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mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“
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Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Freitag, den 16. Oktober 1931.
otthong
Tadeln ist leicht, deshalb versuchen sich so viele darin. Mit Verstand loben ist schwer; deshalb tun es so wenige.
Feuerbach.
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Nicht Geld, sondern...?
Im Handelsteil einer großen Berliner Tageszeitung ward unlängst warnend auf„die Ueberspitzung des Gelddenkens“ in Handel und Wandel hingewiesen, im Leitartikel einer zweiten kommt ein Reichstagsabgeordneter zu dem Schluß:„Nicht Geld kann uns retten, sondern Arbeit“, und in einer dritten heißt es:„... Sparen und Arbeiten... diese beiden Eigenschaften werden uns auch diesmal retten!“ Es gibt fraglos schlechtere Vorschläge und minderwertige Methoden unter den Maßnahmen, die man zur Behebung der ungeheuren Not unseres Volkes von den verschiedensten Seiten in Anregung bringt, recht zweifelhaft ist es aber, ob man das Geld auf der einen und Arbeit und Sparsamkeit auf der anderen Seite so unerbittlich in Gegensatz zu einander stellen darf, wie das in den beregten Presseauslassungen geschieht.
Es ist vielleicht das Grundübel unseres ganzen modernen Wirtschaftsdenkens, daß wir die drei Begriffe: Geld, Arbeit und Sparsamkeit zu einer unlösbaren Schicksalsverflochtenheit haben werden lassen, in der alle edleren Motive, die dem Tätigkeitsdrang und dem Vorsorgewillen des Menschen ursprünglich zugrunde lagen, vom „Gott Mammon“ verdrängt sind. Wir arbeiten heute, um Geld zu verdienen, und wir häufen den Mammon, um neue Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen: ein fluchwürdiger circulus vitiosus, in dem das Pflicht= und Verantwortungsbewußtsein, von dem unsere Arbeit diktiert sein müßte, verloren ging. All unsere Tätigkeit kommt auf die Jagd nach Erfolg und Geld hinaus, und haben wir von beiden wirklich einmal genug, so sind wir erst recht von ihnen abhängig, da nur sie uns ermöglichen, ein „großes Leben zu führen“.
Wer denkt gar beim Sparen an die Opfer und Entbehrungen, die unsere Vorväter sich auferlegten, um eine Kapitalbildung im Interesse von Staat und Nachkommenschaft— also des Allgemeinwohls— zu ermöglichen? Der moderne Mensch denkt zunächst an sich selbst, wenn er spart, er denkt bestenfalls an Frau und Kinder, aber an den Staat, an das große Ganze? Nein! Kapitalflucht und Steuerscheu sprechen eine sehr deutliche Sprache. Für freiwillige Opfer und Enbehrungen, die letzten Endes allein den moralischen Wert der Sparsamkeit ausmachen, ist niemand zu haben;„schlimm genug“, wenn die harte Not dazu zwingt. Wir arbeiten aus Egoismus, und wir sparen aus Egoismus, und wenn wir davon reden und schreiben, daß eine Behebung der Wirtschaftsnot und die Wiederausbreitung eines allgemeinen Wohlstandes notwendig sei, so denken wir— Hand aufs Herz!— an die eigenen Kursverluste, an unser zurückgehendes Einkommen, an den drohenden Abbau und an die Auffüllung der eigenen Sparguthaben, von denen wir uns dies oder jenes„zu leisten gedachten“.
Arbeit, Sparsamkeit und Gelddenken sind eins geworden und unserer Zeit ist nicht mehr dadurch zu helfen, daß wir uns aus dem einen ins andere zu„retten“ versuchen. Der Kreis des mammonistischen Götzendienstes ist geschlossen, und es ist ganz müßig, darüber zu rätselraten, ob das kapitalistische oder das sozialistisch=kommunistische Wirtschaftssystem den Sieg in den Wirtschaftskämpfen der Gegenwart davontragen werde. Beide sind in ihrer heutigen Form Exponenten unseres Gelddenkens, beide wurzeln in einem hoffnungslosen Egoismus, der nur dem Anderen, nicht auch dem eigenen Ich Opfer und Entbehrungen zumutet.
Der Wahrheit vorstehender Theorie kommen wir am nächsten, wenn wir den Arbeitslosen=Problemen einmal vorurteilslos nachzugehen versuchen. Man ist sich darüber einig, daß einer der Hauptgründe des Anwachsens der Arbeitslosenheere in der Rationalisierung der Wirtschaft zu suchen ist, und es bedarf keiner Worte, um darzutun, daß unsere kapitalistische Wirtschaft rationalisierte und mechanisierte, um schneller und reichlicher Geld zu verdienen; es kann ferner nicht gut bestritten werden, daß jedes Unternehmen, das eine Mehrheit von Menschen(Arbeiter, Angestellte usw.) beschäftigt, diesem Personal gegenüber gewisse moralische Verpflichtungen hat, die in dem Recht aller Menschen an Luft, Wasser und Brot wurzeln. Hier lag auch der letzte ethische Grund dafür, daß in vergangenen Zeiten die„Herrenvölker“ ihre Sklaven nicht verhungern ließen, und unser kapitalistisches Wirtschaftssystem mag bei den alten Römern in die Lehre gehen, um dort zu erfahren, daß es sich immer— auch vom rein egoistischen Standpunkt aus— rächen muß, wenn
man die Glieder, die den Magen ernähren sollen, rücksichtslos abhackt. Auf der anderen Seite hat das sozialistische Parteidogma aus den einfachen Menschenrechten der Arbeiterschaft eine Unterstützungs= und Rentenfrage, eine Geldfrage, gemacht, man hat auch vom sozialistischen Denken aus die Arbeit unter das Geld gestellt, indem man Tarifverträge und Lohnabkommen für unantastbar und„heilig“ erklärte, und es dem Arbeiter aus parteiegoistischen Motiven heraus verbot, zu arbeiten, um zu leben. Der Entgelt für die Arbeit, selbst in der Form des entgangenen Verdienstes, ward das Wesentliche: aus Arbeits=Ethik wurde die Jagd nach dem Groschen!
In den Wirtschafts=Annalen einer vergangenen Zeit pflegte man das Geld als„Wertmesser“ und traf damit den Nagel auf den Kopf: Wert=Messer, d. h. ein Maßstab in der Hand des Menschen für die wahren Werte des irdischen Daseins. Der modernen Menschheit blieb es vorbehalten, die Atrappe anstelle des Inhalts zu setzen, aus Arbeit Ware zu machen und Geldanhäufung zum Selbstzweck werden zu lassen: Der Mammon ward zum Sklavenhalter der Menschen! Können die von Not und Drangsal geplagten Völker von diesem ihren Tyrannen ernstlich verlangen, daß er ihnen Dienste leistet, daß er ihren Bürgern Wohlstand und Sicherheit gewährleistet, wie er es tat, als sie seiner noch Herr waren? Können sie sich wundern, wenn das unselige Gelddenken, das unser Tun und Lassen beherrscht, überall, wo es Platz greift, Verwirrung und Regellosigkeit hervorruft und uns um die Früchte unseres Arbeitens und Sparens bringt?
„Nicht Geld kann uns retten!“ Ein wahres Wort! Aber auch Arbeit und Sparsamkeit vermögen es nicht, solange sie im Zeichen unseres Gelddenkens und im Dienste unserer materialistischen Ichsucht stehen. Was uns allein retten kann, ist die große geistige Wandlung, die der Befreiung vom Mammonismus vorhergehen muß, und nur wenn es gelingt, unsere Seele von den Fesseln des Geldes zu befreien, bekommen wir auch die Hände frei für die Arbeit und Sparsamkeit, die allein unsere Wirtschaft zu neuer Blüte zu bringen vermögen. Msc.
Goldwährung, Schwundgeld und die Arbeitsmark.
Von Gg. Friedr. Muth.
Der Verfasser des Artikels scheint nicht zu wissen, daß über die Gesellschen Wirtschaftslehren im„Aufwärts“ schon sehr viel geschrieben ist. Wir hätten den Artikel gern gekürzt. Das ließ sich aber nicht gut machen. Es darf sich nur keine erneute Diskussion über die Sache wieder hier anschließen.
So erfreulich die Entschiedenheit ist, mit der der Aufwärts die Währungsfrage angepackt hat, so notwendig ist es nun auch, die Bedeutung der verschiedenen Währungsordnungen zu klären. Einen ersten Beitrag zur Lösung dieser Aufgabe möge vorliegender Aufsatz bilden.
Goldwährung: Diese Währung nimmt als Rechnungseinheit einen bestimmten Wert des Goldes und baut darauf ein kunstvolles Geldsystem, das denjenigen, die gemünztes Gold und Geld besitzen, durch Zins und Zinseszins eine fast unbegrenzte Macht über diejenigen gibt, die es entbehren. Dadurch, daß Geld im allgemeinen sich immer nur da zur Verfügung stellt, wo der größte Profit gemacht werden kann, verhindert es, daß notwendige Bedürfnisse des Volkes befriedigt werden(Wohnungselend!), bewirkt die entsetzliche Arbeitslosigkeit und führt dadurch zum sittlichen Niedergang. Die Goldwährung ist überaltert und für unsere neuzeitlichen Verhältnisse nicht mehr geeignet. Die Möglichkeit ihrer Beseitigung ist durch den Ueberweisungsverkehr und alles, was mit ihm zusammenhängt, technisch durchaus vorbereitet. Wenn man bedenkt, daß z. B. im Postscheckverkehr schon mehr als 4 Fünftel des Umsatzes sich bargeldlos vollzieht (im Jahre 1929 wurden so rund 120 Milliarden umgesetzt), daß der Verrechnungsverkehr der Banken und Sparkassen vielleicht noch umfangreicher ist, dann ist es klar, daß es nur noch eines kleinen Schrittes bedarf, damit wir die Goldwährung vollständig loswerden. Warum aber tut man diesen Schritt nicht? Weil die dem Technischen entsprechende seelische Vorbereitung noch nicht gründlich genug ist. Gewiß wirkt auch die Tatsache mit, daß die Regierenden und Fachleute keine Zeit haben, sich ernstlich mit den Voraussetzungen für eine gesunde Währung zu befassen— aber sie könnten mitgerissen werden— entscheidend ist, daß das die Goldwährung tragende Gelddenken, das den Kampf Aller gegen Alle im wirtschaftlichen Leben als das Naturgegebene ansieht, zu einem schrecklichen Aberglauben geworden ist, von dem die westeuropäische Menschheit anscheinend nicht mehr lassen kann und will. Um so mehr müssen wir uns um die
Erkenntnis der seelischen Hintergründe der Währungsaufgaben bemühen.
Schwundgeld: Den Aufwärtslesern muß besonders daran gelegen sein, das Schwundgeld, z. B. die „Wära“, die aus der Gedankenwelt Silvio Gesells stammt, und Berthold Ottos Arbeitsmark einander gegenübergestellt zu sehen; denn oft bringt der Aufwärts (zuietzt in Nr. 216) Aufsätze, in denen einmal die eine, einmal die andere Währung als Rettung bezeichnet wird, ohne daß bis jetzt auf den Unterschied beider eingegangen wurde. Entweder ist kein oder nur ein geringer Unterschied, dann aber ist es verwunderlich, daß die beiden Richtungen nicht zusammenarbeiten; oder aber es bestehen in der Tat gewichtige Unterschiede, dann ist es nötig, diese zu kennzeichnen, damit die erforderlichen Schlüsse gezogen werden können. Da ich Anhänger von B. Ottos Arbeitsmark bin, wird meine Darstellung des Schwundgeldes vielleicht etwas einseitig ausfallen, und gewiß kann ich die Gesellsche Lehre nicht in ihrer ganzen Breite hier darlegen; das ist aber auch nicht der Zweck meines Aufsatzes. Jedenfalls aber werde ich mich bemühen, nach bestem Wissen zu berichten, werde dabei auch nicht Töne anschlagen, wie sie der Freiwirtschaftler Dr. Nölle gegen. die„untüchtigen und laienhaften Währungstheoretiker“ (siehe weiter unten) anzuwenden beliebt. Sollte ich indessen etwas Unrichtiges sagen, so liegt es in der Hand der Freiwirtschaftler, mich zu berichtigen.
Von Dr. Uhlemayr ist ein lehrreiches Bändchen über S. Gesell erschienen(Verlag Zitzmann, Nürnberg 1931, Preis 1,40 Mark), das erkennen läßt, mit welcher Gründlichkeit S. Gesell die ungeheuren Schäden der Goldwährung aufgedeckt und nach Mitteln zur Beseitigung gesucht hat. Seine Besserungsvorschläge gründet er auf die Ueberzeugung, daß die Triebkraft der natürlichen Entwicklung der Eigennutz und der durch diesen ausgelüste Wettbewerb“ sei(Uhlemayr S. 15). Mit dieser Auffassung aber rückt der für seine Wohlfahrt und Sicherheit kämpsende Einzelmensch in den Mittelpunkt alles wirtschaftlichen Geschehens, so daß— ganz im Gegensatz zu Berthold Ottos volksorganischer Lehre—„nicht etwa die Gesellschaft es ist, worauf die soziologisch=politische Tätigkeit abzuzielen hat, sondern das Individuum, denn dieses ist die naturgegebene lebendige Wirklichkeit, die leidet und glücklich ist, nicht die Gesellschaft“(Uhlemayr, S. 17). Wir sehen also, daß Gesell einer der letzten entschiedenen, Vertreter des Individualismus und Liberalismus ist, der „jedem Einzelnen die volle Freiheit gewahrt wissen“ will, die nur, weil sie allen zuzubilligen ist, eine entsprechende gegenseitige Begrenzung und Einschränkung erfährt.
Wie aber soll es bei der Anerkennung des Eigennutzes. (den Gesell übrigens von der verwerflichen„Selbstsucht““: unterscheidet) als Grundlage der Wirtschaft zu einem vernünftigen wirtschaftlichen Verkehr kommen? Antwort:„Durch den von allen künstlichen Vorrechten und Machtmitteln, Lockungen und Hemmungen befreiten Wettbewerb“(Uhlemayr, S. 19). Dieser ungehemmte Wettbewerb wird dadurch hergestellt, daß wieder Klarheit in die durch die heutige Geldwirtschaft verdunkelten wirtschaftlichen Verhältnisse gebracht wird. Aller wirtschaftliche Verkehr nämlich ist, auch auf seiner höchsten Stufe, Tauschverkohr: Ware gegen Ware, Ware gegen Leistung, Dienstleistung usw. (Eine höchst wichtige Feststellung S. Gesells). Die Einführung des Geldes, als einer„Zwischenware“, hat diesen Austauschvorgang stark verdunkelt und schließlich— auf die einzelnen Abschnitte der Entwicklung kann leider nicht eingegangen werden— eine Verselbständigung des Geldes in den Händen einer kleinen Gruppe von Menschen herbeigeführt, die nun ganz willkürlich in den Kreislauf der Güter eingreifen und je nach Bedarf Geldaufblähung oder Geldschwund usw. herbeiführen, um jedesmal dabei ihre Taschen zu füllen. Wie nun ist bei dieser Lage„der natürliche Zustand“ wieder herbeizuführen? Geld ist nach S. Gesell— und auch hier(wie in seiner liberalistischen Weltanschauung) unterscheidet er sich aufs gründlichste von B. Otto— eine Ware wie jede andere Ware. Jede Ware aber ist dem Verfall und dem Verderben ausgesetzt, auch die Fortschritte der Technik wirken entwertend. Es kann darum kein Händler seine Ware allzulange zurückhalten, es besteht Angebotszwang. Und eben dieser Zwang fehlt bei dem üblichen Geld, es ist— nach S. Gesell— unverderblich.„Daß das Geldkapital sich aber zurückziehen kann, während sich das Sachkapital unter allen Umständen anbieten muß, hat seine Ursache darin, daß es unvergänglich und nicht wie das Sachkapital, einem Substanzschwund unterworfen ist. Aus diesem Grunde kann der Besitzer von Geldkapital sein Geld ohne Schaden zurückhalten. Er verliert zwar Zinsen, erleidet aber keine Einbuße an der Substanz. Das Geldkapital schafft aber dank seiner Unvergänglich
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