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mit den Beilagen„Für Herz und
„Kindergabe“ und„Anser Ziel.“
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Nr. 65.
Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld) Dienstag, den 18. März 1930.
12. Jahrgan
Aufwärts sehen, das ist gut.
Aufwärts geht's mit frohem Mut!
Aufwärts leuchtet hell das Licht,
Aufwärts wohnt das Dunkel nicht.
Aufwärts leuchten Sterne viel,
Aufwärts richt dein Lebensziel.
Aufwärts blick in aller Not!
Aufwärts wohnt der Helfer, Gott!—
Eine alte Aufwärtsleserin.
Migggg
Trunksucht auf Borg.
Von D. Strathmann, Erlangen,..R.
„Erfahrungsgemäß wird dem Hange zum Mißbrauch geistiger Getränke besonders durch das Verabfolgen der letzteren auf Kredit Vorschub geleistet. Aus industriellen Bezirken wird die Klage erhoben, daß die Arbeiter, welche ihren Lohn wöchentlich oder in größeren Zwischenräumen erhalten, in der Zeit zwischen den Lohnzahlungen die geistigen Getränke in Schänken und Kleinhandlungen auf Kredit entnehmen und dadurch oft verleitet werden, Schulden einzugehen, welche sie bei Empfang ihres Lohnes nicht bezahlen können. Auf diese Weise geraten sie binnen kurzem in eine Abhängigkeit von den Schankwirten und Kleinhändlern, welche die Fortsetzung des Bezuges übermäßiger Mengen von Spirituosen, demnächst gewohnheitsmäßige Trunksucht und schließlich völligen wirtschaftlichen Ruin zur Folge hat. Aehnliche Klagen sind in landwirtschaftlichen Bezirken.... laut geworden.... Die Kreditierung geht so lange fort, bis die Schuld einen Betrag erreicht hat, welchen der Schuldner bar zu erlegen nicht mehr imstande ist. Dann wird die Branntweinschuld zur Grundlage wucherischer Darlehensgeschäfte aller Art gemacht, welche den Kleinbauern in seiner ganzen Wirtschaft von dem Gläubiger abhängig machen und bei fortdauernder Steigerung des übermäßigen Branntweingenusses nicht selten zum Verlust von Haus und Hof führen.“
Diese Sätze finden sich in der Begründung des Gesetzentwurfes„betreffend die Bekämpfung der Trunksucht", den am 15. Januar 1892 Herr von Bötticher nach Zustimmung des Bundesrates dem Reichstag zur Beschlußfassung vorlegte(Drucksache Nr. 593). Sie dienten der Begründung des dort vorgesehenen§ 10, in welchem, von gewissen Ausnahmen abgesehen, die Verabreichung geistiger Getränke auf Borg untersagt und außerdem bestimmt wurde, daß„Forderungen für Getränke, welche den vorstehenden Bestimmungen zuwider verabfolgt sind. weder eingeklagt, noch in sonstiger Weise geltend ge
macht werden können.“——
Die Erfahrungen, aus denen vor 40 Jahren diese Vorschläge erwuchsen, gehören leider keineswegs der Vergangenheit an. Darum ist es begreiflich, daß alle die, welchen die Eindämmung der Alkoholschäden am Herzen liegt, immer wieder nach dieser gesetzlichen Hilfe verlangt haben und bis zum heutigen Tage verlangen: Unvermeidlich mußten deshalb die, welche sich bei der gegenwartigen Beratung des Schankstättengesetzes zu Anwälken dieser Bestrebungen machen, versuchen, eine ähnliche Bestimmung in das Gesetz hineinzubringen. Es war erfreulich, daß hinsichtlich des hierbei zu erstrebenden Zieles die Mitglieder des Ausschusses sich durchaus einheitlich aussprachen; auch der Abg. Köster, der die Wahrung der Interessen des Gastwirtestandes als seine besondere Aufhabe ansieht, sprach sich dahin aus, daß er solche Mißstande bekämpfe und daß er solche Gastwirte, die ihnen Vorschub leisten, durchaus verurteile. Nur wurde freilich von einigen Abgeordneten mit besonderem Nachdruck gelkend gemacht, es werde unmöglich sein, eine praktisch brauchbare Formulierung zu finden.
Aber es wäre gewiß höchst bedauerlich, wenn die praktische Auswertung der bekundeten grundsätzlichen Uebereinstimmung hieran gescheitert wäre. Schreiber diees versuchte unter Anlehnung an den Entwurf von 1892 eine Formel zu finden, die allen vorgebrachten Bedenken Rechnung trüge. Sie lautete folgendermaßen:
Forderungen für geistige Getränke, welche, von Notfällen abgesehen, im Betrieb einer Gaststätte zum Genuß an Ort und Stelle auf Borg verabreicht werden, können weder eingeklagt noch in sonstiger Weise geltend gemacht werden.
Als Borg im Sinne vorstehender Bestimmung gilt nur die Befristung der Zahlung über den Zeitpunkt hinaus, in welchem der Gast die Gaststätte verläßt.
Die Vorschrift des Abs. 1 findet keine Anwendung auf die Verabreichung geistiger Getränke seitens der Gastwirte an ihre zur Beherbergung aufgenommenen
Gäste sowie auf die Verabreichung von geistigen Getränken, welche üblicherweise als Zubehör zu Mahlzeiten verabreicht werden; ferner nicht auf die Verabreichung von geistigen Getränken bei geselligen Veranstaltungen, für deren Kosten der Gastgeber aufkommt.
Die Vorschrift des Abs. 1 findet entsprechende Anwendung auf die Lieferung von Branntwein im Kleinhandel an den Verbraucher.
Hierzu sei bemerkt, daß insbesondere der Vorwurf der Begünstigung der Zechprellerei gegen diese Formel(nach Abs. 2) keineswegs erhoben werden kann. Denn demjenigen, der sich ihrer schuldig macht, ist die Zahlung ja durchaus nicht vom Wirt„befristet“ worden.
Eine aussichtsvolle Mehrheit ergab sich indessen nur für folgenden Antrag, der dann von den Abg. Diez(Zentrum), Sollmann(Soz.), und Strathmann(Deutschn.) gemeinsam eingebracht wurde:
(.) Forderungen eines Gast= od. Schankwirtes aus dem Ausschank v. Branntwein können weder eingeklagt noch in sonst. Weise geltend gemacht werden, wenn sie Personen gestundet worden sind, die dem Gast= oder Schankwirt eine frühere Schuld gleicher Art noch nicht bezahlt haben. Dasselbe gilt für Forderungen aus der Abgabe von Branntwein im Kleinhandel, sofern nicht die Lieferung mit Bezug auf den Geschäftsbetrieb des Empfängers erfolgt.
(.) Als Stundung im Sinne des Abs. 1 gilt nur die Befristung der Zahlung über den Zeitpunkt hinaus, in dem der Gast die Gast= oder Schankwirtschaft verläßt.
(.) Die Vorschrift des Abs. 1 findet auf Forderungen aus dem Ausschank in einer Gastwirtschaft an die zur Beherbergung aufgenommenen Gäste und auf Forderungen aus dem Ausschank von Branntwein, der üblicherweise als Zubehör zu Mahlzeiten verabfolgt wird, keine Anwendung.
Ob diese Formulierung besser ist als die Vorhergenannte, möchte ich im Augenblick nicht untersuchen. Jedenfalls wurde sie mit großer Mehrheit, bei nur drei Stimmenthaltungen, angenommen, und zwar mit den Stimmen der Wirtschaftspartei.
Das ist immerhin ein Erfolg. Wir wollen ihn jedoch nicht überschätzen. Von mehreren Seiten wurde zum Ausdruck gebracht, daß man wegen der gebilligten Tendenz zunächst zustimmen oder sich der Stimme enthalten wolle; daß man sich; aber eine weitere Prüfung und die endgültige Stellungnahme bis zur zweiten Lesung im Plenum vorbehalten müsse.
Dieser Vorbehalt ist gegenüber einer immerhin bedeutsamen Bestimmung, die neue Wege einschlägt, gewiß nicht unberechtigt. Hoffen wir nur, daß der von vielen Seiten bekundete gute Wille durch den Ansturm, der nun natürlich inszeniert werden wird, sich nicht auf das Gebiet der reinen Theorie und der platonischen Erklärungen zurückdrängen läßt!
In ernster Stunde.
Die nachfolgenden Ausführungen sollen den Zweck haben, etwas zu unterrichten über das Wollen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Aus den Kreisen dieser Partei(der Aufwärts scheint dort auch eine ganze Anzahl Leser zu haben) war es schon sehr beklagt worden, daß noch keinmal etwas Aufklärendes über das Programm dieser Partei gesagt worden sei. So mag denn einer unserer Mitarbeiter hier einmal zu Worte kommen. Wir nehmen an, daß es manchen Lesern erwünscht sein wird, die Hauptprogrammpunkte der National=Sozialisten kennenzulernen. Daß nicht jedes Wort gefaßt ist nach unserm Wunsch, damit finden wir uns ab, wie wir das auch in vielen anderen Fällen tun müssen.
Die Schriftleitung.
Wenn ernste Stunden und erschütternde Ereignisse über einen einzelnen Menschen oder über ein Volk hereinbrechen, so ist es von außerordentlicher Bedeutung, ob der betreffende Mensch oder das Volk vorbereitet von dieser Stunde oder Ereignissen angetroffen wird, oder ob das Ernste, Umstürzende den Einzelnen oder die Masse überraschend, unvorbereitet, nichtsahnend überfällt. Davon hängt alles ab, ob die plötzlich über uns kommenden Geschehnisse von uns beherrscht werden können, oder ob sie uns überraschen und mit einer Katastrophe enden.
So ist für das deutsche Volk der unselige 9. November 1918 zu einer Katastrophe geworden mit all den bekannten unheimlichen Folgen, Elend und Unglück, weil wir unvorbereitet überrascht wurden, während andererseits eine oder zwei königstreue Kompagnien mit einem beherzten und vorbereiteten Führer in Berlin der ganzen Revolution ein schnelles Ende bereitet hätten.
Handelte es sich damals um eine sozialdemokratische Revolution, so stehen wir heute dicht vor einer bolsche
wistischen Revolution. Jedenfalls ist es nicht wahrscheinlich, daß das Jahr 1930 ohne große Erschütterungen zu Ende geht. Der treue Gott, von uns oft vergessen, sei uns gnädig, wir aber seien vorbereitet. Soweit die deutsche Wirtschaft anscheinend noch blüht, hat sie sich durch Borgen über Wasser gehalten, das Großkapital immer ausgenommen, worunter der linksorientierte Arbeiter leider seine Arbeitgeber, wir aber Großbanken, Truste, internationales Leihkapital verstehen. So ist es gang und gäbe geworden, daß der Bürger bei seinem Kaufmann und Händler borgt, soweit das irgend möglich ist. Der Ladeninhaber und Händler ist wieder gezwungen, bei seinem Lieferanten(Großhändler) zu borgen, weil eben fast kein Geld bei ihm eingeht und sein Gewinn immer geringer wird, der Großhandel muß wieder aus dem selben Grund beim Fabrikanten borgen. So hat man sich durch allgemeines Pumpen mit Wechseln usw. einige Jahre durchgehalten, die Schulden sind nach und nach immer größer geworden, schließlich haben wir jetzt wohl den Punkt erreicht, wo der Faden keine weitere Anspannung mehr zuläßt, er muß reißen, wir stehen vor Katastrophen. Da bei der traurigen Finanzwirtschaft in Deutschland keine Besserung eintritt und eintreten kann, so sind wir allem Anschein nach jetzt an der Schnittfläche angelangt, wo eine Steigerung und ein längeres Hinausziehen nicht mehr möglich ist und die Folgen werden sich in der Mehrung, ja Häufung geschäftlicher Zusammenbrüche zeigen(einer zieht ja den andern nach), und damit natürlich Steigerung der Arbeitslosigkeit, Not und Elend und nicht davon zu trennende Mehrung verbissener Wut und Verbitterung gegen alle, welche noch zu essen und einen besseren Rock anhaben. Wer nicht ganz weltfremd ist, weiß, wie leicht die Masse zu allem fähig ist wenn sie bis zu diesem Punkt gelangt ist. Hunger tur weh, und Schmerz treibt zu Verzweiflungstaten. Dazu kommt nun die Agitation kommunistischer und bolschewistischer„Führer". Kommunismus und Bolschewismus ist eins und hat sich zum obersten Ziel die Eroberung der Welt gesetzt. Europa ist das nächste Ziel und Deutschland durch seine Nachbarschaft sowohl als wie durch seine Bereitschaft die erste Etappe. Und wie Deutschland vorbereitet ist, den russischen Bolschewismus zu empfangen und zu unterstützen, ahnen die wenigsten unter uns. Vor mir liegt eine Zeitung neuesten Datums, in welcher die Telegramme(nach der„Roten Fahne") zusammengestellt sino, welche das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Deutschlands anläßlich des 12. Jahrestages der Gründung der Roten Armee(in Rußland) mit dieser gewechselt hat. Nur drei Sätze daraus mögen sich die Leser gefallen lassen: Die Kommunistische Partei Deutschlands begrüßt ihre Division der siegreichen roten Armee mit begeistertem Stolz. Das internationale Proletariat fühlt sich eins mit den roten Soldaten der Sowjetunion in Kampf und Sieg. Im entscheidenden Augenblick wird es im Herzen und im Rücken der imperialistischen Armee seine revolutionäre Pflicht erfüllen, nach dem weltgeschichtlichen Vorbild der ruhmreichen Roten Armee!“
Wenn weiter aus dem Telegrammwechsel hervorgeht, daß ein Mitglied der Redaktion der„Roten Fahne" dem 20. Kavallerie=Regiment in Leningrad angehört, und die „Rote Fahne“ meldet, sie„fühlt sich eins mit der Roten Armee, eins mit Euch!“, also die deutschen Kommunisten vollständig eins mit der russischen bolschewistischen Roten Armee, bereit, sie mit der Tat in jeder Weise zu unterstützen, so kennzeichnet dieses genug.
In Rußland selbst sind die Zustände soweit gediehen, daß der Zusammenbruch bald zu erwarten ist. Sind die bisherigen Berichte über die wirtschaftlichen Zustände in der Räteunion auch ziemlich widersprechend, so erhält man ein ziemlich klares und zuverlässiges Bild aus den Berichten der führenden Moskauer Zeitungen, welche der „Deutsche Vorwärts“ in dankenswerter Weise zusammengestellt hat. Die Berichte stammen aus den verschiedensten Gegenden des großen russischen Reiches, sind alle neuesten Datums(Januar 1930 und die Original=Zeitungen, welchen die Berichte entnommen sind, stehen dem „Deutschen Vorwärts“, wie er schreibt, zur Verfügung u. können jederzeit eingesehen werden. Schade, daß nicht alle von der genannten Zeitung gebrachten Berichte hier Raum finden können, sondern nur Stichproben wie: „Auch nicht ein einziger Trust hat das vorgesehene Programm erfüllt.“„Wirtschaftliche Planlosigkeit. Niedrige Arbeitsleistung.“„Beschaffung von Ersatzteilen für die Traktoren ist nicht möglich. Aber auch mit dem Inventar ist es böse bestellt. Statt 300 erforderlicher Eggen nur 30!“„In der Holzbereitstellung wurde nur der 10. Teil(!) des vorgesehenen Planes ausgeführt.“„Ganz unmögliche Zustände. Erfüllung der Pläne unmöglich. Die gelieferten Beile biegen sich beim ersten Hieb oder