legschaft beschlossen, Lohnserderungen zu stellen. Die Zeche Freie Vogel zahlt mindestens so hohe Löhne, wie die Nachbargruben und baut Zubuße. Sie ist da­her gezwungen, die gestellten Forderungen abzuleh­nen. Wir erblicken nur im Arbeiterausschuß die ge­setzliche Vertretung und verweisen bezüglich der Lohn­frage auf§ 12 unserer Arbeitsordnung, wonach das Gedinge zwischen dem Betriebsführer und den ein­zelnen Ortsältesten abgeschlossen und Schichtlöhne vom Betriebsführer festgesetzt werden. Berufungen hier­gegen können beim Grubenvorsand bezw. beim Direk­tor der Zeche angebracht werden.“ Heute nachmittag sand im benachbarten Schüren eine von mehreren hundert Arbeitern der Zeche Freie Vogel und Unver­hofft besuchte Belegschaftsversammlung statt, in wel cher der im Vorstehenden wiedergegebene Bescheid der Zechenverwaltung zur Kenntnis gebracht wurde. Den Vorsitz in der Versammlung führten die Bergleute Schäfer und Holland. Schäfer verlas den ablehnenden Bescheid und empfahl, deuselben so aufzunehmen, wie es vernünftig dentenden Arbeitern zukomme. Auch der Belegschaft sei es ja bekannt, daß die Zeche Zu­bußen erfordere. Dieses Argument der Verwaltung dürfe nicht übersehen werden. Zu einem Kampf, wie man ihn auf Seiten der Arbeitergegner wohl für Montag am liebsten angekündigt hätte, sehle es gegen­wärtig an Macht, da noch zuviel Bergarbeiter unor­ganisiert seien. Nach einem Exturs auf das politi­sche Gebiet, bei welchem die Sozialdemokratie gelobt und alle anderen Parteien in den Grund verdammt wurden, empfahl Schäfer die Annahme folgender Re­solution:

„Die heutige Belegschaftsversammlung der Zeche Freie Vogel und Unverhofft nimmt Kenutnis von der Beantwortung der Lohnforderung, durch die Kommission an der Verwaltung eingereicht. Da die gestellte Lohnforderung abgelehnt ist mit der Be­gründung, daß die Zeche in den letzten Jahren mit Zubuße gebaut hat, infolgedessen keine Lohnerhö­hung eintreten könnte— in Anbetracht dieser Ver­hältnisse will die Belegschaft den Streit nicht vom Zaun brechen und beschließt, die gestellten Forde­rungen einstweilen ruhen zu lassen. Sollte aber die Verwaltung die Löhne in den nächsten Monaten in keiner Weise erhöhen, so wird die Belegschaft aufs neue mit Lohnforderungen an die Berwaltung herau­treten. Die Versammlung verpflichtet sich, keine Ue­berschichten zu machen, es sei denn, daß Menschenle­ben in Gefahr ist oder Betriebsstörung vorliegt. Die Versammlung verpflichtet sich, danach zu streben, daß alle Belegschaftsmitglieder dem deutschen Berg­arbeiterverband beitreten, denn der Verband int die alleinige Vertretung der Arbeiterinteressen.

Zur Begründung der Resolution nahm Hansmann aus Eichlinghofen das Wort. Wie sein Vorredner, so riet auch er zunächst zur Mäßigung, um dann die Form der Ablehnung zu kritisieren, aus deren Nackt­heit die Mißachtung spreche, die man von Zechenbe­sivzerseite dem Bergarbeiter entgegenbringe. Einen in seiner Verallgemeinerung ebenso unangebrachten wie törichten Angriff machte Hansmann dann auf die Vertreter der bürgerlichen Blätter, denen er Absichten unterschob, die ihnen gar nicht in den Sinn getommen sind. Nach den bürgerlichen Journalisten bekamens die bürgerlichen Parteien sehr derbe zu hören. Nicht glimpflicher kam der christliche Gewerkverein davon. Ihm machte Hansmann besonders zum Vorwurf, daß er sich der Verschmelzung der Bergarbeiterverbände widersetze. Den Hinweis der Zechenverwaltung auf

den Arbeiterausschuß bezeichnete der Redner als Aus­flucht. Die Zeit sei aber nicht mehr fern, in der die Bergwerksbesitzer mit den Bergleuten beraten würden. Möglicherweise würden schon die nächsten Monate schwere Kämpfe bringen. Er empfehle deshalb den Beitritt zum Bergarbeiterverband. Alle übrigen Or­ganisationen tangten nichts; nur der alte Verband könne den Bergarbeitern helfen. Nachdem Hausmann dieses Thema noch in einer zweiten Ansprache variiert hatte, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Abgesehen von den Extravaganzen, die sich die Redner in ihren Ausfällen gegen die Preßvertreter, gegen alles Bürgerliche und gegen den christlichen Gewert verein erlaubten, verlief die Versammlung recht sachte und friedlich; von Streikstimmung war keine Spur, im Gegenteil, wer der Versammlung beigewohnt hat, verließ dieselbe in der jesten Ueberzeugung, daß trotz der Kampfesprophezeiungen Hausmanns mit einem neuen Bergarbeiterausstand in absehbarer Zeit nicht gerechnet zu werden braucht.

Eine rätselhafte Entführung.

Dortmund, 3. Sept.

Vor der Ferienstraftammer kam heute der Hammer Kindesentführungsprozeß zur Verhandlung. Es hau selt sich bekanntlich um die Entführung der minderjäh­rigen Kinder Ernst und Karl Viebahn aus Hamm, die am 7. Mai d. Is. durch die Eheleute Schäfer erfolgte. Die Anklage lautet dahin, daß die Eheleute Schäfer die Kinder mit List und Gewalt der väterlichen Ge­walt entzogen und der persönlichen Freiheit beraub:, bezw. mit Rat und Tat wissentlich Hilfe geleistet haben. Es sind 16 Zeugen geladen. Die Angeklagten bestrei­ten, schuldig zu sein. Die Beweisaufnahme ergibt fol­genden Tatbestand:

Ein Bruder der Frau Schäfer ist nach Amerika ausgewandert und hatte ein kleines Kind, das anschei­nend die Ueberfahrt nicht überstehen konnte, zurückge­lassen. Dieses Mädchen haben die Angeklagten, die kinderlos sind, als eigen angenommen und erzogen. Später heiratete das Mädchen den Verwaltungssekre tär Viebahn zu Hamm. Als Frau Viebahn mit Hin­terlassung zweier Kinder starb, zog Viebahn in das Schäfersche Haus und wohnte dort bis Anfang Mär; d. Is. mit seinen beiden Söhnen, die jetzt im Alter von 9 und 6 Jahren stehen. Frau Schäfer hatte die beiden Jungen des Viebahn, für die sie mütterlich sorgte.

in ihr Herz geschlossen.

Sie kamen östers zu dem Schäferschen Ehepaar, wur­den dort beschenkt. und bisweilen auch bekleidet. Der

Vater

verbot den Kindern den Verkehr

mit der Frau Schäfer; sie kamen deshalb ab und zu heimlich. Schließlich bestrafte der Vater die Kinder dieserhalb. Frau Schäser war unglücklich, daß sie die Kinder nicht mehr sehen. nicht mehr mit ihnen verkeh­ren sollte und bot dem Verwaltungsgehülfen Zurzalek 50 Mark, wenn er veranlassen könnte, daß ihr eins der Biebahnschen Kinder wiedergegeben würde. Nach­barn gegenüber äußerte sie sich, daß

sie sich und die Kinder lieber tbten

würde, als sie nicht mehr zu sehen. Sie könnte diesen Zustand nicht mehr aushalten und müsse wieder einige Zeit mit ihnen zusammen sein. Um dies durchzusetzen wurde eine Kutschwagen= und Automobilfahrt nach Holland veranstaltet, die bis zum 17. Mai dauerte. Der Angeklagte Schäfer, der bisher stets geleugnet hut­te, um diese Reise gewußt zu haben, gibt heute zu. daß er den Wagen und das Automobil bestellt hat, wac die einzelnen Zeugen auch bestätigen. Die Fahrt mach­te der Wirt Rüter aus Dortmund mit, der sich. nach­dem die Frau verhaftet war.

ume Leben bracht:

Wie der Verteidiger feststellt, steht dieser Selbütmord jedoch in keinerlei Zusammenhang mit diesem Prozek. Bei ihrer Vernehmung geben die Kinder zu, daß sie

nicht gern mitgegangen

seien. Der Vater der Kinder, der Verwaltungssekre­

tär Viebahn, gibt an, daß er sich unter eigentümlichen Verhältnissen gezwungen gesehen habe, das Schäfersche Haus zu verlassen. Hier wird die Oeffentlichkeit für kurze Zeit ausgeschlossen.

Nach Wiederberstellung der Oeffentlichkeit nahm der Staatsanwalt das Wort. Er gibt zu, daß die Sache milder liege und die Angeklaate gewissermaßen aus mütterlichem Instinkt die Kinder für 14 Tage der väterlichen Gewalt entzogen habe; allerdings lasse die Handlungsweise erkennen, daß eine dauernde Entfüh­rung wohl beabsichtigt gewesen sei. Er beantragte eine Gefängnisstrase von 3 Tagen gegen die Angeklagte und von einem Tag gegen ihren Mann. Der Ver­teidiger suchte den Nachweis zu führen, daß von keiner gewaltsamen Entziehung in dieser Angelegenheit die Rede sein könne. Habe Frau Schäfer gefehlt, so sei das

aus übergroßer Liebe zu den Kindern

geschehen; nicht aber habe sie gegen das Recht gefehlt. Deshalb müßten beide Angeklagten freigesprochen wer­den. Könne sich der Gerichtshof dieser Ansicht nicht anschließen, so bitte er um äußerse Milde. Nach tur zer Beratung verkündigte der Gerichtshof das Urteil, wonach Ehefrau Schäfer sich gegen§ 235 des B. G. B. vergangen hat, sie ist dieserhalb zu

zwei Wochen Gesängnie

verurteilt worden. Der Ehemann hat sich der Bei­hilfe schuldig gemacht und erhielt deshalb eine Ge­sängnisstrafe von einer Woche. Die Kosten des Ver­fahrens fallen den Angeklagten zur Last.

Lohales und Provinzielles

Castrop, 4. Sept.

Der Sedantag und seine Feier, die unserer In gend herzensfrohe Stunden giebt, die alte Generation. aber in stiller Freude an die großen Taten von vor 36 Jahren zurückdenken läßt, deren sie Zeuge sein durste, liegen hinter uns. Wir sind langsam in den Nach­Sommer eingetreten, und immer deutlicher erkennen wir jetzt bald die charakteristischen Anzeichen des„Alt­weibersommers", die„Mariensäden“, das zarte Ge­srinst kleiner Tierchen, das durch die Lüfte dahinzieht. das wir des Morgens so oft im stark betauten Grase finden, die Morgen= und Abendnebel, die sich stärker und stärker färbenden Baumblätter, bis dann der erste Frühreif uns beweist, daß aus dem Sommer wirtlich Herbst geworden ist. Und neben der Poesie des Spät­Sommers merken wir auch seine Prosa; Dreschmasch. nen und Dreschpflegel tuen ihre Arbeit, die Kartoffel­ernte zieht immer mehr Hände in ihren Bereich, und das Umpflügen abgeernteter Aecker beginnt. Wo Ma növer stattfinden, lassen sie uns ertennen, daß aber­mals ein„militärisches Jahr“ dahin ist; eine kurze Zeitspanne noch, und die Reservisten kehren beim. Es wird herbstlich— ja, aber wer die rechte Wander­freude sich bewahrt, der lenkt auch in diesen Wochen des September gern seinen Weg ins Freie, denn der Monat steht im guten Renommee eines wetterbestän­digen, ein Ruf, dessen Berechtigung nach dem vielfach unbeständigen Sommer wir gern verwirklicht sehen wollen. Beständigkeit wird hoffentlich auch den Inhalt des wirtschaftlichen Lebens in den kommenden Monaten bilden; aus den statistischen Nachweisen, aus dem Bedarf an Güterwagen im Eisenbahnverkehr ersehen wir, daß wir in einem starken industriellen Aufschwung stehen, aber mancherlei Zwistigkeiten haben doch stö­und gewirkt. Unser ganzer Nährstand und unsere Geschäftswelt können also sehr wohl eine beständige gute Entwickelung gebrauchen. Unser Kaiser hat in Berlin zum Abschluß der Tauffeierlichteiten für sei­nen Enkel, den kleinen Prinzen Wilhelm, die gewohnte aroße Herbstparade über die Berliner Garden abgehal­ten; es folgt uun die Reise zu den Manövern, dieser Musterschule für die Armee im Frieden. Die Ent­scheidung über die schwebende innere Angelegenheit steht noch aus; wie bekannt ,liebt es der Monarch nicht. sich„drängen" zu lassen. Im Ausland hat sich nichts Neues ergeben; und was in Rußland geschieht, ist ja leider seit Wochen und Monaten altgewohnt. In Pa­ris herrscht im verstärkten Maße der Trubel. den wir bei der Einführung der Sonntagsruhe erlebten, viele Geschäftsbranchen klagen über Benachteiligung. In Frantreich handelt es sich allerdings nicht um eine Sonntagsruhe, sondern um einen wöchentlichen Ruhe­tag. Der Tag ist dem Ermessen des Gewerbetreiben­den anheimgestellt, da man jenseits der Vogesen eine Staatsreligion und staatliche Sonntagsfeier nicht mehr hat!

Den Sedantag feierte gestern in schöner Weise unser Krieger und Landwehrverein. Unter Vorantritt des Trommler= und Pfeiserkorps marschierten die Mit­glieder. 110 an der Zahl. um 2 Uhr nachmittags durch Torf Rauxel zum Scheibenstande in der Kotenburger Schlucht. Die glühende Sommerhitze nötigte zu zwei­maligem Rendevous, zuerst beim Wirt Köhler, dann beim Wirt Klöster. An Ort und Stelle nahm später der erste Vorsitzende, Kamerad Lueg, das Wort zu einer patriotischen Festansprache. In das Hoch auf Kaiser Wilhelm II. stimmten alle begeistert ein. Danach begann ein mehrstündiges Preisschießen, bei welchem zu erkennen war, daß die älteren und jüngeren Krie ger durchweg noch ein sicheres Auge und eine ruhige Hand besitzen. Es erhielten Preise die Kameraden G. Meuer 29 Ringe, Böhmer 27, Welter und Ringer: 26, G. Girte, C. Vogt, Tübbing 25. Scheer und Her­mann 24, Grunewald. Lehmhaus, Klein, Benninghoff, Ueberdick und Britz 23, Lueg, Kraus, Bongart, Klöster und Matuschak 22 Ringe. Erster Preis war eine sil berne Uhrtette, die übrigen Preise ein Vogelkäfig, ein Schirm, ein Stock, eine Tafelwage, eine Kafsee­mühle und andere nützliche Gegenstände. Später machte die amerikanische Versteigerung zweier geschenk­ter fetten Enten, wobei diese durch wiederholtes lautes „Quak. quak“ zu lustigem Weiterbieten aufforderten, noch viel Vergnügen.

Der Kampfgenossenverein hatte am Sedantage seine alten Kriegsveteranen, deren Zahl bereits von 90 auf 45 reduziert ist, zum Vereinslokal eingeladen, um dort in ungezwungener Unterhaltung den beden­tungsvollen, ruhmreichen Tag von Sedau zu begeben. Nachdem der geschäftliche Teil der Generalversamm­lung erledigt, feierte der Vorsitzende des Vereins, Herr L. Vellener, unsern geliebten Landesfürsten Kaiser Wilhelm II. als sichern Hort des Weltfriedens und wand ihm den Blütenkranz der Ehrfurcht. Liebe und Dantbarkeit. Die Gedächtnisrede des Tages hatte Herr Lehrer Bitter übernommen. Redner entledigte sich seiner Aufgabe in geschickter und fesselnder Weise. indem er mit den Kriegern einen Gang durch jene ruhmreichen großen Tage machte und dabei auf der einen Seite die Größe des Preises, dem es galt. und die gewaltigen Siege, die errungen wurden, betrachtete aber auch nicht teilnahmslos an den Opfern vorbei­ging, welcher dieser Preis forderte. Dabei wand er den noch lebenden deutschen Kriegern jener Tage einen überaus ehrenden Lorbeerkranz des Sieges und für die gefallenen Helden den Palmzweig des Friedeus. welche bereits die deutsche Nation in dem National­denkmal auf dem Niederwald, dem bleibenden Zeichen deutscher Treue, des Dankes und der Frende, dem herrlichen Vermächtnis an die Zukunft, den deutschen Kriegern geflochten hat. Sodann schilderte er die ein­mütige siegreiche Erhebung der deutschen Nation und der Wiederaufrichtung des Reiches und suchte nach den Mitteln, welche das deutiche Volk stark machten zu sei­ner Erhebung und ihm Gelingen gab zum Erwerbe der höchsten nationalen Güter. Er sand diese in Got­tesfurcht. Einigkeit und der Hingebung an Kaiser und Reich, welche er auch im Kampfe gegen die inneren

Feinde des Reiches als sichere Mittel des Sieges em­pjahl. Sein Hoch galt dem geliebten deutschen Vater­lande. In enthusiastischer Weise stimmten die anwe­senden alten Kriegsveteranen, welche mit Spannung den herrlichen Worten des Redners gelauscht, ein. Noch manches Wort trauter Erinnerung an die Tage gemeinsamer Sorge und Gefahr. aber auch echt tame­radschaftlicher Treue und Liebe wurde gewechselt und der Erinnerungstag von Sedan gestaltete sich für die Kampfgenossen zu einem schönen Familienfeste im ei­gentlichen Sinne.

* Der Sauerländer=Verein von Castrop und Um­

aegend beging in den stattlichen Räumen von Herrn P. Noisten sein erste Stiftungsfest, verbunden mit der Sedanseier. Das Fest hatte sich eines äußerst guten Besuches zu erfreuen. Dicht gedrängt, Mann an Mann sußen dort die Teilnehmer und ihre Reihen wollten sich auch nicht lichten, als die Stunde schon vorgerückt war. Die Tarbietungen der Bühne übertrafen auch unsere Erwartungen. Besonders glücklich gerieten die Singspiele„Das fidele Gesängnis“, Schuster Sohle“ und„Die dummen Drei“ aber auch den Spielern des „Tölvel als Offiziersbursche" und„Heute mir, mor­gen Dir“ gebührt alle Anerkennung, welche ihnen hiermit gern gezollt werden soll. Die Festrede hielt Herr Lehrer Bitter. In derselben feierte er die gewal­tige weltbewegende Wassentat vom 2. Sept. 1870 und fand die Gründe des großartigen Erfolges in Gottes­surcht. Einigkeit und Hingebung an den Kaiser, herr­liche Mittel, die auch der heutigen Generation in dem Kampfe gegen den inneren Feind, den Feind des Auf­ruhrs und Umsturzes empfahl. Sein Hoch galt dem geeinten deutschen Vaterlande. während schon der 2. Vorsivende, Herr Ludwig Gödde sen., mit der Begrü­ßungsrede die Blicke der Teilnehmer zum Kaiserthrone gerichtet und dem Kaiser den Kranz der Liebe und Berehrung gewunden hatte. Die Laufsche Kapelle lei­stete in der kleinen Besetzung von vier Mann Gedie­genes, so daß der Verein mit Recht auf seine Erstlings­leistung stolz sein kann. Im nächsten Jahre darf er ruhig sein Stiftungsfest im größeren Umfange bege­hen. Bei dieser Gelegenheit wollen wir es aber aum nicht unterlassen, die hiesigen Sauerländer, die dem Verein noch nicht angehören, auf die im Verein beste­hende Verbandssterbekasse aufmertsam zu machen. Sie zahlt beim Tode des Mannes und der Frau 200 M: Sterbegeld. bei einem mäßigen Jahresbeitrage von ca. 6 Mark. Mitglied kann jeder Sauerländer auch jeder Sohn eines Sauerländers werden, der das 50. Le­bensjahr noch nicht überschritten hat. Behufs Beför derung des Aufnahmegesuches wende man sich an den Vorstand des Vereins oder an den Schriftführer Herrn Lehrer Bitter.

Ein wohlgelungenes Fest feierte am gestrigen Sonntage der hiesige Metzgergesellen=Verein. Der Einladung waren gefolgt die Vereine aus Herne, Reck­lingbausen, Gelsenkirchen. Bochum Dortmund, Wit­ten und Hagen. Auch die Mengermeister im Stadtbe­zirk beteiligten sich sämtlich an dem Feste. Sie wur­den durch Landauer abgeholt und tonnten so in diesen bequem den Festzug mitmachen. Vor dem Schlachthaus wurde zunächst der Festzug gruppiert, ein prächtiger Herold eröffnete ihn, die auswärtigen Vereine, einige mit schönen Fahnen, marschierten an der Spitze. Sämt­liche Mitglieder, alles kräftige Gestalten, glänzten im schönsten Galakostüm und erregten dadurch allgemeine Aufmerksamkeit. Im Zuge sah man ganz hübsche An­spielungen auf das Fleischergewerbe. Ganz besonders erweckten die beiden geschmückten kräftigen Oechslein als lebende Wahrzeichen der Metzzerzunst allgemeine Heiterkeit. Gar munter trotteten sie mit im Zuge, als freuten sie sich der Ehrung. Trotz der großen Hitze war der Zug von langer Dauer, sogar Obercastrop und die obere Holzstraße wurden passiert. Alle Häuser wa­ren beflaggt. Auf dem Germanenhügel angekommen, bedurste es erst einiger Zeit der Erholung, bevor das Feir durch ein großes Konzert der Lauffichen Kapelle fortgesett wurde. Die Begrüßungsansprache hielt der erste Vorsitzende vom Castroper Verein, Metzgergeselle Franz Müller. Auf den Sedantag beztignehmend, brachte er sodann ein kräftiges Kaiserhoch aus. An die fiemden Vereine gelangten drei Preise zur Verteilung

1. Preis. Bierhumpen mit Gläsern, Verein Reckling= bausen in Anerkennung des eigenen Trommlerkorps.

2. Preis, eine Bowle, Verein Witten, weil am zahl­reichsten vertreten, 3. Preis, ein Bierstiefel, Verein Hagen, für die weiteste Entfernung. Ein großer Fest­ball hielt die Festteilnehmer noch lange froh vereint.

Die vom Kavallerie=Verein im Vereinslokale ab­gehaltene Monatsversammlung war sehr gut besucht. Nachdem die Tagesordnung bekannt gegeben war, er­offnete der 1. Vorsitzende, Kamerad Letzmann, die Ver­sammlung. Nach Zahlung der Monatsbeiträge sand Aufnahme neuer Mitglieder statt. Zur Aufnahme hat­ten isich mehrere Kameraden gemeldet, welche auch einstimmia„ usgenommen wurden. Hierauf erfolgte die Berte sug der Verbandssatzungen des rheinisch= westfälischemavallerieverbandes. Der vom Verein als Telegierter nach Remscheid entsandte Kamerad Bärwolf hielt über den Geschäftsgang des Verbands­tages einen interessanten Vortrag; Versammlung dankte dem Redner für seine Bemühungen. Der Ver­ein bescloß, am 16. September er. im Vereinslokale die diesjährige Sedausfeier zu feiern. Für ein aus­scheidendes Vorstandsmitglied wurde der Kamerad Ed. Kohlmeier als Beisitzer gewählt, welcher die Wahl auch annahm. Die Gründung einer Vereinssterbetasse wurde durch Stimmenmehrheit bis auf weiteres ver­tagt. Versammlung übertrug den Kameraden Köster, Bärwolf und Scherer die Beschaffung einer Musikka­relle zur Sedanfeier. Hierauf schloß der 1. Vorsiven­de mit einem dreifachen Kaiserhoch die Versammlung.

Zum Milchkrieg. Sämtliche nach Deutschland lie­sernden dänischen und hollandischen Milchexportliefe­ranten habem so wird dem Hann. Cour. aus Ham burg gemeldet, alle Milchpreise generell um 2 Pfg. pro Liter erhöht. Weitere Preiserhöhungen werden ange­lündigt.

Wir sollen einen frühzeitigen Herbst bekommen.

Zu der auffälligen Erscheinung des frühzeitigen Blät­terabfallens von den Bäumen hat sich nun auch ein Fachmann geäußert. Derselbe gibt den abnormen Witterungsverhältnissen dieses Jahres, vor allem der großen Hitzeveriode im Frühjahr, ausschließlich die Schuld.

Technischer Erfolg. Dem Betriebsleiter Herrn Eduard Thomas von hier wurde vom kaiserlichen Pa­tentamt auf ein Gasabsperrventil Patent erteilt. Das Ventil bedeutet, wie wir hören, eine sehr große Ver­besserung gegenüber allen bisher in Gebrauch befind­lichen Konstruktionen.

Die charakterisierten Postsekretäre, die bis ein­

schließlich 31. Juli 1904 die Sekretärprüfung bestanden haben, oder denen anderweit ein entsprechendes Rang­alter beigelegt ist, werden dem Vernehmen der Deutsch. Verkehrs=Ztg. nach zum 1. Oktober 1906 in etatsmä­ßige Sekretärstellen einrücken. Zu demselben Zeit­punkte sollen die Assistenten aus der Klasse der Zivil­anwärter. die bis einschließlich 12. Juni 1901 die Assistentenprüfung bestanden haben, oder denen sonst das Dienstalter bis einschließlich 12. Juni 1901 beige­legt ist, als Post= oder Telegraphenassistenten etats­mäßig angestellt werden.

Die ersten deutschen Posttarten mit zwei Wert­stempeln gelangen in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Es sind dies die bei der Abschaffung der Zweipfennig­taxe übriggebliebenen Karten zu diesem Werte, denen ein zweiter Stempel zu drei Pfennig in brauner Far­be aufgedruckt worden ist. Die Reichsdruckerei ver­schickt die Karten jetzt an die Kassen der Ober=Postdi. rektionen. Es ist die Anordnung getroffen, daß diese blauen Karten zuerst verteilt werden, also mit Vorzug vor den gelben Karten zu fünf Pfennig. Bei der Reichsdruckerei und den Verkehrsanstalten sind seiner­

zeit etwa 40 Millionen Zweipsennigkarten in Paketen übriggeblieben, die jetzt mit dem Dreipsennigstempel ergänzt zum Verkauf kommen. Die am 1. Juli übrig­gebliebenen blauen Karten stellen einen Herstellungs­wert von rund 135000 Mart dar. Der Vorrat an un­bedruckten blauem Karton für die Zweipfennigkarten findet zur Herstellung von Postkarten zu Postdienst­zwecken Verwendung.— Einen Beweis für die Spar samkeit der Reichspostverwaltung findet man übri­gens, wie uns mitgeteilt wird, auch darin, daß die ge­wöhnlichen Fünspfennig=Postkarten jetzt auf merkbar dünnerem Papier hergestellt werden.

* Habinghorst, 3. Sept. Herr Lehrer Fisch ist end­gültig zum Rektor der kath. Schule hier ernannt.

Holthauser=Bruch, 3. Sept. Feuer entstand ge­stern nacht gegen Leinhalb Uhr hier in einem, dem Bauunternehmer Wilh. Hartmann gehörigen Lager­schuppen. Die in demselben liegenden Holzvorräte bo­ten dem gesräßigen Element reichlich Nahrung und wurde das Gebäude völlig eingeäschert. Hauptsächlich dem braven Einspringen der auf dem Plane erschiene­nen Feuerwehr von Holthausen ist es zu verdanken, daß die weitere Ausdehnung des Feuers gehemmt wurde. Der entstandene Materialschaden beträgt ca. 2000 Mark.

* Merklinde, 3. Sept. Beim Rangieren auf dem hiesigen Bahnhof geriet der Rangierer Ch. Geratien zwischen die Puffer. Der Brustkorb wurde ihm ein­gedrückt, sodaß der Tod auf der Stelle eintrat.

Sodingen, 3. Sept. Ein Tag von besonderer Be­deutung war der gestrige Tag, der Tag der Enthüllung des neuen Kriegerdenkmals. Ein stattlicher Festzug, an welchem sämtliche Vereine Sodingens teilnahmen. eröffnete die Feier. Zuerst hatte Herr Amtmann Wiethoff das Wort. Er begrüßte mit warmen Wor­ten die Festteilnehmer und wies mit Begeisterung auf die Bedeutung des Denkmals hin. Dann erteilte er dem Vertreter des Herrn Landrats das Wort. Der­selbe sprach über die Bedeutung des Sedantages, der als ein sehr geeigneter Tag für die Enthüllung eines Denkmals ausgewählt sei. Insbesondere wies er hin auf jene Männer, die sich in jener Zeit durch echte Religiösität, wahre Kameradschaft, treue deutsche Ge­sinnung und große Bescheidenheit auszeichneten. Dann nahm er den feierlichen Akt der Enthüllung des Dentmals vor und brachte ein Hoch auf Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. aus. Er übergab das Dentmal dem Ehrenhauptmann des hiesigen Krieger= u. Land­wehrvereins Herrn Dr. Börding. Herr Dr. Börding schilderte mit klaren Worten das Zustandekommen des Denkmals, hob besonders die Verdienste der Zeche Mont Cenis und der Gemeinde Sodingen hervor und brachte auf beide ein Hoch aus. Er übertrug das Denkmal dem Gemeindevorsteher, Herrn Betriebsin­spektor Stegmann. Mit freudig bewegten Worten nahm Herr Stegmann das Dentmal im Namen der Gemeinde Sodingen an und versprach, nach Kräften für die tadellose Erhaltung desselben zu sorgen. Er gab auch der Freude Ausdruck, die die Vollendung des Denkmals in der Gemeinde Sodingen und insbesonde­re in den Herzen der noch lebenden Kriegsveteranen bervorgerufen. Sein Hoch galt dem Krieger= und Landwehrverein Sodingen und insbesondere den Kriegsveteranen. Es folgte dann der Vortrag des Liedes:„Heil, Kaiser und Reich“ von Rebbert. Wäh­rend des nun folgenden Musikstückes legten sämtliche Vereine einen Kranz mit Widmung vor dem Denk­mal nieder. Dann bewegte sich der Zug zum Festzelt. Es war ein schönes, herrliches Fest, welches hier ge­feiert wurde.

Dortmund, 3. Sept. Die Verwaltung des Dort­mund=Ems=Kanals hat eine polizeiliche Untersuchung des Pferdematerials, das zum Zieben der Sandpünten auf dem Kanal verwendet wird, veranlaßt. Zahlreiche mit Wunden versehene Pferde mußten von der Arbeit ausgeschlossen werden; infolgedessen war in den letz­ten Wochen die Sandeinfuhr nach Dortmund empfind­lich geringer als sonst.

Dortmund, 3. Sept. Für den ausgeschriebenen Posten eines zweiten Bürgermeisters sind jetzt nach Ablauf der Frist 39 Bewerbungen eingegangen. Die Prüfungskommission wird in den nächsten Tagen zu­sammentreten.

* Dortmund, 3. Sept. Die D. Z. schreibt: Das erste Opfer des Bierkriegs in Dortmund. Bei Stade gibt es keine„Schnitts“ mehr, das war die Botschaft, die am Samstag die Runde durch die Stadt machte. „So was gibts ja gar nicht!“ äußerten viele, denn eine Einrichtung, die seit dem Bestehen der großen Stade­schen Wirtschaft aufrecht erhalten wurde, die kann man doch nicht so ohne weiteres aufheben. Die Zweifler ließen sich erst belehren, als sie in den Stadeschen Lo­kalitäten schwarz auf weiß lasen:„Schnitts werden nicht mehr verabreicht!“ Also doch! Der Bierkrieg wollte eben ein Opfer haben! Die Wirte hatten, als sie mit den Brauereien wegen des Aufschlags unter­handelten, die Forderung auf Beseitigung der Stade­schen Schnitts gestellt, ihrem Wunsche ist entsprochen worden. Die schöne Zeit der„Schnitts“ bei Stade ist für immer dahin, doch können sich die Bierliebhaber immer noch trösten, die halben Liter=Gläser sind ge­blieben.

Waltrop, 3. Sept. Ein Bahnwärter von seinen Kollegen ermordet. Gestern abend gegen 9 Uhr fand ein Weichensteller auf der Bahnstrecke Lünen—Waltrop der Hamm—Osterfelder Bahn in der Nähe der Stra­ßenbahnlinie Dortmund den Bahnwärter Höschen als Leiche auf. Höschen hatte eine Schutzwunde in der Brust. Wie sich herausstellt, ist er von seinem Kolle­gen, dem Bahnwärter Wegener, mit dem er einen Streit gehabt hatte, erschossen worden. Wegener hatte drei Schüsse auf sein Opfer abgegeben, von denen ei­ner tödlich war. Der Mörder ist verhaftet.

Münster, 3. Sept. Die Vellerner Sputgeschichte, unter welchem Namen der Prozeß gegen die beiden Gendarmen Schöne und Ebel aus Neubeckum und Oelde bekannt geworden ist, beschäftigte das Reichsmi­litärgericht in Berlin. Gegen das Urteil des Ober­kriegsgerichtes, welches die anderthalbjährige Zucht­hausstrafe in Gefäugnisstrafe umgewandelt hatte, hat ten die beiden Verurteilten Revision angemeldet. Hier­mit hatten sie Erfolg. Wie aus Berlin gemeldet wird. ist die Angelegenheit zu neuen Verhandlung an das Oberkriegsgericht zurückverwiesen.

Warendorf, 3. Sept. Der Fischfang lu der Ems läßt von Jahr zu Jahr nach, so hört man unsere Fi­scher klagen. Die Ursache soll darin begründet sein. daß durch die Regulierung der Ems den Fischen die Ausflüsse als geeignete Laichplätze genommen werden und die Brut in der Ems vom Strome mit fortgerissen wird. Vor mehreren Jahren hat der Fischerei=Verein Aale, Karpfen und andere Fische eingesetzt. Es soll jedoch der Aal mit Vorliebe Fischlaich verzehren und wäre auch wohl hierin ein Rückgang des Fischbestandes zu suchen. Der Aalfang liefert günstige Resultate; da­hingegen hat der Hecht und Barsch sehr nachgelassen. Eine neue Hoffnung für unsere Fischer bietet jedoch der Karpfen, der wie eben erwähnt, edenfalls derzeit mit eingesetzt wurde. Merkwürdig ist es jedoch, daß man erst in diesem Jahre auf den reichen Bestand die­ses schmackhaften Fisches aufmerksam wurde. In den letzten Wochen sind wirkliche Prachtexemplare heraus­geholt worden. Von einem Herrn wurden in eini gen Tagen 5 Stück gefangen, die zusammen das an sehnliche Gewicht von 44 Pfund hatten.

Essen, 3. Sept. In ihrem Bericht über die vor einigen Tagen veranstaltete Tourenfahrt für kleine Motorwagen beklagt sich die„Allg. Automobil=Zeitung" über das feindselige Verhalten des Publikums im In­Lustriegebiet gegen die Fahrer. Absichtliches Falschzei­gen, Verweigern von Ontworten auf Fragen, steine­wersende Kinder, Arbeiter und sogen, bessere Herren, die nicht von der Straße weichen, das sind so ungefähr

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