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Nr. 135.
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12. Jahrgang.
Es ist kein Glück so rein, so tief,
Daß nicht eine Träne mit unterlief.
Es ist so schwer, so bang' kein Weh, Daß nicht eine Hoffnung darüber geh'!
Wahlaufruf des Christlich=Sozialen Volksdienstes in Sachsen.
Familie und Schule sind die entscheidenden Pflegestätten für den Geist unseres Volkes. Wir wenden uns gegen die der Familie drohenden Gefahren durch die radikalen Ehereformpläne und planmäßige Unterhölung des Willens zur Mutterschaft. Wir rufen gegen diese Gefahren unser christliches Volk auf zur Erneuerung christlichen Familienlebens und fordern eine Kultur=, Wohnungs=, Lohn= und Sozialpolitik, die der Stärtzung der Familie dient und kinderreiche Familien bevorzugt.
Für das Schulwesen in Sachsen fordern wir die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Stellung der Be kenntnisschule, wie es dem bei den Elternbeiratswahlen wiederholt festgestellten Elternwillen entspricht; denn Familie und Schule, Eltern und Lehrer können nur im Geist gemeinsamer Lebensanschauungen ihre Erziehungsaufgabe segensreich erfüllen. Kirche und christliche Gemeinschaften stehen heute einem Staate gegenüber, der verfassungsgemäß dem Christentum neutral gegenübertritt. Daher fordern wir eine baldige, endgültige gesetzliche Regelung des Verhältnisses von Kirche und Staat, dergestalt, daß die Selbständigkeit und Wirksamkeit der Kirche in einer Weise gesichert wird, die der Würde ihres göttlichen Auftrages und ihrer Bedeutung für die sittliche Gesundung unseres Volkes entspricht. Dazu gehört auch die Freiheit der christlichen Wohlfahrtspflege und Fürsorgetätigkeit. Wir bekämpfen das Streben nach Verweltlichung der Wohlfahrtspflege durch die Verstaatlichung und Kommunalisierung, weil es der Liebestätigkeit die tiefste Kraft raubt und der christlichen Gemeinde den Weg zur Betätigung praktischen Christentums verbaut.
Dem Staate gegenüber strebt der Christlich=soziale Volksdienst nicht nach Macht und Einfluß im Interesse einzelner Volksschichten, er lehnt jede Politik der Revolution und Gewalt ab. Wir sind zu positiver Mitarbeit im Staate bereit, ohne uns das Recht zur Kritik und zum Streben nach Abstellung von Mißständen und Mängeln der staatlichen Ordnung und Verwaltung nehmen zu lassen.
Das Parteiwesen in der bisherigen Form lehnen wir ab, weil es unfruchtbar ist und das Volk auseinanverreißt, statt es zu edlem Wetteifer im Dienste am Staat und Volksganzen anzuspornen. Die alten Parkeien sind durch ihre inneren Gegensätze und Unklarheiten zu staatspolitischer fruchtbarer Aufbauarbeit unfahig, berufliche und interessenpolitische Sonderparteien mussen zur Verkümmerung des Staatsbürgertums führen. Radikales Draufgängertum hindert eine gesunde organische Entwicklung unserer staatlichen Verhältnisse.
Wir rufen unser christlich=evangelisches Volk, soweit es sich nicht an die Parteien gebunden fühlt, zu geschlossesem Einsatz auf, damit auch im sächsischen Landtag— wie in dem Württembergs, Badens, Preußens und im Reichslage— Männer des Volksdienstes dem Parteigeist entbegenwirken und das Zeugnis des Wortes und der Tat ablegen können für den aus christlicher Verantwortung getätigten Dienst an Volk und Staat.
Unser Land Sachsen wollen wir in seiner Eigenslaatlichkeit erhalten und ausbauen zu einem lebendigen und treuen Glied am Baume des deutschen Reiches. Wir mißbilligen es, wenn jetzt vor der Verabschiedung des Staatshaushaltsplanes der Landtag aufgelöst ist, obwohl eine zu sachlicher Arbeit entschlossene Regierung eben # Amt angetreten hatte. Wir verwerfen es besonders, daß die letzte Regierungskrise hervorgerufen wurde aus brunden, die mit der sächsischen Landespolitik nichts zu tun haben.
Wir fordern eine sparsame Verwaktung in eemeinde, Staat und Reich und die baldige Durchführung Berg; allgemeinen Verwaltungsreform durch temsachung und Beschränkung der öffentlichen Verntung auf das wirklich notwendige, damit durch steuerRe Entlastung unsere Wirtschaft in Stadt und Land teder aufblühen und allen Volksgenossen Brot und Areit zu geben vermag.
on der Wirtschafts=, Steuer= und Sozialpolitik forin wir den Schutz aller bodenständigen Berufsstände, sbesondere der Landwirtschaft und des gewerblichen
Mittelstandes. Die staatliche Hilfe muß darauf abge
stellt sein, die geschwächten Kräfte berufsständischer Selbsthilfe anzuregen und einen gerechten Ausgleich ihrer Bedürfnisse und Interessen herbeizuführen. Reichs= und Landespolitik muß den Schutz aller nationalen Arbeit vor übermächtiger Konkurrenz des Auslandes sichern, unser Volk muß es sich zur Pflicht machen, durch Verbrauch einheimischer Waren die Liebe zur Heimat auch praktisch zu betätigen. So muß durch Wiederbelebung unserer Wirtschaft, auch mit dem außergewöhnlichen Mittel eines Volksnotopfers(das nicht nur von einer Gruppe getragen werden soll), die furchtbare Not der Arbeitslosigkeit vermindert und allen arbeitsfähigen Volksgenossen wieder Arbeitsgelegenheit geschaffen werden. Daneben muß den arbeitswilligen Erwerbslosen und ihren Familien durch Sanierung der Arbeitslosenversicherung, sowie mit den Mitteln der Krisenunterstützung und Fürsorge das Existenzminimum gesichert werden.
Die Sozialpolitik bejahen wir aus dem Geist christlicher Nächstenliebe als ein Hilfsmittel sozialer Gerechtigkeit und ständischer Selbsthilfe. Sie muß von Mängeln und Mißständen gereinigt und organisch fortentwickelt werden, mit dem Ziel, den größten Stand unseres Volkes als mitverantwortlichen Träger von Wirtschaft und Staat gleichberechtigt einzugliedern. Darum bejahen wir die gewerkschaftliche Organisation der Arbeitnehmerschaft, verwerfen jedoch den Mißbrauch des gesunden Gewerkschaftschaftsgedankens zum Kampf gegen Christentum und Volksgemeinschaft, wie er in den freien Gewerkschaften vielfach geführt wird.
Klassenkampf und Klassengeist bekämpfen wir mit gleicher Entschiedenheit. Der Christlich=soziale Volksdienst lehnt darum sowohl die Klassenparteien des Proletariats wie den Gedanken eines Besitzbürgerblocks ab.
Glaube und Heimat! Im Gehorsam gegen Gottes Willen auch in der Politik gehen wir in diesen Wahlkampf. Die Liebe und Treue zu unserem Volk und Land zwingt uns, auch die Stillen im Lande zur Erfüllung ihrer Staatsbürgerpflicht am 22. Juni 1930 aufzurufen.
Wer mit uns in diesem Geist und in diesen Zielen einig ist, der helfe uns, den Ruf zur Sammlung aller Gleichgesinnten in Landeskirche, Gemeinschaften und Freikirchen verbreiten.
Der 22. Juni 1930 gibt uns Gelegenheit, für unsere Bereitschaft zum Dienst an unserem„Volk in Not“ mit dem Stimmzettel Zeugnis abzulegen.
Die Kandidaten des Christlich=sozialen Volksdienstes sind: 1. Arthur Bley, Kaufmann, Reichenbach i..; 2. Richard Fischer, Steuerrat, Dresden=.; 3. Max Thomas, Lohnsticker, Falkenstein; 4,Martin Richter, Fürsorgehelfer, Dresden=.; 5. Curt Gröschel, Jugendsekretär, Dresden=.; 6. Hermann Kircher, Pfarrer, Coswig; 7. Gustav Noack; Textilarbeiter, Groß=Schönau; 8. Heinrich Brockhausen, Ver.=Sekr., Leipzig; 9. Adolf Anger, Verlagsbuchhändler, Leipzig; 10. Theodor Rossel, Landger.=Rat, Plauen; 11. Otto Göricke, Kaufmann, Radebeul; 12. Frl. Hanna Schweingel, Sekr., Oetzsch; 13. Ernst Michel, Landwirt, Stangengrün; 14. Karl Liegert, Redakteur, Frankenberg; 15. Dr. med. Johann Bergmann, Arzt, Ohsling; 16. Max Schlesinger, Bürstenf.=Arbeiter, Schönheide; 17. Georg Baring, Pfarrer, Hochweitzschen; 18. Frau Selma Wagner, Hausfrau, Reichenbach; 19. Emil Schreier, Strumpfwirker, Dorschemnitz; 20. Dr. Echte.
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Christlich=sozialer Volksdienst, Landesgruppe Sachsen. i. A. Bley, 1. Vorsitzender. Geschäftsstelle Reichenbach im Vogtlande.
Das teure A. A.
Luxusausgaben des verarmten Reiches.
Etatsberatungen sind im allgemeinen wenig kurzweilig, so daß die Presse mit einigen Zeilen darüber hinweggeht, weil längere Berichte nicht gelesen werden. Auch die diesjährigen Reichstagsverhandlungen über den Etat machen davon kaum eine Ausnahme. Eine große Ueberraschung gab es lediglich bei der Ausschußberatung des Etats des Auswärtigen Amtes. Es ist von offiziösen Stellen der Versuch gemacht, Berichte über diese Ausschußverhandlungen nach Möglichkeit zu unterdrücken. Um so mehr besteht für die Oeffentlichkeit Veranlassung, diesen Verhandlungen besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Das deutsche Volk hat gerade angesichts der wirtschaftlichen Notlage ein Anrecht darauf, zu erfahren, wie mit seinen Steuergeldern gewirtschaftet wird.
Die Verhandlungen über den Etat des Auswärtigen Amtes haben den einwandfreien Beweis erbracht, daß das verarmte deutsche Reich den teuersten Außenetat der Welt sein eigen nennt. Das deutsche Auswärtige Amt,
das im Jahre 1914 nicht mehr als 21 Millionen Mark benötigte, hat im Jahre 1930 63 Millionen Mark erfordert; die Ausgaben haben sich gegenüber der Vorkriegszeit also verdreifacht. Dagegen beträgt der Außenetat in dem welbeherrschenden England nur 49 und in Frankreich nur 36 Millionen Mark. Deutschland bezahlt also seine Außenpolitik, an deren Erfolgen in den letzten Jahren doch wohl weiteste Volkskreise einigen Zweifel hegen, mit 175, bezw. 129 Prozent der Summen, die das reiche Frankreich oder England dafür aufwenden. Bei einem Vergleich mit anderen Staaten tritt die Aufblähung des deutschen außenpolitischen Apparates noch deutlicher in die Erscheinung; denn während wir unsere Außenpolitik uns 63 Millionen kosten lassen, gibt Italien dafür nur 17 und Spanien nur 11 Millionen Mark aus. Niemand wird behaupten können, daß diese Staaten, im Vergleich zu Deutschland desbalb divlomatisch ins Hintertreffen geraten seien.
Neben den teils unverständlich hohen Ausgal licher Art im Etat des Auswärtigen Amtes müssen vo. allem die riesigen Personalausgaben überraschen. An höheren Diplomaten, die Einkünfte bis zu 170000,— Mark jährlich im Einzelfalle haben, verfügt Deutschland über 192, während sich England und Frankreich mit 126 bezw. 123 begnügen. Es sind also drei Deutsche notwendig, wo; zwei Engländer ausreichen. Von den oft recht verschiedenartigen Ergebnissen deutscher und englischer Diplomatenkunst soll dabei noch ganz abgesehen werden.
Mit recht gemischten Gefühlen wird es in Deutschland auch aufgenommen, daß wir für den Völkerbund abermals 120900 Mark mehr ausgeben sollen als bisher, so daß uns die Mitgliedschaft im Völkerbund im Jahre 1930 insgesamt 1 806 700 Mark kostet. Rätselhaft ist es auch, warum wir für die deutsche Liga für den Völkerbund, die vom Reich bisher mit 60000,— Mark unterstützt wurde, im neuen Jahre den doppelten Betrag von 120000,— Mark aufwenden müssen.
Bei der Beratung des Haushaltsplanes des Auswärtigen Amtes ist das vorstehend aufgerführte Material in allen Einzelheiten von dem Berichterstatter, dem deutschnationalen Abgeordneten v. Freytag=Loring= hoven, den Ausschußmitgliedern unterbreitet. Der deutschnationale Abgeordnete, also ein Vertreter der Opposition, hat damit den Nachweis erbracht, daß und an welchen Stellen an dem von der gegenwärtigen Regierung vorgelegten Haushaltsplan tatsächlich noch erheblich gespart werden kann. Der Regierung und insbesondere den Vertretern des Auswärtigen Amtes waren die Feststellungen des deutschnationalen Abgeordneten so unangenehm, daß sie ihr Hinausdringen in die Oeffentlichkeit zu verhindern versucht haben.
Fast zur gleichen Stunde ist von einer anderen unpartetischen Stelle an der Ausgabenwirtschaft des auswärtigen Amtes schärfste Kritik geübt worden. Der Rechnungshof des Deutschen Reiches hat bei der Prüfung der Abrechnungen des Auswärtigen Amtes zahlreiche Haushaltsüberschreitungen festgestellt. So hat der Rechnungshof u. a. bemängelt, daß als außerplanmäßige Ausgabe für die Beförderung der deutschen Abordnung zur Konferenz in Locarno allein für Sonderzüge ein Betrag von über 98000 Mark aufgewendet ist. Auch die hohen Reisekosten und Urlaubsbeihilfen für Beamte des Auswärtigen Amtes hat der Rechnungshof aufs schärfste kritisiert. So ist für eine Dienstreise eines deutschen Botschafters von der russischen Eisenbahnverwaltung ein Salonwagen für 16000 Mark gemietet worden, während die Kosten der Reise bei Benutzung der 1. Wagenklasse knapp 700 Mark betragen hätten. Der Rechnungshof hat bei der Nachprüfung diese und zahlreiche andere Verstöße gegen die Haushaltsordnung zur Kenntnis des Reichstages gebracht.
Angesichts der von dem deutschnationalen Abgeordneten und dem Rechnungshof aufgedeckten Tatsachen wird selbst in der Regierungspresse von einer„unverantwortlichen Verschwendung" des Auswärtigen Amtes gesprochen. Das Organ der dem gegenwärtigen Reichskanzler besonders nahestehenden Christlichen Gewerkschaften,„Der Deutsche", schreibt sogar: „Diese Verschwendung ist unter Außenminister Stresemann noch schlimmer geworden, als sie vorher war, und es sieht nicht so aus, als ob Curtius der energische Mann wäre, um der ungemein schwierigen Aufgabe der Sparsamkeit im auswärtigen Haushalte Herr zu werden.“ Diese Zweifel an dem Willen zum rücksichtslosen Durchgreifen sind nach allen bisherigen Erfahrungen bei der gegenwärtigen Regierung nur allzu gerechtfertigt. Um so notwendiger ist es, daß im Volke die von den Vertretern der nationalen Opposition erhobene Forderung