Deutschland.
Berlin, 24. Okt.
* Der Bundesrath konnte, wie die Lippische Tageszeitung wissen will, bisher einen Beschluß darüber, ob er in der lippischen Angelegenheit zu. ständig sei oder nicht, noch nicht fassen, da der lippische Vertreter im letzten Augenblick um Aufschub bat. Lippe wolle noch ein Gutachten gegen die Zuständigkeit vorlegen. Das Gutachten, dessen Verfasser Professor Seydel in München ist, konnte noch nicht fertig gestellt werden.
* Auf das Gesuch des Centralausschusses hiefiger kaufmännischer Vereine beim Handelsminister eine staatliche Enquete über die Lage des Kleinhandels zu veranstalten, erfolgte die Antwort, es sei nicht angängig, die Erhebungen auf Preußen zu beschränken; Verhandlungen mit dem Reichskanzler ergaben, daß einer solchen Erhebung für dos Reich, so große Bedenken entgegensteben, daß eine solche nicht in Aussicht gestellt werden kann.
* Der preußische Landtag dürfte erst Mitte Januar kommenden Jahres einberufen werden. Das Abgeordnetenhaus wird alsdann im neuerbauten Geschäftshause tagen. Nach den bisherigen Bestimmungen wird die Eröffnung des neuen Abgeordnetenhauses, in das dann die neugewäblen Abgeordneten einziehen, in besonders feierlicher Weise erfolgen, da auch der Kaiser seine Theilnahme dar an in Aussicht gestellt hat.— Unter den Aufgaben welche die Arbeiten des neuen Landtages in besonderm Maße in Anspruch nehmen dürften, ist in erster Linie die große Mittellandkanal=Vorlage zu nennen, die einen Kostenauswand von etwa 300 Millionen erfordern wird. In Verbindung mit dem Bau des großen Kanals ist die Anlage von sieben Sonder= bezw Seitenkanälen und die Kanalisation der Weser von Bremen aus vorgesehen Ferner gilt auch die Einbringung einer Kommunalwahlreformvorlage im nächsten Landtag als gesichert.
* Die Wiener Neue Freie Presse meldet aus Konstantinopel: Als Kaiser Wilhelm die deutsche Schule besuchte, habe Baurath Kapp ihm erzählt, es habe ein hoher französischer Offizier ihm erst verflossene Woche in Paris gesagt, Dreysus sei unschuldig, neun Zehntel der französischen Offi
ziere seien hiervon überzeugt, nur die Generalto oler versuchten nach Jesuttenart, jede alte Lüge durch immer neue zu übertrumpfen. Der Kaiser habe darauf zustimmend genickt und gemeint: „Das Sonderbarste an der ganzen Affaire ist. daß diese Kunden glauben, ich hätte wirklich Briese an Dreysus geschrieben, und daß der Minister Hanotaux diese Briese für 27.000 Frc gekauft hat.“
Amerika.
* Washington, 23. Okt. Der den Spaniern für die Räumung Kubas bewilligte Aufschub wurde um einen Monat verlängert.
Von der Kaiserreise.
* Konstantinopel, 24. Okt. Unter den Geschenken des Sultans an den Kaiser Wilhelm befinden sich auch zwei Gemälde, die Schlacht bei Domokos und Kämpfe an dem Melunapasse darstellend, sowie verschiedene türkische Erzeugnisse. Nach dem Gelamlik überreichte der Sultan dem Kaiser eine kostbare Tabatière mit der Inschrift in türkischen Zeichen:„Zur Erinnerung an die Truppenschau während des zweiten Besuches des Kaisers Wilhelm“. Auf der anderen Seite trägt die Tabatière den Namenszug des Sultaus. Das Kaiserpaar spendete für die Armen und zu wohlthtigen Zwecken 16.000 und 40000 Fres. Alle Blätter veröffentlichen warme und herzliche Abschiedsartikel.
* Kairo, 24. Okt. Die Theilnehmer an der Festfahrt zur Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem trafen am Samstag Abend von Alexandrien ein, wohnten gestern dem Gottesdienste in der hiefigen deutschen Kirche bei und besichtigten dann die Gehenswürdigkeiten der Stadt. Heute erfolgt die Abreise von Alexandrien
nach Jaffa.
Rheiuland und Westfalen.
§ Burg a. d. W., 24. Okt. Während des dreißigjährigen Krieges, der unserm deutschen „Vaterlande so schwere Wunden geschlagen kat hat auch das alte bergische Residenzschloß„Burg" viel unter dem wechselnden Kriegsgeschick zu leiden gehabt. Eine Zeit lang hielten es die Schweden besetzt, die bei ihrem Abzuge unter dem Obristen von Plettenberg den Bergfried zerstörten. Zur Erinnerung an dieses historische Moment und zur Erinnerung an die 250jährige Wiederkehr des Tages, an welchem der westfälische Friede den 30jährigen Krieg beendete(24. Oktober 1648) hatte der Schloßbauverein beschlossen, in den wieder aufzubauenden Bergfried einen Gedenkstein einzumauern. Zu diesem Zwecke hatte sich heute Nachmittag auf Schloß Burg eine kleine Anzahl Herren, Freunde und Mitglieder des Schloßbauvereins, eingefunden, die mit regem Interesse an der historisch bedeutsamen Feier theilnahmen. Der Vorsitzende des Vereins Herr Julius Schumacher von Wermelskirchen verlas zunächst einen kurzen Abriß über die Geschichte des Schlosses Burg und dessen Schicksale während des dreißigjährigen Krieges. Sodann wurde der Stein enthüllt, der folgende Inschrift trägt:
Erbaut vor 1130 zerstört um 1648 Wiederaufbau begonnen 1896. Hierauf gelangte eine Urkunde zur Verlesung, die von den anwesenden Herren unterzeichnet und später mit eingemauert wurde. Herr Schumacher schloß seine Rede mit einem Hoch auf unser geliebtes bergisches Land. Der Schloßbaumeister Herr Fischer weihte nunmehr das Werk mit den ublichen drei Hammerschlägen im Namen des Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Er sprach den Wunsch aus, daß in nicht allzuferner Zeit es dem Verein vergönnt sein möge, auch auf der Zinne des Bergfriedes eine Tafel anzubringen. Er appellirte dabei an die Opferwilligkeit des bergischen Volkes, die es hoffentlich ermöglichen werde, die Kosten des Thurmhaues zu decken. Es wäre dann das bis
jetzt einzig dastehende Factum erreicht, daß nicht einzelne Wohlhabende, sondern ein Volk die alte
Burg seiner Fürsten aufbaute. Mit einem be
geitlert gufgenommenen Hoch auf S. Majestät den Kaiser wurde hierauf die Feier beendet.
Mögen die Wünsche, die an den Wiederaufbau des alten Vergfriedes geknüpft wurden, voll
inhaltlich in Erfüllung gehen, und das schone Streben des Schloßbauvereins im ganzen bergischen Volke die wohlver diente Unterstützung finden!
* Bohwinkel, 24. Okt. Auf dem hiesigen Bahnhofe ereignete sich ein bedauerliches Unglück. In ein Coupee dritter Klasse wollte ein Herr einsteigen, als er aber sah, daß es besetzt war, sprang er wieder vom Trittbrett ab und warf dabei die Wagenthür fest zu. Ein junger Mann, der an der Thür saß, hatte nun unglücklicherweise die Hand im Thürrahmen liegen, so daß ihm durch die Wucht, mit der die Thür zugeworsen wurde die fünf Finger der rechten Hand vollständig abgeg neischt wurden. Zwei Finger sielen in den Wagen und drei auf den Perron. Der Unglücksfall zeigt zur Genüge, welche Vorsicht man bei der Eisenbahnfahrt allenthalben zu beobachten hat.
*<space> D ü s s e l d o r f,<space> 2 4.<space> O k t.<space> H e u t e<space> f r ü h<space> s t a r d<space> a n<space> Herzschlag der weitern Kreisen bekannte Director unserer städtischen Töchterschule Dr. Uellner.
* Neuß, 24. Okt. Frhr. v. Leye wurde zum Landratb des hiesigen Kreises ernannt.
* Düren, 24 Okt. In Rath bei Bergheim erstach der Ackerer Wilhelm Henseler im Streite seinen Bruder mit einer Heugabel.
Mütheim a. d. R., 24 Okt. Die Typhusepidemte macht bedauerliche Fortschritte In den hiesigen Krankenhäusern liegen 24 Typhuskranke. Bis jetzt erlagen drei Personen dieser Krankheit.
Aus Stadt und Umgegen 9.
O Solingen, 25. Okt. Zur landespolizeilichen Adnahme der bis dahin fertiggesteklten Kreisbahnstrecken ist Termin auf Mittwoch, den 9. November anberaumt. Hierzu gehören die Sirecken Schlagbaum Ohligs, Schlagbaum=Wald (Bahnhof) und voraussichtlich auch Central=Gräfrath(Markt). Je nach dem Ausfall des Termins kann noch am selben, oder doch am folgenden Tage der Betrieb auf diesen Strecken eröffnet werden.
— Gestriger Straßenbahn=Verkehr: 5600, vorgestern 9200 Personen.
à Solingen, 25. Okt. Herr Hauptlehrer Cöntgen ist zum Rector ernannt worden.
a Solingen, 25. Okt. Es ist eine bekannte Sache, daß der Redaktion wohl der erste Maikäser oder auch der erste Schmetterling präsentirt wird, aber ein erster Hase, oder ein erstes Feldhuhn oder andere angenehme„erste“. Sachen werden niemals zur Prüfung vorgezeigt. Da macht die Solingen=Dortmunder Vereinsbrauerei in Höhscheid eine rühmliche Ausnahme: sie vergaß nicht, außer ihren Abnehmern und deren Stammgästen auch uns zum ersten Bier in das neueröffnete Lokal„Lindenhof“ einzuladen. Der „Lindenhof“ ist in der Hauptsache das bestens in Stand gesetzte schöne, fruhere Koch'sche Haus auf der Kirschheide, das, Ende des vorigen Jahrhunderts(1771) erbaut, als Zeuge vergangener Zeiten in die Gegenwart hineinragt. Erweitert sind die Räume durch einen modernen Saalbau, der ein sehr zahlreiches Piblikum zu beherbergen vermag. Der freundlichen Einladung war man allseitig mit großer Bereitwilligkeit gefolgt; von 5 Uhr Nachmittags an herrschte in den anheimelnden Räumen des„Lindenhof“ ein reges, trinkhastes Leben, und je weiter der Abend vorrückte, um so zahlreicher wurde der Besuch und um so höher stieg der Consum des Höhscheider Bieres. Den glaubhaften Versicherungen„trinkbarer" Männer zufolge— mit unserm eigenen Bierverstande“ ists nicht weit her— ist der Stoff ganz vorzüglich ausgefallen, und dies Urtheil findet als ein allgemeines seine Bestätigung durch die Thatsache, daß von 5 bis 11 Uhr Abends ungefähr 25 Hektoliter dieses süffigen Höhscheider Bieres verzapft wurden Wieviel Schnitichen mit Käse, Wurst und Schinken verzehrt und wie viel der bekannten lebenslänglichen Doktorzigarren geraucht worden sind: darüber ist leider keine Statistik vorhanden— es waren ihrer aber sehr viele. Und während in den Zimmern und im Saale wacker gezecht und immer noch Eins getrunken wurde, gabs auch auf der Ladebühne der Brauerei sortwährend Bier vom Faß, wovon nicht allein diejenigen profitirten, die im Restaurant keinen Platz mehr bekommen hatten, man wollte auch für den„Hausgebrauch“ etwas haben, und so kamen Frauen, Mädchen und Kinder in hellen Schaaren auf den Hof der Brauerei geströmt, alle bewaffnet mit großen Teuten, um diese füllen zu lassen. Zuerst wurden diese Wünsche auch erfüllt, später aber, als der Andrang schier zu groß wurde, wurde diese Art des Probetrunkes doch abgeschafft. Aber zum Gebrauch an Ort und Stelle gabs den Stoff in reichlichsten Mengen. Dies urvergnügte, frohbewegte Leben hielt wohl bis 10 Uhr Abends an, dann leerten sich allmälig die Räume des Restaurants, bis auch schließlich die Trinksestesten das letzte„zum Abgewöhnen“ intus hatten. Brauerei, Wirth und Publikum haben heute vielleicht nur einen und denselben Wunsch; die Brauerei hinsichtlich des flotten Consums, der Wirth hinsichtlich des regen Be suchs seiner hübschen Trinkanstalt und das Publikum schließlich hinsichtlich des Stoffes selbst, und dieser Wunsch läßt sich in die Worte zusammenfassen: O, daß es immer so bliebe!
[*) Solingen, 25. Okt. Wie aus dem Anzeigentheile ersichtlich, hält die hiesige Abtheilung des Deutschen Touren=Club(Allg. Radf. Union) am nächsten Freitag im Hotel Bayrischer Hof ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Ein beträchtlicher Theil der Mitglieder, deren die hiesige Section 50 zählt, hat in der verflossenen Saison Auslandsfahrten unternommen. Es mußten 30 Grenzscheine, die zur zollfreien Ueberschreitung der Grenze berechtigen, ausgestellt werden. Im Laufe des Winters wird eine Reihe von Vorträgen radtouristischer Art gehalten werden. Der zweite findet bereits am 12. November statt.
— Zwei Veranstaltungen bedeutsamer Art sind es, die die Aufmerksamkeit des Publikums für heute Abend zu sich hinüberztehen wollen. Wir meinen die heutige Vorstellung im Stadttheater, welche eine Aufführung des reizenden Lustspiels„Mauerblümchen" bringt. Da Millowitsch mit seiner Volksbühne herannaht, streicht unser Herr Director von Basttneller so lange die Segel, um das Gastspiel im Dezember hier fortzusetzen, wenn Millowitschs Herrschaft zu Ende sein wird. Darum finden vorläufig nur noch 3 Vorstellungen statt. Die andere Veranstaltung ist das große Garde=Militäreoucert bei Bungards am Grünewald, das ohne Zweifel lebhaften Besuch finden wird. Die Capelle ist unstreitig eine der
besten unseres preußischen Heeres, und ihre Concerte sind immer ein durchschlagender Erfolg.
= Golingen, 25. Okt. Die Polizei verhaftete drei Betrunkene und einen Arbetter wegen Nichtbeschaffung eines Unterkommens.
— In einem von mehreren Familien bewohnten Hause an der Irlerstraße entstand gestern ein Brand und zwar in einer Wohnung, deren Inhaber gerade auswärts weilten. Bei der Heimkehr fanden sie die Zimmer mit Rauch gefüllt: dem schnellen, umsichtigen Eingreisen der sofort aus dem Schlafe geweckten Nachbarn gelang es, die allein in der Wohnung anwesenden Kinder unversehrt ins Freie zu bringen und dem Feuer Einhalt zu thun.
Höhscheid, 25. Okt. Ein Mann von Kotterheidberg, der schon mehrn als in DeliriumAnfällen Familienangehörige schwer mißhandelt hat, verübte auch vor einigen Tagen wieder in einem ähnlichen Anfalle verschiedene Unthaten. Er mißhandelte Frau und Kinder, zertrümmerte die Fenster und nagelte dann die Zimmerthüren vor dieselben. Der Polizei, welche den Mann festnehmen wollte, widersekzte er sich mit aller Kraft, so daß man Mühe hatte, ihn in sicherm Gewahrsam zu bringen. Der Mann ist noch ärztlichem Ausspruch zeifteskrank und wird in einer Anstalt untergebracht werden.
A Wald, 24. Okt. Zu Central carambolirte gestern ein Kutschwagen mit einem Probe fahrenden Wagen der electrischen Kreisbahn. Durch den Anprall wurde die in der Kutsche sitzende junge Dame herausgeschleudert und erlitt anscheinend bedeutende Verletzungen an der Hand, der Kutscher kam mit dem Schrecken davon. Der Wagen wurde nur wenig beschädigt.— In der Locherstraße wurden gestern Abend gegen 7 Uhr zwei Mädchen von einem Kiel angefallen. Auf das Hülsegeschrei der Mädchen kamen mehrere Leute zu Hülfe geeilt, die den Burschen faßten und ihm eine gehörige Portion Prügel verabreichten. Leider übergab man den Attentäter nicht der Polizei.
Die Pest in Wien.
Am Sonntag stard wie schon kurz erwähnt, das zweite Opfer der surchtbaren Krankheit, Dr. Müller. Er ist wie ein Held in den Tod gegangen. Als er bemerkte, daß er angesteckt war, sagte er: also in fünf Tagen ist es aus mit mir. Eine gransame Ironie des Schicksals liegt darin, daß Dr. Müller, der in Indien gesund blieb, wo er zahlreiche Leichen sezirte, nun in Wien auf solche Weise der Seuche zum Opfer fallen mußte! Dr. Müllers Leiche wurde ohne Berührung in Leinwand eingeschlagen, mit Gutlimat getränkt und gefüllt, und so in einen Holzsarg gelegt, der mit karbolgetränkten Sägespänen gepolstert und ausgefüllt wurde. Der Holzsarg wurde darauf verkittet und in einen mit Sublimat getränkten Sack gesteckt und sodann in einen Metallsarg gesetzt, der durch Verlöthung lustdicht gemacht wurde. So wurde die Leiche zum Zentralfriedhof gebracht: Man gestattete weder den Angehörigen noch den Geistlichen, an den Sarg und das Grab heranzutreten.
Wie die letzte Oelung der beiden Pestkranken am Freitag vor sich ging, davon giebt das Wiener „Extrablatt“ folgende Schilderung: Der Pfarrer des Franz Josef=Spitals, geistlicher Rektor Josef Piffl. erschien im Kleide, das der feierliche Akt erheischt, in Begleitung eines Ministranten Gesolgt von den Beamten des Spitals, begab sich der Geistliche, das Allerheiligste in den Händen haltend und besend, nach dem Isolirgebände. Dieses selbst durfte der Priester nicht betreten, da er sich sonst selbst hätte isoliren lassen müssen. Der Priester trat an das Fenster des Krankenzimmers Dr. Müllers. Das Fenster mußte geschlossen bleiden. Der Krai ke erhob sich im Bette. Da die Ohrenbeichte von niemanden als vom Priester angehört werden darf, so wurde dem Todtkranken, da ein deraitiges Annähern nicht durchführbar war, die Aufzählung der Uebertretungen, deren er sich während seines Lebenslaufs gegen die zehn Gebote schuldig gemacht, erlassen. Dr. Müller rief so, daß man es von außen hören konnte:„Ich bereue alle meine Sünden!" Neben dem Bette des Kranken kniete die den Wärterinnendienst versehende Nonne und betete inbrünstig für den dem Tode Geweihten. Der Priester ertheilte hierauf dem Sterbenskranken die Absolution und zeigte ihm das Allerheiligste. Dies geschah an Stelle der Kommunion. Betend hob Dr Müller die gesalteten Hände gegen das Allerheiligste, dann sank er matt zurück in die Kissen.
Wien, 24 Okt. Der erste Staatsanwalt Ritter v. Kleehorn hat mit dem StaatsanwaltsSudstituten Baron Klingspor Erhebungen in Betreff eines etwaigen strafbaren Verschuldens bei den Pesterkrankungen, im Einvernehmen mit den obersten San tätsbehörden, angeordnet.
Paris, 24. Okt Gestern Abend hat das Pasteur=Institut, den telegraphischen Wünschen der Wiener Professoren Paltauf und Weichselbaum entsprechend, das ganze augenblicklich vorhanden gewesene Pestserum=Quantum nach Wien gesandt
Sitzung deingl. Schössengerichts zu Solingen vom 25 Oktober 1898.
Den Gerichtshof bilden:
1. eis Vorsttzender Herr Amtsrichter Arimond.
2. als Schössen die Herren: Fr. Wilh. Kuntze
und Paul Breit, beide von hier.
3. als Amtsanwalt Herr Stadtsekretär Hermes. 4. als Gerichtsschreiber Herr Assistent Fetzberger.
Die erste Sache endete mit der Verurtheilung des Angeklagten wegen Beamtenbeleidigung zu 10 M. ev. 2 Tagen Haft. Dem Kläger wurde Publikationsbefugniß zugesprochen.
Eine rohe Behandlung wurde dem Kind eines Arbeiters zu Theil. Der Mann lebte von seiner Frau getrennt und Keiner der Ehegatten sorgte für das Kind und auch die Großmutter wollte es nicht zu sich nehmen. Als es ihr eines Tages zugebracht wurde, warf sie es kurzweg auf die Straße, wo es sobange liegen blieb, bis andere mitleidige Leute das Kind zu sich nahmen. Sie war deshalb wegen Mißhandlung angeklagt, da sie schon 2mal wegen Bedrohung und Korperverletzung vorbestraft war, wurde sie mit Rücksicht auf die äußerst rohe Behandlung des Kindes zu 1 Monat Gesängniß verurtheilt.(Schluß f.)
199. Preußische Klassenlotterie.(4. Klasse.) Ziehung vom 24. Okt., Vorm.(O. S.)
Es fiel 1 Gewinn von 30000 Mk. auf Nr. 127 260, 2 Gewinne von 15000 Mk. auf Nr.
117 887 207 716, 1 Gewinn von 10000 Mk. auf Nr. 80 219, 1 Gewina von 5000 Mk. auf Nr. 51 020, 45 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 1800 3581 3928 29302 34 421 87233 38 600 41 426
42979 44 198 46 826 48 500 53 862 54 911 55 203 58 950 67086 74079 76 027 78 608 78 978 89.064 107 089 107 844 107 943 112 356 115 043 133 222 134 537 137007 137 854 139 253 142911 145 576 149042 175 804 176 212 181 167 181 569 185 336 188 715 219 306 222 427 222 665 224 083, 35 Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 9824 15291 38 917
43 780 45 545 55 127 61 940 68 864 69 088 70 306
75752 80 548 96 890 97087 103 236 108 122
109 731 112 436 120 917 144 284 147 662 157148 157 313 167 126 167 703 175 175 180 971 181 556 183 492 189 146 196 889 202 717 209 932 212325 218 110, 64 Gewinne von 500 Mk. auf Nr. 2058 9420 12 451 19280 20 228 21 876 22027 26 428 39 460 45 137 48661 52 532 59611 59 711 63 415 63442 64 529 68 585 70647 74001 76 444 80 320
81614 83 377 87687 88 808 90 232 93274 96 797
104 166 111 477 111 863 112 377 113 593 116913
127 785 129 726 133 672 135 383 138 332 139289
140 769 156 722 162078 163 529 165 032 176 917 177 898 186 198 189 698 190 124 190 217 193 403
198 922 201 787 212094 213 163 213 246 214 946
217715 217814 220 235 221 141 223831.
Ziehung vom 24. Okt., Nachm.
Es fielen 2 Gewinne von 30.000 Mk. auf Nr. 17316 181 803, 1 Gewinn von 15000 Mk auf Nr. 185 121, 1 Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 190 809, 5 Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 53 661 126 877, 202 844 204041 222 734, 47 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 1344 5511 12 394 12 654 16 103 16 732 24 195 28 565 36 957 41 234 42935 52439 60 286 66 062 70 438 73 243 73 560 81 977 91187 107 798 108 666 108 865 112 477 119637 120 077 121 931 124 203 125 890 127 186 129 134
133841 135 377 135 529 139 555 145 962 147463
169349 171 203 174 326 176 680 193040 195 604
196052 200 245 201744 202 987 221 974 33 Ge
winne von 1000 Mk. auf Nr. 5732 6293 9756 14024 18 425 20 560 61722 64 823 81 415 82 506 85 683 88677 89 464 90676 100 967 114 513 124 447 126 291 137 423 154 021 156 511 160 309 165 514 175 938 192649 193016 195 206 197623 201 502 216 418 219712 222990 224 970, 48 Gewinne von 500 Mk auf Nr. 6362 14 990 16 879 28 807 30 925 35 328 37 935 41 483 49 859 53 335 56 409 60 426 71 343 73 005 77994 80 593 81 742
82 890 89199 99277 101 963 112 268 119996
118 182 121 521 126 582 126 774 129 844 132 460 155 444 166 804 167 229 167 437 168 481 169 023 172 492 178 103 181 972 185 487 188 235 191 170
197632 207 425 209211 210 877 212 562 213 564 224 987.
Telegramme und neueste Nachrichten.
* Berlin, 25. Okt. Die Morgenblätter melden aus Wien: Die Wiener Aerzte beschlossen, eine Aktion zur Errichtung eines Denkmals für Dr. Müller im Arkadenhof der neuen Universität einzuleiten.
* Osnabrück, 24. Okt. Die Leiche des Bischofs von Osnabrück Dr. Hötring ist heute Abend aus Venedig hier eingetroffen und von einer großen Prozession unter überaus zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung empfangen werden. Die Leiche wird im bischöflichen Palais aufgebahrt, die Beisetzung im Dom findet am Mittwoch früh statt.
* Madrid, 24. Okt. Der Generalcapitän von Madrid hat die Einreichung seines Demissionsgesuches verschoben.
* Alexandrien, 24 Okt. Ein in Spanien und Frankreich wohlbekannter Anarchist ist gestern hier an Bord des Papayanni verhaftet worden; dieses Schiff war gekommen und ist nach Macedonien bestimmt. Der Verhaftete war von Italien nach Malta gereist, hatte sich dort für die Fahrt nach Alexandrien eingeschrieben und beabsichtigte, Palästina zu besuchen. Die Polizeibehörden sowie das britische und das italienische Consulat erwarteten ihn bereits hier in Alexandrien und er wurde festgenommen, als er an Land ging.
* Washington, 24. Okt. Man erwartet, daß die amerikanischen Friedenscommissare in Paris heute den spanischen Commissaren eine Art Ultimatum vorlegen werden, da sowohl MeKinley als auch die amerikanischen Commissare überzeugt sind, daß Spanien die Verhandlungen hinausziehe. Die Vereinigten Staaten werden durchaus keinen Theil der Schuld übernehmen, weder von Cuba noch von den Philippinen.
* Simla, 24. Okt. In der Stadt Bombay kamen in der letzten Woche 116 Todesfälle an der Pest, wogegen 20 in der Vorwochevor. In den übrigen Distrikten der Provinz Bombay Ktarben 4700 gegen 4300 der Vorwoche.
Die Pegamoid=Fabrikae(s. Instrat) weiche
in der Hamburger Ausstellung für Gesund heitepflege mit der goldenen Medaille und in der Ausstellung vom Rothen Kreuz mit der Staatsmedaille prämtirt worden sind. treten immer mehr in den Vordergrund des In teresses, wozu ihre bervorr agenden Eigenschaften berechtigen.
Es handelt sich nämlich um ein ganz neues Imprägnirungs-Verfahren von Geweben und Papieren, durch welches die so entstandenen Erzeugnisse, in erster Linie ein vorzüglicher Ersatz für Leder, Ledertuch und ähnliche Stoffe, folgende Eigenschaften erhalten:
Haltbarkeit.
Undurchdringlichkeit für Wasser, wisserige 25 sungen, Fette und ihnen verwandte Substanzen.
In Folge dessen
Abwaschbarkeit. Flecken aller Art lassen sich durch einsaches Abwaschen, wenn nöthig unter Beihilse von Seise und Desinsectionemitteln, vollständig entfernen.
Unangreisbarkeit durch die beim Reinigen etwa verwendeten chemischen Agentien, selbst mäßigen Säuren.
Uuempfindlichkeit gegen Einflüsse des Wechsels in Temperatur und Luftseuchtigkeit, selbst gegen große
Hitze.
Es ergiebt sich daraus von selbst die igroße Bedeutung dieser Erfindung auf allen jenen Gevieten auf welchen diese Eigenschaften theils aus ökonomischen, theils aus hygienischen Gründen als eine überaus werthvolle Errungenschaft erscheinen mussen.
Das Pegamoid-Leder ist daher für Polsterzwecke und Wandbekleidung bereits in großem Umsange in Hotels, Wohnhäusern, öffentlichen Gedäuden, Krankenhäusern 2c., besonders auch auf Schiffen der Katserlichen Marine zur Verwendung gelangt, wie auch die Verwaltung der Staaksbahnen bei Durchfuhrung der neuen Vorschriften zur Eisenbahubygiene den Pegamoid-Fabrikaten lebhaftes Int resse widmet.
Zeinere Metall=Messerschalen, Stanzen, Waurenzeichen sempel billigs. O. Stillgebauer, Friedrichstr. 56.