„Die Lippische Landes=Zeitung== erscheint mit Ausnahme der Sonn= und Festtage täglich und werden in derselben die amtlichen Bekanntmachungen des Amtsblattes für das Fürstenthum Lippe in besonderer Rubrik veröffentlicht.

Redaction u. Expedition:

Detmold, Leopoldstraße Nr. 117.

See de

Abonnementspreis für das Vierteljahr:

In Detmold 2 Mark 25 Pf., auswärts durch die bezegen 2 M. 60 Pf.,— mit Bestellgeld 3 M.

Inserate

werden mit 12 Pf. für den Raum der einfachen Corpus=Spaltzeile berechnet.

ToUeH

Verantwortlicher Redacteur August Klingenberg. Druck und Verlag der Meyer'schen Hofbuchdruckerei(Gebr. Klingenberg) in Detmold.

Die 60.

Dienstag, 4. April.

188S.

Die zweite Lesung der kirchenpolitischen Vorlage im preußischen Abgeordnetenhause.

V. C. Der 30. März, an welchem das preußische Abgeordnetenhaus die zwischen den Konservativen und dem Centrum vereinbarten Abänderungsanträge zu der kirchenpolitischen Regierungsvorlage mit großer Majo­rität angenommen hat, wird in den Annalen der preußischen Geschichte, ebenso wie die Tage von Jena und Olmütz, als ein dies nefastus, als ein Tag des Unglücks und der Schande verzeichnet werden: er hat, wie der Abgeordnete von Eynern mit Recht bemerkte, das Steinchen ins Rollen gebracht, welches Pius IX. herbeiwünschte, um den deutschen Koloß zu zerschmettern.

Schon die Thatsache, daß die Mehrheit, welche für die betreffenden Anträge eintrat, sich aus den ver­bündeten Parteien der Konservativen, des Centrums und der Polen zusamwensetzte, ja daß dieselbe erst durch den Beitritt der preußenfeindlichen Polen ermöglicht wurde, drückt den Beschlüssen dieser Mehrheit ein Kainszeichen auf. Es war ein Hohn über den preußischen Staat, wie er bitterer nicht gedacht werden konnte, als der Centrumsführer die Polen zu dem„Dienste“, den sie diesem Staate leisteten, beglückwünschte.

Auch sonst bot der Vertreter Roms alles Mögliche auf, um die Niederlage, welche der preußische Staat erlitt, recht fühlbar zu machen. Den Konservativen lohnte er für ihren Beistand durch den Spott, daß ihre Haltung, da sie nicht auf katholischen Sympathien be­ruhe, sondern lediglich auf dem Wunsche, für die evan­gelische Kirche das Kulturexamen los zu werden, noch ziel zu wünschen übrig lasse. Seine Vertheidigung des

„onadigungsrechtes der Krone würzte er mit dem hautischen Tadel, daß die auf dem Wege der Gnade

wiederherzustellende Harmonie von Rechtswegen nie hätte gestört werden sollen. Den Vorwurf, daß seine Partei durch Annahme der veränderten Vorlage das Prinzip der diskretionären Gewalt, welches sie bisher aufs ent­schiedenste perhorreszirte, im Widerspruche mit sich selbst anerkenne, wies er mit dem cynischen Hinweis auf die dadurch erreichten Vortheile sowie mit der Ver­sicherung zurück, daß das Centrum nach wie vor auf der Nothwendigkeit einer gründlichen Revision, resp.

1

Abschaffung der Maigesetze bestehe: er und seine Freunde betrachteten gerade die vorgeschlagene Fristbestimmung in Artikel 1(bis zum 1. April 1883) als Pfand für die Hoffnung, daß dies Gesetz nicht einen Abschluß, sondern nur eine Stufe zur Beschreitung weiterer Stufen bilden werde.

Vergebens hoben die Vertreter der liberalen Gruppen ohne Ausnahme in Uebereinstimmung mit dem der frei­konservativen Partei hervor, wie thöricht es sei, daß die Regierung jetzt einen neuen Schritt thue, um den An­sprüchen der römischen Kurie entgegenzukommen, wäh­rend diese nach wie vor auf ihrem alten Standpunkt verharrend, die Umgestaltung der preußischen Staats­gesetze nach ihren Grundsätzen fordere und der Papst nicht einmal das im Jahr 1880 ausgesprochene tolerari posse, die Erlaubniß zur Erfüllung der Benennungs­pflicht, wiederhole. Vergebens wiesen sie darauf hin, daß die Annahme des Bischofsparagraphen, welcher den rebellischen Bischöfen die Rückkehr in ihr Amt ermög­liche, die bisher von den Konservativen so hoch gehaltene Autorität des Staates aufs stärkste schädigen werde. Vergebens erinnerte der Abgeordnete von Eynern daran, daß der Kulturkampf nach dem eigenen Ausspruch des Centrumsführers vom Schlachtfelde von Königgrätz da­tire und daß Preußen nach dem Zeugniß des offiziösen Organs der Kurie in Rom als Hauptfeind der katho­lischen Kirche gelte, gegen den der Kampf auf Leben und Tod fortdauern werde, so lange Preußen bestehe — es half Alles nichts: die Konservativen gingen in ihrem bornirten Friedenstaumel, ohne sich belehren und warnen zu lassen, eigensinnig auf ihr Ziel los und schlugen damit den Weg ein, der auf die Dauer zum Ruin Preußens und des deutschen Reiches führen muß.

Und was das Traurigste ist, die Regierung gab zu diesem verblendeten Treiben, wenn auch halb mit Wider­streben, ihre Zustimmung. Der Kultusminister von Goßler trat zwar anstandshalber für die ursprüngliche Gestalt seiner Vorlage ein und sprach besonders sein Bedauern darüber aus, daß die Artikel 4 und 5, auf welche die Regierung bisher das Hauptgewicht gelegt hatte, ganz wegfallen sollten. Aber es fehlte seinem Widerspruch offenbar an Energie. Andererseits war das, was er zur Vertheidigung der— wenn auch in

Der Sternkrug.

Von 37

Adolf Streckfuß.(Fortsetzung.)

Die Mörder, kräftige, entschlossene Männer, sind

rüstig fortgeschritten, sie haben sich nirgends ausgeruht,

auf dem geraden Wege sind sie dem bekannten Sumpf­

#. Hier angekommen, haben sie zuerst die

soden gelöst und““ dann drei große Feldsteine vom

geichnam in das endlich den mit diesen beschwerten

rucht er diesen easer getragen. Dort

ruhr er noch in diesem augenolia, er wird für die

Richtigkeit meiner Behauptungen sein Zeugniß abgeben.

Wer aber sind die Mörder? Ich fühle die schwere

Verantwortung, welche ich auf mich nehme, indem ich

behaupte, daß hoher Wahrscheinlichkeit nach Herr von

Heiwald einer der Theilnehmer des Verbrechens ist, für

den von anderer Seite geäußerten Verdacht, daß der

Senator Heiwald der zweite Mörder sei, fehlen mir

bis jetzt noch alle Anhaltspunkte.

Ich habe zuförderst die Verdachtsgründe gegen Herrn

von Heiwald zu rechtfertigen, ehe ich die Anträge, welche

ich an dieselben knüpfe, motivire.

Ich sehe davon ab, daß die öffentliche Meinung

ganz bestimmt und allgemein die beiden Brüder dieses

Mordes und auch der früher in der Diebesheide be­

gangenen Verbrechen beschuldigt. Die öffentliche Meinung

ist oft trügerisch: gerade weil sie sich früher schon gegen

die Brüder entschieden hat, bürdet sie ihnen naturgemäß

auch das neue Verbrechen auf. Inwiefern früher die

Volksstimme richtig oder unrichtig geurtheilt hat, kann

ich gar nicht ermessen, da ich es absichtlich vermieden

habe, Nachforschungen zu halten, um nicht die Fäden

der neuen Untersuchung zu verwirren. Die öffentliche

Meinung hat daher für mich nur insofern einen Werth,

als sie zuerst meine Aufmerksamkeit auf Herrn von

Heiwald gelenkt hat, gegen diesen aber häufen sich jetzt

die ernstesten Verdachtsgründe so sehr, daß ein Vorgehen

gegen ihn nicht mehr abzuweisen sein wird.“

Die Darstellung aller der unseren Lesern bereits bekannten Thatsachen folgte in dem Berichte noch einmal. Werder legte ein besonderes Gewicht auf die Nummern der unzweifelhaft von Herrn von Heiwald herrührenden Einhundertthalerscheine, auf den Anzug, den derselbe im Garten getragen habe, die Schuhe, blauwollene Strümpfe und den grau und schwarz gefleckten, am Rockschoße ge­flickten alten Jagdrock, so wie auf die Uebereinstimmung der Fußspur.

Er schloß seinen Bericht:

Aus allen diesen Verdachtsgründen sehe ich mich zu dem gehorsamen Antrage genöthigt, daß gegen Herrn von Heiwald die Untersuchung wegen Ermordung und Beraubung des Herrn von Scharnau, eventuell wegen Theilnahme an diesem Verbrechen, eingeleitet und seine Verhaftung verfügt werde.

Auch die Verhaftung des Senators Heiwald dürfte im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt als gerechtfertigt erscheinen, obgleich die gegen ihn vorliegenden Verdachts­momente, wenn sie nicht in Verbindung gebracht werden mit den gegen den Bruder erhobenen, an und für sich nicht genügen werden, um gegen ihn ein Ein­schreiten zu gestatten.

#. Im Interesse der Untersuchung erscheint indessen diese Verhaftung, sowie die genaueste Haussuchung bei beiden Brüdern geboten; erst nachdem sie erfolgt ist, wird es mir möglich sein, hierorts weitere Schritte zu thun, und besonders die Aufsuchung der Leiche des Herrn von Scharnau zu veranlassen. Eine Untersuchung des Sumpfloches vor der Verhaftung der wahrschein­lichen Mörder würde deren Aufmerksamkeit auf sich ziehen und könnte leicht zu Verdunklungen des Thatbestandes führen.

Ich füge schließlich die gehorsame Bitte hinzu, daß die Verhaftung der beiden Brüder und die Haussuchung bei denselben weder mir, noch dem Polizeikommissarius Ewald, noch den hiesigen Behörden übertragen, sondern daß zu diesem Zwecke von'“ ein zuverlässiger und diskreter Beamter hierher geschickt werde. Es würde meine fernere Thätigkeit, so wie die zu erwartende des

modifizirter Fassung— aufrechterhaltenen Artikel sagte, so schwach, daß es den Gegnern wenig Mühe kostete, ihn zu widerlegen. Als der Minister die Behauptung, daß der gegenwärtige Schritt der Regierung sowohl im Interesse des Staates, wie in dem der katholischen Be­völkerung liege, mit der Bemerkung motivirte, daß die Stellung der Regierung zu der letzteren seit dem Juli= gesetz unendlich wärmer und wohlthuender geworden sei, antwortete der Abgeordnete von Eynern treffend, die Stellung der katholischen Bevölkerung zur Regierung sei heute unter der Führung der Geistlichkeit so schroff oppositionell, wie in irgend einer früheren Zeit. Ein Minister, der es über sich bringt, zu erklären, der römischen Kurie gegenüber sei die Do ut des=Politik nicht am Platze, ist überhaupt nicht ernst zu nehmen.

Die am folgenden Tage, bei der dritten Berathung der Vorlage, stattgehabte definitive Abstimmung bestätigte natürlich das Resultat der zweiten Lesung. Angesichts des Verhängnisses, dem der preußische Staat nach An­nahme eines so verderblichen Gesetzes entgegengeht, bleibt uns nur ein Trost: der nämlich, daß die Ausführung des schlimmsten Artikels in die Hand unseres ehrwürdigen Kaisers gelegt ist und daß er, der die Ehre und das Ansehen Preußens bisher mit so fester Hand zu wahren verstanden hat, nur solche Bischöfe in ihr Amt zurück­kehren lassen wird, welche ihm zuvor sichere Bürgschaften gegeben haben, daß sie die Gesetze des Staates respek­tiren und insonderheit die Anzeigepflicht erfüllen werden.

Deutsches

* Berlin,.April. Wiederum wird jetzt von offiziöser Seite mit größter Bestimmtheit versichert, daß die Früh­jahrssession des Reichstags beschlossene Sache sei und zwar solle sie schon in der dritten oder vierten April­woche einberufen werden. Man ist indessen durch wiederholte derartige Versicherungen und dann wieder Dementis einigermaßen mißtrauisch geworden. Jeden­falls wäre es an der Zeit, daß bald volle Sicherheit über die Frage der Frühjahrssession verbreitet würde; die Abgeordneten können wohl die Rücksicht verlangen, daß es ihnen frühzeitig möglich gemacht wird, ihre 1 Dispositionen zu treffen. Ist wirklich, wie es jetzt l immer mehr den Anschein gewinnt, die Berufung des

Herrn Ewald erschweren, wenn wir schon jetzt hier als Polizeibeamte erkannt würden; die hiesigen Beamten sind aber sämmtlich für eine schwierige Kriminalunter­suchung ungeeignet.“

Nachdem Werder seinen langen und ausführlichen offiziellen Bericht geendet hatte, schrieb er noch einen Privatbrief, den er dem Berichte beilegte.

Der Brief trug die Adresse:

An den Herrn Polizeidirektor von Soltau Hochwohlgeboren in Mes.

(Privatim.)

Er lautete:

„Mein lieber Julius!

Dem hohen Vorgesetzten schicke ich den beifolgen­den Bericht, dem Freund und Schwager diese Zeilen.

Julius, bist Du mein guter oder mein böser Engel?„Alles Glück und Unglück des Lebens scheint mir von Dir zu kommen! So oft ich vom Schicksal derb herumgezaust worden bin, immer warst Du die schuldige oder unschuldige Veranlassung.

Daß ich nicht Dich, den theuersten Freund und künftigen Schwager, wegen einer im Rausch mir zu­gefügten Beleidigung todt schießen wollte, zwang mich, den bunten Rock auszuziehen und gab meinem Schicksal, wie dem Deinigen, eine ungeahnte Wendung. — Du hast Dich gut dabei befunden, bist ein vor­nehmer Mann, der Polizeidirektor von'“ geworden, ich aber mußte mich erst als Schollenjunker, dann als Handlungsdiener in der Welt umhertreiben. Ein unbedachtes Wort von Dir, die Schilderung der reizenden Jagd in den amerikanischen Urwäldern, die Dir der rückkehrende Semrau gemacht hatte, trieb mich nach dem fernen Westen zu den Squattern und Indianern, in das abenteuerliche Leben des Wildniß­jägers; dann wieder rief Deine Mahnung, die Schilderung, welche Du mir in Deinen Briefen vom Kummer der guten alten Mutter machtest, mich in die Heimath zurück.

(Fortsetzung folgt.)