Ausgabe 
14 (2.2.1932) 27
Seite
334
 
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mit den Beilagen„Für Herz und Haus

S

Kindergabe“ und„Anser Ziel.“

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Nr. 27.

14. Jahrgang.

Und ob es währt bis in die Nacht, Und wieder an den Morgen,

Soll doch mein Herz an Gottes Macht Verzweifeln nicht, noch sorgen!

Luther.

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1—

Franz Behrens 60 Jahre alt.

Am 2. Februar vollendet Franz Behrens, der dienstälteste, bekannteste und bedeutendste evangelische Arbeiterführer sein 60. Lebensjahr.

Als Sohn des im Böker=Moor(Amt Stargard in Mecklenburg=Strelitz) tätigen Zieglermeisters Wil­helm Behrens geboren, erhielt Franz Behrens in der Dorfschule in Dewitz seinen ersten Unterricht, um dann vom 11. bis 14. Lebensjahr in dem Amtsstädtchen Star­gard die sechsklassige Bürgerschule zu besuchen. In der schulfreien Zeit wurden landwirtschaftliche Arbeiten ver­richtet, zu denen mit besonderer Vorliebe die Schuljugend herangezogen wurde. Aber gerade diese Zeit, von der Behrens so oft und gern erzählt, wird von ihm als die schönste Jugendzeit bezeichnet, die er unter der treuen Pflege liebevoller, fürsorgender Eltern verleben durfte.

Es kann nicht Aufgabe dieses Geburtstagsartikels sein, Franz Behrens' Leben, Werden und Wirken gebührend und erschöpfend zu schildern. Aber eine kurze Würdigung seiner rastlosen und erfolgreichen Tätigkeit kann man ihm, dem stets Bescheidenen, an seinem 60. Geburtstag nicht ersparen.

Nach beendigter Lehre in eine mecklenburgischen Gutsgärtnerei war Behrens als Gehilfe in Berlin und später in Dresden und Halle tätig. Schon in Berlin wurde von ihm die Notwendigkeit des beruflichen Zusam­menschlusses erkannt. Im Jahre 1889 schloß er sich dem auf nationalem Boden stehenden alten„Deutschen Gärtnerverband" an. Die großstädtische Gärtner­jugend war aber schon im starken Maße radikalisiert, so daß dieser Verband der Auflösung verfiel und seine Mitglieder den„Allgemeinen Deutschen Gärt­nerverein“ unter Anlehnung an die sozialdemokra­tische Bewegung gründeten. Natürlich machte Behrens diese Entwicklung nicht mit, aber sein reges Interesse für das öffentliche Leben führte ihn in politische Versamm­lungen aller Art. Es mag für ihn wegweisend gewesen sein, daß er um diese Zeit mit dem damaligen Hofprediger D. Stöcker und dadurch mit der christlich=sozialen Be­wegung bekannt wurde. Seine Regsamkeit und die ihm angeborene glänzende Redegabe sowie sein unermüd­liches Bestreben, seinen Berufskollegen zu dienen, ließen ihn sehr bald in den Vordergrund treten. Nach beendigter Dienstzeit bei den Brandenburg. Pionieren in Torgau sehen wir Behrens schon im Jahre 1895 im„Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein“ als hauptamtlich angestellten Sekretär wirken. Allerdings war diese Stellung materiell keineswegs verlockend. Es darf vermerkt werden, daß, wenn heute so manche, welche der Arbeiterbewegung nicht wohlwollend gegenüberstehen, in verächtlicher Weise von dem„Bonzentum“ reden und schreiben, diese sogenann­ten„Bonzen“ fast ohne Ausnahme in ihren jüngeren Jah­ren die bittersten Entbehrungen ertragen und die größten Opfer in einem Maße gebracht haben, die den Kritikern der Arbeiterbewegung völlig fern geblieben sind. Es darf zur Ehre des nunmehr Sechzigjährigen in diesem Zusam­menhang gesagt werden, daß er, als die christlich=nationale Arbeiterbewegung noch in den Kinderschuhen steckte, ein wahres Hungerleben geführt hat und bis auf den heuti­gen Tag seine eigenen Interessen stark vernachlässigte und in den Hintergrund stellte.

Im Jahre 1897 wurde Behrens hauptamtlicher Sekre­tär des Deutschen evangelischen Arbeitervereins in Ber­lin. Diese Tätigkeit brachte ihn in engere Beziehungen zur kirchlich=sozialen Konferenz, was wiederum zu einer gemeinsamen Arbeit mit Pastor Ernst Böhme, D. Mumm und Fräulein Margarete Behm führte. Das Ergebnis dieser Arbeitsgemeinschaft war die Gründung des„Gewerkvereins der Heimarbeiterinnen“, dem Beh­rens stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat. Nun mehr erhielt sein Lebensweg eine bestimmte Zielrichtung. Bald war er mit den schon genannten Freunden ein eifri­ger Vorkämpfer und Förderer der christlichen Gewerk­schaftsbewegung, besonders im evangelischen Volksteil. Leider stand zur damaligen Zeit die evan­gelische Kirche und weite evangelische Kreise der auf­wärts strebenden christlichen Arbeiterbewegung gerade nicht freundlich gegenüber. Behrens betrachtete es als seine vornehmste Aufgabe, im Gegensatz zu den sehr vie­len scharfen Kritikern im evangelischen Volk, die evange­lische Arbeiterschaft und die abseitsstehenden evangeli­

schen Volkskreise für die interkonfessionellen christlichen Gewerkschaften zu gewinnen. In theologischen Kreisen waren es hauptsächlich Männer wie Pastor von Bodel­schwingh, D. Stöcker, D. Weber, D. Mumm und der leider zu früh verstorbene uns unvergeßliche D. Jaeger in Bethel, welche mit ihm bahnbrechend gewirkt haben. Als Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der Evan­gelisch=sozialen Schule half Behrens, die für die Bewegung erforderlichen Kräfte im evangelischen Arbei­terlager zu schulen und zu erziehen. Als Mitglied des Deutschen evangelischen Kirchenausschus­ses kämpfte er in gleicher Weise für die Anerkennung der Christlich=nationalen Arbeiterbewegung, und es mag für ihn ein Tag großer Freude gewesen, als der erste verfassungsmäßige Kirchentag in Bethel 1924 die soziale Frage in den Mittelpunkt seiner Verhandlungen stellte und eine sozale Botschaft an das deutsche ewangelische Volk erließ.

Aus seiner weiteren gewerkschaftlichen Tätigkeit sei noch erwähnt, daß Behrens vom Jahre 1905 bis 1913 als Generalsekretär des Gewerkvereins christlicher Bergar­beiter in Essen tätig war und wiederholt als Vorsitzender des Deutschen Arbeiterkongresses fungierte. Dann trat die Aufgabe an ihn heran, die Landarbeiter auf christlich­nationaler Grundlage zu organisieren. Der Zentralver­band der Landarbeiter ist sein Werk, welches er unter den schwierigsten Verhältnissen mit seinen Mitarbeitern geschaffen hat.

Auch politisch war Franz Behrens hervorragend tätig. Er war mehrfacher Zählkandidat der Christlich=sozialen Partei bei den Reichstagswahlen im Jahre 1903, darun­ter auch im Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. Wenn diese Kandidatur auch keinen großen ziffernmäßi­gen Erfolg hatte, so gaben seine Wahlversammlungen doch den Anstoß zur Einführung der christlich=nationalen Gewerkschaften im Ravensberger Land. Vom Jahre 1907 ab bis zur Revolution 1918 vertrat Behrens den Wahl­kreis Wetzlar=Altenkirchen. Unvergeßlich bleibt mir, als seinem Mitkämpfer, die geradezu rüh­rende Anhänglichkeit der kleinen Landwirte und Arbeiter in seinem Wahlkreis an ihren geliebten Franz, der da­

mals von seinen sozialdemokratischen Gegnern den Spitz­namen„Blumenfränzchen“ erhielt.

Nach dem Kriege war Behrens Mitbegründer der Deutschnationalen Volkspartei. Er wurde 1919 in Ost­preußen in die Nationalversammlung, und auch bei den nachfolgenden Reichstagswahlen bis zum Jahre 1930 in den Reichstag gewählt. Als Reichstagsabgeordneter gehörte zu seinen besonderen Aufgaben die Förderung der sozialpolitischen Belange der Arbeitnehmerschaft. An der Reichsversicherungsordnung, die im Jahre 1910—11 im Reichstage durchberaten wurde, hat er in hervorragendem Maße mitgearbeitet. In der weiteren Auswirkung dieser Tätigkeit gründete er mit dem Kollegen Becker=Arns­berg und anderen Kollegen den Gesamtverband der Krankenkassen Deutschlands, zu dessen Vorsitzenden er gewählt wurde. Nach dem Kriege war er Mitbegründer und zunächst 1. Vorsitzender des Zen­tralverbandes Deutscher Kriegsbeschä­digter und Kriegshinterbliebener. Wäh­rend des Krieges selbst stellte er sich der Heeresleitung zur Verfügung und hat in wichtigen Missionen auch hier seine vaterländische Pflicht erfüllt.

So hat Behrens auf den verschiedensten Arbeitsplätzen überall in treuester Pflichterfüllung für die Christlich­nationale Arbeiterbewegung segensreich gewirkt. Er ist sich dabei immer treu geblieben. Einfachheit und Be­scheidenheit gehören zu seinen schönsten Charaktereigen­schaften. Stets hilfsbereit, wenn Freunde oder Kollegen ihm ihr Anliegen vortrugen, erwarb er sich die Sympa­thien weitester Kreise, besonders aber die seiner Kollegen. Ich bin deshalb gewiß, daß, wenn am 2. Februar Behrens in seinem Büro, Berlin NW, Luisenstraße 38, kaum seines Geburtstages gedenkt, sondern an seinem Schreibtisch ein großes Arbeitspensum erledigt, dann viele, die mit ihm gewirkt haben, seiner gedenken und sich in dem Wunsche vereinigen, daß es ihm, der körperlich und geistig noch über eine seltene Frische verfügt, vergönnt sein möge, noch viele Jahre seine wertvollen Kräfte in den Dienst seiner Kollegen und des von ihm so heiß geliebten deut­schen Vaterlandes zu stellen.

Wilhelm Wallbaum.

Die hieprennst.

Vor dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft?

Sir George Paish(früher finanzieller Sachver­ständiger der britischen Regierung) bringt in„Time and Tide“ einen Artikel, der nachweisen will, welche Gefahren auf dem so oft vorgeschlagenen Wege der Rettung durch eine in sich abgeschlossene Nationalwirtschaft lie­gen. Er sagt:

„Falls die Politiker und Staatsmänner gewünscht hät­ten, das beste Mittel zu entdecken, um die Weltlage so gefährlich wie möglich zu machen, so hätten sie nicht ein so großes Maß von Erfolg erlangen können als sie es nun getan haben dadurch, daß eine Lage von nie dage­wesener Schwierigkeit geschaffen worden ist. Selbstver­ständlich haben sie die Absicht, die Schwierigkeiten des Welthandels so groß zu machen, nicht gehabt, vielmehr ist die gegenwärtige gefährliche Lage hauptsächlich durch Mangel an Voraussicht und Mangel an Verständnis ent­standen. Indem man auf die Mentalität der Völker, wie sie fast in jedem Lande der Welt besteht, Rücksicht nahm, kamen die Staatsmänner ffast überall zu dem einen so­genannten Heilmittel, nämlich hohe Zölle zu er­richten, um so ihre Schwierigkeiten zu beseitigen. Als wenn die Nöte nur durch zu große Importe gekommen wären! Die Folge der Verkürzung der Importe bedeu­tete bald auch eine Verkürzung der Exporte, so daß die Völker, die vorher zur Bezahlung ihres Imports expor­tiert hatten, es jetzt nicht länger mehr können. So lange man nun noch ungestört Geld leihen konnte, wurde die gefährliche Art dieser Politik noch nicht erkannt. Sobald aber das Leihen unmöglich wurde, wurde auch ein Zu­sammenbruch unvermeidlich.“

P. gibt dann einen kurzen geschichtlichen Ueberblick. Schon die Erschütterung der österreichischen Kredit­anstalt mußte notwendig daraus folgen, daß Oester­reich nicht genügend Güter exportieren konnte, um seine Schulden zu bezahlen, oder auch nur die notwendigsten Einkäufe im Ausland zu machen. Wiederum war es nicht überraschend, daß die amerikanischen Bankiers durch die Eröffnungen der Kreditanstalt beunruhigt wurden und ihre Kredite von überall her, besonders aber von Deutsch­land, zurückzogen. Das finanzielle Moratorium in

Deutschland verursachte weithin Gegenstöße. Da Amerika und Großbritannien die an Deutschland gezahlten Sum­men nicht zurückrufen konnten, gab es eine starke Beun­ruhigung in London und Neuyork. Daher dann wieder das Zurückziehen von französischem und amerikanischem Geld von London. Wiederum war die Folge, daß Groß­britannien den Goldstandard nicht mehr halten konnte, Frankreich, Amerika und andere Länder aber nun auch nicht mehr ihr Geld unversehrt von London zurückziehen konnten, sondern schwere Verluste durch das Sinken des englischen Pfundes erlitten. In Folge davon ist man in Frankreich und Amerika mißtrauisch gegen die Banken geworden, hat vielfach die Depositen zurückgezogen, um Bargeld zu hamstern. Aber nicht nur diese natürlichen finanziellen Folgen sind durch die verkehrte politische Handlungsweise entstanden, sondern noch dazu sehr ernste politische Konsequenzen. Die britische Regierung legte Sperrzölle(prohibitive tariffs auf eine ganze Reihe von Gütern, die vom Kontinent und von Amerika herkom men und verursachte dadurch wieder einen schweren Druck in dem wirtschaftlichen Leben der anderen Länder. In der Tat wird gegenwärtig die Politik verfolgt„Mag mein Nachbar betteln gehen“ und man bildet sich ein, daß eine solche Politik Vorteile bringen könne!

Ueber die schlimmen Folgen dieser Politik kann kein Zweifel bestehen. Der Welthandel nähert sich rasch einem vollständigen Stillstand, der Kredit bricht zusammen und schon sieht man den vollständigen Zusammen­bruchdes Welthandels voraus. Es ist bereits ge­genwärtig nicht möglich, Zahlungen von vielen Ländern an viele andere Länder zu machen. Wird die gegenwär­tige Lähmung des Welthandels vollständig, dann werden alle die, welche in industriellen Distrikten wohnen, vor keiner geringeren Gefahr als der der Hungersnot stehen.

Man hat davon gesprochen, daß es eine Art Austausch­Einrichtung geben müsse, durch welche diejenigen, die in solchen Großstädten wie London, Neuyork, Paris, Berlin oder Wien leben, Nahrungsmittel im Austausch für in­dustrielle Güter bekommen. Aber die Ausführung dieser

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