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Kittkriches Hrgan.—

Nr. 89. 1909.

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Dienetag, den 3. August.

25. Jahrgang.

Zerpeline Fohrr nach

Frankfurt a. M.

Das Reichsluftschiff„Z. II“ traf bald nach 2 Uhr nach­mittags in Frankfurt a. M. ein, von tosendem Jubel begrüßt. Es landete glatt. Die ganze Fahrt ist ohne jeden Zwischenfall ver­laufen.— Wie immer, so ist auch diese Fernfahrt des genialen Grafen eine rechte Triumpffahrt gewesen. Ueberall jubelten tausendköpfige Menschenmengen dem dahingleitenden hellschimmern­den Luftschiff zu. In verschiedenen Ortschaften begrüßte Glockenge­läut den Eroberer der Lüfte. In Frankfurt selbst war der Jubel unbeschreiblich. Jeder Verkehr war durch die Menschen­massen, die sich in den Straßen drängten, unterbrochen. Der Ausstellungsplatz der„Ila“, wo der„Z. II.“ landete, war schon seit den frühen Morgenstunden von Menschen belagert, die, mit Rucksack und Eßvorräten ausgerüstet, geduldig ausgeharrt hatten. Als Böllerschüsse, die von der Bismarcksäule aus auf ein vom Fesselballon aus gegebenes Zeichen abgefeuert wurden, das Her­annahen des Luftschiffs verkündeten, stieg die erwartungsvolle Spannung aufs höchste und als der Lustkreuzer über der Stadt erschienen war und in geringer Höhe eine Anzahl interessante Manöver ausführte, da wollte der Jubel kein Ende nehmen. Diele Fabriken gaben ihren Arbeitern frei, um diesen das Schau­spiel nicht entgehen zu lassen. Die Leistungsfähigkeit des„Z. II“ ist durch die Dauerfahrt über allen Zweifel gestellt worden. Trotzdem von Anfang bis zu Ende der Wind konträr stand, ist die lange Strecke doch in noch verhältnismäßig kurzer Zeit zurückgelegt worden. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß während einer kurzen Strecke das Luftschiff den Wind im Rücken hatte, und hierbei eine Zeitlang eine Stundengeschwindigkeit von 100 Kilometern entwickelte. Das ist ein mehr wie rasendes Tempo, ein Schnettzug legt etwa 90 Km. in der Stunde zurück. Durch die Ankunft des Reichsluftschiffes ist nun auch die„Ila“ komplett geworden, die Ausstellung zeigt jetzt sämtliche Systeme der Luftschiffahrt, der Parseval=Ballon traf bekanntlich kürzlich auch ein, allerdings trübselig pek Bahn. Major v. Parseval ist auch in Frankfurt mit Zeppelin nicht zusammengetroffen.

Graf Zeppelin hat das von ihm begeisterte Frankfurt a. M. am gestrigen Montag schon wieder verlassen, um den Z. II per­sönlich in die neue Ballonhalle nach Köln zu überführen. Die Frankfurter„Ila" besitzt viel des Anziehenden; aber alles war in den Schatten gedrängt und gänzlich ausgeschaltet, so lange der Z. II seine Fahrt und Landung ansführte, auf dem Ausstellungs=Gelände vor Anker lag und die Abreise bewerk­stelligte.— Aus den Stimmungsbildern der Frankfurter Blätter ersieht man, wie stark der Eindruck des majestätischen Luftschiffes und wie groß die Begeisterung für den Grafen war. Die rter Rtg.“ sagt z..: In

Moltke und der Oberpräsident der Rheinprovinz. Unter dem

Jubel der Bevölkerung trifft Graf Zeppelin ein. Er wird von der Leitung der Ausstellung empfangen. Nach herzlicher Be­grüßung besteigt er die Gondel, mit Oberingenieur Dürr und dem kommandierenden General von Eichhorn, Graf Zeppelin junior und Hauptmann George, Direktor Eolzmann und die Bedienungs­mannschaften besteigen die andere Gondel. Der Lorbeerkranz, der dem Grafen bei seiner Ankunft überreicht wurde, ist in der vorderen Gondel aufgehängt. Der Leiter der Ausstellung Geh. Kommerzienrat Gans verabschiedet sich von dem Grafen und dankt im Ramen der Ausstellung. Graf Zeppelin antwortete: „Auch ich danke vielmals für die freundliche Aufnahme, die wir hier gefunden haben. Sie hat einen tiefen Eindruck auf uns gemacht. Wir werden Sie nicht vergessen.“ Dann erscholl das Kommando: Entlüften! Graf Zeppelin ergreift das Sprachrohr: Alles fertig? Um 10 Uhr 7 Min. erscholl das Kommando: Achtung! Alle Propeller beginnen zu arbeiten und unter brausendem Jubel erhebt sich der Lustkreuzer. Die Fahrt soll über Wiesbaden gehen, vielleicht erst mit einem Abstecher nach Homburg, und dann den Rhein entlang geradewegs nach Köln.

Frankfurt, 2. Aug.(Die„Frkf. Ztg.“ verbreitet ein Extra­blatt, wonach Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff auf der Rück­fahrt nach Frankfurt begriffen ist.

Die Ausstellungsleitung gibt bekannt, daß Graf Zeppelin infolge Motordefektes die Rückfahrt nach Frankfurt angetreten hat, und daß er bereits Rüdesheim, nach einer späteren Meldung Mainz passiert habe.(Weiteres siehe Neueste Nachrichten.)

Präsident Fallieres begrüßte den Zaren mit folgenden

„Frankfurter Zta.“ sagt

der einen Gondel stand immer

noch Graf Zeppelin, der alte Jüngling, unter dem Lorbeerkranz, mit dem die Frankfurter Freunde sofort das Gondelgestänge ge­schmückt hatten. Zeppelin gab Befehle für die Ueberwachung des Schiffes in seiner energischen, bestimmten und doch freund­lichen Art. Als er Miene machte, aus der Gondel zu klettern, kommandierte Major v. Tschudi:„Hilfsstellung für Seine Exzellenz!“ Die Mannschaften griffen alsbald fest zu, sodaß Zeppelin lachend abwehrte.„Holla, nur nicht so lebhaft helfen!“ rief er, und mit einem Sprunge schwang er sich vom Gondel­schiff zu Boden. Unter dem brausenden Beifallssturm der Massen, die nach der Verankerung des Z. II bis dicht an die Landungs­stelle herangelassen wurden, bestieg Graf Zeppelin ein blumenge­schmücktes Automobil, in dem er mit dem Ausstellungs=Vor­sitzenden Geheimrat Gans, dem Oberbürgermeister Adickes und dem Kokpskommandeur General v. Eichhorn zur Stadt fuhr. Als die 2enge auf den Straßen das sah, war sie nicht länger zu halten. Die Kette der Schutzleute war im Ru durchbrochen, und es gelang den Beamten nicht mehr, die begeisterte Menge zurückzuhalten. Schließlich winkte der Polizeikommissar, die Rutzlosigkeit weiterer Sperrversuche erkennend, ab, und die Massen strömten mit lautem Jubel, der die Elementarkraft echter

Herzlichkeit hatte, an das Auto heran.„Zeppelin, der jugendfrisch Haupt schlugen— es war das eine jener Episoden, die der aussah und nicht eine Spur von Ermudung zeigte, dankte, in Friederich während

winkt

dem er stehend immer wieder mit der Rechten waakte.— Von seiner Fahrt erzählte Graf Zeppelin persönlich: Sturm, Hagel und Regen auf der Alle waren ganz entsetzlich, und die Sonne sahen wir zuerst in Frankfurt a. M.— Zur Begrüßung bei der Landung hatten sich auch die Kronprinzessin von Griechenland

sowie Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen einge­unden. Daß es unserm Grafen nirgends an ehrenden Kund­gebungen sehlte, bei den Festdiners so wenig wie beim öffent­lichen Erscheinen, braucht nicht erst gesagt zu werden.

Zeppelius Fahrt von Frankfurt nach Köln.

Frankfurt a.., 2. August. Schon am frühen Morgen waren die Straßen der Stadt von einer endlosen Menge ange­füllt. Das Luftschiff ist mit der Spitze gegen die Stadt gerichtet. Die beiden Gondeln ruhen auf dem Boden. Es wird zunächst

Benzinvorrat ster Adickes mit auf der kommandierende General von Eichhorn. Um 9½ Uhr Prinz Oskar von Preußen, der von Bonn im Automobil ankommt, ferner Prinz Friedrich Karl von mit. seinen beiden Söhnen, der Minister des Innem von

Deutsches Reich.

Unser Kaiser kehrt am heutigen Dienstag bereits von seiner Nordlandreise zurück; die Fahrt hat infolge des Kanzler= wechsels statt der üblichen vier diesmal nur zwei Wochen ge­dauert. Am vergangenen Sonntag hielt der Kaiser an Bord der Hohenzollern in gewohnter Weise den Gottesdienst ab. Das

Wetter war etwas güuftiger gewolben. Auf der Kaiserjacht ist

alles wohl.

— Die Königin=Mutter Emma der Niederlanden, ge­borene Prinzessin zu Waldeck, vollendete am Montag das 51. Lebensjahr.

— Der Kronprinz, dessen Interesse für alle Sport­leistungen bekannt ist, sandte an Beériot, den Ersten, dem der Flug über den Aermel=Kanal glückte, folgende Depesche:„Ich beglückwünsche Sie von ganzem Herzen zu ihrer Fahrt über den Kanal.“ Blériot drückte umgehend seinen Dank aus.

— König Friedrich August von Sachsen auf dem Studentenkommers. Auf dem anläßlich der 500=Jahr=Jube der Universität Leipzig abgehaltenen großen allgemeinen Kommers ergriff auch König Friedrich August das Wort, um eine mit Jubel aufgenommene Rede über— die Trinksitte der Studenten zu halten. Der König nahm die Studentenschaft gegen den Vor­wurf in Schutz, daß sie in ihren akademischen Sitten und Ge­bräuchen zu sehr dem Gambrinus huldige, sodaß man die Studenten als Trinker verschreie. Das sei aber der deutsche Student nicht und im übrigen sei der, der nur Himbeerlimonade trinke, überhaupt kein richtiger Student!

— Der Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg er­widerte auf ein Glückwunsch=Telegramm des deutschen Handels­tages nach Worten des Dankes: Die in Ihrem Schreiben aus­gesprochene Hoffnung, daß auch unter meiner Amtsführung die Interessen der Industrie und des Handels in gerechter Weise neben denjenigen andrer Berufszweige berücksichtigt werden möchten, werde ich zu erfüllen bemüht sein, in der Ueberzeugung, darin nur einem Gebote der Staatsraison und bewährten wirt­schaftlichen Traditionen zu folgen. In diesem Bestreben wird mir, wie in meinem bisherigen Amte, so auch in Zukunft die Unterstützung des deutschen Handelstages von hohem Werte sein. — Fürst Bülow versicherte in seiner Antwort auf ein Ergebenheits­Telegramm derselben Körperschaft: Der deutsche Handelstag hat mich sehr erfreut durch das liebenswürdige Schreiben, in dem er für meine Arbeit an der Entwickelung des deutschen Handels und der deutschen Industrie so warme Worte der Anerkennung findet.

— Den 150. Jahrestag ber Schlacht bei Minden, in der friederizianische und englische Truppen unter dem tapferen

alfeldmarschal Ferdin

die Franzosen aufs

groß

Generalf Felomnand von

jener Episoden, die der g. des 7jährigen Krieges„noch so an passent“ zu erledigen hatte— hat der 1. August gebracht. In Minden fand eine militärische Gedenkfeier statt. Recht interessant ist, daß auch engl. Offiziere die Absicht hatten, sich an dieser Feier

die Absicht hatten, sich an dieser

ifgeben

iu die Entente vor Tissonanzen bewahren!

zu beteitigen, ste aber auf Befehl ihrer regierung aufz. den mußten. Run, man win die

Ausland.

Oesterreich=Angarn.

Kaiser Franz Josef wird Ende dieses Monats eine Rund­fahrt auf dem Bodensee unternehmen. Hierbei wird den Kaiser voraussichtlich der König von Württemberg in Friedrichshafen und der Großherzog von Baden in Mainau begrüßen. Wahr­scheinlich ist, daß der Kaiser auch die Luftschiff=Werst richshafen besichtigen wird.

Frankreich.

Der Cherbourger Zarenbesuch.

Den Höhepunkt erreichte der Cherbourger Zarenbesuch auf dem Festmahl an Bord des französischen Panzerschiffes„Déritee“. Bei dieser Gelegenheit wurden die offiziellen Trinksprüche aus­

ast in Fried­

gebracht.

Worten:

„Die Anwesenheit Eurer Majestät im Hasen von Cher­bourg ist uns ein Beweis für die treue Zuneigung und un­wandelbare Freundschaft, die Eure Majestät mit uns verbinden. Unser Bündnis ist eine Bürgschaft des Friedens in der Welt. So war es in der Vergangenheit und wird es auch in der Zu­kunft sein. Präsident Fallieres trank darauf auf das Wohl des Zaren, der Zarin, des kaiserlichen Hauses und des russi­schen Volkes.

Kaiser Rikolaus gab den gleichen Empfindungen Ausdruck, stellte dabei dem Heere und der Flotte Frankreichs in den schmeichelhaftesten Worten das beste Zeugnis aus und trank auf das Wohl des Präsidenten und das der französischen Nation. Die Trinksprüche auf der„Déritee", und véritee bedeutet ja Wahrheit, sind überall in der Welt der freudigsten Aufnahme sicher, sie machen sogar die sozialistischen Demonstranten gegen den Zarenbesuch verstummen. Denn so entschieden und nach­drücklich wie dort ist noch nirgends zuvor die unbedingt fried­liche Tendenz des russisch=französischen Zweibundes betont worden. Wenn aber die Großmächte Europas Frieden halten, so können ihn die kleinen Kläffer nicht stören. Der Besuch auf der Déritee, den der Zar alsbald nach seiner Ankunft abstattete, die mit großer Verspätung erst Nachmittags gegen ½3 Uhr stattfand, war, wie halbamtlich hervorgehoben wird, bemerkenswert durch seine Länge und die Herzlichkeit der mehr als einstündigen Un­terredung, die der Zar mit dem Präsidenten Fallieres hatte. Die Minister Pichon und Iswolski hatten gleichfalls längere Unterredungen. Bei der Revue beider Staatsoberhäupter über das Geschwader brachten die Besatzungen Hurras auf den Zaren aus, während die Musik die russische Hymne spielte. Kleine Zwischenfälle:„Allen französischen Schiffen, selbst denjenigen, die mit der Verproviantierung des russischen Geschwaders betraut waren, war der Zugang zur Reede untersagt. Ein von einem

französischen Blatte gecharterter Dampfer näherte, sich dennach

auf die Huusignute zu achten, dem russischen Geschwader.

Er kehrte erst um, nachdem von den Panzerschiffen blinde Schüsse auf ihn abgegeben worden waren. Die Sozialdemokraten, denen der Cherbourger Gemeinderat einen Saal zur Abhaltung einer russenfeindlichen Versammlung verweigert hatte, veranstalteten nachts eine lärmende Straßenkundgebung.

Spanten.

Die Revolution in Spanien.

Schreckenstaten der Revolution.

Wie während der französischen Revolution und beim Pariser Kommuneaufstand, so hat sich auch in Barcelona der von Kampf und Blut berauschte Mob zu furchtbaren Greueltaten hinreißen lassen. Es wird darüber berichtet:

Aerger als Huronen und Hottentotten haben die Rebellen Barcelonas allerdings gewütet und jeder Menschlichkeit Hohn gesprochen. Besonders richtete sich ihre Mordlust gegen die Klöster. Dutzende von Priestern und Ronnen wurden erbarmungslos hingeschlachtet, einige am Altar, das Kru­zifix umklammernd, andere in tapferer Gegenwehr. Ueberall legten die Revolutionäre Feuer an und stießen die Ronnen, die an den Fenstern der brennenden Gebäude erschienen, wieder in die Flammen zurück, sodaß die Unglücklichen lebendigen Leibes verbrannten. Zehntausend Revolutionäre zogen im langen Zuge, mit den verkohlten Resten ihrer Opfer, mit Leichnamen, einzelnen Körperteilen und Köpfen, an langen Stangen in den Händen, Divat rufend und die Marseillaise singend, durch die Straßen, unter den Augen des Generalkapitäns, der nicht wagte Feuer geben zu lassen. Ueber 1000 Menschen wurden während der Schreckenstage in Barcelona getötet. Die Mehrzahl der Getöteten gehört natürlich den Rebellen an, die von der Kavallerie zusammengedrängt und niedergeschossen wurden. Ueber die Wirkungen des Barcelonaer Blutbades im Lande ist nur schwer etwas zu erfahren, da die Regierung jede unabhängige Berichterstattung ins Ausland verhindert. So lange sie das tut, ist die Annahme nur allzu berechtigt, daß die Lage in Spanien kritisch ist.

In Madrid wurden 150 Revolutionäre verhaftet. In Bil­bao feuerten Arbeiterhaufen zuerst auf die Sicherheitsmannschaften. Als diese jedoch mit ganzen Salven erwiderten, flüchteten die Angreifer und stürzten sich in den nahen Fluß. Nach einer Londoner Meldung dauern die Straßenkämpfe in Barcelona noch immer fort, trotzdem die Zahl der Toten 1000, die der Verwundeten 1500 längst übersteigt. Ein Eingreifen der Carlisten ist unmöglich. Der Sohn des verstorben Don Earlos und gegen­wärtige Träger der spanischen Thronansprüche Don Jayme soll entschlossen sein, die verworrene Situation auszunützen und seine Anhänger um sich zu scharen. Don Jayme befindet sich bereits im Kreise einer großen Anzahl seiner Anhänger an der spanischen Landesgrenze.

König Alsons will nach Melilla.

Um die schwindende Popularität wiederzuerlangen, beabsich­tigt König Alfons angeblich, sich an die Spitze seiner in Nord­marokko kämpfenden Truppen zu stellen. Es wird gemeldet: London, 31. Juli. Daily Mail melden: König Alfonso beabsichtigt, sich nach Melilla zu begeben. Seine Umgebung