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Nr. 13
Samstag, den 1. Dezember 1923
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Der Wächter vom Nahlen Asten
Monatsbeilage zur Sauerländer Zeitung.
Druck und Verlag von Hans Albrecht, Brilon.
Altenbrilon.
Auf der Nordseite der Stadt Brilon in einer Entfernung von einigen hundert Schritt steht auf einer Wiesenfläche einsam eine weithin im östlichen Teile der Briloner Feldmark sichtbare Kapelle. Sie ist ungefähr 20 Fuß lang, ebenso breit und 18 Fuß hoch. Vor derselben befindet sich auf der westlichen Seite eine ziemlich große, auf vier Pfosten ruhende Vorhalle. Auf dem Dache ist als Turm ein kleiner Dachreiter mit einem gegen 40 Pfund schweren Glöckchen. Vor der Kapelle ragen 2 Linden empor, die vor ungefähr 200 Jahren gepflanzt sein mögen. Sie breiten ihre Zweige und Aeste wie schützende Arme über die Vorderseite und das Dach der Kapelle aus und erfüllen den einsamen Beschauer und Beter mit Gefühlen tiefen Ernstes und hl. Andacht, wenn sie bald leise bald laut, vom sanften Lufthauche oder vom Sturmwinde bewegt, mit ihrem Rauschen die Stille unterbrechen und von den Tagen der Vorzeit zu erzählen scheinen. Ringsumher sieht man Ueberreste von Mauern und Gräben, und nicht weit davon ist eine nie versiegende Quelle, die den schönen Namen der„Glockenborn“ führt. Das ist Altenbrilon, und so wird die Kapelle noch in den spätesten Zeiten genannt werden, obwohl man neuerdings sich bemüht, den Namen Hubertuskapelle volkstümlich zu machen, ein Name, der nun auch im Schematismus der Paderborner Diozese Aufnahme gefunden hat.
So fremdartig das Wort Brilon klingt, wenn man es zum ersten Male hört, so ist es doch echt deutsch. Die letzte Silbe des Wortes lon, bildet zugleich ein Wort für sich. Es heißt Lon, Lo oder Loh und bedeutet Hain, Wald, auch Buschwerk. 1) In Hainen neben Quellen, umrauscht von den Zweigen der Buchen und Eichen, wohnten unsere alten Väter gern. Daher so viele Namen von Ortschaften, die auf Lo oder Lon endigen. So leicht die zweite Silbe zu deuten ist, so schwierig ist es mit der ersten. Wir haben auch nicht die leiseste urkundliche Andeutung, die uns irgendwie auf eine dem Ziele näher führende Spur hinlenkte. Da wo Brilon zuerst in den Urkunden der ältesten Zeiten genannt wird, ist die Schreibweise der jetzigen gleich. Es wird Brilon geschrieben. In einer Urkunde vom Jahre 11842) wird es genannt Briloin; in einer andern vom Jahre 1256 kommt auch vor Brielon. Im 14. und 15. Jahrhundert wird häufig Brylon, noch später auch mitunter Brilen, Breilen und Brilohn geschrieben; oft kommen in den späteren Jahrhunderten alle diese Formen in derselben Urkunde vor, zumal wenn sie in deutscher Sprache geschrieben ist.
Es beweist dieses, daß das Wort in dieser Form schon lange gebräuchlich gewesen ist, so daß die ursprüngliche Form der ersten Silbe gar nicht mehr in der Erinnerung geschwebt hat. Die Silbe Bri ist offenbar eine Abkürzung und steht wahrscheinlich für bride, brede d. i. breit. Es hieße daher Brilon ursprünglich Bredelon d. i. Breitlon, das Lo oder der bewohnte Hain, der sich weithin ziehl und eine große Ausbreitung hat. Auch könnte es bedeuten das Lo, das sich auf der Brede, auf weit ausgebreiteter Ebene und hier Hochebene besindet, so daß man unwillkürlich an die Bemerkung erinnert würde, die schon der alte Hamelmann in Bezug auf Brilon macht, indem er sagt:„Briloniae oppidum primum istis regionibus, situm in latis campis",„Brilon ist eime Stadt in jenen Gegenden; es liegt in weit ausgebreiteten Ebenen.“3) Aehnliche Beispiele aus unserer Nähe sprechen für die Wahrscheinlichkeit dieser Herleitung. So heißt Bredelar Breittal und wird im gewöhnlichen Leben Breiler, Breler ausgesprochen; auch findet sich die Schreibweise Brilar und Bridler. Der kleine Bach, der etwas oberhalb Hoppecke in den Fluß gleichen Namens fällt, heißt Bremecke, auch Breimicke und Bramicke, d. i. Bredenbecke, wie er auch in alten Urkunden genannt wird. Dann haben wir Ortschaften, die Brobecke und Brabecke genannt werden und alle die breite Becke bedeuten. Ich könnte noch andere Gründe zur Bestätigung der angegebenen Herleitung anführen, allein ich halte das Gesagte für hinreichend. Soviel über den Namen von Brilon.
Wenden wir uns nun Altenbrilon zu, so stößt uns gleich die schwierige Frage auf: Wie ist Altenbrilon in solh unmittelbarer Nähe von Brilon entstanden? Ohne bestimmte Beweise dafür erbringen zu können, muß man wohl folgendes /annehmen: In der ältesten Zeit, als Brilon noch nicht von * Wall und Graben umgeben war, lagen sicher auch außerhalb der geschlossenen Häusermasse ringszerstreut einzelne Höfe, die zusammen mit der ersteren den Namen Brilon führten.
Diese waren besonders zahlreich auf der Nordwest= und Nordseite, da hier reichlicher Quellgrund vorhanden ist. Eine sehr geeignete Fläche für Niederlassungen bot namentlich die Nordseite von Brilon dar, weil hier der Boden ganz beson ders reich an Quellen ist, die zu den besten der Briloner Um gegend gehören und nie versiegen.
Als dann gegen das Jahr 1184 der Erzbischof Philipp von Heinsberg den Ort zuerst mit stärkeren Befestigungsmauern zu umgeben suchte und Engelbert der Heilige diese späterhin ausführte und dem Orte volle Stadtrechte verlieh, schloß man, um den Befestigungswerken keinen zu großen und für die Verteidigung zu beschwerlichen Umfang zu geben, auch um der Stadt eine mehr regelmäßige Gestalt zu geben,—
sie ist kreisförmig gebaut, was auf Plan und Ueberlegung hindeutet— verschiedene Häusergruppen aus. Unter diesen war die auf der Nordseite, bei der sich eine Kirche befand, wie wir später hören werden, die bedeutendste. Weil sich dort neben der Kirche auch noch ein Haupthof befand, dessen Besitzer sich„von Brilon“ nannte, so hielten sich hier noch längere Zeit Häuser, während die übrigen schon längst in die Stadt verlegt waren. Da nun dieser Teil von Brilon nicht von den Stadtmauern umgeben und somit in die neue Entwickelung nicht hineingezogen wurde, in Verhältnissen blieb, während der andere ein neues blühendes Leben entwickelte, so bekam er allmählich den Namen Altenoder Aldenbrilon. Nichts anderes soll mit bezeichnet werden; denn der Teil, wo die alte Pfarrtirche steht, in deren Nähe sich das Rathaus und der Marktplatz befinden, ist der älteste, was alles schon durch die genannten Bauten und den genannten Platz hinlänglich bewiesen wird. 4)
Der Name Aldenbrilon kommt zuerst vor in dem Verzeichnis des Marschallamts von Westfalen aus den Jahren 293—1300, wo unter den Gütern, mit denen die Gebrüder von Spiegel zum Desenberge belehnt werden, auch die Güter „to Alden Brilon“ genannt werden. 5) Dann kommt in einer Urkunde vom Jahre 1300 unter dem Ratsherrn der Stadt Brilon Godefridus de antiquo Brilon(von Aldenbrilon) vor. 6) Im Jahre 1338 wird von dem Grafen Gott
1370—1414 wird Friedrich von dem neuen Hause in Padberg belehnt nebst anderen Gütern mit der curtis(Haupthof) in Aldenbrilon und den dazu gehörigen Lehnsleuten(et homines feudales eidem attinentes). Andere Urkunden werden uns im weiteren Verlaufe der Darstellung noch begegnen.
Das Ergebnis meiner Forschungen über Altenbrilon fasse ich in die beiden Sätze, die ich näher beleuchten und nachweisen werde, zusammen:
1. Zu Altenbrilon war der Sitz einer Ministerialien=Familie oder einer Familie, die dem niederen Adel angehörte, und diese nannte sich„von Brilon“.
2. Zu Altenbrilon war eine Kirche, welche mit PfarrRechten ausgestattet war.
Wie wir schon früher gehört haben, gab Kaiser Otto I. seine in Brilon gelegenen Güter der erzbischöflichen Kirche in Magdeburg, die er gegründet hatte. Die von ihm gemachte Schenkung bestätigte sein Sohn Otto II. im Jahre 973. Was alles zu diesen Gütern gehört hat, ob sie zu einem in Brilon gelegenen Haupthofe(curtis) gehört haben, wo dieser Haupthof näher gelegen hat und wie lange, die erzbischöfliche Kirche in Magdeburg im Besitze derselben gewesen ist, über all diese Fragen sind wir nicht näher unterrichtet. Erst gegen das Jahr 1220 tauchen 2 Brüder, Hermann und Gernand, auf, die sich von Brilon nennen. Von diesen kauft der Kölner Erzbischof, Engelbert der Heiligg, die Anrechte, die sie am Grund und Boden hatten, auf dem die Stadt steht. Wie weit sich diese Rechte erstreckten, wissen wir wieder nicht. Erst aus einer späteren Urkunde aus dem Jahre 1257 8) erfahren wir, daß sie mit ihren Gütern zu Brilon angeblich belehnt waren von dem Grafen zu Waldeck, der Vogt oder Schutzherr der bischöflichen Kirche in Paderborn war. Die Kirche in Paderborn suchte jenen Verkauf als ungültig rückgängig zu machen, weil sie als obersten Lehnsherr die Genehmigung dazu nicht gegeben habe. Die Streitfrage wurde in Rom anhängig gemacht und durch dazu bestellte Schiedsrichter untersucht. 9) Jedenfalls sind die Ansprüche der Paderborner Kirche als unstatthaft abgewiesen, weil sie nie wieder erhoben sind. 10) Von diesen beiden Brüdern wohnte Hermann auf einer Kurtis(Haupthof) in der Nähe der Altenbriloner Kapelle, der andere baute sich neben einem Fischteiche im niederen Quartal an. Er führte den Namen„von Brilon“ nicht weiter fort, sondern nannte sich de piscina, von Piskink oder vom Fischteich, vielleicht, weil ihm der Erzbischof von Köln diese Bezeichnung„von Brilon“ aus verschiedenen Gründen nicht gestatten mochte.
Es scheint, daß beide Brüder, sowie ihre Vorfahren nicht aus Brilon stammten, sondern daß sie zuerst mit den Gütern belehnt sind und sich in Brilon niedergelassen haben. Die Familie der Gernand de piscina wird um das Jahr 1277 zum letzten Male erwähnt und verschwindet dann für immer aus der Geschichte. Ihre Wohnung, noch im 16. Jahrhundert die Burg genannt, war ein großes, burgähnliches Gebäude und kam später in den Besitz der Abtei Bredelar, die es teilweise als Zehnthaus benutzte. Es spielte früher eine bedeutende Rolle in der Geschichte der Briloner Jugend. Am Petritage, den 22. Februar, zog diese, geführt von den Lehrern und mit den sogenannten Sonnenvögeln versehen, dahin und wurde dann von dem Zehntpater des Klosters Bredelar reichlich mit Nüssen und Aepseln beschenkt. Das alte massive Gebäude brannte in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts nieder.
Fast ein Jahrhundert länger blühte der andere Zweig, der seinen Sitz in Altenbrilon hatte und sich„von Brilon“ nannte. Hermann, der gegen 1248 schon tot gewesen sein muß, hinterließ drei Brüder, Swicker, Ulrich und Ambrosius, die in Urkunden erwähnt werden. Der Sohn des Schwicker, der 1283 schon gestorben war, hieß wieder Schwicker und war Ritter. Sein Sohn hieß Engelbert, der den Beinamen„der Ehrenfeste“(Erntveste) führte. Er wird in Urkunden nicht weiter erwähnt. Um so häufiger wird seit dem Jahre 1334 sein Sohn und Nachfolger, der Ritter Siegfried von Brilon, aufgeführt. Er wird in Urkunden aus diesem Jahre, sowie aus den Jahren 1335 und 1341 genannt. In dem letzten Jahre wurde er von dem Edelherrn Simon zur Lippe=mit dem Zehnten zu Wersinchusen(Versinghusen am Frettholze) belehnt. Im Jahre 1353 wurde diese Belehnung wiederholt und er empfing in demselben Jahre von Graf Otto XIII. von Everstein den Zehnten zu Rösenbeck, einen Hof zu Bokenscheide und Güter zu Rattler im Waldeckschen zu Lehn. Ebenso wird er noch in mehreren anderen Urkunden aus späteren Jahren als Zeuge aufgeführt, wo er dann genannt wird„Her Ziverd van Brilon, ein erwerdigh Ritter" oder auch„Her Syfreyd van Brilon Ridder“. Das Geschlecht starb aus mit dem Knappen(Knapen, famulus) Hartmann von Brilon, der wahrscheinlich ein Sohn Siegfrieds war. Dieser wird erwähnt in einer Urkunde vom 1. November 1358, worin er den vierten Teil seines Zehnten zu Ledricke für 100 Mark Soester Pfennige an Johann von Padberg wiederkäuflich versetzte. Er nennt in dieser Urkunde seing Erben nur im allgemeinen, wohne eine Frau oder Kinder oder sonstige Verwandte zu erwähnen und ist somit der letzte Zweig seines Stammes gewesen, der nach ihm, wie schon bemerkt ist, nun seit der Mitte des 14. Jahrhunderts in der Geschichte verschwindet. 11)
Ihr Wappen besteht aus einem Rosenkranze, der sich auf einem Schilde befindet. Der Rosenkranz besteht gewöhnlich aus zwei Zweigen, die sich ineinander biegen und Rosen bald mit Blättern und Dornen, bald ohne dieselben haben. Das Siegel und Wappen der Stadt hat hiermit nichts gemein. Es scheint, daß späterhin die Nebenfamilie der Padberger, die sich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Scharfenberg niederließ und sich deshalb auch von Scharfenberg nannte, in den Besitz des größten Teiles der dieser Familie gekommen ist. Diese erbaute sich späterhin eine befestigte Burg„tho dem Scarpenberg“, erwarb in Brilon das Bürgerrecht und hatte hier eine Wohnung auf dem alten Steinwege nicht weit vom Kreuziger Tore, und das Andenken daran hat sich erhalten in dem Ausdrucke„dei Scharpenberger Hoav“ oder„up dem Scharpenberger Hoave“, womit man noch bis auf den heutigen Tag gewisse Häuser, in deren Nähe jener Hof gestanden hat. bezeichnet, nachdem seit viertehalb Jahrhunderten jene Familie längst aus Brilon verschwunden ist. Die Burg der alten Herren von Brilon muß dann nach dem Aussterben des Geschlechts in den Besitz
schaft von Nonnen bewohnt worden ist, und daß darauf die Sage beruht, es hätte bei Altenbrilon ein Nonnenklosten gestanden, was von Steinen als geschichtliche Tatsache anführt. 13) Soviel über dieses edle Geschlecht, welches in Brilon blühte, als die Stadt unter der sorgsamen und väterlichen Pflege der Erzbischöfe zu Köln sich zu neuem Glanze erhob, und dessen Herrlichkeit erlosch, als auch Brilon den Gipfelpunkt seiner Blüte erreicht hatte, von der es, wie auch die Städte in naher und ferner Nachbarschaft, immer mehr sank. Wir besprechen jetzt kurz den zweiten Punkt.
In Altenbrilon war eine Kirche, die mit Pfarrechten versehen war.
Wenn man die oben beschriebene Kapelle Altenbrilon im Innern näher besieht, dann entdeckt man in der westlichen Wandseite einen großen Spitzbogen, der fast die ganze Wandfläche einnimmt und bis auf eine Türöffnung zugemauert ist. Faßt man dieses ins Auge, sowie die ganze Bauart der Kapelle, namentlich die beiden Fensternischen, so drängt sich bald die Vermutung auf, daß man es hien mit einem Bau zu tun hat, dessen Entstehung in verschiedene Zeiten fällt, und daß die westliche Wandseite mit ihrem
Spitzbogen auf einen größeren Vorbau hindeutet. Diese Vermutung wird zur vollen Ueberzeugung, wenn man außerhalb der Kapelle auf der Westseite den Mauerabschluß derselben näher untersucht, sowie die Beschaffung des Bodens in der Nähe der Kapelle. Man überzeugt sich da gleich, daß man auf der Westseite an der Erhebung des Bodens die Mauern eines alten Gebäudes verfolgen kann. Bei
Nachgrabungen, die der Schreiber dieser Zeilen gelegentlich anstellen ließ, stieß man überall auf Mauerreste, die kaum
einen halben Fuß unter dem mit Gras bewachsenen Boden verborgen liegen, und es stellt sich heraus, daß da, wo jetzt die Kapelle steht, in alter Zeit das Chor einer Kirche gestanden hat, die eine Länge von mehr als 100 Fuß gehabt hat. Daß auf diesem Platze in alter Zeit eine größere Kirchgestanden hat, wird auch durch eine alte, ebenso schlichte als volkstümliche Sage bestätigt, die ich mitteilen will, sowie ich sie in meiner Jugend gehört habe. Sie lautet
Bei Altenbrilon habe einst in alten Zeiten eine Kirche nebst einem Kloster gestanden; diese seien in die Erde versunken; an den Vorabenden großer Feste töne noch das Glockengeläut der versunkenen Kirche herauf und man könne es bei dem sogenannten Glockenborn noch deutlich vernehmen. Derartige Sagen kommen an vielen Orten vor; sie deuten alle darauf, hin, daß an dem Orte, an welchen sich die Sage anlehnt, eine Kirche zu Grunde gegangen ist, was die Volkssage eben so sinnig als bedeutungsvoll ausdrückt durch die Wendung, sie sei dort i ndie Erde versunken. Zu all diesem kommt noch eine örtliche Bezeichnung, die nicht von geringer Bedeutung bei den vorher erwähnten Tatsachen ist. In ganz geringer Entfernung von der Wiesenfläche, auf welcher die Altenbriloner Kapelle steht und die eben besprochenen Mauerüberreste sich befinden, ist nach Nordwest hin ein Teich mit einer nie versiegenden Quelle, die den Namen„Glockenborn“ führt. Wenn wir an andere ähnliche Ausdrücke denken und ihre Bedeutung, als: Glockenweg, Glockenpfad, welche weiter nichts bedeuten, als den Weg oder Pfad, der zur Kirche führt, dann soll hier mit dem Worte Glockenborn der Born bezeichnet werden, der sich in der Nähe der Kirche befand: Durch diese Bezeichnung sollte er zudem auch wohl unterschieden werden von dem in der Nähe befindlichen Hasselborn, wo eine der vortrefflichsten Quellen um Brilon ist, bekannt unter dem Namen des Bartholomäusbrünnchens. Nehmen wir dazu noch, daß auf dieser Seite von Brilon, wegen der früher näher bezeichneten Bodenbeschaffenheit in alten Zeiten gewiß viele Höfe zerstreut umber lagen, dann oas Bedürmis einer Kirhe in dieser Gegend auf flacher
ee deten ossaate hinreicht, den Nahweis, daß hier,
Kirche gestanden hat, hinreichend zu liefern, so kommt
noch h zu de desoenalche Mitteilung des Gelenius im An
de des 17. Jahrhunderts, die sich in seinem bereits angeme diceete velmoet. Es heißt darin:„Zwischen der k ggeier und dec. Stadt be'indet sich eine alte Pfarv de nau jetzt noch wohl erhalten ist."14) Wenn
auch die Bezeichnung der Kirche als einer Pfarrkirche eeonen wollen, dann ist doch nun soviel sihes
größere Kirche gestanden hat, die gegen das Jahr 1610 noch vorhanden war.
(Schluß folgt)
1) Ein solches Lo, Lon, auch Loh oder Loin geschrieben, entspricht dem lateinischen lucus, nemus, wofür in den lateinischen Uebersetzungen auch silva und saltus vortommt. So heißt es in einer Urkunde aus dem Jahre 855 in Kindlingers Münster. Beiträgen II Nr. III„in silva quae dicitur hornlo“.„In Saltu, qui dicitur Winnilo“. Es wird gewöhnlich damit bezeichnet ein Gehölz, Buschmerk, kleiner Wald, in dem Häuser zerstreut umherliegen. Man findet Ekenlo, Bokenlo, Hornlo, woraus hervorgeht, daß ein Lo nicht gerade aus Eichen bestehen muß. In der Gegend von Brilonhaben wir noch das Hoygerlo— jetzige Hölsterlo—, das Kirchlo, das Pilgrimslo— von den Leuten Pisemerslo genannt—, dann das große und kleine Lo bei der Düggeler zwischen dem Flautsberge und Bulster. In allen diesen stand/ vorzugsweise Buchenbolz, in den beiden letzten sogar vorwiegend Haseln. Der Orte indes, die in alten Zeiten auf ein lo und lon endigten, gibt es eine große Menge; sie sind in der Regel uralt.— 2) Diese Urkunde ist in mancher Beziehung sehr wichtig. Es läßt sich daraus mit der größten Wahrscheinlichkeit folgern, daß Brilon schon im Jahre 799 unter Karl dem Großen dem Papste Leo III. bei seiner Anwesenneit in Oberstadtberge gedient hat zur Bestimmung des Zehnten, welcher der dortigen Benediktinerpropstei eingeräumt wurde.— 3) Erwähnt sollen hier noch 2 andere Herleitungen des Wortes Brilon werden. Die eine stammt schon aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und findet sich in dem angegebenen geschichtlichen Sammelwerke des Joh. Gelenius. Brilon wird da genommen für Blilon oder Bleilon, sodaß es seinen Namen erhalten habe von den Bleigruben der Umgegend. Ich glaube, daß Brilon da gewesen man in der Umaegend Blei gesucht hat. In neuesten Zeit hat Dechant Kampfschulte in den„Blättern zur naheren Kunde Westfalens" Nr. 3 des Jahres 1868 uno an einigen
der Padberger Familie gekommen sein. Denn in dem Lehns anderen Stellen diese Herleitung wieder aufgefrischt, ohne register des Erzbischofs Friedrich III. von Köln vom Jahre sie jedoch entschieden in Schutz zu nehmen. Die andere Her
1370—1414 heist es auf S. 11, daß Friedrich vom neuen Hause zu Padberg belehnt sei mit dem Haupthofe zu Aldenbrilon und den dazu gehörigen Lehnsleuten. 12)
Die Burg der Herren von Brilon, die in Altenbrilon
fried IV. von Arnsberg belehnt Jakobus voh Hortepe Soppte) se dann allmäblich in Verfall geraten zu sein.
Lehnsregiste de Erzbischofs von Köln aus den JahrenEs ist möglich, daß dieselbe eine Zeit lang von einer Genossen
leitung ist die unseres Landsmannes Seibertz. Er meint (vergl. Quellen II. 102) Brilon käme her von Brülo, Brulon, Brüillon, Broilium und damit würde ein Ort bezeichnet, der stark mit Holz bewachsen und mit Mauern oder Wällen umgeben sei.— Wäre diese Herleitung richtig, dann ginge daraus hervor, daß Brilon gleich bei seiner Entstehung