einzige Lösung wäre die Bildung eines nationalen Cabinets; dies aber sei unter dem gegenwärtigen Regime unmöglich Der Redner wird durch energische Protestrufe unterbrochen und erwidert hierauf. indem er ein Wiener Telegramm zu verlesen versucht, welches in der europäischen Presse circulirt hat.(Der Lärm wird größer und der Redner wird zum zweiten Male zur Ordnung gerufen.) Ministerpräsident Sa­gasta erklärt, wer Salmeron höre, könne nicht glauben, daß Spanien in zwei coloniale Aufstände und in einen Krieg verwickelt sei, keiner würde diesen Deputirten für einen Spa­nier halten.(Salmeron ruft:„Ich bin ebenso Spanier, wie der Ministerpräsident.“(Rufe:„Hinaus! Hinaus!") Sa­gasta wendet sich sodann gegen diejenigen, welche aus dem Unglück des Vaterlandes im persönlichen Interesse Nutzen ziehen wollen und forbert dringliche Abstimmung über die Vorlage betr. die Kriegskredite. Die Vorlage wird hierauf definitiv angenommen, desgleichen das Amendement, welches besagt, daß die in Spanien wohnhaften Besitzer von Titres in Pesetas bezahlt werden sollen.

Die spanische Flotte ist nach Cadix zurückgekehrt. Die Amerikaner denken infolgedessen daran, jetzt energischer gegen Cuba und Puerto Rico vorzugehen.

England.

London, 9. Mai. Die vornehmsten Londoner Clubs be­kunden ihre Sympathie für die nordamerikanische Union da­durch, daß sie neben der britischen auch die amerikanische Fahne herausgesteckt haben. Auf gleiche Weise sind auch die Wägelchen der großen Zeitungen, weiche die neuesten Aus­gaben im Sturm in die verschiedenen Stadttheile hinein­fahren, geschmückt. Der Engländer legt sich, wie man hier sagt, immer auf die„schwere Seite“.

aus den Verhandlungen der Stadt­verordnetenversammlung zu Königswinter

vom 13. Mai 1898.

Anwesend waren Bürgermeister Kreip als Vorsitzender, die Beigeordneten Volkmuth und Gilgenberg. die Stadtverord­neten Bachem, Beckmann, Bellinghausen, Edelhoff, Ittenbach, Pätz, Richarz, Rings, Spindler.

Es fehlten die Herren Bonn, Biesenbach, Ermekeil, Lem­merz, Mülhens, Dr. Peusquens, Schaefer, Schumacher.

Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende ein Schreiben der Königl. Eisenbahn=Betriebs=Inspection Neuwied, worin in Erwiderung auf das an die Eisenbahn­Direction zu Köln gerichtete Schreiben vom 15. Februar 1898 mitgetheilt wird, daß beabsichtigt werde, neben der be­stehenden Schranke des Bahnhofs=Ueberganges eine besondere Schranke für den Fußgänger=Verkehr anzulegen und diese Schranken=Anlage durch einen besonderen Wärter bedienen zu lassen. Es wurde beschlossen, diesen Gegenstand zusammen mit Punkt 2 der Tagesordnung zu berathen.

Ad pos. 1 der Tagesordnung„Beschaffung eines neuen Sprengwagens und eines Schlammwagens" wurde auf An­trag der Baucommission die Anschaffung eines neuen von einem Pferde gezogenen Sprengwagens, sowie eines Schlamm­wagens für Handbetrieb beschlossen und dafür ein Credit von zusammen 960 Mark bewilligt.

Ad pos. 2„Canalisation des Grabens in der Bahnhof­straße vor den Anlagen“, faßte die Versammlung folgenden Beschluß:

„Obgleich die Stadtverordneten=Versammlung nach wie vor die Möglichkeit zur Hedung der Mißstände an dem Eisenbahn=Uebergang in der Bahnhofstraße hierselbst nur in der Errichtung einer Unterführung zu erkennen vermag, erklärt sie sich dennoch mit der nördlichen Schranken­Anlage für den Fußgänger=Verkehr einverstanden und be­willigt zu diesem Zwecke für die Canalisirung des Baches vor dem Eisenbahnkörper einen Credit von Mk. 500 in der Voraussetzung, daß die Durchführung der Trottoirs nach dem vorliegenden Plane des Stadtbaumeisters von der Eisenbahn=Verwaltung gebilligt wird.“

Ad pos. 3„Vertrag mit der Eisenbahnverwaltung betr. Verlegung eines Wasserleitungsrohres unter dem Bahnkörper" berichtete der Vorsitzende, daß die Eisenbahnverwaltung die Verlegung eines Wasserleitungsrohres unter dem Bahnkörper an dem Eisenbahnübergang oberhalb des Kreuzpützchens, unter gewissen Bedingungen, insbesondere Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 3 Mark gestattet habe. Ueber die eingegangenen Verpflichtungen habe er Namens der Stadt ein Anerkenntniß ausstellen müssen, welchem die St.=.=V. nachträglich ihre Genehmigung ertheilte.

Ad pos. 4„Vertrag mit der Postverwaltung betr. tele­phonische Verbindung der Pumpstation des Wasserwerks mit dem Rathhause“, wurde vertagt.

Ad pos. 5„Rechnung der städtischen Sparkasse pro 1897 legte der Vorsitzende die von dem Herrn Rendanten C. Mörer aufgestellte und von dem Verwaltungsrathe geprüfte und für richtig befundene Rechnung der städtischen Sparkasse pro 1897 vor. Die Versammlung beschloß von der von dem Vor­sitzenden vorgeschlagenen nochmaligen Prüfung der Rechnung durch eine besondere Commission abzusehen und ertheilte dem Herrn Rendanten C. Mörer Entlastung.

Die Bilanz der Rechnung schließt auf der Activ= und Passivseite mit einer Gesammtsumme von 1507875,18 Mk. Das Gewinn= und Verlustconto im Debet und Credit mit 61 925,59 Mk. Der erzielte Reingewinn beträgt 14406.66 M. Der erzielte Zinsertrag des Reservesonds 504.47 Mk.

Ad pos. 6„Aufstellung neuer Laternen“ wurde beschlossen, den der Meerkatzstraße gegenüberstehenden Candelaber an die neuerbaute Freitreppe zu versetzen und mit einer neuen Gas­glühlichtlaterne zu versehen. Die alte Laterne soll auf einen Wandarm an der Ecke des Koch'schen Gartens angebracht werden. Ferner soll auf der Niederdollendorfer Straße. Ecke der projektirten Clemensstraße, ein neuer Gascandelaber aus­gestellt werden, auf welchen die Laterne des an der Fritzen­mühle stehenden Candelabers aufgesetzt werden soll. Dieser letztere Candelaber soll eine neue Gasglühlichtlaterne erhalten Für die Ausführung wurde ein Credit von 190 M. bewilligt.

Der Antrag auf Anbringung einer Laterne in der Mitte der Klotzstraße wurde vertagt.

Ad pos. 7„Gesuch des Herrn Joc. Stang und Genossen betr. Umsatzsteuererhebung" wurde vertagt.

Ad pos. 8 Gesuch des Herrn Andreas Müsgen und Ge­nossen berr. Anlage einer Treppe in der Werftmauer in der Axe der Bungertsstraße" wurde Ablehnung beschlossen. Ad pos. 9 Gesuch des Herrn I. Nierhoff um Feststellung der Lustbarkeitssteuer für 2 Schießbuden“ wurde beschlossen, die Lustbarkeitssteuer für die Schießbude auf dem Petersberg auf 50., für die projektirte Schießbude am Drachenfelser Wege auf 200 M. pro Jahr festzusetzen.

Ad pos. 10„Gesuch der Wwe. L. Koch um Beseitigung der Wagebude am Rheinufer“ wurde Ablehrung beschlossen.

X Vermischte Nachrichten.

I nonigswinter, 13. Mai. Am nächsten Sonntag den 15. c. wud das von Herrn Fritz Klein am Fuße des Drachenfels neu erbaute Hotel unter dem Namen„Westfälischer Hof“ eröffnet. Die Ausführung des stattlichen und schönen Baues ist ungemein schnell gesördert worden. Derselbe enthält außer vier großen Restaurationsräumen, von denen zwei sich zu einem Saale vereinigen lassen, 22 Logirzimmer. Er ist selbstredend mit allen Bequemlichkeiten der Neuzeit ausge­stattet und bietet von fast allen Zimmern sowie von der Terrasse aus eine überraschend schöne Aussicht auf das nahe Gebirge.

Königswinter, 12. Mai. Das diesjährige Sommerfest des Niederrheinischen Philisterverbandes katholischer farben­trugenden Studentenverbindungen findet am Pfingstdienstag den 31. Mai cr. auf dem Petersberge statt. Im Programm ist vorgesehen Frühschoppen in den Gartenanlagen des Bürger­Casino, Auffahrt in 2 Extrazügen zum Petersberge; daselbst Festessen mit anschließendem Commers im großen Saale des Petersberghotels. Die Musik stellt das Trompetercorps der Deutzer Kürassiere.

* Königswinter, 12. Mai. Durch Explosion einer Löthelampe wurde der bei der Firma Spindler& Söhne beschäftigte Maschinist G. Strack von hier schwer im Gesicht und an beiden Händen verletzt, so daß er sofort ärztliche Hülfe nachsuchen mußte

Königswinter, 12. Mai. Vom 11. Mai ab ist der Sprechverkehr zwischen Berg. Gladbach, Bonn, Cöln(Rhein), Euskirchen, Godesberg, Königswinter, Mülheim(Rhein) und Siegburg einerseits und Meschede und Olsberg andererseits zugelassen.

Die Gebühr für das gewöhnliche einfache Gespräch beträgt 1 Mark.

* Oberdollendorf, 13. Mai. Die feierliche Einführung des für hier ernannten Pfarrers Herrn Stickelbrucks findet am Donnerstag vor Pfingsten, 26. Mai, statt

* Godesberg, 13. Mai. Zur Einweihung der hiesigen Dampfschiff=Landebrücke soll, genügende Betheiligung voraus gesetzt, am 18. d. M. eine Festfahrt bie Coblenz und zurück stattfinden. Die Abfahrt ist auf 9 Uhr Vormittags ab Godesberg, die Rückkehr auf 5 Uhr Nachmittags angesetzt Das Mittagessen soll auf dem Schiffe eingenommen werden

Köln, 12. Mai. In der gestrigen Stadtverordneten-Ver­sammlung wurde dem Verein zur Verschönerung des Sieben gebirges einstimmig ein Betrag von 100000 M. zur Erhal­tung des Siebengebirges bewilligt.

— An den Festlichkeiten bei Gelegenheit der Einweihung des neuen Hafens werden die Minister Miquel, Frhr. von der Recke und Brefeld theilnehmen.

—(Wohlwollend.) Sergeant(zum Rekruten, der auf Besehl beim langsamen Schritt üben schon längere Zeit auf einem Bein steht):„Nicht wahr, das gefällt Ihnen, Schmidt. mit dem einen Beine so nichts thun?!“

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