Nummer 193

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1.(89.) Jahrgang

AATLKHES ORGAN DES GAUES WESTFALEN-NORD DER NSDAP UND SANNTLKCHER BEHORDEN

Donnerstag, den 18. Juli 1940

Preis 10 Rpf. im Einzelverkauf

Verlag u. Dauptgeichäftesselle: Mkäuder#.###.

Prinzipalmarkt 13/14, Fernspr.=Sammel=Nr. 2 4231. Hauptschriftleitung: Münster, Gallitzinstr. 16. Bezugspreis: Ausgabe A 2.10 RM., Ausgabe 5 (mit Illustrierter Wochenschau) 2.35 RR. monatl. (bei Bostbezug einschl. Postgebühr, aber ausschl. Bestellgeld) Die Westsälische Tageszeitung erscheint wöchentl. 7mal. Die Behinderung der Lieserung rechtfertigt keinen Anspruch auf Nachlieferung oder Rückzahlung des Bezugspreises. Anzeigen: Das mm Höbe 22 mm breit kostet 15 Rpfg, für Famt­lienanzeigen 10 Rpfg., für Stellengesuche 10 Rosg. Nachlaß noch Preisliste. Erfüllungsort Münster M. Teztanzeigen: Las mm 1.30 NM. del einer Spaltenbreite von 72 mm. Beilagen: Prais füe 1000 Beilagen bis on 20 Gramm RM. 12.—, bis zu 25 Gramm RM. 15.—, bis zu 50 Gramm 17.— ohne Nachlässe. Freie Anlieferung. Bosschedtoute: AbIn Rummer 421 14.

Rummer 194

Sturm gegen die Ailegeren!.

Entrüstung im Unterhaus und in der Presse—„Anderson, Sie machen uns lächerlich“ Ein aufschlußreicher Gradmesser für die Angst und Verwirrung in London

ufstätige Dame, allein­zum Herbst in oder in Münster vassende##

(keine möbl. Zimmer. r 3 8 an die Westsal. Borken.

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(Jubilette) verlor am 15. 7. zwischenf Pleistermühle. Tannenhof—Mün­ster. Geg. Belohn. abzugeb. Oberstl. Weichhold, Mün­ster, Manfred=von Richthofen=Str. 9c. Teleson 41819.

Lissabon, 17. Juli.

Der englische Innenminister Anderson hal das Unterhaus mit einem Gesetz überrascht, das die Er­richtung von zivllen Sondergerichten mit nur einem Richter ohne Geschworene vorsieht. Diese Gerichte sollen in Zeiten großer Gefahr Personen schnell­stens aburteilen, die ein Verbrechen militärischer Natur begangen haben. Berufung gibt es nicht. Das Stand­recht soll über alle Gebiese verhängt werden, die zur Kriegszone erklärt werden. Die Einbringung dieses Ge­setzes bildet in London die Sensalion des Tages und hat im Parlament einen Sturm der Eni­rüstung hervorgerufen. Viele Abgeordnele konnten ihr Mißtrauen gegen die neuen Vollmachten der Regierung nicht verbergen. Die Mehrzahl der Protestler aber regte sich deshalb auf, weil sich die Regierung mit dieser Vor­lage eine Blöße gegeben hal. Denn, wenn das vielge­priesene demokratische System zu so drakonischen Maß­nahmen greisen muß, kann es mit Churchills Kriegsopti­mismus und der britischen Kriegsbegeisierung nicht weit her sein.

Auch im englischen. Volk wird das Gesetz erregt be­sprochen, zumal es bestimmt nicht dazu beiträgt, die Angst vor einer deutschen Invasion zu besänftigen. Von den Zeitungen opfert vor allem die„News Chro­niele“ der entschwundenen demokratischen„Freiheit" eine Träne. Zugleich richtet das Blatt an den Innen­minister einen Offenen Brief, der in mancher Hinsicht für die zahlreichen Gegner der britischen Plutokraten wahre Leckerbissen enthält. So wird darin darauf hin­gewiesen, daß Herr Anderson jetzt die sogenannte Mei­nungsfreiheit völlig aufheben wolle. Wörtlich heißt es dann:„Die Art und Weise, in der Ihr Gesammer im ganzen Lande gedeutet wird, macht uns vor uns selbst wie vor den Neutralen und unseren Feinden lächerlich.“

Die Zeitung zitiert Fälle, in denen„sonst gute Bür­ger“ mit Gefängnis bestraft wurden, weil sie erzählt hal­ien, man habe sagen hören, daß innerhalb von zwei Mo­naten die Hakenkreuzfahne über dem Parlament wehen würde.„Wenn es“, so heißt es in dem Offenen Brief hierzu,„ein Verbrechen ist, solche Spekulationen zu machen, dann müsse man augenblicklich die Hälfte der Militärgerichte, die meisten Redakleure und ohne Zweifel auch viele Parlamentsmitglieder ins Gefängnis siecken. Wir bitten darauf hinweisen zu dürfen, daß Sie nich! länger in Bengalen sind. Das englische Volk wird sich nicht in eine Unterdrückung schicken. Auch die „schweigenden Spalten“(Zensurlücken) werden nicht da­zu beitragen, den Geist des Volkes zu heben. Wenn drastische Maßnahmen ergriffen werden, fragen die Eng­länder nach dem Grund und sind verwundert, wenn sie selbst verzagt und verzweifelt sind. Wir wünschen nicht, wie gelstlose Tiere behandelt zu werden.“

Da sind der wütenden„News Chroniele“ Eingeständ­nisse entschlüpft; die in der ganzen Welt mit Behagen gelesen werden dürften.„Anderson, Sie sind nicht mehr in Bengalen. Wir— wir Engländer— wünschen nicht, wie geistlose Tiere behandelt zu werden.“ Da wird doch wenigstens mal öffentlich zugegeben, wie es in Indien zugeht. Vielmehr jedoch interessiert heutzutage, was das Londoner Blatt über die Stimmung im englischen Volke erzählt. Man berechnet also schon die Zeit, innerhalb deren die Hakenkreuzfahne über Westminster wehen könnte...

Unvorstellbares Chaos

Neutraler Augenzeuge schildert die angstgeladene Ge­witterschwüle in England

Lissabon, 17. Juli.

Wie hier bekannt wird, hat Churchills Ankündigung. notfalls London in Trümmer und Asche legen zu lassen und von außerhalb Englands den Krieg gegen Deutsch­land fortzuführen, einen Widerhall in weiten Kreisen des englischen Volkes gefunden, mit dem der Premier­minister sicherlich nicht gerechnet hat. Die englischen

Arbeiter und millelständischen Berufe sind nämlich von dieser Absicht Churchills, London zerstören zu lassen und dann außer Landes zu gehen, nicht nur peinlich berührt, sondern gerade zu darüber erbitter!, daß sich die Regierung nach Kanada in Sicherheit zu bringen gedenkl, die Masse des englischen Volkes aber dem Schrecken der deutschen Bomben­geschwader ausgesetzl bleiben soll.

Immer tiefer wird die Kluft zwischen der herrschen­den Schicht deren Wortführer Churchill ist, und der englischen Arbeiterschaft, die nicht gewillt ist, die ver­antwortliche Regierung sich retten zu lassen, während sie selbst mit ihrem Leben für die Fortsetzung des Krie­ges einstehen soll. Dazu kommt, daß die immer fühl­barer werdenden Einschränkungen der Lebenshaltung durch die außerordentlich hohen Schiffsraumverluste stimmungsmäßig auf das Gros der englischen Bevölke­rung detart einwirken, daß man in diesen Kreisen zu Churchills Kriegsoptimismus nicht das geringste Ver­trauen mehr hat. Auch der Versuch, die von der eng­lischen Regierung in aller Eile improvisierten Abwehr­pläne gegen deutsche Fallschirmjäger in der Praxis durchzuführen, hat die allgemeine Panikstim­mung in England noch beträchtlich erhöht und führte zu einem kaum vorstellbaren Durcheinan­der. In jedem Dorf und jedem Landstädtchen wurden nach den flehentlichen Rundfunkappellen der Regierung von allerhand wohlmeinenden Amateuren sogenannte „Verteidigungsorganisationen“ geschaffen, die in keiner Weise auf die gleichartigen Organisationen im nächsten Dorf und in der nächsten Stadt abgestimmt waren.

Jedes Dorf, so erzählt ein Augenzeuge, der in Lissa­von eintraf, erklärte sich sozusagen selbständig und schuf

sich„seine Spezialabwehr“, auf die man selbstverständlich mächtig stolz war. Unter der Führung des Ortsgeist­lichen wurden überall Barrikaden, Bollwerke, die etwa an die Schanzen aus der Zeit des Krimkrieges erinnern, sowie allerlei mysteriös aussehende Einrichtungen ge­schaffen, die als Tankfallen bezeichnet wurden. In mili­tärischen Kreisen steht man diesem freiwilligen Rummel einigermaßen fassungslos gegenüber. Inspektionsoffiziere schlügen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie die oft völlig dilletantisch angelegten lokalen Verteidi­gungswerke besichtigten.

nach USR

Enormes Ansteigen der britischen„Ausreißer"

Madrid, 17. Juli.

Der Londoner Berichterstatter der Zeitung meldet, daß in England eine neue Sorte von Menschen, nämlich die„Eskapisten“(Ausreißer), gerühmt werden. So bezeichnet die englische Zeitung„Sunday Expreß“ die nach Amerika und den Dominions fliehenden Eng­länder. In der letzten Zeit hätten sich die Fälle in er­schreckendem Maße gehäuft, daß kaufmännische Firmen und Wohltätigkeitsorganisationen die Notwendigkeit der Anwesenheit eines Vertreters auf der anderen Ozeanseite reklamierten. Diese merkwürdigen„Vertre­ter“ nähmen regelmäßig ihre Frau oder ddoch wenig­stens den Schmuck ihrer Frau mit. Alle großen Pläne, die Kinder zu evakuieren, seien daran gescheitert, daß nicht genügend Kreuzer zur Verfügung stünden, die die Geleitzüge schützen könnten. Nur ein Geleitzug sei bisher zustandegekommen. Unter den fast ausschließlich

der Aristokratie angehörenden Kindern befinde sich auch der Sohn des britischen Informationsministers.

Vielen Engländern werde jetzt der Boden zu heiß unter den Füßen. Eine Abgeordnete habe im Parla­ment den Fall von drei Abgeordneten bekanntgegeben, welche„aus eigener Initiative“ nach den Vereinigten Staaten übersiedelten. Das Parlament habe beschlossen, ihre Abberufung und Rückkehr zu fordern.

Churchill attackiert Portugal

Luft- und Floltenstützpunkte gesordert

Von unserem ständigen Vertreter

jb., Genf. 18. Juli.

Die englische Regierung hat während der letzten Tage versucht, die Neutralität Portugals zu verletzen und in diesem Lande Flotten= und Flugstützpunkte zu errichten. Um diese Absicht durchzusetzen, wurde in Lissa­bon ein starker Druck ausgeübt.„Paris Soir“ er­fährt dazu, daß der Herzog von Kent persönlich mit dieser Mission durch Churchill betraut war; die engli­schen Absichten seien jedoch vollständig geschei­tert und der Herzog von Kent sei unverrichteter Dinge wieder abgereist. Die Weigerung Portugals, seine Neu­tralität zugunsten Englands aufzugeben, sei vor allem durch die Haltung des spanischen Staatschefs Franco ausgelöst worden, der die Regierung Salazar nachdrück­lich in ihrem Widerstand bestärkt habe.

Der wundergläubige Negus

Bern, 17. Juli.

London, das Miniatur=Europa, ist um eine seiner auffallendsten Emigrantengestalten ärmer geworden. Der„Mann mit dem krausen Bart und dem weißen Laken“, Haile Selassie, ist nach einer Meldung des „Daily Herald“ aus London abgereist und hält sich zur Zeit in der Gegend des Roten Meeres auf. Wartet der„Löwe von Juda“, wie sich der Negus selbst gern nennt, dort etwa auf die Wiederholung des biblischen Wunders der Teilung der Wasser, auf daß er es trockenen Fußes durchschreite? Dann kann er lange warten. Eher werden die Fluten des Roten Meeres ihn und feine dunklen Plänchen vernichten.

Hrschen hitstestgreit und Verzweistung

Londoner Plutokraten auf der Suche nach dem rettenden Strohhalm— Heftige Siegestöne gegen die abbröckelnde

Stimmung der Bevölkerung

Von unserer Berliner Schriftleitung

Berlin, 18. Juli.

Während London und ganz England befehlsgemäß vom Sieg reden oder auch nicht— tut die Regierung das ihrige, um einem Abbröckeln der Stimmung einiger­maßen entgegenzuwirken. Denn die Politik der starken Töne, die durch die Churchillrede eingeleitet wurde und in dem Ruf des„Daily Herald" nach einer Offensive zum Ausdruck kam, dient keinem anderen Zweck. So kommt es, daß eine Fülle von glückverheißenden Stim­men durch die Presse geistert, und auch hier und da mehr oder weniger kritisch kommentiert, in die Berichte aus­ländischer Beobachter schlüpfen. Zum Beispiel erzählte man dem Berichterstatter von„Göteborgs Posten“, daß im nordwestlichen Teile Abessiniens eine italienfeind­liche Armee von 200 000 Mann bereitstehe, die, wenn sie erst Artillerie und Flak aus britischen Beständen erhalten habe, die Situation völlig ändern würde.„Er oriente lux“. Siehe— und das Heil Englands kam aus dem Morgenlande. Die Krone von Judäa strah!! um einen Schein heller, während sie westwärts nach Kanada eilt.

Übrigens sind für die weiteren in England ver­sammelten Kronen und Zylinder mit samt den dazu gehörigen Marionetten die Aussichten wesentlich günsti­ger geworden, seit sich die Royal Air Force entschlos­sen hat, Militärmaschinen für die neue Route Eng­land—Island—Neufundland—Newyork zu stellen. Es wird also den glücklich geretteten Plutokratensöhnen der Schmerz erspart bleiben, ihre teuren Väter, wenn es brenzlig wird, in richtiger Gefahr zu wissen.„Ver­traue auf den Sieg und den Plutokra­tenklipper!“, Leider sind—man denke: welches über­

Bomben auf Nordschottland

Hafenanlagen und Truppenlager erfolgreich angegriffen

Berlin, 17. Juli

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Tätigkeit der Luftwassen war infolge der schlech­len Weiterlage nur gering.

Deutsche Kampfflugzeuge geiffen in Nord­Schollland die Hafenanlagen von Thurse an und setzten ein Handelsschiff durch Bomben in Brand. An der Südküste von Scapa Ilow wurde ein bri­lisches Truppenlager erfolgreich mit Bomben belegt.

Zeindliche Einflüge nach Deutschland sanden nicht statt.

Kenia=Erfolg ausgebaut

Rom, 17. Juli.

Der ltalienische Wehrmachtbericht vom Mittwoch hal folgenden Worilaut:

Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Eines unserer U-Boose hal im östlichen Mittelmeer ein großes Tankschist versenkl.

Bei einem Lusikampf unserer Jagdflugzeuge über der Insel Malta sind zwei feindliche Ilugzeuge abge­schossen worden. Eines unserer Ilugzeuge ist nicht zu­rück gekehrt.

Der Hasen von Alexandeien(Aegypten) ist von neuem und wirksam mit Bomben belegt worden.

In Nordafeika hal unsere Lustwasse mit klar erkennbaren Ergebnissen die Flughäsen und Schuppen von Marsa Matrnk und Sidl Baram bombor­diert. Alle unsere Ilugzeuge sind zurückgekehel. Ein vom Jeind versuchter starker Angriff gegen unsere Stel­lungen nördlich der befestigten Anlagen von Capuzz9 unter Einsatz von etwa 50-Panzerwagen, die mit künft­lichem Nebei arbeiteten, Ist von unseren Truppen kühn

abgeschlagen worden. Jeindliche Fingzeuge haben auf Hacarmel

den Hasen von Tobenk von neuem Nachlangrisse unlernommen, ohne irgendeinen Schaden anzurichten. In Oftafrita haben unsere Eingeborenen-Trup­ven Ghezzan, in der Gegend von Kurmuk, de­setzt, wobel Wafsen und eine englische Jahne erbeutet wurden. Die Bevölkerung hal begeisieti unsere Herr­shaft auerkannt.

In Keniaist im Zuge der im gestrigen ikalienischen Wehrmachtbericht verzeichneten Operationen in der Zone von Movale die englische Siadt Moyale besetzt worden. Feindliche Luftangriffe auf Agordal, As­mara und Assab haben nur ganz leichten Schaden angerichtel. Ein feindliches Ilugzeug wurde herunfer­geholl.

Eines unserer U-Boote ist nicht zu seinem Aus­gangspunkt zurückgekehrt.

Räumung der Stadt Haifa?

Freudenfeste der arabischen Bevölkerung

Rom, 17. Juli

Unler der grabischen Bevölkerung von Damaskus und Beirut hat die Bombardierung Haifas große Begei­sterung ausgelöst. An den sponlanen Kundgebungen und Umzügen beteiligten sich bezeichnenderweise auch Franzosen in Uniform, die mit der syrischen Bevölkerung ihrer Wut über die englischen Ränke Ausdruck geben. Araber, die aus Palästina in Damaskus eingetroffen sind, berichten von wahren Freudenfesten der Araher in den Bergen von Galiläg bis Hebron.

Auf den Höhen an der Grenze zwischen Libanon und Palästina sammeln sich Menschenmengen, um die Rauch­wolken der brennenden Raffinerien zu sehen. Allem An­schein nach sind die wichtigsten Teile der neuen Raf­finerie, der einzigen in aller Eile soeben ffertiggestellten Anlage im östlichen Mittelmeer, zerstört worden, wenn die Raffinerie nicht völlig vernichtet ist. Genaue Ein­zelheiten sind nicht zu erfahren, doch lodern die Flam­

men aus den 50 Oltanks himmelhoch. Sollte der West­wind nach Osten umschlagen, was man befürchtet, so

In Bcen

ize Stadt geräumt werden. gefährdet ist das Judenviertel Hadar das der Ebene, in der sich Tanks und

Raffinerie befinden, am nächsten liegt.

Man nimmt an, daß alle Olvorräte am Endpunk! der Mossul-Ol=Linie verloren sind. Das Rohrnetz aus dem Jrak nach Haifa scheint jedoch nicht getroffen zu sein. Trotz der sichtbaren großen Zerstörungen muß die

Göansge Kraderpresse den Schaden ais bedentungslos hosonen.

maß an Entsagung,— die Sprößlinge, die sich nach Att­lees gerührter Untethausschilderung so glänzend ohne militärische Eskorte, nur von edlen Rennpferden beglei­tet, überden Ozean wagten, um die Freude gekommnen, die Old England seinen Ministerkindern beschert hat. Sie konnen nicht mit Handgranaten spielen, den neuen Hausmacher=Handgranaten Marke Anthony. An Bord sind solche Spiele ja recht unerwünscht.“ Und es soll sich im Ministerrat nur Churchill dafür eingesetzt haben, den edlen Söhnen diesen Spaß zu gönnen. Immerhin werden Hudson und Duff Cooper dafür gesorgt haben, daß Churchills„geniale“ Athenia­den nicht gerade mit ihren eigenen Kindern oder Renn­pferden durchgeführt werden.

Was für die einen Engländer die beliebten„Molo­tow=Cocktails— wie man sinnigerweise und sicher zum bleichen Entsetzung des Foreign Office die Liebhaber­Handgranaten benannt hat— bedeutet, ist für den wackeren Vikar Gibbon seine Mißgabel, die er— zur christlichen Nacheiferung im Gemeindeblatt empfohlen — alle Abende vor die Schlafzimmertür stellt.

Nicht daß England nur auf den Vikar von Wichman und auf die mit„Molotow=Cocktails“ im Pompadour bewaffneten alten Jungfern zählt, die nach glücklicher Evakuierung ihrer Möpse ihren ganzen Trennungs­schmerz in patriotische Energien umsetzen— o nein, noch bedeutsamere Hilfe steht vor der Tür. Zwar sind die in Europa für eine freundliche Mitwitkung an der Errettung des Kontinents verfügbaren Völker etwas rarer geworden, aber man wird sie zu finden wissen. So kommt nach eingehender Prüfung der Europa­karte außer Liechtenstein und Andorra nur noch Por­tugal in Betracht. Und schon hat man— ein Ga­rantieformular ausgefüllt in der Tasche— den Herzog von Kent dazu ausersehen, dem glückstrahlenden Land seine demnächst stattfindende Befreiung anzukündigen. Flotten= und Luftstützpunkte waren als bescheidene Ge­genleistung gedacht. Nun sind die Portugiesen viel zu aufmerksame Zeitungleser und haben auch die britischen Bemühungen, die Regierung Salazar zu stürzen, noch nicht so weit vergessen, daß sie sich zum Opfer briti­schen Wohlwollens ausersehen fühlten. So muß Chur­chill denn die Wolken, die sich um Gibraltar zu ballen scheinen, auf andere Weise zu zerstreuen suchen.

Man muß die Hilfskräfte jenseits der Meere suchen, nicht in Kanada, wo man in Montreal und Que­dee recht unpassende Töne vernahm und wo sogar die Zurückziehung der kanadischen Divisionen gefordert wurde, sondern in den USA. Nachdem man sich im Zuge der allgemeinen Ermutigung aus USA, und Ka­nada hatte melden lassen, Churchills Reden und sein Echo in der britischen Presse hätten dort„einen herzen­stärkenden Eindruck“ gemacht, meint Reuter jetzt schon, von fünf in den USA hergestellten Flugzeugen würden jeweils vier nach England geliefert. Und da man der britischen öffentlichkeit auf Grund der demokratischen Reife Intelligenz genug zutraut, diese Nachrichten mit Vorsicht aufzunehmen, meldet man gleich dazu, zahl­reiche amerikanische Flieger, darunter auch Luft­millionäre, seien in die kanadische Luftwaffe eingetre­ten. Nicht nur das: Da man auch in Tanganjika alle Briten und alle Eingeborenen zwischen 18 und 45 Jahren zum Militärdienst einberufen hat— Holzge­wehre sind hinreichend vorhanden— scheinen jetzt alle Gefahren gebannt. Zudem haben— man staune— britische Aufklärer auch zugeschaut, wie irgendwo, an der Ostseeküste deutsche Truppen„Invasion“ übten, so daß

England raube Frankreichs Geld

* Madeid, 17. Juli

Der englische Schatzkanzler Sir Kingsley Wood er­klärte am Dienstag im Unterhaus, die Banken seien angewiesen worden, alle französischen Konten zu sperren. Es dürfe keine Summe für den Feind verwendbar sein. Doch habe man Vorsorge getroffen, den französischen Flüchtlingen ihre Bankeinlagen verfügbar zu halten. Mit anderen Worten: Nach dem Griff nach der fran­zösischen Flotte, nun auch der Griff nach französischem Geld. Sie stehlen eben, wo sie können. Nur die Emi­granten, die Verräter, erhalten ihren Judaslohn. Aller­dings auch nur solange, wie sie von den Londoner Plutokraten gebraucht werden.

nunmehr auch da das letzte Geheimnis der Deutschen entschleiert ist.

Alle diese Symptome fügen sich zu einem Mosaik, daß die hilflose Verzweiflung auf der Insel kennzeichnet. Die Kraftmeierei ist seit dem Ende Polens kein Zeichen guter Aussichten mehr. Es scheint, als wenn diese Überzeugung auch aus den letzten Kommentaren der britischen Presse spricht, die die große Stille als den Augenblick des letzten Atem­holens und alles, was bisher über England herein­brach, als„ein kleines Vorspiel" bezeichnet. Alte Leute pflegen vor dem Tode manch­malganz klar zu sehen!

Peinliche Fragen an Attlee

Stockholm, 17. Juli.

Zu der Erklärung des Lordsiegelbewahrers Attlee im Unterhaus über die Einstellung der Evakuierung englischer Kinder meldet„Nya Daglight Allehanda“ aus London, daß das britische Unterhaus die Erklärung Attlees schweigend aufgenommen habe. Eine lebhafte Bewegnug sei jedoch entstanden, als ein Mitglied der Bewegung sei jedoch entstanden, als ein Mitglied der wie es habe möglich sein können, daß Kinder aus den höheren Schichten, ja auch Söhne und Töchter von Kabinetts­und Regierungsmitgliedern, nach Nord­amerika und Kanada in Sicherheit ge­bracht worden seien. Es müsse einen sonder­baren Eindruck auf die Bevölkerung machen, wenn diese zu erfahren bekomme, daß Kinder aus den be­mittelteren Schichten genügend Schutz zu ihrer Ver­fügung hätten, um über das gefahrvolle Meer geschickt zu werden.

Wie das Blatt weiter meldet, habe Attlee wenig Neigung gezeigt, eine direkte Antwort auf diese Frage seines Parteimitgliedes zu geben. Er habe: lediglich darauf hingewiesen, daß sich die Schiffe, auf denen die Kinder wohlhabender Leute nach Amerika gebracht worden seien, nicht von Schiffen der englischen Flotte begleitet gewesen seien.

Ohne falsches Mlitleid!

E. U-W.„Tränen sind keine Argumente“.

rief Clemenceau einma! dem einstigen Gesangvereinsvor­sitzenden Fehrenbach zu, den der Herrgott in seinem Zorn zum Politiker gemacht hatte. Clemenceau hatte recht, und der weinende Deutsche war kein Urbild ver­bissenen Trotzes und kühler Nichtachtung.

Immer wieder muß an diese Begebnisse erinnert werden, gerade jetzt in dieser Zeit. Wir dürfen nicht des Hexenhammers vergessen, der in jenen Tagen des tief­sten Unglücks, der größten Schmach, des bittersten Hun­gers und Herzeleids auf uns niedersauste. Erbarmungs­los! Es ist gut, daß der Deutsche etwas hat, was der Engländer oder Franzose nicht kennt, nicht einmal in seine Sprache übersetzen kann: Gemüt! Neben dem Ge­müt steht das Mitgefühl, das Mitleid. Mitleiden, wenn der Bruder, der Kamerad, der Freund leidet, ist schön. Mitleid immer zur rechten Zeit und an der rechten Stelle. Hüten wir uns indes, jetzt, wo das Schicksal und die geniale Kunst des Führers uns die Lösung großer weltpolitischer Probleme übertragen hat, weich zu werden.

Daß wir vornehm, gerecht handeln, daß uns jede schadenfrohe Quälerei des geschlagenen Gegners fern­liegt, haben wir bisher gezeigt. Das hat aber nichts mit jener selbstmörderisch=verrückten Auffassung zu tun, die eine marxistische Abgeordnete 1919 im Reichstag auf­schreien ließ:„Wir müssen die 140000 Milchkühe frei­willig abliefern, denn die armen französischen Mütter und Kinder brauchen die Milch!“ Höher ging's ja nim­mer! Und das in einer Zeit, wo in einer vierjährigen mitleidslos durchgeführten Aushungerungsaktion Hun­derttausende von Müttern und Kindern an Entbehrung dahingesiecht sind. Wo blieb denn da das Mit­leid?

Wir brauchen nicht erst zu beten:„Landgraf. werde hart!“ Wir sind hart geworden im Kampfe. Wir hat­ten zu wählen zwischen Amboß und Hammer. Jetzt sind wir Hammer und schmieden das Eisen, solange es glüht. Wenn der liebe Gott vorübergeht, soll man den Saum des Mantels berühren, es kommt nicht oft vor. Wer über ein an Mitgefühl reiches Herz verfügt, soll es an die armen Eltern, Witwen und Bräute der in diesem von den Feinden frivol heraufbeschworenen Kriege ge­fallenen deutschen Soldaten verschenken. An die Kinder, denen der Vater geraubt wurde, an alle jene in unserem Lande, die unter dem schweren Waffengang Leben, Ge­sundheit oder auch nur ihre mühsam aufgebaute Existenz einbüßten!

Wer hatte mit uns Mitleid, als der deutsche Soldat nach einem heldenhaften Kampfe gegen 22 Gegner im Glauben an die 14 Punkte Wilsons die Waffen nieder­gelegt hatte? Nichts von Mitleid! Verrat, Wortbruch, Lüge leiteten bereits die Waffenstillstandsbedingungen ein. Die vom Obersten Rat festgesetzten militärischen Bedingungen bedeuteten die völlige Wehrlosmachung Deutschlands. Darüber hinaus wurde in Artikel XIX auf französisches Betreiben die Formel:„Ersatz aller Schäden unter Vorbehalt jeglicher späterer Ansprüche und Forderungen von seiten der Verbündeten...“ auf­genommen. In der Folge wurde behauptet, daß Deutsch­land durch die Annahme dieser Formel auf die günstige­ren Bedingungen des Wilson=Vorvertrages verzichtet habe. Das war zwar eine glatte Verdrehung, aber es kam damals ja auf eine Schandtat mehr oder weniger nicht mehr an. Man brauchte Handhaben, um später immer wieder mit neuen Erpressungen herantreten zu können. Eine Schraube ohne Ende.

Wer kennt den Leidensweg des deutschen Volkes aus jener Zeit noch? Die blutigen Spuren des Versailler Vertrages? Wurden nicht von Deutschland 72 466 Quadrutkilometer und 7128 867 Einwohner ohne jedes Recht geraubt? Dazu kommt noch die Abtretung der Kolonien mit 2,95 Millionen Quadratkilometern und zwölf Millionen Einwohnern an die alliierten und asso­ziierten Hauptmächte, die sie nach dem Mandatssystem“ verteilt— gestohlen— haben. Das Saargebiet wurde unter internationale Verwaltung gestellt. Zwecks Sicher­stellung der Ausführung der Vertragsbestimmungen wurde das Gebiet links des Rheins mit den Brücken­köpfen Köln, Koblenz und Mainz auf fünfzehn Jahre besetzt, die allgemeine Wehrpflicht aufgehoben, die Reichswehr auf 100000 Mann beschränkt. Eine Inter­alliierte Militärkontrollkommission zwecks Überwachung der Entwaffnung mußten wir uns gefallen lassen.

Es würde zu weit führen, hier all die demütigenden Bestimmungen aufzuzählen, die man uns aufgezwungen hat. Wie ein wüster Traum liegt das alles hinter uns. Es war eine Zeit seelischer und leiblicher Not. Zeiten der Not sind Zeiten der Prüfung. Wir haben die Prü­fung bestanden. Die Vorsehung schickte uns den Mann, der das Versailler Schanddiktat mit starker Hand hin­wegfegte. Und der jetzt die Garantien schaffen wird, daß unser von welschem Haß bedrohtes Land end­lich einmal vor jeder Bedrohung durch eine fremde über­mütige Soldateska geschützt sein wird. Er wird die Garantien schaffen, die die eiserne Notwendigkeit gebie­ten. Er wird sie schaffen— ohne falsches Mit­leid!

Vererechen dder Verviendung!

Militärische Propagandaanweisungen werfen grelles Schlaglicht auf die Gründe für die Kriegserklärung an Deutschland

Berlin, 17. Juli.

Verbrechen oder Verblendung?, so muß sich das französische Volk heute im Hinblick auf den Entschluß seiner Regierung fragen, die dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg erklärt hat. Das dieser Krieg von den westlichen Demokratien unter ganz bestimmten Gesichtspunkten gewollt war und vom Zaun gebrochen wurde, das gehi u. a. auch aus ver­schiedenen militärischen Propagandaanweisungen hervor, die den deutschen Truppen in Frankreich in die Hände gefallen sind.

Insbesondere sei eine Mitteilung der 21. französischen Infanteriedivision Nr. 199/ 2 S vom 6. Januar 1940 angeführt, die eine vorgedruckte Propagandaanweisung folgendermaßen einleitet:„Das beiliegende Dokument soll durch die Offiziere vor der Mannschaft in Form von kurzen Vorträgen erläutert werden, die das Ziel des gegenwärtigen Krieges und die Gründe zeigen, die unseren Sieg gewiß erscheinen lassen.“ In dem„Doku­ment“ findet sich auf Seite 3 der folgende Satz:

„Hitler sieht sich einem Krieg gegenüber, auf den er nicht vorbereitet war, einem Kriege, der für ihn zu früh kam, und der gerade unter den bedrohlichen Umständen eröffnet wurde, die er um jeden Preis vermeiden wollte und unter zusätzlichen Gefahren­momenten, die er nicht vorausgesehen hatte.“

Selten hat die Gegenseite so unverblümt die Gründe dargelegt, aus denen sie am 3. September 1939 den europäischen Brand entzündete. Nur die Hoffnung auf den Sieg konnte eine französische Propagandastelle so unvorsichtig werden lassen, offen die Schuld am Kriege einzugestehen. Man hatte in London

und Paris geglaubt, militärisch, wirtschaftlich und psychologisch den richtigen Augenblick gewählt zu haben. Aber die Psychologie war falsch, die militärische Kraft ungenügend, und die Waffe der Blockade erwies sich als stumpf. Selten in der Weltgeschichte haben sich ver­antwortliche Staatsmänner und mit ihnen die ganze Schicht der parlamentarischen Berufspolitiker einem so verhängnisvollen Irrtum, so verbrecherischen Leichtsinn hingegeben, wie es in den Septembertagen 1939 in Paris und London der Fall war.

Spanien bricht mit Chile

Madrid, 17. Juli

Die spanische Regierung gibt in einer amtlichen Roie den Abbruch der Bezlehungen zu Chile bekannt.

Diese Maßnahme wird damit begründet, daß Chile durch seine Volksfrontregierungen den spanischen Vater­landsverrätern stets alle Unterstützung angedeihen ließ und gegenüber der nationalspanischen Regierung immer eine feindselige Haltung einnahm. Diese erreichte den Höhepunkt am 27. Juni, an welchem Tage auf dem größten Platz in Santiago de Chile in Anwesenheit des chilenischen Staatspräsidenten mehrere Redner sich in übelster Weise gegen Spanien und seinen Staatschef, General Franco, ausließen. Auf Vorstellungen von seiten der spanischen Regierung wurde mit Ausflüchten geantwortet. Daraufhin sah sich die Regierung Spa­niens gezwungen, alle Beziehungen zu Chile abzu­Brechen, ihre konsularischen und diplomatischen Vertreter abzuberufen und dem chilenischen Vertreter in Madrid, die Päte euszuhändieen.