Nr. 250, 3. Blat.— 90. Erscheint täglich mit Ausnahne der Sonn= und Festage Abonnementspreis vierteljährlich in der Expedition 1 M. 75 pfe., bei den Kaiserl. Postanstalten 2 M. Fernsprech=Anschluß Nr. 24. Rotationsdruck und Verlag von B. Voll in Solingen. Dienstag, den 25. Oktober 1898. Anzeigenpreis für die 6 gespaltene Petitzeile 10 Pfg. Reklamen 30 Pfg. Schluß der Annahme für den betreffenden Tag Vormittags 10 Uhr. Größerr Arzeigen werden Tags vorher erbenen. Für die Redaction verantwortl. M. Schiwüra in Solingen. # O 0 Lämmtliche Lolster-Waaren in eigener Werkstatt aus nur bestem Material, in solidester Ausführung gefertigt. 0 in Bettsiamosen, Bett- und Möbelkattunen, Bett-Drellen und Jacquarts, Wollene Decken, Baumwollene Decken, Steppdecken m. Baumwoll-, Woll- u. Daunenfüllung, Bettfedern u. Daunen in wirklich staubfreier Waare. 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Das Gutachten, dessen Verfasser Professor Seydel in München ist, konnte noch nicht fertig gestellt werden. * Auf das Gesuch des Centralausschusses hiefiger kaufmännischer Vereine beim Handelsminister eine staatliche Enquete über die Lage des Kleinhandels zu veranstalten, erfolgte die Antwort, es sei nicht angängig, die Erhebungen auf Preußen zu beschränken; Verhandlungen mit dem Reichskanzler ergaben, daß einer solchen Erhebung für dos Reich, so große Bedenken entgegensteben, daß eine solche nicht in Aussicht gestellt werden kann. * Der preußische Landtag dürfte erst Mitte Januar kommenden Jahres einberufen werden. Das Abgeordnetenhaus wird alsdann im neuerbauten Geschäftshause tagen. Nach den bisherigen Bestimmungen wird die Eröffnung des neuen Abgeordnetenhauses, in das dann die neugewäblen Abgeordneten einziehen, in besonders feierlicher Weise erfolgen, da auch der Kaiser seine Theilnahme dar an in Aussicht gestellt hat.— Unter den Aufgaben welche die Arbeiten des neuen Landtages in besonderm Maße in Anspruch nehmen dürften, ist in erster Linie die große Mittellandkanal=Vorlage zu nennen, die einen Kostenauswand von etwa 300 Millionen erfordern wird. In Verbindung mit dem Bau des großen Kanals ist die Anlage von sieben Sonder= bezw Seitenkanälen und die Kanalisation der Weser von Bremen aus vorgesehen Ferner gilt auch die Einbringung einer Kommunalwahlreformvorlage im nächsten Landtag als gesichert. * Die Wiener Neue Freie Presse meldet aus Konstantinopel: Als Kaiser Wilhelm die deutsche Schule besuchte, habe Baurath Kapp ihm erzählt, es habe ein hoher französischer Offizier ihm erst verflossene Woche in Paris gesagt, Dreysus sei unschuldig, neun Zehntel der französischen Offiziere seien hiervon überzeugt, nur die Generalto oler versuchten nach Jesuttenart, jede alte Lüge durch immer neue zu übertrumpfen. Der Kaiser habe darauf zustimmend genickt und gemeint: „Das Sonderbarste an der ganzen Affaire ist. daß diese Kunden glauben, ich hätte wirklich Briese an Dreysus geschrieben, und daß der Minister Hanotaux diese Briese für 27.000 Frc gekauft hat.“ Amerika. * Washington, 23. Okt. Der den Spaniern für die Räumung Kubas bewilligte Aufschub wurde um einen Monat verlängert. Von der Kaiserreise. * Konstantinopel, 24. Okt. Unter den Geschenken des Sultans an den Kaiser Wilhelm befinden sich auch zwei Gemälde, die Schlacht bei Domokos und Kämpfe an dem Melunapasse darstellend, sowie verschiedene türkische Erzeugnisse. Nach dem Gelamlik überreichte der Sultan dem Kaiser eine kostbare Tabatière mit der Inschrift in türkischen Zeichen:„Zur Erinnerung an die Truppenschau während des zweiten Besuches des Kaisers Wilhelm“. Auf der anderen Seite trägt die Tabatière den Namenszug des Sultaus. Das Kaiserpaar spendete für die Armen und zu wohlthtigen Zwecken 16.000 und 40000 Fres. Alle Blätter veröffentlichen warme und herzliche Abschiedsartikel. * Kairo, 24. Okt. Die Theilnehmer an der Festfahrt zur Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem trafen am Samstag Abend von Alexandrien ein, wohnten gestern dem Gottesdienste in der hiefigen deutschen Kirche bei und besichtigten dann die Gehenswürdigkeiten der Stadt. Heute erfolgt die Abreise von Alexandrien nach Jaffa. Rheiuland und Westfalen. § Burg a. d. W., 24. Okt. Während des dreißigjährigen Krieges, der unserm deutschen „Vaterlande so schwere Wunden geschlagen kat hat auch das alte bergische Residenzschloß„Burg" viel unter dem wechselnden Kriegsgeschick zu leiden gehabt. Eine Zeit lang hielten es die Schweden besetzt, die bei ihrem Abzuge unter dem Obristen von Plettenberg den Bergfried zerstörten. Zur Erinnerung an dieses historische Moment und zur Erinnerung an die 250jährige Wiederkehr des Tages, an welchem der westfälische Friede den 30jährigen Krieg beendete(24. Oktober 1648) hatte der Schloßbauverein beschlossen, in den wieder aufzubauenden Bergfried einen Gedenkstein einzumauern. Zu diesem Zwecke hatte sich heute Nachmittag auf Schloß Burg eine kleine Anzahl Herren, Freunde und Mitglieder des Schloßbauvereins, eingefunden, die mit regem Interesse an der historisch bedeutsamen Feier theilnahmen. Der Vorsitzende des Vereins Herr Julius Schumacher von Wermelskirchen verlas zunächst einen kurzen Abriß über die Geschichte des Schlosses Burg und dessen Schicksale während des dreißigjährigen Krieges. Sodann wurde der Stein enthüllt, der folgende Inschrift trägt: Erbaut vor 1130 zerstört um 1648 Wiederaufbau begonnen 1896. Hierauf gelangte eine Urkunde zur Verlesung, die von den anwesenden Herren unterzeichnet und später mit eingemauert wurde. Herr Schumacher schloß seine Rede mit einem Hoch auf unser geliebtes bergisches Land. Der Schloßbaumeister Herr Fischer weihte nunmehr das Werk mit den ublichen drei Hammerschlägen im Namen des Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Er sprach den Wunsch aus, daß in nicht allzuferner Zeit es dem Verein vergönnt sein möge, auch auf der Zinne des Bergfriedes eine Tafel anzubringen. Er appellirte dabei an die Opferwilligkeit des bergischen Volkes, die es hoffentlich ermöglichen werde, die Kosten des Thurmhaues zu decken. Es wäre dann das bis jetzt einzig dastehende Factum erreicht, daß nicht einzelne Wohlhabende, sondern ein Volk die alte Burg seiner Fürsten aufbaute. Mit einem begeitlert gufgenommenen Hoch auf S. Majestät den Kaiser wurde hierauf die Feier beendet. Mögen die Wünsche, die an den Wiederaufbau des alten Vergfriedes geknüpft wurden, vollinhaltlich in Erfüllung gehen, und das schone Streben des Schloßbauvereins im ganzen bergischen Volke die wohlver diente Unterstützung finden! * Bohwinkel, 24. Okt. Auf dem hiesigen Bahnhofe ereignete sich ein bedauerliches Unglück. In ein Coupee dritter Klasse wollte ein Herr einsteigen, als er aber sah, daß es besetzt war, sprang er wieder vom Trittbrett ab und warf dabei die Wagenthür fest zu. Ein junger Mann, der an der Thür saß, hatte nun unglücklicherweise die Hand im Thürrahmen liegen, so daß ihm durch die Wucht, mit der die Thür zugeworsen wurde die fünf Finger der rechten Hand vollständig abgeg neischt wurden. Zwei Finger sielen in den Wagen und drei auf den Perron. Der Unglücksfall zeigt zur Genüge, welche Vorsicht man bei der Eisenbahnfahrt allenthalben zu beobachten hat. * D ü s s e l d o r f, 2 4. O k t. H e u t e f r ü h s t a r d a n Herzschlag der weitern Kreisen bekannte Director unserer städtischen Töchterschule Dr. Uellner. * Neuß, 24. Okt. Frhr. v. Leye wurde zum Landratb des hiesigen Kreises ernannt. * Düren, 24 Okt. In Rath bei Bergheim erstach der Ackerer Wilhelm Henseler im Streite seinen Bruder mit einer Heugabel. Mütheim a. d. R., 24 Okt. Die Typhusepidemte macht bedauerliche Fortschritte In den hiesigen Krankenhäusern liegen 24 Typhuskranke. Bis jetzt erlagen drei Personen dieser Krankheit. Aus Stadt und Umgegen 9. O Solingen, 25. Okt. Zur landespolizeilichen Adnahme der bis dahin fertiggesteklten Kreisbahnstrecken ist Termin auf Mittwoch, den 9. November anberaumt. Hierzu gehören die Sirecken Schlagbaum Ohligs, Schlagbaum=Wald (Bahnhof) und voraussichtlich auch Central=Gräfrath(Markt). Je nach dem Ausfall des Termins kann noch am selben, oder doch am folgenden Tage der Betrieb auf diesen Strecken eröffnet werden. — Gestriger Straßenbahn=Verkehr: 5600, vorgestern 9200 Personen. à Solingen, 25. Okt. Herr Hauptlehrer Cöntgen ist zum Rector ernannt worden. a Solingen, 25. Okt. Es ist eine bekannte Sache, daß der Redaktion wohl der erste Maikäser oder auch der erste Schmetterling präsentirt wird, aber ein erster Hase, oder ein erstes Feldhuhn oder andere angenehme„erste“. Sachen werden niemals zur Prüfung vorgezeigt. Da macht die Solingen=Dortmunder Vereinsbrauerei in Höhscheid eine rühmliche Ausnahme: sie vergaß nicht, außer ihren Abnehmern und deren Stammgästen auch uns zum ersten Bier in das neueröffnete Lokal„Lindenhof“ einzuladen. Der „Lindenhof“ ist in der Hauptsache das bestens in Stand gesetzte schöne, fruhere Koch'sche Haus auf der Kirschheide, das, Ende des vorigen Jahrhunderts(1771) erbaut, als Zeuge vergangener Zeiten in die Gegenwart hineinragt. Erweitert sind die Räume durch einen modernen Saalbau, der ein sehr zahlreiches Piblikum zu beherbergen vermag. Der freundlichen Einladung war man allseitig mit großer Bereitwilligkeit gefolgt; von 5 Uhr Nachmittags an herrschte in den anheimelnden Räumen des„Lindenhof“ ein reges, trinkhastes Leben, und je weiter der Abend vorrückte, um so zahlreicher wurde der Besuch und um so höher stieg der Consum des Höhscheider Bieres. Den glaubhaften Versicherungen„trinkbarer" Männer zufolge— mit unserm eigenen Bierverstande“ ists nicht weit her— ist der Stoff ganz vorzüglich ausgefallen, und dies Urtheil findet als ein allgemeines seine Bestätigung durch die Thatsache, daß von 5 bis 11 Uhr Abends ungefähr 25 Hektoliter dieses süffigen Höhscheider Bieres verzapft wurden Wieviel Schnitichen mit Käse, Wurst und Schinken verzehrt und wie viel der bekannten lebenslänglichen Doktorzigarren geraucht worden sind: darüber ist leider keine Statistik vorhanden— es waren ihrer aber sehr viele. Und während in den Zimmern und im Saale wacker gezecht und immer noch Eins getrunken wurde, gabs auch auf der Ladebühne der Brauerei sortwährend Bier vom Faß, wovon nicht allein diejenigen profitirten, die im Restaurant keinen Platz mehr bekommen hatten, man wollte auch für den„Hausgebrauch“ etwas haben, und so kamen Frauen, Mädchen und Kinder in hellen Schaaren auf den Hof der Brauerei geströmt, alle bewaffnet mit großen Teuten, um diese füllen zu lassen. Zuerst wurden diese Wünsche auch erfüllt, später aber, als der Andrang schier zu groß wurde, wurde diese Art des Probetrunkes doch abgeschafft. Aber zum Gebrauch an Ort und Stelle gabs den Stoff in reichlichsten Mengen. Dies urvergnügte, frohbewegte Leben hielt wohl bis 10 Uhr Abends an, dann leerten sich allmälig die Räume des Restaurants, bis auch schließlich die Trinksestesten das letzte„zum Abgewöhnen“ intus hatten. Brauerei, Wirth und Publikum haben heute vielleicht nur einen und denselben Wunsch; die Brauerei hinsichtlich des flotten Consums, der Wirth hinsichtlich des regen Be suchs seiner hübschen Trinkanstalt und das Publikum schließlich hinsichtlich des Stoffes selbst, und dieser Wunsch läßt sich in die Worte zusammenfassen: O, daß es immer so bliebe! [*) Solingen, 25. Okt. Wie aus dem Anzeigentheile ersichtlich, hält die hiesige Abtheilung des Deutschen Touren=Club(Allg. Radf. Union) am nächsten Freitag im Hotel Bayrischer Hof ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Ein beträchtlicher Theil der Mitglieder, deren die hiesige Section 50 zählt, hat in der verflossenen Saison Auslandsfahrten unternommen. Es mußten 30 Grenzscheine, die zur zollfreien Ueberschreitung der Grenze berechtigen, ausgestellt werden. Im Laufe des Winters wird eine Reihe von Vorträgen radtouristischer Art gehalten werden. Der zweite findet bereits am 12. November statt. — Zwei Veranstaltungen bedeutsamer Art sind es, die die Aufmerksamkeit des Publikums für heute Abend zu sich hinüberztehen wollen. Wir meinen die heutige Vorstellung im Stadttheater, welche eine Aufführung des reizenden Lustspiels„Mauerblümchen" bringt. Da Millowitsch mit seiner Volksbühne herannaht, streicht unser Herr Director von Basttneller so lange die Segel, um das Gastspiel im Dezember hier fortzusetzen, wenn Millowitschs Herrschaft zu Ende sein wird. Darum finden vorläufig nur noch 3 Vorstellungen statt. Die andere Veranstaltung ist das große Garde=Militäreoucert bei Bungards am Grünewald, das ohne Zweifel lebhaften Besuch finden wird. Die Capelle ist unstreitig eine der besten unseres preußischen Heeres, und ihre Concerte sind immer ein durchschlagender Erfolg. = Golingen, 25. Okt. Die Polizei verhaftete drei Betrunkene und einen Arbetter wegen Nichtbeschaffung eines Unterkommens. — In einem von mehreren Familien bewohnten Hause an der Irlerstraße entstand gestern ein Brand und zwar in einer Wohnung, deren Inhaber gerade auswärts weilten. Bei der Heimkehr fanden sie die Zimmer mit Rauch gefüllt: dem schnellen, umsichtigen Eingreisen der sofort aus dem Schlafe geweckten Nachbarn gelang es, die allein in der Wohnung anwesenden Kinder unversehrt ins Freie zu bringen und dem Feuer Einhalt zu thun. Höhscheid, 25. Okt. Ein Mann von Kotterheidberg, der schon mehrn als in DeliriumAnfällen Familienangehörige schwer mißhandelt hat, verübte auch vor einigen Tagen wieder in einem ähnlichen Anfalle verschiedene Unthaten. Er mißhandelte Frau und Kinder, zertrümmerte die Fenster und nagelte dann die Zimmerthüren vor dieselben. Der Polizei, welche den Mann festnehmen wollte, widersekzte er sich mit aller Kraft, so daß man Mühe hatte, ihn in sicherm Gewahrsam zu bringen. Der Mann ist noch ärztlichem Ausspruch zeifteskrank und wird in einer Anstalt untergebracht werden. A Wald, 24. Okt. Zu Central carambolirte gestern ein Kutschwagen mit einem Probe fahrenden Wagen der electrischen Kreisbahn. Durch den Anprall wurde die in der Kutsche sitzende junge Dame herausgeschleudert und erlitt anscheinend bedeutende Verletzungen an der Hand, der Kutscher kam mit dem Schrecken davon. Der Wagen wurde nur wenig beschädigt.— In der Locherstraße wurden gestern Abend gegen 7 Uhr zwei Mädchen von einem Kiel angefallen. Auf das Hülsegeschrei der Mädchen kamen mehrere Leute zu Hülfe geeilt, die den Burschen faßten und ihm eine gehörige Portion Prügel verabreichten. Leider übergab man den Attentäter nicht der Polizei. Die Pest in Wien. Am Sonntag stard wie schon kurz erwähnt, das zweite Opfer der surchtbaren Krankheit, Dr. Müller. Er ist wie ein Held in den Tod gegangen. Als er bemerkte, daß er angesteckt war, sagte er: also in fünf Tagen ist es aus mit mir. Eine gransame Ironie des Schicksals liegt darin, daß Dr. Müller, der in Indien gesund blieb, wo er zahlreiche Leichen sezirte, nun in Wien auf solche Weise der Seuche zum Opfer fallen mußte! Dr. Müllers Leiche wurde ohne Berührung in Leinwand eingeschlagen, mit Gutlimat getränkt und gefüllt, und so in einen Holzsarg gelegt, der mit karbolgetränkten Sägespänen gepolstert und ausgefüllt wurde. Der Holzsarg wurde darauf verkittet und in einen mit Sublimat getränkten Sack gesteckt und sodann in einen Metallsarg gesetzt, der durch Verlöthung lustdicht gemacht wurde. So wurde die Leiche zum Zentralfriedhof gebracht: Man gestattete weder den Angehörigen noch den Geistlichen, an den Sarg und das Grab heranzutreten. Wie die letzte Oelung der beiden Pestkranken am Freitag vor sich ging, davon giebt das Wiener „Extrablatt“ folgende Schilderung: Der Pfarrer des Franz Josef=Spitals, geistlicher Rektor Josef Piffl. erschien im Kleide, das der feierliche Akt erheischt, in Begleitung eines Ministranten Gesolgt von den Beamten des Spitals, begab sich der Geistliche, das Allerheiligste in den Händen haltend und besend, nach dem Isolirgebände. Dieses selbst durfte der Priester nicht betreten, da er sich sonst selbst hätte isoliren lassen müssen. Der Priester trat an das Fenster des Krankenzimmers Dr. Müllers. Das Fenster mußte geschlossen bleiden. Der Krai ke erhob sich im Bette. Da die Ohrenbeichte von niemanden als vom Priester angehört werden darf, so wurde dem Todtkranken, da ein deraitiges Annähern nicht durchführbar war, die Aufzählung der Uebertretungen, deren er sich während seines Lebenslaufs gegen die zehn Gebote schuldig gemacht, erlassen. Dr. Müller rief so, daß man es von außen hören konnte:„Ich bereue alle meine Sünden!" Neben dem Bette des Kranken kniete die den Wärterinnendienst versehende Nonne und betete inbrünstig für den dem Tode Geweihten. Der Priester ertheilte hierauf dem Sterbenskranken die Absolution und zeigte ihm das Allerheiligste. Dies geschah an Stelle der Kommunion. Betend hob Dr Müller die gesalteten Hände gegen das Allerheiligste, dann sank er matt zurück in die Kissen. Wien, 24 Okt. Der erste Staatsanwalt Ritter v. Kleehorn hat mit dem StaatsanwaltsSudstituten Baron Klingspor Erhebungen in Betreff eines etwaigen strafbaren Verschuldens bei den Pesterkrankungen, im Einvernehmen mit den obersten San tätsbehörden, angeordnet. Paris, 24. Okt Gestern Abend hat das Pasteur=Institut, den telegraphischen Wünschen der Wiener Professoren Paltauf und Weichselbaum entsprechend, das ganze augenblicklich vorhanden gewesene Pestserum=Quantum nach Wien gesandt Sitzung deingl. Schössengerichts zu Solingen vom 25 Oktober 1898. Den Gerichtshof bilden: 1. eis Vorsttzender Herr Amtsrichter Arimond. 2. als Schössen die Herren: Fr. Wilh. Kuntze und Paul Breit, beide von hier. 3. als Amtsanwalt Herr Stadtsekretär Hermes. 4. als Gerichtsschreiber Herr Assistent Fetzberger. Die erste Sache endete mit der Verurtheilung des Angeklagten wegen Beamtenbeleidigung zu 10 M. ev. 2 Tagen Haft. Dem Kläger wurde Publikationsbefugniß zugesprochen. Eine rohe Behandlung wurde dem Kind eines Arbeiters zu Theil. Der Mann lebte von seiner Frau getrennt und Keiner der Ehegatten sorgte für das Kind und auch die Großmutter wollte es nicht zu sich nehmen. Als es ihr eines Tages zugebracht wurde, warf sie es kurzweg auf die Straße, wo es sobange liegen blieb, bis andere mitleidige Leute das Kind zu sich nahmen. Sie war deshalb wegen Mißhandlung angeklagt, da sie schon 2mal wegen Bedrohung und Korperverletzung vorbestraft war, wurde sie mit Rücksicht auf die äußerst rohe Behandlung des Kindes zu 1 Monat Gesängniß verurtheilt.(Schluß f.) 199. Preußische Klassenlotterie.(4. Klasse.) Ziehung vom 24. Okt., Vorm.(O. S.) Es fiel 1 Gewinn von 30000 Mk. auf Nr. 127 260, 2 Gewinne von 15000 Mk. auf Nr. 117 887 207 716, 1 Gewinn von 10000 Mk. auf Nr. 80 219, 1 Gewina von 5000 Mk. auf Nr. 51 020, 45 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 1800 3581 3928 29302 34 421 87233 38 600 41 426 42979 44 198 46 826 48 500 53 862 54 911 55 203 58 950 67086 74079 76 027 78 608 78 978 89.064 107 089 107 844 107 943 112 356 115 043 133 222 134 537 137007 137 854 139 253 142911 145 576 149042 175 804 176 212 181 167 181 569 185 336 188 715 219 306 222 427 222 665 224 083, 35 Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 9824 15291 38 917 43 780 45 545 55 127 61 940 68 864 69 088 70 306 75752 80 548 96 890 97087 103 236 108 122 109 731 112 436 120 917 144 284 147 662 157148 157 313 167 126 167 703 175 175 180 971 181 556 183 492 189 146 196 889 202 717 209 932 212325 218 110, 64 Gewinne von 500 Mk. auf Nr. 2058 9420 12 451 19280 20 228 21 876 22027 26 428 39 460 45 137 48661 52 532 59611 59 711 63 415 63442 64 529 68 585 70647 74001 76 444 80 320 81614 83 377 87687 88 808 90 232 93274 96 797 104 166 111 477 111 863 112 377 113 593 116913 127 785 129 726 133 672 135 383 138 332 139289 140 769 156 722 162078 163 529 165 032 176 917 177 898 186 198 189 698 190 124 190 217 193 403 198 922 201 787 212094 213 163 213 246 214 946 217715 217814 220 235 221 141 223831. Ziehung vom 24. Okt., Nachm. Es fielen 2 Gewinne von 30.000 Mk. auf Nr. 17316 181 803, 1 Gewinn von 15000 Mk auf Nr. 185 121, 1 Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 190 809, 5 Gewinne von 5000 Mk. auf Nr. 53 661 126 877, 202 844 204041 222 734, 47 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 1344 5511 12 394 12 654 16 103 16 732 24 195 28 565 36 957 41 234 42935 52439 60 286 66 062 70 438 73 243 73 560 81 977 91187 107 798 108 666 108 865 112 477 119637 120 077 121 931 124 203 125 890 127 186 129 134 133841 135 377 135 529 139 555 145 962 147463 169349 171 203 174 326 176 680 193040 195 604 196052 200 245 201744 202 987 221 974 33 Gewinne von 1000 Mk. auf Nr. 5732 6293 9756 14024 18 425 20 560 61722 64 823 81 415 82 506 85 683 88677 89 464 90676 100 967 114 513 124 447 126 291 137 423 154 021 156 511 160 309 165 514 175 938 192649 193016 195 206 197623 201 502 216 418 219712 222990 224 970, 48 Gewinne von 500 Mk auf Nr. 6362 14 990 16 879 28 807 30 925 35 328 37 935 41 483 49 859 53 335 56 409 60 426 71 343 73 005 77994 80 593 81 742 82 890 89199 99277 101 963 112 268 119996 118 182 121 521 126 582 126 774 129 844 132 460 155 444 166 804 167 229 167 437 168 481 169 023 172 492 178 103 181 972 185 487 188 235 191 170 197632 207 425 209211 210 877 212 562 213 564 224 987. Telegramme und neueste Nachrichten. * Berlin, 25. Okt. Die Morgenblätter melden aus Wien: Die Wiener Aerzte beschlossen, eine Aktion zur Errichtung eines Denkmals für Dr. Müller im Arkadenhof der neuen Universität einzuleiten. * Osnabrück, 24. Okt. Die Leiche des Bischofs von Osnabrück Dr. Hötring ist heute Abend aus Venedig hier eingetroffen und von einer großen Prozession unter überaus zahlreicher Betheiligung der Bevölkerung empfangen werden. Die Leiche wird im bischöflichen Palais aufgebahrt, die Beisetzung im Dom findet am Mittwoch früh statt. * Madrid, 24. Okt. Der Generalcapitän von Madrid hat die Einreichung seines Demissionsgesuches verschoben. * Alexandrien, 24 Okt. Ein in Spanien und Frankreich wohlbekannter Anarchist ist gestern hier an Bord des Papayanni verhaftet worden; dieses Schiff war gekommen und ist nach Macedonien bestimmt. Der Verhaftete war von Italien nach Malta gereist, hatte sich dort für die Fahrt nach Alexandrien eingeschrieben und beabsichtigte, Palästina zu besuchen. Die Polizeibehörden sowie das britische und das italienische Consulat erwarteten ihn bereits hier in Alexandrien und er wurde festgenommen, als er an Land ging. * Washington, 24. Okt. Man erwartet, daß die amerikanischen Friedenscommissare in Paris heute den spanischen Commissaren eine Art Ultimatum vorlegen werden, da sowohl MeKinley als auch die amerikanischen Commissare überzeugt sind, daß Spanien die Verhandlungen hinausziehe. Die Vereinigten Staaten werden durchaus keinen Theil der Schuld übernehmen, weder von Cuba noch von den Philippinen. * Simla, 24. Okt. In der Stadt Bombay kamen in der letzten Woche 116 Todesfälle an der Pest, wogegen 20 in der Vorwochevor. In den übrigen Distrikten der Provinz Bombay Ktarben 4700 gegen 4300 der Vorwoche. Die Pegamoid=Fabrikae(s. Instrat) weiche in der Hamburger Ausstellung für Gesund heitepflege mit der goldenen Medaille und in der Ausstellung vom Rothen Kreuz mit der Staatsmedaille prämtirt worden sind. treten immer mehr in den Vordergrund des In teresses, wozu ihre bervorr agenden Eigenschaften berechtigen. Es handelt sich nämlich um ein ganz neues Imprägnirungs-Verfahren von Geweben und Papieren, durch welches die so entstandenen Erzeugnisse, in erster Linie ein vorzüglicher Ersatz für Leder, Ledertuch und ähnliche Stoffe, folgende Eigenschaften erhalten: Haltbarkeit. Undurchdringlichkeit für Wasser, wisserige 25 sungen, Fette und ihnen verwandte Substanzen. In Folge dessen Abwaschbarkeit. Flecken aller Art lassen sich durch einsaches Abwaschen, wenn nöthig unter Beihilse von Seise und Desinsectionemitteln, vollständig entfernen. Unangreisbarkeit durch die beim Reinigen etwa verwendeten chemischen Agentien, selbst mäßigen Säuren. Uuempfindlichkeit gegen Einflüsse des Wechsels in Temperatur und Luftseuchtigkeit, selbst gegen große Hitze. Es ergiebt sich daraus von selbst die igroße Bedeutung dieser Erfindung auf allen jenen Gevieten auf welchen diese Eigenschaften theils aus ökonomischen, theils aus hygienischen Gründen als eine überaus werthvolle Errungenschaft erscheinen mussen. Das Pegamoid-Leder ist daher für Polsterzwecke und Wandbekleidung bereits in großem Umsange in Hotels, Wohnhäusern, öffentlichen Gedäuden, Krankenhäusern 2c., besonders auch auf Schiffen der Katserlichen Marine zur Verwendung gelangt, wie auch die Verwaltung der Staaksbahnen bei Durchfuhrung der neuen Vorschriften zur Eisenbahubygiene den Pegamoid-Fabrikaten lebhaftes Int resse widmet. Zeinere Metall=Messerschalen, Stanzen, Waurenzeichen sempel billigs. O. Stillgebauer, Friedrichstr. 56. Svangelische Kleinkinderschule, Weegersraße. Sonntag, den 23. Oktober, Nachm. 5 Uhr: Versammlung der kousirmirten Junglinge. Es ladet zum Besuche berzlich ein Btecker Pir Bekamntmachung. Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 20 ds Mie die Wahlmännerwadl betressend, ich dierdurch zur Beunt nit, das für den 19. Bezirk an ##att dis Amtsgebändes Gras dof, die Schule Blumensraße Schulsaal unten liaks, 2. Thür als Wadllokal destimmt## 18. Solingen, 24. Oktober 1838 Der Oberbürgermeister: 2 Lrlanntmachung. In Gemäßheit des Baufluchtlinien gesetzts vom 2 Juli 1875 wirdd Stadtverordnetenbeschluß vom Oktober er unter Zustimmung de Polizei Verwaltung die Fluchtlinie fin die verlängerte Sternstraße, zwischen Burg= und Weststraße, hiermit ander weit festgesetzt Vorstehendes wird mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß ge bracht, daß der Plan vom 26. Oktober er. ab, 4 Wochen lang auf dem Stadt bauamte zu Jedermanns Einsich offen liegt. Einwendungen gegen diese Flucht linienfestsetzung können während d.: angegebenen Zeit beim hie sigen Ober bürgermeisteramt angebracht werden. Solingen den 22 Oktober 1898 Der Oberbürcermeißter: Dicke. Lelannmmachung. Augur Steinhaus, Solingen keavsichtigt auf dem Grundstück Flur 7, Nr 969/295, in der Stadt gemen de Ohligs ein Schlachthaus zu errichten, was mit dem Bemerken stermit zur öffentlichen Kenntniß ge bracht wird, daß Beschreibung, Si tuationszeichnung und Bauplan der pcojectirten Anlage auf dem hiesige Bürgermeisteramte während 14 Tager zur Einsicht offen liegen. Etwaige Einwendungen gegen die Errichtung dieser Anlage nicht privat rechtlicher Natur sind binnen eine Präclusiofrist von 14 Tagea, be ginnend mit Ablauf des Tages, an welchem das diese Bekanntmachun enthaltende Amtsblatt ausoe wird bei dem Unterzeichneten schrift lich in 2 Exemplaren oder zu Proto toll anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist könner Einwendungen in dem Versa### nicht mehr angebracht werden. Der Termin zur mündlichen Ei örterung der rechtzeitig erhobener Einwendungen wird hiermit auf der Vormittag 10 Uhr im hiesigen Rathhause unte der Eröffnung festgesetzt, daß im Fades Ausbleibens des Unternehmer## oder der Wit ersprechenden, gleichwob mit der Erörterung der Einwendunge wird vorgegangen werden. 433 Oblias, den 22. Oktober 1898. Die Polizel Verwaltung. Der Bürgermeister: Trommershau#u Trauer=Hüte, Flore, Handschuhe. Schmuck a. s. w. empfehlen i: stets gleich großer Auswahl zu allerbilligsten Preisen Hrandcie. 3524 Kaiserstrasse 114. Gerichtlicher Verkauf. Am Mittwoch, den 26. Oktober 189 Vormittags 11 Uhr, soll vor dem Hause der Wi thin Frau Car Baurmann zu Solingen, Kölner straße öffentlich meistbieteid gegebaare Zaylung versteigert werden: 1 Nähmaschine. 4945 Solingen, Der Gerichtsvollzieber Klosterwall 18. Dillenberger. Gerichtlicher Verkauf. Am Mittwoch, den 26. Oktober 189Vormittags 11 Uhr, sollen auf den Harkte zu Solingen öffentlichk meinbietend gegen daare Zahlunc versteigert werden:" 4946 1 Sopha, 2 Tische, 1 Buffetschrank rc. Solingen, Der Gerichtsvollzieher Wupperstraße. Saloweko Gerichtlicher Verkauf. Am Mutwoch, den 26. Oktober 1898 Vormittags 11 Uhr, sollen auf den Markte au Solingen öffentlich meistbietend gegen daare Zahlun versteigert werden: 4947 1. 1 grese. Kleiderschrank 1 Waschkommede usw. 2. 1 Vertikew, 1 Sepha. 3. 1 Aussiehtisch, 1 Verticew, 2 Spiegel. Ohstraße 2. Der Vertsgege Gerichtlicher Verlauf. Am Mittwoch, den 26. Oktober 1898 Vormitiaes 11 Uhr sollen auf dem alten Markte zu Solingen offentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 4918 1 Secretairschrank, 1 und ein Schrauk. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Casinostr. 32. Stange. Zurückgekehrt Dr. Mortcn, Kreisphysikus. 4908 Pr echten wensälischen Anmperutmer empfieblt 4338 Ernst Oberhössel, Fernsprecher Nr. 63, Solingen, Kaiserstr 100. Nationalliberale Partei. #### Wahlmänner wurden aufgestellt und werden dieselben vei der Wahl für unsere Candidaten: Hirnst v. Eynern Commerzienrath Fritz Beokmann Dr. Viotor Schnitzler eintreten: 1. Bezirk. Wahllokal: Schule Bergstraße, südl. Eingang, Thekailung.„ Schulsaal unten rechts I. Abthellung. tug. Böntgen, Rob. Philippi. 2.„ C. A. Willms, Franz Peres. 5.. Rich. Tückmantel, Joh Beckmann jr. Bezirk. Wahllokal: Schule Bergstraße, nördl. Eingang, Stiren Schulsaal unten links. I. Avihenlung. 5 Coppel, A. Kaulen. 2.„ W. Stader, G. Flucht. 3.„„ Ed. Blank, C. Thelemann. 6. Bezirk. Wahllokal: Schule Weeg, Schulsaal unten links. 1. Abtheilung: Rod. Felix, Oswald Kratz. „ Rob. Grah, Ferd. Broch „ R e c t o r G ö n t g e n, A n t o n H o f f m a n n. 4. Bczirk. Wahllokal: Schule Weeg, Schulsaal unten rechts. Abtheilung: Alf. Wolters, Alb. Lüttges. " Aug. Schnitzler, Fr. Hörster. „ Postdir. Schellbach, Jul. Müller. 5. Bezirk. Wahllokal: Schule Blumenstraße, Schulsaal Sbihan. unten links. I. Gotheilung: Hugo Schulder, Emil Höller. " Direktor Humbeck, Hermann Reckermann. „ Einnehmer Schmidi, Ernst Reckermann. 6. Bezirk. Wahllokal: Schule Blumenstraße, Schulsaal Abikanz unten rechts. 1. Sothenung: August Weber=Kölnerstr 76, Dr. Peter Hollmann Kölnerstr. 91. „ Eduard Becker=Blumenstr. 21, Rector Julius MinteurBlumenstr. 46. „ Paul Weck=Kölnerstr. 132, F. W. Kunze=Kölnerstr. 141. 7. Bezirk. Wahllokal: Schulsaal unten rechts Burgstraße, Whtbaux. g.#n..Lingang vom Hofe. I. abthellung. Ev. Wusthof, E H. Wundes. "„ Carl Lingohr sen., Rector Eichholz. 5.„ Ewald Obliger=Kronprinzenstr. 1, Ernst Reckermann jr. Burgstr. 31. 8. Bezirk. Wahllokal: Schule Augustastraße, nördlicher Eingang, Shirm Schulsaal unten gerade aus. 1. Golgeilung. Kobert Kirschbaum, Carl Theegarten. 2.„ Dr. Stratmann, C. Decker. 3.„ Dr. Schroeder, Emil Merten. 9. Bezirk. Wahllokal: Schützenburg, kleiner Saal. 1. Abtheilung: Heinr. Mütze, Herm. Konejung. 2.„ Wilh. Hartmann, Ernst Mertens. 3.„ Carl Kuntze, Rud. Haag. 10. Bezirk. Wahllokal: Schule Augustastraße westlicher Eingang, a#n„ Echulsaal unten geradeaus. Abtheitung: Kichard Raspe, D. Bremshey „ Ed. Gogarten, Carl Moryan. „ Lehrer Zimmermann, Ernst Birkendahl. 1I. beziri. Wahllokal: Schule Stöcken, Schulsaal unten rechts. Abtheilung: Hugo Friederichs=Stöcken, Albert Kayser=Kohlfurth. „ Herm. Hölterhoff=Stöckerberg, Walther Deus=Stöcken. 3.„ Aug. Obliger=Schrodtberg, Reinh. Krumm=Stöckerd. 12. Bezirk. Wahllokal: Schule Clauberg, altes Schulgebäude. 1. Abtheilung; O. Jagenberg. Ewald Frommann. Ernst Hugo Raspe, C. W. Everts. „ Chr. Winheller, Hauptlehrer Langenohl. 13 Bezirk. Wahllokul; Schule Dorperstraße, westlicher Eingang, unten rechts. Abtheilung: C. F. Decker, Rud. Flocke. " Carl Aug. Becher, Otto Fremken. „ Jul. Friedrichs, Walter Evertz. 14. Bezirk. Wahllokal: Schule Dorperstraße, westlicher Eingang, unten links. 1. Abtheilung: Max Brab, E. M. Baumann. " Dr. van Meenen, vacat. Cornelius Ohliger, Otto Pönitz. 5. Bezirk. Wahllokal: Schule Dorperstraße, östlicher Eingang, unten rechts. Abtheilung; Wilh. Maus, E. Triesch. " Fr. Hehemann, I. H. Gerbrach „ Rector Dahlmann, Carl Middelhoff. . Bezirk. Wahllokal: Schule Schulstraße, Eingang von der Straße, Schulsaal vorn rechts. Abtheilung: Commerzienrath Coppel, C. R. Pfeiffer. " Fr. Laysiepen, Alb. Schnitzler jr. " C. D. Schaaff, Carl Jul. Müller. Bezirk. Wahllokal: Schule Schulstraße. Eingang von der Straße, Schulsaal hinten rechts. Abtheilung: E. Rauh, C. J. Güth „ P. D. Witte, C. Wiesener. „ Ernst Neeff, Hugo Bick. 18. Bezirk. Wahllokal: Schule Schulstraße. Eingang von der Straße, Schulsaal vorn links. Abtheilung: P. R. Hendrichs, Aug. Melchlor. " Melchior Hopf, G. Tittmann. „ R. Offermann, Rob. Deus. ). Bezirk. Wahllokal: Schule Blumenstraße, Schulsaal unten links, 2. Thüre. Abtheilung: Julius Beyer, Otto Kümpel. „ Heinrich Gries, Johannes Engelbert. „ C. O. Heßmer, Carl Aug. Höhmann. Wahllokal: Schule Meigen, Schulsaal unten rechts. Wir bitten unsere Urwähler, sich die Namen der Wahhnänner ihres Bezirks vorzumerken und bei der Wahl punkt 11 Uhr zu erscheinen, da nur Derjenige zur Wahl zugelassen wird, der um 11 Uhr im Wahllokal ist. Das Wahl=Comitee.— Zugleich laden wir alle Freunde unserer Partei ein, an einer heute Dienstag Abend 8 ½ Uhr im Casé Germania statt findenden Besprechung der Wahl theilzunehmen. Namentlich werden alle Wahlmänner dringend gebeten, zu erscheinen.4u 7 93 SSStun. Zur FEIER des Zsführigen Subel-Postos Senntag, den 30. Oeteber, Abende 5½ Uhr 8. 9. F. Leu. Brahms Rubinstein. Schumann. Tschaikewsky G. Schumann. Kücken. Niels W.Gade Fr O.Sturm. Fr. Knappe. F. Leu. Loewe. C. Loewe. C. Loewe. Liszt. Veit. Schumann. 2. Opp, 4 In, Odi, p. sofort o#. nehrs. Sauerd., 5% Ziuf Off. erd. u L. 2 an die Exp. Abtheilung: Friedrich Herberz=Klingenstr., Carl Wilh. Linder" August Bick=Meigen, Carl Mottel=Klingenstraße. " Daniel Eppenstein=Meigen, Hauptlehrer Spannenberg=Meigen. 1. Bezirk. Wahllokal: Schule Kirschbaumshöhe, Schulsaal unten links. Abtheilung: vacat, vacat. „ S. Lauterjung, Rob. Tillmanns. E. Herbertz, Max Stamm. Wahllokal: Schule Krahenhöhe, Schulsaal unten rechts. Abtheilung: Friedr. Voos Kirdera, Julius Coertz=Ritterstraße. Aug. von Hahn, Schützenstraße, Wilhelm Herhaus, Schützenstraße. " Friedr. Küll, Schützenstr., Gust. Löhmer. Grünenbaumstraße. 3. Bezirk. Wahllokal: Schule Kirschbaumhöhe, Schulsaal unten rechts. Abtheilung: R. A. Herder, C. Eickhorn. „ C. Lütters jr., N. Kron. „ Hauptlehrer Vornemann, Rich. Böddinghaus. 24. Bezirk. Wahllokal: Evangelische Schule zu Bünkenberg. Abtheilung: Gustao Wolsertz= Unnersberg, Emanuel SchaafBreitbach. " Ewald vom Stein=Odenthal, Gerhard FondermannEichhol# " Lehrer Adolf Görlich=Wüstenhof, Julius BalkeZum Busch 5. Bezirk. Wahllokal: Schule zu Hästen, Schulsaal unten links. Abtheilung: Karl Müller, Schlicken, Ludw. Stock, Hästen. „ Jul. Hoppe, Hästen, Aug. Hartkopf, Scharshausen. Carl Willms, Meisenburg, Hermann Küllenberg. Pfaffenburg. 26. Bezirk. Wahllokal: Schule zu Dorperhof. im grossen Saale der Schützenburg unter Direetien des Herra Hasikdireter Frass Len. unter gütiger Mitwirkung des Kammersängers Herrn Carl Mayer, des Herrn A. Krögel, Professor am Conservatorium zu Köln, sowie der Capelle des InfReg. Nr. 39, Dirigent: Kgl. Musikdirigent Herr Kohn. I. Thell. 1. Ouverture zu Tannhäuser. ven Wagner. 2. Begrüssung. Chor mit Orchesterbegleitung 3. a) Von ewiger Liebe b) Die Waldhexe e) Der Hidalgo Herr Carl Mayer. 4. a) Andante cantabile a. d. Streichquartett Opus 11 b) Tanz der Sylphen und Satyren aus: Amor und Psyche 6. Wachet auf! Männerchor II. Theil. 6. Nachklänge an Ossian 7. a) Ich hör die Bächlein rauschen b) An den Frühling c) Abend am Meer a) Prinz Eugen, Ballade b) Hinkende Jamben c) Hochzeitslied Ballade Herr Carl Mayer. -. Ungarische Rhapsodie Nr. 3 10. a) Schön-Rothtraut b) Minnesänger c) Landsknecht, Chor m. Orchester begleitung" Herbeck. Nach dem Concert: FEST-BANKETT im Kaisersaale des Bayr. Hofes. Nentag, den 31. Octeber, Hergens 11 Uhr: Musikalischer Frühschoppen im Café Germania.— Abends 8 Uhr: Sänger-Commers im Kaisersaal des Bayr. Hotes. Kapelle: Musikcorps des Hus-Reg. König Wilhelm I. aus Bonn. Dirig.: Stabstrompeter Th. Bielefeld. Der Vorstand. Karten zum Concert à 2 Mark sind niedergelegt im Vereinslokale Bayr. Hof, Wwe. H. Grah, Wwe. 1.. Evertz. W. von zur Gathen, Fr Münster, Rud. Tückmantels Cigarrengeschäft Kaiserstrasse u. in der Buchhandlung von Otto Albert, Max Berns, Hermann Zander. =Casaapreie M. 2 50.—= Die Herren pass. Mitglieder haben nebst einer Dame freien Zutritt Bei dem Fest-Concert findet Restauration nur während der Pause im kleinen Saale statt.— Die Liste zum Festbankett liegt auf im Vereinslokale Bayr Hof und wird Donnerstag, den 27. cr. geschlossen. 02893 Naturheil=Verein Solingen. Mittwoch, den 26. Oktober, Abends 8 Uhr: Oeffentlicher „ 8 des Herrn Dr. à. rager, Elberfeld, im weißen Saale der Erholung. Thema: Gicht und Rheumatismus, deren Ursachen und Naturgemäße Behandlung. Eatree: Vorverkauf 20 Pfg., Casse 30 Pig. Freie Diskussion.— Die Herren Aerzte sind böfl eingeladen. 4941 Der Vorstand. Ein Schreinergeselle und ein Schreinerlehr: ling gesucht. 4918° Rheinstraße 2. D. Röt hrer Köhnen, gen. Röttgen. orstmann, Lehrer v. Grasen. 6, Schöne Aussicht. Im Hause Aölverstraße 69 is die erste Elage nehst Mansardenzimmern per nächsten Mai event, auch sofort zu vermiethen. 02913 Julius Tückmantel. Ein fleiß. Dienstm. wird auf sof ges. 9ur: Kaiserstraße 278. Zu vermiethen ungefähr in Mitte der Stadt ein Haus von 8 Räumen mit großem Hintergebaude für Fabri. kation oder Lagerraum sehr geeignet Näheres in der Exped. 4925 : Dienstmädchen gegen hohen Lohn sofort gesucht. Katserstraße 148. 2 anst. Leute erhalten Kos u. 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Der schöne Erfolg, welcher das Zusammengehen der Wähler der liberalen Parteien und des Centrums bei der letzten Reichstagswahl krönte, legte den Gedanken nahe, auch bei der Landtagswahl gemeinsam vorzugehen. Die Leiter der freifinnigen. Parteien des Kreises Solingen versuchten deshalb, mit der nationalliberalen Partei und dem Centrum eine Verständigung dahingehend zu erzielen, daß für die Landtagswahlen von jeder dieser drei Partcien ein Candidat zu nominiren sel. Nachdem diese Versuche an der stricten Ablehnung settens der Leiter der nationalliberalen Partei gescheitert, haben sich die Freisinnigen und die Centrumspartei dahin verständigt, zwei Candidaten der Freisinnigen und einen des Centrums aufzustellen. Wähler! Bei bevorstehenden Wahlen zum Landtage ertönt fast steis der Mahnruf: „Wählt Männer aus dem Kreise!“ Die Berechtigung dieses Rufes ist nicht zu verkennen, den solche Männer sind mit den wirthschaftlichen Bedürfnissen des Kreises am besten vertraut und dadurch in der Lage, die Interessen ihres Wahlkreises besser zu vertreten, als ein Abgeordneter, der fern von seinem Wahlkreise wohnt und erst dann die örtlichen Verhältnisse näher kennen lernt, wenn er kommt, um wiedergewählt zu werden. Stellte doch vor einiger Zeit einer unserer bisherigen Vertreter im Landtage bei einer Debatte die Behauptung auf, die Grunderwerbskosten der Eisenbahnstrecke Solingen=Remscheid seien von der Gemeinde Remscheid allein getragen worden, während doch, wie allgemein bekannt, Solingen eine ganz horrende Summe hat zahlen müssen. Wähler! Es ist uns nun gelungen, drei Candidaten in unserem Wahlkreise zu finden, welche durch langjährige Thätigkeit im öffentlichen Leben und durch die Bekleidung verschiedenster Ehrenämter im Wahlkreise allgemein bekannt und geachtet sind. Es sind dieses die Herren: Fabrikant Julius Hammesfahl in Wald, Richard Eickhoff in Remscheid, Rentner Friedr. Heuseler in Opladen. Getreu ihrer pelitischen Anschauung werden sie eintreten gegen jede Beschränkung des Vereins= und Versammlungsrechtes wie auch der Selbstverwaltung; sie sind durchdrungen von der Ueberzeugung, daß gleiches Recht für Alle walten muß, sie werden eintreten für den Abschluß der so nothwendigen Aufbesserung der Besoldung der Staatsbeamten und besonders der unteren Beamtenkkassen; die Pensionsverhältnisse und die Relictenversorgung der Gemeindebeamten und Volksschullehrer sind sie zu gewährleisten bereit; sie werden darauf bedacht sein, die Härten des Communalabgabengesetzes g beieilger allen Versuche, die Coalationsfreiheit der Arbeiter zu beschränken, werden sie entgegentreten, dagegen steis eine Erweiterung und Ausgestaltung des Coalationsrechtes, wie es der modernen Zeit entspricht, zu fördern suchen; alle Vorlagen und Anträge, welche geeignet sind, den religiösen Frieden zu stören, werden de zurüchneier die gradezu unerläßlich gewordere Umgestaltung des Dreiklassenwahlgesetzes in Staat und Gemeinde werden sie zu erreichen bestrebt sein; allen Reformen im Eisenbahnwesen werden sie zustimmen und insbesondere auch für eine Besserung der noch vielfach unzulänglichen Eisenbahnverhältnisse des bergischen Landes ihre Stimme erheben. Darum, Ihr Bürger in Stadt und Land, Ihr Kaufleute und Fabrikanten, Ihr Arbeiter und Handwerker, Ihr Lehrer und Beamte, auf zur Wahl am 27. Oktober. Wappnet Euch mit dem Selbstbewußtsein und dem Bürgerstolz, der von jeher bergischer Männer Zierde war. Tretet mit aller Kraft ein für die Wahl unserer Candidaten und tragt so das Eurige dazu bei, daß Euch endlich derjenige Einfluß auf das Staatswesen zutheil werde, der Euch kraft Eurer Intelligenz, Eurer wirth= Goldene Medallle Hamburg 1896. Staatsmedaille Berlin 1898. Vorzüglichsten Drsatz für Leder, Ledertuche und ähnliche Stoffe bilden die FEGAAOLB Fabrikate Eingetragene Schutzmarke, #re geschlossene innere Structur von bieher unerreichter Festigkeit gegen die mannigEinflüsse, welche auf Leder, Textilerseugnisse, Papiex etc beschädigende oder zerstörende durch ig tachen Wirkung ausüben, unempfindlich fühig gegen gegen Temperatureinflüsse, selbst hohe Hitze, widerstandsSäuren(Desintectionsmittel), daher von grosser Dauerhaftigkoit, undurchlässig für Wasser, wäserige Lösungen und rette aller Art, daher von grosser Sauberkolt bei einfachster Reinigungsmethode nittelst Wasser und Seife. In allen Farben und Pressungen hergestellt. Erprobt und bewährt in Verwendung für: Polsterzwecke, Wandbekleidung, Sattler-, Täschner- und Buchbinder-Arbeiten. 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Zwei Fragen sind es, die in der Kammer zu den lebhaftest.n Erörterungen Anlaß geben werden: die Dreysußangelegenheit und die Faschodafrage. Als die Missethat des Obersten Henry enthüllt wurde und als dadurch klar wurde, daß die Deputirten die einstimmig den Anschlag jener Cavaignaeschen Rede, die sich hauptsächlich auf die Henrysche Fälschung gestützt hatte, beschlossen hatten, als blamirte Europder“ bastanden, besand sich die Volksvertreiung in den Sommerferien. Wäre damals unter dem Eindrucke der Enthüllungen die Deputirtenkammer sofort einberusen worden, so hätte sicherlich ein Entschluß des Ministeriums durch die Revision des Dreysußprozesses die erlittene Blamage weit zu machen, den allgemeinsten Beifall gefunden. Nun sind aber seit dieser Katastraphe acht Wochen ins Land gegangen und es hat sich nicht nur der Eindruck fener Enthüllung naturgemäß abgeschwächt, sondern es ist auch dem Uebereiser der Dreysus=Freunde gelungen, die Volksstimmung wieder gegen ihre Sache einzunehmen. Denn das muß man zugeben, daß die Anhänger von Dreysus vielsach zu weit gehen, indem sie die Bevölkerung gegen die Armee aufzustacheln suchen und dadurch das nationale Empfinden des französischen Volkes verletzen. Dazu kommt, daß sich immer mehr die Socialisten in den Vordergrund der Vertheidiger des Dreysus stellen, sodaß die Bevölkerung unter dem Eindrucke stehen muß, daß ein Rehabilitirung von Dreysus zugleich als ein Sieg des Sozialismus ausgebeutet werden würde. Die Abneigung gegen den Sozialismus wurzelt aber bei dem besitzenden Theile der französischen Bevölkerung viel tiefer, etwa in Deutschland. So ist es gekommen, daß die Volksstimmung sich wieder sehr gewandelt hat. Wer aber die Geschichte des Parlamentarismus in Frankreich kennt, weiß, wie sehr der französische Abgeordnete sich von der allgemeinen Volksstimmung abhängig macht. Sprechen diese Faktoren zu Ungunsten der Dreyfussache, so ist ja auf der anderen Seite zuzugeben, daß durch die Aufdeckung der Henryschen Fälschung ein so grelles Licht auf die Unregelmäßigkeiten, die in der Dreyfusangelegenheiten begangen worden sind, geworsen ist, daß schon sehr viel Verstellungskunft dazu gehört, sich so blind zu stellen, als ob man dieses Licht nicht wahrnähme. Man sollte doch immerhin annehmen, daß unter den gemäßigten republikanischen Abgeordneten sich eine Anzahl finden wird, die Manneswürde genug besitzt, sich nicht blind stellen zu wollen. Sei. den gemäßigten Republikanern aber stebt die Entscheidung. Die Monarchisten, Klerikalen, Antisemiten und Nationalisten sind unter allen Umständen gegen Dreyfus. die große Masse der Sozialdemokraten und Radikalen ist für die Revision. Von der Zahl der gemäßigten Republianer, die sich in diesem Falle dem linken Flügel Die Sternwirthin. zählung von A. v. Hahn. er wollte in die Nebenstube gehen, der Bauer aber vertrat ihm den Weg und gebot finster: „Richts da, unter meinem Dach hast nichts mehr zu suchen. Geh' zu Deiner Dirn, Vater und Mutter hast' nicht mehr.“ „Ferdinand!“ kreischte die Wurzerin außer sich. „Laß mein Kind zu mir! Ich will meinen Benedikt haben, mein Kind! Geh' nicht von mir, mein Sohn!“ ächzte sie verzweifelt. „Willst“ mir auch den Muttersegen vorenthalten?“ fragte Venedikt in zorniger Erregung und wollte an dem Vater gewaltsam vorbeidrängen. „Grauchst ihn nicht!“ stieß ihn der Wurzer zurück und schob ihn zur andern Thür hin.„Geh nur so Deiner Wege, kommst dann vielleicht eher zurück.“ „Stoß mir den Sohn nicht zum Haus hinaus!“ schrie die Kranke.„Benedikt, Benedikt, geh nicht so von mir!“ „Laß nur, Mutterle, Deinen Segen hol' ich mir schon noch,“ rief Benedikt thränenerstickt über des Vaters Schulter, der ihn gewaltsam hinausdrängte.„Von Deinem Herzen bin ich ja nicht verstoßen und so lang ein Athemzug in mir noch lebt, will ich den Weg zu Dir schon finden: den soll mir weder der Vater noch sonst Jemand abschveiden, und wenn ich, wie ein Dieb, Nachts bei Dir einsteigen soll. Lebe wohl, Mutterle, bleib' gesund und denk, daß Du einen Sohn hast. der den lieben Gott täglich für Dein Leben und Deine Gesundheit anfleht. Darum bleib tapser, Mutterle, und halt Dich munter, denn ich brauch mein' Mutter jetzt doppelt, wo mich der Vater verstoßen hat. Hörst Mutierle?-Und wenn d'hörst, daß ich mik der Lenei zur Kirche geh'— dann bei' ein Vaterunser für unser Glück. B'hüt Dich Gott, Mutterle!“ Mit diesen schluchzend hervorgestoßenen Worten war Benedikt hinaus. Krachend schlug der Wurzer die Thür hinter ihm zu. Die Bäuerin aber stteß einen gellenden Schrei aus und streckte die Arme verzweifelt hinter dem Scheidenden her, als könne sie ihn durch die Mauer an ihr Herz zurück. reißen. „Was hast Dich denn wie eine Verdrehte?“ grobte der Bauer finster.„Meinst, er wird den Weg nicht zurückfinden? Denkst, die Dirn wird e aschlichen wuden niod un d. hängen, ob es dem Ministerium Brisson gelingen wird sich zu behaupten. Brisson ist derart für die Revision engagirt, daß er unmöglich mehr zurück kann; nimmt also die Kammer eine die auf die Herbeifährung der Revision gerichteten Schritte der Regierung tadelnde Resolution an, so muß Brisson sofort zurücktreten. Seine Situation wird noch dadurch erschwert, daß das Ministerium gerade in dieser wichtigen Frage nicht einig ist. Bigir ist ein offener Gegner der Revision, Sarrien vielleicht ein verkappter. Nun wird gerade Sarrien als Justizminister natürlich in die Dehatte über die Revision einzugreisen haben. Vertheidigt er dann die Revisionsangelegenheit nur in einer lauen Weise, so wird sich mancher Abgeordnete dadurch gedeckt fühlen, indem er sagen kann:„Wenn der Justizminisier, der doch die Akten genau kennen muß, so wenig Herz für die Revision hat, so brauche, ich nicht für die Revsion einzutreten!“ Damit beschwichtigt der Abgeordnete sein Gewissen und entspricht zugleich der Stimmung der Wählerschaft. So ist es also recht ungewiß, ob das Ministerium Brisson eine Mehrheit für die Aufsassung seines Präsidenten in der Angelegenheit finden wird. Lange wird diese Ungewißheit nicht andauern, denn schon in den ersten Tagen wird die Entscheidung der Kammer fallen müssen und selbst wenn in den ersten Tagen eine entscheidende Abstimmung nicht stattfinden sollte, so wird man doch einen Ue blick über die Deputirtenkammer erhalten. Von immerhin geringerem Belang ist die Faschodafrage. Go wichtig diese Angelegenheit auch ist, so nimmt sie doch in der öffentlichen Erörterung, nicht annähernd denselben Raum ein, wie die Dreysusangelegenheit. Dazu kommt, daß die Regierung eine Erörterung über diese Frage hinaus schieben kann, indem sie sich auf noch schwebende Verhandlungen mit der englischen Regierung beruft. Freilich wird auch diese Frage einmal die Kammer beschäftigen müssen, und wenn die französische Regierung sich genöthigt sehen sollte, den dasgruch auf Feschose austageben, so dirst auch diese Frage genügen, sie zu Fall ist aber sehr fraglich, ob es sich dann noch um eine Regierung des Herrn Brisson handeln wird und ob es nicht schon sein Nachfolger sein wird, der ihm in den Orkus folgen muß. In Frankreich reiten die Toten schnell. Landtagswahl. * Solingen, 25 Okt. Im Kaisersaal tagte gestern Abend eine vom nationalliberalen Wahlkomitee einberufene Wählerversamwlung, in welcher sich die drei Landtagscandidaten, die Herren von Eynern, Kommerzienrath Beckmann und Dr. Schnitzler den hiefigen Wählern vorstellten. Herr Franz Peres eröffnete namens des Wahlkomitees die Versammlung. Er dankte den Anwesenden für ihr Erscheinen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sie durch ihre Anwesenheit sich als Freunde der Kandidaten zu erkennen gegeben hätten. Er genügte sodann einer Ehrenpflicht, in dem er mit herzlich empfundenen Worten der Dankbarkeit der frühern Abgeordneten Herren v. Cuny und Bürgermeister a. D. Kelders gedachte. Ersteren, den bedeutenden rheinischen Juristen, der an der Ausarbeitung ihn nun annehmen, kommt?“ „Mein Sohn! Mein Sohn! Hast mir meinen Sohn genommen!“ wimmerte die Wurzerin gebrochen und sank in dem Stuhl zusammen, wie ein Halm, den der Sturm geknickt. „Wirst ihn gar bald wieder haben,“ hohnlachte der Bauer„Der Hunger wird ihn schon zurück. führen. Und die Dirn wird ihm jetzt auch heimleuchten, denn was soll sie mit einem Mann, der nicht einmal zur. Knechtserbeit taugt. Da thut sie besser, sie nimmt den ersten besten Lumpact von der Landstraß, der wenigstens Mark in den Knochen hat und zugreifen kann.“ „Daß ihn der Hunger nicht hertreibt, dafür will ich schon sorgen.“ fuhr die Wurzerin erbittert auf.„Ein Gottesgedanke wars, der mich geleitet hat, des Ohms Erbtheil nicht in Deine Hände zu legen. Das Geld soll jetzt der Venedikt haben. Ich wil's ihm zuführen, wo ich noch leb', denn wenn ich die Augen erst zugemacht hab', könnt's kommen, daß er keinen Gulden davon besieht. Meinst, ich weiß nicht was Du im Sinn haft, wie Du nur Tag und Nacht simulirst, ob ich auch zeitig genug in die Erd' gehen will, damit Du noch bei der Huberin zurecht kommst? sie Dir nur damals schon vehmen sollen! Aber da war sie eine arme Dirn, und Du hast die Mirzl vorgezogen, weil sie Dir ein Heirathsgut zugebracht hat. Unglücklich hast' mich gemacht!“ schluchzte sie herzbrechend.„Niemals hast mich gern gehabt und's herzlich mit mir gemeint, und seitdem ich stech und elend bin, bin ich Dir gar ein Dorn im Auge. Jetzt hast mir auch noch das letzte, einzige genommen, was meinen gequälten Tagen geblieben ist! Woich mein Venedikt nicht mehr hab', will ich die Sonn' nicht mehr seh'n — und kannst mich nur gleich verscharren lassen. — Hol sie Dir nur herein, die Huberin, jetzt ist sie ja eine reiche Wirid und paßt Dir gewiß in den Wurzerhof! Und Dein' Sohn stoß nur recht weit hinaus, damit Du alles los bist, was Dir zuwider ist. Siehst, darum hab' ich das Erbtheil vom Ohm nicht in Deine Hände gegeben, und hüt den Schatz wie mein Leben, weil es das einzige ist, von dem ich weiß, es bleibt dem Benedikt. Denn wenn erst fremde Hände hier schalten, ist sein Recht begraben. Gelt, das kränkt Deine Habgier recht? Meinst, ich weiß nicht, wie Du' mir die Jahr' nur gelassen hast, wie des bürgerlichen Gesetzbuches thätigen Antheil genommen, habe leider der Tod dem Wahlkreis und seinem deutschen Vaterland entrissen, übers Grab hinaus werde ihm aber das bergische Land eine dankbare Erinnerung bewahren Herr Kelders habe mit Rücksicht auf sein hohes Alter von der Uebernahme eines neuen Mandats Abstand nehmen müssen. auch ihm sei Dank zu zollen, für seine eifrige Theilnahme an den Arbeiten in den Kommissionen. Glücklich dürften wir uns aber schätzen, daß Herr v. Eynern wiederum bereit ist, den Kreis zu vertreten, dessen Interessen er schon seit 20 Jahren im Landtage wahrnimmt. Ehrensache sei es, dafür zu sorgen, daß er sein 25 jähr. Jubiläum als Abgeordneter unseres Kreises seiern kann. In den Herren Commerctenrath Beckmann und Dr. Schnitzler habe man 2 Kandidaten, die noch neu sind im parlamentarischen Leben. Der erstere sei ein lieber Mitbürger, von dem man weiß daß er überall den Platz ausfüllt auf den er hingestellt wird, daß er mit festem Willen auf das Ziel losgeht, das er sich einmal gesteckt hat. Seine Charactereigenschaften verbürgen uns, daß er den Interessen unseres Wahlkreises im Landtage Gehör verschaffen wird Herr Schnitzler, dessen Stammbaum hier im Bergischen wurzele. sei als rheinischer Jurist wohl berusen, dereinst den ehrenvollen Platz des Herrn v. Cuny einzunehmen. Herr Peres ertheilt hierauf das Wort Herrn v. Eynern. Derselbe führt aus: Als er vor zwanzig Jahren zum ersten Male sich im hiesigen Kreise um das Mandat beworben, habe er sein Programm dahin präctfirt, daß er in seiner politischen Wirksamkeit nie erlahmen würde in der Liebe zu Kaiser und Reich, daß er für eine freiheitliche Verfassung auf geistigem und kirchlichem Gebiete eintreten würde. Der Umstand, daß ihm 20 Jahre lang die Vertretung des Kreises anvertraut wurde, habe ihm den Beweis geliefert, daß sein Programm Beifall gefunden habe. Redner verbreitet sich sodann über seine Wirksamkeit im Landtage während der verflossenen 20 Jahre. Er sei eingetreten für die Erhaltung und Kräftizung der Wehrkraft der Nation, die um so nöthiger sei, als Frankreich noch immer seine Revanchepolitik verfolge. Die Armee dürfe nicht als Handelsobject für Parteibestrebungen und Sonderinteressen benutzt werden. Ein Ruhmestitel sei es für die nationalliberale Partei, daß sie im Verein mit den Konservativen und Freikonservativen für die Erhaltung und Stärkung der Armee eingetreten sei. Ebenso habe die Partei die Flottenvorlage unterstützt, mit welchem Recht, haben die Erfahrungen im spanischomerikanischen Kriege gezeigt, die zur Evidenz erwiesen, daß nur Der Recht behält, der die Macht hat, sein Recht zu wahren. Wollen wir unsere auswärtigen Besitzungen erhalten und vermehren, unsere nach auswärts arbeitende Industrie vor Vernichtung bewahren, so bedürsen wir einer starken Flotte, ohne indeß einer utopistischen Machtpolitik Vorschub zu leisten. Die Pflicht, unsere Industrie zu stärken, legt uns den weiteren Ausbau der Kanäle und der Eisenbahnen nahe. Für die Fortbildungs= und Fachschulen müssen größere Aufwendungen gemacht werden. Unser Eisenbahnwesen ist hinter der allgemeinen Entwickelung des Verkehrsbedürfnisses zurückgeblieben, was auf die Sparsamkeit der Finanzverwaltung zurückzuführen sei. Die Verhältnisse im Personenman dem kranken Kind ein Spielzeug läßt, das seinen starren Händen bald entfallen muß? Aber Du irrst Dich! Du bekommst's nicht! Das hab' ich gut versieckt, Du find'st nicht! Aber der Benedikt, der weiß, wo's ist, der wird's holen!“ Die Wurzerin brach in ein krankhaftes Gelächter aus, das in einen erschütternden Weinkrampf überging. Der Bauer hatte die Vorwürse und Anschuldigungen schweigend hingenommen und am Fenster stehend mit den Fingern auf der Scheibe getrommelt, als wenn's ihn nichts anginge, was die gereizte, kranke Frau sprach. Als er sie aber so schrecklich weinen hörte, mußte es ihm wohl doch aus Herz rühren, denn als sie ruhiger wurde, sagte er freundlicher, als er sonst mit ihr zu reden pflegte: „Ich will nicht mit Dir rechten um das, was Du mir heut angethan. Die Mutterliebe hat Dich verleitet, gegen mein Recht als Dein Eheherr aufzutreten. Ich will's zu dem Uebrigen legen, was mir der Tag heut gebracht hat. Jetzt aber hör Du mich an. Ich weiß, daß die Dirn den Benedikt nur nimmt, weil er der Wurzersohn ist. Wär er ein armer Bub, möcht's ihr nimmer einfallen, nach ihm umzuschauen. Gelt, das wirst“ selber nicht anders meinen? Ich hab mir jetzt gedacht, wir lassen's so eine Zeit hingeh'n. Bald sie sieht, daß er von uns verstoßen bleibt, wird sie selbst von ihm lassen. Nachher, wirst sehen, kommt der Bub schon selbst zur Vernunst zurück. Versprich mir nur, daß d'ihm kein Geld hinter meinem Rücken geben willst.“ „Da hinaus gehst“?“ siel die Kranke von neuer Aufregung ergriffen, schluchzend ein.„Da irrst', wenn Du meinst, mich so herumzukriegen. Für Deine Vaterlieb findst bei mir keinen Glauben mehr! Du hast nach Deinem Willen gethan, hast mir den Sohn vom Herzen gerissen— ich will jetzt auch thun, was mir recht erscheint— und mir erscheint's recht, wenn er die Dirn nimmt!“ und Aüderneriche sotten vialioch uoc sder Doschreibung. Die Entwicklung unserer Indusirie wird durch diese mißlichen Verkehrsverhältnisse gehemmt und er würde nicht würdig sein, den Wahlkreis mit seiner hochbedeutsamen Industrie zu vertreten, wenn er nicht fortgesetzt auf die Nothwendigkeit einschneidender Besserungen hinweisen würde. Zwischen Landwirthschaft und Industrie könne er keinen grundsätzlichen Widerstreit der Interessen anerkennen. Gehe es der Landwirthschaft gut, so habe die Industrie Nutzen davon und umgekehrt. Beim Abschluß der nächsten Handelsverträge seien beider Interessen zu wahren. Redner kommt dann auf sein Verhältniß zum Ultramontanismus zu sprechen. Das Bändniß der freifinnigen mit der Centrumspartei sei für ihn eine ganz neue Firma, bisher habe es immer noch für eine technische Unmöglichkeit gegolten, daß Feuer und Wosser zusammenwirken. Vielleicht sei es eine Gesellschaft m. b. H.(wie man in Berlin übersetze: mit besonderen Hintergedanken). Er habe mit Staunen gelesen, was in dem Wahlaufruf der Freisinnigen und des Centrums alles gesagt sei. Er weise die Behauptung zurück, daß er gesagt haben sollte, Remscheid habe die Grunderwerbskosten für die Bahn Solingen=Remscheid allein getragen. Niemals habe er eine so dumme Behauptung aufgestellt. Er habe gesagt, von Remscheid seien die Gesammtkosten aufgestellt und auch die Verhandlungen mit der Regierung gepflogen worden, aber Solingen habe seinen ratirlichen Antheil bezahlt. Auf eine andere Anzapfung erwidere er, daß er ein bergischer Mann sei, im Bergischen wohne und bergische Interessen vertrete. Der Wahlaufruf stelle sich auf einen rein materialistischen Standpunkt. Merkwürdigerweise sei darin von den Geistesgütern der Nation, die wir gegenüber dem Centrum zu wahren haben, gar nicht die Rede. Die Fortschrittsparteien stehen in erster Linie mit uns auf dem Standpunkt, daß die Schule dem Staate gehöre, während das Centrum die Schule der Kirche ausliefern will. Wir wollen mit der kathol. Kirche in Frieden leben. Er gelte zwar als Kulturkämpfer, aber nie sei ihm eingefallen, in das Glaudensgebiet der Katholiken hineinzugreifen. Zu Unrecht seien im Abgeordnetenhaus von der Centrumspartei Klagen auf dem Gebiete der Parität erhoben worden, daß katholische Beamte gegen protestantische zurückgesetzt worden seien. Wir wollen den Katholiken alle Rechte zukommen lassen, wollen aber nicht für die Schule die Herrschaft der Kirche auerkennen. Das ist die Freiheit, für die bisher auch die fortschrittlichen Elemente gekämpft haben, die sie aber mit einer solchen Vereinigung zu Grabe tragen. Redner verspricht im Landtage einzutreten für die Relictenversorgung der Volksschullehrer, für die Schaffung eines Volksschulunterhaltungsgesetzes, das eine gerechtere Vertheilung der Volksschullasten auf stärkere Schultern bezweckt, denn die Schulunterhaltungskosten drückten die Gemeinden enorm und lassen sie nicht zu einer behäbigen Existenz kommen. Für die Rechte des Volkes werde er eintreten wie bisher und nie nachlassen, die nationalen Güter zu fördern, damit seinen Theil dazu beitragend, das deutsche Reich innerhalb und außerhalb seiner Grenzen zu kräftigen und zu neuem steigenden Glanze zu erheben. Lebhafte Braverufe wurden dem Redner zu Theil. mir erscheint's recht, wenn er die Dirn nimmt Eine Weile noch ging der Streit zwischen dem Ehepaar hin und her. Die Wurzerin deharrte eigensinnig auf ihrem Plan, dem Venedikt das Geld schon jetzt zu geben, damit er unabhängig vom Vater thun könnte, was sein Herz verlangte. Schwer erbittert verließ der Bauer sein Weid. ging ruhig überlegend in seiner Stude auf und ab, Pläue schmiedend und verwerfend, wie er die In schmerzlichster Erregung war Benedikt in den Stern hinübergegangen, um der Lenei die Wendung seines Schicksals und die gefallene Entscheidung mitzutheilen. Sie saß mit ihrer Mutter plaudernd in der Hinterstube. Der Wirth hatte ihr in froher Hoffnungsstimmung ein Stündl freigegeben und bediente die Gäste selbst. In kurzen Worten berichtete Benedikt den traurigen Erfolg seiner Unterhandlungen mit dem Vater „Wenn's nicht ist, dann ist's eben nicht,“ warf der Lenet Mutter patzig hin, die Zeuge der Unterredung war, noch ehe Lenei den Mund zum Sprechen aufthun konnte.„Gelt, Lenei, brauchst Dir die Augen noch nicht nach einem Freier auszuschau'n? Es giebt voch andere, die Dich mögen,“ setzte sie in gekränktem Mutterstolz hinzu. Sie verstand den traurigen Blick nicht, mit dem der Benedikt erst sie und dann die Lenei ansah. Die aber wußt's wohl, was in ihm vorging, und es rührte auch ihr Herz. Darum ries sie ärgerlich:„Laßt nur das mein“ Sach' sein Mutter Der Venedikt und ich, wir werden schon allein fertig. Was willst jetzt thun, Benedikt?“ „Was Du mich thun heißt!“ gad er beklommen zurück. „Mußt halt“ wieder hingeh'n, und wir müssen schau'n, wie die Sach' weiter läuft,“ meinte Lenei darauf zaghaft. „Und Du nimmst Dir einen Mann, der Dich vor aller Welt zum Weib begehren kann.“ schaltete die Alte bissig ein. „Seid still, Mutter,“ gebot Lenei Irzürnt. „Geh' nur jetzt wieder heim, Venedikt, das ist am End' das Beste, was Du thun kannst.“ „Ich heimgehen?“ rief er mit aufflammender Entrüstung.„Nimmer! Jetzt ist das Band zerchnitten. Jetzt gehör' ich zu Dir und vor aller Welt sollst“ jetzt mein Verspruch haben. Kein Mensch soll mir das jetzt noch hindern. Gelt,“ fuhr er tunig fort,„jetzt wirst' nimmer an meiner Lieb zweiseln und wirst's glauben, daß ich alles für Dich thun und gleich in den Tod für Dich gehen könnt!"(Fortsetzung folgt) 1 — Hierauf sprach Herr Dr. Victor Schnitzle:= Köln, der sich als Abkömnling eines bergischen Geschlechts vorstellte, das durch seine Thatkraft und Energie noch in der heutigen Generation hier guten Klang habe. Er sei der Urenkel des vor hundert Jahren in Gräfrath wirkenden Bürgermeisters Schnitzler. Indem er betont, daß er zur nationalliberalen Partei gehört und daß bei all seinem Thun und Handeln die Liebe zum angestammten Herrscherhaus das erste Leitmotiv sei. präcifrt er seine Stellung zu den wirthchaftlichen Fragen. Er wolle dafür kämpfen, daß der Staat Herr in seinem Hause bleibe und daß keine Kirche die Rechte des Staates beschneide. Die Paritätsbestrebungen des Centrums seien nicht ernst zu nehmen. Alle Preußen seien vor dem Gesetze gleich, selbstverständlich müsse aber dem Staate das Recht eingeräumt werden, seine Beamten da zu suchen, wo er sie am tüchtigsten zu finden glaubt. Ernster sei der Kompf um die Schule. Was das Centrum will, hat es gezeigt durch die Windihorst'sche Resolutionen von 1888, an die sich der Zedlitz'sche Schulgesetzentwurf anlehnte, der von der natior alliberalen Partei abgelehnt wurde. Das Freizügigkeitsgesetz weide er schützen und für eine bessere Gestaltung des Vereinsgesetzes eintreten, das heute noch auf dem § 8 beruhte und die Vereinigung politischer Vereine untereinander verbietet. Ebenso müsse der Bauhandwerker vor gewissenlosen Speculanten geschützt werden durch eine hypothekarische Eicherstellung seiner Forderungen. Den kleinen Kaufleuten und Gewerbetreibenden müsse durch die Besteuerung der Großbazare geholfen werden. Allerdings durse auch hier der Bogen nicht zu straff gespannt werden, da bei einer Unterbindung des Lebensnerves die vielen kleinen Leute und Handwerker, die in den Waarenhäusern ihren Erwerb finden, existenzlos würden. Eine Aenderung des Londtagswahlrechts sei nothwendig. Ferner trete er ein für den Ausbau der Wasserstraßen, sei aber gegen den Fiscalismus der Eisenbahnen. Die Vermehrung der Waggons, die Tarifresorm, Bahnhofsbauten, alles werde aufgeschoben, um nur große Ueberschüsse für den Staatshaushalt zu erzielen. Der Verquickung des Eisenbahn= Etats mit dem Staatsbaus haltsetat müsse ein Ende gemacht werden. Er sei viel gereist, aber einen Bahnhof wie den Solinger habe er nicht gesehen, er habe ihn beim ersten Mal für eine kleine Haltestelle oder einen Güterbahnhof gehalten. Hier die bessernde Hand anzulegen, sei Pflicht des Vertreters. Nothwendig sei auch eine Resorm der Kommunalsteuern und die Erleichterung des Real= und Personalkredits. Zum Schlußseines Vortrages versichert Herr Dr. Schnitzler daß er bei seiner Wahl nach Kräften arbeiten werde, das in ihn gesetzte Vertrauen zu rechtsertigen Herr Commercienrath Beckmann nimmt Eingangs seiner Rede Bezug auf ein Eingesandt des KreisIntelligenzblattes, in welchem ein Freisinniger behauptete, die Erklärung des Amtsrichter Schauß, die freisinnige Partei habe nicht versucht, mit der nationalliberalen Partei Fühlung zu nehmen, entspräche nicht der Wahrheit. Wenn er sich recht entfinne, habe Herr Schauß gesagt, von Seiten der Fortschrittsparteten sei kein offizieller Antrag an die liberale Partei zu gemeinsamem Handeln gestellt worden. Das sei richtig. Er habe zwar Besprechungen mit zwei Mitgliedern der freiäinnigen Partei gehabt, die ihn aber nicht offiziell besuchten und ihm die Frage nahelegten, ob es nicht möglich sei, zusammen zu operiren. Daran knüpften sie aber die Bedingung, daß ein Kandidat der nationalliberolen, einer der freisinnigen Partei und einer dem Centrum entnommen würde. Zugleich ließen sie durchdlicken, daß dem Centrum Herr v. Eynern schwerlich genehm sein würde. Er habe ihnen darauf hin nicht verhehlt, daß ihm dieser Antrag unsympathisch war und glaube auch, daß die Anwesenden der Ansicht sind, daß ein Eingeben auf solche Vorschläge nicht möglich war.(Zustimmende Ruse.) Unter keinen Umständen hätte die Partei Herrn v. Eynern, der 20 Jahre den Kreis vertritt, dem Centrum geopfert. Wenn wir uns dem Centrum für die Unterstützung des liberalen Candidaten gelegentlich der Reichstagswahl verpflichtet fühlen, wären wir das ebenso gut gegenüber der Schumacher'schen Partei, die uns auch in der Stichwahl unterstützte. Redner kommt dann auf seine Candidatur zu sprechen, die er lediglich dem Ruse, nicht dem eigenen Triebe folgend, angenommen habe. Er sei sich bewußt, daß er keine großen parlamentarischen Lorbeeren ernten werde, aber er sei bereit, so viel in seinen Kräften stehe, dem Wohle der Vaterstadt und des Wahlkreises zu dienen indem er, ähnlich wie Herr Kelders, in den Commissionsberathungen seine Erfahrungen zum Nutzen des Ganzen verwerihen wolle. Er werde jede Vorlage von dem Gesichtspunkte prüfen, wie wird das auf meinen Wahlkreis und meine liebe Stadt Solingen wirken. Wo der Schuh hier drücke, daß wisse er ja genau. Wollte man ihm also daraufhin seine Stimme geben, so würde er dafür dankbar sein. Nachdem Redner unter lebhaftem Beifall geendet, ergreift Herr Peres das Wort, um nochmals die Vorverhandlungen zu den diesjährigen. Landtagswahlen klar zu legen. Er kommt zu der Ansicht, daß das Centrum einen Faden gesponnen habe, um v. Eynern aus dem Kreis hinauszuwerfen. Die Herren Sabin und Hammesfahr, die als Fortschrittler mit Herrn Commerzienrath Beckmann verhandelten, hätten sich wohl selbst sagen müssen, daß auf ihre Vorschläge kein Eingehen möglich war. Herr Sabin habe zwar erklärt, als er damals mit dem Centrum zwecks Unterstützung seiner Reichstagskandidatur unterhandelte, es seien ihm vom Centrum keinerlei Versprechungen abgenommen worden. Das sei wahr, es stehe aber fest, daß das Centrum gesagt habe, zum Dank für unsere Unterstützung wünschen wir, daß bei der nächsten Landtagswahl Herr v. Eynern hinausfliegt. Seitens der natl Partei sei loyal verhandelt worden. Redner weist dann darauf hin, daß trotz der gegenseitigen Befehdung die staatserhaltenden Parteien doch zusammenstehen in der Liebe zu Kaiser und Reich und schließt hierauf die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. * Am Sonntag hatte eine natl. Wählerversammlung in Burscheid stattgefunden, heute Abend findet eine solche in Ohligs statt. Nönigl. Standesamt Solingen vom 22. und 23. Ottober 1893. Sterbefälle: Schuhmacher Beier Josef Rang. 64 J, verh, Theegarten Johanne Denriette Boos, geb Dannenberg. 58 J., verd Clauberg. Kurt Oskar Röttger, 3 J., Vorspel. Hetratben: Fabrikarbeiter Franz Schuster und Martha Groihe, d. h. Logerarbeiter Johann Hell und Katharine Hilger, v. h. Mess rreider Peter Basawe u. Hedwig Hellerbruch, 5 h. Fabrik arbeiter Carl Schmidt u. Johanne Birkendabl, b. d. Fabrikardeiter Hermann Fild und Lina Schmitz, b. h. Fabr.karbetter Severin Büche! und Helene Wiedenbrück, b. h. Schleifer Leonh. Klocke u. Bernhardine Rubl, b. v. Messerreider Ernst Aug Hass ldusch und Ida Grab, b. b. Maurer Carl Eberi g und Emilie Paashaus, b. b. Heftemacher Ernst Machenbach und Auguste Klopp, b h Erdarbeiter Jakob Mankau Fridertke Beckmann, b. b. Aufgebote: Käsehändler Peter Steinbach und Elisabeih Adams, d. b. Messerreider Ernst Odliger und Emma Jaspers, b. h. Pocker Robert Benninghoven, Remscheid und Bertha Nohl, hiers. 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November ab findet im innern deutschen Verkehr die Drucksochentaxe auf Drucksachen in Form offener Deppelkarten auch dann Anwe dung, wenn sich auf der Antwort= karte Postwerthzeichen befinden. Berlin, W., 17 Oktober 1893 Der Staatssekretär des Reichs Postamts: von Bodbielski. Nus Grühsatiger Kanf eichert den Besits d. in gan: Deutschl. erlaubten wohlfahrtsLoose 143.30, Porto LoUDU s. Liste 300 extra un brschen d. boroches Ochstzgchtet28. Kovbr. T5ss We r 6 Baar-Geld“A##g 100,000M! 50,000 A 25,000M! 15,000M u. u. w. eind die Hauptgewiane. Lesse zu besichen vein Gasert Eae. Muller& Ca., Berlin C., Breitestr. 5. „Ig. Holingen bei Josua Schwidt u. Eicelbeck, Nordstraße 1, Ewa Meis, Albert Obliser. BenkMovel=Schreiner in weiße. W. v. 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