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Nr. 14
Mittwoch, den 17. Januar 1940(Kath. Antonius Evg. Anton)
66. Jahrgang
Der beste Mann der Revolution von 1911"
China erhält eine neue Zentralregierung, die mit Japan zusammenarbeitet
Wangtschingweis Aufgabe
ab Tokio, im Januar
Von unserem eigenen Mitarbeiter Arvid Balk
Rund 80 Millionen Japaner leben auf den japanischen Inseln. Ihrer Auswanderung haben sich die weiten, leeren Räume Amerikas und des englischen Kolonialreiches, vor allem Australiens, verschlossen. Dadurch sind die Japaner, da sie sich auf ihren kargen Inseln nicht mehr ernähren können, auf das asiatische Festland gedrängt worden. 1931 entschlossen sie sich, in der Mandschurei einzugreifen. Unter japanischer Leitung entstand 1932. der Staat Mandschukuo, der seither zu einem modernen Ordnungsund Rechtsstaat des 20. Jahrhunderts emporgestiegen ist, mit sanberen Großstädten, einer glänzend entwickelten Industrie, einem vorbildlichen, ganz modernen Verkehrswesen mit erstklassigen Eisenbahnen, Autobuslinien und Häfen sowie einer blühenden Landwirtschaft. Ich habe das junge Land oft durchreist. Es gleicht einem wohlgepflegten Garten.
Aber dieser Erfolg rief den Neid derjenigen Mächte wach, die den Japanern nicht die Luft zum Atmen gönnen. Sie bewaffneten China gegen Japan und redeten den Chinesen ein, es würde ihnen ein leichtes sein, die Japaner auf ihre Inseln zurückzuwerfen. Im Juli 1937 brach der Krieg aus, ganz und gar gegen den Willen der Japaner. Wenn sie nicht Ehre und Ansehen verlieren wollten, mußten sie fechten, obschon gegen zehnfache Uebermacht und gegen ein China, das von außen her mit Waffen und Geld reichlich unterstützt wurde. Die Japaner nahmen den Fehdehandschuh auf. Sie fochten— und siegten. Ihre Truppen hatten ungeheure Schwierigkeiten zu überwältigen, aber sie schafften es. Durch ein vorbildliches Zusammenwirken ihrer Land=, See- und Luftstreitkräfte haben sie in einem anderthalbjährigen Feldzug vom Sommer 1937 bis Silvester 1938 fast ganz China erobert. Die mit den Engländern verbündete ehemalige chinesische Regierung ist in die äußerste Südwestecke zurückgedrängt. Das ganze übrige und eigentliche China mit allen Eisenbahnen, Strömen, Häfen, Großstädten und der gesamten Meeresküste ist in japanischer Hand und bildet zur Zeit eine Art Protektorat. Aber das ist ein Uebergangsstadium.
Die Japaner haben die Chinesen aufgefordert, eine eigene chinesische Reichsregierung zu bilden und sich ihr chinesisches Reich ganz nach Wunsch einzurichten, wobei ihnen dann Japan als hilfsreicher Bundesgenosse zur Seite stehen werde, um über die Organisationsschwierigkeiten hinwegzukommen. Die einzige Bedingung, die Japan stellt, ist: China dürfe nicht meyr zum Aufmarschgebiet fremder(europäjscher u. amerikanischer) Mächte gegen Japan mißbraucht werden. Damit sind die Chinesen einverstanden. Der Wunsch nach Frieden ist in China allgemein, zumal da man einsieht, daß man sich nur für England aufgeopfert habe. China blutet infolge des Krieges aus tausend Wunden, und kein Chinese kann sagen, wozu das alles nötig gewesen sein soll. Zwei große, tüchtige Völker haben sich wundgeschlagen, obwohl sie gar keine Gegensätze haben, sondern rassisch nah verwandt und von der Natur ganz und gar aufeinander angewiesen sind. Aber für England war es vorteilhaft, die Chinesen sich gegen die Japaner verbluten zu lassen.
Diese Erkenntnis hat sich jetzt endlich in China durchgesetzt, und die neue chinesische Reichsregierung, die mit Japan freundschaftlich zusammenarbeiten will, ist im Entstehen begriffen. Ihr Haupt ist Wangtschingwei, der beste Mann der chinesischen Revolution von 1911, die damals das unfähig gewordene chinesische Drachenkaisertum beseitigte und seitdem durch lange, mühevolle Wirren gegangen ist, bis sie jetzt im Bündnis mit Japan diejenige Lösung zu finden scheint, die den ostasiatischen Völkern von der Natur vorgezeichnet ist.
Das neue japanische Kabinett Yonai
DNB Tokio, 16. 1.(Ostasiendienst des DNB.) In Tokio wurde soeben die neue Kabinettsliste veröffentlicht. Die Regierung Yonai setzt sich hiernach wie folgt zusammen:
Ministerpräsident Admiral Yonai, Kriegsminister General Hata, Außenminister Arita, Innenminister der frühere Kolonial= und Verkehrsminister Graf Komada, Handelsminister das Mitglied des Oberhauses, Großindustrieller Fujiwara, der bekanntlich im Herbst vergangenen Jahres in Deutschland weilte, Marineminister Admiral Yoshida, Kolonialminister General Koiso, Justizminister Generalstaatsanwalt Kimura, Finanzminister wurde der frühere Landwirtschaftsminister im Kabinett Hiranuma, Sakurauchi, Eisenbahnminister Matsuno, Landwirtschaftsminister Shimada, Kultusminister Matsura, Wohlfahrtsminister Yoshida, Verkehrsminister Katsu, Verfassungsabteilung Hiroso.
Ministerpräsident Admiral Yonai ist heute vom Kaiser zur Vorlage der Kabinettsliste empfangen
worden. Die Ernennung des neuen Premiers wurde dabei, wie Domei meldet, vom Kaiser im Beisein des Kriegsministers General Hata ausgesprochen. Anschließend erfolgte die Vorstellung des neuen Kabinetts.
Das neue japanische Kabinett Yonai wird auch weiterhin von der Presse und den politischen Kreisen erwartungsvoll, jedoch zurückhaltend beurteilt. Die Presse weist auf die Bedeutung der Tatsache hin, daß der frühere Generaladjutant des Kaisers, Kriegsminister General Hata, auf persönlichen Wunsch des Kaisers im Amt verblieb und den persönlichen kaiserlichen Auftrag erhielt, für die Zusammenarbeit zwischen Armee und Kabinett zu sorgen. Dies sei das erste Mal, daß der Kaiser bei einer Kabinettbildung persönlich hervorgetreten sei.
Der neue japanische Kabinettschef
(Associated Preß, Zander=Multiplex=K.)
Ostasiens Neuordnung
Japans unverrückbares Ziel
DNB Tokio, 16. 1.(Ostasiendienst des DNB) Der neue japanische Ministerpräsident Yonais gab am Dienstag im Anschluß an die erste Sitzung seines Kabinetts eine Erklärung über die politischen Richtlinien der neuen japanischen Regierung ab. Er betonte vor allem, daß die Beilegung des China=Konfliktes zur Schaffung einer Neuordnung Ostasiens gestützt auf dem festen Entschluß des Volkes unverrückbares Ziel Japans bleibe. Aus diesem Grunde werde die japanische Regierung den Plänen einer neuen chinesischen Zentralregierung volle Unterstützung gewähren. Die Regierung werde sich ferner bemühen, die Beziehungen Japans zu den andern
Mächten von Japans eigenem unabhängigen Standpunkt zu klären. Die Regierung werde alles tun, um die Lebenshaltung des Volkes sicherzustellen und den Ausbau der Landesverteidigung zu fördern. Zu dem sich aus diesen Ausgaben ergebenden notwendigen Maßnahmen werde er, so erklärte der Ministerpräsident, im Reichstag ausführlich Stellung nehmen. Abschließend forderte Yonai die gesamte Nation zur einmütigen Zusammenarbeit mit der neuen Regierung auf.
Der neue Kriegsminister Hata gab Dienstag einen Tagesbefehl an die Armee aus, in dem er u. a. betont, daß die erfolgreiche Beilegung des China=Konfliktes dringend den Ausbau der Landesverteidigung, eine innerpolitische Neuordnung und die innere Geschlossenheit der Armee erfordere.
Das Kabinett hat am Dienstag beschlossen, den Reichstag zur Vorbereitung der Haushaltsvorlage um 10 Tage zu vertagen.
Japans Außenpolitik
Beilegung des Chinakonfliktes die Kardinalfrage
DNB Tokio, 16. 1.(Ostasiendienst des DNB.) Der Außenminister erklärte Dienstagabend zur Außenpolitik in Japan, daß grundsätzlich die bisherigen Richtlinien eingehalten würden. Die Beilegung des Chinakonfliktes bleibe die Kardinalfrage, während die Beziehungen zu dritten Staaten vollkommen unabhängig voneinander geregelt werden könnten. Es sei deshalb unrichtig zu glauben, daß freundliche Beziehungen mit einer Macht die Beziehungen zu anderen Mächten stören könnten.
Gegenüber Amerika, so führte der Außenminister weiter aus, überlege er geeignete Maßnahmen, um die Handelsfrage zu erleichtern.
Rußlant-Politik unverändert
DNB Tokio, 16. 1.(Ostasiendienst des DNB) Der neue japanische Ministerpräsident Yonai gewährte am Dienstag der Presse eine Unterredung, in der er besonders auf außenpolitische Fragen einging. Er stellte zunächst fest, daß die Beilegung des Chinakonfliktes die Hauptaufgabe seiner Regierung sei und betonte, daß die China=Politik des Kabinetts Abe weiter verfolgt werden würde. Zur Politik Japans gegenüber England, den Vereinigten Staaten und Rußland erklärte Yonai u. a., daß die Außenpolitik der Regierung Abe unverändert beibehalten werde. Auf eine Frage, welche Haltung die neue Regierung gegenüber Rußland einnehmen würde. erwiderte Yonai, daß die Rußland=Politik des letzten Kabinetts ausgezeichnet gewesen sei. Es sei gut, alle Ursachen für Streitigkeiten mit der Sowjetunion zu beseitigen. Als ersten Schritt zur endgültigen Bereinigung der japanisch-russischen Beziehungen bezeichnete Yonai die Lösung der Grenzfrage.
Mussolinis gerade Linie unverändert
Europas Neuordnung nach anderen Grundsätzen als den von Versallles
Abwarten ist keine Neutralität
add Rom, Mitte Januar
Von unserer eigenen Mitarbeiterin
Adelheid Dehlo
Solange Italiens Interessen nicht unmittelbar bedroht oder gefährdet werden, bleibt Italien mit der Waffe bei Fuß außerhalb des Konfliktes, um durch seine„Nichteinmischung in den Krieg" den Frieden im Mittelmeer, in Süd- und Östenropa zu erhalten, wie es nicht nur im italienischen, sondern auch im deutschen Interesse liegt. Diese italienische Haltung darf aber nicht mit Neutralität verwechselt werden. Italien hat keine Neutralitätserklärung abgegeben, seine Haltung ist ein einfaches Abwarten.
Bekanntlich haben die neutralen Staaten, die schon von vornherein erklären, dem Kriege fernbleiben zu wollen, beim endlichen Friedensschluß kein Wort mitzureden, selbst wenn ihre Interessen dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. In eine solche Lage kann sich Italien unmöglich bringen: erstens, weil es den Krieg nicht mit Ueberlegung ablehnt, geschweige denn fürchtet, und zweitens, weil es eine europäische Großmacht ist, die nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern auch die Belange Europas wahrzunehmen hat. Die geographische Lage Italiens bringt es mit sich, daß nichts, was das europäische Gleichgewicht erschüttert oder ändert, für Italien bedeutungslos est,— ganz abgesehen von der geschichtlichen und geistigen Bedeutung Italiens für Europa. Durch eine Neutralitätserklärung hätte Italien ausdrücklich darauf verzichten müssen, an einer künftigen politischen, wirtschaftlichen und geistigen Neuordnung Europas mitzuwirken. Italiens Nichtmitwirkung
am Kriege hingegen ist eine wachsame, bewaffnete und bereite Haltung.
Das Italien Mussolinis macht eine autonome Politik, die zwar nicht die höhere europäische Gerechtigkeit aus dem Auge verliert, wie das in Versailles geschah, die aber vor allem auf die Verteidigung der eigenen nationalen und imperialen Interessen gerichtet ist. Diese Interessen liegen vor allem im Mittelmeer, dem„mgre nostrum“, das— nach einem Wort des Duce— für England ein Weg, für Italien aber das Leben ist. Eine weitere wichtige Interessensphäre Italiens ist der Balkan und die Donauländer. Italien, das durch die Einverleibung Albaniens selbst zu einer Balkanmacht ersten Ranges geworden ist, fühlt sich berufen, zur Befriedung des Balkans sein Teil beizutragen, indem es die Reibungen und Interessengegensätze, die hier nach wie vor am Werke sind, durch seine vermittelnde und ausgleichende Tätigkeit zu beseitigen strebt. Allerdings ist man sich darüber klar, daß das Ziel der Aufrechterhaltung des Balkanfriedens nur erreicht werden kann, wenn dieses einstige„Pulverfaß Europas“ nicht von dritten Mächten zu dipldmatischen Intrigen und interessierten Einmischungen mißbraucht wird.
Welches wird die künftige Haltung Italiens sein, — dies ist die ausgesprochene oder unausgesprochene Frage vieler. Der gesunde Realismus, durch den sich die Politik des Duce auszeichnet, wird nicht umhin können, den künftigen Entwicklungen und Gegebenheiten Rechnung zu tragen, die heute noch unbekannt und undurchsichtig sind, und die zu einem großen Teil nicht vom Willen Italiens abhängen. Welche Ueberraschungen der Ablauf dieses„seltsamsten aller Kriege“ bringen wird, kann heute noch niemand sagen, meint man hier. Eines aber ist sicher: das faschistische Italien, das in den letzten Jahren eine so große Lebenskraft, einen so starken„Dynamismus" an den Tag gelegt und so Feldzüge siegreich durchgefochten hat, wird auch in Zukunft nicht als untätiger Zu
schauer beiseite stehen. Es wird nicht Objekt, sondern Subjekt der europäischen Politik sein, es wird seine gerade Linie auch fernerhin einhalten und der Welt zeigen, daß- nach einem Wort des Duce die Zeit der„Walzerrunden“ endgültig vorbei ist, wenn sie jemals vorhanden war. Mit anderen Worten: Italien wird sich durch keine Lockungen oder Drohungen beeinflussen lassen, sondern unter der starken Hand des Duce seine eigene Politik betreiben, die letzten Endes die Neuordnung Europas nach anderen Grundsätzen, als denen von Versailles, zum Ziel hat.
Drei britische U-Boote vernichtet
DNB. Berlin, 16. 1. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
An der Westfront keine besonderen Ereignisse.
Die britischen U=Boote„Starfish“ und„Undine“ wurden durch deutsche Abwehrmaßnahmen in der deutschen Bucht vernichtet. Ein Teil der Besatzungen wurde gerettet.
Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die britische Admiralität bestätigt außer den bereits bekanntgegebenen U=Booten„Starfish“ und „Undine" nunmehr auch den Verlust des U=Bootes „Seaherse".
Amerika durch Schaden klüger?
Seit geraumer Zeit bemüht sich die englische Propaganda mit allen Kräften um die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten. Die Zahl der englischen Agenten mit unmittelbarem oder mittelbarem Auftrag ist ungeheuer groß. Sie arbeiten zum überwiegenden Teil kaum oder gar nicht in ihrer Agenteneigenschaft erkannt, im Schatten ihrer Helfer mit grosiem Namen wie Eden, der bereits vor dem Kriege eine Rundreise durch die Staaten unternahm, Duff Cooper und— neuerdings auch des britischen Botchafters in Washington Lord Lothian.
Als dieser Diplomat als Nachfolger Sir Ronald Lindsays Botschafter in Washington wurde, wurde vom Foreign Office damit unverkennbar der Zweck verfolgt, eine neue Periode angelsächsischer Zusammenarbeit zu beginnen, deren äußerer Auftakt der Königsbesuch gewesen war. Lord Lothian war 1916 bis 1921 Privatsekretär von Lloyd George. Er ist bekannt für die Sprunghaftigkeit seiner politischen Entschlüsse und Neigungen— stets aber war er um einen Ausbau der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten bemüht. Er besitzt dort, wie man weiß, viele außerordentlich einflußreiche Freunde und man wird deshalb seinen Einfluß auf die führende Schicht der Vereinigten Staaten nicht unterschätzen dürfen. Zwischen dieser führenden Schicht und den Anschauungen des amerikanischen Volkes freilich klafft ein tiefer Riß. Vor allem ist es falsch, zu glauben, zwischen dem englischen und dem amerikanischen Volk bestünde eine auf Gefühlsmomenten beruhende innere Freundschaft. Vielmehr dürfte es sich um eine vermeintliche Interessengemeinschaft handeln, wenn auch viele nicht unmittelbar materielle Dinge eine besondere Beziehung zwischen den beiden Völkern schaffen. Ein guter Kenner angelsächsischer Denkungsweise hat das einmal so formuliert: Wenn man einen Amerikaner fragen würde:„Welches Volk lieben Sie am meisten?", so wurde er wahrscheinlich die Frage ablehnen und sagen:„Wenn Sie mich fragen, gegen welches Volk ich am wenigsten einzuwenden habe, dann fragen Sie richtig. Ich würde Ihnen dann antworten, die Engländer.“
Das rein politische Fundament der anglo-amerikanischen Beziehungen ist die englischerseits an Amerika zugestandene Flottenparität, die der Ausgangspunkt der modernen englischen Amerika=Politik geworden ist. Aber die Vereinigten Staaten haben offenbar aus dem Weltkrieg doch gelernt. Jene Weltlriegserfahrungen sucht die englische Propaganda freilich zu ignorieren, und das ist der große Meinungskampf, der gegenwärtig drüben ausgefochten wird. Es erscheint fraglich, ob Roosevelt aus seinen bekannten Sympathien weitgehende praktische Schlußfolgerungen wird ziehen können. Ein deutliches Beispiel, wo dabei auch ihm gewisse Grenzen gezogen sind, hat das Echo auf die letzte Chamberlain=Rede gegeben. Man hat es in weitesten Kreisen der Vereinigten Staaten als eine Anmaßung empfunden, daß der englische Premier in kaum verhüllter Weise die Amerikaner zum Eintritt in den Krieg an Englands Seite aufforderte.
Die militärische Neutralität scheint heute der überwiegenden Mehrheit des amerikanischen Volkes unbedingt notwendig. Ein amerikanischer Schriftsteller schrieb noch vor dem gegenwärtigen Kriege als Ergehnis seiner sorgfältigen Untersuchung den Satz nieder: unsere Teilnahme am Weltkrieg nutzte nur England und betrog Amerika. Das ist heute drüben eine sehr weit verbreitete Erkenntnis, so daß die Neigung zur Wiederholung eines so ungeheuer kostspieligen Experimentes im Volke denkbar gering ist, und von dem man auch weiß, wie ungeheuer gefährlich es ist.