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Mit den Beilagen:

„Thomas a Aempis“,„Die Feierstunde

Die Welt, Freude u. Humor u. Landw. Ratgeber.

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Nummer 273

Donnerstag, den 29. November 1924.

53. Jahrgang

sie Bartel des schwankenden Bällners.

Dr. von Dryander rechtfertigt seine Jasager-Politik

8 Die Deutschnationalen haben in unserer Stadt mit einer öffentlichen Versammlung den Wahlkampf eröffnet. Der Ver­sammlungsverlauf bewies eine starke Abkehr von der deutsch­nationalen Politik; das bewies die Zusammensetzung der Ver­sammlung, das bewies ebenso eindeutig der klägliche Besuch. Mit halbstündiger Verspätung begann der Redner, der, wie er im Laufe seiner Ausführungen mitteilte, von Mörs herkam, wo kein anderer als der Fraktionsvorsitzende a. D. Hergt eine Wahlrede losgelassen hatte. Geschlagene zwei Stunden lang suchte der Redner die Zuhörer von der Notwendigkeit einer „fruchtbaren nationalen Opposition“ von der Verantwortungs­bereitschaft“, von der christlich=sozialen Politik nach innen und außen eben seiner Fraktion zu überzeugen. Man hatte den Ein­druck, als versuche der Redner seine Zuhörer als Neulinge auf dem Gebiete der Politik an der Nase herumzuführen, jedenfalls haben die vielfachen Widersprüche, die sich vor allem zwischen seinem Referat und den Antworten an die Diskussionsredner ergaben, nicht den Beweis erbringen können, daß seine Aus­führungen richtig gewesen sind, d. h. den Tatsachen entsprechen. Daß das alles unter dem Deckmantel des Christentums geschah ist zwar sehr„geschickt“ gewesen, vielleicht wäre aber weniger mehr gewesen. Im allgemeinen suchte der Referent seinen Dar­legungen dadurch kräftigen Nachdruck zu verleihen, soll heißen: Eindruck zu machen, indem er freundschaftlichst an den Tisch­reihen vorbeiging— wndurch das Ganze einen echt theatrali­schen Verputz erhielt. Weiterhin können wir nicht umhin dem Herrn Dr. von Dryanier den Vorwurf der Unhöflichkeit zu machen, denn es ist auh politisch gesehen alles andere als an­ständig, wenn er einen Zwischenrufer mit der Bemerkung abtut, Sie sind ja ein Sozialdemokrat, das kann man Ihnen ansehen. Also nur wer gestriegelt und geschmiegelt aufmarschiert, der ist deutschnational. Man kann diese Entgleisnug aber nur dann verstehen, wenn man bedenkt, daß es nun eben zum Wesen des Deutschnationalen gehört, nämlich die Hervorkehrung des Herrenstandpunktes, d. h. die vollständige geflissentliche Ver­kennung der Volkspsyche.

Das alles nur nebenher. Zur Sache selber ist zu bemerken, daß auch der Reichstagsabgeordnete Dr. von Dryander sich der Anngriffe auf die Person des Reichspräsidenten Ebert nicht enthalten konnte— eben weil der Reichspräsident ein Sozial­demokrat ist. Wenn es also besser werden soll, dann muß ein Deutschnationaler(Bismarck der Jüngere, Schulz=Bromberg, Schlange=Schöningen) an die Spitze treten. Vielleicht um so dem Gedanken der Volksgemeinschaft zum Siege zu verhelfen. Wenn also Herr v. Dryander glaubt, der Breslauer Rede des Reichskanzlers entgegen den Reichspräsidenten beschimpfen und herunterzerren zu müssen, so verstehen wir eben nicht, wie man dann noch sagen kann: Kampf der Weimarer Verfassung! Auch die Seitenhiebe auf die Persim des Reichskanzlers Marx, die übrigens ja gebührend gewürdigt wurden, seien öffentlicht festgestellt. Jedenfalls wird mancher von den Herren Deutsch­nationalen beim Reichskanzler Marx noch etwas lernen können an Bescheidenheit, an Opfertreue, an ehrlicher Arbeit für das Vaterland, das doch gerade durch die Schuld der Deutsch= nationalen so elend heruntergekommen ist. Und dann mußte Marx sich vor den Wagen spannen und nun wo man sieht, daß es gelingt nach harter zäher Arbeit, da will man auch über ihn herfallen mit Verunglimpfungen seitens der Deutschnationalen. Das verdient an den Pranger gestellt zu werden. In ehrlicher Entrüstung haben die anwesenden Zentrumsfreunde und viele andere diese Verdächtigungen zurückgewiesen.

Daß der Redner im ersten Teile seines Vortrags, in dem er die preußische Koalitionsregierung mehr als einmal einer unsachgemäßen Kritik unterzog, ist an sich nicht wunderlich. Die

Bestrebungen, den preußischen Landtag aufzulösen oder zur Regierungsumbildung sind ja schon älteren Datums— da es nun aber endlich soweit gekommen ist, ist den Deutschnationalen dazu die Zeit recht unbequem. Die Angriffe auf die Person des sozialdemokratischen Ministers Severing sind von demselben Redner aus der vorigen Wahlkampagne bekannt; sie erschie­nen, was die Personalpolitik angeht, nur in wenig verbesserter Neuauflage und konnten wenig erzielen. Es ist klar, daß der Redner es bedauert, daß die Verhältnisse von 1914 und 1921 sich etwas geändert haben. Damals waren die Dinge ja etwas anders. Und da setzte eine recht klägliche Jeremiade ein über die selige Zeit der Bismarckschen und Wilhelminischen Aera. Im übrigen ist ja in einer der letzten Sitzungen des preußischen Landtags, nämlich bei der Beratung der Haushalte, hierüber mehr als genug gesprochen und geschrieben worden.

Zur Politik des Reiches übergehend nahm dann der Redner selbstverständlich eingehend Stellung zu den Abstimmungen über die Dawesgesetze im Reichstage am 29. August. Hier trug dann Herr von Dryander die Rechtfertigungsversuche so dick auf, daß man geneigt sein konnte, ihm beizustimmen. Seine Liebe für das Rheinland, sein christliches Empfinden mußten hierbei sehr stark herhalten. Bekanntlich zählt Dr. v. Dryander zu den 48 Jasagern der Deutschnationalen, die bei der Ab­stimmung über das Eisenbahngesetz am 29. August, mit Ja gestimmt haben. Wenn dabei Herr v. Dryander Helfferichs Ver­mächtnis zitiert, so besagt das ja im Grunde sehr wenig. Typisch ist aber für Helfferichs Auffassung vom Dawesgut. achten folgende Stelle aus seinem Aufsatz: Das zweite Versailles:

„Der Fluch der Unlerzeichnung unerfüllbarer Verpflich­tungen und der Fluch der Sünde wider den Geist nationler Selbstbehauptung hal fünf Jahre lang auf Deutschland ge­lastel und das deutsche Volk hart an den Rand des Unter­ganges geführl. Das deutsche Volk ist ohne Reitung ver­loren, wenn es heute den Fluch von neuem auf sich lädl“.

Am 8. Mai schrieb die„Deutsche Tageszeitung“ in Nr. 108 über die Annahme der Sachverständigengutachten:

„Ihre uneingeschränkte und bedingungslose Annahme wäre Selbstmord des deutschen Volkes. Den begehl aber nur ein Irrsinniger oder ein Schwächling“.

Diese Zitate lassen sich nach Belieben vermehren. Noch am 25. August sagte Abg. Hergt in der 23. Sitzung des Reichs­tages:

„Rein, das Unannehmbar muß aufrecht erhalten werden im Interesse des Ansehens Deutschlands und im Interesse der Wahrung des Rechlsstandpunkles Deutschlands... So bleibi uns rebus sie stanlibus nichts anderes übrig ale Ablehnung... Wir sehen im übrigen unbeirrt durch Dro­hungen, unbeirrk durch Lockungen allem, was eintreten kann, entgegen. Ich möchte ruhig sagen: Hier steh ich, ich kann nicht anders“.

Und dennoch konnte Herr Hergt schon nach vier Tagen anders, wenigstens hinderte er als Fraktionsvorsitzender nicht, daß es ganz anders kam. Die heiße Sucht nach Ministerposten war zu groß, und so kam es denn, daß die Fraktion in ihrer „bewährten Festigkeit“ glänzend auseinanderfiel und dabei: der Herr von Dryander Ja sagte. Schon am Tage dieser Ab­stimmung schrieb die„Deutschnationale Korrespondenz“:

„Die Voraussetzung für die Zustimmung deutsch­nakonaler Reichslagsabgeordneler war die Zusicherung der Regierungsparteien, daß wir den uns zustehenden Anleil an der Verantwortung für die Durchführung des Londoner Paktes erhalten würden, wenn wir auch an der Verantwor­tung für seine Annahme unser Teil übernehmen würden. Hinein in dei Reichsregierung heißt deshalb unsere erste und nächste Parole....“

Neuestes in drei Seilen.

„Berlin, 19. Nov. Staalssekrelär von Trendelenburg wird bis zum Abschluß der Kabinektsverhandlungen in Berlin blei­ben. Der Termin der Abreise ist noch unbestimmt.

lungen ber°; Vier. Dr,.sgeischschweitzerschen Verhand­lungen bekr. den Abbau der beiverseitigen Einfuhrbeschränkun­

gen sind durch Unterzeichnung des Vertrags beendet.

London, 19. Nov. Die Pariser Meldungen über die Ver­

offentlichungen aus dem Tagebuch des vormaligen franz. Bol­schafters in Rußland erregen hier starke Sensation.

London, 19. Nov. Der Generalsekrelär des Bürgerbunds, Drumond, weilt hier um die Wirkung des Genfer Protokolls mit den führenden Persönlichkeiten zu besprechen.

Rom, 19. Nov. Die Kammer wird heute die Sitzung wieder aufnehmen und die Budgelberatung fortsetzen. Ebenso nimmt der Senal seine Beratungen wieder auf.

Freiburg(Schwarzwald), 19. Nov. Die Temperatur ist stark gesunken, Es wurden auf dem Feldberg 11 Grad Kälie gemessen.— Wien meldet den ersten Schneefall.

Mexiko, 19. Nov. Die beiden Mörder, die vor einiger Zeit in scheußlicher Weise die Engländerin Miß Evans ermor­deten, sind zum Tode verurteilt worden.

Unter dem Vorwand der Uebernahme der Mitveranwor­tung verlangten dann die Deutschnationalen zum Lohn für die Jasagerei 4 Ministersessel!!— Damit begann die wenig erfreu­liche Zeit der Regierungsumbildung, die bekanntlich fehl schlug, und so löste sich denn halb von selbst, halb durch das Zutun des Kanzlers indem er die Auflösungsorder verlas, der Reichs­tag in Wohlgefallen auf.

Das ist die Politik der Partei des schwankenden Banners: Rin in die Erfüllungspolitik—! Raus aus der Erfüllungs­politik! Herr von Dryander, nicht wahr, so liegen doch die Dinge in Wirklichkeit.—

Das Fazit der gestrigen Versammlung, an der sich als Dis­kussionsredner Dr. Vogt, Dr. Remarck und Semmarlehrer Steinhauer in ausgezeichneter Weise beteiligten, ist klar und deutlich eine starke Abkehr von den Deutschnationalen und eine Rückkehr zur Mitte. Das ist die Erscheinung, die naturnotwen­dig eintreten mußte. Daß es so kommt, ist die sichere Voraus­schau auf den 7. Dezember, das ist aber allein der Vernunft­politik des Zentrums und der anderen Regierungsparteien zu verdanken. Für uns vom Zentrum ist Marx ein Programm. Wir wählen auch am 7. Dezember die Partei, von der wir die Gewißheit und die Zuversicht haben, daß sie unser Ver­trauen rechtfertigt. Jeder echte Deutsche und jeder überzeugte Katholik wählt am 7. Dezember

die Parlei der Mille, das Zenkrum.

Die Stellung der Katholiken in unserm Staatswesen.

Die neuzeitliche Entwicklung verrät das Bestreben, die Re­ligion, die Erzieherin der Völker, zu entthronen und durch eine religionsfreie Sittlichkeit zu ersetzen. Die deutschen Gesell­schaften für ethische Kultur und Freisinn wirken in diesem Sinne. Hinter diesen Bestrebungen steht zumeist die Anschau­ung, der Mensch sei ein reines Entwicklungsprodukt in dar vinistischem Sinne und die Menschheit sei unabhängig von einem Schöpfergott und seinen Geboten. Derartige Angriffe, welche die katholische Kirche oft erleiden muß, richten sich meistens gegen die Grundwahrheiten unseres Glaubens.

Im allgemeinen ist auch noch in unserem demokratisch sein wollenden Staate die katholische Kirche überall beengt und in Fesseln gehalten, wogegen die Ungläubigen mehr Bewegungs­freiheit haben. Der Hauptgrund liegt wohl darin, daß die ton­angebenden Kreise größtentells mit der Kirche gebrochen haben

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spricht am Freitag, abends 8 Uhr im Gesellenhause.

Zentrumsfreunde erscheint in Massen.

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