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General-Anzeiger für die rheinische Hauptstadt. 2 Kölner Fremdenblatt.
Das Neueste vom Tage.
Finanzkommission des Reichstages lehnte die Weinsteuer ab und beschloß dagegen die Erhöhung der Sektsteuer in einer nach dem Werte abgestuften Staffelung von 50 Pf. auf
Pfg. bis 2,50 M.
Der Statthalter von Elsaß=Lothringen, Graf v. Wedel, feierte gestern sein 50jähriges Militärjubiläum.
Vor dem Kriminalgerichtsgebäude in Moabit gab gestern nachmittag der Maurer Kieselbach, der wegen Mißhandlung von Eisenbahnbeamten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt war, auf die Eisenbahnbeamten, die als Belastungszeugen ausgetreten waren, vier Schüsse ab, durch die zwei Beamte schwer und ein dritter leicht verletzt wurden. Von den ersteren ist bereits einer gestorben. Der Täter wurde verhaftet. König Eduard ist gestern vormittag von Paris nach London
abgereist.
Im österreichischen Abgeordnetenhause kündigte der Landesverteidigungsminister für den kommenden Herbst die Einbringung eines neuen Wehrgesetzes auf der Grundlage der zweijahrigen Dienstzeit, sowie die Einbringung einer neuen Militär=Strafprozeßordnung an.
Ehrung Kaiser Wilhelms
Der Wiener Bürgerklub, das ist die christlich=soziale Mehrheit des Wiener Gemeinderats, hat beschlossen, den Deutschen Kaiser einzuladen, bei seiner Anwesenheit in Wien auch dem Wiener Rathause einen Besuch abzustatten, damit der Wiener Gemeinderat Gelegenheit finde, dem Monarchen als dem Repräsentanten des Deutschen Reiches für die bewiesene Bundestreue durch den Mund des Bürgermeisters den Dank und die Huldigung der Wiener Bevölkerung zum Ausdrucke zu bringen. In schristlichsozialen Parteikreisen nimmt man an, daß Kaiser Wilhelm der Einladung folgen werde, um so mehr, als er bekanntlich während seines letzten Aufenthaltes in London auch der Einladung der Stadtverwaltung Folge leistete. Die Ankunft des Deutschen Kaiserpaares in Wien erfolgt am 14. Mai vormittags. Kaiser Franz Josef, die Erzherzoge und die Erzherzoginnen sowie die zum Empfang bestimmten Würdenträger werden das Deutsche Kaiserpaar auf dem Bahnhof erwarten. Kaiser Franz Josef und die Mitglieder des Kaiserlichen Hauses geleiten die Gäste in die Hofburg. Am Nachmittag findet Galgdingr, im bep pgf, burg und abends eine Soiree bei Hofe statt. Am 15. Mai ist eir Frühstück in der Hofburg und am Nachmittag tritt das Kaiserpaar die Rückreise nach Berlin an.
* Bibel und Reichsfinanzreform.. Der Kreuznacher
protestantische Pfarrer Auspach richtete— angeblich im Namen Sbangelischer Vereine— an den Fürsen Bülop. z2., Jeigeg. Geburtstage ein Telegramm, in dem es heißt:„Tausend Mi
Feuilleton des Kölner Local=Anzeiger. 9. Mai 1909.
S Ein Mutterherz.
A1 Roman von Erich Friesen.
Und um des Kindes willen liebte sie auch den Vater. Und nun ist ihr dieses Kind, ihr ganzes Glück, ihr entrissen! Sie hat die Empfindung, als sei mit dem ganzes inneres Leben von ihr genommen, als sei in ihrem
Dein Verrat an unserer Liebe wird gerächt werden. Glücklich wirst du nicht. Das soll deine Strafe sein!
Unrubia wirft sie sich auf ihrem Lager hin und her. Und plötlch schießt ihr ein Verdacht durch den Kopf— ein Verdacht, vor dem sie sebst erschrickt. Wäre es möglich, daß er—
Si fährt sich mit der Hand über die Stirn... Unmöglich.
Wie kann ein solch entsetzlicher Gedanke auch nur einen Augenblick in ihrem Hirn aufkommen?... Und doch— war nicht Donna Lucia eine frühere Dienerin der Eltern Alessandros....
Ist nicht er es gewesen, der sie als Wärterin des kleinen Virgilio ins Haus seines Onkels brachte?... Hat er nicht vielleicht damit einen bestimmten Zweck verfolgt? Und war nicht Donna Lucia dem Sohn ihrer früheren Herrschaft stets treu ergeben?... Gräfin Maja erzittert. Mit aller Kraft versucht sie, den furchtbaren Verdacht los zu werden. Vergebens. Er ist einmal da und läßt sich nicht mehr bannen.
4.
Tage vergehen... und Wochen. Keine Spur von dem ver
schwundenen Kinde— trotz der eifrigsten Nachforschungen der
Polizei. Noch immer hält man den alten Gauner Pietro Redi in festem Gewahrsam, da man Grund hat anzunehmen, daß die Schuldigen kennt und sie nur nicht verraten will.
Frau, die durch ihre Unachtsamkeit das ganze Unglück verschuldet, ist aus den Diensten des gräflichen Hauses di Martino entlassen; von einer Bestrafung wurde abgesehen, da die Frau durch ihr Gewissensqualen ohnehin bestraft genug ist.
glieder des Evangelischen Vereins und 400 Mitglieder unseres evangelischen Arbeitervereins entbieten dem charaktervollen Kanzler in deutsch=evangelischer Treue zum 60. Geburtstage wärmste Segenswünsche für die zielbewußte Durchführung hochwichtiger nationaler Lebensfragen in ernster, kampfbewegter Zeit. Marc.
9, 23.“ Fürst Bülow antwortete prompt:„Dem Evangelischen Verein und dem evangelischen Arbeiterverein danke ich herzlich für treue Wünsche und so guten Zuspruch. Römer 5, 4, 5. Die beiden Bibelstellen lauten:„Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubet“ und„Geduld bringt Erfahrung: Erfahrung aber bringet Hoffnung, Hoffnung aber lässet nicht zuschanden werden.“ Nun kann es nicht mehr fehlen.
Geschenke an Beamte.
Geschenke, die von Privatleuten an Beamte gemacht werden, bedürfen der Geneymigung der vorgesetzten Behörde. Die Genehmigung der Annahme von Geschenken, die Beamten königlicher oder kommunaler Polizeiverwaltungen für Amtsverrichtungen seitens Privater gemacht werden, war bisher dem Minister des Innern
vorbehalten. Der Minister hat jetzt diese Befugnis auf die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin übertragen, soweit natürlich die Genehmigung nach den geltenden Bestimmungen dem Minister zustand. In den Grundsätzen, nach denen bisher die Annahme und Verwendung von Geschenken zulässig war, tritt jedoch eine Aenderung durch diese Neuerung nicht ein. Es soll jedoch alljährlich zum 1. April für das voran; gegangene Kalenderjahr dem Minister eine tabellarische Uebersicht über die Genehmigungen eingereicht werden. Der Minister will über den Umfang solcher Genehmigungen unterrichtet bleiben. Die Neuerung ist lediglich zur Vereinfachung der Geschäfte und zur Verminderung des Schreibwerks erfolgt.
Sicherung der Bauforderungen.
Der Reichstag hat den Gesetzentwurf betreffend Sicherung der Bauforderungen angenommen, der einem lange gehegten Wunsche der Bauhandwerker und der Freunde des Handwerks nach Sicherung gegenüber dem Bauschwindel entspricht. Zwar konnten die Wünsche der Bauhandwerker nicht vollständig befriedigt werden und auch nach anderer Richtung hin läßt der nunmehr zur gesetzgeberischen Verabschiedung gelangte Entwurf noch Lücken und Bedenken übrig; immerhin aber hat die Kommission wesentliche Verbesserungen an der Regierungsvorlage vorgenommen. Der erste Abschnitt, der die allgemeinen Sicherungsmaßregeln enthält, soll nämlich ohne weiteres für das ganze deutsche Reichsgebiet Geltung erlangen, während der zweite Abschnitt über die dingliche Sicherung der Bauforderungen nur in den durch landesherrliche Verordnungen eigens bestimmten Gemeinden Platz greifen soll, in solchen Gemeinden, die unter dem Bauschwindel zu leiden haben, oder von ihm bedroht werden. Dadurch ist allerdings eine Rechtsungleichheit geschaffen, von der namentlich die Gewerbebetriebe, die ihre Tätigkeit über das ganze Reich ausdehnen, betroffen werden; aber es ist zu hoffen, daß dieser
Gräfin Maja hat sich in der kurzen Zeit sehr verändert. Aus dem mädchenhaften, anmutsvollen Geschöpf mit den großen, wie ragend in die Welt blickenden Kinderaugen und dem fröhlichen Lächeln auf den blühenden Lippen ist ein herbes, in sich abgeschlossenes Weib geworden, das allen, die sie früher kannten, ehrfurchtsvollstes Mitleiden einflößt. Auch mit dem Grafen Silvio ist eine Veränderung vor sich gegangen. Die ruhige hochmütige Gelassenheit seines Wesens ist einer ersichtlichen Nervosität gewichen. Oft folgt sein unruhiger Blick seinem Kammerdiener, als ob er ihn etwas fragen wolle. Immer jedoch schreckt er wieder davor zurück. Heute abend hat es ihn ganz besonders gepackt. Schon seit mehreren Stunden sitzt er an seinem Schreibtisch, um eine Rede auszuarbeiten, die er demnächst im Parlament zu halten hat— und noch kein einziger vernünftiger Gedanke ist ihm gekommen. Aergerlich wirft er die Feder weg. Dann zieht er den grünseidenen Lampenschirm tiefer über das Licht, als schmerzten ihn seine Augen, und beginnt, im Zimmer auf und ab zu gehen. Dabei fühlt er, wie seine Gedanken sich immer wieder auf einen bestimmten Punkt konzentrieren. Und diese Gedanken mussen nicht die angenehmsten sein, denn wiederholt wischt er sich über
Bah, weg mit den Erinnerungen!“ preßt er zwischen den Zähnen hervor.„Ich glaube wirklich, ich bin in den wenigen
einen keinen Spiegel aus der
Maste ist noch da,“ nickt er befriedigt. Nur nie sein wahres Gesicht zeigen! In dieser Lebensklugheit besteht der ganze Erfolg mancher Menschen! Selbst wenn man allein ist, ohne Augen ringsum, die einen beobachten, ohne Ohren, die jeden Laut auffangen— nie soll der wahrhaft Kluge seine Maske lüften, weder Tag noch Nacht.“
Er zieht die Glocke.
Der Kammerdiener tritt ein.
Ist die Gräfin zu Hause?“
„Jawohl, Herr Graf. Der Herr Graf Alessandro ist unten im kleinen Empfangssalon.“
„Es ist gut.“
Im ersten Abschnitt wird der Begriff„Baugeld" bestimmt. Jeder Baugewerbetreibende, der sich Baugeld, das zur Befriedigung der Baugläubiger zu verwenden ist, geben läßt, wird zur Führung eines„Baubuches" bestimmt, dessen Inhalt genau vestimmt ist. Die Bestimmungen gelten für Neubauten einschließlich der Abrißbauten und Umbauten. Die Namen des Eigentümers und Unternehmers sind durch Anschlag am Bauplatze bekannt zu machen. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden mit Strafe(Gefängnis, Haft oder Geldstrafe) bedroht, sodaß derjenige, der ein Baubuch führt, aus dem nachher ersichtlich ist, daß er Gelder, die er zum Bauen empfangen hat, zu andern Zwecken verwendete, bestraft werden kann. Ebenso kann auch derjenige bestraft werden, der absichtlich das Baubuch so unordentlich geführt hat, daß daraus nicht zu ersehen ist, wie die Verhältnisse während des Baues gelegen haben.
Einen Schutz gegen den Bauschwindel hat man auch in einer dinglichen Sicherung der Bauforderungen gesucht. Ein wesentlicher Teil der Klage über den Bauschwindel gipfelte ja darin, daß zahlungsunfähige Bauunternehmer während der Bauausführung einen großen Teil der Baugelder für ihre Privatbedürfnisse verbrauchten, herrlich und in Freuden auf Kosten der demnächst ausfallenden Baugläubiger lebten, durch Scheingeschäfte und Scheinkonzessionen über die Baugelder verfügten und sogenannte Kettenbauten aufführten, d. h. einen Bau nach dem anderen, wobei sie mit den Geldern, die für die späteren Bauten ihnen bewilligt waren, die Schulden aus den früheren Bauten abtrugen, bis es dann endlich zum Krach kam.
Bei der dinglichen Sicherung der Bauforderungen hat die Kommission ebenfalls erhebliche Verbesserungen der Vorlage vorgenommen. Die Bauhypothek haftet auch für die gesetzlichen (Verzugs=) Zinsen. Bauarbeiterforderungen genießen bis zur Dauer von zwei Wochen einen gesetzlichen Vorrang vor den übrigen Bauforderungen, die Baugeldhypothek genießt, wenn auch nur ein Baugläubiger widerspricht, den Vorrang vor der Bauhypothek nur in Höhe von vier Fünfteln der Bauforderungen.
In denjenigen Städten und Gemeinden, für welche der zweite Abschnitt des Gesetzes in Geltung gesetzt werden soll, ist ein Bauschöffenamt vorgesehen. Dem Bauschöffenamt liegt die Schätzung des Baustellenwerts, des Betrages der voraussichtlich entstehenden Baukosten, die Entgegennahme der Anmeldungen zur Bauhypothek, die Entscheidung über die Angemessenheit der Höhe der Bauhypothek ob, und es fungiert als Einigungsamt über alle auf diesem Gesetze beruhenden Streitfälle. Es steht zu hoffen, daß diese Instirution sich bewähren und wesentlich dazu beitragen wird, daß manche Nachteile, die aus der bureautratischen Neigung der Baupolizeibehörden befürchtet werden, sich in der Praxis mildern.
Der Kammerdiener wendet sich zum Gehen. Da ruft ihn die Stimme seines Herrn nochmals zurück.
„Filippo!“
„Herr Graf?“
„Hast du in letzter Zeit etwas gehört von... von...
Er zögert.
„Von wem meinen der Herr Graf?“
„Von— ihr!“
Der Kammerdiener bückte sich, um eine Quaste der schweren Damasttischdecke zurechtzuzupfen, die sich verschoben haben muß. Als er den Kopf wieder hebt, färbt tiefe Röte seine Stirn.
„Ja, Herr Graf! Ich habe von ihr gehört,“ erwidert er mit seltsam harter Stimme.
Graf Silvio steht auf und blickt seinen Kammerdiener durchdringend an.
„Was— was hast du von ihr gehört?“
„Sie ist— tot!“
Graf Silvio fährt zurück, als habe er einen Schlag ins Gesicht erhalten.
„Tot?“ wiederholt er erregt.„Wirklich? Tot?“
„Tot, Herr Graf. Schon seit zwei Jahren.“
„Das wußtest du und hast mir nichts davon gesagt?“
„Ich wußte ja nicht, ob der Herr Graf es zu erfahren wünschten!“
Graf Silvio fährt sich über die Stirn.
„Du hast Recht, Filippo. Ich danke dir.“
Eine entlassende Handbewegung— und Graf Silvio ist wieder allein.
„Also tot! Tot!“ murmelt er vor sich hin, und sein Gesicht drückt ein eigenes Gemisch von Teilnahme und Befriedigung aus. „Mein Verdacht war also grundlos! Gott sei Dank! Tief atmet er auf. Dann streicht er sich ein paarmat rasch über das etwas gelichtete Haar, bürstet seinen dunklen Spitzbart, tritt vor den Spiegel, um die Krawatte zurechtzuzupfen und schreitet langsam, würdevoll die Treppe hinab. Sein Gesicht n heiterer als seit langem.