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Liabenhorfter=Tagevlaft Welter in Castrop=Rauxel. BA. III 36 1760. Sa.=Nr. 2151 Castrop. nachm. tags zuvor. Erfüllungsort u. Gerichtsstand Castrop=Rauxel.

Amtliches Veröffentlichungsblau für den Landgerichtsbezirk Dortmund. Allgemeines Kreisblau für den Stadttreis Castrop=Rauxel.

Nr. 115

Dienstag, den 28. April

1936

Erster Ausblick

Ein Ueberblick über diese Ergebnisse und die Stellung der einzelnen Kandidaten bei den Stichwahlen ergibt mit unzweifelhafter Klarheit die bedeutenden Fortschritte, die die Kommuni­sten nicht nur in Paris selbst und in dem soge­nannten Roten Gürtel um die Hauptstadt erzielt haben, wo bisher neun ihrer Kandidaten end­gültig gewählt und etwa 30 in aussichtsreicher Stellung stehen, sondern auch in der Provinz, wo es ihnen gelungen ist ihre Stimmenzahl zum Teil zu verdoppeln und die Anhänger der ge­mäßigten Gruppen in eine oft sehr heikle Lage zu bringen.

Es ist aber trotzdem bemerkenswert, daß die Gesamtziffer der erhaltenen Stimmen, die bei den letzten Wahlen im Jahre 1932 noch 790000 betrug, sich verdoppelt hat und auf etwa 1½ Millionen gestiegen ist. Der endgültige Erfolg der Kommunisten wird nunmehr davon abhän­gen, ob die Disziplin in den Reihen der Volks­

Zusammenfassung der Rohstoff- und

Devisenfragen unter Ministerpräsident Göring

dub. Berlin, 27. April. Amtlich wird mit­geteilt: Da bei der Bearbeitung der die Roh­stoffe und Devisen betreffenden Fragen zahl­reiche staatliche und parteiliche Stellen zusam­menwirken müssen, hat der Führer und Reichs­kanzler den preußischen Ministerpräsidenten mit der Prüfung und Anordnung aller erforderlichen Maßnahmen beauftragt.

Ministerpräsident Generaloberst Göring kann hierzu alle staatlichen und parteilichen Stellen anhören und anweisen. Er kann sich von den zuständigen Reichsministern unterstützen und nötigenfalls vertreten lassen.

GtanolVöllee=Eewurtungen

Seine Eindrücke zum ersten Wahlgang: Starkes Vordringen der Kommunisten— Republikanische Zusammen­fassung mehr denn je notwendig— Beachtliche Erfolge der Politiker der Konzentration

front gewahrt wird, d. h. ob die einzelnen in der Volksfront zusammengeschlossenen Parteien ihre Stimme dem Spitzenkandidaten der Linken ge­ben, der in sehr vielen Fällen Kommunist ist. In gewissen Kreisen scheint man Zweifel hieran zu hegen, weil der unerwartet starke Aufschwung der Dritten Internationale anscheinend selbst in den Reihen der Volksfront unangenehm über­rascht hat.

Eine andere Feststellung, die man auf Grund des bisherigen Wahlergebnisses machen kann, ist der deutliche Ruck nach rechts, der sich in den ge­mäßigten und Rechtskreisen zugunsten der Re­publikanischen Vereinigung vollzogen hat. Die Gruppe Marin ist bisher überhaupt diejenige, die von allen Gruppen die meisten neueroberten Sitze aufzuweisen hat. In 40 Wahlbezirken konnte sie im ersten Wahlgang ihre Kandidaten durchbringen, und nur in 20 wurde sie geschla­gen. Dafür gelang es ihr aber, in bisher zehn Bezirken neue Sitze zu gewinnen. Besonders be­zeichnend für diesen Rechtsruck ist das Wahl­ergebnis in Lyon, wo der nachmalige Minister­präsident Herriot erst an zweiter Stelle hin­ter dem Kandidaten der Republikanischen Ver­einigung folgt, während er bei den letzten Wah­len bereits im ersten Wahlgang mit über 2000 Stimmen Mehrheit gegen den gleichen Kandida­ten gewählt worden war. Der Vorsitzende der Republikanischen Vereinigung, Louis Marin, wurde in Nancy im ersten Wahlgang gewählt.

Die Sozialisten, die sich auf Grund der bisher vorliegenden Ergebnisse in einigen Bezirken nicht behaupten konnten, dürften im zweiten Wahlgang zugunsten der Kommunisten noch mehr Sitze einbüßen, da zahlreiche ihrer Kandidaten in nicht sehr günstiger Stellung stehen. Der Ge­neralsekretär der Partei. Paul Faure, verhält sich in seinem Kommentar im„Pouplaire" daher auch sehr zurückhaltend und begnügt sich mit der Feststellung, daß schon eine Beibehaltung der bisherigen Sitze einen Sieg darstellen würde. Das Blatt muß aber nichtsdestoweniger zugeben, daß einige Kandidaten bereits im ersten Wahl­gang ausgeschieden sind, wie man dies bei allen Wahlen erwarten müsse. Der markanteste un­ter ihnen ist wohl der sozialistische Abgeordnete Jules Moch.

Für die Radikalsozialisten ergibt sich im we­sentlichen die gleiche Lage. Auch sie werden Mühe haben, sich im zweiten Wahlgang zu be­haupten, denn sie werden nicht nur von den an­deren Parteien der Volksfront bedrängt, son­dern auch von der Rechten, wofür das Wahl­ergebnis von Lyon bezeichnend ist.

dub. Paris, 27. April. Außenminister Flandin, der am Montagabend wieder in Paris zurückerwartet wurde, hat dem„In transigeant“ zum Ausgang des ersten Wahlganges folgendes erklärt:

Es ist nicht zu leugnen, daß die Wahlen ein starkes Vordringen der Kommunisten zeigen. Zu beachten ist aber auch, daß die Politik der Kon­zentration diejenigen Bewerber begünstigt hat, die sich bei den gemäßigten Parteien auf sie be­rufen. Wenn, wie ich hoffe, das kommunistische Vordringen als Warnung dient, werden wir bei dem zweiten Wahlgang den Erfolg der Ele­mente verzeichnen können, die wie ich der An­sicht sind, daß die republikanische Zusammen­fassung mehr denn je notwendig ist.

Das amtliche Ergebnis

Das Innenministerium hat am Montagnach­mittag eine Aufstellung über den Ausgang des ersten Wahlganges der Kammerwahlen ausge­geben, die bis auf zwei noch ausstehende Er­gebnisse aus Korsika, wo es Zwischenfälle bei der Auszählung gegeben hat, vollständig ist. Es liegen somit von 618 Wahlkreisen 616 Ergeb­nisse vor. Davon sind in 183 Fällen die Entschei­dungen im ersten Wahlgang gefallen, in 433 Fällen findet Stichwahl statt. Die 183 vorliegen­den Ergebnisse stellen sich, auf die Parteien ver­teilt, wie folgt:

be= ge= ver­hauptet wonnen loren

Kommunisten

6

Sozialisten 21 2 6

Soz.=Rep. Vereinigung 4 1—

Unabhängige Sozialisten 1— 3

Radikalsozialisten 23 2 7

Unabhängige Radikale 11 2 3

Linksrepublikaner 33 5 5

Volksdemokraten 12— 2

Republikanische Vereinigung u. Rechtsrepublikaner 40 11 2

Konservative u. Unabhängige 4 2 0

Gewählte Regierungsmitglieder

Von den Abgeordneten der bisherigen Kam­mer sind nach vorläufigen Ergebnissen des ersten

Wahlsonntags 18 geschlagen worden, und zwar: ein Unabhängiger, zwei Republikaner, zwei Linksrepublikaner, vier unabhängige Radikale, drei Radikalsozialisten, ein gemäßigter Sozialist, fünf Sozialisten. Ferner stehen 346 dieser ehe­maligen Abgeordneten zur Stichwahl, davon vier Unabhängige, 38 Republikaner, 4 Volksdemokra­ten, 18 Linksrepublikaner, 41 unabhängige Ra­dikale, 110 Radikalsozialisten, 24 gemäßigte So­zialisten, 32 sozialistische Vereinigung, 60 sozia­listische Partei, 15 Kommunisten und unabhän­gige Kommunisten.

Von den 18 Regierungsmitgliedern, die der Kammer angehört haben, hat der Gesundheits­minister Nivolle darauf verzichtet, sich zur Wahl zu stellen. Gewählt wurden Außenminister Flan­din, Kriegsmarineminister Pietri, Handels­minister Bonnet, Landwirtschaftsminister Thel­lier, Postminister Mandel, Arbeitsminister Fros­sard, Handelsminister de Chappedelaine, Pen­sionsminister Besse, Unterstaatssekretär im In­nenministerium Beauguitte. In die Stichwahl kommen Justizminister Delbos, Luftfahrtminister Deat, Unterrichtsminister Guernut, Kolonial= minister Stern, Unterstaatssekretär beim Mi­nisterpräsidium, Zay, ferner Unterstaatssekretär im Arbeitsministerium, Bibie, Unterstaatssekre­tär im Arbeitsministerium, Maze, und Unter­staatssekretär im Unterrichtsministerium, Julien.

Die Presse warnt

Die Pariser Montagpresse steht im Zeichen der Kammerwahlen und unterstreicht einstimmig den

ruhigen Verlauf des ersten Wahlsonntags so­wie die große Wahlbeteiligung. Die unerwartet starke Zunahme der kommunistischen Stimmen veranlaßt die rechtsstehende Presse zu einem letzten Aufruf zur Disziplin an die nationalden­kenden Wähler, um dem Vormarsch der Volks­front im ganzen Lande den Weg zu versperren.

Die Schlacht sei noch nicht beendet, schreibt das„Echo de Paris“, erst am kommenden Sonntag sei der entscheidende Tag. Den Gegnern der Volksfront bleiben noch sieben Kampftage übrig. Disziplin heiße die Losung. Die Ent­schlüsse des ersten Wahlganges müßten nunmehr angesichts des gemeinsamen Feindes in den Hintergrund treten.

Auch der„Ami du Peuple“ fordert rest­lose Disziplin der nationalgesinnten Kandida­ten. Frankreich befinde sich auf einem absteigen­den Weg, der zu den schlimmsten Abenteuern, zu jenen spanischen Meutereien oder zur Moskauer Diktatur führe. Die Volksfront stehe am Vor­abend eines eindrucksvollen Wahlsieges. Alle Stichwahlen ständen günstig für sie und die besten Pariser Wahlbezirke seien verseucht.

Der„Jour“, der gleichfalls auf die Erfolge der Kommunisten hinweist, tröstet sich nur da­mit, daß der Stimmenzuwachs, den die Dritte Internationale erfahren habe, zum größten Teil auf Kosten der Raditalsozialisten und der Sozia­listen gegangen sei. Der endgültige Ausgang der Wahlen werde davon abhängen, ob diese beiden Parteien in der Stichwahl die Disziplin der Volksfront wahrten.

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Der Begeifl„Sosiale Eiste

Der Oberste Ehren- und Disziplinargerichtshof der 9As gebildet

dnb. Berlin, 27. April. Im Rahmen einer würdigen Feier fand am Montag die Einsetzung des Obersten Ehren= und Disziplinargerichtshofes der DAF statt.

Der zum Vorsitzenden des Obersten Ehren= und Disziplinargerichtshofes berufene Hauptamts­leiter Dr. von Rentelen begrüßte die An­wesenden, darunter zahlreiche Vertreter hoher

Kachtinleressen in Oesterreich

Bemerkenswerte Rede Starhembergs über die Zukunft der Heimwehr

dub Wien, 26. April. In einer Heimwehr= kundgebung in Horn erklärte Innenminister Baar=Bahrenfels, man brauche die Heimwehr, so­lange die Miliz nicht ausgebaut sei. Im Gegen­satz dazu führte Starhemberg gleich zu Beginn seiner Rede aus, daß die Heimwehr nicht daran denke, abzurüsten, es würde auch in Zukunft eine bewaffnete Heimwehr geben. Nur über seine Leiche gehe die Abrüstung der Heim­wehr. Sehr scharf wandte sich Starhemberg gegen Bestrebungen, den Klassenkampf und die Partei­korruption wieder aufleben zu lassen. Er warne alle Politiker, die solche Ziele verfolgten, wie hoch sie auch gestellt seien. Die Heimwehr sei bereit, mit allen zu gehen, die den Dollfuß=Kurs zu gehen gewillt seien. Ausdrücklich erklärte er, man versuche, den Dollfuß=Kurs nicht einzu­halten.

Seine Angriffe dürften vor allem den christ­lich=sozialen Gewerkschaften Kunschaks und dem Bauernbund Reithers gegolten haben.

Weiter forderte Starhemberg erneut gründliche Reinigung des öffentlichen Lebens von unzuver­lässigen Personen. Auch die Miliz beanspruchte Starhemberg für sich, indem er sagte, sie sei das Ausführungsorgan der Vaterländischen Front und insofern auch politisch. Er erklärte, Schusch­nigg könne sich auf die Treue der Heimwehr ver­lassen, aber der Bundeskanzler solle sie auch ein­setzen gegen seine(des Kanzlers) sogenannten Freunde, denn sonst könne es eines Tages ge­schehen, daß er von ihnen beseitigt werde.

Beachtung in England

dub. London, 27. April. Die Rede des öster­reichischen Vizekanzlers Starhemberg in Horn findet in der englischen Presse starke Beachtung. Sie wird als eine offene Herausforderung und Drohung gegen den Bundeskanzler Schuschnigg und einen Teil seiner Anhänger betrachtet. Be­sonders wird hervorgehoben, daß Starhemberg sich geweigert habe, die Heimwehr zu entwaffnen.

„Daily Telegraph“ berichtet, daß die Rede Starhembergs ein Hohn auf den bekannten Wunsch Schuschniggs zur Entwaffnung der Heimwehr gewesen sei. Sie habe ferner kaum ver­hüllte Angriffe gegen alle diejenigen Anhänger Schuschniggs enthalten, die von der Heimwehr wegen ihrer demokratischen Einstellung und ihres Wunsches, die Sozialdemokraten auszusöhnen, verdächtigt werden.

„Daily Herald“ schreibt, die Rede Starhem­bergs enthülle den Kampf um die Macht, der zwischen den beiden Seiten der österreichischen Regierung im Gange sei. Starhemberg sei ent­schlossen, seine eigene Stellung aufrechtzuerhal­ten und zu stärken. Viele Heimwehrführer, so er­klärt das Blatt, seien beschuldigt, in den Fi­nanzskandal der Phönixversicherung verwickelt zu sein. Die Liste der Leute, die Bestechungsgelder erhalten haben, sei noch nicht veröffentlicht wor­den. Schuschnigg habe jedoch mehrere Male mit der Veröffentlichung gedroht. Mit einer Umbil­dung der österreichischen Regierung sei in we­nigen Tagen zu rechnen. Jede der beiden Par­teien sei entschlossen, bei dieser Gelegenheit die andere in den Hintergrund zu stoßen.

Parteistellen, Ministerien und Behörden und umriß die Aufgaben des Obersten Ehren= und Disziplinargerichtshofes, der vor allem dazu ge­schaffen ist, die deutsche Arbeitsehre vor jedem Mißbrauch und vor jeder Unbill zu schützen. Ehre und Disziplin, erklärte er, sind die tragenden Pfeiler des Gemeinschaftslebens unseres Volkes.

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley legte dann in längeren Ausführungen dar, daß der Klassen­kampf in Deutschland nur dadurch überwunden werden konnte, daß man die Menschen im Be­triebe zusammenbrachte, daß man Arbeiter und Unternehmer unermüdlich lehrte, daß ihr Schick­sal auf Gedeih und Verderb miteinander verbun­den ist. Der Begriff„Soziale Ehre“ ist bei uns der größte und herrlichste geworden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Völker kennen wir jetzt die soziale Ehrengerichtsbarkeit. Nicht die Tat allein wird beurteilt, sondern die Gesin­nung, aus der eine Tat wurde. Wir wollen dem Treuhänder der Arbeit seinen Begriff als höchster sozialer Richter nicht nehmen. Im Gegenteil, wir wollen ihn durch die Abnahme der Kleinarbeit des Alltags zu der Stellung emporheben, die er haben muß. Der Treuhänder muß im Volke ein unerhörtes Vertrauen genießen. Unternehmer und Arbeiter müssen von der Richtigkeit seines Spruches überzeugt sein. Er soll oberster sozialer Richter bleiben. Aber die Partei und die Arbeits­front als Exponent der Partei wollen das Volk zusammenführen auf gleicher Ebene. Wir werden eine Gemeinschaft gründen aus den untersten Zellen, der Familie, der Gemeinde und des Be­triebes, den drei Urzellen des Volkes. Das Ge­meinschaftsleben muß durchpulst sein von dem gemeinsamen Begriff der Ehre und der Leistung.

Davispokalkampf Deutschland gegen Spanien:1

onb. Barcelona, 27. April. Der Davis­pokalkampf Spanien— Deutschland in Bar­celona wurde am Montag beendet. Die Sen­sation war die Riederlage Gottfried v. Cramms durch Maier mit:3,:2,:1. Henkel schlug

Alonso:2,:3,:4. Das Schlußergebnis lautet :1 für Deutschland.