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Nr. 159

Donnerstag, den 11. Juli 1935.

Folgrerche- Arbeitsbeindene

Zwel-Millionen-Grenze unterschritten

Wieder 142000 Arbeitslose weniger

Berlin, 10. Juli. Während im Juni die gesamten Momente für den Arbeitseinsatz nicht mehr stark zu sein pflegen, weil die Versorgung der Außenberufe mit Ar­beitskräften schon in den vorhergehenden Monaten im wesentlichen durchgeführt ist und der zusätzliche Kräfte­bedarf der Landwirtschaft für die Ernte im allgemeinen erst später fühlbar wird, brachte der Juni dieses Jahres im Gegensatz zu der Entwicklung im Vorjahre eine wei­tere kräftigere Abnahme der Arbeitslosen. Ihre Zahl ging weiter um 142000 auf 1877000 zurück. Im Vor­jahre brachten die Monate Mai und Juni nur eine Ent­lastung um 80000 bezw. 48000 Arbeitslose, d. h. zu­sammen kamen in diesen beiden Monaten:28000 Ar­beitslose bei den Arbeitsämtern in Abgang. während in diesem Jahre im gleichen Zeitraum die Arbeitslosen um 356000 zurückgingen.

Bei der geringen Aufnahmefähigkeit der Außenberufe ist der diesjährige stärkere Rückgang überwiegend auf die wirtschaftliche Belebung der mehr von dem Kon­junkturablauf abhänz gen Berufsgruppen zurückzufüh­ren. Waren in den ersten Jahren der Arbeitsschlacht die Außenberufe die hauptsächlichsten Träger der Ent­kastung, so gewinnen jetzt die mehr vom Konjunkturab­lauf abhängigen Berufsgruppen für den Arbeitseinsatz immer-stärker an Bedeutung. So hat in der Jahres­spanne vom 30. Juni 1934 bis zum 30. Juni 1935 die Arbeitslosigkeit in den Außenberufen nur um 165.000, in den anderen Berufsgruppen hingegen um rund 439000 abgenommen.

Das Rheinland an der Spitze

Am Rückgang der Arbeitslosigkeit waren— wie im Vormonat— alle Bezirke und fast alle Berufsgruppen beteiligt. Den stärksten Rückgang hatte mit 21 400 der Landesarbeitsamtsbezirk Rheinland. Es folgen Bran­denburg mit einer Abnahme von 20 600, Sachsen um 15 400, Mitteldeutschland um 14 900 und Nordmark um rund 13.000.

Um den Bedarf an Arbeitskräften besonders für die Landwirtschaft sicherzustellen, wurden die Notstandsar­beiten weiter eingeschränkt. Die Zahl der von der Reichsanstalt geförderten Notstandsarbeiter ging um 44000 auf 203 000 zurück. Sie liegt damit um mehr als 400 000 unter dem Höchststand von rund 630000 Not­standsarbeitern, die Ende März 1934 beschäftigt worden sind. Es ist also in hervorragendem Maße gelungen, die Zahl der zusäßlich beschäftigten Volksgenossen bei gleich­zeitig weiterer erheblicher Senkung der Arbeitslosenzahl planmäßig herabzudrücken und die mit staatlichen Mit­teln geförderte Arbeit durch Arbeit in der freien Wirt­schaft zu ersetzen.

Entlastung der ölfentlichen Fürsorge

Mit dem weiteren Sinken der Arbeitslosenzahl ha­ben auch die Unterstützungseinrichtungen eine entspre­chende Entlastung erfahren. Insgesamt wurden in den drei Unterstützungseinrichtungen Ende Juni 1935 rund 1388000 Unterstützte gezählt, während Ende Mai rund 1 482000 Personen in Unterstützung standen. Die Un­terstützungseinrichtungen sind demnach im Berichtszeit­punkt von rund 94000 Personen weniger in Anspruch genommen als im Vormonat. In der Arbeitslo­senversicherung betrug die Zahl der Hauptunter­stützungsempfänger 251 000 oder 26000 weniger als im Vormonat, in der Krisenfürsorge wurden 716.000, das sind 23000 weniger als im Vormonat, als Unter­stützte. gezählt. In der öffentlichen Fürsorge standen am 30. Juni 1935 421000 arbeitslose aner­kannte Wohlfahrtsunterstützungsempfänger laufend in Unterstützung, das sind 45000 weniger als im Vormonat. Die Entlastung der öffentlichen Fürsorge ist also im Be­richtsmonat wieder recht erheblich gewesen.

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Erste Vorbereilungen

zum Winterhilfswerk 1935/30.

ndz Berlin, 10. Juli. Bei den maßgebenden Stellen werden bereits jetzt wieder die ersten Vorbereitungen für das Winterhilfswerk des deutschen Vorks im Winter 1935/36 getrossen. So hat Reichsinnenminister Dr. Frick in einem Erlaß an die Länder bestimmt, daß auch für das kommende Winterhilfswerk den Beamten, Behörden­angestellten und=arbeitern, soweit es die dienstlichen Verhältnisse irgendwo zulassen, Urlaub zur Mithilfe zu erteilen ist.

Weiter hat der Reichspestminister verfügt, daß an der Durchführung des Winterhilfswerks für 1935/36 sich die Deutsche Reichspost unter den gleichen Voraussetzungen wie im Vorjahr beteiligen wird, u. a. durch kostenloses Aufstellen von Sammelbüchsen an den Postschaltern und Anbringen von Werbeblättern.

16 Kumpels als Gäste in Berlin.

Die Berliner Gaswerke haben aus den verschiedenen Kohlenrevieren Deutschlands, deren Erzeugnisse sie ver­arbeiten, 16 Bergleute eingeladen, eine Woche lang die Sehenswürdigkeiten der Reichshauptstadt und ihrer Um­gebung kennenzulernen. So zeigt die Aufnahme die Kumpels im Rathause, wo Bürgermeister Maretzki ihnen die Wandgemälde erklärt.(Weltbild,.)

Statien braucht roo dos=Mann

Oberherrschaft in Abessinien

Der Aufmarsch in Ririka

London, 10. Juli. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph“ glaubt zu wissen, diß die italie­nischen Befehlshaber in Afriku Mussoiini mitgeteilt hät­ten, sie könnten einen erfolgreichen Angriff nicht mit weniger als 400000 Mann durchführen. Mussolini habe dieser Schätzung zugestimmt.

Die gegenwärtige Stärke der Streitkräfte in Eritrea und Italienisch=Somaliland betrage sicher nicht mehr als die Hälfte dieser Zahl. Daher könnten Meidungen von einer baldigen italienischen Offensive als unbegründet bezeichnet werden.

Ferner behauptet der diplomatische Korrespondent, Mussolini wolle eine militärische Oberherrschaft in Ma­rokko errichten. Frankreich sei wahrscheinlich besorgter als Großbritannien wegen der Folgen dieses Planes.

Der Generalsekretär des Völkerbundes, Avenol, habe den Wunsch geäußert, daß die Großmächte alles tun sollten, um ein Einvernehmen zu erzielen, bevor die Frage vor den Völkerbund komme. Er sei sich der Ge­fahr einer Zerstörung des ganzen Völkerbundssystems durch eine unbesonnene oder übereilte Handlung durch­aus bewußt. In London werde erklärt, auf den Zu­sammenbruch der Schlichtungsverhandlungen in Scheve­ningen sollte nicht zuviel Gewicht gelegt werden. Zu­nächst sei beabsichtigt gewesen, den Völkerbund für den 27. Juli einzuberufen, um ein Schiedsgericht zu ernen­nen. Die ursprünglichen Zwischenfälle hätten aber viel von ihrer Wichtigkeit verloren, denn die jetzige Streit­frage reiche viel weiter. Spätestens würde der Völker­bundsrat allerdings am 25. August zusammenzutreten haben, falls keine Vereinbarung erreicht sei.

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Ein„inoktizieller Friedenspian“?

Italien soll auch das Schlachtfeld von Adua erhalten.

Paris, 10. Juli. Wie aus nicht amtlicher Quelle verlautet, ist von den Regierungen„gewisser europäischer Mächte“ der Text eines„inoffiziellen Friedensplanes“. durch den die drohende Kriegesgefahr in Afrika abge­wendet werden soll, entworsen worden. Wie weiter ver­lautet, ist dieser Plan bereits der italienischen und auch der abessinischen Regierung zur Stellungnahme unter­breitet worden. Italien soll, dem Plan zufolge, das Recht erhalten, seine Truppen in Afrika zur„friedlichen Erschließung" Abessiniens zu benutzen und nach Been­digung dieser Aufgabe in das Mutterland zurückzuschicken. Auf diese Weise will man Mussolini die Möglichkei: ze­

nach dem Vorbild Marokkos?

ben, das abessinische Unternehmen ohne Prestigeverlust friedlich zu liquidieren. Italien soll sich dafür bereit erklären, die Souveränität des Kaisers von Abesinien zu garantieren und zwar unter folgenden 3 Be­dingungen:

1. Italien erhält die verwaltungsmäßige Kontrolle über gewisse Bezirke Abessiniens.

2. Abessinien erteilt an Italien verschiedene Wirt­schaftskonzessionen, vor allem das Recht zur Ausunzung verschiedener wertvoller Mineralvorkommen, sowie die Erlaubnis zum Bau einer Bahnlinie, die Italienisch: Somaliland mit Eritrea verbindet.

3. Territoriale Zugeständnisse: darunter die endgül­tige Festlegung der Grenze zwischen Abessinien und Italienisch-Somaliland in der Landschaft Ogaden unter Berücksichtigung der italienischen„Berichtigungswün­sche". Außerdem soll Italien dadurch entgegengekommen werden, daß man ihm das Schlachtfeld von Adua, den Schauplatz seiner schweren Niederlage gegen Abessi­nien, abtritt.

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Europüer verlassen Abessinien

Der Korrespondent des„Daily Expreß“ meldet, die­ser Tage habe ein mit britischen und italienischen Män­nern, Frauen und Kindern dicht besetzter Eisenbahnzug die abessinische Hauptstadt verlassen. Ebenso sollen sich auch Amerikaner in diesem Zug befunden haben.„In drei Wagen“, so heißt es in dieser Meldung weiter,„be­fanden sich kleine Mädchen, die italienische Bäter und abessinische Mütter haben; sie standen unter der Obhut römisch=latholischer Nonnen. Sie kommen aus einem Stift in Addis Abeba. Die Zweigstellen der Schule im Innern des Landes sind angewiesen worden, die Zöglin­ge nach Addis Abeba zu schicken, wo sie unter den Schutz der italienischen Gesandtschaft gestellt werden.“ Auf die Frage, warum Italien der Sicherheit dieser Kinder ge­mischten Blutes so viel Wichtigkeit beimesse, erwiderte ein italienischer Beamter:„Sie sind die künftigen Mütter einer neuen und edleren Generation, die das bisherige Abessinien bewohnen wird.“

Die meisten ausländischen Firmen in Addis Abeba sollen keinen Kredit mehr geben. Insolgedessen sei das Geschäftsleben vollkommen zuhmgelegt. Ein abessinischer Beamter erklärte, Abessinien, das lieber bis zum letzten Mann kämpfen werde, statt sich zu ergeben, sei gezwungen, die starken italienischen Truppenzusammenziehungen an den Grenzen mit eigenen Truppenzusammenziehungen zu beantworten.

31. Jahrgang

K

Abessinien fordert Waffen

Noten an die europäischen Mächte.

DNB Addis Abeba, 10. Juli. Die abessinische Regie. rung hat an die diplomatischen Vertreter von Frankreich, England und Belgien, auch für die Tschechoslowakei, Schweden und Dänemark gleichlautende Noten gerichtet in denen sie die Aufhebung des Verbotes der Waffenliese: rungen dieser Länder verlangt. Abessinien bezieht sich in den Noten auf den Vertrag vom 21. August 1930, der eine Regierung ermächtigt, Waffen und Munition, die zur Landesverteidigung und gegen einen äußeren Angriff notwendig sind, einzuführen. In den Noten wird die Notwendigkeit der Waffeneinfuhr damit begründet, daß Kviegsgefahr eingetreten sei und die Erklärung Musso­linis und der italienischen Presse offen auf einen Er­oberungskrieg abzielten. Trotz Schiedsgerichts, heißt er weiter, setze Italien seine Mobilisierung fort und schaffe Truppen und Munition an die abessinische Grenze. Das Land sei daher aus Gründen der Selbstverteidigung zur Waffeneinfuhr gezwungen und ein Verbot sei mit der Neutralität gegenüber beiden Ländern unvereinbar.

Abessinien habe die Einberufung des Völkerbundsrates verlangt, weil die italienischen Schiedsrichter in Scheve­ningen die Erörterung der Rechtsfrage von Ual=Ual ab­gelehnt hätten und einer gewaltsamen Lösung zustrebten.

Beck erstatlet Bericht

Diskussion der Berliner Besprechungen.

Warschau, 10. Juli. Im Staatspräsidentenpalais fand gestern nachmittag eine wichtige außenpolitische Be­sprechung zwischen Staatspräsident Moscicki, Minister­präsident Slawek, Außenminister Beck und Armeegeneral­inspekteur General Rydz=Smigly statt, in der das Er­gebnis der Berliner Verhandiungen Becks zur Beratung stand. Außenminister Beck, der gestern aus Deutschland zurückgekehrt ist, stattete zunächst seinen Bericht über seine Verhandlungen mit der deutschen Regierung ab. Dieser Bericht wurde dann zur Diskusst­on gestellt.

Die heutige Besprechung mar die dritte Konferenz über außenpolitische Fragen, die unter Teilnahme der gleichen Regierungspersönlichkeiten seit dem Tode Mar­schall Pilsudskis stattgefunden hat. Es ist seit dem Ab­leben des Marschalls üblich geworden, dic Richtlinien der polnischen Außenpolitik, die früher von Pilsudski und Beck allein festgelegt wurden, in solchen Viererkonferen­zen zu bestimmen, die nur bei wichtigen Anlässen ein­berufen werden. Aus diesem Umstand erhellt die Be­deutung der gestrigen Sitzung.

Verbandstag

der ehem. 11. Kreseider Husaren

Wuppertal, 10. Juli. Aus den verschiedensten rhei­nisch=westfälischen Städten, aus Krefeld und Köln, Düssel­dorf und Essen, Dortmund und Bielefeld, ja sogar aus der Reichshauptstadt hatten sich Angehörige des ehemali­gen 11. Krefelder Husarenregiments in Wuppertal zu einem Verbandstag zusammengefunden, zu dem auch die ehemaligen Offiziere des Regiments und eine Schwadron des 15. Reiterregiments unter Führung des Schwadrons= chefs, Rittmeisters Graf von Plettenberg, erschienen wa­ren. Der Verbandstag war verbunden mit dem 50­jährigen Stiftungsfest der Elberfelder Kameradschaft ehem. 11. Husaren als der ältesten Kameradschaft und mit einer Wiedersehensfeier der 5. Kriegsschwadron.

Verbandsführer Helmkamp zeichnete die Geschichte des Verbandes, der es sich zur Aufgabe- gemacht habe, die Tradition und die Kameradschaft zu pflegen und durch seine Wohlfahrtseinrichtungen die unverschuldet in Not geratenen Kameraden zu unterstützen.— Als Ta­gungsort des nächsten im Sommer 1936 stattfindenden Verbandstages wurde Düffelderf bestimmt.

Nach einem Festzug, in dem 30 Standarten der ver­schieden. vertretenen Kameradschaften mitgeführt wurden, fand am Sonntagabend eine offizielle Feier statt, auf der u. a. Bundesführer Rittmeister z. D. Morgen eine Au­sprache hielt.

Neue Wirren in Innerasien

Ueber 1000 Todesopfer.

D Tokio, 10. Juli. Nach Meldungen hiesiger Blätter hat der Gouverneur von Sinkiang(Chinesisch= Turkestan), General Scheng=Schitsai, die als Handels­mittelpunkt der westlichen Mongolei bedeutsame Stadt Uliassutai nach einem großangelegten Flugzeugangriff er­obert. Der Kampf um die Stadt soll unter der Bevölke­rung über 1000 Todesopfer gefordert haben. Die japa­nische Presse bringt diese Eroberung mit den Ausdeh­nungsbestrebungen der Sowjetunion in Innerasien Zusammenhang und behauptet, daß der Gouverneur von Sinkiang als Günstling der Sowjets gelte und daß der Fliegerangriff auf die Stadt Uliassutai, die bis 1933 dem Verband der Sowjetrepublik der äußeren Mongolei an­gehört hat, durch sewjetrussische Flugzeuge durchgeführt

worden sein soll.

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