eiger.
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10 Pfennige die einfache Zeile oder deren Raum. Reclame=Zeilen 25 Pf.
Druck, Verlag und Expedition:
M. Fr. Knüppel, Buchhandlung und Buchdruckerei.
Standpunkt: Tentrum.
Organ für Politik, Unterhaltung, Landwirthschaft und Molkereiwesen.
Nr. 22.
Festkalender.
Sonntag, 30. Mai. Ferdinandus. Evang.: Lom Gebet. Montag, 31. Mai. Petronella.
Dienstag, 1. Juni. Nicomendes.
Mittwoch, 2. Juni. Marcellinus.
Donnerstag. 3. Juni. Christi-Himmelfahrt. Erasmus. Freitag, 4. Juni. Ouirinus.
Samstag, 5. Juni. Bonifatius.
der Märkte, welche in dieser Woche abgehalten werden:
Mai 31. Alten, Friedrichsdorf, Neuarenberg, Norden, Menslage, Soest, Dülmen, Westerholt, Wittmund.
Juni, 1. Bramsche, Kirchlengern, Uelsen, Bielefeld, Dins
laken, Emden, Lichtenvoorde, Lüdinghausen, Xanten.
Juni 2. Esens, Hörste, Dortmund, Emnmecich, Halver, Höxter und Corvey, Münster, Heek, Leer.
Juni 4. Versmold, Witten, Hengelo, Legden, Werl.
Juni 5. Ibbenbüren.
Fales und Provinzielles.
Billøeck, 27. Mai. Am verflossenen Dienstag 1 Den 25. z verweilte der Hochwürdigste Herr WeihCramer in unserer Stadt. Nachdem Hochderselbe ben hochw. Pfarrer hierselbst sein Absteigequar
tier
genomnen, brachte er zunächst an seinem Lieblings
e, in kr Ludgerikirche das hl. Meßopfer dar und später auch den Ludgerusbrunnen und Sterbe
e, 28. Mai. Die zahlreichen betrübenden
welche aus vielen Gegenden der Rheinprovinz
er verheerenden Wirkungen des Hagelwetters am vien Sonntag einlaufen, geben Veranlassung, die LandHaaelicran zu erinnern, ihre Feldfrüchte zeitig gegen chlag zu versichern. Die Prämien sind nicht hoch, tin man bedenkt, daß Tauende von Mark gerettet en konnen durch jährliche Ausgabe einer geringen Su
werSumme.
Samstag, den 29. Mai 1886
Hoffentlich hat das Unwetter vom vorigen Jahr die Wirkung gehabt, daß nur noch wenige Landwirthe die Versicherung nachzuholen haben; der Westfälische Bauernverein hat bekanntlich für seine Mitglieder besonders günstige Bedingungen.
Coesfeld, 22. Mai. An den Detachement=Uebungen der conbinirten 25. Infanterie=Brigade, welche zu Anfane September d. J. in der Nähe von Billerbeck stattfinden, nehmen Theil 6 Bataillone, 5 Escadronen, 4 Batterien und 1 Pionier=Compagnie. Zu dem nach endigung derselben abzuhaltenden Manöver der 13. Division zwischen Billerbeck und Dülmen werden herangezogen 13 Bataillone Infanterie, 10 Escadronen Cavallerie, 8 Feld=, 3 reitende Batterien, 2 Pionier=Compagnien und 2 Train=Detachements. Die Stadt Coesfeld und Umgegend wird sich demnach in der ersten Hälste des Monats September auf starke Einquartierung bereit zu halten zu haben.
Darfeld, 25. Mai. Gestern Abend verunglückte zwischen hier und Höpingen der Fuhrmann eines Münster'schen Handlungshauses. Derselbe soll beim Herunterspringen vom Wagen gefallen, und unter die Räder gekommen sein, so daß der Tod sofort eintrat.
Münster, 24. Mai. Das Sakrament der hl. Firmung wird im Laufe dieses Sommers gespendet werden vom hochwürdigsten Herrn Bischof Johann Bernard in den Decanaten Ahaus und Steinfurt, und vom hochwürdigsten Herrn Weihbischof Cramer in den Decanaten Kempen, Borken, Tecklenburg; für die drei letzten Decanate ist die Zeit bereits festgesetzt, und zwar für Kempen die Zeit vom 6.—24. Juli, für Borken vom 16.—28. August, für Tecklenburg vom 13.—21. September.
Münster, 25. Mai. Das Gewitter vom Sonntag Nachmittag, welches hier fast spurlos vorübergezogen ist, hat in andern Gegenden stellenweise recht schlimm gehaust. In Arnsberg hat der Blitz= an der Propsteikirche die Südwestseite des kleinen Thurmes abgedeckt. Auch in die große Eiche, die sog.„Königseiche", auf dem Klosterberge hat es eingeschlagen. In Asbeck bei Balve schlug der Blitz in das Wohnhaus des Gutsbesitzers Schulte=Asbeck und zündete. Das Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Der älteste Sohn, welcher während des Gewitters am Fenster des Woynzimmers saß, wurde vom Blitze
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an einer Seite gelähmt und mußte fortgetragen werden. - In Grübecke ging starker Hagelschlag nieder, der in den Feldern großen Schaden anrichtete. Auch bei Uentrop
schlug der Blitz in ein Haus. In der Umgegend von Bremen und im Oldenburgischen haben Blitzschläge vielfach gezündet. Von Delmenhorst, in dessen unmittelbarer Umgebung ein großer Bauernhof abbrannte, sah man gleichzeitig an fünf Stellen Feuer. Aus Oldenburg meldet die „O. Ztg.": Das gestern über unserer Stadt und deren Umgegend ausgebrochene heftige Gewitter hat viel Unheil angerichtet. An der Alexanderstraße fuhr der Blitz unmittelbar vor mehreren Passanten in einem Eichenbaum. Auf dem Pferdemarktplatz wurde ein Baum durch den Sturm umgerissen. In Ocholt brannte die Torfstreufabrik der Bremer Actiengesellschaft nieder. An vielen anderen Stellen wurde am Abend weithin leuchtender Feuerschein fichtbar. In Rastede wüthete gestern Morgen ein Hagelwetter. Aehnliche Berichte kommen vom Rhein. Bei Düsseldorf hat ein Hagelwetter großen Schaden angerichtet. Von den vielen Blitzschlägen ging einer auf die Restauration des Drachenfels nieder. Mit surchtbarem Knall fuhr der elektrische Strahl zum Schrecken der vielen Anwesenden in die Telegraphendrähte, welche zerrissen wurden bezw. schmolzen. Einer Dame wurden die Haare versengt. Sonstiger Schaden wurde nicht angerichtet. Bei Koblenz sind viele Blitzschläge zu verzeichnen. Aus Wiesbaden wird gemeldet: Mittags gegen 5 Uhr ist eir starkes Gewitter mit Hühnerei großem Hagel hier eingegangen. Bäumen und Feldfrucht wurde großer Schaden angerichtet. Im Conversations=Saale des Curhauses wurde das Oberlicht zerschlagen.
Münster, 26. Mai. Das Gewirter vom Sonntag hat namentlich am Rhein arg gebaust. Von aller Seiter laufen Berichte ein über Blitz hläge, Hagelscha er und wolkenbruchartigen Regen. Am schlimmsten lauten die Nachrichten aus Bingen und Umgegend. Ein wolkenbruchartiger Regen und Hagelschlag richtete in den Weinbergen ganz ungeheuere Verwüstungen an, die erst heute theilweise annährend beurtheilt werden können. Besonders in dem Scharlachberg und der Eifel, diesen beiden vorzüglichsten Lagen, wurden ganze Weinberge weggeschwemmt und auf Jahre ertragsunfähig gemacht. Die Weinstöcke wurden mit ihren Wurzeln ausgerissen und die Pfähle
Roman von Fr. Klinck.
(21. Fortsetzung)
Der Syndikus Reinbold war nicht wenig erstaunt, als ihm Mynheer van Holten, von dem die Gesellschaft nicht genug zu sprechen wußte, gemeldet wurde, aber er fand nicht Zeit, an das Erstaunen etwaige Betrachtungen zu knüpfen. Im nächsten Augenblick stand ihm der Fremde gegenüber, ihm ehrerbietig, aber kühl begrüßend. Armin fand keine Veranlassung zu einer weitläufigen Auseinandersetzung, und so erklärte er nach einigen oberflächlichen, einleitenden Worten dem Syndikus rundweg, daß er um einer besonderen Angelegenheit willen den Aufenthaltsort der Frau Syndikus Reinbold zu ersahren wünsche
Im nächsten Augeublick mußte Armin erkennen, daß es besser gewesen sein würde, dem Syndikus diese Frage nicht so ohne Weiteres vorzulegen. Fahle Blässe überzog das Gesicht des alternden Mannes und er taumelte zurück, wie von einem giftigen Reptil berührt.
„Was geht das Sie an, wo meine Gattin weilt?" rang es sich keuchend aus seiner Brust hervor, indem er sich mit der Hand schwer auf den Tisch stützte.
„Herr Syndikus Reinbold, es ist eine lange Geschichte, die ich Ihnen mittheilen müßte, wenn ich Ihre Frage beantworten wollte. Frau Agathe Reinbold allein vermag mir Ausknnft über ein Wesen zu geben, das mir sehr nahe steht."
Das Gesicht des alternden Mannes war noch fahler geworden; er schien dem Umsiken nahe zu sein.
„Und dieses Wesen, das Ihnen nahe steht, wer ist das?" stieß er hervor.
Armin sah auf den alten Mann mit wachsender Besorgniß; nicht die leiseste Ahnung hatte er von dem wahten Seelenzustand, in welchem sich der Syndikus befand.
„Herr Syndikus, Sie kennen die Vergangenheit der Steinecker'schen Familie?"
Der alte Mann fuhr sich über die Stirn, als müsse er einen bösen Schatten verscheuchen. Ein Mitglied jener Familie batte ihn um Glück und Frieden gebracht, und der ganze wilde Schmerz durchraste neu aufgestachelt seine Brust. Halb unbewußt nickte er mit dem Kopfe.
„Sie erinnern sich Armin Steinecker's?" fragte der Andere weiter.
Wieder neigte sich das graue Haupt des alten Mannes bejahend.
„Ist Ihnen sein Schicksal bekannt?" ertönte von Neuem des Anderen Stimme.
Wie ein Blitz fuhr es über des Syndikus Gesicht
und um seine Lippen zuckte es.
Diesen Namen— nie wieder hoffte ich ihn hören zu müssen, der allen Schmerz in mir wachrüttelte, den ich lange begraben wähnte. Was, was wissen Sie von Armin Steinecker, daß Sie mit dieser Frage vor mich hintreten, mein Herr?" fuhr er den Besucher heftig an.
Wehmüthig glitt es über des Fremden Züge.
Ich kannte ihn einst als einen lebensfrohen Jüngling, bevor er sein Elternhaus verließ und hinauszog als fahrender Künstler in die weite Welt," sprach er bewegt.
Ehe er sein Elternhaus mit Schmach und Schande bedeckt verlayen mußzte!" grollte der Syndikus finster und seine Stirn legte sich in düstere Falten.„Kein Segenswunsch der Seinen gab ihm das Geleite auf seinem Weg in das große Leben hinaus. Fried= und heimathlos irrte er umher, bis ihn seine Abenteuersucht nach seiner Vaterstadt zurückführte und ihn hier elend zu Grunde gehen ließ."
„Sie wissen, was aus ihm ward?"
„Ja, er ist todt!" murmelte der Syndikus dumpf.
„Toor!" sprach der Fremde bitter.„Haben Sie die Beweise davon?"
Der alte Mann fuhr zusammen.
„Mein Herr, wer sind Sie, daß Sie diese Fragen an mich stellen?" stieß er heiser hervor.
„Wer ich bin?“ antwortete der unter dem Namen
Mynheer van Holten eingeführte Besucher, und jedes Wort traf wie ein Dolchstich des Greisen Herz.„Wer ich bin? Herr Syndikus, sehen Sie mich genau an. Armin Steinecker, den alle Welt begraben glaubt, ist nicht todt!
Er lebt— er steht vor Ihnen!"
Wie ein Keulenschlag traf den ahnungslosen alten Mann die Botschaft, die er so plötzlich vernehmen sollte. Wie von einer unsichtbaren Hand getroffen, taumelte er zurück und zweifellos wäre ei zu Boden gestürzt, wenn nicht Armin zu seinem Beistand schnell herbeigesprungen wäre.
Aber nur Minuten währte die Machtlosigkeit, die ihn überkommen hatte, dann, sich mit einer gewaltigen Kraftanstrengung wieder aufrichtend, stand er Armin gegenüber, ihn mit Blicken betrachtend, die geignet schienen. bis auf den Frund seines Herzens zu dringen.
Ja, ja! Das war keine Lüge. Er hatte Armin Steinecker erkannt, nur zu gut. Seine Züge waren wie mit eisernen Griffel in sein Herz geschrieben. Es waren dieselben offenen, ehrlichen Augen, die einst alle rauenherzen erorbert, auch das seines so innig geliebten Weibes.
Einen Augenblick war es ihm, als müsse er sich auf den Mann stürzen, den er wie seinen Todfeind haßte, um ihn zu erdrosseln.
Er hatte ihm sein Lebensglück gestohlen und nun kam er, ihm auch das Letzte zu rauben, was ihm in den Strümen, die er allerdings mit eigener Hand über sich heraufbeschworen, übrig geblieben— den Glauben an Agathe's Schuldlosigkeit, der sich ihm seit dem Tage, als sie ihn verließ, aufgedrängt.
Sie hatte ihn getäuscht. Armin Steinecker war nicht todt,— er lebte und sie— sie—
„Verrathen!" rang es sich heiser von seinen Lippen.„Wenn Du Armin Steinecker bist, so sage du mir, wo sie geblieben ist, der Du mir Alles genommen hast, woran mein Herz gehangen haj."
Armin richtete sich stolz auf.