Hattinger Zeitung
BESTANDHALTENDE INSTITUTIONEN
Stadtarchiv Hattingen, Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V. (MFA)
BESCHREIBUNG VERFASST VON
Angelika Gwóźdź M.A. (2026), Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Vorläufer: Märkische Blätter (1849-1882)
Die „Märkischen Blätter“ (1849–1882) erschienen ab dem 1. März 1849 im Verlag des Buchbinders Carl Hundt in Hattingen. Nach seinem Tod im Jahr 1860 übernahm seine Witwe Friederike Hundt die Geschäfte, übertrug diese jedoch 1868 an ihren ältesten Sohn Heinrich Hundt.
1882 änderten die „Märkischen Blätter“ ihren Titel in „Hattinger Zeitung“ und erschienen fortan viermal wöchentlich (Allgemeiner Anzeiger für Rheinland-Westphalen, 29.6.1882).
Hinweis:
Im Jahr 1875 erschien eine „Hattinger Zeitung. Organ für Stadt und Amt Hattingen, Blankenstein, Sprockhövel und Umgegend“ im Verlag von L. Sintermann. Im April wurde diese von Georg Scheu übernommen und bereits zum Ende des Jahres eingestellt. Ein Zusammenhang zur „Hattinger Zeitung“ aus dem Verlag C. Hundt ist nicht ersichtlich. Scheu konzentrierte sich stattdessen auf seine neue Zeitung „Märkischer Anzeiger“ (1876–1879).
Hattinger Zeitung (1882-1945)
Geschichte und Entwicklung
1882 erschien die erste Ausgabe unter dem neuen Titel „Hattinger Zeitung. Allgemeines Publikations-Organ für den Umfang des Amtsgerichts-Bezirks Hattingen“. 1886 wurde die Firma „C. Hundt sel. Wwe.“ in eine Gesellschaft überführt, die von Heinrich Hundt und dem Buchdrucker Carl Strauch vertreten wurde (Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 8.10.1886). Wenige Jahre später wurde diese wieder aufgelöst und Heinrich Hundt führte die Geschäfte alleine fort (Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, 22.6.1891). Dieser war außerdem Mitbegründer des „Evangelischen Arbeiter- und Bürgervereins Hattingen“ (5.8.1911).
1894 gründete Heinrich Hundt das Wochenblatt „Bote aus dem Ruhrthal“ und beauftragte Karl Zänker mit der Redaktion. Im Juni 1894 starb seine Mutter Friederike Hundt, die 1860 bis 1868 die Geschäfte ihres verstorbenen Mannes Carl Hundt führte. Neben weiteren Zeitschriftengründungen schrieb Heinrich Hundt als Redakteur für die „Dorf-Chronik und Grafschafter“ aus dem Verlag J. G. Eckner in Moers, die in Hattingen gedruckt wurde.
Die „Hattinger Zeitung“ unter der Leitung von Rudolf Hundt
Während das Unternehmen wuchs, engagierte sich Heinrich Hundt zunehmend im Stadtrat. 1907 übertrug er die Leitung des Verlags an seinen ältesten Sohn Rudolf Hundt.
Ab dem 20. November 1908 wurde das „Linden-Dahlhauser Tageblatt, verbunden mit dem Amtlichen Kreisblatt für den Kreis Hattingen. Amtlicher Anzeiger für die Gemeinden Linden und Dahlhausen“ als Nebenausgabe der „Hattinger Zeitung“ herausgegeben. Unter der Führung von Rudolf Hundt wurde der Verlag stetig vergrößert und die Druckerei modernisiert.
Während der französischen Besetzung des Ruhrgebiets wurde die „Hattinger Zeitung“ vom Stadtkommandanten für mehrere Tage verboten. Dies beeinträchtigte den Erfolg des Unternehmens jedoch nicht nachhaltig. Im Jahr 1927 wurden die Verlagsrechte der „Langenberger Zeitung“ erworben, die bisher von August Forsthoff in Langenberg herausgebracht wurde. Ab dem 24. November erschien sie als Nebenausgabe der „Hattinger Zeitung“. Der Hundt-Verlag trat jedoch zunächst nicht namentlich in Erscheinung, sondern agierte hier als Verlag „Langenberger Zeitung“. Auch hier war Karl Zänker für die Redaktion verantwortlich.
Als Rudolf Hundt 1928 verstarb, gingen die Geschäfte an seinen gleichnamigen Sohn Dr. Rudolf Hundt über. Im Mai desselben Jahres wurde der Zeitung durch eine Verfügung des damaligen Regierungspräsidenten König in Arnsberg der Status als amtliches Kreisblatt aberkannt.
Ab 1932 wurde die Verbindung zwischen den Nebenausgaben durch den Verlagsnamen „Vereinigte Ruhrtal Zeitungen, C. Hundt sel. Wwe.“ sichtbar. Bereits zwei Jahre später wurde er jedoch wieder abgelegt.
Die Heimat am Mittag (1936-1945)
Ab dem 2. Januar 1936 erhielt die „Hattinger Zeitung“ den Zusatztitel „Die Heimat am Mittag“, der ebenfalls auf die Nebenausgaben übertragen wurde. Zunächst noch schraffiert und ausgegraut dargestellt, ab August erhebt sich der nun vergrößerte Schriftzug deutlich über dem alten Titel. Die Hinwendung zum Nationalsozialismus wurde nun auch optisch durch die verwendeten Schriftarten zum Ausdruck gebracht.
Ab 1943 wurden die Ausgaben für Hattingen, Bochum und Essen unter dem Titel „Die Heimat am Mittag. Tageszeitung für das mittlere Ruhrtal“ zusammengeführt (2.4.1943). Die Nebenausgabe in Langenberg trug hingegen weiterhin ihren eigenen Titel.
Die letzte Ausgabe der „Heimat am Mittag“ erschien am 14./15. April 1945. Bereits zwei Tage wurde Hattingen von den US-Amerikanern besetzt.
Titeländerungen
- „Hattinger Zeitung. Allgemeines Publikations-Organ für den Umfang des Amtsgerichts-Bezirks Hattingen“
- „Hattinger Zeitung. Amtlicher Anzeiger- Kreisblatt für den Ennepe-Ruhrkreis. Allgemeiner Anzeiger für den Ennepe-Ruhrkreis.“
- 1935 ? „Hattinger Zeitung. Allgemeiner Anzeiger. Kreisblatt für den Ennepe-Ruhrkreis. Allgemeiner Anzeiger für den Ennepe-Ruhrkreis. Die große Heimatzeitung in Stadt und Kreis.“, Vereinigte Ruhrtal Zeitungen
- „Die Heimat am Mittag. Hattinger Zeitung. Kreisblatt für den Ennepe-Ruhrkreis. Die große Heimatzeitung in Stadt und Kreis“.
- 1943 „Die Heimat am Mittag. Tageszeitung für das mittlere Ruhrtal. Früher ‚Hattinger Zeitung‘, ‚Bochumer Tageblatt‘, ‚Tageblatt für Essen-Steele, -Kray, -Ueberruhr, -Kupferdreh“, Ausgabe A
Inhalt und politische Ausrichtung
Politische Ausrichtung
Nationalliberal, Christlich national-konservativ, parteilos.
In den 1920er-Jahren positionierte sich die „Hattinger Zeitung“ kritisch gegenüber den Nationalsozialisten. Als sie sich weigerte, Anzeigen mit Hakenkreuzen abzudrucken, führte der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund im Jahr 1921 eine Flugblätteraktion „Zum Kampf gegen die Hattinger Zeitungen“ durch und warf darin Hundt die „Vergewaltigung und Knebelung deutschen Geistes und deutscher Art“ vorgeworfen. Auch der „Völkische Beobachter“ warf ihr vor, Artikel über Juden- und Rassenfragen „mit Rücksicht auf Inserate von jüdischen Geschäften“ zu verweigern (Völkischer Beobachter, 29.12.1925). Nach der „Machtergreifung“ gibt aber auch sie sich dem Nationalsozialismus hin und die Ortsgruppe der NSDAP konnte schließlich ihre Meldungen auch in der HZ veröffentlichen.
Inhalt
Der Inhalt der „Hattinger Zeitung“ setzte sich zusammen aus einem Aufmacher und passenden Kurznachrichten auf der Titelseite, gefolgt von den Tagesnachrichten, politische Nachrichten, Feuilleton mit Gedichten, Artikeln, Romanen, Sensationsmeldungen, Bekanntmachung evangelischer Gottesdienste, Sportteil, Witze und Anzeigen. Das Layout wurde durch Fotografien und Illustrationen ergänzt. Ab 1936 wurde der Karikaturist Olav Iversen eingestellt.
29./30. April 1933 Sonderausgabe zum „Tag der nationalen Arbeit“
Personalia (Auswahl)
Karl Zänker, Adolf Beinecke, Otto Richard Wanninger, Werner Broschwitz (Sport und Frauenbeilage), Walter Froneberg, Kurt Kumpmann, Eva Arisser, Hermann Büscher, Willi Nolte, Ernst Dittmer, Hans Hollender (Bochum), Fritz W. Deger, Heinrich Kortum
Periodizität, Auflage und Format
Viermal wöchentlich, dienstags, donnerstags, samstags und sonntags. Ab 1897 tägliches Erscheinen. Mit Beilagen bis zu 18 Seiten. Ab 1945 war die Zeitung gezwungen dreimal wöchentlich (Di, Do, Fr) auf zwei Seiten zu reduzieren. An den übrigen Tagen erschien sie vierseitig.
Format
- 1910 425mm x 273 mm
- 1925 432 x 295
- 1928 432 x 304
Auflage
- 1863: 500 Leser
- 1902: 3.850
- 1905, 1906: 4.150
- 1907: 4.500
- 1910: 5.800
- 1912: 6.000
- 1925: 11.000
- 1928: 11.300
- 1930: 12.100
- 1933: 14.500
- 1934: 11.010, mit Nebenausgaben
- 1935: 10.800, mit Nebenausgaben
- 1936: 10.157, mit Nebenausgaben
- Sept 1939: 15.163
Beilagen
- „Familienfreund“, Sonntagsbeilage
- „Radio-Rundschau. Wöchentliche Beilage mit dem Programm des Westdeutschen Rundfunks über die Sender Langenberg, Münster, Dortmund, Elberfeld, aus den Senderäumen Köln, Düsseldorf, Münster, Dortmund, Elberfeld“ (wöchentlich), später „Westdeutscher Rundfunk“
- „Rätsel, Fragen und Humor“ (wöchentlich)
- „Sport-Rundschau. Tägliche Beilage für Turnen Spiel Sport Wandern“(6x)
- „Feierstunden“ (3 x), Die, Do, Sa, nummeriert
- „das Bunte Leben. Neuigkeiten aus aller Welt“ (3 x)
- „Das Reich der Frau (1x), Mi
- „Leben im Bild“, Fr
- „Heitere Welt“ (1x)
- „Hitler-Jugend. Die Zukunft des deutschen Volkes“
- „Sonntagsfreude zu Unterhaltung“, wöchentlich, nummeriert, 8-seitig, mit Frauenteil, Jugendteil, Witzeteil
- „Das Ziel – der olympische Sieg“, tägliche Beilage für das Gesamtgebiet der Leibesübungen
- „Filme der Zeit“
Nebenausgaben
- „Linden-Dahlhauser Tageblatt, verbunden mit dem Amtlichen Kreisblatt für den Kreis Hattingen. Amtlicher Anzeiger für die Gemeinden Linden und Dahlhausen“, 1908 gegründet.
- „Linden-Dahlhauser Tageblatt, Amtlicher Anzeiger für die Gemeinden Linden, Dahlhausen und Umgegend“
- 1929 „Linden-Dahlhauser Tageblatt, Bochumer Tageblatt, Amtlicher Anzeiger für die Groß-Gemeinde Linden-Dahlhausen und Umgegend“
- 1929 Nach der Eingemeindung von Linden-Dahlhausen und Stiepel Umbenennung in „Bochumer Tageblatt. Früher: Linden-Dahlhauser Tageblatt. Tageszeitung für die Stadtteile Linden-Dahlhausen, Stiepel und Weitmar“. Lokalredaktion von Wilhelm Rohland
- 1936 „Die Heimat am Mittag, Bochumer Tageblatt. Tageszeitung für Bochum-Linden-Dahlhausen-Stiepel-Weitmar“
- „Tageblatt für Essen-Steele“
- Ab 24. November 1927 „Langenberger Zeitung“
- „Heimat am Mittag, Langenberger Zeitung, Ausgabe B“ (Langenberg)
Nachfolger
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekam der Verlag C. Hundt sel. Wwe die Lizenz die Amtlichen Bekanntmachungen für Hattingen und einen Anzeigen-Anschlag herauszugeben, die beide ein- bis zweimal wöchentlich erschienen. Ab 1949 wurde „Die Heimat am Mittag“ herausgebracht, bis sie im Jahr 1966 in den Ruhr-Anzeiger aufging. 1972 ging der dieser in den Besitz der WAZ-Mediengruppe mit Untertitel WAZ über .
Literatur und Quellen
- Hundt, Rudolf: „Der Gang durch ein Jahrhundert. Geschichte der Firma C. Hundt sel. Wwe“, in: Die Heimat am Mittag. Hattinger Zeitung, vom 27.5.1939
- Annoncen-Expedition Rudolf Mosse. Zeitungskatalog Rudolf Mosse. Berlin: Mosse, 1902, 1906, 1907, 1910, 1912 und 1925
- Sperlings Zeitschriften-Adressbuch: Handbuch der deutschen Presse. Leipzig: Verl. d. Börsenvereins d. Dt. Buchh, 1933, 1935 und 1947.
- Handbuch der deutschen Tagespresse. Leipzig Frankfurt, M: Armanen-Verl. 1930, 1932, 1934 und 1944
- VHS Hattingen (Hrsg.): Alltag in Hattingen 1933 – 1945. Eine Kleinstadt im Nationalsozialismus. Essen: Klartext 1985.