Westfälische Landeszeitung

BESTANDHALTENDE INSTITUTIONEN

Stadtarchiv Castrop-Rauxel, Mikrofilmarchivs der deutschsprachigen Presse e.V. (MFA)

BESCHREIBUNG VERFASST VON

Angelika Gwóźdź, M.A. (2025), Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

Vorläufer

Rote Erde (1931-1933)

Die „Westfälische Landeszeitung“ wurde 1931 von Gauleiter für Westfalen-Süd Josef Wagner und dem Bochumer Stadtrat Otto Leopold Piclum als Tageszeitung zunächst unter dem Titel „Rote Erde“ in Bochum gegründet. Während Wagner sich als Herausgeber zeichnete, fungierte Piclum als Hauptschriftleiter. Anfangs noch ohne eigene Druckerei, erschien die erste Ausgabe am 2. Februar 1931 als Parteiorgan der NSDAP. Gedruckt wurde bei Ludolph u. Co.(Rheinisch-Westfälische Wirtschaftszeitung, 25.11.1931). Die Zeitung wurde durch ihre Anhänger in Betrieben verteilt (Volksstimme, 28.2.1931). In den ersten Jahren wurde die Zeitung aufgrund ihrer beleidigenden und propagandistischen Artikel mehrmals verboten und ihre Autoren vor Gericht gestellt

Zeiträume, in denen die Rote Erde verboten war:

  • vom 11. bis 24. April 1931 für 14 Tage verboten
  • vom 24. Juni bis 20. August 1931 4 Wochen verboten
  • Ab 30. September 1931 4 Wochen verboten
  • vom 23. März bis 27. März 1932 verboten
  • vom 11. April 1932 8 Tage verboten

1932 bis 1945 war Alfred Meyer Herausgeber der „Rote Erde“. Im Jahr 1933 hieß der vollständige Titel „Rote Erde. Bochumer Nationalzeitung, Beobachter für Hagen und das Sauerland, Dortmunder Nationalanzeiger. Amtliche Tageszeitung des Gaues Westfalen-Süd der NSDAP“. Ob der 1930 gegründete, ebenfalls nationalsozialistische „Dortmunder Nationalanzeiger“ in der „Rote Erde“ aufgegangen ist, sei noch zu klären.

Westfälische Landeszeitung (1934-1945)

Nicht zu verwechseln mit „Westfälische Landeszeitung“ (1919-1933) aus Münster

Geschichte und Entwicklung

General-Anzeiger – Rote Erde (1933-1934)

(Die Digitalisate sind hier zu finden)

Nach der sogenannten „Machtergreifung“ wurde die „Rote Erde“ zum bedeutenden Instrument der Gleichschaltung der Presse. Bereits für Februar 1933 war die Übernahme der Betriebsanlagen der Konkurrenzzeitung „Dortmunder Generalanzeiger“ geplant. Man entschied sich jedoch zunächst nur in die redaktionelle Arbeit einzugreifen und den Chefredakteur Jakob Stöcker von seinem Posten zu verdrängen. Im April wurde die Druckerei schließlich von SA, SS und schließlich der „Rote Erde“ besetzt und der Verkauf des General-Anzeigers erzwungen. Der Redakteur Joseph Westhoff wurde in Schutzhaft genommen. Als Anlass wurde der Abdruck einer Hitlerkarikatur des Presszeichners Emil Stumpp auf der Titelseite des General-Anzeigers aufgeführt (Neue Hohenlimburger Zeitung, 21.4.1933). Den Gesellschaftern wurde lediglich das Bankguthaben der General-Anzeiger GmbH ausgezahlt. Der Verlag wurde unter der neuen Leitung von Paul Förster und Heinz Grümer unter dem gleichen Namen, Generalanzeiger GmbH, geführt (Buersche Volkszeitung, 25.4.1933). Hauptschriftleitung übernahm Friedrich Pfaffenrott.

Am 20. April 1933 erschien die erste Ausgabe als „General-Anzeiger – Rote Erde“ unter neuer Verlagsleitung als amtliches Parteiorgan der NSDAP in Dortmund. Fortan prangte das Hakenkreuz im Zeitungskopf. Der volle Titel lautete nun „General-Anzeiger – Rote Erde für das gesamte rheinisch-westfälische Industriegebiete. Amtliches Organ der National-Sozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei“. Mit dem Kauf eignete sich die „Rote Erde“ die Tradition des General-Anzeigers und somit auch sein Gründungsdatum 1887 an. Entsprechend führte sie die Jahrgangszählung des General-Anzeigers fort. Auch inhaltlich unterschied sie sich deutlich vom ursprünglichen General-Anzeiger. Es wurden wesentlich mehr Fotografien und Abbildungen abgedruckt, die die propagandistischen Artikel illustrieren sollten. Dass der „General-Anzeiger für Dortmund“ also der Vorläufer der „Westfälischen Landeszeitung“ sei, ist nicht ganz richtig, da es, abseits des Titels, durch die Enteignung weder inhaltliche noch strukturelle Kontinuität zum alten Unternehmen gab.

Mit dieser ersten erfolgreichen Vereinnahmung begann der Kampf gegen die anderen nicht-nationalsozialistischen Dortmunder Zeitungen. So fasst Koszyk (1972) zusammen: „Der Tremonia wurde von der Roten Erde am 2. März 1933 Brunnenvergiftung im Gewande der Sachlichkeit vorgeworfen. Das Hörder Volksblatt wurde am 6. März 1933 beschlagnahmt; einige Tage später auch die Tremonia wegen eines Berichts über die Auflösung einer Kundgebung der ‚Eisernen Front‘ in Dortmund. Im Mai 1933 ging man wiederholt gegen die Dortmunder Zeitung vor“ (Markierungen im Original).

Westfälische Landeszeitung – Rote Erde (1934-1945)

Am 30. Januar 1934 wurde der Titel in „Westfälische Landeszeitung – Rote Erde“ (WLZ) geändert, um sich von der General-Anzeiger-Presse zu distanzieren. Als Verlag blieb weiterhin „General-Anzeiger GmbH“ in Dortmund, die ab 3. Februar ebenfalls umbenannt wurde in „Westfälische Landeszeitung GmbH“. Personal, Aufmachung und Inhalt blieben unverändert.

Im Mai 1941 wurde das Verlagsrecht vom „Volksblatt“ samt Nebenausgaben aus dem Verlag May & Comp. erworben ([Volksblatt 30.5.1941])(https://zeitpunkt.nrw/ulbms/periodical/zoom/9325298?query=%22an%20unsere%20leser%22!)

1944 ist der Verlagsleiter Paul Förster als Major der Luftwaffe gefallen (7.10.1944). Nachdem Erich Kleiner stellvertretend übernahm, wurde Friedrich Aschhoff zum Verlagsleiter ernannt.

Am 12. März 1945 wurde Dortmund Opfer eines Großangriffs, der 95% des Stadtkerns zerstörte. Am 13. April wurde die Stadt von US-Truppen besetzt. Entsprechend erschien die letzte Ausgabe der „Westfälischen Landeszeitung – Rote Erde“ vermutlich am 13. April 1945.

Personalia:
Albert Meister, Ewald Goldmann, Ewald Löbbert, Fritz Bormann, Heinrich Eisenpeter, Julius Friedrich, Ernst Schulte, Erich Kleiner, Heinrich König, Kurt Ziesel, Friedhelm Kaiser, Fritz Bormann, Helmut Barth-York, Kurt Uthoff, Julius Weistenfeld, Hans Saalbach, Hans Wirtz, Emil Aeckersberg, Heinz Liebscher.

Inhalt und Politische Ausrichtung

Parteiorgan der NSDAP für Industriegau Westfalen-Süd.

Die erste Seite beginnt immer mit Propaganda, Meldungen aus dem Reichstag und Ansprachen von Adolf Hitler und seinem Kabinett. Bereits in ihrer Werbenummer verbreitet die „Rote Erde“ Falschmeldungen, um ihre politischen Gegner zu diffamieren (Volkswille, 2.2.1931).

Der Inhalt des „General-Anzeiger – Rote Erde“ im Oktober 1933 bestand aus Artikeln, die ideologische Themen wie Gedenktage und Feiertage (z.B. Erntedankfest, Neukontextualisierungen von historischen Ereignissen aufgriffen und die nationalsozialistische Gesinnung durch die Stärkung der nationalen Identität festigen sollten. So standen vor dem Erntedankfest Artikel zur Landwirtschaft und dem Bauerntum im Fokus. Die zweite Seite enthielt politische Nachrichten aus dem Ausland, gefolgt von Rubrik Deutsche Scholle, Heilige Erde, Jugend marschiert, Groß-Dortmunder Anzeiger, Rattenfängerstadt Hameln (1 Stadt vorgestellt mit Geschichte, Kultur und Bräuchen?), Zahltage der Ruhr-Knappschaft, Anzeigen, Deutscher Volkssport, Rundfunk-Programm, Feuilleton mit Theater-Wochen-Spielplan, Kunst und Wissenschaft.

Nachdem bei der Übernahme des General-Anzeigers viele Abbildungen wurden, wurden sie und die Lokalnachrichten spätestens 1945 mit Fortschreiten des Krieges drastisch reduziert, um Nachrichten aus dem Kriegsgeschehen Platz zu machen, aber auch um Ressourcen zu sparen. Entsprechend enthielt die WLZ weniger Seiten.

Periodizität, Auflage und Format

Periodizität
Die „Westfälische Landeszeitung“ erschien täglich frühmorgens mit 16 bis 20 Seiten. Bei besonderen Anlässen konnte der Umfang bis zu 32 Seiten betragen. 1945 nur noch zwei Seiten.

Auflage

  • 1933 25.000
  • 1934 Gesamt 190.400
    • Ausgabe Groß-Dortmund 67.189
    • Ausgabe Bochum-Witten 21.350
    • Ausgabe Essen, Reichsausgabe 27.920
    • Ausgabe Hagen-Sauerland 41.849
    • Hamm-Soest 14.916
    • Herne-Wanne 17.176
  • 1935 Gesamt 175.000
  • 1935: 190.500
  • 1937: 196.000
  • 1938: 225.000
  • 1944: Über 250.000

Beilagen

  • GA am Sonntag, mit: "wilde Welt", Kinderbeilage "schnick-Schnack", Beilage "Der Witzbold", Frauenbeilage "Wir Frauen". Später unter dem Titel „WLZ am Sonntag“ sonntags 16 Seiten
  • Film und Funk
  • Die Westdeutsche Schiffahrt
  • Das „Illustrierte Unterhaltungsblatt“, täglich
  • „Die Feierstunde“, „Deutscher Volkssport“, „Buch und Nation“, „Film und Funk“

Nebenausgaben

Im weiteren Verlauf erhielten diese Nebenausgaben zwar einzelne Buchstaben, jedoch konnte es durchaus vorkommen, dass Ausgaben mehrere Buchstaben und somit mehrere Verbreitungsgebiete zusammen aufführten. Vor allem in den ersten Jahren scheint die Zuweisung nicht stringent durchgezogen worden zu sein. Spätestens ab 1944 werden die Bezirksausgaben wieder zusammengefasst und die Lokalteile nicht mehr optisch abgesetzt, da diese stark reduziert wurden.

Hinweis: Da der Mantel stets gleichbleibt, lohnt es sich bei fehlenden Nummern einer Nebenausgabe einen Blick in die Einträge der anderen Nebenausgaben zu werfen. Nachfolgend die Bezirksausgaben mit entsprechendem Kürzel und den jeweiligen Einträgen:

1934

  • Bezirksausgabe D: Groß-Dortmund. Lokalteil: Gross-Dortmund. Einziges Amtliches Organ der Stadt Dortmund, verantwortlich Harry Bleckmann. (Jan 1934 – Sept 1934) (Sept 1934-1945)
  • Bezirksausgabe B: Bochum-Witten, verantwortlich W. Perl, Bochum
  • Bezirksausgabe H: Hagen-Sauerland. Lokalteil: „Beobachter für Hagen und das Sauerland. Amtliches Kreisblatt der Stadt Hagen“, verantwortlich Carl Krampe, Hagen
  • Bezirksausgabe S: Hamm-Soest und die Börde, verantwortlich W. Osthoff, Dortmund, ab 1937 als BH und S: Bad Hamm, Soest, Lippstadt und die Börde
  • Bezirksausgabe G: Herne-Wanne und Umgebung (Gelsenkirchen, Recklinghausen), verantwortlich Löbbert, Dortmund. Ab 1937 als Ausgabe G und W
  • Reichsausgabe E-R: Essen/Rheinland (Reichsausgabe), verantwortlich. Hermann Thien, ab 1937 als R
  • Ab spätestens September 1934 Bezirksausgabe A: Sauerland (Arnsberg). Lokalteil: „Beobachter für das Sauerland. Amtliches Organ der Kreise Arnsberg/Meschede/Brilon/Olpe“, verantwortlich Adolf Weber, Dortmund, ab 1937 Josef Hachenberg. (2. Juli-3. Juli 1934) (4. Juli 1934-26. September 1934) (27. September 1934-1945, ab 1937 ohne Mantel)
  • Ab 1935 Bezirksausgabe L: Lüdenscheid, verantwortlich
  • Spätestens ab 1940 Bezirksausgabe DC: Castrop Rauxel (1940-1942)

Ab 1944 werden die Bezirksausgaben in wechselnden Konstellationen zusammengefasst. Nachfolgend eine Auflistung der Kürzel, wie sie im Impressum aufgeführt werden:

  • Bezirksausgabe A: ab 1935 märkisches Sauerland, 1944 Arnsberg
  • Bezirksausgabe B: Bochum
  • Bezirksausgabe AB: Kreis Brilon
  • Bezirksausgabe DC: Castrop Rauxel
  • Bezirksausgabe D: Dortmund
  • Bezirksausgabe G: Gelsenkirchen
  • Bezirksausgabe H: Hagen
  • Bezirksausgabe BH: Hamm
  • Bezirksausgabe He: Herne
  • Bezirksausgabe L: Lüdenscheid
  • Bezirksausgabe S: Soest
  • Bezirksausgabe WE: Wanne-Eickel
  • Bezirksausgabe B: Witten-Ennepe (Ruhr)
  • Bezirksausgabe DH: Kreis Hellweg

Übergreifende Ausgaben, die im Oktober 2025 in zeitpunktNRW einzusehen sind:

Konkurrenzblätter

Literatur und Quellen

 
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