Ect des 32.„Jahrgang Königswinter, —— Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis vierteljährlich 1 Mk. 25 Pfg. Durch die Post bezogen vierteljährlich 1 Mk. 25 Pfg. Anzeigen: die 6spaltige Garmond=Zeile oder deren Raum 10 Pfg. Mar Samstag den 14. Mai 1898. M 39. Agentur: Niederdollendorf, Wittwe Weber. Expedition: Königswinter, Hauptstraße Nr. 69. von A. Tillewein in Königawinter. Deutschland. Berlin, 12. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin werden Sonntag zum Besuch in Straßburg eintreffen. — Der neu ernannte Erzbischof von Freiburg Dr. Komp ist in Mainz plötzlich gestorben. Der Prälat war 70 Jahre alt und war seit 1894 Bischof von Fulda. Die Leiche desselben wird zu Fulda in der St. Michaelskirche aufgebahrt. — Der„Reichsanzeiger“ schreibt: In einem Theile der Presse wird die Nachricht verbreitet, es sei ein Gesetzentwurf betr. die Abänderung des verfassungsmäßigen Reichstagswahlrechts, in Vorbereitung begriffen oder gar schon ausgearbeitet.— Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß innerhalb der Regierung keinerlei Erwägungen stattgefunden haben, welche auch nur den entferntesten Anhalt zu dieser Nachricht bieten könnten; dieselbe beruht somit in ihrem ganzen Umfange auf Erfindung. — Das preußische Abgeordnetenhaus hat Mittwoch endgiltig und zum Theil ohne Debatte und jedenfalls ohne erbeblichere Debatte die Eisenbahnvorlage, die Arbeiterwohnungsorlage und die kleineren Kirchengesetze für Schleswig=Holstein und den Consistorialbezirk Wiesbaden, für die Hohenzollernschen Lande, für die acht älteren Provinzen der Monarchie, und betreffend die Bildung von Parochialverbänden in Schleswig=Holstein ohne Debatte angenommen.— Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Berathung des Gesetzentwurfs betreffend das Anerbenrecht in Westfalen und .n: niederrheinischen Kreisen Rees, Essen, Duisburg, Ruhroit und Mülheim a. d. Ruhr. Landwirthschaftsminister v. Hammerstein leugnete, daß die Absicht bestehe, das Gesetz schablonenmäßig auch auf andere Landestheile anzuwenden. Die in der Vorlage vorgesehene Regelung des bäuerlichen Erbrechts sei durchaus nur den besonderen Eigenthümlichkeiten Westfalens angepaßt. Abg. Schmiding(nl.) würde die Erledigung des Entwurfs lieber dem nächsten Landtage überlassen. Man solle das Anerbenrecht obligatorisch machen, aber jedem Besitzer die Möglichkeit geben, sein Gut von der Geltung des Gesetzes auszuschließen; nur auf diesem Wege werde die Sitte, soweit sie der Erhaltung bedürfe und werth sei, erhalten werden. Auch Abg. Gamp(fre.) ist gegen die Durchpeitschung der Vorlage, während die conservativen Abgeordneten Sielermann und Klasing sich für ihre sofortige Erleoigung erklären. Abg. Lotichius(nl.) protestirte gegen eine etwaige Ausdehnung des Gesetzes auf Rheinland und Hessen=Nassau. Nachdem noch die Abgeordneten Sattler(nl.), v. Piettenberg(cons.), Wintermeyer(Fr. Vp.) gesprochen, wird die Berathung vertagt. —(Eine neue deutsche Colonie.) Salaga im neutralen Gebiet des Hinterlandes von Togo und der Goldküste wurde nach einer der Londoner„Daily Mail“ aus Cape Coast Castie zugehenden Drahtmeldung an Deutschland abgetreten. Salaga ist eine stark bevölkerte Stadt auf dem linken Ufer des Volta, ungefähr 15 Meilen vom Hauptstrom und 20 Meilen nördlich der südlichen Grenze der neutralen Zone. Stuttgart, 11. Mai. Bei der heutigen Berathung des Centrums über den Antrag der Zulassung der Orden und der Erweiterung der bischöflichen Rechte auf den Religionsunterricht in sämmtlichen Schulen, ferner betr. Festlegung ###., sute sonellen Schulen in der Versassungs=Urkunde gab Eimister=Präsident v. Mittnacht eine Erklärung namens der Regierung ab. Danach lehne die Regierung eine grundsätzliche Aenderung des Verhältnisses zwischen Staat und Schule ab. Nirgends sei in Deutschland für die Kirche über die Schule ein Recht eingeräumt, wie es vom Centrum verlangt werde. Ein thatsächlicher Anlaß hierzu liege nicht vor, da die Regierung stets die kirchlichen Interessen gewahrt habe. Niemals sei von katholischer Seite eine Beschwerde über die Handhabung des staatlichen Aussichtsrechtes erhoben worden. Wollte die Regierung auf das Genehmigungsrecht für die Orden verzichten, so würde sie sich in Widerspruch setzen mit den Wünschen und Forderungen der großen Mehrheit der Staatsangehörigen, wie mit der kirchen=politischen Grundauffassung, auf der das Gesetz vom Jahre 1862 beruht. Da bezüglich der confessionellen Schule und der Schulaussicht in der Verfassung schon Bestimmungen bestehen, so sei kein Anlaß, diese Vorschriften nochmals vorzuschreiben. Der Gesetz=Entwurf ist also für die Aufnahme in die Verfassung ungeeignet. „röber vertheidigte den Antrag in zweieinhalbständiger Oesterreich=Ungarn. Kaiser Franz Josef hat in Pest die ungarische Delegation mit einer Ansprache begrüßt, in welcher er die Beziehungen zu allen Mächten als die allerbesten bezeichnet. Die interessanteste Stelle der Thronrede lautet: Mit tiefem Bedauern muß ich des Ausbruches der Feindseligkeiten zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten von Amerika gedenken, der trotz der freundschaftlichen von sämmtlichen europäischen Großmächten unterstützten Dazwischenkunft Sr. Heiligkeit des Papstes und trotz des weitgehenden Entgegenkommens der spanischen Regierung nicht aufgehalten werden konnte. Zur Beobachtung strikter Neutralität entschlossen, wollen wir dem Wunsche Ausdruck geben, daß es den Kriegsführenden baldigst beschieden sein möge, durch eine gerechte Ausgleichung der betreffenden Gegensätze diesem betrübenden Kampfe ein Ende zu machen. Meine Kriegsverwaltung hat angesichts der unsicheren Lage und der rasch fortschreitenden Entwickelung der Wehrmacht aller Staaten die im Vorjahre angekündigte und begonnene, umfangreiche Beschaffung von Waffen und Kriegsmaterial in diesem Jahre fortgesetzt. — Aus Lemberg(Galizien) wird d. d. 11. Mai berichtet: Gestern Mittag überfielen Arbeitslose die Brodläden am Schützenplatz und plünderten sie aus. Die Polizei nahm Verhaftungen vor. Während die Verhafteten weggeführt wurden, erneuerten sich die Ausschreitungen, wobei ein Arbeiter schwer verletzt wurde. Eine große Anzahl nothleidender Bauern aus der Umgebung von Kolomea, wo dem Vernehmen nach Hunger=Typhus herrschen soll, ist in der Stadt Kolomea eingetroffen. Man befürchtet Unruhen. Italien. Der Aufstand greift immer mehr um sich und der Belagerungszustand hat über weitere Theile des Landes verhängt werden müssen. Der Ministerpräsident Rudini hat an die Militär= und Civilbehörden ein Rundschreiben gerichtet, in welchem es heißt: Oberste Pflicht sei, aufrührerische Handlungen sofort mit Energie und unbeugsamer Strenge zu unterdrücken und dabei übertriebene Aengstlichkeit und fortwährendes Verlangen nach Verstärkung der Truppen, als ob das ganze Land auf den Kriegsfuß gestellt werden sollte, zu vermeiden. Wenn auch die unsinnige Bewegung eine Verirrung der ohne Ursache, ohne Zweck aufgeregten Massen zeige, so bestehe doch keine Gefahr für die Institutionen des Landes; gefährlich sei nur ein Mangel an Zutrauen zu sich selbst. Alle Behörden müßten bestrebt sein, den ehrenhaften Elementen wieder volles Vertrauen einzuflößen; das Bewußtsein, eine hohe Pflicht zu erfüllen und das Vertrauen der Regierung zu allen Civil= und Militärbeamten könnten und müßten die Kräfte verhundertfachen und es ermöglichen, die Ruhe nöthigenfalls auch mit einer geringen Anzahl von Leuten wiederherzustellen.— In Mailand ist die Zahl der Todten eine sehr große. Nach der Aussage eines Arztes, der im Hospitale vielc Verwundete behandelte, ist die Wirkung des neuen Repetirgewehres furchtbar; das lange, dünne aus mehreren Theilen bestehende Geschoß durchschlägt wohl die Muskeln, zerplatzt aber und wirkt wie ein Sprenggeschoß, sobald es auf Knochen trifft. Deshalb sind fast alle Verwundungen tödtlich. Amputationen sind fast niemals räthlich und unnütz. Sobald die Kugel den Kopf trifft, wird die ganze Schädeldecke abgehoben, als ob die Kugel im Kopfe explodirt wäre. Spanien. In der Deputirtenkammer erklärte sich der Deputirte Labra dafür, die Intervention der Mächte nachzusuchen. Der Redner schließt, Autonomisten, Republikaner und Monarchisten seien geeint, um Spanien zu vertheidigen. Colonialminister Moret protestirte gegen die von dem Deputirten Mella jüngst citirten prophetischen Worte über die von Frauen und Kindern regierten Völker. In Erwiderung auf die Ausführungen Silvela's erklärt der Minister, er wolle das Parlament nicht in einen Convent verwandeln und führt das Beispiel Thiers an, welcher in der Kammer gegen den deutsch=französischen Krieg protestirte. Salmeron greift die monarchischen Parteien, die conservative Politik im Allgemeinen und die gegenwärtige Regierungsform heftig an.(Der Redner erhält einen Ordnungsruf.) Die Dämonen des Hasses. Eine Geschichte von der hannoversch=holländischen Grenze. Von Th. Schmidt. (Unbetugter Abdruck wird gerichtlich verfolgt.) (7. Fortsetzung.) Jetzt trat Günther hinter seinem Versteck hervor. „Ich bins, Dietrich Horst!" Einen Moment maßen sich die Männer mit Blicken, die jeder von ihnen sehr wohl zu deuten verstand. „Was wünschen Sie von mir?“ fragte Horst, dabei umkammerte seine rechte Hand, die er in der Tasche seiner Joppe verborgen hielt, das in derselben befindliche, stiletartige Messer. Günther hatte Aug' in Auge dieses geföhrlichen Menschen schnell seine Ruhe wiedergewonnen. „Ich möchte einige Fragen an Sie richten, Dietrich Horst.“ „Wozu?— Sie sehen doch, daß ich keine Schuyggelwaare mitführe,“ antwortete Horst hohnlächelnd. „Ja, das scheint mir heute fast so. Ich will Sie auch nicht untersuchen, ob Sie geschmuggeltes Gut an Ihrem Körper verbergen, Dietrich Horst. Nur einige andere Fragen, die Sie persönlich berühren— es handelt sich nämlich um eine Wetee— bitte ich mir zu beantworten. „Fragen, die mich persönlich berühren! Da bin ich doch neugierig! Was geht Sie übrigens meine Person an." bemerte Hurst mit einem Gemisch von Grimm und Neugier. „Gitorn Sie doch nicht gleich ungehalten, wenn ich Sie um etwas bitte. Mir wurde nämlich erzählt, Sie wären vor mehreren Jahren, bevor Sie nach Amerika reisten, mit der Tochter Schmedes verlobt gewesen. Ich habe das bestritten, uad so kam a zu einer Wette, die Sie am besten entscheiden Horst blickre seinem Gegner einen Moment scharf ins Gesicht. mochte nur hinter dieser Frage stecken, überlegte er. Der Grünrock sah heute gar nicht aus wie ein glücklicher Bräutigam des schönen reichen Mädchens aus der Grenzschenke. Da war offenbar noch längst nicht alles in Ordnung zwischen den Beiden!“ sagte sich Horst. Na, Freund, Dir werde ich den Kopf waim machen, dachte er. „Ich habe keine Veranlassung, die Wahrheit zu verschweigen. Es ist richtig, ich bin mit der Tochter Schmedes verlobt.“ „Ich bin“, sagen Sie, das heißt, die Verlobung besteht auch jetzt noch?“ „Natürlich, warum sollte sie das nicht. Weder ich noch Fräulein Schmedes hat sie öffentlich aufgehoben. Wissen Sie nun genug, Herr Controleur, he?“ „Ja! Ich danke Ihnen, Herr Horst, für diese Auskunft. Sie verkehren wohl häufig in der Grenzschenke?“ „Wie's sich gerade macht. Sie sehen ja, komme eben gerade daher.“ „Es will mir scheinen, daß Sie mit dem Vater Ihrer Braut im Moment nicht gut stehen, er ging eben sozusagen zu der großen Thür hinein und Sie zu der kleinen Thür heraus; ich will indeß nichts Schlechtes über diesen Verkehr gesagt haben, das geht mich im Grunde genommen alles nichts an.“ Wieder sah Horst dem Beamten forschend ins Gesicht. „Na warte. Dir werde ich die Hölle noch heiß machen,“ dachte er. „Ich möchte es auch Niemand rathen, sich ein meine Angelegenheit zu mischen, oder sich da, wo ich ältere Rechte besitze, vorzudrängen,“ sagte er, den Kopf stolz zurückwerfend. „Wer mich kennt, der weiß, daß ich mich nicht ungestraft bei Seite schieben lasse.“ „Ach— wer sollte dazu auch wohl Lust haben?" bemerkte Günther ironisch.„Doch jetzt muß ich gehen. Nochmals Dank, Herr Horst. Ich wünsche Ihnen dort auch ferneres Glück“— er zeigte nach Schmedes' Hause—„und hoffe, daß sie bei diesem Glück nunmehr dasjenige jenseits der Grenze nicht weiter mehr suchen werden. Sie könnten doch einmal Pech haben.“ Günther trat nach diesen Worten mit einem flüchtigen Handgruß auf die Landstraße und entfernte sich Horst lachte höhnisch hinter ihm her. „Sie vergessen, Herr Kontroleur, daß ich in Amerika gewesen bin, da lernt man so allerhand. Außerdem kenne ich die hiesige Gegend und die Menschen doch besser als Sie.“ „Wohl möglich! Ich gebe Ihnen indeß zu bedenken, daß ich bei den Garde=Schützen in Potsdam einer der Besten in der ersten Schießklasse war.“ Horst murmelte so etwas wie Renommist, Prahlhans in seinen struppigen, schwarzen Bart, dann entfernte auch er sich auf einem Fußwege, der in dem Gehölz verlief. Günther schritt langsam weiter und bog bald in den Feldweg ein, an dem er vorhin unschlüssig gestanden hatte. Auf diesem Wege gelangte er am schnellsten zu seine: Wohnung in Heede; ei lief, als sog. Richtweg oft benutzt, durch eine weite Heidefläche Der Regen hatte zwar an Heftigkeit nachgelassen, aber es„mieselte" noch immer stark genug, um die Stimmung eines Menschen in übler Laune noch um einige Grade herunterzudrücken. Hatte sich der Beamte sonst für alles interessirt, was ihn auf seinen Dienstgängen umgab und manches in der öden Gegend, als was sich fast die ganze hannoverschholländische Grenze darbietet, im Lichte der Liebes=Poesie, in Gedanken an sie, die dieselbe Luft der Heide wie er athmete, ausgemalt, so kam ihm heute diese Gegend trostlos kahl und schauerlich unwirthlich vor. Und die Menschen?— Er mochte nichts mehr von ihnen hören. Im Stillen dankte er Gott, daß er sich dem Wunsche Mariens, ihre öffentliche Verlobung noch hinauszuschieben, gefügt und daß er keiner Menschenseele sein Geheimniß verrathen hatte. einzige Lösung wäre die Bildung eines nationalen Cabinets; dies aber sei unter dem gegenwärtigen Regime unmöglich Der Redner wird durch energische Protestrufe unterbrochen und erwidert hierauf. indem er ein Wiener Telegramm zu verlesen versucht, welches in der europäischen Presse circulirt hat.(Der Lärm wird größer und der Redner wird zum zweiten Male zur Ordnung gerufen.) Ministerpräsident Sagasta erklärt, wer Salmeron höre, könne nicht glauben, daß Spanien in zwei coloniale Aufstände und in einen Krieg verwickelt sei, keiner würde diesen Deputirten für einen Spanier halten.(Salmeron ruft:„Ich bin ebenso Spanier, wie der Ministerpräsident.“(Rufe:„Hinaus! Hinaus!") Sagasta wendet sich sodann gegen diejenigen, welche aus dem Unglück des Vaterlandes im persönlichen Interesse Nutzen ziehen wollen und forbert dringliche Abstimmung über die Vorlage betr. die Kriegskredite. Die Vorlage wird hierauf definitiv angenommen, desgleichen das Amendement, welches besagt, daß die in Spanien wohnhaften Besitzer von Titres in Pesetas bezahlt werden sollen. Die spanische Flotte ist nach Cadix zurückgekehrt. Die Amerikaner denken infolgedessen daran, jetzt energischer gegen Cuba und Puerto Rico vorzugehen. England. London, 9. Mai. Die vornehmsten Londoner Clubs bekunden ihre Sympathie für die nordamerikanische Union dadurch, daß sie neben der britischen auch die amerikanische Fahne herausgesteckt haben. Auf gleiche Weise sind auch die Wägelchen der großen Zeitungen, weiche die neuesten Ausgaben im Sturm in die verschiedenen Stadttheile hineinfahren, geschmückt. Der Engländer legt sich, wie man hier sagt, immer auf die„schwere Seite“. aus den Verhandlungen der Stadtverordnetenversammlung zu Königswinter vom 13. Mai 1898. Anwesend waren Bürgermeister Kreip als Vorsitzender, die Beigeordneten Volkmuth und Gilgenberg. die Stadtverordneten Bachem, Beckmann, Bellinghausen, Edelhoff, Ittenbach, Pätz, Richarz, Rings, Spindler. Es fehlten die Herren Bonn, Biesenbach, Ermekeil, Lemmerz, Mülhens, Dr. Peusquens, Schaefer, Schumacher. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende ein Schreiben der Königl. Eisenbahn=Betriebs=Inspection Neuwied, worin in Erwiderung auf das an die EisenbahnDirection zu Köln gerichtete Schreiben vom 15. Februar 1898 mitgetheilt wird, daß beabsichtigt werde, neben der bestehenden Schranke des Bahnhofs=Ueberganges eine besondere Schranke für den Fußgänger=Verkehr anzulegen und diese Schranken=Anlage durch einen besonderen Wärter bedienen zu lassen. Es wurde beschlossen, diesen Gegenstand zusammen mit Punkt 2 der Tagesordnung zu berathen. Ad pos. 1 der Tagesordnung„Beschaffung eines neuen Sprengwagens und eines Schlammwagens" wurde auf Antrag der Baucommission die Anschaffung eines neuen von einem Pferde gezogenen Sprengwagens, sowie eines Schlammwagens für Handbetrieb beschlossen und dafür ein Credit von zusammen 960 Mark bewilligt. Ad pos. 2„Canalisation des Grabens in der Bahnhofstraße vor den Anlagen“, faßte die Versammlung folgenden Beschluß: „Obgleich die Stadtverordneten=Versammlung nach wie vor die Möglichkeit zur Hedung der Mißstände an dem Eisenbahn=Uebergang in der Bahnhofstraße hierselbst nur in der Errichtung einer Unterführung zu erkennen vermag, erklärt sie sich dennoch mit der nördlichen SchrankenAnlage für den Fußgänger=Verkehr einverstanden und bewilligt zu diesem Zwecke für die Canalisirung des Baches vor dem Eisenbahnkörper einen Credit von Mk. 500 in der Voraussetzung, daß die Durchführung der Trottoirs nach dem vorliegenden Plane des Stadtbaumeisters von der Eisenbahn=Verwaltung gebilligt wird.“ Ad pos. 3„Vertrag mit der Eisenbahnverwaltung betr. Verlegung eines Wasserleitungsrohres unter dem Bahnkörper" berichtete der Vorsitzende, daß die Eisenbahnverwaltung die Verlegung eines Wasserleitungsrohres unter dem Bahnkörper an dem Eisenbahnübergang oberhalb des Kreuzpützchens, unter gewissen Bedingungen, insbesondere Zahlung einer jährlichen Anerkennungsgebühr von 3 Mark gestattet habe. Ueber die eingegangenen Verpflichtungen habe er Namens der Stadt ein Anerkenntniß ausstellen müssen, welchem die St.=.=V. nachträglich ihre Genehmigung ertheilte. Ad pos. 4„Vertrag mit der Postverwaltung betr. telephonische Verbindung der Pumpstation des Wasserwerks mit dem Rathhause“, wurde vertagt. Ad pos. 5„Rechnung der städtischen Sparkasse pro 1897 legte der Vorsitzende die von dem Herrn Rendanten C. Mörer aufgestellte und von dem Verwaltungsrathe geprüfte und für richtig befundene Rechnung der städtischen Sparkasse pro 1897 vor. Die Versammlung beschloß von der von dem Vorsitzenden vorgeschlagenen nochmaligen Prüfung der Rechnung durch eine besondere Commission abzusehen und ertheilte dem Herrn Rendanten C. Mörer Entlastung. Die Bilanz der Rechnung schließt auf der Activ= und Passivseite mit einer Gesammtsumme von 1507875,18 Mk. Das Gewinn= und Verlustconto im Debet und Credit mit 61 925,59 Mk. Der erzielte Reingewinn beträgt 14406.66 M. Der erzielte Zinsertrag des Reservesonds 504.47 Mk. Ad pos. 6„Aufstellung neuer Laternen“ wurde beschlossen, den der Meerkatzstraße gegenüberstehenden Candelaber an die neuerbaute Freitreppe zu versetzen und mit einer neuen Gasglühlichtlaterne zu versehen. Die alte Laterne soll auf einen Wandarm an der Ecke des Koch'schen Gartens angebracht werden. Ferner soll auf der Niederdollendorfer Straße. Ecke der projektirten Clemensstraße, ein neuer Gascandelaber ausgestellt werden, auf welchen die Laterne des an der Fritzenmühle stehenden Candelabers aufgesetzt werden soll. Dieser letztere Candelaber soll eine neue Gasglühlichtlaterne erhalten Für die Ausführung wurde ein Credit von 190 M. bewilligt. Der Antrag auf Anbringung einer Laterne in der Mitte der Klotzstraße wurde vertagt. Ad pos. 7„Gesuch des Herrn Joc. Stang und Genossen betr. Umsatzsteuererhebung" wurde vertagt. Ad pos. 8 Gesuch des Herrn Andreas Müsgen und Genossen berr. Anlage einer Treppe in der Werftmauer in der Axe der Bungertsstraße" wurde Ablehnung beschlossen. Ad pos. 9 Gesuch des Herrn I. Nierhoff um Feststellung der Lustbarkeitssteuer für 2 Schießbuden“ wurde beschlossen, die Lustbarkeitssteuer für die Schießbude auf dem Petersberg auf 50., für die projektirte Schießbude am Drachenfelser Wege auf 200 M. pro Jahr festzusetzen. Ad pos. 10„Gesuch der Wwe. L. Koch um Beseitigung der Wagebude am Rheinufer“ wurde Ablehrung beschlossen. X Vermischte Nachrichten. I nonigswinter, 13. Mai. Am nächsten Sonntag den 15. c. wud das von Herrn Fritz Klein am Fuße des Drachenfels neu erbaute Hotel unter dem Namen„Westfälischer Hof“ eröffnet. Die Ausführung des stattlichen und schönen Baues ist ungemein schnell gesördert worden. Derselbe enthält außer vier großen Restaurationsräumen, von denen zwei sich zu einem Saale vereinigen lassen, 22 Logirzimmer. Er ist selbstredend mit allen Bequemlichkeiten der Neuzeit ausgestattet und bietet von fast allen Zimmern sowie von der Terrasse aus eine überraschend schöne Aussicht auf das nahe Gebirge. Königswinter, 12. Mai. Das diesjährige Sommerfest des Niederrheinischen Philisterverbandes katholischer farbentrugenden Studentenverbindungen findet am Pfingstdienstag den 31. Mai cr. auf dem Petersberge statt. Im Programm ist vorgesehen Frühschoppen in den Gartenanlagen des BürgerCasino, Auffahrt in 2 Extrazügen zum Petersberge; daselbst Festessen mit anschließendem Commers im großen Saale des Petersberghotels. Die Musik stellt das Trompetercorps der Deutzer Kürassiere. * Königswinter, 12. Mai. Durch Explosion einer Löthelampe wurde der bei der Firma Spindler& Söhne beschäftigte Maschinist G. Strack von hier schwer im Gesicht und an beiden Händen verletzt, so daß er sofort ärztliche Hülfe nachsuchen mußte Königswinter, 12. Mai. Vom 11. Mai ab ist der Sprechverkehr zwischen Berg. Gladbach, Bonn, Cöln(Rhein), Euskirchen, Godesberg, Königswinter, Mülheim(Rhein) und Siegburg einerseits und Meschede und Olsberg andererseits zugelassen. Die Gebühr für das gewöhnliche einfache Gespräch beträgt 1 Mark. * Oberdollendorf, 13. Mai. Die feierliche Einführung des für hier ernannten Pfarrers Herrn Stickelbrucks findet am Donnerstag vor Pfingsten, 26. Mai, statt * Godesberg, 13. Mai. Zur Einweihung der hiesigen Dampfschiff=Landebrücke soll, genügende Betheiligung voraus gesetzt, am 18. d. M. eine Festfahrt bie Coblenz und zurück stattfinden. Die Abfahrt ist auf 9 Uhr Vormittags ab Godesberg, die Rückkehr auf 5 Uhr Nachmittags angesetzt Das Mittagessen soll auf dem Schiffe eingenommen werden Köln, 12. Mai. In der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung wurde dem Verein zur Verschönerung des Sieben gebirges einstimmig ein Betrag von 100000 M. zur Erhaltung des Siebengebirges bewilligt. — An den Festlichkeiten bei Gelegenheit der Einweihung des neuen Hafens werden die Minister Miquel, Frhr. von der Recke und Brefeld theilnehmen. —(Wohlwollend.) Sergeant(zum Rekruten, der auf Besehl beim langsamen Schritt üben schon längere Zeit auf einem Bein steht):„Nicht wahr, das gefällt Ihnen, Schmidt. mit dem einen Beine so nichts thun?!“ Verlegte meine Wohnung von Grabenstr. 19 nach Bungertsstraße 23. Wilh. Schmitt, Maler= u. Anstreicher=Meister. 47 ine General= (8 Agentur, welche sämmtliche Versicherungs=Branchen vertritt, sucht an allen Orten Vertreter. 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Mai ds. Is. ab acht Tage lang in den Stunden von—12 Uhr Vormittags und von—4 Uhr Nachmittags auf dem Bürger meisteramte zu Jedermanns Einsicht offen. Einsprachen gegen die Listen sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei dem Unterzeichneten anzubringen. Nur diejenigen sind zur Theilnahme an der Wahl berechtigt, welche in der Liste aufgenommen sind. Die Stadt Königswinter ist in 2 Wahlbezirke eingetheilt. Der erste Wahlbezirk umfaßt die linke Seite der Haupt= und Niederdollendorferstraße und sämmtliche Nebenstraßen links von diesen nach dem Rheine hin, einschließlich der Rheinallee. Dieser Wahlbezirk hat nach der letzten Volkszählung 1470 Einwohner. Der zweite Wahlbezirk umfaßt die rechte Seite der Haupt= und Niederdollendorferstraße sowie sämmtliche rechts von diesen nach dem Gebirge hin liegenden Straßen und Gehöfte. Dieser Wahlbezirk hat nach der letzten Volkszählung 2087 Einwohner. Königswinter, den 13. Mai 1898. Der Bürgermeister Kreitz. Verhuntung. Die Ausführung von schmiedeeisernen Schutzgeländern der zwischen der Bungerts= und Meerkatzstraße hierselbst in der Rheinallee neu errichteten Werftmauern u. Treppen sowie die Thüren, Schutzdächer und Schutzwände der Bedürfnißanstalten daselbst, soll vergeben werden. Die Zeichnungen, sowie die Bedingungen, unter welchen die Arbeiten vergeben werden, können auf dem Stadtbauamt in den Vormittagsstunden von 11—12 Uhr eingesehen werden. Ebendaselbst können auch die Angebotsformulare entnommen werden. Die Angebote sind bis längstens Samstag den 21. d.., Vormittags 11 Uhr, auf dem Bärgermeisteramte einzureichen, woselbst auch die Eröffnung der Angebote um dieselbe Stunde erfolgt. Königswinter, den 11. Mai 1898. Der Bürgermeister Kreitz. Kinder-Communion. ≈ Diöcesan=Gesang= und Gebetbuch Mk..30,.50,.80. mit Goldschnitt Mk..—,.50,.— bis Mk..— Sonstige Gebetbücher aus den ersten Fabriken in bekannter reicher Auswahl. Heiligenbilder. Rosenkränze. Communion-Andenken. K. Eilirwein. Sämmtliche Oel= und Wasser=Farken, trocken und in Oel geriehen, a. gekochtes Leinöl, Siccatief, Terpentinöl, Copal= und Bernsteinlack, Damar= und Spirituslack, sowie die so beliebten Fuhbollen=Luck-Furben. wovon Muster=Karten zu Diensten: ferner Gold=, Silber=, Alluminium= und farbige Broncen sowie Pinsel, Weißquaste 2c. in großer Auswahl empfiehlt Bungenstock, vormals J. J. Ittenbach. Ner boich.-— Kchande gegen Nächrnhäser, Wanzen, sliegen, Ilöhr, Amrisen, Blattläuf:, Motten 2c. ist das beim Reichspatentamt in Berlin geschützte Fahnen: Reinecke, Hannover. Institut für künstliche Zähne à 2 M. an, sowie sämmtliche Zahnoperation, Nervthten, schmerzl. Ausziehen, Plombiren mit Gold, Silber und Emaille, Zahnreinigen usw. Schonende Behandlung. Billigste Preise. Jes Butsbach, BeunKonpeindark zahlblauer engl. Kröpfer=Lauben, reine Race, sofort preiswerth zu verkaufen. Näh.„Berlinerhof“. hierselbst. AUnständige Leute finden Kost und Logis Grabenstraße 25. 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Nachricht, daß ich mit dem heutigen Tage mein Kupferschmiederei= und= — Installations=Geschäft verbunden mit Cigarren= und Tabak=Handlung von Haupt= und Neustraßen=Ecke nach meinem neuerbauten Hause in der Neustraße verlegt habe.— Für das mir bisher in so reichem Maße bewiesene Vertrauen bestens dankend, bitte ich höflichst, mir dasselbe auch fernerhin bewahren zu wollen. Königswinter, 15. Mai 1898. Hochachtungsvoll! nrad Spindler. 44 Kupferschmiederei, Gas= und WasserleitungsInstallation, Eigarren= und Tabak=Handlung. . Da ich mein Geschäft nicht weiter führe, so kann A ich Herrn Hermann Schmitz, Malermeister hierselbst, der im vorig. Jahre in meinem Geschäfte ' thätig war, bestens empfehlen. Achtungsvoll! Frau B. Steinborn. Bezugnehmend auf Vorstehendes erlaube ich mir, 2. mich den geehrten Bewohnern von Königswinter und# * Umgegend und besonders der bisherigen### 4 Kundschaft des Herrn Steinborn als Maler und Anstreicher A bestens zu empfehlen, indem ich, auf langjährige#### Thätigkeit gestützt, gute und preiswürdige Arbeit## zusichere. 50 W Achtungsvoll! Hermann Schmitz, 3 Maler= und Anstreicher, 6 Königswinter, Hauptstraße 41. Vei! mit Pfingstgruß und vom spanisch=amerikanischen = Schauplatz= vorräthig bei A. Tillewein. Nur der Dentsche Ergnae der Aktiengesellschaft Deutsche Cogugebrennerei in Siegmar vormals Gruner& Cie. ist den besten französischen Marken in Aroma, Geschmack und Qualität gleichwerthig. Ein Versuch ist um so empfehlenswerther, weil dadurch der Beweis geliefert wird daß die wirklich reinen Weindestillate, gebrannt aus Charente=Weinen, mindestens um 40% billiger sind. Auszeichnungen auf 26 Ausstellungen; meist goldene Medaillen, Ehren= u. Staatspreise. 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Beiläge zu Nr. 33 des„Scho des Siebengerikger Samstag, den 14. Mai 1898. 18 Eingesandt. Königswinter, 12. Mai. Das im vorletzten„Echo"(Nr. 37) enthaltene„Eingesandt" vom 6. ds. über die denkwürdige vorletzte StadtverordnetenVersammlung vom 29. vor. Mis., in welcher die wichtigen Verträge bezüglich der elektrischen Bahn Beuel=Honnef in so sonderbar übereilter Weise zur Genehmigung vorgelegt wurden und thatsächlich auch mit 12 gegen 6 Stimmen die Genehmigung fanden, hat in vielen Kreisen unserer Bürgerschaft berechtigtes Aufsehen erregt. Man schiebt mit Recht die volle Verantwortung für die durch so eigenartige Handlungsweise sich nothwendig ergebenden Consequenzen der vertrauensseligen Majorität zu und fragt sich, ob die vorgesetzten Behörden mit solcher Behandlung einer so hochwichtigen Angelegenheit sich einverstanden erklären werden. Dazu lag zu den beiden Verträgen mit der Firma Siemens & Halske(Bau= und Betriebs=Vertrag) keinerlei Kostenanschlag vor; nicht einmal die mit genannter Firma doch wohl vorher festzustellenden Einheitssätze 2c waren zur Stelle. gangs der Verhandlungen wurde vom Vorsitzenden darauf aufmerksam gemacht, daß irgendwelche Aenderungen an den Verträgen nutzlos seien und daß die Genehmigung derselben unbedingt vor dem 1. Mai cr. erfolgen müsse. Also nicht einmal 48 Stunden Bedenkzeit wurden dem erstaunten Stadtväter=Collegium gewährt und trotz dieser förmlichen Ueberrumpelung fand sich eine Majorität für die in so unerhörter, wenigstens noch nicht dagewesener Weise verlangte Genehmigung so wichtiger Verträge. Von einer speziellen Durchberathung der einzelnen Paragraphen wurde völlig abgesehen. Der vorgelegte dritte Vertrag betraf eine Vereinbarung mit der Gemeinde Beuel bezüglich der sogen. Beueler Brückenstraße. Diese vielgenannte Brückenstraße hat im Protokollbuche unseres Stadtrathes ihre besonders interessante, fast komische Geschichte. Die noch zu erbauende Brückenstraße in Beuel ist die naturgemäße rechtsrhein. Zufuhrstraße zur(Bonner) festen Brücke und nichts erscheint daher natürlicher, als daß deren Herstellung einzig der Gemeinde Beuel bezw. der Stadt Bonn obliegt, umsomehr dieselbe die einzige hochwasserfreie Zufuhr rechtsrheinisch bilden wird. Statt dessen aber wird dieselbe den„Elektr. Bahn"=süchtigen Gemeinden aufgehals't, anfänglich mit dem Gesammt=Herstellungskostenbetrag(.p. 200 000 Mk.) Eine ganz eigenartige Zumuthung! Indeß auch für diese merkwürdige Forderung fand sich im GemeindeConsortium und auch in der Königswinterer Stadtvertretung im vorigen Jahre eine Majorität. Nach näherer Ueberlegung in diesem Jahre, vor einigen Monaten, besann man sich indeß hier eines Bessern: man beschloß einstimmig, keinen Pfg. für den Bau dieser Beueler Brückenstraße herzugeben und beauftragte demgemäß auch ausdrücklich die Herren Delegirten. Indeß letztere kümmerten sich im Gemeinde=Consortium mehr oder weniger nicht um vorgenannten Beschluß, sondern bewilligten, wenn auch nach langen Debatten, die Kleinigkeit von 120000 Mk. als feste Beitragssumme zum besagten Brückenstraßenbau. Auch dieses eigenartige Zugeständniß sand in der letzten Stadtverordneten=Versammlung die Genehmigung der so überaus willigen Majorität. Während somit auf Generalkosten des Gemeinde=Consortiums in Beuel speziell für die fragl. Lokalbahn eine funkel nagelneue Straße erbaut werden soll, werden in Obercassel und Königswinter die langen, schmalen Hauptstraßen an einzelnen Stellen die nothwendigste Erbreiterung erfahren und der übrige Verkehr auf denselben wird durch die Bahn, wie bereits oft genug betont, in der bedenklichsten Weise für Anwohner und Passanten gestört und gefährdet. Die Kosten für diese nothdürftigsten Straßen=Erbreiterungen, welche späterhin voraussichtlich kaum den bestehenden Vorschriften genügen dürften, werden eine beträchtliche Höhe erreichen, wie die begonnenen Ermittelungen bereits darthun. Aber noch mancherlei andere ungeahnte Schwierigkeiten drohen der gänzlich verfehlten Linienführung über die Hauptstraße, welch' letztere nun einmal nur für Personen= und Wagenverkehr, niemals aber für Bahnen und Schienengeleise gebaut worden ist. Es tritt mehr und mehr klar zu Tage, daß die Ausführung derartiger Unternehmungen nicht in die Hände unserer kleinen Gemeindeverwaltungen gelegt werden sollte. Wie schon mehrfach hervorgehoben, ist es eine höchst bedauerliche Thatsache, daß bezüglich der Linienführung die Gemeinden ausschließlich von materiellen Interessen sich leiten lassen, was sich voraussichtlich dereinst bitter rächen wird. Auffallend ist auch, daß die Behörden, welche mit Recht und in dankenswerther Weise um die Erhaltung und Verschönerung unsers herrlichen Siebengebirges selbst so große Besorgniß zeigen, leider für die nächste Umgebung desselben kein warmes Herz und kein Verständniß zu haben scheinen. Es bleibt sonst in der That unverständlich, wie dieselben zugeben können, daß mitten durch das Herz der bis dahin jeden Fremden anheimelnden Ortschaften eine Bahn gelegt werden soll, welche dieselben nicht nur ihres ländlichen Charakters beraubt, sondern welche auch unbestreitbar die landschaftliche Schönheit der Umgebung beeinträchtigt. Bekanntlich kann dies alles vermieden werden, ohne irgendwelche Hemmung dieses modernen Verkehrsmittel, wie andere Unternehmer genügend gezeigt haben. Den mehr als 200 Unterzeichner der s. Z. veranlaßten Petition gegen die Linienführung über die Hauptstraße schließlich noch die Mittheilung, daß der Herr EisenbahnMinister den Planfeststellungs=Beschluß für die fragliche elektrische Bahn vom 8. Jan. cr. aus formellen Gründen aufgehoben hat und demnächst ein neuer Beschluß erfolgen wird. — R.— (=) Vom Rhein, 12. Mai. Gestern tagte in Köln unter dem Vorsitz des Herrn Grafen von und zu Hoensbroech eine sehr stark besuchte„Allgemeine Versammlung rheinischer Landwirthe“, welche eine Resolution mit folgenden Forderungen einstimmig annahm: Die allgemeine Versammlung rheinischer Laudwirthe begrüßt das Bestreben von Mitgliedern verschiedener Berufsstände, in einem wirthschaftlichen Aufruf den Boden zur Verständigung mit der Landwirthschaft zu finden. Sie erachtet im Besonderen die nachfolgend bezeichneten Forderungen als der ausgleichenden Gerechtigkeit entsprechend und richtet an alle Standesgenossen das Ersuchen, innerhalb ihrer politischen Parteien nur solchen Abgeordneten bei den Wahlen ihre Stimme zu geben, welche folgende Forderungen als berechtigt anerkennen, oder deren Anerkennung durch ihr allgemeines Verhalten bewiesen haben: 1. Für den Körnerbau: Einen wirksamen Schutz gegen die Konkurrenz des Auslandes durch ausreichende Zölle oder sonstige Maßnahmen, welche einen lohnenden Inlandspreis sicher stellen. 2. Für die Viehzucht: Schutz gegen Einschleppung von Seuchen und Krankheiten aus dem Auslande. Wirksame Maßregeln gegen deren Verbreitung im Inlande, insbesondere durch schärfere Ueberwachung des Transportes und Zwischenhandels. 3. Für die Viehprodukte: Einführung einer wirksamen Kontrolle und Untersuchung aller ausländischen Fleischwaaren. Kenntlichmachung der Margarine, Deklarationszwang beim gewerblichen Gebrauch derselben, schärfere Ueberwachung der zur Fabrikation dienenden Roh=Produkte. 4. Für den Rübenbau und die Zuckerfabrikation: Eine Ausgestaltung der Zuckergesetzgebung, welche den Rübenbau und die Zuckerindustrie sicher zu stellen geeignet ist. 5. Für den Weinbau: Reform der Weingesetzgebung im Sinne der Vorschläge des Rhein. Bauern=Vereins. 6. Schutz der lankwirthschaftlichen Produkte überhaupt gegenüber der Konkurrenz des Auslandes und minderwerthiger Surrogate. Auf Antrag des Herrn Eickhold=Angermund wurde ad 1 zugefügt:„insbesondere wird für die Rheinprovinz eine Erhöhung des Haferzolles verlangt“ und gleicherweise auf Antrag des Herrn O. Rings=Königswinter ad 5:„insbesondere auch wirksameren Schutz für unsern Rothweinbau durch Erhöhung der italienischen Weinzölle bei Ablauf des ita jenischen Handelsvertrages. Beide Zusätze wurden von der Versammlung#müthig gutgeheißen und angenommen. Außerdem wurden noch veitere drei Resolutionen bezüglich Maßnahmen gegenüber der Arbeiterund Dienstboten=Noth, sodann gegen die Social=Demokratie und schließlich betreffs Vertretung des Rhein. Bauern=Vereins in den Parlamenten angenommen. Betzdorf, 11. Mai. Ueberfallen und derartig mißhandelt, daß in Folge der Verletzung der Tod eintrat, wurde am Abend des vorletzten Sonntags in der Nähe von Ros bach(Sieg) der in Hellseifen wohnhafte, aus Weyerbusch gebürtigte Arbeiter Gustav Weinen. Derselbe befand sich an erwähntem Abend auf dem Wege zum Bahnhof Au und wurde angeblich ohne jegliche Veranlassung von zwei Personen derartig zugerichtet, daß er besinnungslos liegen blieb; erst am folgenden Tage konnte er sich zum erwähnten Bahn hofe schleppen, und nach Betzdorf zurückfahren. Auf ärziliches Anrathen fand er sogleich im Krankenhause zu Kirchen Aufnahme, wo er jedoch trotz sorgfältiger Behandlung stacb. Die beiden Burschen, welche bereits ermittelt wurden, sind in polizeilichen Gewahrsam gebracht. Düsseldorf, 6. Mai.(Zeichen der Zeit!) An der ersten Civilkammer sind vom 1. Januar d. J. bis heute 23, und an der zweiten 29 Ehescheidungs=Prozesse anhängig gemacht worden. Obermendig, 11. Mai. Der am Montag hier von Herrn Direktor Kreuz zu Andernach(Landwirthschaftliche Winterschule) begonnene Haushaltungs=Cursus für Frauen und erwachsene Bauerntöchter ist von etwa 100 Theilnehmer= innen besucht. Neuwied, 11. Mai. Die Königin von Schweden traf gestern Morgen, von Honnef kommend, mit dem Schnellzug 10,43 Uhr Vormittags hier ein. Der Fürst zu Wied war zum Empfange anwesend. Die Königin bleibt voraussichtlich bis zum Donnerstag zum Besuch der fürstlichen Familie hier. * Berlin, 12. Mai. In Berlin ist Mittwoch die 24 Mastvieh=Ausstellung eröffnet worden. 137 Aussteller haben sich diesmal an der Thierschau betheiligt, während in früheren Jahren diese Zahl zwischen 80 und 193 varürte. Die Zahl der ausgestellten Thiere hat sich gegen das Vorjahr ganz bedeutend vermehrt, indem sie von 703 auf 1838 gestiegen ist. Den größten Raum nimmt, wie immer, die Abtheilung Rindvieh ein, in welcher allein 682 Anmeldungen vorhanden sind, während Schafe in 71 und Schweine nur in 53 Anmel= dungen zur Ausstellung gebracht wurden. Am zahlreichsten ist die Schau von der Provinz Brandenburg beschickt. Neben Brandenburg erscheint diesmal ausrahmsweise die Provinz Posen mit starkem Viehmaterial, während sonst Pommern diese Stelle einnahm. Außerdem haben noch Braunschweig, die beiden Mecklenburg, Anhalt, Oldenburg und Bremen, sowie die übrigen preußischen Provinzen die Ausstellung beschickt. Prächtige Thiere der hannoverischen Rasse sind wieder sehr zahlreich und werthvoll vertreten. Die Maschinenab= theilung ist von 34 Firmen mit den neuesten Artikeln beschickt und weist vorzugsweise Berliner Fabrikate, daneben vereinzelt auch solche aus Leipzig. Deutz, Arnstadt und Potsdam auf. — Aus Straubing wird geschrieben:„Heute(Sonntag) wurde am Schlusse des Pfarrgottesdienstes in der Pfarrkirche St. Jakob ein Attentat auf den Stadtpfarrer und LandtagsAbgeordneten Scheubeck unternommen, als er gerade das letzte Evangelium begonnen hatte. Ein hiesiger Einwohner, Vater von fünf Kindern, gab einen Revolverschuß ab, der aber glücklicher Weise nicht traf. Als ihm der Revolver aus der Hand geschlagen worden, suchte er mit dem Messer auf den Priester einzudringen, verwickelte sich aber in den Teppich und kam zu Fall. Jetzt konnte er von herbeigeeilten Bürgern entwaffnet werden. Als er sich wieder erhoben hatte, entstand vor dem Altar ein grausiges Ringen; denn der Mann wehrte sich bis zum äußersten. Das Volk wurde von Entsetzen ergriffen, und Frauen und Kinder schrieen laut auf. Als Grund der That wird Haß angegeben, weil ihm der Armenpflegschaftsrath. in dem der Stadtpfarrer Sitz und Stimme hat, nur vier Mark wöchentlich zugesprochen habe. Seinem Handwerk nach ist er Schneider; er steht in der Mitte der dreißiger Jahren. Seit einigen Jahren leidet er an Epilepsie. Jedenfalls wird er zur Beobachtung seines Geisteszustandes vor seiner Aburtheilung in die Kreis=Irrenanstalt Deggendorf gebracht. Das Voll war über die grauenhafte That so empört, daß es Anfangs nur mit Mühe von Thätlichkeiten abgehalten werden konnte." Straßburg, 10 Mai. Gestern Morgen starb im Alter von 85 Jahren ein letztes, bedauernswerthes Opser der Beschießung Straßburgs, Frl. Amalie Magnus. Am 24. August 1870 zerschmetterte ihr eine Granate beide Arme. Sie wurde auch sonst an mehreren Stellen schwer verletzt und lag sechs Wochen in Folge des Blutverlustes bewußtlos im Spital. Beider Arme beraubt, lebte sie noch über 27 Jahre, von ihrer Schwester mit bewunderungswürdiger Hingabe gepflegt. Sie trug ihr schweres Loos mit Geduld und Ergebung. Große Vortheile gewähren die französischen Bahnen den Lehrern in Frankreich. Für die dortigen Staatsbahnen wird jedem Lehrer auf Wunsch eine Jahreskarte ausgestellt. die von dem betreffenden Stationsvorstande und von dem Schulinspektor unterzeichnet und auf der Rückseite mit der Photographie des Empfängers versehen sein muß. Auf Grund dieser Karte erhält er dann an jeder Billetkasse Fahrscheine zu halben. Preisen. Pest, 11. Mai. Nach Berichten aus Agram war die Prinzessin Luise von Koburg mit dem Oberlieutenant Mattafic Keglevic gestern früh von dem kroatischen Landgute Lobor in Agram eingetroffen und hatte im Prucknerschen Gasthofe Wohnung genommen. Kurz nach ihrer Ankunft besetzte der Polizeipräfekt Zorac die Zugänge zu den Wohnräumen des Paares. begab sich zur Prinzessin und forderte sie auf, sofort nach Wien zu reisen. Nach längerm Widerstreben leistete sie Folge und fuhr mit dem Präfekten im geschlossenen Wagen zum Bahnhofe, wo ihrer bereits ein Sonderzug harrte. Inzwischen ist sie in die Nervenheilanstalt zu Döbling gebracht worden. Inzwischen erschienen zwei Offiziere im Gasthof und verhafteten den Oberlieutenant Mattafic Keglevic, der gegen dieses Vorgehen lauten Einspruch erhod. —(Reclameräuber.) Ein amerikanischer Journalist, Mac Govern, hat kürzlich eine interessonte Studie über die Reclame=Agenturen in den Vereinigten Staaten veröffentlicht. Er erzählt hierin u. a. folgende Aneldote: Vor einiger Zeit erhielt ein Schauspieler Namens Henry Müller, der gerade für das Garden=Theater in Newyork engagirt worden war, folgenden Brief:„Lieber Herr! Sie wissen wahrscheinlich, daß heutzutage die Reclame und nicht das Talent für den Erfolg entscheiden läßt. Da sie im Theater debütiren werden, wäre es vielleicht nützlich, die Aufmerksamkeit des Publikums zunächst auf Ihre Person zu lenken, und ich möchte Ihnen zu diesem Zwecke folgenden Plan in Vorschlag bringen: Wenn es Ihnen recht ist, werden zur Nachtzeit Räuber in Ihre Wohnung eindringen, dort Revolverschüsse abfeuern und sich dann zurückziehen, nachdem sie auf dem Fußboden Blutspuren zurückgelassen haben. Der„Newyork=Herald" und die anderen Morgenblätter werden dieses Abenteuer erzählen, und Ihr Name wird auf allen Lippen sein. Wir werden Ihnen die Diebe liefern, ober die Sache wird Ihnen 100 Dollars kosten. Genehmigen Sie usw.“ Dieser Brief war unterzeichnet„Empire'ress Association“, postrestant Bureau Centrale.— Fixe Kerle diese Amerikaner! (Schneidiger Stil.)„Zwei Tage Mittelarrest erhält der Gemeine X. weil er die Kaserne verließ, um einen Hering ohne Halsbinde zu kaufen.“ Die Geflügelzucht im Deutschen Reiche bedarf zum bessern Gedeihen unbedingt eines größeren Zollschutzes, wie aus nachfolgenden, vom deutschen Landwirth= schaftsrath veröffentlichten Vergleichsziffern hervorgeht. Für lebendes Geftügel vom Ausland beträgt der Eingangszoll in Amerika(Ver. Staaten) Mt. 30.—, pr. 100 Kilo. „ Frankreich„ 16.— „ Deutschland„.—(d. i. zollfrei.) Für Eier beträgt der Eingangszoll in Ver. Staaten M. 35.— pr. 100 Kil.(p. Ei etwa 2 4) „ Norwegen" 22½ „ Frankreich„ 5 „ Teutschland„ 2„(p. Ei ½0 4) Dieser Vergleich spricht deutlich. Die Amerikaner halten schlauer Weise ihr Geld im eignen Lande!:— R.—