Nr. 198.— 52. Jahrgang. Erstes Blati. Freitag, den 24. August 1900. mit Ausnadme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Bierteljahr in der Expedinon 1 M 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M Einrückungssebüb für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J Früher Enter rem Titel: Vergisches Volks=Blatt Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeisfer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech=Anschluß Nr. 90.) Deutsches Reich. König Oskar von Schweden nahm das Schiedsrichteramt anläßlich der Frage der Entschädigung der deutschen, englischen und amerikanischen Unterthanen wegen der letzten Unruhen auf Samoa an. Ein Berliner Blatt erfährt von wohlunterrichteter Seite, daß das Gerichtsverfahren gegen Prosper v. Arenberg noch nicht abgeschlossen, der Abschluß jedoch binnen kurzem zu erwarten sei. Das Urtheil werde alsbald nach der kaiserlichen Bestätigung vom Reichskanzler veröffentlicht werden. Der Metzer„Lorrain“ bringt einen(auch vom Straßburger Elsässer wiedergegebenen) bemerkenswerthen Artikel, der in Paris schlecht gefallen wird. Ausgehend von den Schlachten bei Metz vor 30 Jahren schreibt das Lothringische Blatt sehr ernst und würdig: Welch gigantische Kämpfe! Welche Tapferkeit, welcher Muth, aber auch wie viele Menschenopfer, wie viel Blut! Und seither sind wir deutsch! Der Frankfurter Friede trennte uns vom Vaterland. Vom politischen Standpunkt aus wurde seine rechtliche Gültigkeit niemals angezweifelt. Alle Kabinette, die in Frankreich aufeinander folgten, haben diesen Frieden als Thatsache anerkannt und niemals angezweiselt. Aber wenn sich die Vernunft einem Kriegsrecht unterwarf, das— wenn auch durch den zwiefachen Grundsatz der Nationalitäten und der Befragung des Volkes eingeschränkt— den Sieg bestätigte, so war das nicht auch bei dem Gefühl der Fall. Unser Herz hatte sich über die Lostrennung empört: wir wollten nicht deutsch werden. Aber die Hoffnung, oft getroffen und verwundet auf diesem Schlachtfelde einer Annexion, die durch ein oft unbeugsames Beamtenthum langsam verwirklicht wurde, ist endlich ermüdet. Sie hörte auch nichts von Frankreich, das ihr Stärkung brachte. Niemand sagte ihr, daß das Vaterland schöneren Tagen entgegengehe. Im Gegentheil! Man zeigte ihr Frankreich, eine Beute der Parteien. Wer aus Frankreich kommt, wiederholt, daß die Republikaner, die am Ruder sind, um keinen Preis einen europäischen Krieg wollen, am wenigsten einen Krieg mit Deutschland. Und auch wir möchten in diesen Tagen der schmerzlichen Erinnerung nicht die Schlachtdrommete blasen. Wir wollen die Felder nicht mehr von dem Blute unserer Kinder geröthet sehen. Mehr als zehn Jahre sind über das letzte Aufleuchten des Protestes hinweggeeilt, und die Zeit vollzieht ihr Werk des Vergessens an der Seine wie am Rhein, das Werk der Beruhigung und der Vernunft in Metz wie in Straßburg. Man sagt sich auf gewisser Seite in der That, daß wir nicht königlicher als der König gesinnt sein sollen, patriotischer als unsere Brüder vom Mutterlande. Wenn die Staatsraison sie dahin gebracht hat, ein Frankreich ohne uns neu zu gründen, soll diese Staatsraison uns nicht dazu führen, daß wir auch unser politisches und soziales Leben gestalten ohne Frankreich? Wenn die Treue und Anhänglichkeit ein Gefühl ist, das uns ehrt, sind die Geschäfte des Lebens nicht eine Nothwendigkeit, die sich aufdrängt? Bleiben wir, was wir sind. Bewahren wir in unserem Herzen die Treue dem, was nicht mehr ist, und allem, was wir so sehr geliebt haben! Aber leben wir daheim und für uns! Herz und Verstand werden ihren Theil dabei finden, und wir werden die Ehre retten, ohne die Gegenwart zu kompromittieren. Denn es ist unser Fehler nicht, wenn sich so viel geändert hat zwischen dem 16. August 1870 und der Ernennung des Feldmarschalls v. Waldersee zum Generalissimus der Verbündeten in China anfangs August 1900. „Dziennik Poznanski“ meldet, vierzehn polnische Lehrer aus der Stadt Posen würden binnen Kurzem nach dem Westen der Monarchie versetzt werden.(Die Maßregel hängt mit der Polenagitation zusammen). Auf der letzten Schulkonferenz hat das Frankfurter Reform=Gymnasium die von manchen Seiten geübte Kritik sehr gut bestanden und Einwände, die gegen das System erhoben wurden, widerlegt. Seine Leistungen sind namentlich von militärischer Seite anerkannt worden, und die Folge davon ist wohl, daß in den Hauptstädten der Provinzen, wie verlautet, Gymnasien nach demselben Prinzip eingerichtet werden sollen. Die englische Regierung zahlte der Wagnerschen Reederei in Altona wegen unberechtigter Beschlagnahme des Schiffes„Hans Wagner“ in der Telagoabai eine Entschädigung von 60000 M. aus. Ausland. Belgien. Brüssel, 22. Aug. Die seit mehreren Tagen durch die Presse gehenden Nachrichten von Verhandlungen zwischen Belgien und der Schweiz in der Affaire Sipido sind gänzlich haltlos. Sipido befindet sich gar nicht in der Schweiz. Frankreich. Paris, 22. August. Zu der Rede, die der Marineminister de Lanessan am Dienstag anläßlich eines ihm zu Ehren in Bordeaux veranstalteten Festessens hielt, werden folgende Einzelheiten mitgetheilt, die großes Aufsehen hervorriefen:„Man beginnt in unserem Lande die Lehren der Geschichte zu begreifen; man sieht jetzt ein, welche Fehler Frankreich jedes Mal begangen hat, wenn es seine Marine herabziehen ließ, um den ehrgeizigen Bestrebungen und Nebenbuhlerschaften auf dem Kontinent die überwiegende Stelle einzuräumen, wie wir dies in den berühmten Epochen unserer Geschichte zu Ende des XVII. Jahrhunderts mit Ludwig XIV., zu Ende des XVIII. mit Bonaparte und beinahe ein Jahrhundert später mit Napoleon III. gethan haben. Die Stunde hat endlich geschlagen, diese Lehren auszunützen, und diese Stunde ist hervorragend günstig für die Entwicklung der einzigen Politik, aus der für Frankreich Sicherheit und Reichthum ersprießen kann.“— So scharf und deutlich hat sich wohl nach dem Kriege von 1870 71 noch kein französischer Minister für das Aufgeben der Hegemoniebestrebungsund Revanchepolitik auf dem europäischen Kontinente und für eine kräftige, auf gesunden Grundlagen beruhende Weltpolitik ausgesprochen. Der Wandel der Ansichten und Umstände tritt besonders markant hervor, wenn man sich vergegenwärtigt, welche Stürme gegen Jules Ferry losbrausten, als er eine derartige Politik nur behutsam mit Schonung der chauvinistischen Empfindlichkeiten, deren Berechtigung er nie in Abrede zu stellen wagte und die er übrigens bei verschiedenen Anlässen ziemlich offen selbst theilte, einzuleiten versuchte. Es scheint sich, wenn man dies mit den gleichzeitigen Acußerungen Delcassees in Foix und der Ansprache des Präsidenten Loubet in Marseille zusammenhängt, in der That eine gründliche Aenderung der ganzenfranzösischen Politik vorzubereiten. Die leitenden Personen derselben können jetzt offenbar Dinge riskiren, die vor zehn Jahren noch unmöglich gewesen wären. Das Verständniß für Handels= und Kvlonialfragen ist im französischen Publikum nun weit genug vorgeschritten, um das beständige„Starren auf das Vogesenloch“ aufhören zu lassen. Wie weit russische Winke dabei eine Rolle spielen,— Rußland war ja von vornherein nicht für die kontinentale Revanchepolitik zu haben— wird die nächste Zukunft lehren. Jedenfalls kann dieser offen eingestandene Programmwechsel Frankreichs weitreichende Konsequenzen haben. Die Wirren in China. Ncapel, 23. Aug. Feldmarschall Graf Wal dersee ist heute früh um 1 Uhr 40 Min. mit seinem Stabe auf dem Dampfer„Sachsen“ in See gegangen. Berlin, 23. Aug. Wolffs Bureau meldet: Auf einen Antrag Li=Hung=Tschangs, worin die sofortige Zurückziehung der verbündeten Truppen und die Eröffnung der Friedensverhandlungen verlangt wird, erwiderte die deutsche Regierung, sie könne in Ermangelung der gehörigen Vollmachten auf chinesischer Seite in Verhandlungen nicht eintreten. Berlin, 23. Aug. Wolff's Telegraphen-Bureau berichtet aus Taku vom 20. d.: Der Führer der deutschen Schutzwache in Peking, Soden, telegraphiert: Peking wurde am 15. d. entsetzt. Gefallen sind: Marchies, Kotissen, Ivelle, Hentschel, Kohnke, Goelitz, Strauß, Ebel, Reinhard, Rentmeister, Gugel; schwerverwundet: Berger. Die übrigen 15 Verwundeten sind auf dem Wege der Besserung. Das deutsche Landungskorps ist noch nicht eingetroffen. London, 23. Aug. Das„B. Dalziel“ meldet aus Shanghai: Chinesischen Berichten zufolge verlangen die Verbündeten in Peking die Hinrichtung von Prinz Tuan und General Tung=FuhSiang, sowie von Kang=Yi, Chao=Su=Chao, HsuTong, Hsu=Chi und Yu=Sien. Es scheint, als ob Prinz Tuan darum vor Abzug der Kaiserin YungLu gefangen setzen ließ, weil er damit auf Yung=Lu alle Schuld werfen wollte. Yung=Lu's Soloaten bildeten den größeren Theil der Truppen, welche die Gesandtschaften belagerten. Verschiedene Damen starben an Erschöpfung während der Belagerung der Gesandtschaften. Einer Meldung der„Central News“. aus Peking zufolge ist Sir Clande Macdonald krank. Aus Hunan wird berichtet, daß der dortige Gouverneur Plakate anschlagen ließ, worin zur Ausrottung aller Ausländer im Norden aufgefordert wird. Einer Meldung aus Hongkong zufolge beruhigen sich die südlichen Provinzen allmälig. In Kanton erhalten die Schwarzflaggen die Ordnung in den Straßen aufrecht. Am Hause jedes Christen ist ein Plakat angebracht, das Jedermann vor Gewaltthaten warnt. Berlin, 23. August. Ueber Tschifu ist von dem kaiserlichen Konsul in Tientsin eine aus Peking vom 14. ds. datirte Depesche des kaiserlichen Geschäftsträgers in Peking eingelaufen, wonach an demselben Tage der Entsatz der Hauptstadt durch russische, japanische, englische und amerikanische Truppen stattgefunden hat. Dem Entsatz ging in der Nacht vom 13. zum 14. ds. ein letzter wüthender Angriff chinesischer Truppen gegen die Gesandtschaften voraus. Bei der Abwehr dieses Angriffs fiel ein Deutscher. Den stärksten Widerstand fanden an den nördlichen Thoren die Russen und die Japaner, während die Chinesenstadt von Engländern und Amerikanern schnell genommen wurde. Mittags erschienen diese dann im Gesandtschaftsviertel. Die chinesischen Truppen zogen sich in die Kaiserstadt zurück. Die Bevölkerung verhält sich theilnahmlos. Die verbündeten Truppen besetzten die Zugänge zur Kaiserstadt. St. Petersburg, 23. Aug. General Lenewitsch telegraphiert an den Kriegsminister aus Tschifu vom 21. d.: In der Nacht vom 13. zum 14. August erstürmten unsere Soldaten das östliche Thor am Kanal, drangen als erste in die Stadt Peking ein und hißten die russische Flagge auf der Stadtmauer. Die Beschießung des Thores dauerte 14 Stunden. Der Kommandant der Avantgarde, Generalmajor Wasilewski, und der Kommandeur des Schützenregiments, Oberst Modl, erstiegen die Mauer an der Spitze ihrer Leute, setzten sich dort fest und hißten die russische Flagge. Die Chinesen hielten aber noch das Observatorium und andere Thürme besetzt und nahmen unsere Truppen in ein starkes Kreuzfeuer, bis unsere Insanterie und Artillerie sie aus den letzten Stellungen verdrängte. General Wasilewski, Oberst Modl und 5 Offiziere, sowie 102 Mann wurden verwundet. Oberst Antiukoff und 20 Mann sind gefallen. Berlin, 23. Aug. Nach Berichten aus Peking ist die Haltung der Pekinger Bevölkerung apathisch, und der Widerstand gegen die Besetzung der Stadt ist lediglich von den kaiserlichen Truppen und den Boxern ausgegangen. Eins der letzten Opfer in der englischen Gesandtschaft war ein deutscher Seesoldat, der bei dem letzten unmittelbar vor Eintreffen der verbündeten Truppen gegen die Gesandtschaft gerichteten Angriff erschossen wurde.— Die letzten Nachrichten über den durch Regen schwer behinderten Vormarsch unserer Truppen reichen bis zum 18. ds.; es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß sie Peking jetzt erreicht haben. London, 23. Aug.„Central News“ meldet aus Shanghai vom 22. d.: Das Fehlen aller Nachrichten von Peking, die später als die Einzelheiten über die Besetzung der Hauptstadt sind, erweckte hier einige Besorgniß. Die Konsuln befürchten, daß sich möglicherweise eine chinesische Streitkraft im Rücken der Verbündeten festgesetzt habe, und die Verbindung unterbreche. Ein von Sutschou eingetroffener Konsular=Bericht theilt mit, daß der Gouverneur einen Angriff auf die genannte Stadt befürchtet. Darnach würde Shanghai in der Gefahr eines Angriffs stehen. Washington, 23. Aug. Ein Kabeltelegramm des Admirals Remey vom 20. d. besagt: Das sechste amerikanische Kavallerie=Regiment und ungefähr 400 Briten und Japaner trieben gestern Morgen acht Meilen von Tientsin 1000 Boxer auseinander: 100 Chinesen wurden getödtet. Paris, 23. Aug. Der französische Konsul in Hankau telegraphirt vom 22. d.: Am 20. August wurde ein Aufstandsversuch gemacht in er Absicht, die Bank und das Zollamt in Brand zu stecken. Der Vizekönig ergriff sofort Maßregeln zur Unterdrückung der Bewegung. Der Haupträdelsführer wurde verhaftet und zwei Mitschuldige enthauptet. Die beschlagnahmten Schriftstücke ergaben das Vorhandensein von Verschwörungen und einer geheimen Gesellschaft. Der südafrikanische Krieg. London, 23. Aug.„Daily Expreß“ berichtet aus Lourenzo Marques vom 22. d.: Präsident Krüger erließ eine Prokkamation, welche als Antwort auf die Proklamation des Lord Roberts angesehen wird. In derselben heißt es, es sei unnütz, die Waffen niederzulegen, denn Lord Roberts erkläre in seiner Proklamation, daß alle Buren im Alter von mehr als 12 Jahren als Gesangene angesehen werden sollten, und daß er sie nach St. Helena schicken werde. Es sei ebenso unnütz für die Bürger, ihre Kommandos zu verlassen, denn je mehr sie sich ihren Farmen näherten, desto mehr näherten sie sich auch St. Helena. London, 23. Aug. Lord Roberts meldet vom 22. d. aus Pretoria: Buller berichtet, daß seine Division gestern nach Vanwyksvlei, 15 Meilen südlich von Belfast, marschierte; er verlor beim Vormarsch etwa 20 Mann. Paget berichtet aus Hannskraal, daß Baden=Powell gestern mit Kommandant Groblers Nachhut im Gesecht war; Grobler wurde östlich des Pienaarsriver zurückgetrieben; Baden=Powell besetzte daselbst gestern Abend die Eisenbahnstation. Während des Gefechts kamen Baden=Powells und des Feindes berittene Vorhut in ein Handgemenge; hierbei erlitt das Rhodesische Regiment schwere Verluste. Oberst Spreckley und vier Mann wurden getödtet, ein Leutnant und sechs Mann verwundet. Es scheint sicher zu sein, daß Dewet es für hoffnungslos hält, mit den Geschützen und Wagen nach dem Osten zu marschieren und daß er deshalb mit einigen berittenen Leuten den Wagoliesberg wieder überschritten hat, um in die Oranjeflußkolonie zurückzukehren. Er wird dort unter ganz anderen Verhältnissen eintreffen, als unter denen er Bethlehem verließ. Damals hatte er sechs bis acht Geschütze und 2000 Mann. Außerdem ließ er Prinsloo mit 5000 bis 6000 Mann in Bethlehem zurück, wovon die meisten sich jetzt auf dem Wege nach Ceylon befinden. Die meisten Geschütze wurden vergraben. Dewets persönliches Gefolge kann nicht mehr als 300 Mann betragen. Steijn soll mit einer kleinen Schutzwache den Pienaarsriver überschritten haben, um mit Präsident Krüger in Machadodorp zusammenzutreffen. Diese Nachricht kommt aus verschiedenen Quellen. Eine Abtheilung Buren sprengte gestern einen Brückentheil, acht Meilen nördlich von Newcastle, und zerstörte die Eisenbahnschienen, 30 Meilen südlich von Newcastle. Rheinland und Westfalen. Remscheid, 23. Auz. Ein Jubiläum eigener Art konnte, laut„R. Zto., gestern Herr Gustav Frantzen feiern; in seiner Eigei schaft als Schiedsmann batte er zu dem 1000. Sühne=Versuch streitender Parteien eingeloden. Lennep, 23. Aug. Eln schreckliches Unglück tiug sich heute Morgen auf der Kölnerstraße zu. Em Fuhrmann wollte einen schweren Wagen zur R paratur fahren. Unter demselben befand sich ein Schiff, in welchem mehrere Kinder saßen. Der Fuhrmann verjagte sie kurt vor seiner Abfabit. Der 4 Jahre alte Knabe des Eigentümers des Wigens muß nun wieder in das Schiff aeklettert und dann infolge der Schwankungen des Schiffte herausgefallen sein, denn eben war der Wagen in die Kölnerstraße eingehozen, als der Knabe unter die Räder kam und überfahren wurde. Die Techter der Wirthin stieß, als sie das unglückliche Kind unmittelbar v## dem Rade liegen sah, einen markerschütternden Schrei aus. Im selben Augenblick schon war das Unglück geschehen, die Räder waren dem armen Kinde über den Kopf gegangen. Tieferschütteind war der Schmerz der Eltern, als man ihnen ihren Liebling tot ins Haus brachte. Ganz außer sich war der Fuhrmann, er brach angesichts des toten Kindes in lautes Weinen aus und versicherte immer wieder, wie es auch wirklich der Fall war, daß er keine Schuld trage. Beyenburg, 23. Aug. Wie verlautet, hat sich durch die amtliche Untersuchung herausgestellt, daß die hier vorgekommenen Typhuefälle nicht auf die Wasserleitung zurückzuführen sind. Immerbin empfiehlt es jedoch bei dem warmen Wetter, zur Vorsicht das Wasser nur in gekochtem Zustande zu genießen. Köln, 23. Aus. Gestern Abend wurde auf der Secheugstraße in Nippes ein zweieinhalb Jahre altes Kind von einem Eistraneportwager überfahren und getötet. Das Kind wurde von einem anderen Kinde in einem Sportwagen über den Bürgersteig gefahren. Der Sportwagen schlug in dem Ausenblick: um, als der Eiswagen dicht am Bordstein vorbeifuhr. Das Kind fiel vor das Hinterrad des Wagens und dieses ging ihm über den Kopf. Padervorn, 23. Aug. Der Fiekus kaufte zwischen Lippspringe und Kohlstädt 500 Morgen Land an zur Anlage eines Artillerleschleßplatzes. Die Schießübungen der Artillerie in Friedrichsfeld bei Wesel sollen künftig nach der Senne verlegt werden. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 24. August. *.— Wie aus einem Privatbrief des Kopitänleutnants Lins vom„Jitie“ hervorgeht, wurden im Arsenal von Tientsin nach der Eroberung durch die Verbündeten viele vergoldete Kavalleriesäbel und Infanteriedegen aus Solingen erbeutet. X— Die neue evangelische Kirche am Grünewald geht mit raschen Schritten ihrer Vollendung entgegen. Die Holzb.kleidung des Thurmes ist bereits fertiggestellt, sodaß man morgen mit der Schieferbedachung beginnen kann. Mit dieser ist die Firma Paßeré=Köln beauftragt worden. Zur Bekleidung wird Moselschiefer, der aus den weltb.kinnten Schunck'schen Schiefergruben zu Müllenbach gebrochen wird, benutzt. Die Arbeit der Schieferb kleidung wird in etwa 14 Tagen beendet sein. Auch die vordere Längsseite ist fertigzestellt, und die nach der Bahnhofsette zu liegenden Querschiffe sind in Angriff genommen. Die Ewporen im Imnern der Kliche werden in Bickstein=Architektur ausgeführt und an den beiden Querschiffen, an den Längsseiten, sowie zwischen den Pfeilern der Vierung angebracht werden. Die Kirchenstühle sind bei der Firma Gebr. Hahn in Altena(Westf.), der Mindestfordernden bei der Ausschreibung derselben, in Auftrag gegeben. Die Firma hat auch den 6 Meter langen, reichverzierten Thurmhelm geliefert. Die neue Kliche wird 3 in a, ois und eabzestimmte, dem übrigen Geläute der hiesigen Stadt harmonisch anzepaßte Glocken erhalten. Die Firma Carl Friedr. Ullrich in Apelda in Thücingen ist mit dem Guß der Glocken beauftragt worden. Dieser Firma geht ein guter Ruf vorauf, hat sie doch auch die Glocken der Kaiser Frieorich= und Kaiser Wilhelm=Gedächtniß=Kirche in Berlin, sowie diejenigen der unter Protektorat des deutschen Kaisers steyenden E.löserkliche in Jerusalem geliefert. — In Gelnhausen, Hessen=Nassau, wird am 5. Oktober d. J. eine Reichsbanknebenstelle errichtet. — Eine neue Bestimmung der Gewerbeordnung tritt mit dem 1. Oktober d. J. in Kraft. Nach derselden haben minderjährige Fabrikarbeiter ein Lohnzahlungsbuch zu erhalten, in welches bei jeder Lohnzahlung der Betrag des verdienten Geldes mit Tinte einzutragen und von dem Arbeitgeber oder seinem Bevollmächtigten zu unterzeichnen ist. Das Lohnzahlungsbuch hat den Namen des Arbeiters, Ort Jahr und Tag seiner Geburt, sowie den Namen und den letzten Wohnort seines Vatero oder Vormundes und die Unterschrift des Arbeiters zu enthalten. Die Ausstellung erfolgt unter dem Siegel und der Unterschrift des Stadtrathes. Das Lohnzahlungsduch ist dem minderjährigen Arbeiter bei der Lohnzahlung auszuhändigen. Durch diese Bestimmung ist dem Vater oder dem Vormund des Minderjährigen auch eine Kontrolle des Lodnes in dem Falle ermöglicht, wenn der jugendliche Arbeiter in Akkordarbeit beschäftigt wird. (— Auf der Schützenstraße gerieth heute Morgen ein junger Mann beim Abspringen von einem in Bewegung defindlichen Straßenbahnwazen zu Fall und erlitt erhebliche Hautabschürfungen. Der Warnung des Schoffuers hatte er keine Gehör geschenkt.— An der Einmündung der Bahnstraße in die untere Kölnerstraße kollidirten heute Morgen ein schweres Frachtfuhrwerk und ein bergabkommender Straßenbahnwagen. Totzdem sich litzterer in verminderter Gschwindigklit befand und der Wagenführer mit aller Macht die Beemse anzoz, war ein Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden. Glückliche weise blieb es beim Materialschaden, der beide Theile empfindlich traf. Die Schuld an der Kollision trifft wie Augenzeugen versicheren, den Führer des Lustfuhrwerks, der trotz Läutens des nahenden Straßenbahnwazens das Geleise noch kreuzen wollte. Nur dem Zufall, daß die Kette des anhängenden Pferdeo riß, ist es zu danken, daß dieses verschont blieb. — Es soll einen frühen Herbst geben! So versichern wenigstens Leute, die etwas davon verstehen wollen. Zu diesem Themo schreibt die„Hallesche Zeitung“: Die Kidite, welche auf unseren Wiesen nur vereinzelt vorkommen, haben sich gegenwärtig schon zusammengeschaart, was sonst in der Regel erst gegen Ende September geschieht, gleichsam als wollten sie sich schon rüsten zum Aufbruch nach den fernen Winteig uartiren. Wetterprepheten wollen hierin ein frühzeitiges Nahen des Habstes erblickmn. — Am 6. Sptember beginnt wieder eine billige Gesellschaftsreise nach Paris, die von der bekannten Reiseagentur Arthur Brancken in Köln veranstaltet wird. Der Preis für den 7 tägigen Aufenthalt in Parie beträgt bei Vapflegung in einem Hotel 1. Ranges 130 Mk., in einem solchen 2. Ranges 100 Mk. Die Fahrt 2. Klosse stellt sich auf 35 Mk., die Fahrt 3. Klasse auf 25 Mk. — Heute Morgen wurde der Polize bebörde wieder ein falsches 2Markstöck überbracht. Das Falsifikat trug die Jahreszahl 1899, sowie das Münzzeichen A. Allem Anscheine nach stammt es aus der„Fabrik“ in der Schützenstraße. Die Straßenbahadtrektion hatte das Filschstück bei einer Einzahlung anzenommen. Vorsicht dei Annahme von 2Maikstücken ist also am Platze. 41 3 1 *— Es ist nun auch den Schaffnern der Strazenbahn verboten worden, während der Fahrt auf einen Wagen zu springert oder einen solchen zu verlassen. Diese Verfügung der Direktion geht von der Ansicht aus, daß das Publikum sonst leicht geneigt sein werde, das Beispiel der Schaffner nachzuahmen. — Gefunden wurde auf dem Neumarkte ein Packet Bügelwäsche. Der Eigenthümer kann seine Rechte auf dem Polizei=Bureau Zimmer Nr. 4 geltend machen. — Gestern öffneten sich über unsere Stadt schon wieder die Schleusen des Himmels, es regnete in Strömen, so daß überall Ueberschwemmungen entstanden. Die mittlere Kaiserstraße glich schon mehr einem reißenden Bach als einer Straße. Hier und da staute sich das Wasser, so daß kleine Seen sich bildeten. Glücklicherweise verliefen sich nach Aufhören des Regens die Wassermassen bald, sonst hätte wenigstens der Personenverkehr brach liegen müssen. Auch vorgestern suchte uns ein heftiger Gewitterregen heim, infolge dessen an der Kanalstraße ein wirklicher Teich entstand. Dort fand das Wasser keinen Abfluß. Das Wiesenthal dort war bald mit schmutzig gelben Fluthen bedeckt, die sich immer mehr den Häusern näverten und das E.'sche Haus bereits umflutheten. Schließlich mußte ein Kanal gegraben werden, um das Wasser abfließen zu machen. — Vorgestern Morzen entstand zwischen am Bau des katholischen Waisenhauses zu Kannenhof beschäftigten Arbeitern ein Streit, wobei ein Fuhrmann derartig mit einer Schaufel über den Kopf geschlagen wurde, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. X— Für die morgen im Lokale des Herrn Hugo Jacobs zu Kohlfurterbrücke stattfindende goldene Hochzeitsfeier der Ebeleute Schneidermeister Johann Ludwigs und Frau, Franziska geb. Ruthenkolk, hat d.r MännerGesanz=Verein„Eintracht"=Stöcken in uneigennütziger Weise, ine Mitwirkung zugesagt. X— Einen Selbstmordversuch machte gestern ein etwa 20jähriges Mäechen, das von Elberfeld her kam, oberhalb Kohlfurterbrücke beim Picardskotten. Das Mädchen, das stellenlos ist, hatte sich schon seiner Oberkleider entledigt und war im Begriff, sich in die Wupper zu stürzen, als zwei auf dem Felde beschäftigte Arbeiter hinzukamen und das Vorhaben vereitelten. Die Unglückliche wurde durch Speise und Trank gestärkt, mit dem nöthigen Geld versehen und dann nach dem Solinger Bahnhof gebracht, von wo sie die Reise zu ihren in Düsseldorf wohnenden Eltern antrat. — Der vor einigen Tagen der Leichlinger Filiale des bergischen Elektrizitätswerks gestohlene Kupferdraht, im Gewicht von 400 Kilo, ist auf dem Bahnhof in Düsseldorf deschlagnahmt worden. Die Diebe sind noch nicht gefaßt, doch ist man ihnen auf der Spur. X Höhscheid, 24. Aug. Herr Bürgermeister Gläßner wird am 1. September einen bie zum 18. September reichenden Urlaub antreten. Gräfrath, 22. Aug. Vom Sonntag, den 26., bis Dienstag, dem 28. d. Mts., findet hierselbst die diesjährige Kirmes, verbunden mit dem 3. Tage, vom Montag bis Mittwoch, dauerndem Jahrmarkte statt. sind bereits von den Wirthen alle Vorbereitungen getroffen, um das Fest zu einem recht schönen und amüsanten zu gestalten. So werden an den Kirmestagen in den Lokalen von Böhle, Ueßler, Glasmeyer, Engels, von Camen, Wegmann, Kratz und Lomberg(Central) KomikerGesellschaften das Publikum unterhalten, wozu die Wirthe recht zahlreichen Besuch erhoffen. An Tanzgelegenheit ist auch durchaus kein Mangel. Die Wirthe Lange (Tonhalle), Mombauer(Rathekeller), Ernen(zur Post), und Vogelskamp haben Sorge getragen, daß das tanzlustige Publikum fröhlich das Tanzbein schwingen kann. Aber auch sonst ist genügend für Unterhaltung der Kirmesbesucher gesorgt, indem Dampf= und Pferdeknoussels, Schiffschaukeln, Kölner Hänneschen Theater, Panoramas, Schießbuden und dergleichen mehr aufgebaut sind. An Spielwaaren=, Konditoret= und Waffeln=Buden ist auch kein Mangel und wird die Streck= von der Post bis zum Bahnhof von diesen bebaut werden. Hoffen wir, daß das von der ganzen Bevölkerung und auch von der Umgegend immer recht gutbesuchte, volksthümliche Fest auch in diesem Jahre von schönem Wetter begünstigt werde. Wald, 23. Aug. Ben Aklba hat doch nicht immer recht, wenn er sagt,„es war alles schon einmal da. Bekanntlich waren die Anwohner von Weyer und angrenzenden Bezirken der Gemeinde Ohligs früher, als Ohligs noch keine eigene Gasanstalt besaß, an das Walder Gasrohrnetz anzeschlossen. Als nun Ohligs selbst eine Gasanstalt baute, wurde der auf Obligs'er Gebiet liegende Theil des Walder Rohrnetzes von Obligs übernommen. Bei dieser Uebernahme kam es nun vor, gaß pier Anschlüsse am Weyer an das Walder Gasrohrnetz angesalossen Elleben, ohne daß eine Stele etwas davon merkte; die Gemeinde Ohlizs hat also vier Jahre lang die Gasuhren kontrollirt und das Gaegeld einkassirt, während die Gemeinde Wald das benöthigte Gas lieserte. Erst als kürzlich sich bei der Walder Gasanstalt durch längere Zeit hindurch die kannten Kalamitäten zeigten und diese vier Anschlüsse gar nicht ordentlich funktioniren wollten, während in den Nachbarhäusern brillantes Licht zu verzeichnen war, kam man laut„W. Ztg. der Sache auf den Grund, und nun kam die Wahrheit an den Tag. Jetzt man also wohl Sorge trazen, daß die vier Anschlüsse nach Ohligs übergehen; natürlich wird Obligs auch die zu Unrecht erhobenen Gaskonsumzelder zurückzahlen müssen. Ohligs, 23. Aug. Feuersignale ertönten gestern Nachmittag; in dem Kesselhaus von Bremshiy& Co. war Feuer ausgebrochen, das einen gefährlichen Charak anzunehmen schien. Durch das tharkräftige Eingreifen der Arbeiter gelang es, des Elementes bald Herr zu werden. Die Entstehung des Feuers ist auf Unvorsichtigkeit zurückzuführen. Ein Fest im Kurhaus Augustaheim in Aufderhöhe. □ Wer seine Schritte von Solingen sübwärts lenkt, der wird bald gewahr, daß dem Widderter Kirchlein in seiner Eigenschaft als„Wegweiser von Höbscheid“ ein Konkurrent erstanden ist, der den Blick unwillkürlich auf sich zieht. Von jedem einigermaßen guten Feinsichtspunkte kann man ein mächtiges Ungethüm mit ausgebreiteten Flügeln am südlichen Hortzont schweben sehen, anscheinend gerade im Begriff auf seine Beute herabzustürzen. So schlimm ist es nun nicht, näher gekommen entpuppt sich der„Riesenadler" als harmloser Windmotor einer Wasserbebungsmaschine auf dem Kurhause„Augustaheim“ von Frau Ferdinand Hoppe in Aufderhöhe.— Die Kuranstalt ist mit Sommersanfang im Betriebe; sie gründet ihren Kurplan auf die Naturheillehre, welche bekannilich Luft, Licht, Wasser, Bewegung, reizlose Nahrung und Lebensweise als Hauptfaktoren zur Gesundung der leidenden Menschheit ansieht. Entsprechend dieser Methode sind denn auch alle Einrichtungen im Kurhause Augusta= heim getroffen. Schreiber dieses durfte bei Gelegenheit des am Mittwoch gefeierten Stiftungefestes einen Einblick in die Anstalt thun, und er muß bekennen, daß alle Vorkehrungen auch dem Laien einleuchtend erscheinen. Zugleich bekam er einen Bezriff davon, in welchem Umfange die leidende Menschheit ihre Hoffnung auf natürliche Heilweise setzt, die doch eigentlich erst seit Kneipp's Auftreten in's Populäre übersetzt ist. Wasser in vielfachen Anwendungsformen spielt eine Hauptrolle bei der Behandlung; so erklärt sich auch die umständliche Motoranlage auf dem Augustaheim. Muß der Aufenthalt in den lichtdurchflutheten Räumen schon angenehm sein, so reizt die schöne Parkinlage geradezu zum Verweilen im Freien. Ein Schmuckkästchen ist der für Sonnenbäder bestimmte, für Unbefugte abgeschlossene Parktheil mit seinen Luftlichtbäuschen. Halbhohe Obstbäume, schwer beladen mit saftigen Früchten, spen den den Wandelnden gelinden Schatten, wenn die Sonne es gar zt liebreich meint. Einen besseren Schlafraum für die Sommerzeit als ein Luftlichtbaus kann man sich garnicht wünschen; es kann ale eines gesunden Schlafzimmers bezeichnet werden.— Wie schon erwähnt wurde, fand Mittwoch das Stiftungsfest des Kurhauses statt; richtiger wool noch wäre es Familienfest zu nennen, das die Letterin ihren anwesenden und früheren Kuroästen sowie einigen Geladenen gab. Barfuß gehende Damen, anfangs ein etwas unzewohnter Anblick für den Fremden, waren das einzige äußere Meikzeichen, daß man nicht in einer gewöhnlichen Festversammlung weilte; der Strumpf wird eben von Naturbeilkundigen als überflüssiges Kleidungsstück angesehen; Sandalen allein finden Gnade, wo es aber eben paßt: immer„platsch" barfuß. Im Kurpark wurde eine kurz: Feier christlichen Charakters veranstaltet, bestehend aus Ueberreichung des Geschenks der Kurgäste, einer kunstreichen, den segnenden Christus darstellenden Figur, Aufsagen von Gedichten und Gesang. Die Hauptfeler mußte des unsichern Wetters wegen in den Hindrichschen Saal verlegt werden. Hier gab es zunächst ein Festessen, jedoch unter Ausschluß jedes Fleischlichen oder auch nur entfernt an Fleisch erinnernden Surrogats; ebenso waren Essig und scharfe Würzen verbannt. Erwas mißtrauisch— es soll frei gestanden werden— ging Schreiber dieses zu Tisch. Aber siehe da, es mundete vortrefflich, und Zweifelsucht, ob man so auch satt werden könne, ließ der vollauf beschäftigte Magen schon gar nicht mehr aufkommen. Den Beschluß machte eine„Pfirsichbowle“, die so geschmackskitzelnd zusammengestellt war, daß auch Liebhaber des„Geistigen“ die darin fehlenden Alkoholgeister kaum vermißten. Herr Dr. Martin aus Düsseldorf warf in seiner Festrede einige Streiflichter auf die naturgemäße Lebensweise und schloß mit einem Hoch auf das Ehepaar Hoppe. Coristliche Lieder, begleitet auf dem Harmonium von Herin Ed. Dickes aus Rupelrath, wechselten mit Ansprachen; den Glanzpunkt aber bildete eine allegorische Darstellung von jungen Damen des Kurhauses. Lich:, Luft, Mäßigkeit, Wasser, natürliche Lebensweise— alle mit ihren charakteristischen Attributen bildeten unter bengalischer Beleuchtung eine so retzende Gruppe, daß die ganze Festversammlung zu lautem Beifall hingerissen wurde. Ein Feuerwerk, draußen abgebrannt von einem Heren aus Solingen, machte den Beschluß der Ueberraschungen.— Alle Theilnehm; werden Herrn und Frau Hoppe für die genußreichen Stunden darkbar sein. Aus den Vereinen. Solinzen, 24. August. G— Am nächsten Sonntag, den 26. August, unternimmt der Solinger Turnerbund seinen diesjährigen Familienausflug. Das Ziel ist diesmal das schön gelegene Glüder, woselbst im Lokale des Wirthen Herrn Soffel gemeinschaftlich der Kaffee eingenommen wird. Hieran anschließend finden Unterhaltungsspiele, wie Drittenabschlagen, Eierlaufen, Topfschlagen und Plumpsack statt. Erwähnt sei noch, daß auch Ueberraschungen für Damen, die wir hier nicht verrathen wollen, geplant sind. — Am 15. und 16. September kann der Männer= gesanzverein„Euphonia“ sein 50jähriges Stiftungsfest bezehen. Es soll durch Konzert, an dem viele Vereine der Stadt und Umgegend theilnehmen werden, Kommers, Ball im Kasersoal geseiert werden. Gerichtsverhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. 1° Solingen, 24. Aug. Vorsitzender Herr richter Gerber, Schöffen Herren Albert Pfeiffer und Robert Schönenberg, beide von hier, Amtsanwalt Herr Polizei=Kommissar Seidenschnur, Gerichtsschreiber Herr Aktuar Nußbaum.— Ein 45 jähriger, bereits mehrfach wegen Bettelei vorbestrafter Arbeiter wird zu einer Woche Haft verurtheilt, weil er am 17. August in Geäfrath gebettelt hat Wegen einer schlimmen Hand konnten dem Anzeklagten mildernde Umstände zugebilligt werden; auch wurde die bereits erlittene Untersuchungshaft auf die erkannte Strafe angerechnet.— Gegen einen ebenfalls wegen Bettelei vorbestraften 46 jährigen Schuhmacher wird wegen desselben Vergebens unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft auf 3 Wochen Haft erkannt. Als mildernder Umstand wird angesehen, daß er eben eist aus dem Hospital entlassen worden war.— Freigesprochen wird ein am 11. ds9. Mts. aus dem Gefängniß in Köln entlassener Hausirer, der wegen Landstreicherei angeklagt und wegen verschiedenartiger Vergihen vorbestraft war. Da dem Angeklazten zu seinem Umberwandern genügende Geldmittel zur Verfügung gestanden haben, so konnte nicht gegen denselben wegen Landstreicherei erkannt werden.— Ducch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wird eine Woche Haft, welche über einen ebenfalls mehrfach vorbestraften Arbeiter verhänzt wurde, der am 12. Auguft hier gebettelt hatte.— Ein Wirtb und ein Rentner, beide von hier, sind wegen unerlaubter Ausübung des Schenkwirthschaftsbetriebes bezw. wegen Beihülfe dazu angeklagt. Ersterer hatte von dem Letzteien die in dessen Hause früher von diesem betriebene Wirthschaft unter der Bedingung der behördlich zu ertheilenden Konzession gemiethet, als dann dieserhalb aber Schwierigkeiten entstanden, die Wirthschaft auf den Namen des Rentners weitergeführt, trotzdem der Wirth die durch den Wirthschaftsbetrieb entstehenden Rechnungen bezahlt hatte. Der Wirth erhält 54 Mk. Geldstrafe wegen des ihm zur Last gelegten Vergehens, der Rentner wegen Beihülfe 6 Mk Geldstrafe oder beide Angeklagte für je 6 Mk. Geldstrafe 1 Tag Haft.— Ein 15 Jahre alter Schleiferlehrling hatte aus einem Zimmer, in dem sich ein kleines Kind befand, 75 Pfg entwendet und hierbei sehr bedenkliche Eigenschaften an den Tag gelegt. Mit Rücksicht auf Jugend und bisherige Unbescholtenheit wird zur Sühnung des Vergehens eine Gefängnißstrafe von 3 Tagen für genügend erkannt, welche ihm im Gnadenwege erlassen werden soll, wenn derselbe sich künftig eines unbescholtenen Benehmens befleißigen wird.— Da ein Irrthum vorliegt, wird ein hiesiger Messerschmied freigesprochen, der angeblich seinen Hund ohne Jtaulkorb hatte umherlaufen lassen. Der in Frage kommende Hund gehörte dem Vater des Angeklagten.— Ein auf seinen Wunsch von seinem Meister entlassener Schaalenpresser von Wald hat trotz wiederholter Aufforderung des Meisters das Arbeitslokal nicht verlassen, sondern den Meister fortgesetzt behelligt; auch ist derselbe sogar der Aufforderung eines zur Hütfe herbeigeholten Polizeisergeanten nicht obne Weiteres nachgekommen. Die Entschuldigung des Angeklagten, er habe eine ihm gehörige Kiste aus der Arbeitsstätte mitnehmen wollen, wäre aber von seinem Meister hieran gehindert worden, konnte nicht als stichhaltig angesehen werden, da er durch sein renitentes Benehmen den Meister zu seinem Verbot, die Kiste mitzunehmen, gezwungen hatte. Der Angeklagte ist wiederholt vorbestraft und wird mit Rücksicht hierauf wegen des begangenen Hausfriedensbruchs zu einer Woche Gefängniß verurtheilt. Da der Arbeitgeber anfangs durch sein Verhalten den Angeklagten, der betrunken war, gereizt hat, indem er ihm die Kiste mitzunehmen verweigerte, so wurde dies bei Bemessung der Strafe als Milderungsgrund in Beiracht gezogen.(Schluß folgt.) Vermischte Nachrichten. Wetzlar, 23. Aug. Einem schrecklichen Unfall ist ein 4jähriges Knäblein im benachbarten Dorfe KleinAltenstädten erlegen. Es war mit einem 5jährigen Brüderchen von seiner Mutter alleingelassen worden; die Kinder spielten mit Streichhölzern, wobet sich das Hemd des ersten in Brand setzte. Als die Mutter nach Hause kam, fand sie ihr Kind halb verkohlt auf dem Bette liegen. Die Ueberführung des unglücklichen Knaben in die Klinik zu Gießen wurde sofort angeordnet. Auf dem Tranepoite stard aber der Knabe. Er hat während der ganzen Zeit keinen Schmerzenslaut hören lassen. Landau a. H., 22. Aug. Drei Opfer forderte gestern wieder die leidige Unstite, vor dem Gewitter Schutz unter Bäumen zu suchen. Im nahen Rechtenbach flüchteten mehrere Schulknaben unter eine Kiefer. Zwei wurden vom Blitze sofort getödtet und einer so schwer v.rietzt, sodaß sein Leben in Gefahr ist. Hamburg, 23. Auz. Aus Anlaß des Hinscheidens von C. Ferd. Laeisz, des Vorsitzeden der Sei=Baufsgenossenschaft und früheren Präses der Handelskammer zu Hamburg, ist dem Vater des Verewigten folgende kaiserliche Beileidskundgebung aus Schloß Wilhelmshöhe zugegangen:„Ich spreche Ihnen meinen innigsten Aniheil an dem unersetzlichen Verluste aus, der Sie durch den Tod Ihres Sohnes betroffen hat. Ich habe in dem für das Wohl seiner Vaterstadt zu früh Dahing=schiedenen einem Mann von ernstem Streben und großen Verdiensten für die deutsche Handeleschifffahrt schätzen gelernt. Wilhelm. I. R.“ Crossen a. O., 23. Aug. Auf der im hiesigen Kreise gelegenen Feldmark Riesnitz wurde bei einem Gewitter zwei Frauen und ein kleiner Kaaße Blitz getötet. dom (Seltsame Todtenfeier.) Man schreibt dem „N. W. T. aus London, 18. Aug.: Der amerikanisch, Eisenbahnkönig C. P. Huntington, welcher vergangenen Dienstag starb, wurde gestern zu Grabe getragen. Di. Leiche wurde im Woodlawn=Friedbof nächst New=Yait beigesetzt. Alles war durchaus ohne Prunk arrangtrt Es fehlten Kränze. Niemand hätte vermuthet, daß bier ein Mann zur letzten Ruhestätte geleitet werde, dessen Hinterlassenschaft sich auf ungezählte Millionen stellt Statt der Kränze wurde aber Huntington eine andere gan selisame Eyrung zutheil. Ec war zu Lebzeiten fast allein. iger Inhaber der Southern Pacfic=Eisenbahn gewesen Und so wurde denn seitens des Dirik oriums dieser Eisenbahn bestimmt, daß auf dem ganzen weiten Schienennet der Gesellschaft der gesammte Betrieb für die halbStunde zum Stillstand kommen sollte, während welcher die Bestattung Huntinztons ihren Verlauf nahm. Ein Siznal wurde bestimmt, welches im Augenblick, da der Trauerzug sich in Bewegung setzte, dies auf allen Linien der Gesellschaft bikinnt geben sollte. Im selben Moment mußte dann jede Lokomotive, jeder von den Hunderten Personen= und Lastzügen, wo immer sie sich b.finden mochten, mitten auf der Stricke zum Stehen gedracht werden. Die Fahrt durfte dann erst wieder fortg setzt werden, als ein zweites Signal das Ende der Trauerfeier im Woodlawn=Friedhof angezeigt hatte. Handel und Verkehr. Solingen, 22. Aug. Häuteversteigerung. Ausgebot: 90 rothe Ochsenbäute, 210 bunte Obsenhäute, 380 bäute, 190 Stierhäute, 130 Rinderhäute, 1 Pioken. 1130 Kaldfelle, 200 Schaffelle. Erzielte Preise: RotOcsenhäute über 100 Pfd. wiegend 40 Pfz., 90—100 39½, 80—90 Pfe. 39, unter 80 Pfe. 37½, beschädigte 37½—39 Pfr. Bunte Ochsenbäute über 80 Pfo. 36½ Pfg., 60—80 Pfd. 35½, unter 60 Pfo. 35½, beschädtgte (Loch= und Kerb.) 33—34 Pfr., besch.(Engerlings.) 28—32 Pfg. Kubhäute, rothe, süddeutsche über 80 Pfe. 38 Pfs., bunte, dlesige über 80 Pfd. 35 Pfg., 65—80 Pfo. 35½, 50—65 Pfo. 35—36, unter 50 Pfe. 35½ veschäetzte(Loch= und Kirb=) 32½—34½, beschäpizte (Engerlings=) 29½—32 Pfr. Stierhäute über 85 Pfo. 30½—31, 50— 85 Pfr. 32—33, unter 50 Pfe. 31, beschädigte(Loch= und Kerd=) 30½.—31, besch.(Engerlings=) 25—29½ Pfg. Rinderläute über 60 Pfd. 39½ 40—60 Pfe. 39½, unter 40 Pfo. 38, beschädizte(Lochund Kerb=) 36½—37½, besch.(Engerlings=) 29—34 Pfg. Pinken ohne Kepf und Klauen 39½ Pfz. Kulbfelle über 13—18 Pfd. wiegend das Stück mit Kopf 6.00 Mk., 10—13 Pfd. 4.85 Mk., 8—10 Pfo. 4.35 Mk., 6—8 Pse. 4.15 Mk., unter 6 Pfd. 3.90 Mk. Hammelfelle, Blößen 0.80 Mk.(Zurückgezogen.) Besutz mäßig, Stimmung sehr günstig, außer auf Kaldfelle. Neueste Nachrichten und Telegramme. London, 24. Aug. Der„Standard“ meldet aus Shangbai vom 22. Aug.: Bevo: die Kaise in Wittwe Peking verließ, ernannte sie Chao=Shachyar, welcher wegen seiner Voreingenommenheit gegen die Fccmden bekannt ist, zum Vizekönig von Tschili. London, 24. Aug. Die„Times' berichtet aus Shanghai vom 22. Aug.: Auan=Schikay telegraphirte heute an LiHung=Tschang, er glaube, der Kaiser habe Peking nicht verlassen. London, 24. Aug.(Drabinachricht.) Der„Standard“ meldet aus Shanghai von gestern: Der Vizcköniz von Wutschang ließ 30 fremdenfreundliche Chinesen verhaften. 2 derselben wurden bingerichtet, weil sie sich an der geheimen Gesellschaft und dem Angriff auf die Fremden nicht betheiligt hatten. Washington, 23. Aus. Das Kriegsministerium ertheilte den Befehl, 4000 Mann, die auf dem Wege nach Taku waren, nunmehr nach Manila zu transportiren.(Darnach scheinen die Ver. Staaten die chinesischen Wirren für beendigt zu halten.) New=York, 23. Aug. In Akrons(Ohio) ist durch die gegen die Neger entstandene Bewegung ein Schaden von einer Million Dollars verursacht worden. Der Pöbel setzte das Rathhaus in Brand, sämmtliche Akten sind verbrangt. Neun Kompagnten Miliz bewachen die Trümmer. Drei Personen wurden getödtet und 18 verwundet. Verloosungen.(Ohne Gewähr.) Zweite Geldlotterie zur Verschöncrung des Stebengedirzes. Vormittags fielen 75 000 Mk. auf Nr. 181 291, 10000 Mk. auf Nr. 111 824, 1000 Mk. auf Nr. 12039 und je 500 Mk. auf die Nummern 34747, 39 902, 90 190, 124 508, 185 520, 199 296. Hüser& Co., Commandit-Gesellschalf. Fernspr. Nr. 5.— Commandite der Berg.-Märk. Bank.— 23. Auf. 86 40 95.— 92.10 100.— 92.— Wie%e er. Lonooo 3%„ 3½0 Reichsanl. * Rhprov.ank. 3½% 1909 4% Pr. Bodener. Pfdbr. unk. 1910 3½% Westd. Bder. 1910. Brethlassige Anlage-Werthe stets vorräthig. Prompte Ausführn von Börsen-Anfträgen. 11. Gottesdienste am Sonntag nach Trinitatis, den 26. August 1900. Evangelische Gemeinde Solingen. Vorm. 8 Uhr: Pfarrer Superintendent Dransfeld. Vorm. 10 Uhr: Pfr. Herdieckerhoff aus Mülheim a. Rhein. Jahresfest des Gustav=Adolf=Vereins der Kreisspnode Solingen. Vorbereitung zum heiligen Abendmahl. Nachm. 3½ Uhr: Taufen: Pfarrer Tetzlaff. Die Beerdigungen sind auf dem evangel. Gemeinde=Amt, Altenmarkt, und bei den Bezirkspfarrern anzumelden. Amtsbezirk Kradenhöde. Vorm. 10 Uhr: Pfarrer Müller. Evangelischer Arbeiter-Verein. Sonntag 6½ Uhr: Versammlung. Ev. Vereinshaus. Sonntag Nachmittag 1½ Uhr: Sonntagsschule. 4¼ Uhr Nachm.: Bibelstunde. 6½ Uhr: Jungfrauen=Verein, wozu junge Mädchen, die das Alter von 14 Jahren erreicht haben, herzlich eingeladen werden. Stadtmissionar Jost. Wohnung Neumarktes. 4 Zimmer und Mansarden, zu vermiethen. In der Exped. zu erfragen. JaAresfest des Kreisverbands der Gustav Adolf.Stiftung. Sonntag, den 26. August, Vorm. 10 Uhr in der Kirche zu Solingen: Festgottesdienst. Festpredigt: Pfr. Herdieckerhoff von Mülheim a. Rh. Nachm. 3½ Uhr: Nachversammlung im ev. Vereinshause(Malteserstr.) unter Mitwirkung des Posaunen= und des Männerchors des Männer= und Jünglingsvereins. Begrüßung durch Pfr. Giesekke. Bericht über die Provinzialversammlung in Düren vom Vorsitzenden des Kreisverbands Pfr. Nölle von Reukirchen. Mittheilungen aus der Diaspora. Lehrer Kuhier, Hausvater von Godesheim. Kaffee— ohne Zwang— 50 Pfg. Alle Evangelischen des Kreises sind berzlich eingeladen.. Ein fleißiges, properes Vienstmadchen gegen hohen Lohn gesucht. Näh. in der Exped. Einprop. Waschmädchen wird gesucht. Rathhausstr. 29, 2. E. Ein kräftiges, junges Mädchen für halbe Tage gesucht. Näheres in der Expedition. Verding. Die Anlage einer ca. 600 Meter langen Hecke zur Einfriedigung des neuen Friedhofs Krahenhöhe soll vergeden werden. Die näheren Bedingungen sind auf dem evangl. Gemeinde=Amt Altenmarkt unentgeltlich zu haben. Offerten sind bis Dienstag, den 28. August er., Nachm. 5 Uhr, beim Gemeinde=Amt verschlossen mit entsprechender Aufschrift einzureichen. Präses Presbyteril: Multer. Eine hübsche Wohnung von 6—8 Zimmern wird zum Frühjahr k. Is. gesucht. Südlicher Stadttheil wird bevorzugt. Offerten erbeten zub X. A. 586 an die Exp. d. Bl. Von kl. Familie wird auf Mai 1901 Wohnung neof Arbeits. raum im südlichen Stadttheil gesucht. Offerten V. 500 an die Exped. 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Schleifer Richard Großjan, Kirschbaum. Richard Paul, S. v. Messerhärter Carl Richord Röligen, Baumstr. Eugen Otto, S. v. Gabelfeiler Wilh. Demmißieur, Manzenbergerstr. Erna, T. v. Fabrikant Walther Wundes, Kronprinzenstr. Sterbefälle: Gewerbl. Caroline Amalie Simon, geb. Höhmann, 78 J., verw., Ziegelstr. Frieda Wiegand, 6 Mon., Altenbau. Heirathen: Möbelschreiner August Hollweg und Amanda Ern, b. h. Buchdrucker Paul Bunten und Lina Haller, b. h. Aufgebote: Scheerenschleifer Carl Ferdinand Ohliger u. Johanne Wedel, b. h. Gerichtlicher Verkauf. Am Samstag, den 25. August 1900, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Solingen versteigert werden: 1) 1 Billard. 2) 1 Drehbank, 1 Bohrbank, 1 Regal, 1 Arbeitsbank, 2 Pressen, 1 Schneidmaschine, 10 Dtzd. Taschenmesser, 25 Dtzd. Korkzieher, 1 Rolle Packpapier usw. Der Gerichtsvollzieher: Reich. Verkanf. Am Samstag, den 25. August 1900, Mittags 12 Uhr, sollen zu Solingen vor dem Hause Cafinostraße 42 öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: Eine große Parthie Baumaterialien aller Art. Der Gerichtsvollzieher: Salowsky. Verkauf. Am Samstag, den 25. August 1900, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem Markte zu Ohligs öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 2 vollständige Billards mit Zubehör, eine Parthie Wirthstische, 1 Musik=Automat mit 12 Platten, 1 complette Bierschenke mit Zubehör, 1 Plüschsopha, 2 Plüschsessel, 1 nußb. Sophatisch, 1 nußb. Trummeauxspiegel, 1 nußb. Sekretär. tisch. Der Gerichtsvollzieher: Salowsky. Künstliches Bein. Prämürt auf der Neuheiten=Ausstellung anläßlich der 70. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Düsseldorf. Alles Nähere beim Erfinder Hermann Schlüter, Düsseldorf, Bahnstraße 70. Derselbe trägt selbst ein künstliches Bein. Lieferant des künstlichen Beines für den hochseligsten Weihbischof Herrn Dr. Schmitz in Köln. 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Müller. Franz Rauch. August Hepp. Verein der Rahrmesserreider und Abzieher. Sonntag, den 26. cr., Morgens 9½3 Uhr: Versammlung im Vereinslokale. Wichtige Tages=Ordnung liegt vor. Pünktliches und zadlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. NB. Der Vorstand versammelt sich eine halbe Stunde früder. 110 C.Tontelter VorhilAm Sonntag, den 26. Aug., punkt 51 2 Uhr im Lokale des Wirthen Wild. Butzmühlen in Odligs, oderhalb des Ratdhauses: Ausserordentliche Städtische Sparkasse, Die Einlagen werden in jeder Döhe mit 4 Prozent verzinst. Die Verwaltung. Wegen Verlegung der Wohnung zum Amt beabsichtige ich mein 5 Wne 145 Wommaus Ritterstraße 11, enthaltend 3 Zimmer nebst Waschküche und großem Speicher mit zugehörigem Zier= und Gemüsegarten, per 1. Mai 1901 zu vermiethen oder zu verkaufen. Adalber- Weck, Reodant. Empfenie Pr. Schweizerkäse, vollsaftig, per Pfd. 85 Pfg., echten Emmenthaler, vollsaftig, per Pfo. 1 Mk., „ Holländer, p Pfd. 45 u. 65 Pfg., „ echten Gouda, p. 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Um pünktliches und vollzähnges Erscheinen wird ersucht, da laut Statut zu obiger Versammlung nur Krankheit als Entschuldigung angenommen wird. Der Vorstand. Bergischer Naut ant er-Verein. Gravenr-Lehrling gesucht. Näheres in der Exp. 2 prop. Dienstmädchen u. Schlosserling such. sof. Stelle. Wierleucker, Elderfeld, Berlinerstr. 37, 2. Stage. Conntag Gorgevtoul naen De Abfahrt 6 Uhr vom Vereinslokal. Der Fahrwart. K3„Mananbereer #3 Furn-Verein. Samstag, den 25. Aug., Abends punkt 9 Uhr: Tages=Ordnung: 1) Empfang der Beiträge. 2) Aufnahme neuer Mitglieder. 3) Festbericht. 4) Besprechung über das Abschiedsfest. 5) Verschiedenes. Pünktliches und zablreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. NB. Mitglieder, welche noch im Besitz von Schärpen sind, werden gebeten, dieselben abzugeben. H.-K.-V. Schaberg. Samstag, d. 25. cr., Abends ½9 Uhr: Zusammenkunft bei C. Kirschbaum, Dorperdof. ### Meisenburger SchießGesellschaft. Sonntag, den 26. Aug. ess., Nachmittags 5 Uhr General-Versammlung. 1) Empfang der Beiträge. 2) Ballotage. 3) Neuwahl des 2. Kassirers. 4) Verschielenes. Zahlreiches Erscheinen unter Hinweis auf§ 18 und 19 erwartet Der Vorstand. D krem zeuerwehr, 7. Wald 1I. % Sonntag, den 26. Aug. er., Morgens 6 Uhr: Uebung sämmtl. Abtheilungen. Der Hauptmann. Ewald Zum Dickendusch. V ertrieb aller staatlich erlaubten Loose. Fernsprecher Nr. 14. Ein massives Wohnhaus mit Hofraum u. Garten in der Näbe der Post und Eisenbahn, auch für Fabrikanten geeignet, zu verkaufen. Offerten P. Z. 5 an die Exped. Verdältnissehalber dübsche Baustellen auf Krahenhöhe von 30 Mk. an per Ruthe zu verkaufen, in unmittelbarer Nähe einer Halte=Station, ferner mehrere Bauplätze an der Endstation Krahenhöhe, direkt an der Chaussee. Off. unt. U. W. 11 an die Expedition. Ein fast noch neues Velociped billig zu verkaufen. Wupperstr. 68. Jüngeres prop. Mädchen in kinderl. Haushalt auf sofort gesucht. Kölnerstraße 86. 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Für gute Speisen und Getrünke, sowie für aufmerksame Bedienung werde bestrebt sein. 0 Grafrarher=Keirmes. Sonntag, Montag und Dienstag finden in meinem Lokale S•: statt, von derselben Gesellschaft, welche im vorigen Jahre mit so großem Geifal aufgetreten ist. U. A. wird Herr Cumberland als Zauberkünstler 2c. auftreten. Hierzu ladet freundlichst ein Carl Wegmann. Die Kase. Kase. Holländer Käse, per Pfd. von 30 Pfg. an bis zu den feinsten Qualitäten empfiehlt Carl Friedr. Pohlig, Kaiserstraße 75. Gebrüder Paas, Köln, Mimbeersaft! Naturbutter- u. Eiergrosshandlung. Eigene Dampf=Molkerei. Offeriren freibleibend ab Köln: I. Sütrahmbutter, 1/ Pfd. I. gesalz. Wellenbutter, ca. 5 Pfd.=Wellen 105„ I. ungef. sog. Schweizerduter,„, Jg ger lehh eiig frische Eler Mt. 40 per 1000 Sina, schwerste Italiener„ 78„„„ Pr. Gebirgs-Himbeersaft, per Pfd. nur 37 Pfg., empfiehlt Carl Friedr. Pohlig. Kaiserstraße 75. Rind- und SchweineMetzgerei von Ret. 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Nach dem für Burmen in Auscht genommenen Presramm soll am 29. Sptember Abends eine Volksversammnung, am 30. Vormittags die Delegirtenversammlung stattfinden und Mittags wird in der Bar ein F.stmahl mit Damen veranstaltet werden. E.n Sonenhere, 23. Fge,. Auch am Dienetag Abend hatten wir wirderum ein Gewitter zu verzeichnen. Eir kalter Schlag traf das an der Dohrer Schule gelegene, dem Hammerschmied Jaspers gehörige Wohnhaus, das von vier Familien bewohnt ist. Der Blitz traf zunächst das Dach, zerstörte dasselbe zum Theil, fuhr dann durch ein zimmer des Herrn Christmanns in ein dort stehendes Bett unv ging an der Giebelseite wieder heraus und im zweiten Stockwerke in die Wohnstube der Familie AckerBans durch der Sasienr Kind bulch den Luftotan unter den Tisch. Wunderbarer Weise ist niemand verletzt worden. Zum Glück befanden sich die Christmann'schen Kinder noch Cronenberg, 23. Aug. Daß man sich das Hosesätte, augerser.... Bohn nicht ur e##tee uuersegen darf, hat ein Mann von Berghaufen am Sonntag Abend erfahren, als er im betrunkeven Zustande auf demselben niedergesunken war. Von oem heranbrausenden Wagen, dem er nicht auszuweichen vermochte, wurde ihm eine Verletzung am Kopfe zugefügt.— Mit dem bloßen Schricken am son, Neuenen Sonute Abend eim Mann davon, der Geleise ochu Pnapp schwer beladen sich auf dem er azur Ruhe legte und bald in tiefen Schlummer Ristel. Es gelang noch rechtzeitig, einen herannahenden Woser, zum Stillstand zu bringen und den Betrunkenen uuf Seite zu schaffen. Köln=Deutz, 22. Aug. Im biesigen Militärlazareth sind gegenwärtig über 50 Soldaten des in mutheim liegenden 65. Infanterie=Regiments untergebracht, die am Typhus erkrankt sind. Sofort sind Maßnahmen zur Verhinderung der Weiterverbreitung getroffen. Auch hier vermuthet man, daß der Ursprung der ansteckenden Krankheit auf den Aufenthalt in Eisenboru zurückzuführen sei. achaisten Besommoer. Iu einer Abends in Btühl stat wurde di Gaeu der Lungpirihe des Vorzebtiges ; die Grundung eines Verbandes beschlossen " 4s Erzielung höherer einheitlicher Preise für Obst, Gemüse und sonstige Marktprodukte, sowie die Hutensgeus Komiters, das die Gründung von Verleiten sol, in den einzelnen Ortschosten in die Wige Wiesbaden, 21. Aus. Eine obligatorische kag gännische Fortbildungeschule, dern Bebeiderlei Gischlegag Dmndelizschäiften Angstlten voraeschrichen ig....leneten 18. Lebhentjahr vaonn Maoie“ sel der in s Leben treten. Das dafür Mimipastst i. Sc##t zu einem halbjährlichen Betrag für jeden die Schute besuchenden Angestellten von 25 bezw. 15 eremdieregogden der Schüler oder die Schülerin an remosprachlichem Unterricht theilnimmt oder nicht. Es ##.#twa 140 weibliche Lhrlinge unter 18 Juhren tracht, davon sind allein in Manufakturwaarengeschäften nahezu 130 angestellt. Von den zum Besuch der Fortbildungsschule verpflichteten 190 männlichen Sentiugen haben nur 30, 2as, Einjäbrig=Fetolizen:„Im allg meinen scernt die Stadt eine Uater.. vis zu 2 Juhren in Aussicht zu nehmen, die auch noch im Verhältniß zu der drei= oder zweijährigen Lehrzeit abgestuft werden kann. Da, wie stattstisch nachgewiesen, von den weiblichen Angestellten hier nach dem Lebenejahr nur noch 5 pCt. der ursprünglich Eingetretenen in kaufmännischen Betrieben thätig sind, so wird man die obligatorische Fortbildung der Mädchen nicht im selben Umfang zu betreiben haben, wie die der männlichen Anzestellten. 22. Aus. Dieser Tage kam ein sehr gut aussehender junger Mann in ein hiesiges Hotel und verlangte ein Zimmer. Ee wurde ihm ein Zimmer in dem Parterre angewiesen, welches er ablebnte, weil es ihm zu unruhig sei. Er erhielt darauf ein Hinteizimmer im dritten Stock, in welches er sich, nachdem er Briefzurücksog. Nach kurzer Zeit eitönte plötzlich ein Schuß; den in das Zimmer eilenden Hotelbediensteten bot sich ein schrecklicher Anblick. Zwischen dem Tisch und dem Sopha lag der Fremde mit durchschossenem Schädel in seinem Blute. Der herbeigeholte Arzt stellte noch Lebenszeichen fest, doch ist der Unglückliche noch gestern Abend gestorben. 22. Aug. Nach einer Mittheilung aus Virnheim ist gestern Nachmittag ein furchtbares Unwetter mit Hagelschlag daselbst niedergegangen, wodurch ein großer Theil der Tabakernte zu Grunde gegangen ist. Düsseldorf, 22. Aug. Der Polizeisergeant Gühmann, welcher dringend verdächtig ist, in der Nacht zum 22. Juli d. J. bei einem Straßenrenkontre den 27jährigen Eisendreher Tersp.cken durch einen Säbelstich in die — Freitag, den 24. August 1900. Lunge getödtet zu haben, wurde heute auf Anordnung der königl. Staatsanwaltschaft verhaftet. Duisburg, 22. Aug. Als am Sonntag Nachmittag ein 6jähriges Mäochen in der Nähe der Badeanstalt am Rheine spielte(angeblich wollte es kleine Fische fanzen), fiel es hierbei in die Flutden, wurde vom Strom erfaßt und versank. Ein des Weges konmender 13jähriger Schüler, Rudolf Althoff aus Hochfeld. sprang laut„Rh. u. R.=Ztg.“ dem Kinde kurz entschlessen nach und rettete dasselbe mit eigener Lebenogefahr. Werden(Ruhr), 22. Aug. Einen nicht unbedeutereen Eisenbahnunfall hat das am Montag auch über das Ruhrthal niedergegangene Unwetter zur Folge gehabt. In der Nähe der Station Huisinzen hatten sich die herabgeströmten Wassermassen in einen reißenden Bach verwandelt, den Eisenbahndamm überfluthet und wohl einen halden Fuß hohe Schlammmassen auf den Schienen zurückgelassen. Der Lokomotivführer des 4 Uhr Nachmittags von Kupferdreh abgelassenen Güterzuges hatte bei der Dunketheit die Gefahr nicht rechtzeitig erkannt, die Lokomotive entgleiste, mehrere Wagen schoben sich auf= und inetnander und wurden so fast völlig zertrümmert. Der Schaden dürfte sich auf 6—8000 Mark belaufen. Menschenleben sind nicht dabei zu Grunde gegangen. Hattingen, 22. Aug. Folzende hübsche Geschichte hat sich hier kü zlich ereiznet. Amletzten Sonntag waren zwei Kinder aus Herbede hier zu Besuch gewesen und sollten mit dem letzten Zuge wieder nach Herbede zurückkehren. Aus Verseyen stiegen die Kinder in den Zug nach Steele, was erst bemeikt wurde, als sich der Zug bereits unterwegs befand. Er wurde zum Halten gebracht und die beiden Kinder wurden von einem Bahnbeamten zu Fuß nach Hattingen zurückgeleitet. Hier aber war inzwischen der letzte Zug nach Herbede auch schon abgedampft und nun wurde eigens für die Kinder eine Lokomotive nebst Wagen und einem begleitenden Beamten zur Stelle geschafft und so ging dieser Ertrazug nach Herbede. Das boch anerkennenswerthe Verfahren ist jedenfalls eine Wirkung der ministeriellen Verfügung, nach welcher das Eiser bahn=Personal auf Kinder besonders Acht haben soll. Aus dem Bericht der Handelskammer für den Kreis Solingen für das Jahr 1899.(4 — Die Personenbeförderung sowie die Güterbewegung in An= und Abfuhr zetate 1898 99 gegen 1897 98 eine weitere Steigerung. Sie betrug für den Personenverkebr+ 9,4%, für den Güterverkehr (zusammen)+ 57 ¾.(1897 98: 1896 97+ 12,2 bezw.+ 10,1 7). Seit 1895 96 hat sich die Zahl der beförderten Personen im Kammerbezirke um reichlich 2 Millionen(567139)=+ 32,6% gehoben. In dem gleichen Zeitraum ist die Güterbewezung um 365600 Tonnen=+ 32,9 2 gestiegen und zwar der Empfanz um 209446 Tonnen=+ 35.2 T, der Versand um 156154 Tonnen=+ 30,3 T. Die Anfuhr überwoz die Abfuhr in allen vier Jahren beträchtlich; das Mehr der Anfuhr betrug in den Jidren 1895 96 dis 1898 99 rund 80500, 126000, 122000 und 134000 Tonnen. Die Passivität der Güterverkehrsbilanz beruht vor allem auf der bedeutenden Kohlenanfuhr und der gleichfalls bedeutenden Anfuhr von gebrannten Steinen(Ziegeln). — Im Jahre 1899 ist gegen 1898 99 in der Zahl der Branntwein=Brennereien eine Veränderung nicht einaetreten. Die Zahl der B=triebs=Anmeldungen ist um 12=+ 5,4 T, die Summe der erhobenen Branntweinsteuer um 15684=+ 6,5 x gestiegen, dagegen ist die Zihl der Verbrauchsabzabe=Anmeldungen um 10=— 4,2 2 zurückzegangen, nachdem schon das Vorjahr eine nur unwesentliche Zunahme(+ 1) aufzuweisen hatte. Im Vergleich zu 1895 96 hat sich 1899 die Zihl der Brennereien um 1=— 5,5 T, die Zabl der Btriebs= Ann. dungen um 14=— 5,6% vermindert, die Zahl der Verbrauchsabgabe=Anmeldungen um 22=+ 10,1% und die Summe der erbodenen Branntweinsteuer um 59540 Maik=+ 31,8 75 veimehrt. — Beachtenswerth ist die starke Zunahme der im hiesigen Handelekammerbezirk gezahlten Brausteuer im Jahre 1899 um 15821 Maik=+14,2 2 gegenüber dem Jahre 1898 99 und um 56050 Mark=+ 78,9 7 gegenüber 1895 96. In der Zahl der vorhandenen Brauneien in 1899: 1898/99 keine Veränderung eingetreten;(1899 gegen 1895 96:+ 1=+33,3 X). Die Zahl der Brau=Anmeldungen ist gegenüber dem Vorjahre um 14=+ 1,0%, gegen 1895 96 um 356 =+ 37,1 T, die um 51=+ 3,9 2 Zohl der Brausteuer=Erhedungen bezw. 375—+ 38,8 2 gestiegen. Vermischte Nachrichten. Berlin, 23. Aug. In der Wahnvorstellung, Anarchist und polizeilich verfolgt zu sein, hat sich ein italienischer Arbeiter aus Turin, der seit anderthalb Jahren in einer Berliner Fabrik beschäftigt war, durch einen Sprung aus dem Finster seiner Wohnung eas Leben genommen. Er soll ein ruhiger Arbeiter gewsen sein, der keine Versimmlungen besucht hatte. Er ist anscheinend durch das Lesen der Nachrichten über den Königsmord zu Monza um seinen Verstand gekommen. Ostende, 21. Aug. Ein vorübergehend sich dier aufhaltender Deutscher glaubte einen„auten Witz“ damit zu machen, daß er sich in einen Gasthof in das Schlafzimmer zweier Damen schlich und die Schnürleiber sowie verschiedene sonstige Kleidungsstücke wegnahm, weshalb die Damen am folgenden Morgen nicht ausgehen konnten. Die Sache kum zur Anzeige, und die Rathskammer des Gerichts von Blügge faßte sie nicht als einen einfachen Scherz auf, sondern verfügte die vorläufige Verhaftung des„Witzboldes". Der Beschuldigte erhob Berufung bei dem Appellhof von Gent und hatte den Erfolg, daß er vorläufig gegen Hinterlegung von 600 Franken in Freiheit gesetzt wurde, jedoch unter der Bedinzung, daß er bis zur gerichtlichen Entscheidung seinen Aufenthalt in Brügze nehme. Innsbruck, 22. Aug. Im Poznaunthal verunglückte gestern auf einer Radfahrerpartie ein stud. theol. aus Wernfeld in Unterfranken. Er stürzte in die Trisanna und ertrank. Morzen wird er in Landick beerdigt. (Ein rachsüchtiger Aussteller.) Die Vertheilung der Auezeichnungen an die Aussteller hat natürlich auch Enttäuschungen hervorgerufen, denen von Das Geheimniß einer Nacht. Roman von Reinhold Ortmann. 36), Wie der Landgerichtsrath es ihr verheißen hatte, war sie mit ihm allein, aber es war trotzdem keine stürmische und überschwenglich wortreiche Begrüßung, die zwischen ihnen stattfand. Werner Holthaus ging ihr bis an die Schwelle des Gemaches entgegen und reichte ihr, seine Bewegung tapfer niederkämpfend, beide Hände dar. „Ich danke Ihnen, Fräulein Helga, daß Sie meine Dienste nicht zurückgewiesen haben. Sie hätten vielleicht einen geschickteren und gewiß einen berühmteren Anwalt haben können als mich, aber ich hoffe, Sie werden keinen Anlaß finden, sich über mich zu beklagen.“ „Wie können Sie mir danken,“ erwiderte sie, „Sie— mir?— Ich bin ja ohnehin so tief in Ihrer Schuld.“ „Nicht das— aber ich hätte allerdings einige Ursache, Ihnen zu zürnen, da Sie Ihrem Versprechen untreu geworden sind und sich auch in der Bedrängniß meiner nicht erinnert haben. Wenn ich nicht aus den Zeitungen Kenntniß von ihrem Unglück erhalten hätte, würden Sie mich wohl schwerlich gerufen haben.“ In Helgas Gesicht zuckte es. „Auch die Zeitungen haben sich meines Namens schon bemächtigt?“ „Es war wohl unausbleiblich. Aber Sie dürfen ganz ruhig sein. Dieselben Zeitungen sollen bald genug noch viel lauter Ihre Schuldlosigkeit verkünden.“ „Sind Sie dessen so gewiß, Herr Holthaus?“ „So gewiß, wie meines Lebens. Die Fälle, in denen man einen Unschuldigen verurtheilt, sind glücklicherweise heutzutage sehr selten, und dafür, daß der ihrige nicht einer von diesen Fällen sein wird, dafür stehe ich Ihnen ein.“ „Wie können Sie das, da Sie doch wohl noch kaum von allen Einzelheiten unterrichtet sind. Ich kann es ja noch immer nicht begreifen, aber ich glaube, es steht sehr schlecht um mich, und es gibt eigentlich Niemanden mehr, der mich nicht für eine Mörderin hielte.“ „Einen wenigstens gibt es gewiß,“ erwiderte er, und dabei ging ein Lächeln über sein Gesicht, das für Helga tausendmal ermuthigender und tröstlicher Manchen laut und ungenirt Ausorrck gegeben wird. Eine besondere, aber nicht vornehme Art, seinem Aerger Luft zu machen, hat der Emaillenmaler Coblentz, der seine Kunsterzeugnisse im Erdgeschosse des Palastes unter Klasse 72 ausgestellt hat, für nothwendig befunden. Er hat nämlich an seiner Auslage folgendes Plakat in mächtigen Lettern anbringen lassen:„Seit 1875—1900 zur Ausstellung der schönen Künste und 1900 zum Grand Palais zugelassen.— 3. Medaille 1899.— 2. Medaille auf der Kunstausstellung von Dijon— Ehrendiplom in Avignon.— Ehrendiplom in Perigneur. Die Imy der Ausstellung von 1900 hat wir eine lobende Erwähnung zugebilligt.— Ich erbitte mir dieselbe auf weichem und widerstandsfähigen Papier zu persönlicher Benutzung. Man kann sich vorstellen, daß diese Affiche Aufsehen im ganzen Palaste hervorrief. Die war als alle schön klingenden Versicherungen.„Aber unsere Zeit ist gemessen, und ich möchte mich gern so rasch als möglich informieren. Wollen Sie mir auf einige Fragen antworten, Fräulein Helga?“ „Auf jede, die Sie an mich richten.“ Er begann zu fragen, aber als er auf ihre Verlobung mit dem Freiherrn kam und als er in Verlegenheit schien, wie er seinen Worten die zarteste und schonendste Fassung geben sollte, sagte sie mit tapferem Entschluß: „Lassen Sie mich Ihnen alles erzählen! Vielleicht kommen wir damit doch noch schneller zum Ziele.“ Und sie erzählte ihm wirklich alles, nicht kurz und nur das Thatsächliche berührend, wie sie es dem Untersuchungsrichter gegenüber gethan, sondern so wie sie es im Beichtstuhl einem Priester erzählt haben würde. Empfand sie es doch wie eine geradezu himmlische Wohlthat, daß sie endlich, endlich ihr von Schmerz und Gram und Bitterkeit übervolles Herz ausschütten konnte in eine treue Brust, daß sie einem anderen von ihren Irrthümern und von ihrem Unglück sprechen durfte, wie sie bisher nur zu sich selbst davon gesprochen. Als sie geendet hatte, war ihm nichts mehr verborgen geblieben. Er wußte, was sie aus ihrer falschen Auffassung ihrer Pflichten heraus gesündigt hatte und wieviel schwerer und furchtbarer an ihr gesündigt worden war. Und er wußte nun auch, daß ihr Herz trotz ihres Verlöbnisses dem Freiherrn so wenig gehört hatte, als es jemals in Wahrheit Guido Valentini zu eigen gewesen war. Und wenn es auch keiner Befestigung seines Glaubens an ihrer Unschuld mehr bedurft hatte, so war er doch in innerster Seele glücklich über das, was er erfahren. „Der Freiherr von Steinbach ist todt,“ sagte er, „darum mag es unausgesprochen bleiben, wie seine Handlungsweise gegen Sie zu beurtheilen ist. Ihnen aber, Fräulein Helga, danke ich von Herzen für das Vertrauen, dessen Sie mich heute gewürdigt. Ich will Ihnen beweisen, daß ich es verdiene.“ „Sie glauben also, daß man mich nicht vor das Gericht schleppen wird?“ fragte sie zaghaft. „Ich hoffe es zu verhindern, aber ich bin in dieser Hinsicht meiner Sache nicht ganz gewiß. Sollte indessen auch das Hauptverfahren eröffnet werden und es zu einer öffentlichen Gerichtsverhandlung kommen, so brauchen Sie sich davor nicht zu fürchten. Wächter klebten weißes Papier über sie aber Herr Coblentz zerriß es und weigert sich, irgend Jemanden an seinen Stand heranzulassen. Das Komitee der Klasse 72 trat am Montag zu einer Beratbung über den Fall zusammen, konnte aber zu keinem Eatschlusse gelangen und hat nunmehr die Sache dem Generalkommissariate überwiesen. Iozwischen aber strömt das Publikum in Schaaren ver die Auslage des Herrn Coblentz und dieser kann sich seiner Rache herzlich erfreuen. Waldidylle. Auf einem Pilz im Tannenwald Ein Wichtelmännlein saß, Das stumm aus einem Eichelnapf Sein Abendsüpplein aß. Sein Wichtelweiblein sah ihm zu Da Ihr Schicksal doch nun einmal kein Geheimniß bleiben konnte, ist es vielleicht sogar besser, wenn Ihre Rechtfertigung in möglichst eklatanter Weise vor der weitesten Oeffentlichkeit erfolgt.“ Es verlangte sie nicht nach dieser eklatanten Rechtfertigung, aber sie sprach es nicht aus, denn sie sah wohl, daß sie ihm weh thun würde, wenn sie das Unmögliche von ihm verlangte. Und nichts wäre ihr so unerträglich gewesen als die Vorstellung daß sie ihm absichtlich oder unabsichtlich weh gethan. Werner Holthaus verabschiedete sich mit dem Versprechen, bald wiederzukommen, und er hielt Wort. Der menschenfreundliche Untersuchungsrichter bereitete ihren Besprechungen trotz der häufigen Wiederholung keine Hindernisse und ließ es auch ferner zu, daß sie ohne das Beisein eines Gefängnißbeamten stattfanden, obwohl eine solche Praxis vor dem Abschluß der Voruntersuchung nicht gewöhnlich ist. Aber ihre Zusammenkünfte hätten freilich die Gegenwart eines Dritten kaum zu scheuen gehabt — nicht nur, was ihre Unterhaltung über die gegen Helga schwebende Untersuchungssache betraf, sondern auch hinsichtlich dessen, was sonst zwischen ihnen gesprochen wurde. Wenn Werner Holthaus an seiner unglücklichen jungen Klientin noch ein anderes Interesse nahm als das des Vertheidigers, so verrieth er es ihr jedenfalls mit keinem Wort, und Helga hätte mit einem Bruder nicht unbefangener und offener verkehren können als mit ihm. Sie schien jetzt ganz sorglos, und als er ihr nach Verlauf mehrerer Wochen eines Tages mittheilen mußte, daß das Gericht die Erhebung der Anklage gegen sie beschlossen habe, nahm sie diese Eröffnung vollkommen ruhig entgegen „Fürchten Sie, daß man mich verurtheilen werde?“ fragte sie nur. Und er erwiderte: „Wenn ich den Tag der Hauptverhandlung erlebe — nein—! Ich stehe Ihnen dafür gut, daß man Sie freispricht, Fräulein Helga.“ „So habe ich also keinen Anlaß, mich zu ängstigen. Wäre nur die Zeit bis zu dieser Gerichtsverhandlung schon vorüber!“ Einundzwanzigstes Kapitel. Dumpfige, brückende Schwüle erfüllte den Sitzungssaal des Geschworenengerichts zu B. Der Zuschauerraum war bis auf das letzte Plätzchen ge18 Und frug ihn hocherfreut: Mein Alterchen, wie schmeckt Dir denn Dein Nesselsüpplein heut?“ Der Wichtelmann strich seinen Bart Und sob sein Weibchen an: „Famos! Was hast Du eigentlich Denn heute dran gethan?“ Da lacht das kleine Wichtelweib: „Am Waldesrande fand Ich eine Flasche gestern früh, Darauf„Maggi's Würze" stand. Von dieser hab' ich eiwas nur Der Suppe zugesetzt, Drum schmeckt dieselbe offenbar So ausgezeichnet jetzt. H. W. Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeiffer in Solingen Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen. füllt, und Hunderte hatten an der Eingangsthür zurückgewiesen werden müssen, weil der vorhandene Raum dem ungeheuren Andrange nicht genügte. Die Befragung der Angeklagten, die natürlich ebensowenig ein Ergebniß gehabt hatte, als alle ihre Vernehmungen vor dem Untersuchungsrichter, war beendet und das Zeugenverhör begann. Die Dienerschaft von Erlau, die Krankenpflegerin, die dem sterbenden Freiherrn die Augen zugedrückt hatte, der Regierungsassessor von der Recke und zuletzt auch Melitta von Steinbach waren aufgerufen worden und hatten ihre Aussagen abgegeben. Namentlich die Bekundungen der Letzteren hatten einen tiefen und für die Angeklagte sicherlich nichts weniger als günstigen Eindruck gemacht, obwohl es an und für sich nichts Neues gewesen war, was sie vorzubringen vermochte. „Herr Rudolf Schmidt!“ rief der Gerichtsdiener jetzt auf Weisung des Präsidenten in das Zeugenzimmer hinein, und der ehemalige Privatsekretär des Freiherrn von Steinbach betrat den Saal. Gleich den übrigen Zeugen leistete er mit fester Stimme den Eid, die reine Wahrheit zu sagen und gab dann mit großer Sicherheit Antwort auf die an ihn gerichteten Fragen. Seine Aussagen waren ebenfalls sehr belastend für Helga— nicht so sehr, weil er irgend welche greifbaren Beweise für ihre Schuld hätte vorbringen können, sondern vielmehr um all der kleinen verdächtigen Wahrnehmungen willen, die er von dem ersten Tage ihres Aufenthaltes auf Erlau an gemacht haben wollte, und die er sehr geschickt zu einem anschaulichen Gesammtbilde zu vereinigen wußte. Während er von seinem Rechte, die Zeugen ebenfalls zu befragen, bei den früher vernommenen Personen nur verhältnißmäßig selten Gebrauch gemacht hatte, nahm der Vertheidiger, zur Verwunderung der Zuschauer und der Jury, gerade diesen Zeugen in ein auffallend scharfes Verhör— so scharf, daß Herr Rudolf Schmidt sich zuletzt veranlaßt sah, mit der Miene der gekränkten Unschuld den Schutz des Präsidenten gegen diese Belästigung zu erbitten. Gerade während ihm der Vorsitzende darauf antwortete, trat ein Gerichtsdiener an den Tisch des Vertheidigers heran und überreichte ihm eine mit mehreren rasch hingeworfenen Bleistiftzeilen beschriebene Visitenkarte. Sobald er sie überflogen hatte, stand Werner Holthaus auf und erbat sich das Wort. r9. Iotole Tt oßem Beisal 2c. auftreter. Inn. isch, äimmtl in fein# D. B. 80 rhund wsich und die * Nachdem seit dem 1. August d. Is. die Messerschläger bei verschiedenen Firmen sich im Streik befinden und eine Aenderung dieses Zustandes vorläufig noch in weiter Ferne liegt, erscheint es wohl angezeigt, daß der breiten Oeffentlichkeit über die Ursachen dieses Streiks eine bessere Aufklärung gegeben wird, als sie der Verein der Schlägereibesitzer mit der Herausgabe seiner Lohnliste versuchte. Man hat es so darzustellen versucht und schließlich auch Gläubige in allen Kreisen gefunden, als seien die Messerschlägereiarbeiter die denkbar unverschämtesten Gesellen, die für ihre einfache mechanische Arbeit weitere unerhörte Lohnforderungen an die Unternehmer stellen, trotzdem sie schon Löhne verdienen, die Tausende andere Arbeiter unserer Industrie nicht erhalten können. Dieser Behauptung steht die Thatsache gegenüber, daß drei Viertel der streikenden Messerschläger überhaupt keinerlei Lohnerhöhung gefordert haben, sondern lediglich aus Solidaritätsgefühl die Arbeit niedergelegt haben, um den am schlechtesten gestellten Härtern und Messerarbeitern die schlimmsten Ungerechtigkeiten im Preisverzeichniß beseitigen zu helfen, nachdem die Schlägereibesitzer diese selbst anerkannten Ungerechtigkeiten nicht beseitigen wollten, und zwar nur aus dem Grunde, weil die Arbeiter es gefordert hatten. Damit fällt jeder Grund zur Veröffentlichung der Lohnliste fort, da es sich in Wahrheit eben um die schlecht gestelltesten Arbeiter handelt, deren Löhne zu veröffentlichen sich wahrlich nicht empfohlen hätte. Soweit wir die Zahlen der Lohnliste in Betracht gezogen, ergeben sie das Resultat, daß von den angeführten Streikenden 21 Mann 2—3 Mark, 76 Mann 3—4 Mark, 133 Mann 4—5 Mark, 34 Mann 5—6 Mark und 12 Mann über 6 Mark täglichen Akkordverdienst hatten. Auf die einzelnen Betriebe vertheilt, ergiebt sich daraus ein Durchschnittsverdienst bei Gebrüder König 3,42 Mark, F. W. Rauh 4,11 Mark, Gebrüder Christians 4,18 Mark, Friedr. Herder Abr. Sohn 4,34 Mark, I. A. Henkels 4,40 Mark, Joh. Peter Engels 4,72 Mark und J. A. Röhle 5,37!! Mark pro Arbeitstag. Der Durchschnittsverdienst sämmtlicher Betriebe vertheilt sich auf den einzelnen Messerschläger dann in Höhe von 4,38 Mark. Also 4,38 Mark wäre das Durchschnittsverdienst der Streikenden nach der eigenen Aufstellung der Fabrikanten, denen sich aus nicht näher bekannten Gründen die Firma Wüsthoff bei der Lohnlistenaufstellung nicht angeschlossen hat. Wer die Arbeit der Messerschläger nicht kennt, mag schließlich zu der Ueberzeugung gebracht werden können, daß diese Leute ausreichend entlohnt werden und eine Besserung ihrer Lebenshaltung nicht nöthig haben. Wer diese Arbeit aber kennt, wird anders reden, vielleicht wie der Fabrikant Wüsthoff, der einmal einer Kommission der Schläger gegenüber erklärte, die Stempler müssen 45 Mark die Woche verdienen, das kommt denen zu, denn über 50 Jahre alt findet man Keinen mehr am Fallwerk. Wer die Schläger in dem betäubenden Lärm ihrer Betriebe, halbnackt, stets in Schweiß gebadet in der stickigen Koaksluft arbeiten sieht, ohne aufzuschauen, ohne Rast und Ruhe; die Härter in ihren finsteren, nur durch die Feuersgluth erhitzten und erleuchteten Winkeln, die Breiter, die Anwärmer, die Schneider und wie sie alle heißen, mit einer Intensivität arbeiten sieht, der muß offen erklären, hier sind hohe Löhne und kurze Arbeitszeit am Platze. Dazu kommt noch, daß die in der Lohnliste enthaltenen Angaben kein klares Bild geben können, da diese Angaben in eine Zeit wirthschaftlicher Hochfluth fallen, wo thatsächlich die Arbeiter die Aufträge nicht zu bewältigen vermochten, in allen Betrieben mit Ueberstunden und denkbar größter Anspannung der Kräfte gearbeitet wurde. Der große Streik bei Hammesfahr vermehrte diesen Andrang von Aufträgen in allen Betrieben, so daß wir es thatsächlich mit Ausnahmeverdiensten im Jahre 1899 zu thun haben, die sehr selten wieder erreicht werden. Dagegen betrachte man die fortgesetzte Steigerung aller Lebensbedürfnisse, insbesondere der Miethspreise in Solingen, die dem Arbeiter jedes Jahr höhere Ausgaben auferlegen, für die er Ersatz suchen muß und doch nur da suchen kann, wo er seine Arbeitskraft verwerthet. Da fallen die winzigen Aufschläge eines Bruchtheils der Arbeiter nicht in Betracht, deßhalb brauchten die Unternehmer nicht nach berühmten Mustern mit Aussperrungs= paragraphen in ihren Statuten, mit Arbeitsscheinen, die das Koalitionerecht vernichten sollten, die Arbeiterschaft in Gährung zu bringen und durch schroffe Abweisung des Preisverzeichnisses der Messerschläger diesen Streik geradezu zu provoziren. Es handelte sich auch in Wirklichkeit bei den Schlägereibesitzern nicht um die kleine Erhöhung, sondern darum, den Arbeitern zu zeigen, daß man bei der Festsetzung der Löhne ihre Einmischung nicht dulden wollte. Daran ändern die späteren Zusicherungen, daß man zu Verhandlungen geneigt sei auf Grund eines selbst aufgestellten Preisverzeichnisses, gar nichts, denn wie diese Preisverzeichnisse ausfallen, haben erst kürzlich die Scheerenbranchen erfahren. Wenn man ehrlich verhandeln wollte, und dazu war die Gelegenheit geboten, konnten die Preisaufstellungen der Messerschläger als Grundlage dienen. Aus der veröffentlichten Lohnliste ist besonders interessant, daß die Firma J. A. Henkels den größten Theil der Einleitung einnimmt, woraus wohl ohne Weiteres zu entnehmen ist, daß die Firma J. A. Henkels als die Triebfeder der ganzen Schlägereibesitzermaßnahmen bezeichnet werden kann. Es muthet uns thatsächlich wie bittere Ironie an, wenn die übrigen Schlägereibesitzer erröthend deren Spuren folgen, wenn wir uns vergegenwärtigen, daß diese Weltfirma gar nicht in der Lage war, die in der„Arbeiterstimme" bekannt gegebenen Lohnsätze zu bestreiten, welche wesentlich niedriger sind, als die anderwärts gezahlten, und wodurch doch den übrigen Schlägereibesitzern eine gewaltige Konkurrenz gemacht wurde. Es ist uns dies um so weniger erklärlich, als dies den Fabrikanten schon früher bekannt war, denn sonst hätte der bereits citirte Herr Wüsthoff doch der Kommission der Schläger nicht erklären können: Sorgt doch erst einmal, daß Heukels die Preise bezahlen, bei uns kommt ihr fortwährend. Und nun sei hier noch ausdrücklich erwähn, daß der Firma J. A. Henkels, welche eine Reihe technischer Verbesserungen bei der Fabrikation verwendet, thatsächlich bei diesen Torten niedrigere Preise gestellt waren. Auf den allgemeinen Vorwurf, die Schläger hätten widerrechtlich die Arbeit verlassen und aus widerrechtlichen Handlungen solle sich Niemand Vortheile verschaffen, ergo müsse die Arbeit bedingungslos aufgenommen werden, verlohnt sich garnicht einzugehen. So lange es hier gemeinsame Lohntarise giebt, ist es von Allen gekannter Gebrauch, daß, wenn 3 Wochen vorher den Fabrikanten die neuen Preise unterbreitet werden mit der Bestimmung, daß dieselben dann und dann in Kraft treten, damit ausgedrückt ist, daß nur unter den neuen Bedingungen weiter gearbeitet wird. Das weiß jeder und es ist uns deßhalb verwunderlich, daß man hieraus einen, angeblich von Gewerkschaftsführern unterstützten Vorwurf konstruiren kann. Einen bösen Reinfall erlebt die Firma Henkels mit ihren 216 Prozent Aufschlag für den Spalter, der mit seinem Sohne 9 Mark pro Tag verdient haben soll. Thatsache ist, daß auf eine Sorte, an der der Mann nach eigener Aussage nur 1 Mark pro Tag verdienen konnte, ein bedeutender Aufschlag erfo'gt, die übrigen Sorten aber zum allergrößten Theil gar keinen Aufschlag betts. uibt; Manchen laut und ungenkt Auosrrdk gezeben„wird. Wöchter Und frna ihn hocherfernt: Mein Alterchen, wie schmenl Dir denn u. Helbuiei.- beot 1“ ie ch re ar rim er ich en ich fen als sich gen ner sendes n erhalten. Wie man übrigens von 2700 Mark bis 5832 Mark 216 Prozent Aufschlag herausrechnen kann, ist uns ein Räthsel. Auf derselben Höhe stehen die Behauptungen, daß ein Anderer 41 Prozent Aufschlag, ein dritter von 3,75 Mark auf 10 Mark steigen würde. Man sucht die Aufschläge einzelner Sorten heraus und sucht daraus nachzuweisen, daß die Forderungen unverschämt seien, die das liebe Publikum nicht unterstützen dürfe. Was nun die Lohnliste selbst anbelangt, entspricht sie, soweit wir in Erfahrung bringen, den Thatsachen, aber es wäre uns sehr angenehm gewesen, wenn die Firma auch die tägliche Arbeitszeit der Leute dabeigesetzt hätte. Denn nirgends, höchstens bei der Firma I. A. Röhle, ist die Ueberstundenschufterei und Sonntagsarbeit so im Schwunge, als bei der Firma I. A. Henkels. Hier geschieht das Richten der gehärteten Klingen fast ausnahmslos außer der regulären Arbeitszeit. Von Morgens 5 bis Abends 9 Uhr, fast ohne Pause, in den mit Oeldampf geschwängerten Höhlen(denn ein Härteraum wird Luftkurort genannt und selbst von den Inhabern nicht betreten) zu arbeiten, bei hoher Temperatur, wahrlich, wer dann einen Durchschnittslohn von 4,40 Mark für zu hoch hält, bei 13—14=stündiger Arbeitszeit, mit dem ist nicht zu rechten. Hielte man mindestens eine 10=stündige Arbeitszeit inne, würde sich ein Stundenlohn von 31 Pfennig oder ein Tagelohn von 3,10 Mark ergeben, ein wahrer Pappenstiel für diese anstrengende, aufreibende Arbeit. Bei den Feilern und mehr oder minder auch bei den übrigen Kategorien ist das Gleiche der Fall. Aber durch diese Lupe betrachten die Herren Schlägereibesitzer die Sache nicht. Für sie gilt als Zahlenmenschen nur der Verdienst, das Uebrige ist Nebensache und das Publikum soll die Sache ebenso betrachten. Am schönsten aber ist die Lohnlistenaufstellung, welche sich der Vorsitzende des Vereins der Schlägereibesitzer, Herr I. A. Röhle geleistet hat. Hier weiß man thatsächlich nicht, ob man lachen oder sich entrüsten soll, weßhalb wir auch den Durchschnittslohn von 5,37 Mark mit dicken Ausrufungszeichen versehen haben. Hier haben wir festgestellt, daß von den 9 Arbeitern, 3 seit einem und mehr Jahren dort nicht mehr beschäftigt sind und, daß einer wegen geplanten Lohnabzügen die Arbeit verließ. den verbleibenden 6 Arbeitern erklären 2 Mann mit und 4,95 Mark Durchschnittsverdienst, daß ihre Arbeitszeit täglich mindestens 15 Stunden betrage und fast jeden Sonntag gearbeitet worden sei. Bei 10stündiger Arbeitszeit würde das einem Lohnsatz von 3,30 bezw. 3,50 entsprechen. Was aber das traurigste ist, daß von den 14 Streikenden 8 garnicht geführt werden, weil sie jedenfalls viel weniger verdienen. Und diese Lohnliste veröffentlicht der Vorsitzende der Schlägereibesitzer. Mehr zu sagen halten wir für überflüssig. Aehnlich lauten die Berichte von Joh. P. Engels, Rich. Herder, Friedr. Herder und Fr. W. Rauh, wenn auch nicht so schlecht wie die Uebrigen. Firma Christians scheint riesigen Wechsel zu haben, da sie sehr gering Arbeitstage anführt und bei einem Härter, der seit Jahren dort beschäftigt ist, nur 176 Tage anführt. Ausgeschlossen ist wohl, daß der angeführt Zeichner auch Zeichner heißt, sondern es wird versichert, daß die Härter das Zeichnen mitbesorgen müssen; demnach wird der Fünfmarkszeichner wohl eine Mythe sein. Auch die 9 stündige Arbeitszeit gehört ins Reich der Fabel, de die Befragten von 10½ und mehr Stunden reden. Von Gebrüder König zu reden, erübrigt sich. Ein Durchschnittslohn von 3,42 Mark spricht für sich selbst. Es würde zu weit führen, wollten wir hier noch einen Vergleich ziehen, zwischen den Arbeitern einzelner Branchen und einzelner Betriebe. Dann würde sich mit Folgerichtigkeit ergeben, daß Geschicklichkeit, Gewandtheit und Jahrzehnte lange Arbeit im Berufe es Einzelnen ermöglicht, über das Durchschnitts=Einkommen ausgebeuteter Proletarier hinauszukommen, daß die große Masse der Schlägereiarbeiter aber für ihre schwere, aufreibende Thätigkeit nicht entfernt das Einkommen haben, welches zur Veröffentlichung der Lohnliste gerechtfertigt gewesen wäre. Sie wird nur zur Folge haben, daß die Gegensätze sich umbsehbar verschärfen, die wirthschaftlichen Kämpfe in Solingen in Permanenz erklärt werden und unserer Industrie durch das Verhalten der Schlägereibesitzer dauernde Nachtheile zugefügt werden. Denn davon dürften die Unternehmer wohl selbst überzeugt sein, daß man in Solingen Arbeiterorganisationen nicht mehr aus der Welt schaffen kann, daß man sie zur Festsetzung der Lohn= und Arbeitsbedingungen in Anspruch nehmen muß und daß dieselben jeden Versuch, ihr Mitbestimmungsrecht zu ignoriren oder durch Verschleppungspolitik lahm zu legen, mit eiserner Zähigkeit bekämpfen werden. Wir sind uns nicht bewußt, in diesem Kampfe Ungehöriges und Unverschämtes verlangt zu haben. Wir thaten was Pflicht und Recht und kämpfen mit ehrenhaften Waffen und hoffen, daß diese Darlegungen vorurtheilslose Aufnahme bei allen finden möge, die im Interesse der Gesammtheit wünschen: Fleißiger Arbeit gerechten Lohn. Soeben erfahren wir noch, daß die Schlägereibesitzer auf ihrem Standpunkt, trotz des äußersten Entgegenkommens unsererseits, beharren und wenige unwesentliche Zugeständnisse gemacht haben. Wir bedauern es im Interesse einer friedlichen Beilegung der Differenzen, an eine Beendigung des Streiks ist jedoch noch nicht zu denken. Wo Maßregelungen und Lohnreduzirungen im Hintergrunde lauern, wo man nicht offen Farbe bekennt, kann von ehrlichem Frieden keine Rede sein. Wollen die Schlägereibesitzer eine Niederlage der Arbeiter, so mögen sie diese erkämpfen, freiwillig gehen wir nicht ins Joch. Wir werden den Kampf mit Ruhe und Entschlossenheit zu führen verstehen Streik=Komitee des Vereins der Messerschlägerei=Arbeiter.