Ausgabe 
13 (12.5.1931) 109
Seite
336
 
Rechtsdrehung 90°Linksdrehung 90° 
  
  
  
  
  
 
Einzelbild herunterladen

tet

e Flugschiff„Dox­

sch=Guinea nach der

Die Entfernung be

immer in dieser Hat

allgemeinen uund

ungemeinen und Er­nmen nicht mehr vor, arenden Persilmethode

idchen.

ahresfest Nazareth.

Tagen des Dezem­nsverkauf abhalten. ür allerlei nützliche Zitte, lassen Sie uns herzlich danken, bis

Bethel=Mission.

und Weltpolitik: n; alle in Bethel.

besitzt die Eigenschaft aher äußerst wirksam rhoiden, gut gegen Blasen=, Gallen= und icht, Rheumatismus or 3000 Jahren ge­lauchsaft gegen viele Naturmittel deshalb sche für ca. 4 Wochen llung von 5 Flaschen, co Nachnahme.

inhausen 4.

G. m. b. H. Seit 1892

Bezugspreis:

Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377.

Christliches Tageblatt

mit den Beilagen„Für Herz und ndenggide! zug

Anzeigenpreis:

Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheck­konto Hannover 67377.

Nr. 109.

Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld), Dienstag, den 12. Mai 1931.

13. Jahrgang.

Geboren zur Vernunft, ist auch nicht gleich vernünftig Der Mensch, doch wenn er fein dazu tut, wird er's künftig.

Rückert.

Weltpolitische Zusammenhänge.

Von Atlanticus.

„Das Schicksal Deutschlands ist bei seiner geographischen Ungunst, seiner militärischen Ohnmacht und völligen Ver­einsamung in dem Grade von der äußeren Entwicklung abhängig, daß jede Beschränkung des Blicks auf innere Zustände und Ideale mit einem Mißerfolg gleich­bedeutend ist." Oswald Spengler, Reden.

Ueberaus betrüblich ist es zu sehen, wie mehr und mehr der Blick der meisten Volksgenossen für die gro­ßen Fragen des Weltgeschehens verdunkelt wird. Fra­gen sind es, die tiefeinschneidend auch für unser Schicksal werden müssen, weil alle diese Fragen letzten Endes so gelöst werden, daß wir, wenigstens mittelbar, die Zeche zu bezahlen haben. Weshalb? Die Antwort gibt uns obiges Zitat aus einer der Reden Spenglers. Trotzdem aber werden bei uns alle politischen Kräfte, Leidenschaft­lichkeit und Denken auf die Bekämpfung des„inneren Feindes" verwandt, werden erschöpft in nutzlosem Par­teigezänk.

„Erst im Innern Ordnung schaffen, dann lösen sich die äußeren Fragen von selbst“, so hört man häufig. Dabei bedarf es, um noch einmal mit Spengler zu reden,„zu­erst eines sicheren Blickes ffür die in ungeheuren Span­nungen liegende Welt, um die für unsere Zukunft not­wendigen Ziele und Mittel erkennen zu können.“—

„Von selbst löst sich kein Problem und nur ein starker Staat, der vollkommen frei über seine Mittel verfügen kann, kann sich ein schroffes„Nein“ oder ein„Bis hier­her und nicht weiter“ gestatten. Der sind wir aber nicht, deshalb müssen wir um so geschickter jede sich uns bie­tende Chance ausnutzen, um aus der Umklammerung heraus zu kommen. Das bedeutet noch keineswegs ein ständiges Hin= und Herpendeln, etwa zwischen der An­lehnung im Westen oder im Osten. Damit würden wir uns nur in eine gänzlich unhaltbare Stellung hineinma­növrieren. Noch weniger freilich ist es angebracht, bei je­dem Schritt den die deutsche Politik unternehmen will, erst einmal in Paris, London oder sonstwo anzufragen, ob man uns solch einen Schritt auch nicht übel nehmen würde.

Selbstverständlich nimmt uns„die Welt“ jeden Schritt übel, der uns nützlich ist, oder werden könnte. Niemals würde sie etwas gut heißen, was uns Vorteil zu bringen vermag. Darüber müssen wir uns klar sein, und sollten uns deshalb abgewöhnen— wie es auch von manchen deutschen Kreisen beliebt wird— ängstlich zu fragen: „Was wird das Ausland dazu sagen?“ Wir müssen fer­ner einsehen lernen, daß es im politischen Verkehr der Völker untereinander nicht darauf ankommt, was dies oder jenes Mitglied einer Korporation denkt oder sagt, sondern allein auf die Handlungen der verantwort­lichen Machthaber der betreffenden Länder. Sie stehen, 3. B. in Amerika, kraft des Auftrages der Kapital­machtigen an ihrer Stelle, und sie werden nichts, was den Interessen ihrer Auftraggeber und Gönner zuwider lauft, tun oder unterlassen, selbst wenn ihre Handlungen von irgendeinem Ptglied dieses Kreises oder irgend­eines Konventikels öffentlich verurteilt werden. In Eng­land ist es nicht anders. Was hat das, nun beinahe an­derthalb Jahrzehnte anhaltende Eintreten von Männern wie I. M. Keynes, Norman Angell u. a. m. für eine ver­nunftgemäße politische und wirtschaftliche Aussöhnung genutzt? Sind jemals zu irgendeiner Zeit wichtigster Ent­scheidungen die britischen Unterhändler für eine ver­nunftgemäße Aussöhnung zu haben gewesen? Von Frankreich braucht gar nichts weiter gesagt werden. Die Art und Weise, in der Frankreich der deutsch=öster­keichischen Zollunion wegen alle Welt gegen uns auf­hetzte, und wie diese Welt gleich darauf reagierte— wenn auch nach einiger Ueberlegung und auf Grund eines anderen Schachzuges Frankreichs einige Länder chre Stellungnahme änderten— spricht eine zu deutliche Sprache.

Wir dürfen uns keinesfalls der Illusion hingeben, Eis ob bald oder in einer menschlich schätzbaren Spanne deit, dank der Bemühungen gewisser wohlwollender, über absolut machtloser und einflußloser Kreise, irgend­ein Wandel in der Haltung der Welt uns gegenüber ein­kreten könnte. Im Gegenteil.

Man begegnet vielfach der Ansicht, daß der einzige Hinderungsgrund Frankreichs Einstellung sei, das abso­

Dei Eilen um Eir ziel!

„In geheimer Mission beim Feind“.

Vor mir liegt das umstrittene Buch„En mission chez 'ennemi“.(In geheimer Mission beim Feind.)") Das Buch ist im Jahre 1930 bei Alexis Redier, Paris, erschie­nen. Joseph Crozier, ehemaliger Lutnant des franzö­sisch Generalstabes ist sein Verfasser.

Das Werk ist sehr interessant, nicht allein, weil es uns einen Blick in den Spionagedienst der Franzosen im Kriege gewährt, sonder vor allem, weil es uns den un­widerlegbaren Nachweis erbringt, daß die deutsche Revo­lution zu einem guten Teil durch französisches Geld fi­nanziert wurde und in dem Augenblick ausgebrochen ist, in dem die Entente sie gebrauchen konnte.(Seite 297).

Crozier weilte vom Jahre 1915—1918 in Holland, wo er ein Doppelleben führte: als Joseph Crozier han­delte er in Oelen und Fetten, als Pierre Desgranges überwachte er die Auswirkungen der feindlichen Blok­kade.

Vieles ist fesselnd in diesem Buch. Manches läßt uns aber erschaudern. Was uns von besonderem Wert er­scheint, ist der Abschnitt„Im Lager der Revolution“

Crozier fführt in diesem Abschnitt aus, daß die Alli­ierten nach Beendigung der revolutionären Aktion der Deutschen in Rußland beschlossen hatten, auch eine Revo­lution in Deutschland zu entfachen. Desgranges erhielt Befehl, die entsprechenden Schritte einzuleiten. Er nahm aktiv an den ersten Zusammenkünften der holländischen, russischen und deutschen Revolutionäre teil und gehört von Anfang an zum deutschen Revolutionskomitee. In seiner eigenen Wohnung in Amsterdam wurden ihm die Organisatoren der deutschen Revolution vorgestellt (Seite 287). Der erste und bedeutendste dieser Umstürz­ler war Pieck vom Berliner Komitee, den Crozier später als Kommandant der Revolutionsstreitkräfte im Rhein­land und als Mitglied des großen„Liebknecht=Ledebour= Pieck=Protestkomitee“ angetroffen hat.

Die Leitung der revolutionären deutschen Bewegung, die sich anfangs„Fabrikarbeiter=Organisation“ nannte, lag in den Händen der Mehring=Partei, zu deren Mit­glieder auch Liebknecht und Rosa Luxemburg gehörten.

Die revolutionäre Partei trug später den Namen „Minderheits=Sozialisten“. Ihr linker Flügel war Spar­takus. Ihnen standen die gut organisierten Mehrheits­sozialisten gegenüber unter der Leitung von Scheide­mann, der damals zum zweitenmal Vizepräsident des Reichstags geworden war. Zwischen diesen beiden Grup­pen standen die Unabhängigen Sozialdemokraten um Haas(Seite 288).

Crozier half mit bei der Unterhöhlung der Wider­standskraft des deutschen Volkes, indem er den Versand der umsturzheischenden Flugblätter, die er in verschlosse­nem Umschlag in die Hände der deutschen Arbeiter ge­langen ließ, von Holland aus besorgte.

Eine Revolution kann man aber nicht mit Flugblät­tern allein ausführen. Die Aufrührer mußten mit Waf­fen ausgerüstet werden, damit sie in einem Konflikt mit Heer und Polizei sich behaupten und den Zaghaften ih­ren brutalen Willen aufzwingen können.

Die deutschen Revolutionäre gelangten nach und nach in den Besitz einer großen Anzahl Waffen, die auf den Schlachtfeldern gefunden wurden. Sie genügten aber nicht. Es mußten mehr Waffen beschafft werden, wenn

rich,

*) Die gute Uebersetzung ist bei Gelthlein& Co., Leizig und

die Aktion erfolgreich enden sollte. Ein günstiger Um­stand kam ihnen zugute. Die deutsche Regierung ließ nämlich durch Sozialisten Waffen nach Rußland beför­dern. Anstatt die gesamten Mengen abzuliefern, behiel­ten die unzuverlässigen Emissäre einen Teil für sich, um die vorhandenen Vorräte zu ergänzen und die zahlrei­chen verstäckten Läger zu organisieren.

Im Februar 1918 brach der Generalstreik aus, das flackernde Vorzeichen des kommenden Zusammen­bruchs. Crozier war in der Reichshauptstadt an diesem Tage. Er erkannte, daß die französischen Geldzuwen­dungen sich wirklich gelohnt hatten. Im Revolutions­komitee sagte er:„Der Krieg ist zu Ende, die Revolu­tion beginnt.“ Das Revolutionskomitee beschloß in sei­nem Beisein, daß nunmehr die Gewehre zu sprechen

hätten.

Nach einigen Monaten brach die Revolution aus. Das Heer mußte um einen Waffenstillstand ersuchen, nach­dem die Etappe und die Heimat, durch Not und Ent­behrungen zermürbt, durch die deutsche und feindliche Propaganda zersetzt, versagten.

Der„Kamerad" Crozier war in Paris, als die Revo­lution ausbrach. Er schrieb an seinen Vorgesetzten:

„Die Ereignisse, die sich im Augenblick überstürzen, beweisen, daß wir recht hatten. Die deutsche Revolu­tion ist in dem Augenblick ausgebrochen, den wir vor­ausgesehen haben, und man weiß noch nicht, ob die Revolution den militärischen Zusammenbruch herbei­geführt hat oder umgekehrt. Diese Revolution geht von Leuten aus, die wir kennen und wird, wie wir vorhergesagt haben, bis zum Aeußersten gehen.“

Ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte! Deutsche Hände haben die deutsche Eiche, vom Wind und Sturm zerzaust, aber noch fest in der Erde wurzelnd, zu Boden geschlagen!

*

„„

Die Enthüllungen Croziers passen vielen nicht, weil sie die Umsturzbewegung von 1916-18 in das rechte Licht setzen. Kein Wunder deshalb, daß die interessierten Kreise versuchen, ihre Wirkung abzuschwächen, indem sie be­haupten, daß Crozier überhaupt nicht existiert hat und daß das Buch eine bestellte Arbeit, ja eine plumpe Fäl­schung sei. Wer die Schilderungen des Buches weiter­gebe, der mache sich der politischen Falschmünzerei schul­dig.

Diese Methode hat oft Erfolg. Auch ich war zunächst verplex. Aussage stand gegen Aussage. Wenn mir auch aus Erfahrung bekannt ist, daß die Leute, die die Re­volution entfacht haben, es mit der Wahrheit nicht sehr ernst nehmen, so konnte ich erst dann urteilen, wenn ich weise in den Händen hatte, daß sie gelogen haben. Um aus dem Dilemma herauszukommen, habe ich an den Ver­leger geschrieben und ihn gebeten, mir anzugeben, ob Crozier existiert hat und ob seine Ausführungen den Tatsachen entsprechen. Der Verleger, Redier, ein ernster und bekannter Pariser Verleger, hat mir daraufhin ge­antwortet, daß Crozier noch lebt und seine Schilderun­gen mit den Tatsachen übereinstimmen. Die Kreise, die die Echtheit der Erlebnisse Croziers in Zwefel gezogen, haben wissentlich oder unwissentlich eine falsche Behaup­tung aufgestellt. Es ist also erwiesen, daß deutsche So­zialdemokraten mit französischem Geld die Revolution organisiert haben und Werkzeuge der Feinde gewesen

sind. E. F. K.

lute Vorherrschaft in weltpolitischen Fragen erlangt habe. Wie steht es damit?

Französische Vorherrschaft?

Gibt es das? Fand infolge dieser Führung Frank­reichs Ruf:„Gegen Deutschland und die Zollunion mit Oesterreich“ sofort fast einstimmigen Widerhall? Kann man, nein, muß man heute eine französische Suprematie zugeben? Ich bin der Ansicht: nein, und glaube, daß gerade die politischen Ereignisse der jüngsten Zeit, wenn sie erst zur vollen Auswirkung gelangt sein werden, die These von der französischen Vorherrschaft verneinen werden.

Zweifelsohne bedeutet die Revolution in Spanien einen Sieg erster Ordnung für die französische Politik. Leicht ist er nicht errungen, denn beinahe zwei Jahr­zehnte, wenn nicht länger, reichen die unausgesetzten Be­mühungen Frankreichs zurück, aus dem unabhängigen

Spanien einen französischen Vasallenstaat zu machen. Einzig und allein dem staatsmännischen Geschick des Königs Alfonso war es zu verdanken, daß Spanien bis­lang seine Unabhängigkeit nicht verlor, bis jetzt unter den fortgesetzten Angriffen seit über einem Jahrzehnt, seine Nerven zusammenbrachen.

Die heutigen Machthaber Spaniens sind samt und sonders frankophil eingestellt, waren es zum größten Tei! schon vor dem Kriege. Ein Spanien, das, wie es gar nicht anders zu erwarten ist, gr bald zum Spielball in­neren Rivalenstreites werden wird, muß unter die Hörig­keit des Schutzpatrons seiner Revolutionsmacher gera­ten. Vielleicht deutet schon bald die Entwicklung in Spa­nisch=Marokko darauf hin. Das war ja immer schon für Frankreich ein Aergernis, und es hat nicht ungern Spa­niens Schwierigkeiten in Marokko gesehen, vermutlich auch dabei ein bißchen nachgeholfen.