Abonnementspreis
für Bielefeld und Umgegend, soo wie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld.
Einzelnummer 10 Pfg.
Erscheinungstage
mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags.
Fernsprech=Anschluß Nr. 353.
COUTTotolerre
Organ der Sozialdemokratie
für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer.
Insertionspreis
für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt.
Inseraten=Annahme
bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein.
Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht".
A. Gerisch& Co., Vieleseld,
Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. 22
Nr. 39. Bielefeld, Dienstag, 16. Februar 1909. 20. Jahrg.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten
Deutscher Reichstag.
(Eigener Bericht.)
207. Sitzung vom Montag, 15. Febr., nachm. 2 Uhr.
Am Bundesratstisch: v Bethmann=Hollweg, Dernburg.
Präsident Graf Stolberg teilt mit, daß der Abgeordnete Wattendorff(Ztr.) gestorben ist. Das Haus ehrt sein Andenken in der üblichen Weise.
dem zunächst zur zweiten Beratung stehenden Gesetzentwurf betreffend Postdampfschiffverkehr mit überseeischen Ländern, wonach der Norddeutsche Lloyd statt der bisherigen Subvention von 230000 Mark vom 1. April ab jährlich 500000 Mark erhalten soll, liegt eine Resolution Albrecht und Genossen(Soz.) vor. wonach in die Verträge mit der subventionierten Firma die Bestimmung aufgenommen werden soll, daß sie für die Ausreise der Dampfer so viel weiße Schiffsleute anzumustern hat, als zu einer ausreichenden Besatzung ersorderlich sind. Die Budgetkommission empfiehlt Annahme der Vorlage.
„ Abg. Lattmann(W. Vg.) stimmt dem Entwurf zu und hält die sozialdemokratische Resolution für überflüssig.
Abg. Noske(Soz.): Nennenswerte wirtschaftliche Interessen konnten und können als Grund der Subvention nicht angeführt werden. Wir Sozialdemokraten wünschen gewiß nicht, den Export deutscher Produkte zu unterbinden. Wir wissen. wie sehr unter vermindertem Absatz gerade die Arbeiterschaft leidet.(Sehr wahr! bei den Soz.) Aber in ganz Neu=Guinea und Kaiser=Wilhelmsland, um die es sich hier handelt, kommen 647 weiße Personen in Betracht und nach allen amtlichen Angaben zu schließen, wird auch die Zunahme der weißen Bevöllerung dort nur eine sehr geringe sein. Die dort beschäftigten Schwarzen aber beziehen, was sie brauchen, hauptsächlich aus Australien und Asien. Ob nun der Norddeutsche Lloyd alle 4, oder alle 6 Wochen— denn nur darauf kommt es da an— seine Flagge in jenem entlegenen Winkel der Welt zeigt, davon hängt das Ansehen des deutichen Reiches als Kulturstaat wirklich nicht ab.(Sehr wahr' bei den Soz.) Es kommt hinzu, daß durch den Artikel 26 des Vertrages mit dem Lloyd der Reichskanzler befugt ist, landwirtschaftliche Erzeugnisse, die mit denen der deutschen Landwirtschaft konkurrieren, von der Einfuhr durch die Reichspostdampfer auszuschließen. Sie können sich kaum vorstellen, wie erbitternd eine solche Verfügung bei denen wirken muß, die kaum das Geld für die notwendigsten Lebensmittel aufbringen können.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Mehrheit des Volkes ist gerade daran interessiert, daß die deutschen Dampfer Nahrungsmittel nach Deutschland bringen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Das aber wünschen die Herren Agrarier nicht, und in der Kommission hat der Regierungskommissar alle Zweifel in dieser Hinsicht zerstreut. Die Deckung der Subvention aber belastet die Steuerzahler, deren große Masse gar kein Interesse daran hat. Einen Vertrag mit einem Paragraphen wie§ 26 können wir nicht billigen.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.]
In unserer Resolution fordern wir nicht ein grundsätzliches Verbot der Beschäftigung von Farbigen, die beim Küstendienst nicht ausgeschlossen zu sein brauchen. Wir wollen lediglich, daß die Abreise mit einer ausreichenden deutschen Mannschaft sich vollzieht. Wir wünschen also die Herstellung des früheren Zustandes. Wenn es Ihnen mit Ihrer nationalen Gesinnung ernst ist, müssen Sie unserer Resolution zustimmen.(Bravo! bei den Soz.)
Abg. Ganz Edler zu Putlitz(kons.): Wir stimmen der Vorlage zu, weil sie im Interesse des Reiches und der Kolonien liegt.„„
Abg. Hormann(frs. Vp.]: Der Vorlage stimme ich zu. Die Forderung der sozialdemokratischen Resolution ist nicht realisierbar.(Beifall bei den Freis.)
Abg. Exzberger(Ztr.): Wir stimmen für die Vorlage, deren Nützlichkeit und Notwendigkeit wir nie in Abrede stellten. Für die sozialdemokratische Resolution können wir nicht stimmen. Ter Lloyd hat stets soziales Verständnis gezeigt.(Beisel in Rtr.)„ ändn
Die Abgg Arning(natl.] und Hahn(kons.) treten für die Vorlage ein und bekämpfen die sozialdemokratische Resolution. Darauf wird die Vorlage angenommen und der Antrag Albrecht abgelehnt.
Es folgt die zweite Lesung des Etats beim Kapitel
tat des Reichstages“.
Abg. Kaempf(frs. Vp.) wünscht, daß authentische Berichte über die Kommissionssitzungen nicht erst nach Abschluß der jeweiligen Verhandlungen, sondern im Interesse der Interessenten innerhalb und außerhalb des Hauses gleich nach Abschluß einzelner Kavitel usw. gegeben werden.
Abg. Bassermann(natl.): Die vom Vizepräsidenten Kaempf angeregte Frage hängt mit der oft erörterten allgemeineren zusammen, ob sich die Ausgabe offizieller Reichstagsberichte überhaupt empfiehlt. Im allgemeinen erhält das Publikum eher ein Zuviel als ein Zuwenig an Berichten.
Abg Freiherr v. Hertling(Ztr.]: Es wäre zu erwägen, ob die Berichterstattung aus den Kommissionen nicht besser unterbliebe. Ueber die Verhandlungen im Plenum wären authentische offizielle Berichte erwünscht.(Beifall bei den Natl., im Zentrum und besonders rechts.)
Abg. Dr. Stengel(frs. Vp.) bringt unter großer Heiterkeit seinen alten Wunsch wieder vor, alle Druckschriften des Reichstages möchten in Antiqua gedruckt werden.
Abg. Geck(Soz.): Die Anregung des Freiherrn v. Hertling ist auch uns sympathisch. Die Kommissionssitzungen aber mit dem Schleier des Geheimnisses zu umgeben, halten wir nicht für möglich, namentlich in einem Augenblick von solcher Wichtigkeit, wo die Finanzreform bevorsteht und nach neuen Steuerobjekten gesucht wird, dürften sie auf keiner Seite Verständnis finden. Es geht nicht an, eine chinesische Mauer um die Kommissionsverhandlungen zu errichten.(Sehr wahr! bei den Soz.] An einen durchaus objektiven Bericht über die Plenarverhandlungen glaube ich nicht. Die Redaktionskommission des Reichstages, die diese Frage löst, möchte ich sehen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Redner schließt mit einem Dank an die Beamten des Hauses und das ganze Personal für ihre Liebenswürdigkeit gegenüber dem Abgeordneten.(Bravol
Abg. Dr. Arendt(Rp.) schließt sich den letzten Worten des Vorredners an, wundert sich aber darüber, daß er dem Reichs
tag nicht die Fähigkeit objektiver Berichterstattung zutraut. Die Plenarberichterstattung der Presse sei geradezu eine Verdunkelung.(Lebhaftes Bravol rechts.) Die Kommissionen seien für vertrauliche Mitteilungen da und nicht für die Oeffentlichkeit. (Bravo! rechts.)
Abg. Graf Westarp(kons.): Ich glaube im Namen meiner Freunde sagen zu können, daß aus den Kommissionen möglichst wenig, am liebsten gar nichts berichtet werden soll.(Ahal bei den Soz) Offizielle Plenarberichte wären wünschenswert, vielleicht findet die Geschäftsordnungskommission einen Weg zur Herausgabe eines kurzen objektiven Berichts. Schwierig ist es allerdings, denn jeder Redner pflegt seine Reden für die wichtigsten zu halten.(Allgemeine Zustimmung und lebhafte Heiterkeit.)
Abg. Ledebour(Soz.): Mit der Anregung des Herrn Kaempf können wir einverstanden sein. Es ist zweckmäßig, wenn die Kommissionen nach Schluß ihrer Sitzungen ihre Beschlüsse publizieren. Ganz entschieden wenden wir uns aber dagegen, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit zu arbeiten. Herr Dr. Arendt hat mit ungewohnter Bescheidenheit diese Anregung unterstützt.(Heiterkeit.] Daß über die Zeitungsberichte allerhand Unbehagen bei diesem und jenem entsteht, ist unvermeidlich. Eine ideale Berichterstattung gibt es nicht, wenn man nicht wörtliche Berichte liefern will. Die Presse wird an ihren alten Einrichtungen festhalten und die Berichte, die sie je nach der Parteirichtung von geschulten Berichterstattern erhält, weiter bringen, wie es sich seit Jahrzehnten eingebürgert hat. Jeder Versuch würde nur ein Schlag ins Wasser sein, das geht aus der Natur der Parteien hervor.(Sehr wahr! bei den Soz.)
Mit seiner Behauptung, die Kommissionsberatungen seien ihrer Natur nach vertraulich, hat Herr Dr. Arendt einen Irrtum begangen, der auf einem Mißverständnis des parlamentarischen Wesens beruht. Eine Kömmission ist nicht eine besondere Behörde neben dem Parlament, vielmehr nur ein Ersatz der Plenarverhandlung, weil anders die Zeit nicht ausreicht. Es liegt im Interesse des Volkes, daß diese Verhandlungen von der gesamten Oeffentlichkeit kontrolliert werden.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Soz.) Damit rechtzeitig gefährliche Pläne, die in der Entwicklung sind oder zur Reife kommen, von einer Volksbewegung beseitigt werden.(Sehr richtig! bei den Soz.] Wären die Kommissionen im Arendtschen Geiste geheim, so würden ichließlich nur noch die Resultate der Verhandlungen an das Plenum gebracht und das Interesse auch an den Plenarverhandlungen würde herabgedrückt.(Sehr richtig bei den Soz.] Ich bitte Sie dringend, den Anregungen der Herren Arendt und Hertling nicht Folge zu geben. Sie würden dadurch das Interesse der Oeffentlichkeit an unseren, Arbeiten und damit den Einfluß des Reichstages selbst noch vermindern, was Sie doch alle nicht wünschen können.(Bravol bei den Soz.)
Abg. Liebermann v. Sonnenberg(W. Vg.): Herr Ledebour hat mich nicht überzeugen können, daß die Kommissionsberichte mehr nützen, als schaden.
Abg. Dr. Müller=Meiningen(Fr. Vp.): Die Anregung, die Kommissionsverhandlungen geheim zu halten, erscheint mir nicht glücklich Auch der Gedanke eines amtlichen Plenarberichtes scheint mir weder reif noch geklärt zu sein. Den Dankesworten des Abg. Geck an die Reichstagsbeamten schließe ich mich vollinhaltlich an.(Beifall bei den Freis.)
Abg. Bindewald(Antis.) bekämpft die lateinische Schrift in den Reichstagsdrucksachen. Die deutsche Schrift entspricht der deutschen Eigenart!! Anhänger der Lateinschrift bezichtigt der Redner unter großer Heiterkeit, der Vaterlandslosigkeit.
Die Debatte wird geschlossen. Präsident Graf Stolberg dankt für die verschiedenen Anregungen, die er eingehend prüfen und, soweit erforderlich, der Geschäftsordnungskommission vorlegen werde.
Der Etatdes Reichstages wird bewilligt,
Es folgt der Etat des Reichseisenbahnamtes, zu dem eine Kommissionsresolution vorliegt, durch welche der Reichskanzler ersucht wird, baldigst in Erwägungen einzutreten, wie eine Verbilligung der Verwaltungskosten des Reichseisenbahnamtes herbeizuführen ist.
Abg. Graf Oriola(natl.): Der Resolution könnten alle Parteien zustimmen. Eine Verbilligung der Verwaltungskosten ist aber nicht nur bei diesem Etat nötig, sondern bei allen Reichsverwaltungen. Deshalb gehört die Resolution nicht hierher, und wir lehnen sie ab. Die Leistungen des Reichseisenbahnamtes sind nur rühmenswerte.(Bravo! bei den Natl.)
Abg. Erzberger(Ztr.): Wir werden der Resolution zustimmen; über die Motive wird ja nicht abgestimmt.
Auch bei diesem Etat möchte ich anregen, daß wir die Arbeitszeit der Beamten auf 8 Stunden festgesetzt wünschen. Auf Grund meiner letzten Ausführungen in dieser Richtung habe ich eine Menge unklätiger Zuschriften erhalten. Hingegen schreibt mir doch wenigstens ein Beamter, der auf einem vernünftigen Standpunkt steht, unter Nennung seines Namens, wie der Arbeitstag eines Bureaubeamten verläuft. Gegen 10 Uhr kommen die meisten Herren an, begrüßen sich, erzählen sich, wie sie den Abend verbracht haben, studieren dann die Zeitungen und schimpfen auf den Reichstag, daß die Beamtenvorlage noch nicht fertig ist. Mittlerweile ist es 11 geworden, es wird ein kleines Frühstück eingenommen. Um 12 fängt man zu arbeiten an, und ist es ½3 Uhr, so rüstet man sich wieder auf den Abgang. Ich will nicht behaupten, daß das allgemein so zutrifft. Aber jedenfalls müßten wir fordern, daß unsere Beamtenschaft voll ausgenützt wird. Ich wundere mich, Widerstand zu finden. Bekanntlich gibt es Lokomotivführer, die 22 Stunden beschäftigt werden. (Hört, hörtl bei den Soz.)
Präsident des Reichseisenbahnamts Dr. Schulz: Ich werde in der Kommission darlegen, daß es nicht angängig ist und mit schweren Nachteilen verbunden wäre, die Dienststunden der Beamten durch bindende Erklärungen dem Reichstag gegenüber schematisch zu begrenzen. Die Beamten meines Ressorts kommen ihren Pflichten durchaus nach, und nehmen sich, wenn ihre Arbeitszeit nicht ausreicht, Arbeit mit nach Hause oder kommen abends wieder.
Abg Wetzel(natl.) spricht von Eisenbahnpartikularismus und hofft auf Abhilfe durch die Initiative des Reichseisenbahnamtes.
Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag nachmittag 2 Uhr. (Fortsetzung der Beratung des Etats des Reichseisenbahnamtes. Gesetzentwurf über die Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte, Gesetzentwurf zur Beseitigung der Doppelbesteuerung.)
Schluß: 6¼ Uhr.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
31. Sitzung, Montag, 15. Februar, mittags 12 Uhr.
Am Ministertisch: Ministerialdirektor Schwartzkopff.
Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Lesung des Besoldungsgesetzes für Volksschullehrer und=Lehrerinnen.
Es liegen hierzu folgende Anträg, vor:
Ein Antrag Iderhofs(freikons.) und Genossen, die Regierung zu ersuchen, auf eine Erhöhung der Unterstützungsfonds für ausgeschiedene Lehrer und Lehrerinnen, den gesteigerten Lebensbedürfnissen entsprechend, Bedacht zu nehmen.
Ein Antrag v. Ditfurh(kons.) und Genossen, die Regierung zu ersuchen, daß sie für Schulneubauten unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und der Leistungsfähigkeit der Beteiligten neue Anhaltspunkte über Größe und Beschaffenheit der Dienstwohnungen aufstellt.
Ein Antrag Dr. Glattfelter(Ztr.) und Genossen, die Regierung moge allgemeine Bestimmungen erlassen über Größe und Beschaffenheit der Dienstwohnungen für Lehrer und Lehrerinnen, Zubehör und Bestandteile der Dienstwohnungen(Wirtschaftsgebäude, Oefen usw.), ferner über die Rechte und Pflichten der Wohnungsinhaber(Wasser= und Lichtbeschaffung, Instandhaltung usw.)
Ein Antrag Eickhoff(Fr. Vp.), die Regierung zu ersuchen, auf eine Erhöhung des Unterstützungsfonds für Witwen und Waisen von Elementarlehrern, den gesteigerten Lebensbedürfnissen entsprechend, Bedacht zu nehmen.
Bei der allgemeinen Besprechung gibt.
Abg. v. Tilly(kons.) der Hoffnung Ausdruck, daß das Herrenhaus den Kompromißbeschlüssen beitreten werde. Redner weist die Angriffe des„Berliner Tageblattes“ gegen die Stellung der Rechte zu der. Lehrern zurück und schließt sich des weiteren der Interpretation des§ 35 an. die Abg. Flesch in zweiter Lesung gegeben hat, wonach eine Schulanstalt den Charakter einer ausschließlich gemeinnützigen Zwecken dienenden Anstalt nicht verliert, wenn auch einige wohlhabende zahlende Zöglinge aufgenommen sind. Endlich erklärt der Redner das Einverständnis seiner Freunde mit den Resolutionen Iderhoff und Eickhoff.
Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff bestätigt das Einverständnis der Regierung mit dieser Auffassung des§ 35.
Abg. Itschert(Ztr.) wendet sich gegen den Vorschlag einer Petition, die Höhe der Staatszuschüsse nach der Höhe der Kommunalsteuern zu berechnen.
Abg. Schiffer(natl.): Die Vorlage bedeutet für uns keinen Abschluß der Lehrerbesoldung, denn auch die von der Rechten als berechtigt anerkannten Forderungen der Lehrer sind nicht erfüllt. Wir behalten uns vor, bei günstigerer Gelegenheit auf unsere weitergehenden Forderungen zurückzukommen. Trotzdem können wir mit gutem Gewissen erwarten, daß vorläufig Ruhe unter den Lehrern eintritt. Die Verminderung der Spannung zwischen ländlichen und städtischen Lehrern wird zur Beseitigung der Landflucht und zur Kräftigung des Lehrerstandes beitragen. Dadurch, daß es nicht mehr notwendig sein wird, die jungen Lehrer zunächst auf das Land zu schickem, erwarten wir eine Gesundung unserer ländlichen Schulverhältnisse. Nach dem Wortlaut des Gesetzes haben auch die Gemeinden keinen Grund zur Beunruhigung, denn das Prinzip der Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit bei den Staatszuschüssen ist die beste Regelung. Es wird bei dem ganzen Gesetz freilich außerordentlich viel auf den Geist ankommen, mit dem es ausgeführt wird. Das Vorwärtsschreiten auf dem Gebiete der Volksschule ist um so schwerer, weil die Interessen der verschiedensten Faktoren: Staat, Gemeinde, Kirche, Lehrer und Eltern dabei miteinander in Konflikt kommen. Um so wertvoller ist das Zustandekommen des Kompromisses.(Bravol bei den Natl.)
Abg. Frhr. v. Zedlitz(freikons.) betont, daß die leistungsschwachen Gemeinden durch die Beschlüsse zweiter Lesung nicht benachteiligt werden
Abg. Cassel(Fr. Vp.): Auch wir halten an dem Ziele der Gleichstellung der Lehrer mit den Sekretären fest. Bedauerlich ist, daß in dem Gesetz nicht das Prinzip ausdrücklich ausgesprochen ist, daß nur leistungsschwache Gemeinden Staatszuschüsse erhalten sollen. Es wird durchaus leistungsfähige Gemeinden mit weniger als sieben Schulstellen geben, und es wird auch nicht leistungsfähige Gemeinden mit weniger als sieben Schulstellen geben. Wir erwarten, daß die Mittel möglichst gerecht verteilt werden. Bei dem uns vorzulegenden Verteilungsplan werden wir darauf zu achten haben, daß die Rezierung unparteiisch vorgeht. Wir hoffen, daß das Herrenhaus unseren Beschlüssen zustimmt und so dazu beiträgt, daß die mühsame Einigung zwischen den Parteien dieses Hauses nicht wieder zur Auflösung gebracht und die Verabschiedung des Gesetzes nicht verhindert wird.(Bravol links.)
Ein Regierungskommissax beiont, daß es verfassungswidrig wäre, wenn leistungsfähige Schulverbände einen dauernden Zuschuß aus dem Ergänzungsfonds bekommen würden.
Nach weiterer unwesentlicher Debatie schließt die allgemeine Besprechung. In der Spezialdebatte begründet bei§ 15, der von den Dienstwohnungen handelt,
Abg Marx(Ztr.) den Antrag Glattfelter. Gerade kleinliche Fragen über die Benutzung der Schulgebäude usw. führen zu unliebsamen Auseinandersetzungen zwischen Gemeinden und Lekrern, deshalb wünschen wir Normativ=Bestimmungen über diese Verhältnisse. Natürlich verlangen wir nicht Bestimmungen über die ganze Monarchie sondern für größere Bezirke. Die Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse dabei ist so selbstverständlich, daß wir sie im Gegensatz zum Antrag v. Ditfurth nicht noch besonders betont haben. Die Leistungsfähigkeit der Gemeinden wird ebenso selbstverständlich bei der Ausführung der allgemeinen Bestimmungen in Betracht zu ziehen sein.
Abg. Hackenberg(natl.) erklärt das Einverständnis seiner Freunde mit dem Antrag Glattfelter. Die Betonung der Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse halten auch wir für überflüssig, und die Aufnahme der Berücksichtigung der Leistungsfähigkeit ist sogar gefährlich, weil die allgemeinen Bestimmungen dann leicht von vornherein auf ein Mindestmaß beschränkt werden würden.
Abg, v. Tilly(kons.): Für uns ist die Art, wie der Antrag Glattfelter das auch von uns gewünschte Ziel erreichen will, unannehmbar. Soll etwa auf Grund solcher Bestimmungen ein Baubeamter alle Lehrerwohnungen nachprüfen und die Gemeinden zur Umänderung anhalten? Das würde große Beun