter großen Maschen gegangen sind so finden sich darin außer dem Staub Sämereien früh­reifer Pflanzen(Spitzwegrich 2c.), wie sie sich bei der Aussaat in der Wiesenanlage repräsentiren. Die giftigen Samen der Herbstzeitlose finden sich selten, weil die Fruchtkapseln derselben bei dem Dörren des Heues zerspringen und so nicht eingeheimst werden. Durch Frübheuen kann man ja überhaupt die Herbstzeit­lose vertilgen, weil nach und nach, das heißt im Verlaufe von vier bis fünf Jahren, die Zwiebel der­selben die Kraft verliert, Samenkapseln zu bilden. Außer diesen Samen finden sich dann in den Heu­blumen Blätterreste der besten Futterkräuter, vielleicht 90 pCt. des Gesammtgewichtes, während 10 pCt. in Staub und Sämereien sich theilen mögen. Es liegt somit im Interesse des Landwirthes, diese guten Be­standtheile der Heublumen(Blätterreste und Sämereien) als Futter zu benützen, dadurch, indem man vorher den Staub durch ein feines Sieb von demselben be­freit. Wenn man einwendet, daß es doch gewagt sei, solchen Mischmasch zu süttern, jo kann noch auf Grund der Erfahrung versichert werden, daß nie die geringste Verdauungsstörung bei dem Vieh deshalb wahr­genommen wurde. Man kann sie auch leicht unter Häcksel vermischen, um weniger Gefahr zu lausen, daß

so kleine Futterbestandtheile störend auf den Mage

der Wiederkäner wirken könnten Wenn auf das Stück Vieh pro Winter auf diese Weise nur ein halber Metercentner solcher staubfreier Heublumen durch Ver­fütterung nutzbar gemacht wird, so ist dies doch von größerenz Nutzen, als wenn man sie einfach umkommen

läßt. In Verbindung mit Strohhäcksel kann die Versütterung der Heublumen eine werthvolle mehrung des Futters in jutterknappen Jahren ergeben. An Stelle des verfütterten Stienstrohs hat dann die Torsstren oder ein anderes Strensurrogat zu treten.

Die Gerste, welche stark mit Klee durchwachse

e nuß nach einägggem Liegen Legzaue zahren werden.

kann am zweiten oder dritten Tage eingefahre

In manchen Gegenden ist ein Auspuppen in,#gr. Weise

üblich, daß man die Gerste häuselt und die Hä unter den Aehren mit ein paar Halmen a;czuzzen.

bindet, worauf man sie aufstellt. In diesen Hu„en

trocknet die Gerste nicht nur gut aus und reifen vie

Aehren schön nach, sondern sie leidet durch einen Rege

auch viel weniger, als wenn sie am Boden liegt. Diese Mühe sollte nicht gescheut werden, um gute Brau­gerste zu erzielen, sie macht sich durch die Gi den Preis des Produktes reichlich bezahlt.### darf nur in vollkommen irockenem Zustande eingefa werden, indem sie sich sonst im Stocke erbißt, rothe Farbe erhält, welche ihren Werth bedeutend verringert. Das Stroh der Gerste trocknet langsam.

da dessen Knoten viel Feuchtigkeit enthalten und ist

man erst dann vor einer Erhitzung im Stocke sicher, wenn die Knoten beim Biegen abbrechen.

4 und Verlag von J. Fusangel in Hagen. Verantwortlicher Redacteur H. Bouvet in Hagen.

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Holkswirthschäftlicht Erilags zur„Hestbenischen Holkszeilung

der katholischen Kirche.

Eine alte, immer neu verwerthete, vergiftete Waffe der Socialdemokratie bildet die geradezu ungeheuerliche Behauptung: Die katholische Kirche sei volksfeindlich, sie habe durch 1800 Jahre für das wirthschaftliche Wohl der Völker nichts geleistet, sondern die Armen nur auf den Himmel vertröstet.“ Leider gibt es immer noch Tausende von Katholiken, welche sich durch die Keckheit, mit der solche Pauschal­verleumdungen vorgebracht zu werden pflegen, verblüffen lassen und unfähig sind, solche haar­sträubenden Ungerechtigkeiten gegen ihre eigene Mutter, die Kirche sofort zurückzuweisen. Obige Prase kann— man verzeihe uns den harten Ausdruck— nur ein bewußter Lüguer oder ein bodenlos dummer„Volksführer" in den Mund nehmen.

Wir übergehen hier, was das Christenthum für die Abschaffung der Sclaverei geleistet hat. Das Recht des Individuums beginnt erst mit dem Christenthum, und auf die persönliche Würde der Einzelpersonen gründete sich die Menschheit im christlichen Gesellschaftsbegriffe.

Christenthum hat aber nicht bloß das Recht des Individuums, seine persönliche geistige Freiheit begründet(die alte griechisch­römische Culturwelt berücksichtigte als voll­berechtigten Menschen nur den Staatsbürger, einen winzig kleinen Theil der Menschheit; der Schwache, der Arme, der Kranke, die Frau, das Kind waren alle rechtlos; der Staats­bürger selbst war wieder nicht Selbstzweck, sondern ging mit seiner ganzen Persönlichkeit im Staate auf, dessen Sclave er war), sondern auch die Gleichheit aller Menschen vor Gott gelehrt. Diejenigen, welche immer den Ruf „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" im Munde führen, wissen oft gar nicht, daß sie diese Be­griffe nur den Lehren des Christenthums ver­danken.

Wir hier können auch nicht näher darauf ein­gehen, welch' unvergängliche, von jedem ehr­lichen Gebildeten anerkannte Verdienste sich die Kirche in den furchtbaren, traurigen Zeiten der Völkerwanderung um die Rettung der altklassischen Litteratur, nach der Völker­wanderung um die Ausbildung der Hand­werke, des Ackerbaues, der Viehzucht, um die Gründung von Städten 2c. erwarb. Wir be­

schränken uns hier lediglich darauf, mit einigen kurzen Notizen zu beweisen, daß die katholische Kirche auch noch heute in einer einzigen Woche mehr Opfer für die wirthschaftlich Schwachen bringt, als die ganze Socialdemokratie seit den 30—40 Jahren ihrer Großsprecherei ge­

leistet hat, obwohl sich diese„Volksführer" für ihre Volksretterei von den ärmsten Arbeitern gut bezahlen lassen.

Die St. Vicenzvereine unterstützen, ohne die Armen auf den Zukunftsstaat" zu ver­trösten, alljährlich mit circa 9½ Millionen Francs Arme ohne Unterschied der Religion, oder Nation. In Paris macht sich z. B. ein einziger Verein nicht weniger als 150,000 armen Kindern auf verschiedene Weise nützlich; mehrere andere katholische Vereine in Paris unterhalten 60,000 Waisen; die St. Vincenz­vereine verpflegen circa 100,000 Familien; ein einziger derselben vertheilt jährlich 2 Mill. Portionen, ein anderer macht per Jahr 180,000 Armenbesuche.

Die Congegration der„Schwestern der Armen“ verpflegt in 241 Häusern 27,000 Greise und Greisinnen. In ganz Europa besitzen diese Schwestern, die trotz eigener Armuth für andere Millionen Francs zusammbetteln, 2434 Häuser, in denen sie 185,000 Kinder unterrichten und 45,000 in den Spitälern eingeschriebene Kranke verpflegen.

Wien allein besitzt 26 christliche Asyle und Rettungshäuser für eiwerbsunfähige Mädchen, für Sieche und Greise, 17 Waisenhäuser, 55 Krippen und 31 Krankenanstalten, Nord­amerika 239 christliche Waisenanstalten mit circa 30,367 Kindern usw. Nach einer vom„General= inspector der öffentlichen Wohlthätigkeits­anstalten in Frankreich“ herausgegebenen Statistik waren von den 1483 Spitälern Frankreichs, welche entweder die Revolutions­zeit überlebt oder seitdem errichtet wurden, nicht weniger als 304 vom Clerus durch frei­willige Gaben gegründet worden.

Betrete die stillen Räume, wo barmherzige Schwestern arme hilfsbedürftige Kinder pflegen, Wunden des Körpers und der Seele##ilen, Sterbenden mild den Todesschweiß von der Stirne trocknen: Es sind gute Katholikinnen, welche nur darum so schwere Opfer bringen können, weil sie an der Lehre und dem Bei­spiele Christi festhalten.

Was hat denn die Socialdemokratie für die Armen schon gethan? Nennet uns auch

nur ein einziges socialdemokratisches Spital, ein einziges socialdemokratisches Kinderasyl!

Auf wie viele herrliche Zeugnisse der Geschichte könnten wir Katholiken hinweisen, wenn uns der Vorwurf entgegengeschleudert wird, die Kirche habe nichts für die Armen gethan! Es mangelt nicht an zahlreichem und schlagendem Beweismaterial, aber kennen müssen wir die Verdienste der Kirche, und auch den Muth haben, mit diesen Waffen die Kirche für ihre vielen Opfer gegen erbärmliche Ungerechtigkeit und Dummheit zu vertheidigen! Wer sich näher über dieses Kapitel unterrichten will, dem empfehlen wir die soeben erschienene Broschüre:„Volksfreundliche Thaten statt leerer Worte" oder„Sociale Thätigkeit der Kirche". Von Registrator, Verlag von A. Opitz in Warnsdorf, Nordböhmen. Preis 12 kr. oder 18 Pfg., 50 Expl. 5 fl. oder 8 Mk. 30 In circa 20 Kapiteln führt diese Broschüre, sozusagen ein kleines Ehrenbuch des Katholi­zismus, aus, was das katholische Ordenswesen der ganzen Welt für die Verlassenen der Menschen thut, was speciel ein Don Bosco, Cottolengo, P. Mathew, P. Damian Deveuste für die Aermsten der Armen gewirkt; was in Deutschland 2c. die katholischen Volksvertreter an Arbeiter=Schutzgesetzen angeregt und durch­gesetzt, was katholische Arbeitgeber an

Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen usw. Es

wäre zu wünschen, daß dieses billige Büchlein in der Hand eines jeden Katholiken sich befände.

Knappschaftsältesten-Wahl.

V Wir haben vor vierzehn Tagen darauf hinge­wiesen, daß die Punkte, auf welche der alte Verband die für die Knappschaftsältesten=Wahl aufzustellenden Kandidaten verpflichten will, in mancher Hinsicht einen undurchführbaren Unsinn enthalten, der wohl nur aus socialdemokratischen Parteiprincipien entstanden ist, ferner in mancher Hinsicht den Interessen der Werks­besitzer entgegenkommen und endlich der Kasse des allgemeinen Knappschaftsvereins wenigstens großen Schaden zufügen, wenn nicht die Kasse gar dem voll­standigen Ruine entgegenführen würde. Abgesehen von diesen Punkten sind wir auch der Ansicht, daß man sich nicht zu früh nach geeigneten Kandidaten umsehen kann, denn das ist auch unsere Ansicht, die gemäßigten Knappschaftsältesten und vor allen die Führer der Gemäßigten dürfen nicht wiedergewählt werden. Was diese Leute, die zu allem, was ihnen die Werksvertreter vorkauen, Ja und„Amen“ sagen oder nicken. als ob sie sämmtlich Ringe in der Nase hätten, an welche man nur zu ziehen brauche, in den langen Jahren gethan haben, wie sie die Rechte der Mitglieder verletzt haben, und sich eben dadurch Be­amtenpöstchen 2c. gesichert haben, das ist wohl den