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General-Anzeiger für die rheinische Hauptstadt. 2 Kölner Fremdenblatt.

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Redakt.: 5231, 5232, 5233, 5234.

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Das Neueste vom Tage.

S

als der Flugtechniker Fernandez bei seinen Flugvorführungen ii Nizza mit seinem Aeroplan eine Höhe von 500 Meter erreichte, erplooierte der Motor. Fernandez stürzte zur Erde, wo er

tot liegen blieb.

Gestern starb der Erzbischof von Besangon, Msgr. F. Pétit, im Alter von 77 Jahren.

In Clermont=Ferrand(Frantreich) starben die Frau, der Sohn und der Neffe eines Spiritusfabrikanten, die von einem mit Ar­

senik vergifteten Kuchen gegessen hatten. Zwei andere Per­sonen, die an dem Mahl teilgenommen hatten, sind lebensgefährlich

erklankt.

Ein Teil der spanischen, im Rif kämpfenden Truppen ist gestern in Melilla zum Rücktransport nach Spanien eingeschifft

worden.

Der amerikanische Kongreß ist in Washington zusammen­grten.

000 Die Kieler Werstaffäre vor dem Reichstag.

Im Reichstage schien es gestern, als sollte es anläßlich der freisinnigen und sozialdemokratischen Interpellationen über die Unterschleife bei der Kieler Werft, ein großer Tag werden. Die Tribünen wareil überfüllt, die Logen waren besetzt von Offizieren der Marine und des Landheeres. Neben dem Staatssekretär v. Tirpitz stand der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Schoen und der Unterstaatssekretär der Reichskanzlei, Wahnschaffe. Der Bundesrat war fast vollzählig erschienen. Anf der Journalisten= tribüne saßen die Vertreter der auswärtigen Presse so zahlreich und hörten so aufmerksam zu, wie sonst nur an ganz großen Tagen.

Die Freisinnigen hatten es so eilig mit der Interpellation gehabt, daß sie nicht einmal den Zusammentritt des Reichstages hatten abwarten können. Als sie nun gestern zur Besprechung kam, waren ihre Plätze zu drei Viertel leer, nicht viel besser sah es bei den Nationalliberalen und Freikonservativen aus. Abg. Leonhart, der die freisinnige Interpellation begründet, ist kein glücklicher Redner. Was er in langen, allgemeinen Redens­arten klagt und vorschlägt oder aus dem Prozeßbericht wiederholt, das langweilt den Saal und die Tribünen gleichermaßen. Bald übertönt die Unruhe im Hause jedes Wort des Redners. Abg. Leonhart klagt das ganze System der Verwaltung, nicht die Be­amten au. Staatssekretär Tirpitz macht eifrig Notizen, die ihm Admiralitätsrat Harms diktiert. Nur als Redner behauptet, daß nicht nur bei der Werft allein, sondern auch bei der Flotte über­haupt die gleichen Zustände herrschten, hört die Unterhaltung im Saale für einen Augenblick auf, denn man erwartet Tat­sachen zu hören. Doch nach ein paar allgemeinen Sätzen schließt Abg. Leonhart.

Der Sozialdemokrat Legien begründet die Interpellation

Feuilleton des Kölner Local=Anzeiger. 7. Dez. 1909.

# Unter der Last der Krone.

9] Roman von R. M. White.

„Prinz Mazaroff?“ fragte er, nachdem er sich vor Jessie hrerbietig verneigt. Und als der Russe bejahte, fügte er sinzu:

„Ich suchte bereits überall nach Eurer Durchlaucht— Lord Merehaven würde sich freuen, wenn Sie ihm auf einen lugenblick die Ehre geben wollten. Ich bitte wegen der Storung um Verzeihung, aber es handelt sich, wie ich glaube, im etwas von Wichtigkeit. Seine Lordschaft befinden sich im kleinen Salon.“

Er verneigte sich abermals und entfernte sich ebenso eilig, wie er gekommen. Mazaroff war ganz offensichtlich ergrimmt über die Störung; mit der Versicherung, daß er im Augenblick zurück sein würde, entfernte er sich.

Jessie atmete erleichtert auf. Wenigstens für Augenblicke hatte sie Ruhe; sie mußte jetzt warten, bis das Zeichen wiederholt würde. Oben blieben jedoch die Vorhänge herab­gelassen, nichts rührte sich; und dann kam Ronald Hope zurück.

Er sprach kein Wort, er nahm sie nur in seine Arme und bedeckte ihr Gesicht mit Küssen. Glückselig duldete sie seine Liebkosungen— und die Rosen dufteten, die Nachti­vallen schluchzten leise, träumerisch wie beklommen von der Kostlichkeit der Nacht— droben am Himmel funkelten die Sterne, und durch die dunklen Zweige der schlafenden Baume lügle der Mond, der Schirmvater aller Liebenden. Er sandte seine silbernen Strahlen, die die beiden Wieder­bereinten neckisch umtanzten, und er lächelte, freute sich der lorichten, glücklichen Menschenkinder, die mit dem Küssen tein Ende finden konnten, spiegelte sich in den glitzernden Lranenperlen, die dem lieblichen jungen Geschöpschen an den Wimpern hingen, von der übergroßen Freude erpreßt.

=Habe ich Dich endlich gefunden, mein Lieb!“ flüsterte

seiner Partei. Auch er erzielt erst wenig Wirkung, als er gegen das große Beamtenheer, gegen die dadurch herbeigeführten Ge­fahren für einen geordneten Werftbetrieb redet, ganz gemäßigt, ohne die üblichen sozialdemokratischen Uebertreibungen. Das In­teresse für Legiens Rede aber erwacht, als er eine ganze Reihe von Einzelheiten erzählt, die wie witzig erfundene Schildbürger­stückchen klingen, aber leider Tatsachen sein sollen. In der Hof­loge ist inzwischen der Chef des Marinekabinetts, Vizeadmiral v. Müller, erschienen. Abg. Legien schiebt dem Staatssekretär die ganze moralische Verantwortung für die Vorkommnisse zu, da er es sei, der stets jede kritische Information und Auregung Außenstehender schroff abgelehnt habe. Redner verliest als Be­weis dafür ein Schreiben des Staatssekretärs an ihn selber.

Staatssekretär v. Tirpitz ist während der letzten Ausführungen immer unruhiger geworden. Jetzt nimmt er gleich selbst das Wort. Er spricht vom Rednerpulte, nicht vom eigenen Platze aus. Nervös, gereizt, bisweilen stockend und unsicher, als ob er sich ängstlich hüten müsse, nur ein Wort zuviel zu sagen. Die Linke lacht ihn förmlich aus bei der Bemerkung:„Das Wort Unter­schleife scheidet aus, denn die Beamten sind freigesprochen worden.“ Als v. Tirpitz geendet, ist der Reichstag nicht klüger, als vor der Interpellation. Nur daß die Angebote, beileibe nicht die Zuschläge verlesen und die Befugnisse der Werftpolizei erweitert würden, will er zur Reorganisation der Werftverhältnisse ge­statten. Auch soll der Verwaltungsdirektor mehr vom Bureau­dienste entbunden werden. Ein großer Teil der Rede bleibt in­folge des ungewohnt leisen Vortrages unverständlich.

Der konservative Redner Kreth spricht kurz und macht ein paar viel belachte Witze, doch wünscht auch er Sparsamkeit und Vorsorge, daß dergleiche Dinge nicht mehr passieren können, wie sie der Kieler Werftprozeß enthüllt hat.

Den Höhepunkt des Tages bildet unbestreitbar die Nede des Abg. Erzberger, der als erster mit reinem Tatsachenmaterial und voller Kenntnis des Etats von höheren Gesichtspunkten aus und mit weitblickenden Reformgedanken die Dinge in Kiel beurteilt, kritisiert und verurteilt. Seine Worte riefen das ganze Interesse des Hauses wach, und als er schließt, folgt der Rede lauter Beifall, nicht bloß aus den Reihen der Zentrumsfraktion. Auch wenn man 75 Prozent aller Beschul­digungen gegen die Kieler Werftverwaltung als unrichtig abziehe, bleibe noch genug übrig. Das freisprechende Urteil sei die schärfste Verurteilung der ganzen Bureaukratie. Er verlangt, daß der Staatssekretär, unbekümmert um irgendwelche Rücksicht, Maßregeln treffe, die solche Dinge unmöglich machen. Die Disziplinaruntersuchungen dürften vor den höheren Beamten nicht Halt machen, die ihre Schuldigkeit nicht getau hätten.

Der Staatssekretär wird immer nervöser, konferiert bald mit diesem, bald mit jenem Herrn des Reichsmarineamtes. Abg. Erzberger klagt auch die Flotte ähnlicher Verschwendung an. Er kündigt für die Budgerkommission weitere Kritik an und

Rouald.„Oh, wie habe ich Dich gesucht, und was habe ich um Dich gelitten!— Warum hattest Du mir das getan, Jessie?— Wußtest Du nicht, daß ich Dich lieb hatte? An jenem Abend, da ich Dir die Rose gab, da ich Abschied nahm, da haben wir uns geküßt! Ich mußte nach Irland, auf lange, unbestimmte Zeit. Daß Du mich liebtest, Jessie, das habe ich mit mir genommen, das sollte mich trösten über die schreckliche Zeit, die ich fern von Dir verbringen mußte. Sobald ich mich frei machen konnte, eilte ich in die Heimat zurück. Doch Oberst Harcourt war tot, und niemand wußte mir zu sagen, wo Du zu finden seiest. Man sprach davon, daß Ihr arm seid; und ich stand bittere Qualen aus bei der Vorstellung, daß Du Not leiden könntest. In allen Zeitungen habe ich Dich aufgefordert, an mich zu schreiben; alle Menschen, die Dich gekannt haben, nach Deinem mut­maßlichen Aufenthaltsort gefragt, alles ohne Erfolg; und mein Leben wäre verdorben gewesen, Jessie, hätte ich Dich nun nicht gefunden. Warum, warum hast Du mir das getan?“

Jessie schmiegte sich inniger an ihn.

„Du warst arm, Liebster, und ich hatte nicht einen Pfennig,“ erwiderte sie.„Damals, als wir uns unsere Liebe gestanden, glaubte ich reich zu sein. So aber hätte ich Dich in Deiner Karriere aufhalten können——“

Ungestüm verschloß er ihr den Mund.

„Deswegen also— deswegen! Oh Du mein tapferes, mein törichtes Lieb!— Du hättest uns beide unglücklich ge­macht. Ahntest Du denn nicht, wie ich litt?“

„Ich gl ubte, Du wurdest mich bald vergessen,“ erwiderte das junge Mädchen leise.

„Dich vergessen!— Lieb, frage den Blindgewordenen, ob er die Sonne vergessen hat! Du bist meine Sonne, bist das Licht in meinem Leben, meine Freude und mein Glück. Nur die Hoffnung, Dich wieder zusfinden, tröstete mich etwas in meinem Leid, Tich verloren zu haben.— Aber sage mir, wie Du hierher kommst? Ich bin hier, um mit Loro Mere­haven zu sprechen. Ich habe Aussicht, einen hohen diplo­matischen Ranen in Aitorien zu erhalten; das bedeutet aleich­

schließt nach einer langen Reihe von Reformvorschlägen mit warmen nationalen und patriotischen Tönen.

Bei den sauften und beschönigenden Worten des Abg. Semler (ntl.) leert sich der Saal, um so mehr, als Semler sich mit dem Gange des Prozeßes eingehend beschäftigt. Freiherr v. Gamp greift wieder auf eigene praktische Erfahrungen zurück und findet viel Beifall. Er zieht auch die Uebelstände bei der Vergebung staatlicher Arbeiten in anderen Betrieben, namentlich bei der Eisenbahn zur Kritik heran.

Noch einmal greift Staatssekretär Tirpitz kurz in die Debatte ein, um den allgemein üblen Eindruck seiner ersten Rede etwas zu verbessern. Dann vertagt sich das Haus auf Dienstag. Der „große Tag“ ist so in ruhigen Bahnen verlaufen. Die erste Oppositionsprobe der vereinigten Linken, der Freisinnigen und Sozialdemkraten, war matt und lau, wie abgestandene Limo­nade. Ohne die Rede der Abgg. v. Gamp und Erzberger wäre der heutige Tag ein jämmerliches Fiasko des Reichstages geworden.

□ Im Leben des verstorbenen Abg. de Witt hat

es ahnlich, wie bei dem fortschrittlichen Eugen Richter, eine Landratszeit gegeben, woran anläßlich seines Ablebens schon erinnert werden kann. Es war im Jahre 1895, als im Kreise Rees durch die Besörderung des Hru. Frowein zum Ver­waltungsgerichtsdirektor der Landratsposten vakant geworden war. Seit der Besitzergreifung der cleveschen Lande, wozu auch der Kreis Rees gehörte, durch Preußen, hatte der Landrat dem protestantischen Bekenntnisse angehört, obgleich der Kreis zu zwei Drittel katholisch war. Ein schwächlicher Versuch, hier eine Aenderung herbeizuführen, blieb in den 1870er Jahren ohne Erfolg. Umsichtige Ausnutzung der durch die neue Kreisordnung gegebenen Gelegenheit verschaffte der Zentrumspartei im Jahre 1888 die ihr gebührende Zweibrittelmehrheit, die sie sich trotz mannigfacher Anfechtung bis heute behauptet und auch bei der Wahl zum Provinziallandtag glücklich ausgenutzt hatte. Bei der Neubesetzung des Landratsamtes war von der Regierung wieder ein protestantischer Assessor als Verweser gesandt worden. Ein Zufall lenkte die Aufmerksamkeit der Zentrumsmehrheit auf den damaligen Gerichtsassessor de Witt, der mit entsprechendem Grundbe sitz im Kreise angesessen war, demnach allen gesetzlichen Auforderungen entsprach, die an einen präsentationsfähigen Kan­didaten gestellt werden. Die Mehrheit des Kreistages machte von ihrem Präsentationsrecht Gebrauch. Sofort aber setzte die Minderheit namentlich aus der Stadt Wesel mit einer wenig wählerischen Agitation ein, um eine Bestätigung der Wahl zu verhindern. Das gravierendste Moment in der Be­schwerde bildete die Behauptung, Hr. de Witt habe als Student in Hemdsärmeln zur Sommerzeit Kegel geschoben. Wenn die Borussen in Bonn nichts anderes verbrochen hätten, hätte man sie nicht zu suspendieren brauchen. Bei der Staatsregierung fand die Beschwerde aber einen günstigen Resonanzboden; es wurde mit Hrn. de Witt verhandelt, man ersuchte ihn dringend, seine Kandidatur zuruckzunehmen, jede beliebige Amtsrichterstelle

zeitig viel Aufregung und Gefahren, aber auch viel Ehre und Ansehen. General Maxgregor wollte hierher kommen, ich bin stolz darauf, ihn meinen Freund nennen zu dürfen; er wollte mir bei der Königin Fürsprecher sein.“

„General Maxgregor ist hier, er spricht mit der Königin.“ Jessie berichtete ihm nun in fliegender Eile, wie sie hierher­gekommen sei und was sie veranlaßt hatte, die Rolle Vera Galloways zu spielen. Er lauschte ihr mit sehr ernstem Gesich „Augenblicklich bin ich hier, um auf die Königin zu warten,“ schloß Jessie ihre Erzählung.„Sie ist oben bei dem General und dem König. Ich weiß nicht, was die Majestäten bedroht— aber daß sie in Gefahr sind, habe ich durch Mazaroff erfahren. Der Russe ist ein durchaus unehrenhafter Mensch, und er mußte fortgebracht werden, damit die Königin ungesehen zurückkehren kann. Ich würde nicht in Erstaunen geraten, wenn mit gesagt würde, der Prinz Boris Mazaroff sei nichts anderes, als ein russischer Spion.“

„Isch bin davon überzeugt,“ entgegnete Hope.„Doch wie lange mußt Du diese— diese Rolle spielen?"

„Bis Vera Galloway in der Kleidung der Modistin zurückkommt. Dann werden wir die Kleider tauschen, und ich bin frei— kann gehen, wohin es mir beliebt.“

Ronald flüsterte ihr zärtliche, innige Worte zu, und sie lauschte ihm mit einem glückseligen Lächeln auf dem schönen jungen Gesicht. Da erklirrte plötzlich irgendwo ein Fenster— in dem Zimmer in der ersten Etage wurde es hell, und in dem Rahmen des Feusters tauchte ein Mann auf, in dem Jessie sofort den König von Astorien erkannte. Er stieß un­artikulierte Laute aus, die in der Stille der Nacht deutlich vernehmbar waren, und machte dann Miene, herabzuspringen.

Neben ihm tauchte ein zweiter Mann auf, den die beiden im Garten nicht erkennen konnten, da er hinter dem König blieb. Er schien den anderen zurückzuziehen; wie eine Vision ver­schwand das ganze Bild— das Fenster wurde wieder ge­schlossen, die Vorhänge zugezogen, und es war still wie zuvor.

Gleich darauf wurde zum zweitenmal das Zeichen ge­geben, das Vera Galloway an die Seite der Königin von Astorien rufen sollte.