Nr. 198.— 52. Jahrgang.

Erstes Blati.

Freitag, den 24. August 1900.

mit Ausnadme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Bierteljahr in der Expedinon 1 M 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M

Einrückungssebüb für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J

Früher Enter rem Titel:

Vergisches Volks=Blatt

Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeisfer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech=Anschluß Nr. 90.)

Deutsches Reich.

König Oskar von Schweden nahm das Schiedsrichteramt anläßlich der Frage der Entschädigung der deutschen, englischen und ameri­kanischen Unterthanen wegen der letzten Unruhen auf Samoa an.

Ein Berliner Blatt erfährt von wohlunterrichteter Seite, daß das Gerichtsverfahren gegen Prosper v. Arenberg noch nicht abgeschlossen, der Abschluß jedoch binnen kurzem zu erwarten sei. Das Urtheil werde alsbald nach der kaiserlichen Bestätigung vom Reichskanzler veröffentlicht werden.

Der Metzer„Lorrain“ bringt einen(auch vom Straßburger Elsässer wiedergegebenen) bemerkens­werthen Artikel, der in Paris schlecht gefallen wird. Ausgehend von den Schlachten bei Metz vor 30 Jahren schreibt das Lothringische Blatt sehr ernst und würdig:

Welch gigantische Kämpfe! Welche Tapferkeit, welcher Muth, aber auch wie viele Menschenopfer, wie viel Blut! Und seither sind wir deutsch! Der Frankfurter Friede trennte uns vom Vaterland. Vom politischen Standpunkt aus wurde seine rechtliche Gültigkeit niemals angezweifelt. Alle Kabinette, die in Frankreich aufeinander folgten, haben diesen Frie­den als Thatsache anerkannt und niemals angezwei­selt. Aber wenn sich die Vernunft einem Kriegsrecht unterwarf, das— wenn auch durch den zwiefachen Grundsatz der Nationalitäten und der Befragung des Volkes eingeschränkt— den Sieg bestätigte, so war das nicht auch bei dem Gefühl der Fall. Unser Herz hatte sich über die Lostrennung empört: wir wollten nicht deutsch werden. Aber die Hoffnung, oft getroffen und verwundet auf diesem Schlachtfelde einer An­nexion, die durch ein oft unbeugsames Beamtenthum langsam verwirklicht wurde, ist endlich ermüdet. Sie hörte auch nichts von Frankreich, das ihr Stärkung brachte. Niemand sagte ihr, daß das Vaterland schöneren Tagen entgegengehe. Im Gegentheil! Man zeigte ihr Frankreich, eine Beute der Parteien. Wer aus Frankreich kommt, wiederholt, daß die Republi­kaner, die am Ruder sind, um keinen Preis einen europäischen Krieg wollen, am wenigsten einen Krieg mit Deutschland. Und auch wir möchten in diesen Tagen der schmerzlichen Erinnerung nicht die Schlachtdrommete blasen. Wir wollen die Felder nicht mehr von dem Blute unserer Kinder geröthet sehen. Mehr als zehn Jahre sind über das letzte Aufleuchten des Protestes hinweggeeilt, und die Zeit vollzieht ihr Werk des Vergessens an der Seine wie am Rhein, das Werk der Beruhigung und der Ver­nunft in Metz wie in Straßburg. Man sagt sich auf gewisser Seite in der That, daß wir nicht königlicher als der König gesinnt sein sollen, patriotischer als unsere Brüder vom Mutterlande. Wenn die Staats­raison sie dahin gebracht hat, ein Frankreich ohne uns neu zu gründen, soll diese Staatsraison uns nicht dazu führen, daß wir auch unser politisches und soziales Leben gestalten ohne Frankreich? Wenn die Treue und Anhänglichkeit ein Gefühl ist, das uns ehrt, sind die Geschäfte des Lebens nicht eine Noth­wendigkeit, die sich aufdrängt? Bleiben wir, was wir sind. Bewahren wir in unserem Herzen die Treue dem, was nicht mehr ist, und allem, was wir

so sehr geliebt haben! Aber leben wir daheim und für uns! Herz und Verstand werden ihren Theil dabei finden, und wir werden die Ehre retten, ohne die Gegenwart zu kompromittieren. Denn es ist unser Fehler nicht, wenn sich so viel geändert hat zwischen dem 16. August 1870 und der Ernennung des Feldmarschalls v. Waldersee zum Generalissi­mus der Verbündeten in China anfangs August 1900.

„Dziennik Poznanski“ meldet, vierzehn pol­

nische Lehrer aus der Stadt Posen würden binnen Kurzem nach dem Westen der Monarchie versetzt werden.(Die Maßregel hängt mit der Polenagitation zusammen).

Auf der letzten Schulkonferenz hat das Frankfurter Reform=Gymnasium die von manchen Seiten geübte Kritik sehr gut bestanden und Einwände, die gegen das System erhoben wur­den, widerlegt. Seine Leistungen sind namentlich von militärischer Seite anerkannt worden, und die Folge davon ist wohl, daß in den Hauptstädten der Provinzen, wie verlautet, Gymnasien nach demselben Prinzip eingerichtet werden sollen.

Die englische Regierung zahlte der Wagnerschen Reederei in Altona wegen unberechtigter Beschlag­nahme des Schiffes„Hans Wagner“ in der Telagoa­bai eine Entschädigung von 60000 M. aus.

Ausland.

Belgien.

Brüssel, 22. Aug. Die seit mehreren Tagen durch die Presse gehenden Nachrichten von Verhand­lungen zwischen Belgien und der Schweiz in der Affaire Sipido sind gänzlich haltlos. Sipido be­findet sich gar nicht in der Schweiz.

Frankreich.

Paris, 22. August. Zu der Rede, die der Marineminister de Lanessan am Dienstag an­läßlich eines ihm zu Ehren in Bordeaux veranstalteten Festessens hielt, werden folgende Einzelheiten mit­getheilt, die großes Aufsehen hervorriefen:„Man beginnt in unserem Lande die Lehren der Geschichte zu begreifen; man sieht jetzt ein, welche Fehler Frank­reich jedes Mal begangen hat, wenn es seine Marine herabziehen ließ, um den ehrgeizigen Bestrebungen und Nebenbuhlerschaften auf dem Kontinent die überwiegende Stelle einzuräumen, wie wir dies in den berühmten Epochen unserer Geschichte zu Ende des XVII. Jahrhunderts mit Ludwig XIV., zu Ende des XVIII. mit Bonaparte und beinahe ein Jahr­hundert später mit Napoleon III. gethan haben. Die Stunde hat endlich geschlagen, diese Lehren auszu­nützen, und diese Stunde ist hervorragend günstig für

die Entwicklung der einzigen Politik, aus der für

Frankreich Sicherheit und Reichthum ersprießen

kann.“— So scharf und deutlich hat sich wohl nach dem Kriege von 1870 71 noch kein französischer Mi­nister für das Aufgeben der Hegemoniebestrebungs­und Revanchepolitik auf dem europäischen Kontinente und für eine kräftige, auf gesunden Grundlagen beru­hende Weltpolitik ausgesprochen. Der Wandel der Ansichten und Umstände tritt besonders markant hervor, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Stür­me gegen Jules Ferry losbrausten, als er eine der­artige Politik nur behutsam mit Schonung der chau­vinistischen Empfindlichkeiten, deren Berechtigung er nie in Abrede zu stellen wagte und die er übrigens bei verschiedenen Anlässen ziemlich offen selbst theilte, ein­zuleiten versuchte. Es scheint sich, wenn man dies mit den gleichzeitigen Acußerungen Delcassees in Foix und der Ansprache des Präsidenten Loubet in Marseille zusammenhängt, in der That eine gründ­liche Aenderung der ganzenfranzösischen Politik vorzubereiten. Die leitenden Personen derselben können jetzt offenbar Dinge riskiren, die vor zehn Jahren noch unmöglich gewesen wären. Das Verständniß für Handels= und Kvlonialfragen ist im französischen Publikum nun weit genug vor­geschritten, um das beständige„Starren auf das Vogesenloch“ aufhören zu lassen. Wie weit russische Winke dabei eine Rolle spielen,— Rußland war ja von vornherein nicht für die kontinentale Revanche­politik zu haben— wird die nächste Zukunft lehren. Jedenfalls kann dieser offen eingestandene Programm­wechsel Frankreichs weitreichende Konsequenzen haben.

Die Wirren in China.

Ncapel, 23. Aug. Feldmarschall Graf Wal dersee ist heute früh um 1 Uhr 40 Min. mit seinem Stabe auf dem Dampfer„Sachsen“ in See gegangen.

Berlin, 23. Aug. Wolffs Bureau meldet: Auf einen Antrag Li=Hung=Tschangs, worin die sofortige Zurückziehung der verbündeten Trup­pen und die Eröffnung der Friedensverhand­lungen verlangt wird, erwiderte die deutsche Re­gierung, sie könne in Ermangelung der gehörigen Vollmachten auf chinesischer Seite in Verhandlungen nicht eintreten.

Berlin, 23. Aug. Wolff's Telegraphen-Bureau berichtet aus Taku vom 20. d.: Der Führer der deutschen Schutzwache in Peking, Soden, telegraphiert: Peking wurde am 15. d. entsetzt. Ge­fallen sind: Marchies, Kotissen, Ivelle, Hentschel, Kohnke, Goelitz, Strauß, Ebel, Reinhard, Rentmei­ster, Gugel; schwerverwundet: Berger. Die übrigen 15 Verwundeten sind auf dem Wege der Besserung. Das deutsche Landungskorps ist noch nicht ein­getroffen.

London, 23. Aug. Das„B. Dalziel“ meldet aus Shanghai: Chinesischen Berichten zufolge ver­langen die Verbündeten in Peking die Hinrich­tung von Prinz Tuan und General Tung=Fuh­Siang, sowie von Kang=Yi, Chao=Su=Chao, Hsu­Tong, Hsu=Chi und Yu=Sien. Es scheint, als ob Prinz Tuan darum vor Abzug der Kaiserin Yung­Lu gefangen setzen ließ, weil er damit auf Yung=Lu alle Schuld werfen wollte. Yung=Lu's Soloaten bil­deten den größeren Theil der Truppen, welche die Gesandtschaften belagerten. Verschiedene Damen star­ben an Erschöpfung während der Belagerung der Gesandtschaften. Einer Meldung der„Central News“. aus Peking zufolge ist Sir Clande Macdonald krank. Aus Hunan wird berichtet, daß der dortige Gou­verneur Plakate anschlagen ließ, worin zur Aus­rottung aller Ausländer im Norden aufgefordert wird. Einer Meldung aus Hongkong zufolge be­ruhigen sich die südlichen Provinzen allmälig. In Kanton erhalten die Schwarzflaggen die Ordnung in den Straßen aufrecht. Am Hause jedes Christen ist ein Plakat angebracht, das Jedermann vor Ge­waltthaten warnt.

Berlin, 23. August. Ueber Tschifu ist von dem kaiserlichen Konsul in Tientsin eine aus Peking vom 14. ds. datirte Depesche des kaiserlichen Geschäftsträgers in Peking eingelaufen, wonach an demselben Tage der Entsatz der Hauptstadt durch russische, japanische, englische und amerikanische Truppen stattgefunden hat. Dem Entsatz ging in der Nacht vom 13. zum 14. ds. ein letzter wüthender An­griff chinesischer Truppen gegen die Gesandtschaften voraus. Bei der Abwehr dieses Angriffs fiel ein Deutscher. Den stärksten Widerstand fanden an den nördlichen Thoren die Russen und die Japaner, wäh­rend die Chinesenstadt von Engländern und Ameri­kanern schnell genommen wurde. Mittags erschienen diese dann im Gesandtschaftsviertel. Die chinesischen Truppen zogen sich in die Kaiserstadt zurück. Die Bevölkerung verhält sich theilnahmlos. Die verbün­deten Truppen besetzten die Zugänge zur Kaiserstadt.

St. Petersburg, 23. Aug. General Lene­witsch telegraphiert an den Kriegsminister aus Tschifu vom 21. d.: In der Nacht vom 13. zum 14. August erstürmten unsere Soldaten das östliche Thor am Kanal, drangen als erste in die Stadt Peking ein und hißten die russische Flagge auf der Stadt­mauer. Die Beschießung des Thores dauerte 14 Stunden. Der Kommandant der Avantgarde, Ge­neralmajor Wasilewski, und der Kommandeur des Schützenregiments, Oberst Modl, erstiegen die Mauer an der Spitze ihrer Leute, setzten sich dort fest und hißten die russische Flagge. Die Chinesen hielten aber noch das Observatorium und andere Thürme besetzt und nahmen unsere Truppen in ein starkes Kreuzfeuer, bis unsere Insanterie und Artillerie sie aus den letzten Stellungen verdrängte. General Wa­silewski, Oberst Modl und 5 Offiziere, sowie 102 Mann wurden verwundet. Oberst Antiukoff und 20 Mann sind gefallen.

Berlin, 23. Aug. Nach Berichten aus Peking ist die Haltung der Pekinger Bevölkerung apathisch, und der Widerstand gegen die Besetzung

der Stadt ist lediglich von den kaiserlichen Truppen und den Boxern ausgegangen. Eins der letzten Opfer in der englischen Gesandtschaft war ein deutscher Seesoldat, der bei dem letzten unmittelbar vor Ein­treffen der verbündeten Truppen gegen die Gesandt­schaft gerichteten Angriff erschossen wurde.— Die letzten Nachrichten über den durch Regen schwer be­hinderten Vormarsch unserer Truppen reichen bis zum 18. ds.; es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß sie Peking jetzt erreicht haben.

London, 23. Aug.„Central News“ meldet aus Shanghai vom 22. d.: Das Fehlen aller Nach­richten von Peking, die später als die Einzelheiten über die Besetzung der Hauptstadt sind, erweckte hier einige Besorgniß. Die Konsuln befürchten, daß sich möglicherweise eine chinesische Streitkraft im Rücken der Verbündeten festgesetzt habe, und die Verbindung unterbreche. Ein von Sutschou eingetroffener Konsular=Bericht theilt mit, daß der Gouverneur einen Angriff auf die genannte Stadt befürchtet. Darnach würde Shanghai in der Gefahr eines Angriffs stehen.

Washington, 23. Aug. Ein Kabeltelegramm des Admirals Remey vom 20. d. besagt: Das sechste amerikanische Kavallerie=Regiment und ungefähr 400 Briten und Japaner trieben gestern Morgen acht Meilen von Tientsin 1000 Boxer auseinander: 100 Chinesen wurden getödtet.

Paris, 23. Aug. Der französische Konsul in Hankau telegraphirt vom 22. d.: Am 20. August wurde ein Aufstandsversuch gemacht in er Absicht, die Bank und das Zollamt in Brand zu stecken. Der Vizekönig ergriff sofort Maßregeln zur Unterdrückung der Bewegung. Der Haupträdelsführer wurde verhaftet und zwei Mitschuldige enthauptet. Die beschlagnahmten Schriftstücke ergaben das Vor­handensein von Verschwörungen und einer geheimen Gesellschaft.

Der südafrikanische Krieg.

London, 23. Aug.„Daily Expreß“ berichtet aus Lourenzo Marques vom 22. d.: Präsident Krüger erließ eine Prokkamation, welche als Antwort auf die Proklamation des Lord Roberts angesehen wird. In derselben heißt es, es sei unnütz, die Waffen niederzulegen, denn Lord Roberts er­kläre in seiner Proklamation, daß alle Buren im Alter von mehr als 12 Jahren als Gesangene ange­sehen werden sollten, und daß er sie nach St. Helena schicken werde. Es sei ebenso unnütz für die Bürger, ihre Kommandos zu verlassen, denn je mehr sie sich ihren Farmen näherten, desto mehr näherten sie sich auch St. Helena.

London, 23. Aug. Lord Roberts meldet vom 22. d. aus Pretoria: Buller berichtet, daß seine Division gestern nach Vanwyksvlei, 15 Meilen südlich von Belfast, marschierte; er verlor beim Vormarsch etwa 20 Mann. Paget berichtet aus Hannskraal, daß Baden=Powell gestern mit Kommandant Grob­lers Nachhut im Gesecht war; Grobler wurde östlich des Pienaarsriver zurückgetrieben; Baden=Powell be­setzte daselbst gestern Abend die Eisenbahnstation. Während des Gefechts kamen Baden=Powells und des Feindes berittene Vorhut in ein Handgemenge; hierbei erlitt das Rhodesische Regiment schwere Ver­luste. Oberst Spreckley und vier Mann wurden ge­tödtet, ein Leutnant und sechs Mann verwundet. Es scheint sicher zu sein, daß Dewet es für hoffnungs­los hält, mit den Geschützen und Wagen nach dem Osten zu marschieren und daß er deshalb mit einigen berittenen Leuten den Wagoliesberg wieder über­schritten hat, um in die Oranjeflußkolonie zurück­zukehren. Er wird dort unter ganz anderen Verhält­nissen eintreffen, als unter denen er Bethlehem ver­ließ. Damals hatte er sechs bis acht Geschütze und 2000 Mann. Außerdem ließ er Prinsloo mit 5000 bis 6000 Mann in Bethlehem zurück, wovon die meisten sich jetzt auf dem Wege nach Ceylon befin­den. Die meisten Geschütze wurden vergraben. De­wets persönliches Gefolge kann nicht mehr als 300 Mann betragen. Steijn soll mit einer kleinen Schutz­wache den Pienaarsriver überschritten haben, um mit Präsident Krüger in Machadodorp zusammen­zutreffen. Diese Nachricht kommt aus verschiedenen Quellen.

Eine Abtheilung Buren sprengte gestern einen Brückentheil, acht Meilen nördlich von Newcastle, und zerstörte die Eisenbahnschienen, 30 Meilen südlich von Newcastle.

Rheinland und Westfalen.

Remscheid, 23. Auz. Ein Jubiläum eigener Art konnte, laut„R. Zto., gestern Herr Gustav Frantzen feiern; in seiner Eigei schaft als Schiedsmann batte er zu dem 1000. Sühne=Versuch streitender Parteien ein­geloden.

Lennep, 23. Aug. Eln schreckliches Unglück tiug sich heute Morgen auf der Kölnerstraße zu. Em Fuhr­mann wollte einen schweren Wagen zur R paratur fahren. Unter demselben befand sich ein Schiff, in welchem mehrere Kinder saßen. Der Fuhrmann verjagte sie kurt vor seiner Abfabit. Der 4 Jahre alte Knabe des Eigen­tümers des Wigens muß nun wieder in das Schiff ae­klettert und dann infolge der Schwankungen des Schiffte herausgefallen sein, denn eben war der Wagen in die Kölnerstraße eingehozen, als der Knabe unter die Räder kam und überfahren wurde. Die Techter der Wirthin stieß, als sie das unglückliche Kind unmittelbar v## dem Rade liegen sah, einen markerschütternden Schrei aus. Im selben Augenblick schon war das Unglück geschehen, die Räder waren dem armen Kinde über den Kopf ge­gangen. Tieferschütteind war der Schmerz der Eltern, als man ihnen ihren Liebling tot ins Haus brachte. Ganz außer sich war der Fuhrmann, er brach angesichts des toten Kindes in lautes Weinen aus und versicherte immer wieder, wie es auch wirklich der Fall war, daß er keine Schuld trage.

Beyenburg, 23. Aug. Wie verlautet, hat sich durch die amtliche Untersuchung herausgestellt, daß die hier vorgekommenen Typhuefälle nicht auf die Wasser­leitung zurückzuführen sind. Immerbin empfiehlt es jedoch bei dem warmen Wetter, zur Vorsicht das Wasser nur in gekochtem Zustande zu genießen.

Köln, 23. Aus. Gestern Abend wurde auf der Secheugstraße in Nippes ein zweieinhalb Jahre altes Kind von einem Eistraneportwager überfahren und getötet. Das Kind wurde von einem anderen Kinde in einem Sportwagen über den Bürgersteig gefahren. Der Sport­wagen schlug in dem Ausenblick: um, als der Eiswagen dicht am Bordstein vorbeifuhr. Das Kind fiel vor das Hinterrad des Wagens und dieses ging ihm über den Kopf.

Padervorn, 23. Aug. Der Fiekus kaufte zwischen Lippspringe und Kohlstädt 500 Morgen Land an zur Anlage eines Artillerleschleßplatzes. Die Schießübungen der Artillerie in Friedrichsfeld bei Wesel sollen künftig nach der Senne verlegt werden.

Stadt= und Landkreis Solingen.

Solingen, 24. August.

*.— Wie aus einem Privatbrief des Kopitänleutnants Lins vom„Jitie“ hervorgeht, wurden im Arsenal von Tientsin nach der Eroberung durch die Verbündeten viele vergoldete Kavalleriesäbel und Infanteriedegen aus Solingen erbeutet.

X— Die neue evangelische Kirche am Grüne­wald geht mit raschen Schritten ihrer Vollendung ent­gegen. Die Holzb.kleidung des Thurmes ist bereits fertig­gestellt, sodaß man morgen mit der Schieferbedachung beginnen kann. Mit dieser ist die Firma Paßeré=Köln beauftragt worden. Zur Bekleidung wird Moselschiefer, der aus den weltb.kinnten Schunck'schen Schiefergruben zu Müllenbach gebrochen wird, benutzt. Die Arbeit der Schieferb kleidung wird in etwa 14 Tagen beendet sein. Auch die vordere Längsseite ist fertigzestellt, und die nach der Bahnhofsette zu liegenden Querschiffe sind in Angriff genommen. Die Ewporen im Imnern der Kliche werden in Bickstein=Architektur ausgeführt und an den beiden Querschiffen, an den Längsseiten, sowie zwischen den Pfeilern der Vierung angebracht werden. Die Kirchenstühle sind bei der Firma Gebr. Hahn in Altena(Westf.), der Mindestfordernden bei der Ausschreibung derselben, in Auftrag gegeben. Die Firma hat auch den 6 Meter langen, reichverzierten Thurmhelm geliefert. Die neue Kliche wird 3 in a, ois und eabzestimmte, dem übrigen Geläute der hiesigen Stadt harmonisch anzepaßte Glocken erhalten. Die Firma Carl Friedr. Ullrich in Apelda in Thücingen ist mit dem Guß der Glocken beauftragt worden. Dieser Firma geht ein guter Ruf vorauf, hat sie doch auch die Glocken der Kaiser Frieorich= und Kaiser Wilhelm=Gedächtniß=Kirche in Berlin, sowie diejenigen der unter Protektorat des deutschen Kaisers steyenden E.löserkliche in Jerusalem geliefert.

— In Gelnhausen, Hessen=Nassau, wird am 5. Oktober d. J. eine Reichsbanknebenstelle errichtet.

— Eine neue Bestimmung der Gewerbeordnung tritt mit dem 1. Oktober d. J. in Kraft. Nach derselden haben minderjährige Fabrikarbeiter ein Lohn­zahlungsbuch zu erhalten, in welches bei jeder Lohn­zahlung der Betrag des verdienten Geldes mit Tinte einzutragen und von dem Arbeitgeber oder seinem Be­vollmächtigten zu unterzeichnen ist. Das Lohnzahlungs­buch hat den Namen des Arbeiters, Ort Jahr und Tag seiner Geburt, sowie den Namen und den letzten Wohnort seines Vatero oder Vormundes und die Unterschrift des Arbeiters zu enthalten. Die Ausstellung erfolgt unter dem Siegel und der Unterschrift des Stadtrathes. Das Lohnzahlungsduch ist dem minderjährigen Arbeiter bei der Lohnzahlung auszuhändigen. Durch diese Bestimm­ung ist dem Vater oder dem Vormund des Minder­jährigen auch eine Kontrolle des Lodnes in dem Falle ermöglicht, wenn der jugendliche Arbeiter in Akkordarbeit beschäftigt wird.

(— Auf der Schützenstraße gerieth heute Morgen ein junger Mann beim Abspringen von einem in Be­wegung defindlichen Straßenbahnwazen zu Fall und erlitt erhebliche Hautabschürfungen. Der Warnung des Schoffuers hatte er keine Gehör geschenkt.— An der Einmündung der Bahnstraße in die untere Kölnerstraße kollidirten heute Morgen ein schweres Frachtfuhrwerk und ein bergabkommender Straßenbahnwagen. Totzdem sich litzterer in verminderter Gschwindigklit befand und der Wagenführer mit aller Macht die Beemse anzoz, war ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden. Glück­liche weise blieb es beim Materialschaden, der beide Theile empfindlich traf. Die Schuld an der Kollision trifft wie Augenzeugen versicheren, den Führer des Lustfuhr­werks, der trotz Läutens des nahenden Straßenbahn­wazens das Geleise noch kreuzen wollte. Nur dem Zufall, daß die Kette des anhängenden Pferdeo riß, ist es zu danken, daß dieses verschont blieb.

— Es soll einen frühen Herbst geben! So ver­sichern wenigstens Leute, die etwas davon verstehen wollen. Zu diesem Themo schreibt die„Hallesche Zeitung“: Die Kidite, welche auf unseren Wiesen nur vereinzelt vorkommen, haben sich gegenwärtig schon zusammen­geschaart, was sonst in der Regel erst gegen Ende Sep­tember geschieht, gleichsam als wollten sie sich schon rüsten zum Aufbruch nach den fernen Winteig uartiren. Wetter­prepheten wollen hierin ein frühzeitiges Nahen des Habstes erblickmn.

— Am 6. Sptember beginnt wieder eine billige Gesellschaftsreise nach Paris, die von der be­kannten Reiseagentur Arthur Brancken in Köln veranstaltet wird. Der Preis für den 7 tägigen Aufenthalt in Parie beträgt bei Vapflegung in einem Hotel 1. Ranges 130 Mk., in einem solchen 2. Ranges 100 Mk. Die Fahrt 2. Klosse stellt sich auf 35 Mk., die Fahrt 3. Klasse auf 25 Mk.

— Heute Morgen wurde der Polize bebörde wieder ein falsches 2Markstöck überbracht. Das Falsifikat trug die Jahreszahl 1899, sowie das Münzzeichen A. Allem Anscheine nach stammt es aus der„Fabrik“ in der Schützenstraße. Die Straßenbahadtrektion hatte das Filschstück bei einer Einzahlung anzenommen. Vorsicht dei Annahme von 2Maikstücken ist also am Platze.