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itten.

ch den 5. Novbr, ds 8 Uhr.

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maligen Entnahme ind die Mitglieds­igen.

No. 261. Funspretz=Nr. 46 für Witen.

Dasur

bend, den 8.

öffnet werden. daher die für den­iten Arbeiten und ldigst an Herrn nann einzuschicken behufs Abholung zu mochen. er Vorstand.

Witten, Freitag, den 7. Rovember

Herstrectz=Nr. 13 für Hagen.

1890.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.

Insertionen werden die 7gespaktene Petttzeile mit 10 Pfg. berechnet.

verbunden mit dem

9 für Witten und Amgegend.

Abonnementspreis(inel. der Gratisbeilage „Märkisches Heim“): 1,80 Mark vierteljährlich monatlich 60 Pfg. bei Bestellung durch die Boten. Bei Abnahme auf der Post inel. Bestellgeld 2.90 Mt.

D Der Getreidepreis.

Ueber kein Produkt ist in den deutschen Zeitungen seit Jahren so viel geschrieben, in den Versamm­lungen so viel gesprochen worden, wie über das Getreide, den Getreidepreis und damit den Brodpreis. Eine Einigung der Ansichten der verschiedenen In­teressenten ist über diesen Punkt nicht zu erzielen, jede Richtung bleibt bei ihren Anschauungen stehen und kommen unbequeme Zwischenfälle, so schiebt sie die Schuld davon auf den anderen Theil. Für den­jenigen, welcher unbeinflußt die Dinge mit ruhigem Augen betrachtet, liegen die Dinge aber durchaus nicht so komplizirt, daß es unmöglich wäre, unge­fähr das Richtige zu treffen. Der Getreidepreis ist in aller erster Linie abhängig von der Gesammtpro­duktion der Landwirthschaft in allen Getreideländern. Deutschland untersteht ebenfalls dem Weltmarkte, es Zwei neu wäre unabhängig von ihm nur dann, wenn es selbst Sofas billig so viel Brodkorn produzirte, wie seine Bewohner ge­abzugeben.

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nd das nuadel=Oel aturprodukt), gichtischerheuma­Leiden seit einem schenalter unüber­ich bewährt von ichen Autoritäten ohlen und verordnet, Medaillen u. Eh­

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Barcelona 1888 a.

1830 u. Stuttgars

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Karl Fipo.

brauchten, und davon kann bis heute keine Rede sein. hringemeins Wir können also in Deutschland eine weniger gute ∆ sämmtlichen Ernte haben, und der Getreidepreis kann doch bei und vuruns gefe

—.H temischen günstiger Ernte im Auslande, sich noch in gewissen Geschütze in der belgischen Artillerie, wegen der In­Settm Halten#nn ir nicht Hänßlich zmpargesckraubt seriortät des deutschen Materials, gezählt seien.

Konjunkturen ausnutzt, ist nicht zu verdammen, das thut schließlich Jeder, aber Alles muß seine Grenzen haben, und der Verdienst darf nicht gleich in die Miltonen gehen.

Rundschau.

* Die Anfeindungen der deutschen Industrie, welche in Belgien unter der Maske patriotischer Sorge um die Beschaffung eines tadellosen Geschütz­materials ihre Spitze gegen die Versorgung der belgischen Artillerie mit Krupp'schen Gußstahlgeschützen kehrten und dort während des verflossenen Winters bekanntlich in mehrfachen parlamentarischen Ausein­andersetzungen zwischen dem Kriegsminister und den Lobrednern der belgischen Geschützfabrikation hervor­traten, haben zu einem für die Gegner der Krupp­schen Gußstahlgeschötze nicht wenig beschämenden Er­gebnisse geführt. Letztere hatten gewaltigen Lärm derüber geschlagen, daß bei den jüngsten Herbst­manövern ein Krupp'sches Gußstahlgeschütz der 34. Feldbatterie erhebliche Rohrbeschädigungen aufwies, und daraus gefolgert, daß die Tage der Krupp'schen

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sie Exped. d. Ztg.

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des Bahnhofs an Herrn zu vermiethen res in der Exped.

bl. Zimmer

zu miethen gesucht unter Nr. 2472 an Ztg.

Polsterwaaren in Grenze halten, wenn er nicht rünstlich emporgeschraubt Erinnerung. wird. Auf der anderen Seite können wir bei uns

lius Potthoff, eine brillante Ernte haben, und der Preis kann doch

Hauptstr. 13. hoch sein, wenn im Auslande eine Mißernte herrschte,

Nun sind allerdings der Kornländer auf der Erde so ville, daß eine allgemeine Mißernte nicht zu erwarten ist. Der deutsche Kornzoll setzt naturge­mäß die deutschen Getreidepreise um seinen Betrag höher; der Preis im Auslande ist bei ergiebiger Ernte um so viel niedriger. Die Preisdifferenz schwindet aber zum Theil bei schlechterer Ernte in einzelnen Getreideländern. Nun kommt aber noch eine Thatsache in Betracht, die heute viel zu wenig ge­würdigt wir: der offizielle Marktpreis des Getreides ist nicht selten sehr verschieden von dem, welchen die Landwirthschaft erzielt. Wenn der Zoll den deutschen Getreidepreis erhöht gegenüber dem des Auslandes, so setzt doch eine Reihe von Thatsachen, unter denen die Spekulation obenan, darauf noch einen neuenTrumpf. Getreide ist heute zum Spekulationsartikel geworden, gerade wie Papier=Werthe, und daß es an der Börse nie an Mitteln und Mittelchen fehlt, die Preise hinauf­und hinabzutreiben, ist ja bekannt.

Niemand wird verlangen, daß die Personen, die das Getreide dem Landmanne abkaufen, ohne Ver­dienst arbeiten sollen. Aber der Verdienst erhöht sich bei den vielen Händen, durch welche das Getreide wandert, ganz erheblich, und damit steigt der Preis, und weil das Gtreide zu den nothwendigsten Pro­dukten gehört, so ist die Zahl derer, welche sich dem Getreidehandel widmen, nicht gering. Nicht immer glücken Getreidespekulationen, die Preisschrauber er­halten ganz empfindliche Ohrfeigen, aber besser wäre es schon, wenn solche Produkte überhaupt nicht zum Gegenstand der Spekulation gemacht würden. Vor wenigen Wochen erst ist festgestellt, daß in Berlin mehrere großen Getreidefirmen sich kontraktlich ver­pflichtet hatten, ihre gewaltigen Vorräthe nicht vor einem bestimmten Termin zu verkaufen. Den Grund hierfür kann sich Jeder leicht sagen, der mit dem Geschäftsleben einigermaßen nur vertraut ist: Der Preis einer jeden nöthigen Waare steigt um so höher, in je geringeren Quantitäten sie zum Markt gebracht wird, und beim Getreide liegen die Dinge genau ebenso. Nun kann ja der Landwirth auch verkaufen, wenn der Getreidepreis einen hohen Stand erreicht hat, aber dieser Rath entspricht nicht den Verhältnissen der Landwirthschaft. Auf die Ernte rechnet jeder Landmann und auf das baare Geld erst recht. Es ist unmöglich für die Meisten, einen guten Preisstand abzuwarten, man muß verkaufen, wenn die Verhältnisse dazu nöthigen. Wie gesagt, wird ja nun auch manche solche Spekulation zu Ungunsten des großen Publikums durch unvorher­gesehene Zwischenfälle vereitelt, aber es ist und bleibt ein Nachtheil, wenn als Spekulationsobjekt das Brod­korn dient. Sind die Zölle von Uebel für das Publikum, so ist es die Spekulation nicht weniger, und gäbe es ein kräftiges Mittel, diesem Unwesen ein Ende zu machen, es wäre ein unberechenbarer Vortheil. Zur Ermäßigung der Kornpreise soll im Reichstage von Neuem der Antrag auf Aufhebung der Kornzölle eingebracht werden. Da Konservative, Centrum und auch ein erheblicher Theil der National­liberalen im Hinblick auf die Landwirthschaft dagegen sind, ist an eine Annahme nicht zu denken; es könnte auch nur im langsamen Fortschreiten ein Ausgleich ermöglicht werden. Eine plötzliche Aufhebung aller Zölle würde den Grundwerth kolossal sinken lassen, wir hätten nicht Tausende, sondern Hunderttausende von bankerotten Landwirthen. Hier kann also nur Schritt für Schritt vorgegangen werden. Dringend zu wünschen ist, daß die Landwirthe sich selbst immer fester verbinden, um gegen alle übertriebene Speku­lation zusammenzustehen. Wer Zeitverhältnisse und

enlokal.

lai nächsten Jahres em Hause, Haupt­das bisher von Klempner Haar egehabte Laden Wohnung frei. Reflektirende wollen melden.

. Noobr. 1890.

H. Haarmann.

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Brodt, Annen.

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ugnissen zum 1. Dez. sitten, Ruhrstr. 36.

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hat die bürgerliche ernen, baldigst ohne Vergütung nach sucht. Näheres in

Verlag von d& Co in Witten. H. Risel& Co. n Hagen

er Verantwortlichkei sepold in Witten.

Nunmehr aber kommt das Resultat der angestellten fachmännischen Untersuchung des Falles zu Tage und gestaltet sich zu einer für die Ehre der deutschen Industrie in doppelter Hinsicht glänzenden Genug­thuung. Einmal hat sich nämlich herausgestellt, daß der Gußstahl völlig intakt aus der Affaire hervorgeht und zweitens, daß die in dem beschädigten Rohre konstatirten Risse von einem in den Geschützlauf ein­geführten harten Körper herrühren. Wie das Fach­blatt„La Belgique militaire“ meldet, ist eine Unter­suchung eröffnet, wo und auf welche Weise diese Manipulation hat vorgenommen werden können. Eines Kommentars bedarf dieses, für die Art und Weise, und mit welchen Mitteln der Konkurrenzkampf gegen die deutsche Industrie mitunter geführt wird, recht lehrreiche Vorkommniß wohl nicht.

* Dem neuen englischen Magazingewehr scheint es recht eigenartig zu ergehen. Nachdem wir schon neulich mittheilen konnten, daß diese Waffe den zum indischen Dienst bestimmten Truppentheilen wieder abgenommen war, weil sie bei den Mannschaften „zu unbeliebt“ wäre und aus dieser Art der Moti­virung schlossen, daß es mit dem Magazingewehr irgend einen Hacken haben müsse, wurde die Zurück­ziehung des Gewehrs dann damit zu erklären ver­sucht, daß die indische Militärbehörde sich blos im Interesse der einheitlichen Bewaffnung gegen die theilweise Ausgabe des neuen Modells erklärt habe. Jetzt nun rücken ministerielle Londoner Blätter mit dem Geständniß heraus, daß zuständigen Orts die völlige Einziehung des Magazingewehres beschlossen sei. Nur wollen sie einstweilen noch nicht zugeben, daß dieser Beschluß in der Unbrauchbarkeit des Ge­wehres seinen Grund habe. Gleichwohl steht es fest, daß die Waffe vor ihrer definitiven Annahme durch eine Sachverständigenkommission gründlichst unter­sucht, begutachtet und für kriegsbrauchbar erklärt worden ist. Der anscheinende Widerspruch zwischen Theorie und Praxis würde eine pikante Erklärung finden, wenn die Behauptung konservativer, regie­rungsfreundlicher Preßorgane sich bestätigte, daß jedes einzelne Mitglied der Gewehr=Prüfungskom­mission eine„konstruktive Lieblingsidee“ hatte, von deren Berücksichtigung bei endgiltiger Feststellung des Mechanismus der neuen Waffe es seine Zustimmung abhängig machte. Auf diese Art mußte dann frei­lich ein mixtum compositum herauskommen, wel­ches das Gegentheil der ursprünglichen Einheitlich­keit des Gewehrmechanismus bildete und zur Er­klärung des angeblichen Fiaskos der neuen Waffe vollauf genügen würde. Die Londoner Blätter wid­men der Angelegenheit eingehende Besprechungen.

Als im Jahre 1878 die Insel Cypern aus tür­kischem Besitz in die Hände der Engländer überging, glaubte man allgemein, daß für das so fruchtbare Eiland nunmehr eine neue Periode des früheren Wohlstandes eintreten werde. Diese Hoffnungen haben sich nicht nur nicht erfüllt, im Gegentheil, so un­glaublich es auch klingt, der Wohlstand und die wirthschaftlichen Verhältnisse haben in den letzten 12 Jahren geradezu Rücksckritte gemacht. Allerdings wäre es ein Trugschluß, wenn man hieraus die An­nähme herleiten wollte, die türkische Regierung sei eine bessere und segensreichere gewesen, als die eng­lische. Die Ursache der sonderbaren Erscheinung liegt vielmehr darin, daß den Engländern an dem Besitze der Insel nicht viel mehr liegt. Der Tribut, den Cypern an die hohe Pforte zu zahlen hat, beträgt pro Kopf der Bevölkerung 10 Schilling jährlich. Wollte Großbritanneen den Cyprioten helfen, so würde es diesen sündhaft hohen Tribut ablösen; so läßt es den Dingen seinen Lauf und die Folge davon ist,

daß Alles zurückgeht. Die Ernteerträge nehmen an Werth und Umfang ab, die Besteuerung hat zuge­nommen und der Grundbesitz sinkt im Preise. So tritt denn hier die sonderbare Erscheinung ein, daß die Bewohner Cyperns die Herrschaft des Halbmonds — als die für siepekuniär vortheilhaftere— zurück­sehnen.

* Seit zehn Jahren suchen zwei europäische Staaten, Frankreich und England, eine bequeme Straße, die ihnen den Zugang zum Innern des chinesischen Reiches eröffnen würde. Das erste Land, dem die Lösung dieser Aufgabe obliegt, sichert sich damit, wenigstens für einige Zeit, ziemlich ausschließ­lich alle Vortheile des ungeheuren Handelsverkehrs mit 300, vielleicht 400 Millionen bedürfnißreicher Chinesen. Aks Frankreich sich entschloß, Tonkin zu nehmen, that es dies nicht am wenigsten in der Ab­sicht, von dort aus sich eine Handelsstraße nach China zu erschließen. Den Engländern entging die­ser Hintergedanke keineswegs, und sie beeilten sich, Birmanien zu besetzen. Sie fanden aber, daß von diesem Lande aus China nur mit Schwierigkeiten zu erreichen sei. Sie versuchten es, dieses Hinderniß zu umgehen und planten eine Eisenbahn von Ran­goon über Tschieng=Mai nach Pe=Se. Aber auch die Ausführung dieses Planes ist vorerst unthunlich. Frankreich ist mittlerweile in Tonkin nicht müßig geblieben. Hier betrachtete man von vornherein den Rothen Fluß oder Song=Koi als den Weg nach Yünnan, und war darauf bedacht, sich im Vertrage mit China Zugeständnisse zur Erleichterung des Handelsverkehrs öber die chinefisch=tonkinesische Grenze auszubedingon. Unglücklicherweise entdeckte man bei den ersten Erforschungsfahrten im Oberlaufe des Song=Koi Stromschnellen, die man für unüberwind­lich erklärte. Die Anwohner des Flusses bestärkten den Eindruck der ersten Europäer. Man gab den Gedanken der Einrichtung regelmäßiger Schifffahrten auf und dachte daran, am Ufer des Rothen eine Eisenbahn zu bauen, doch kam es auch dazu nicht. Jetzt aber hat die Angelegenheit eine neue Wendung genommen. Nachdem es schon früher dem Dampfer„Lao=Kai“ gelungen war, bis zur Stadt dieses Namens am oberen Rothen Flusse vorzudrin­gen, ist neuerdings, wie der„Voss. Ztg.“ geschrieben wird, der Dampfer„Yünnan“ von Hanoi nach Lao=Kai gefahren. Es ist somit bewiesen, daß der Rothe Fluß mit geeigneten Dampfern regelmäßig befahren werden kann, und die Regierung bereitet die Einrichtung einer Dampferlinie auf dem Song­Koi vor. Wenn der große Waarenverkehr der Welt nach China von nun an diesen Weg nimmt, so kann sich Herrn Jules Ferry's Wort, daß Tonkin eine Mündelgeldanlage sei, schließlich doch noch ver­uirtlicher.

Zur bevorstehenden Gession des

preußischen Landtages.

Die„Kons. Koresp.“ schreibt:

Diejenigen Stimmen, welche bereits vor geraumer Zeit zu melden wußten, der preußische Landtag werde diesmal zu einem besonderen frühen Termin einberufen werden, haben recht behalten. Die Einberufung der Landesvertretung ist von Sr. Majestät dem König zu dem 12. November erfolgt, also zu einem so frühzeitigen Termin, wei er seit 8 Jahren nicht üblich war. Ein be­deutender Scharfblick, um diese Abweichung von der in den letzten Sessionen üblichen Regel, die Berathangen gegen Mitte des Januar beginnen zu lassen, voraussagen zu können, war freilich nicht erforderlich; die seit Monaten in der Presse angekündigten Reformvorlagen betreffend die direkten Steuern, die Landgemeindeordnung und das Volksschulwesen versprechen dem Landtage ein so reichliches und dazu so dringliches Arbeitspensum, daß eine frühzeitige Einberufung des gesammten Parlamentes unbedingt geboten war.

Ueber die erwähnten Vorlagen selbst ist noch wenig Authentisches in die Oeffentlichkeit gelangt. Jusbesondere bat über die Absichten der Regierung hinsichtlich der Landgemeindeordnung und des Schulgesetzes wenig ver­lautet; doch sind von Seiten der Parteien, namentlich auch von der deutschkonservativen Partei, die Meinungen und Wünsche in Bezug auf die in Rede slehenden Materien bereits ziemlich umfassend dargelegt worden. Was die Steuerreformvorlage betrifft, so haden die bis­her in der Presse— besonders in den Berliner Fach­blättern„Confektionär“ und„Aktionär“— gelegentlich erfolgten Veröffentlichungen, die anscheinend auf sicheren Informationen beruhten und demgemäß auch bis jett noch nicht vom„Staatsanzeiger“ dementirt worden sind, eine gewisse Grundlage zu Preßerörterungen gegeben, durch welche auch hinsichtlich dieser Vorlagen Klarheit über die Ansichten in den verschiedenen politischen Par­teien entstanden ist.

Es muß daber als nicht recht verständlich erscheinen, daß in diesen Tagen verlangt wurde, die königliche Re­gierung solle den Wortlaut der sämmtlichen Vorlagen publiziren, damit die„öffentliche Meinung“ darüber, noch bevor im Landtage die Begründung der Entwürfe erfolgt ist, zu Gericht sitzen könne. Wie bereits erwähnt, hat keine Partei mit ihrer Ansicht über die zu erwarten den„Reformen“ zurückgehalten, die„öffentliche Meinung“ ist über die Tragweite derselben nach jeder Richtung in­formitt— wozu also durch Bröffentlichung der würfe selbst eine Neuerung einführen, die doch nur den E folg haben könnte, der grundsätzlichen Opposition Ge legenheit zur Bekämpfung und Verdächtigung der Ab­sichten der Regierung zu bieten und dies zu einer Zeit,

wo dergleichen Agitationen ohre Widerspruch von autori­tativer Seite erfolgen können? Eine solche vorzeitige Publikation würde der Regierung wie den positiv arbei tenden Parteien ihre Aufgabe nur erschweren und dies umsomehr, als bisher die Pläne für das„Reformwerk" im großen und ganzen geheim gebalten worden sind.

Daß freilich ein absolutes Geheimhalten in Vor­bereitung befindlicher Gesetzentwürfe kaum durchführbar ist, hat das gelegentliche Ausplandern über die Steuer­reformpläne gezeigt. Es hat sich aber angesichts dieser Veröffentlichungen im„Confektionär“ 2c. und der daran von demokratischer Seite geknüpften Entstellungen noch ergeben, daß es für die Staatsregierung wünschenswerth sein muß, außer dem vorzugsweise nur zu Dementis be­nutzten„Reichs= und Staatsanzeiger“, auch Organe nichtamtlichen Charakters zur Verfügung zu haben, in denen sie ihre Absichten und Ziele dorlegen und ver­theidigen kann.

Was die zu erwartenden Gesetzentwürfe selbst betrifft, so haben wir bereits früher nachgewiesen, daß insbesondere die Steuerreformvorlagen in ihren bis jetzt bekannt ge­wordenen Grundzügen den Wünschen entsprechen, welche von der Fraktion der Deutschkonservativen in den Land­tagssessionen der Jahre 1883/84 und 1887 sowie in dem Wahlaufruf im Jahre 1888 zum Ausdruck gebracht sind. Hinsichtlich der Reform der Landgemeindeordnung glauben wir ebenfalls annehmen zu dürfen, daß dieselbe sich im großen und ganzen in der Richtung, wie sie kürzlich von hervorragender konservativer Seite angedeutet worden ist, bewegen wird. Wenn nun die nationalliberalen Ocaane die Anschaffung verfechten, der Grundcharakter der Reform­vorlagen sei liberaler Natur, so stehen diese Aeußerungen mit unserer obigen Darlegung nur mehr scheinbar im Gegensatz; das Wohlwollen, mit welchem die National­liberalen an die Besprechung der erwähnten Entwärfe herantreten, läßt uns vielmehr hoffen, daß man seitens der genannten Partei zu Kompromissen— ohne die einmal eine gedeihliche Gesetzgebung nicht zu Stande kommen kann — geneigt ist, und daß man sich gegebenenfalls auf jener Seite nicht durch doktrinäre Bedenken in grundsätzlichen Widerstand drängen lassen wird. Die abwartende Haltung des Centrums, welche, sobald die Regierung auf seine Mithülfe angewiesen wäre, die in der Tasche bereit ge­haltene Gegenrechnung ohne Zögern präsentiren würde, wird, wie wir annehmen, auch auf die Haltung der nationalliberalen Partei von Einfluß sein.

Der Deutschfreisinn kommt im preußischen Landtag nicht sehr in Betracht; Verwirrung kann nur dessen immer noch weit verbreitete und viel arößern Einflaß, als dieser Partei zukommt, besitzende Presse anrichten. Stellten diese Organe sich anfangs ziemlich wohlwollend der angeblich„neuen Aera“ gegenüber, so war dies im Großen und Ganzen wohl mehr tacktisches Manöver; denn gegenwärtig ist die deutschfreifinnige Anhängerschoft von ihrem Vorsatz, eine positiv arbeitende Partei zu werden, völlig zurückgekommen. Wenn auch einzelne frühere Sezessionisten, wie die Abgeordneten Bartb und Haenel noch auf dem erwähnten Standpunkt verbarren, so ist das für das Verhalten der Partei selbst ohne jede Bedeutung, seitdem Herr Eugen Richter dem gegenüber vor„Illusionspolitik“ gewarnt und den Standpunkt der Negation als den auch der neuen Regierung gegenüber allein berechtigten erklärt hat. Die Erfabrung hat ge­uugsan gelehrt, daß die Parole des Begründers der „Freisinnigen Zeitung" bei der Gesammtheit seiner Partei noch immer maßgebend ist; wir werden also von jener Seite vur Hindernisse für das Zastandekommen der au­gekündigten Vorlagen zu erwarten haben.

Die Stellung der deutschkonservativen Partei zu den Reformvorlagen braucht nach vorstehenden Auseinander­setzungen nicht des Weiteren festgestellt zu werden; es genügt wenn wir annehmen, daß konservativerseits den in Rede stehenden Gesetzentwürfen vollstes Wohlwollen entgegengebracht wird, und daß die Partei, sobald die Borlagen publizirt sein werden, ohne Voreiggenommenheit an die Prüfung derselben herantreten wird.

* Berlin, 5. November. Kaiser Wilhelm unter­nahm deute Morgen zunächst einen längeren Spazierritt in die Umgebung Potsdams und erledigte sodann die laufenden Regierungsgeschäfte, ertheilte auch mehrere Audienzen. Für die nächsten Tage begiebt sich der

narch nach Liebenberg zur Jagd.

Ueber das Malheur, welches unseren Kaiser bei der Hubertusjagd in Grunewald fast betroffer, berichtet ein Augenzeuge: Die rothbefrakte Kavalkade, in ihrer Mitte die Gräfia Hohenau, stand im Begrift, nahe bei Zedleu­dorf über eine Grabenbrücke zu reiten, und der Kaiser, in ledhafter Unterhaltung mit der Gräfig, achtete nicht genau auf die alte, morsche Brücke, in deren Mitte sich eine größere schadhafte Stelle befand. Reckts auf die­selbe zureitend, wäre des Kaisers Pferd sicher dort ge­stürzt, wenn nicht ein Herr Schwanke aus Berlin warnend gerufen hätte:„Majestät, hier ist ein Loch auf der

Brücke!“ In gleichen Moment griff er auch in die Zügel des Pferdes und leitete dasselbe seitwärts um die gefähr­liche Stelle. Einer der Huren des Gefolges rief dem Berliner zwar zu, die Zügel des Pferdes loszulassen, aber der Kaiser wandte sich und bedeutete ihn, daß es so schon richtig wäre, lürtete, als die schadhafte Stelle passirt war, seinen Hut und dankte Herrn Schwanke in verdind­lichen Worten für seine Aufmerksamkeit. Daß das Loch in der Brücke dem Kaiser hätte sehr gefährlich werden

können, beweist der Umstand, daß an derselden Stelle zwei Herren eine halbe Stunde früher mit ihren Pferden gestürzt waren und sich erhedliche Verletzungen zugezogen

— Aus Neußerungen, welche der Präsident des Richs­tages heute den Mitgliedern der Arbeerschutzkommission machte, ist zu schließen, daß das Plenum des Reichs­tages auf den 27. November einberufen

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— Der Reichsgerichts Prandent Dr. Eduard von Sim'oa in Le pug vollendet am 10. Nvormder sein 80. Lebensjahr. Bei der Bedeutung des veronnten Mannes nicht nur als Rechtslehrer und als P#ä#s#sent des oder­sten deutschen Gerichtshofes, sondern bei seiner innigen Vrwebung mit der parlam ntarischen Gschch Druisch­lands seit 1878 erscheigt es begreiflch, dau weite Kreise Aalaß nehmen, an diesem Tage dem Präsidenten Simson den Ausdruck ihrer Berebrung zu weihen.