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Abonnementspreis

inel. Castroper Illustrirte Blätter in der Exped. und durch die Post bezogen vierteljährlich 1 Mark. Erscheint wöchentlich einmal.

Nro. 1.

Verlag, Redoction und Expedition von C. Heinemann in Castrop.

Druck von J. Bauer in Recklinghausen.

Samstag den 4. Jannar 1879.

Inserate

erbitten wir spätestens bis Donnerstag Abend 6 Uhr; dieselben kosten pro einspaltige Zeile oder deren Raum 10 Rpfg.

5. Jahrg.

Peim Ouartolbetiekl

erlaüben wir uns zu zahlreichen neuen Bestellungen ergebenst einzuladen.

Die Expedition.

Reatiche Pchasch.

Deutschland.

— Der Kaiser begrüßte bei dem Neujohrsempfange die Generalität in gewohnter Rüstigkeit, Frische und Kraft mit kurzen Dankesworten in Erwirerung der ihm dargebrachten Glückwünsche. Nach der Gratulation der Generale empfing Se. Mojestät die Commandeure der Leibregimenter, die lendsässigen Fürsten und deren Ge­mohlinnen und die am Hofe accredirten Botschafter. Um 1 Uhr fand der Empfang der octiven Staatsminister statt.

— Der Bundesrath hielt am 30. Dez. eine Plenar­sitzung unter Vorsitz des Staatsministers Hofmonn, in der das Schreiben des Reichskanzlers bezüglich der Zoll­fragen an die Zelltarif Revisions=Commission verwiesen wurde.

Oesterreich=Ungarn.

— Da in Oesterreich die Frage der staatsrecht­lichen Stellung des occupirten türkischen Gebietes noch nicht gelöst ist, auch wohl nicht gut gelöst werden kann, bevor die Annexion vollzogen ist, hat die Regierung nunmehr sich entschlossen, eine vorläufige„Landesregie­rung" daselbst einzusetzen. Das amtliche bosnische Blatt enthält einen bezüglichen Erlaß vom 26. v.., welcher lautet:„Mit 1. Januar 1879 wird die Landesregie­rung in Bosnien und in der Herzegowina, welche in Serajewo den Sitz hat, ihre Amtswirksamkeit beginnen. Die Landesregierung ist in Angelegenheiten für innere Verwaltung, in Justiz= und Finanz=Angelegenheiten die oberste Verwaltungs=Behörde und entscheidet in den zu ihrem Wirkungskreise gehörenden Angelegenheiten in der Regel als letzte Instanz im Lande. Der Chef der Lan­desregierung: Wilhelm Herzog von Württemberg, Feld­zeugmeister." Daß die Handhabung der Regierung dem militärischen Chef der Occupation anvertraut worden ist, ist natürlich und ebenso natürlich wird man es finden müssen, wenn dieser die militärischen Gesichtspunkte bei seiner Verwaltung in den Vordergrund stellen wird. Fraglich bleibt es dann nur, ob die Hoffnung sich er­füllen wird, daß von 1880 an die occupirten Länder die Kosten ihrer Verwaltung schon selbst aufbringen werden und ob nicht doch das Zutrauen des österrei­chischen Finanzministers Depretis in die günstige Ge­staltung der Finanzlage für eine nicht ferne Zukunft ein zu voreiliges war.

Italien.

Rom, 30. Dez. Ein Brief des Papstes vom 24. Dezember an den Erzbischof Melchers von Cöln sogt nach dem„Osservatore Romano": Der Popst habe seit Antritt seines Pentificats vorzugsweise der edlen deut­schen Nation seine Aufmerksamkeit zugewandt, damit dieselbe die Wehlthaten eines dauerhaften Friedens wie­dererlangen könnte. Die sociale, politische und religiöse Ordnung sei überall derartig bedroht, daß der Papst die Pflicht habe, der todtkranken Gesellschaft die Heil­mittel der Kirche anzubieten. Der Papst oppellirt an den deutschen Episcopat, damit er den Gläubigen die Lehren der Kirche zugänglicher mache. So würden die Gläubigen Dank ihrer vollständigen Unterwerfung unter die Gesetze, welche nicht im Gegensotz zum Glauben und zu den Pflichten gegen die katholische Kirche stehen, die Wohltbaten der Kirche wiedererlangen. Der Popst bittet Gott, er möge ihn und die Bischöfe erleuchten und dem edlen mächtigen deutschen Kaiser, sowie dessen Rathgebern wohlwollende Gesinnungen einflößen.

— Die Loge der Industrie oder vielmehr der für dieselbe bestimmten Arbeitskräfte in England hat nun doch auch an die Pforten der Regierung so laut ange­klopft, daß dieselbe an die städtischen Behörden aller Fabrikstädte Englands und Schottlands, in denen eine Stockung eingetreten ist, das Ersuchen gerichtet hat, ihr die eingehendsten Mitthellungen über den Umfang der Noth zugehen zu lossen. Es haben sich zwar im gan­zen Lande Hülfecomité's gebildet; da deren Mittel aber ganz unzureichend sind, wird vielfach vom Staate Hülfe getordert.

Türkei.

— Der Sultan hat den Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Karatheodory Pascho, zum ersten Be­

rollmächtizten und den Präsidenten des Staatsraths,

Ali Pascha, zum zweiten Bevollmächtigten für die Ver­hondlungen über den endgültigen Friedensvertrag zwi­schen der Pforte und Rußland ernannt.

Locales und Provinzielles.

? Castrop, 2. Januar. Die Neuveronlogung der Gebäudesteuer wird voraussichtlich manchen hies. Haus­besitzer in Besorgniß versetzen, indem dieselbe in den meisten Fällen weit höhere Berräge ergibt, als dies früher der Foll war. Die Ursache dieser Erhöhung darf in den ho­hen Miethspreisen der Wohnungen zu suchen sein. Zwar sind dieselben gegenwärtig gesunken, bei der desmaligen Festsetzung derselben mußte indessen ein Durchschnittssatz ermittelt werden, welchem zufällig neben den letzten drei oder vier schlechten die sämmtlichen guten Johre mit den enormen Wohnungspreisen zu Grunde zu legen waren. In Anbetracht der Aussicht auf eine bessere geschäftliche Zukunft und spectell des baldigen Wiederbeginnes der hiesigen Industrie wollen wir auch diese Geißel noch gebuldig ertragen.

in# Castrop, 2. Jan. Der bei der Messer=Affaire am 24. v. M. am Handgelenk leicht verwundete und deshalb im St. Rochus Hospital untergebrachte Italie­ner ist schen in der zweiten Nocht dem Drange nach Freiheit gefolgt und hat das Weite gesucht. Wahr­scheinlich sind demselben die Untersuchungen und die bei ihm angestellten Vernehmungen etwas unbequem gewor­den, da er nicht zu einem kleinen Theile on dem Streite betheitigt gewesen sein soll.

XCastrop, 2. Jan. Bei dem ven dem Gesang­verein Liederhalle in Vereinigung mit dem kath. Gesellen­vereine am vergangenen Sonntage veranstalten Weih­nochtsfeste bereiteten der Christbaum sowohl als die von den Gesellen fleißig eingeübten Stücke Kindern und Erwach­senen große Freude. Mehr werden sich aber die aumen Kinder freuen, die von dem ansehnlichen Reinertrage für die kalte Winterzeit ein warmes Kleid empfangen. Dank den guten Gebern. Möge niemals für sie die Zeit hereinbrechen, wo ihre Kinder Anderer Hülfe be­dürfen und von diesen trostlos obgewiesen werden!

XCastrop, 3. Jan. Am 30. v. M. starb hier nach kaum 2 tägigem Kranksein in Felge eines Herz­schlages im Alter von 58 Johren der Herr Dr. med. Hermann Roeren. 25 Jahre ist derselbe hier im Dienste der Leidenden und Kranken in der anerkennens­werthesten Weise thätig gewesen. Sein frühes und so unerwartetes Hinscheiden findet daher auch die allgemeinste Theilnahme bei der hiesigen Bevölkerung.

— Vom 5. d. M. ab werden die Personenzüge der Emscherthalbahn auch an der Haltestelle bei Huckarde halten und Personen in der Richtung nach Dortmund und Wanne befördern.

? Bahnhof Castrop, 2. Jan. Die hier belegene Zeche Victor hat in voriger Woche das Flötz Dickebank, welches eine Mächtigkeit von über 8 Fuß hat, gefunden. Die Verhältnisse für Victor gestalten sich somit, da einige unlängst eingetretene Uebelstände ale beseitigt angesehen werden können und für den Versandt der Kohlen per Bohn seitens der Zeche Alles geordnet ist und auch von der Köln=Mindener Eisenbahn die dieserhalb nöthigen Arbeiten schleunigst betrieben werden, recht günstig. Glück auf!

— Noch einmal sei an dieser Stelle darauf auf­merksam gemacht, daß am 1. Jonuar 1879 das Reichs­gesetz beireffend die Einführung von Arbeitsbüchern und Arbeitskarten in Kraft trat. Nach diesem Gesetze müssen von dem genannten Tage ab alle gewerblichen Arbeiter unter 21 Jahren ohne Unterschied des Geschlechtes mit einem Arbeitobuche und Kinder unter 14 Johren, wenn sie in Fabriken, Werkstätten, Hüttenwerken, Bauhöften und Werften, sowie in Bergweiken, Salinen, Aufberei­tungsanstalten 2c. beschäftigt werden, mit einer Arbeits­karte versehen sein. An Kinder unter 12 Jahren dür­fen Arbeitskarten nicht ertheilt werden. Die Nichtbefol­gung dieser Vorschrift zieht dem Betheiligten eine Gele­strafe von 20 Mark eventuell 3 Tage Haft zu.

— Zur Nachahmung empfohlen! In folgenden Städten Rheinlands und Westfolens werden gegenwärtig die sogenannten Tingel=Tangel=Vorstellungen besteuert: Barmen, Elberseld, Düsseldorf, Köln, Aachen, Essen, Ouisburg, Remscheid, Witten, Hörde, Recklinghausen, Wülfrath, Müoster. Die für jede Vorstellung zu zab­lende Armenabgabe schwonkt zwischen 5 M. und 35 M. In Duisburg wurden in einer Woche 220 Mark an Abgeben von den betreffenden Wirtbschaften gezahlt. Die Tingel=Tangel sind in Folge dieser Besteuerung stark im Abnehmen begriffen, an manchen Orten schon

jetzt ganz verschwunden.— Auch gegen den Untug, der

mit Wanderlagern und Waarenauctionen getrieben wird, haben sich eine Anzahl Städte durch besondere Abgaben für die Abhaltung solcher Auctionen zu helfen gesucht, da sie die Abhaltung selbst nicht verbieten können. Neuer­dings haben sich auch die Städte Wismar und Schwerin diesen Bestrebungen angeschlossen.— Auch gegen den Hausirhandel sind in den Rheingegenden Agitotionen im Gang, und sind Petitionen um Einschränkungsmaßregeln gegen diese Plage des Landvolks an den Reichstag ge­sendet worden.

—(Abschaffung der ersten Eisenbahn=Wagenklasse.) Der„Verein der deutschen Eisenbahn=Verwaltungen" hat in einem Preis=Ausschreiben zu einer Arbeit über die in Folge der ungünstigen Lage des Eisenbahnwesens schon öfters in Aussicht genommene Abschaffung der ersten Wagenklasse aufgefordert. Es sollen danach drei Klassen behalten werden, von welchen die erste gepol­sterte, die zweite ungepolsterte, die dritte keine Sitze er­halten soll.

—(Erkältung.) Ein großer Theil der Krankheiten sind Folge von vernachlässigten Erkältuogen und könnte bei einiger Aufmerksamkeit durch einfache Mittel verhin­dert werden. Sobald Jemand sich unbehaglich oder abgeschlogen fühlt, Frostschauder empfindet, oder auch Kopfschmerz und Fieber spürt, wird einer Krankheit häufig dadurch vorgebeugt, daß er sich sofort in's Bett legt, nur leichte Speisen genießt und schwitzt. Als Beförde­rungsmittel des Schwitzens genügt eine Tasse Holunderthee, oder für den Anhänger der Homöopathie eine Gabe Aconit mit einer nach ¼ stündiger Pause folgenden Gabe von Chamomilla. Mit Hervorbrechung des Schweißes verschwinden häufig alle durch die gestörte Ausdünstung der Haut hervorgerufenen Beschwerden. Ein heißes Fußbad mit Senf kann auch gute Dienste gegen die schädlichen Folgen einer Erkältung leisten. Es erweist sich dies besonders bei Kopfschmerz, Congestion nach Kepf und Brust u. s. w. als sehr wirksam. Zu einem Fußbad gehören 3 Loth Senspulver; es wird so warm als möglich und unmittelbar vor dem Schlafengehen genommen. Auch Kampherspiritus,—5 Tropfen auf Zucker genommen und noch Bedürfniß nach 15 bis Minuten noch einige Male wiederholt, beseitigen oft in wenig Stunden alle Beschwerden und alle Folgen der Erkältung. Es würden weit weniger Krankheiten zum Ausbruch kommen, wenn den ersten Symptomen mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde.

— Wir wollen nicht unterlassen, die Gewerbetrei­benden darauf aufmerksam zu machen, daß es nach den Bestimmungen der neuen Gewerbeordnung zum Schutze der Lehrverträge durch die Polizeibehörde und die Ge­richte und um die Erfüllung dieser Verträge zu sichern, vom 1. Januar ab der schriftlichen Abfassung derselben bedarf. Zu Lehrcontrakten, worin kein Lehrgeld oder doch nur ein solches unter 150 Mark bedungen wird, ist der gesetzliche Stempel von 50 Pfg. für jedes Exem­plar erforderlich.

— Bekanntlich ist von Seiten der deutschen Gym­nasial= und Realschulgesellschaft die Frage angeregt worden, ob es sich nicht empfehle, das Schuljahr in den höheren Lehranstalten mit dem Kalenderjahre in Ueber­einstimmung zu bringen. Gutem Vernehmen der „Nordd. Allg. Ztg.“ nach wird diese Frage jetzt in den maßgebenden Kreisen in Erörterung gezogen.

— Einer Bekanntmachung des General=Postmeisters zufolge beträgt vom 1. Januar 1879 ab die Taxe für Telegramme nach Großbritannien und Irland ohne Unterschied der Entfernung 30 Pfg. für jedes Wort.

— Die Köln=Mindener Bahn hat den Beschluß gefaßt, von nun ab nur noch eiserne Schwellen zu le­gen, und eine große Anzahl Westdeutscher Bahnen hat dieselbe Umänderung für die nächsten Jahre in Aussicht genommen. Meist wird dabei in der Weise verfahren, daß die alten abgenutzten Eisenschienen als Rohmaterial für die Eisenschwellen benutzt werden, während man erstere durch Stahlschienen aus neuem Material ersetzt.

— Eine in mehrfacher Beziehung interessante ge­richtliche Entscheidung verdient hervorgehoben zu werden. Auf den norddeutschen und auch anderen Eisenbahnen wird bekanntlich für die Person ein Freigewicht von 25 kg an Gepäck gewährt. Es ist und war nie zwei­felhaft, daß die Berechnung dieses Freigewichts nach der Zahl der Fahrkarten erfolgt, so daß derjenige, wel­cher gar kein oder nur geringes Gepäck hat, seine Fahrkarte einem Andern abtreten kann, damit letzterer von der Freigewichts=Bewilligung Nutzen ziehe. Nichts­destoweniger hat erst ein richterliches Urtheil aus­sprechen müssen, daß eine solche Ausnutzung der Fahr­karte durch eine andere Person als den Erwerber volle