Im Glauben bin ich ein Herr aller Dinge, in der Liebe bin ich ein Knecht aller Menschen.
Luther.
Giigzigig
Der Friedensschluß zwischen Staat und Kirche in Italien
und der Widerhall in der beiderseitigen Presse.
Mehrmals ist hier von dem Konflikt zwischen Mussolini und dem Papst die Rede gewesen. Es handelte sich um die Auslegung des Art. 43 des Lateranpaktes von 1929 oder konkret ausgedrückt: um die sogenannte Katholische Aktion, durch deren politische Betätigung sich das faschistische Regime bedroht fühlte. Der Kampf hatte sich schon sehr zugespitzt und auf faschistischer Seite rigorose Gegenmaßnahmen hervorgerufen, wie z. B. die Auflösung aller Jugendorganisationen der Katholischen Aktion, und das Verbot für alle Faschisten, Mitglieder der Aktion zu sein. Durch lange Verhandlungen, die sicher nicht ganz leicht waren und zeitweilig durch die dazwischenfahrende Enzyklika des Papstes bedroht wurden, ist nun der Konflikt beigelegt worden, und man darf wohl sagen, daß der Faschismus erreicht hat, was er wollte. Die amtliche Mitteilung gibt folgenden Vertragsschluß bekannt:
1. Die Katholische Aktion in Italien ist reine Diözesanangelegenheit und steht unter den Bischöfen. Diese bestimmen ihre Kirchen= und Laienführer. Zu Führern dürfen niemals Männer bestellt werden, die Gruppen angehören, die dem Regime feindlich sind. Entsprechend ihren religiösen Zielen enthält sich die Katholische Aktion jeglischer politischen Betätigung und auch in ihren äußeren Organisationsformen alles dessen, was bei politischen Parteien üblich ist. Die Fahne der Ortsgruppen der Aktion ist die Nationalfahne.
2. Die Katholische Aktion verzichtet in ihrem Programm auf die Bildung von Berufsgenossenschaften und Gewerkschaften! Sie stellt sich also keine Aufgaben gewerkschaftlichen Charakters. Die jetzt bestehenden Berufsgruppen haben ausschließlich religiöse Zwecke und verpflichten sich außerdem dazu, an ihrem Teile dazu beizutragen, daß die rechtmäßig bestehende Berufsgenossenschaft immer mehr den Grundsätzen der Zusammenarbeit unter den Volksklassen entspreche und den nationalen und sozialen Zielen, die der Staat mit seiner Gesetzgebung zu erzielen sucht.
3. Die zugehörigen Jugendkreise sollen den Namen tragen:„Jugendgruppen der Kath. Aktion.“ Diese Gruppen dürfen Abzeichen tragen, die streng ihren religiösen Zwecken entsprechen, und dürfen außer etwaigen Prozessionsfahnen keine andere Fahne führen als die Nationalfahne. Die Jugendgruppen werden sich jeglicher turnerischen und sportlichen Ausbildung enthalten und werden sich absolut beschränken auf Veranstaltungen erholsamer und religiös=erzieherischer Art.
Soweit die Vertragspunkte. Es herrscht allgemeine Friedensstimmung in der Presse. Auch die faschistischen Zeitungen erheben nicht etwa ein Siegesgeschrei, sondern triefen von versöhnlichen Redensarten. Alle betonen, daß es sich in diesem Streit ja keineswegs um Kirche und katholischen Glauben gehandelt habe, sondern lediglich um die Auslegung eines Paragraphen. Nie habe man daran gezweifelt, daß es schnell zu einer friedlichen Beilegung der Meinungsverschiedenheit kommen werde. „Der Vertrag befriedigt beide Parteien“, schreibt Ar naldo Mussolini.„Zwischen Faschismus und katholischer Gesinnung besteht innigste Zusammengehörigkeit, die hoch erhaben ist über jeglichen politischen oder journalistischen Einzelzwist.“
Der„Osservatore Romano“ das vatikanische Blatt, gibt folgenden Kommentar dazu:„Seit mehr als zwei Monaten haben wir die Beteuerungen treuer Gesinnung veröffentlicht, die dem Heiligen Vater von den Katholiken der ganzen Welt zugingen und zeigten, wie sie alle an seiner Betrübnis teilnahmen. Jetzt können wir tröstlicherweise Mitteilung machen von der Uebereinkunft, die alle Katholiken erfreuen und ihnen das Vertrauen geben wird, daß die Gründe des tiefen Schmerzes für das väterliche Herz Seiner Heiligkeit sich nicht wiederholen werden. Man braucht nicht erst darauf hinzuweisen, daß kraft des Vertragsschlusses die Möglichkeit gleichzeitiger Zugehörigkeit zur Faschistischen Partei und Katholischen Aktion wiederhergestellt ist".
Das römische„Biornale'Italia“ kommentiert so, nachdem es seine Befriedigung über die Beilegung des Streites ausgedrückt hat:„Die Polemik, an der die Re
gierung als solche niemals teilgenommen hat, war z. T, äußerst heftig; sie ergab sogar einige dramatische Momente. Viel ist darüber im Inland geredet und geschrieben worden, und im Ausland, in Kreisen, die wir nicht näher zu erörtern brauchen, ist auch viel geredet und— gehofft worden. Um so mehr gibt die Uebereinkunft Anlaß zur Freude für alle treuen Katholiken und alle guten Italiener. Man muß mal darauf hinweisen, mit welcher Lächerlichkeit nunmehr behaftet ist die schadenfrohe Vielgeschäftigkeit der Ausländer und aller derer, die, ehemals Italiener, für Italien zu Landesfremden geworden sind. In geradezu grotesker Weise spekulierte man auf diesen Zwist, den man für unheilbar und dem Faschismus todbringend hielt.
Die öffentliche Meinung nahm ausgiebig an der Polemik teil. Die Partei verteidigte die Lauterkeit ihrer Institutionen, sonderlich die der Lieblingstochter unseres Regimes, der Balilla(faschistischen Jugendorganisation). Die Regierung hat an der ganzen Polemik überhaupt nicht teilgenommen. Sie fühlte sich stark in ihrem Recht und ließ deshalb den erregten Wogen der Rede freien Lauf. Sie ist sicher, daß sie am wirksamsten zu einer religiösen und bürgerlichen Befriedung aller Italiener beitrug dadurch, daß sie der italienischen Nation einen Staat größerer Einheit und dadurch größerer Kraft und Stärke schuf.“
Die Zeitung„Lavoro Fascista“ beurteilt den Pakt so: „Der Pakt verpflichtet den Heiligen Stuhl dazu, die Katholische Aktion ihrem rein religiösen Charakter zurückzugeben, und bietet dem Staat hinreichende Garantien. Mit am wichtigsten ist dabei der nun festgelegte Diözesancharakter der Aktion und ihre direkte Abhängigkeit von den Bischöfen. Die Stellung der Bischöfe zum Staat ist im Lateranvertrag aufs genaueste festgelegt und bietet die Garantie dafür, daß die Aktion rein religiöse Ziele verfolgen und sich jeglicher Politik enthalten wird. Es herrscht jetzt kein Zweifel mehr: Die Katholische Aktion kehrt in das Gebiet religiösen Glaubenslebens zurück, aus dem nur die Unbedachtsamkeit einiger weniger sie herausgerissen hatte. Es wird deutlich, daß zwischen Kirche und Staat nicht der leiseste Gegensatz besteht, wie die antifaschistische und freimaurerische Spekulation laut verkündet hatte. Und in der Annahme der Nationalfahne durch die Ortsgruppen muß man eine Art Symbol sehen, das über eine rein formale Bestimmung weit hinaus geht. Dieses Symbol bedeutet, daß im italienischen Staate alle, auch die Katholiken, nur Italiener sein dürfen, und zwar in dem Geiste, der durch die geschichtliche Entwicklung allein möglich ist, im Geiste des Faschismus. w. b.
Die Pädagogik und die
wirtschaftliche Entwicklung.
Unser Jahrhundert muß die wirtschaftliche Befreiung des Menschen bringen, oder die Kultur wird untergehen. Das eine ist die stille Hoffnung, die die geistige Haltung der Gegenwartsmenschheit bestimmt, das andere die feste Ueberzeugung, die sich ihr tief in das Bewußtsein eingeprägt hat. Die Wirtschaft steht im Zeichen der Rationalisierung. Die Technik bringt immer vollendetere Wunderwerke hervor und bewirkt, daß an der Stelle, an der vor Jahren noch zahlreiche Arbeiter beschäftigt waren, dieselbe Arbeitsleistung mit einigen Werktätigen vollbracht wird. Und nicht nur das; die Wenigen schaffen mit den besseren Maschinen noch ein Mehr an Erzeugnissen. Die Zeit ist also da, daß das Arbeitsmaß, das den Menschen auferlegt ist, verringert werden könnte. Was geschieht aber in Wirklichkeit? Von Zeit zu Zeit treten Hunderttausende und Millionen ganz aus dem Arbeitsgang heraus, und viele von ihnen kommen nie wieder in ihn hinein. Nach jeder Krise sehen wir, daß die Zahl dieser Unglücklichen wieder größer geworden ist. Heute sehen unsere Wirtschaftsführer eine Arbeitslosenzahl von zwei Millionen Menschen als Normalzustand an. Das heißt aber, daß nicht weniger als acht Millionen Angehörige unseres Volkes auf die Arbeitslosenunterstützung angewiesen sind.
Die Fälle sind gar nicht mehr selten, daß Kinder ihren Vater nie haben arbeiten sehen. Auf die Frage:„Was tut denn dein Vater, die ich kürzlich an einen Knaben richtete, erhielt ich die Antwort:„Er hilft Mutter!“ und als ich weiter in ihn drang, er würde doch sonst noch eine Beschäftigung haben, sah mich der Knabe ganz verwundert an, als wenn er sagen wollte:„Wie kannst du dumm fragen, Vater tut doch nichts. Andererseits gibt es Eltern, die ihr Kind nirgends in der Arbeit unterbringen können. Knaben, die mit Erfolg die Schule durchge
macht haben, kommen nach Östern wieder, weil sie keinen Platz gefunden haben, die Eltern aber der Ansicht sind, daß sie in der Schule immer noch besser aufgehoben sind, als wenn sie zu Hause herumliegen.
Arbeitslosigkeit, weil zu viel Arbeitskräfte da sind, brauchte nicht zu sein. Nein, gewiß nicht, unser Produktionsapparat ist so vorzüglich, daß die Möglichkeit zum Reichtum unbegrenzt ist. Wir könnten jedem Menschen die Arbeitszeit verkürzen, ohne ihm am Lohn etwas nehmen zu müssen. Daß es nicht geschieht, ist Schuld des Systems, das es nicht zuläßt, daß der Reichtum allen zugute kommt, sondern daß er sich bei wenigen anhäuft. Damit das möglich ist, nimmt es die Zahl der Arbeitslosen in Kauf und bringt die Völker in die Gefahr, daß sie dem Bolschewismus verfallen. Hier liegt eine Aufgabe vor, die von der Volkswirtschaft gelöst werden muß.
Aber noch ein zweiter Gedanke drängt sich auf. Die Art der Arbeit in den Fabriken erfordert in den aller meisten Fällen kaum noch körperliche Anstrengung, sondern lediglich Anspannung der Aufmerksamkeit bei der Bedienung der Maschinen. Ob die Menschen es ertragen können, von physischer Arbeit befreit zu sein? Henry Ford hat diese Gefahr erkannt. Er hat jedem Arbeiter seiner Fabrik die Möglichkeit gegeben, sich in größerer Entfernung von der Arbeitsstätte ein Eigenheim mit einigen Hektar Land zu erwerben, auf dem er auch Viehhaltung treiben kann. Das setzt voraus, daß jeder Arbeiter sein eigenes Auto besitzt, um zur Fabrik kommen zu können. Dadurch erhält Ford nicht nur die Verbindung der Menschen mit der Natur aufrecht, die uns in dem Streben des Stadtbewohners nach dem Schrebergarten immer wieder in rührender Weise entgegen tritt, sondern er legt aufs neue damit den Grund für ein gesundes Familienleben, das in Amerika wie bei uns schwer erschüttert ist. Daß auch bei uns etwas Aehnliches geschieht, wird eine weitere Aufgabe der Wirtschaftsführer sein.
Für die Schule aber besteht die Aufgabe, unser Volk für die großen Veränderungen, die kommen müssen, schon jetzt vorzubereiten. Der Deutsche Lehrerverein bemüht sich seit Jahren, Klarheit darüber zu gewinnen, was werden soll. Er hat den Vereinen Aufgaben zur Bearbeitung übergeben, die dann auch auf den großen Verbandstagen zur Verhandlung kamen. Der Geschäftsführer faßte die Aufgaben zusammen unter den Ueberschriften:„Staat, Kultur und Wirtschaft",„Wirtschaft und Schule",„Volks= und Berufsschule", die drei Jahre lang die gesamte Lehrerschaft beschäftigt haben. Es sind vorzügliche Vorträge gehalten worden, auch von hervorragenden Wirtschaftsführern. Nicht immer sind allerdings die gelehrtesten Arbeiten die besten gewesen, denn mancher Wissenschaftler, der die wirtschaftlichen Vorgänge vollkommen versteht, weiß wenig von ihrer Bedeutung für die Volkserziehung. Aus der Gesamtheit der Arbeiten ergibt sich aber doch ein einigermaßen klares Bild darüber, was geschehen muß und geschehen wird.
Die Arbeitszeitverkürzung wird kommen, wir werden ihr nicht entgehen können. Da wird es eine Selbstverständlichkeit sein, daß die Schulzeit um ein oder zwei Jahre verlängert wird. Heute gehen noch die Meinungen darüber auseinander, ob diese Jahre der Volksschule oder der Berufsschule angegliedert werden sollen, ob sie also der Allgemeinbildung oder der beruflichen Vorbereitung dienen sollen. Die Wirtschaft versucht heute, Einfluß auf die Schule zu gewinnen. Sie erstrebt die Spezialisierung der Erziehung bereits in der Schule für die verschiedenen Industriezweige, indem sie die Anpassung der Lehrpläne an die Bedürfnisse der rationalisierten Industrie verlangt. Eine solche Entwicklung läuft den Forderungen der Zukunft schnurstracks entgegen. Es kann nicht gesagt werden, daß der berufliche Gedanke nicht auch die Erziehung in der Volksschule schon berühren soll. Es wird wohl kaum einen Knaben geben, der nicht das berufliche Ziel bereits in dieser oder jener Form vor Augen hat. Aber die Schule lehnt es ab, für bestimmte praktische Berufe vorzubereiten. Das gilt sogar von dem Fach, das dem praktischen Leben sicher am nächsten steht, dem Werkunterricht. Auch sein Ziel ist die Emporbildung möglichst aller Kräfte im Menschen.
Wenn die neue Zeit da sein wird, dann muß die Pädagogik im Stande sein, für den notwendigen Ausbau der Schule klare Vorschläge zu machen. Wir müssen unbedingt dahin kommen, daß die Zöglinge, die die Schule verlassen, im Stande sind, ihr Leben in vernünftiger Weise zu gestalten. Die Befreiung von der Arbeit darf nicht dazu führen, daß unser Volk Schaden an seiner Seele nimmt.