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Bethel=Mission.
und Weltpolitik: n; alle in Bethel.
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G. m. b. H. Seit 1892
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Christliches Tageblatt
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Nr. 109.
Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld), Dienstag, den 12. Mai 1931.
13. Jahrgang.
Geboren zur Vernunft, ist auch nicht gleich vernünftig Der Mensch, doch wenn er fein dazu tut, wird er's künftig.
Rückert.
Weltpolitische Zusammenhänge.
Von Atlanticus.
„Das Schicksal Deutschlands ist bei seiner geographischen Ungunst, seiner militärischen Ohnmacht und völligen Vereinsamung in dem Grade von der äußeren Entwicklung abhängig, daß jede Beschränkung des Blicks auf innere Zustände und Ideale mit einem Mißerfolg gleichbedeutend ist." Oswald Spengler, Reden.
Ueberaus betrüblich ist es zu sehen, wie mehr und mehr der Blick der meisten Volksgenossen für die großen Fragen des Weltgeschehens verdunkelt wird. Fragen sind es, die tiefeinschneidend auch für unser Schicksal werden müssen, weil alle diese Fragen letzten Endes so gelöst werden, daß wir, wenigstens mittelbar, die Zeche zu bezahlen haben. Weshalb? Die Antwort gibt uns obiges Zitat aus einer der Reden Spenglers. Trotzdem aber werden bei uns alle politischen Kräfte, Leidenschaftlichkeit und Denken auf die Bekämpfung des„inneren Feindes" verwandt, werden erschöpft in nutzlosem Parteigezänk.
„Erst im Innern Ordnung schaffen, dann lösen sich die äußeren Fragen von selbst“, so hört man häufig. Dabei bedarf es, um noch einmal mit Spengler zu reden,„zuerst eines sicheren Blickes ffür die in ungeheuren Spannungen liegende Welt, um die für unsere Zukunft notwendigen Ziele und Mittel erkennen zu können.“—
„Von selbst löst sich kein Problem und nur ein starker Staat, der vollkommen frei über seine Mittel verfügen kann, kann sich ein schroffes„Nein“ oder ein„Bis hierher und nicht weiter“ gestatten. Der sind wir aber nicht, deshalb müssen wir um so geschickter jede sich uns bietende Chance ausnutzen, um aus der Umklammerung heraus zu kommen. Das bedeutet noch keineswegs ein ständiges Hin= und Herpendeln, etwa zwischen der Anlehnung im Westen oder im Osten. Damit würden wir uns nur in eine gänzlich unhaltbare Stellung hineinmanövrieren. Noch weniger freilich ist es angebracht, bei jedem Schritt den die deutsche Politik unternehmen will, erst einmal in Paris, London oder sonstwo anzufragen, ob man uns solch einen Schritt auch nicht übel nehmen würde.
Selbstverständlich nimmt uns„die Welt“ jeden Schritt übel, der uns nützlich ist, oder werden könnte. Niemals würde sie etwas gut heißen, was uns Vorteil zu bringen vermag. Darüber müssen wir uns klar sein, und sollten uns deshalb abgewöhnen— wie es auch von manchen deutschen Kreisen beliebt wird— ängstlich zu fragen: „Was wird das Ausland dazu sagen?“ Wir müssen ferner einsehen lernen, daß es im politischen Verkehr der Völker untereinander nicht darauf ankommt, was dies oder jenes Mitglied einer Korporation denkt oder sagt, sondern allein auf die Handlungen der verantwortlichen Machthaber der betreffenden Länder. Sie stehen, 3. B. in Amerika, kraft des Auftrages der Kapitalmachtigen an ihrer Stelle, und sie werden nichts, was den Interessen ihrer Auftraggeber und Gönner zuwider lauft, tun oder unterlassen, selbst wenn ihre Handlungen von irgendeinem Ptglied dieses Kreises oder irgendeines Konventikels öffentlich verurteilt werden. In England ist es nicht anders. Was hat das, nun beinahe anderthalb Jahrzehnte anhaltende Eintreten von Männern wie I. M. Keynes, Norman Angell u. a. m. für eine vernunftgemäße politische und wirtschaftliche Aussöhnung genutzt? Sind jemals zu irgendeiner Zeit wichtigster Entscheidungen die britischen Unterhändler für eine vernunftgemäße Aussöhnung zu haben gewesen? Von Frankreich braucht gar nichts weiter gesagt werden. Die Art und Weise, in der Frankreich der deutsch=österkeichischen Zollunion wegen alle Welt gegen uns aufhetzte, und wie diese Welt gleich darauf reagierte— wenn auch nach einiger Ueberlegung und auf Grund eines anderen Schachzuges Frankreichs einige Länder chre Stellungnahme änderten— spricht eine zu deutliche Sprache.
Wir dürfen uns keinesfalls der Illusion hingeben, Eis ob bald oder in einer menschlich schätzbaren Spanne deit, dank der Bemühungen gewisser wohlwollender, über absolut machtloser und einflußloser Kreise, irgendein Wandel in der Haltung der Welt uns gegenüber einkreten könnte. Im Gegenteil.
Man begegnet vielfach der Ansicht, daß der einzige Hinderungsgrund Frankreichs Einstellung sei, das abso
Dei Eilen um Eir ziel!
„In geheimer Mission beim Feind“.
Vor mir liegt das umstrittene Buch„En mission chez 'ennemi“.(In geheimer Mission beim Feind.)") Das Buch ist im Jahre 1930 bei Alexis Redier, Paris, erschienen. Joseph Crozier, ehemaliger Lutnant des französisch Generalstabes ist sein Verfasser.
Das Werk ist sehr interessant, nicht allein, weil es uns einen Blick in den Spionagedienst der Franzosen im Kriege gewährt, sonder vor allem, weil es uns den unwiderlegbaren Nachweis erbringt, daß die deutsche Revolution zu einem guten Teil durch französisches Geld finanziert wurde und in dem Augenblick ausgebrochen ist, in dem die Entente sie gebrauchen konnte.(Seite 297).
Crozier weilte vom Jahre 1915—1918 in Holland, wo er ein Doppelleben führte: als Joseph Crozier handelte er in Oelen und Fetten, als Pierre Desgranges überwachte er die Auswirkungen der feindlichen Blokkade.
Vieles ist fesselnd in diesem Buch. Manches läßt uns aber erschaudern. Was uns von besonderem Wert erscheint, ist der Abschnitt„Im Lager der Revolution“
Crozier fführt in diesem Abschnitt aus, daß die Alliierten nach Beendigung der revolutionären Aktion der Deutschen in Rußland beschlossen hatten, auch eine Revolution in Deutschland zu entfachen. Desgranges erhielt Befehl, die entsprechenden Schritte einzuleiten. Er nahm aktiv an den ersten Zusammenkünften der holländischen, russischen und deutschen Revolutionäre teil und gehört von Anfang an zum deutschen Revolutionskomitee. In seiner eigenen Wohnung in Amsterdam wurden ihm die Organisatoren der deutschen Revolution vorgestellt (Seite 287). Der erste und bedeutendste dieser Umstürzler war Pieck vom Berliner Komitee, den Crozier später als Kommandant der Revolutionsstreitkräfte im Rheinland und als Mitglied des großen„Liebknecht=Ledebour= Pieck=Protestkomitee“ angetroffen hat.
Die Leitung der revolutionären deutschen Bewegung, die sich anfangs„Fabrikarbeiter=Organisation“ nannte, lag in den Händen der Mehring=Partei, zu deren Mitglieder auch Liebknecht und Rosa Luxemburg gehörten.
Die revolutionäre Partei trug später den Namen „Minderheits=Sozialisten“. Ihr linker Flügel war Spartakus. Ihnen standen die gut organisierten Mehrheitssozialisten gegenüber unter der Leitung von Scheidemann, der damals zum zweitenmal Vizepräsident des Reichstags geworden war. Zwischen diesen beiden Gruppen standen die Unabhängigen Sozialdemokraten um Haas(Seite 288).
Crozier half mit bei der Unterhöhlung der Widerstandskraft des deutschen Volkes, indem er den Versand der umsturzheischenden Flugblätter, die er in verschlossenem Umschlag in die Hände der deutschen Arbeiter gelangen ließ, von Holland aus besorgte.
Eine Revolution kann man aber nicht mit Flugblättern allein ausführen. Die Aufrührer mußten mit Waffen ausgerüstet werden, damit sie in einem Konflikt mit Heer und Polizei sich behaupten und den Zaghaften ihren brutalen Willen aufzwingen können.
Die deutschen Revolutionäre gelangten nach und nach in den Besitz einer großen Anzahl Waffen, die auf den Schlachtfeldern gefunden wurden. Sie genügten aber nicht. Es mußten mehr Waffen beschafft werden, wenn
rich,
*) Die gute Uebersetzung ist bei Gelthlein& Co., Leizig und
die Aktion erfolgreich enden sollte. Ein günstiger Umstand kam ihnen zugute. Die deutsche Regierung ließ nämlich durch Sozialisten Waffen nach Rußland befördern. Anstatt die gesamten Mengen abzuliefern, behielten die unzuverlässigen Emissäre einen Teil für sich, um die vorhandenen Vorräte zu ergänzen und die zahlreichen verstäckten Läger zu organisieren.
Im Februar 1918 brach der Generalstreik aus, das flackernde Vorzeichen des kommenden Zusammenbruchs. Crozier war in der Reichshauptstadt an diesem Tage. Er erkannte, daß die französischen Geldzuwendungen sich wirklich gelohnt hatten. Im Revolutionskomitee sagte er:„Der Krieg ist zu Ende, die Revolution beginnt.“ Das Revolutionskomitee beschloß in seinem Beisein, daß nunmehr die Gewehre zu sprechen
hätten.
Nach einigen Monaten brach die Revolution aus. Das Heer mußte um einen Waffenstillstand ersuchen, nachdem die Etappe und die Heimat, durch Not und Entbehrungen zermürbt, durch die deutsche und feindliche Propaganda zersetzt, versagten.
Der„Kamerad" Crozier war in Paris, als die Revolution ausbrach. Er schrieb an seinen Vorgesetzten:
„Die Ereignisse, die sich im Augenblick überstürzen, beweisen, daß wir recht hatten. Die deutsche Revolution ist in dem Augenblick ausgebrochen, den wir vorausgesehen haben, und man weiß noch nicht, ob die Revolution den militärischen Zusammenbruch herbeigeführt hat oder umgekehrt. Diese Revolution geht von Leuten aus, die wir kennen und wird, wie wir vorhergesagt haben, bis zum Aeußersten gehen.“
Ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte! Deutsche Hände haben die deutsche Eiche, vom Wind und Sturm zerzaust, aber noch fest in der Erde wurzelnd, zu Boden geschlagen!
*
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Die Enthüllungen Croziers passen vielen nicht, weil sie die Umsturzbewegung von 1916-18 in das rechte Licht setzen. Kein Wunder deshalb, daß die interessierten Kreise versuchen, ihre Wirkung abzuschwächen, indem sie behaupten, daß Crozier überhaupt nicht existiert hat und daß das Buch eine bestellte Arbeit, ja eine plumpe Fälschung sei. Wer die Schilderungen des Buches weitergebe, der mache sich der politischen Falschmünzerei schuldig.
Diese Methode hat oft Erfolg. Auch ich war zunächst verplex. Aussage stand gegen Aussage. Wenn mir auch aus Erfahrung bekannt ist, daß die Leute, die die Revolution entfacht haben, es mit der Wahrheit nicht sehr ernst nehmen, so konnte ich erst dann urteilen, wenn ich weise in den Händen hatte, daß sie gelogen haben. Um aus dem Dilemma herauszukommen, habe ich an den Verleger geschrieben und ihn gebeten, mir anzugeben, ob Crozier existiert hat und ob seine Ausführungen den Tatsachen entsprechen. Der Verleger, Redier, ein ernster und bekannter Pariser Verleger, hat mir daraufhin geantwortet, daß Crozier noch lebt und seine Schilderungen mit den Tatsachen übereinstimmen. Die Kreise, die die Echtheit der Erlebnisse Croziers in Zwefel gezogen, haben wissentlich oder unwissentlich eine falsche Behauptung aufgestellt. Es ist also erwiesen, daß deutsche Sozialdemokraten mit französischem Geld die Revolution organisiert haben und Werkzeuge der Feinde gewesen
sind. E. F. K.
lute Vorherrschaft in weltpolitischen Fragen erlangt habe. Wie steht es damit?
Französische Vorherrschaft?
Gibt es das? Fand infolge dieser Führung Frankreichs Ruf:„Gegen Deutschland und die Zollunion mit Oesterreich“ sofort fast einstimmigen Widerhall? Kann man, nein, muß man heute eine französische Suprematie zugeben? Ich bin der Ansicht: nein, und glaube, daß gerade die politischen Ereignisse der jüngsten Zeit, wenn sie erst zur vollen Auswirkung gelangt sein werden, die These von der französischen Vorherrschaft verneinen werden.
Zweifelsohne bedeutet die Revolution in Spanien einen Sieg erster Ordnung für die französische Politik. Leicht ist er nicht errungen, denn beinahe zwei Jahrzehnte, wenn nicht länger, reichen die unausgesetzten Bemühungen Frankreichs zurück, aus dem unabhängigen
Spanien einen französischen Vasallenstaat zu machen. Einzig und allein dem staatsmännischen Geschick des Königs Alfonso war es zu verdanken, daß Spanien bislang seine Unabhängigkeit nicht verlor, bis jetzt unter den fortgesetzten Angriffen seit über einem Jahrzehnt, seine Nerven zusammenbrachen.
Die heutigen Machthaber Spaniens sind samt und sonders frankophil eingestellt, waren es zum größten Tei! schon vor dem Kriege. Ein Spanien, das, wie es gar nicht anders zu erwarten ist, gr bald zum Spielball inneren Rivalenstreites werden wird, muß unter die Hörigkeit des Schutzpatrons seiner Revolutionsmacher geraten. Vielleicht deutet schon bald die Entwicklung in Spanisch=Marokko darauf hin. Das war ja immer schon für Frankreich ein Aergernis, und es hat nicht ungern Spaniens Schwierigkeiten in Marokko gesehen, vermutlich auch dabei ein bißchen nachgeholfen.