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— Mikrofilmarchiv

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15. Februar 1918.

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Paul Metzen,

lerstraße 110. son 1930.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.

Der Preis beträgt monatlich 2000 Mr. srei Haus, und 1800 Mk. für Abholer. Einzelnummer 100 Mk.

Amtliches Kreisblatt für den Stadtkreis Lüdenscheid. K&am Amtlicher Anzeiger für den Kreis Altena.##

Fernsprecher: 98.— Telegramm-Kdrelle: Zeitung.

Druck und Verlag von Karl Salle, Lücenscheic, Friedrichstraße 91.— Verantwortlicher Redakteur: Otto Scaar, Lüdenscheid.

Gelice lel.

Das Neueste vom Tage.

Zu der Meldung über die Ausgabe einer inneren Gold­anleihe wird berichtet, daß die technischen Einzelheiten für die Durchführung der Zeichnungen unter Vorsitz des Reichs­bankpräsidenten bearbeitet werden. Es ist damit zu rechnen, daß die innere Goldanleihe am 1. März aufgelegt wird, und zwar zu einem Kurse von 100.

Der preußische Innenminister hat der Schutzpolizei verboten, ohne Uniform und ohne Waffen im Ruhrgebiet Dienst zu tun.

Im englischen Unterhaufe appellierte Lloyd George an die Regierung, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten an Frankreich heranzutreten.

Der englische Ministerpräsident erklärte in der Unterhausdebatte, daß der Zeitpunkt zu einer Intervention in der Ruhrfrage noch nicht gekommen sei.

In Ermangelung von endgültigen Zusicherungen, daß eine ameri­kanische Intervention willkommen sein würde, werden die Bereinigten Staaten keinerlei Schritte in den europäischen Angelegenheiten unternehmen.

Poincare bezeichnete im Kammerausschuß die Anzahl der seit Beginn des Ruhrunternehmens nach Frankreich und Belgien abgegangenen Kohlenwagen mit 1026. Das ist nicht einmal im entfertesten die deutsche Tageslei­stung bis zum 9. Januar, die freiwillig von Deutschland geleistet wurde.

Heutige Dollarfrühnotierung 22500. Fest.

Mitwoch, 21. Febrnar 1923.

Die 1 mm Zeile oder deren Raum kostet 50 Mk., auswärts 60 Mk. Behörden 75 Mk. Reklamen 200 Mk.

Jeder Rabatt fällt bei Konkursen, gericht­licher Zeitreibung der Gebühren fort.

Pebd. Johuggng

Anmaßung und Heuchelei.

Poincares Antwort an die schwedischen Bischöfe.

Nach einer Blättermeldung aus Stockholm hat Poincare auf

den Mahnruf der schwedischen Bischöfe jetzt geantwortet. Nach einer einleitenden Bemerkung,„er wolle klare und aufrichtige Erklärun­gen abgeben“, sagte er u. a. folgendes:„Belgien und Frankreich he. Deutischland Fhliestieeoe stelten Mangels an gutem Wilen(!)

zu nehmen Enischlat“, geswungen, ihre Zufluht zu Sanktionen

wuchsein das hrem Rechte zu kommen, und im Be­sie sich in den Grenzen des Rechts(!) halten, füh­len sich Frankreich und Belgien nicht betroffen, von der Verleum­dung(), die zu behaupten wagt, daß sie sich von den Gefühlen der Gewalt und des Hasses treiben lassen. Sie sind fest entschlos­sen, ihre Rechte mit Mäßigung zu benutzen, ohne brutal oder ge­waltätig vorzugehen(), besonders nicht gegen die deutschen Ar­beiter und die deutsche Bevölkerung, die von ihren schlechten Regie­rungsmännern hinters Licht geführt wurden. Frankreich wünscht sehnlichst, daß der Tag kommen werde, wo es das Verbrechen ver­zeihen kann, das Deutschland beging, als es die Schrecken des Krie­des losbrechen ließ. Frankreich weiß, daß die erste Bedingung für 'erzeihung die ist, daß der Verbrecher bereut und ein Benehmen . Frankreich kann nur glauben, daß die weisen Vorschläge ver schwedischen Bischöfe die Herzen der leitenden Männer Deutsch­lands zu einer solchen Reue geneigt machen werde und daß diese Ratschläge damit auch den Tag der Verzeihung schneller herbei­führen werden.“

—. Herr Poincaree darf davon überzeugt sein, daß diese an­maßende Antwort die Empörung der ritterlich denkenden Schweden über die Gewalttat des französischen Imperialismus und seiner rohen Soldateska nur noch steigern wird.

Der Düsseldorfer Korrespondent des Amsterdamer„Telegraaf“ eine Unterredung mit General Degoutte, der ihm u. a. fol­sendes sagte:„

Im Augenblick sei der Widerstand allerdings noch bemerkens­wahrzumghnten seien wenig Zeichen für ein Nachlasen der Moral

eing#r##### Immerhin würden bereits Stimmen laut, die für eintreten...9 von Verhandlungen mit Frankreich Ee# Frankreich habe keine Eile, es sei seiner Sache sicher. have die Macht auf seiner Seite. Die Franzosen hätten so vergehlich auf Erfüllung der deutschen Versprechungen ge­tat, bup nie jetzt auch das Recht, diese Expedition zu unterneh­mgen, besäßen,„und wenn wir glauben, im Recht zu sein, dann ist das natürlich dasselbe, alsob wirim Rechte sind.“ Nach voraussichtlichen Dauer der Ruhrbesetzung befragt, sagte der „Wenn die Deutschen in tausend Jahren noch nicht be­haben werden, werden wir in tausend Jahren noch im Ruhr­zebiet sei. Die Deutschen müssen erklären, daß sie alle ihre Ver­bflichtungen vollkommen erfüllen werden. Voraussetzung zu Ver­sandlungen ist, daß sie sich geschlagen gaben. Ich stella mir vo., daß eines Tages der deutsche Geschäftsträger in Paris der französischen Rogierung mitteilen wird, daß die deutsche Re­

ie„Hoffnungslosigkeit des Kampfes einsehe und den habe, sich mit Frankreich zu besprechen.“ Als der Berscht­Schluß fragte, ob die französischen Truppen im Ruhr­bleiben würden, bis Deutschsand die gesamte Reparations­mme bezahlt habe, verwies ihn der General an Poincare.

gewastg Degoutte sagte, klingt ganz nach der Weise seines Ober­kenningen Poincare.

Kahrbebalte in englischen Unterhäuse.

Frage der Intervention. Appell an die„moralische Verpflichtung“ Amerikas.

Im englischen Unterhause wurde der liberale Antrag bespro­chen, eine Intervention des Völkerbundes herbeizuführen und Amerika aufzufordern, an der Beratung der Wiederherstellungsfrage teilzunehmen. Irgend welchen greifbaren Erfolg hat die Aus­sprache nicht gezeitigt, da weder England noch Amerika die Neigung verspüren, vermittelnd einzugreifen und der Völkerdund der fran­zösischen Gewaltaktion erst recht ohnmächtig gegenübersteht. Von Interesse ist die Aussprache aber doch insofern, als sie von neuem das starke Mißbehagen in London erkennen läßt. Es ist die Stim­mung der Faust in der Tasche, nicht die des Entschlusses. Frank­reich braucht jedenfalls nicht zu befürchten, daß ihm England oder Amerika in den Arm fallen; und wir Deutscho haben weniger denn je Anlaß, uns Hoffnungen auf ein englisch=amerikanisches Eingrei­fen zu machen. Das Unterhaus lehnte schließlich auch die Ver­weisung der Ruhrfrage an den Völkerbund ab.

Bonar Law erklärte, die Ansicht der Regierung gehe dahin, daß die französische Ruhraktion nichts anderes ale schlimme Folgen zeitigen werde. Sie glaube nicht, wenn sie auch anderer Ansicht sei als die französische Regierung, daß es den britischen oder den Weltinteressen von Nutzen sein werde, wenn sie gegenüber Frankreich eine feindliche Haltung einnehmen werde. Er glaube nicht, daß die Haltung Deutschlands anders gewesen wäre, wenn sich England Frankreich angefchlossen hätte. Der deutsche Wi­derstand beruhe auf der Entscheidung, daß die Sanktionen um unerfüllbarer Forderungen willen auferlegt worden seien. Die Verzweiflung habe die deutsche Regierung zu dieser Haltung ver­anlaßt. Die wesentlichste Frage sei die, ob eine Intervention zweck­mäßig sein würde oder nicht. Kein Vertreter der amerikanischen Regierung habe etwas darüber verlauten lassen, daß Amerika geneigt sei, bei den europäischen Streitigkeiten zu intervenierm. Bonar Law schloß: Er wisse nicht, wann der Augenblick für eine Intervention kommen könne, bisher sei er jedenfalls noch nicht gekommen. Er wolle noch einmal wiederholen, daß die Regierung zu der Schlußfolgerung gekommen sei, daß es im Interesse der En­tente liegen würde, daß die britischen Truppen selange wie möglich in Deutschland bleiben. Ihre Zurückziehung würde ein ernstlicher Schritt sein, der sich für die Beibehaltung der Entente schlimmer gestalten würde als bisher.

Lloyd George sagte u..: Das deutsche National­gefühl, das geschlummert habe, sei zum erstenmal seit dem Was­fenstillstande infolge der Besetzung des Ruhrgebietes aufgerüttelt worden. Bonar Law habe sein Bestes als treuer Verbündcter Frankreichs getan, um Frankreich von seinem Vorgehen abzuhalten. Bonav Law werde einen weiteren Freundschaftsschritt tun, um Frankreich aus der Verstrickung zu lösen, ehe es zu spät sei. Die britische Regierung sollte alsbald eine Aktion unternehmen. Er, Lloyd George, habe im August 1922 vorgeschlagen, die ganze An­gelegenheit an den Völkerbund zu verweisen, aber Poincaree habe

Die Lage an der Ruhr.

. Die Verkehrslage

ist im allgemeinen unverändert. Außer den bereits gestern als besetzt gemeldeten Bahnhöfen ist auch der Güterbahnhof Herne besetzt worden. In Dorsten ruht der Güterverkehr zum größten Teil. Der Personenverkehr ist ungestört. Auf dem Bahnhof Scharn­horst wird seit Dienstag früh eine scharfe Postkontrolle ausgeübt. In Gelsenkirchen ist der Haupttelephonschluß im Polizei­präsidium gesperrt. In Lünen wurden von den Personenzügen die Postwagen abgehängt, ferner wurden hier die Wohnungen des Bahnhofsvorstehers beschlagnahmt. Eine Reihe von Beschlagnah­mungen von Kohle, besonders von privater Seite, wird aus Reck­linghausen und Westerholt gemeldet, desgleichen im Hafen von Tortmund.

Die standhaften Eisenbahner.

Essen, 20. Februm.(wb.) Die Franzosen versuchen

immer wieder, die Eisenbahner zur Mitarbeit zu gewinnen. Heute wurde ein neues Flugblatt angeheftet, in dem sie die Arbeiter auf­fordern, ihre Beschäftigung wieder aufzunehmen, um endlich Klarheit zu schaffen. Die Drohung, die Eisenbahner, die den Dienst ver­weigern, aus den Wohnungen herauszutreiben, haben die Franzosen in vielen Fällen wahr gemacht. Diese Beamte werden in einer kur­zen Frist oft in ein oder anderthalb Stunden zur Räumung ihrer Dienstwohnungen gezwungen und müssen nur mit dem Nötigsten versehen, mitsamt ihren Familien auf die Straße. Trotz dieser har­ten Maßnahme finden sich die Eisenbahner nicht bereit, gegen die Weifungen der Regierung zu handeln.

Da es den Franzosen nicht gelingt, auf ordnungsmäßigen Wege von den Zechen Kohlen zu erhalten, versuchen sie immer von neuem, für andere Zwecke bereit gehaltene Wagen mit Kohlen in Besitz zu nehmen. Wie kürzlich in Recklinghausen und Wanne, haben sie gestern und heute von Süden aus die Bahnhöfe Weitmar, Präsident, Bochum=Nord, Bochum=Riemke besetzt und dadurch das reiche Kohlengebiet von Bochum umfaßt. Welchen Ersolg sie bei diesen Maßnahmen hatten, konnte bisher noch nicht festgestellt werden.

sich geweigert, irgend eine aus dem Versailler Vertrage sich er­gebende Frage dem Völkerbunde zu übertragen. Das sei ein höchst erstaunlicher, unhaltbarer Standpunkt, da ja auch der Streit zwi­schen Polen und Deutschland, der aus dem Versailler Vertrag her­rührte, dem Völkerbunde mit Zustimmung Frankreich übertragen

wurde. Lloyd George betonte, Amerika habe die moralische Verpflichtung, an der Sicherung der Lösung mitzuarbeiten. Es sei notwendig, im Verkehr mit Deutschland einen neuen Ton und eine neue Einstellung einzunehmen.

Henderson, der ankündigte, daß die Arbeiterpartei den Abänderungsantrag unterstützen werde, erklärte, die Arbeiterpartet sei weder deutschfreundlich noch franzosenfeindlich, aber im eigenen Interesse Frankreichs müßten Schritte unternommen werden, um die Wiederherstellungsfrage vom Felde der Sanktionen und der Gewalt ins Beratungszimmer zu bringen.

Die Abstimmung ergab die Ablehnung des liberalen An­trags aus Verweisung der Ruhrfrage an den Völkerbund.

*

Englische„Neutralität“.

Als die Engländer sich seinerzeit unter scharfer Mißbilligung des Vorgehens Poincares zu der Feststellung veranlaßt sahen, daß das unsinnige Ruhrabenteuer den Franzosen nicht nur keinen Vor­teil, sondern nur Nachteile bringen, außerdem aber den Frieden gefährden und das gesamte Wirtschaftsleben Europas in seinen Grundfesten erschüttern werde, gabe sie gleichzeitig die feierliche Er­klärung ab, im Ruhrkonflikt strengste Neutralität wahren zu wollen. Von Anfang an war dieser angeblichen Neutralität indessen ein so einseitiges Wohlwollen für Frankreich beigemengt, daß ihre Aus­wirkungen für Deutschland einen nur recht fragwürdigen Nutzen hat­ten. Und jetzt hat England, sich sogar dazu verstanden, den Fran­zosen die bisher durch die englische Besetzungszone führende Bahn­strecke Neuß—Düren zu ungehinderter Benutzung zu überlassen. Daß dieses unseren Abwehrkampf außerordentlich beeinträchtigende Entgegenkommen den französischen Forderungen gegenüber einen schweren Neutralitätsbruch darstellt, konnte man sich natürlich auch in England nicht verhehlen. Um sich deshalb wenigstens äußerlich zu salvieren, verfiel man auf den wenig ehrenwerten, rein

stischen Ausweg, die englische Zone gerade um jenes kleine Stück­schen zu verkleinern, durch das die genannte Bahnlinie führt. Auf diese Weise glaubte sich die englische Regierung die Möglichkeit zu der heuchlerischen Behauptung verschaffen zu können, daß sie ihrem offiziellen Standpunkt entsprechend den Franzosen keine Bahnstrecke des von ihr besetzten Gebietes als Etappenlinie eingeräumt habe. Kein Wunder, wenn diese hinterhältige Sonderart von Neutralität in Deutschland erbitterte Empörung hervorruft, die Welt aber wird die einer Weltmacht wie England einfach unwürdige Sophisterei gebührend einschätzen. Uns bleibt dagegen nichts anderes übrig, als mit der nun einmal gegebenen Tatsache zu rechnen, die unseren siahlharten Abwehrwillen gegen Gewalt und Vertragsbruch trotz alledem auch nicht erschüttern wird.

Neue Zwischenfälle.

Buer, 20. Februar.(wb.) Im benachbarten Wester­holt wurde ein französischer Offizier von einem Fuhnenschmied, den er mit der Reitpeitsche geschlagen hatte, durch Schläge mit dem Schmiedehammer getötet. Wie die Buersche Zeitung berichtet, schwang sich der Schmied auf das Pferd, das er gerade beschlagen sollte, und ritt davon. Bisher ist er noch nicht ergriffen worden,

Die Buersche Zeitung meldet noch eine zweite Bluttat, die sich ebenfalls in Westerholt zugetragen hat. Ein betrunkener französischer Soldat, den ein Westerholter Bürger nach seinem Quartier brin­gen wollte, wurde erschossen. Es hat sich noch nicht feststellen lassen, ob der Schuß dem Franzosen oder dem deutschen Zivilisten gegolten hat.

Oberbürgermeister Zimmermann in Buer ist gestern nach­mittag von den Franzosen verhaftet worden, weil er sich geweigert hatte, die Gaszufuhr nach dem von den Franzosen besetzten Bahn­hof Buer=Nord wiederherzustellen. Der Oberbürgermeister wurde nach Recklinghausen gebracht, wo er vor ein Militärgericht gestellt werden soll.

Die Schutzpolizei.

Berlin, 21. Februar.(Drahtmeldung.) Der preußische Minister des Innern hat einer Korrespondenzmeldung zufolge den Schutzpelizeibeamten im Ruhrgebiet verboten, ohne Uniform und Waffen Dienst zu tun. Nach der Meldung der„Voss. Ztg.“ ist von dem französischen Kommandeur in Essen der Befehl erteilt worden, die entwaffnete Schutzpolizei aals aufgelöst zu betrachten. Jeder Beamte, der Dienst tut, soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Es kann eine rein örtliche Polizei in Stärke von 600 Mann gebil­det werden, die durch eine Armbinde kenntlich zu machen ist und die Pistolen tragen darf.

In Gelsenkirchen wurde ein Kaufmann wegen Verkaufs­verweigerung. in Bochum zwei Polizeibeamte wegen Grußverwei­gerung, in Kirchhellen der Amtmann und in Lünen der Direktor des Wasserwerkes verhaftet. Der ausgewiesene Amtmann von Dat­teln wurde durch eine französische Kavalleriepatrouille nach Reck­linghausen abtransportiert.

Bei ihrem Raubzug in Gelsenkirchen machten die Franzosen nicht einmal vor den Handtaschen der einkaufenden Hausfrauen und den Portemonnates der aus den Betrieben heimkehrenden weih­