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mittels des sogen. Lösepfennigs geregelt. Jedenfalls wird sich mancher frühere Marktbesucher dieses Standgebilde noch vorstellen können.
Die Zunft besaß als gemeinschaftliches Eigentum eine in der Harbeke liegende Lohmühle, die durch Wasserkraft getrieben wurde. Diese wurde den hiesigen Gerbern zum Mahlen der Gerblohe gegen ein geringes Entgelt pachtweise überlassen. Daher waren auch die Gerber Mitglieder der Zunft. Nachdem diese Lohmühle baufällig geworden war, faßte man gegen 1880 den Beschluß, die Mühle zu veräußern. Sie wurde von dem damaligen Gerber Anton Hellwig käuflich erworben. Leider ist diese alte historische Mühle allmählich in sich verfallen und nach und nach mit dem Aussterben der alten Zunft verschwunden.
Nächst den Handwerkerinteressen hegte und pflegte die Zunft auch höhere Ziele. Seit Menschengedanken stand etwa ½ Stunde südlich von Medebach auf dem sogen. Bohlen das von der Zunft gestiftete Schusterkreuz. Der Weg zu mehreren Jahrmärkten führte an demselben vorbei, und es galt bei nächtlicher Reise als Richtzeichen oder Wegweiser. Dieses Kreuz hatte durch die Witterung so gelitten, daß 1880 an dieser Stelle ein neues errichtet wurde. Infolge der Verlegung der Feldwege durch die Separation mußte das Kreuz 1893 versetzt werden. Allmählich verfiel es und verschwand. Die hiesigen Schuhmachermeister haben die Absicht, an dieser Stelle ein neues Kreuz zu errichten.
War ein Zunftmitglied oder dessen Frau gestorben, so wurde die Leiche von den Kollegen zu Grabe getragen. Die Zunft besaß ihre eigene Totenbahre nebst Totentuch, die bei dem zeitigen Obermeister aufbewahrt wurden. Dieser alten Zunft gereicht es zur Ehre, daß aus den damaligen Schuhmacherfamilien eine Reihe Priester und Ordensleute hervorgegangen sind. Es seien erwähnt die Theologen Föhrer, der zeitweilig Direktor des Briloner Progymnasiums war, Ricken, gest. als Pfarrer in Egeln(Sachsen), Köster, zuletzt Pfarrer in Brunskappel, gest. im Krankenhaus zu Meschede, ferner Benefiziat Dom. Althaus, gest. zu Medebach. Zwei Jünglinge sind erst spät, nachdem sie bereits das Schuhmacherhandwerk erlernt hatten, in den Priesterstand eingetreten: Franz Falkenstein, geb. am 21. 10. 1788 zu Medebach, gest. als Pfarrer zu Neuhoff bei Fulda am 29. 12. 1836, ferner Franz Schröder, geb. 1868 zu Medebach, jetzt tätig als Pater und Religionslehrer zu Wien.
Leider haben die Nachkömmlinge dieser Zunftmeister die Auflösung der Zunft zu Anfang dieses Jahrhunderts vollzogen. Auf Antrag kam vorhandene Kassenbestand durch den Schuhmachermeister Ed. Schmidt folgenderweise zur Verwertung: Der größte Teil des Barvermögens wurde dem Mariasaalschen Meßbündnis zu Kärnten(Oesterreich) übermit der Auflage, daß alle seit 25 Jahren verstorbenen Mitglieder läglich Anteil an 6 hl. Messen haben sollen. Der Rest wurde in bar an die einzeinen Nachkömmlinge verteilt. So hat diese alte Medebacher Schuhmacherzunft ihren ehrlichen Abschluß gefunden.
Alle diese Sitten und Traditionen mögen der neu gegründeten Schuhmacher=Zwangsinnung ein Vorbild sein zur Förderung des Gemeingeistes und Kollegialität und dazu beitragen, daß Neid und Mißzunst fernbleiben. Wir wollen hoffen, daß auch die neue Innung alte urt und Sitte bewahren wird.
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Geschichtliche und heimatkundliche Blätter der Sonderabteilung Brilon des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens.
Sratisbeilage zur Bauerländer Zeitung in zwangloser Reihenfolge. Sonderbezugspreis viertelj. 1,80 Rik.
Nr. 5.
Brilon, 22. Juli 1922.
5. Jahrg.
Schriftleitung: Präses Dr. Leineweber=Brilon. Verlag: Hans Albrecht=Brilon.
Statistische Erhebungen
der Großherzoglich=Hessischen Regierung aus dem Jahre 1807 im Amte Brilon für den sogen. Adreßkalender.*)
Mitgeteilt von Dr. Leineweber.
1. Brilon: Zum Pfarrbezirk gehören: Brilon, Wülfte, Rixen, Gudenhagen nebst einer Mühle und Eisenhütte und die Aamühlen.
Die in der Stadt angestellten Geistlichen sind: Heinrich Becker, Pfarrer, Franz Varnhagen, Stadtkaplan, Salustianus Krekel, Pfarrkaplan, Bernard Bröckeler, Vikar, Wilhelm Joseph Lohmann, Vikar.
Gabriel Becker ist Pfarrküster.
Lehrpersonen: Adolf Voß, Rektor, Benedictus Prange, Conrektor, Josephine Strauß, erste Lehrerin, Franziska Bierman, zweite Lehrerin. Der Lehrer zu Wülfte heißt Johannes Canisius.
Die Stadt Brilon hat 382 Häuser und 2408 Einwohner; davon sind 2322 Katholiken, 9 Lutheraner und 77 Juden.
In der Filiale Wülfte sind 21 Häuser mit 194 Einwohnern, die alle katholisch sind. Die Filiale Rixen zählt 11 Häuser und 80 Einwohner.
Der Hof Gudenhagen umfaßt 4 Häuser mit 35 Seelen nebst einer Mühle mit 5 Seelen und einer Eisenhütte mit 7 Seelen. Die Aamühlen bestehen aus 6 Häusern mit 51 Seelen. Das ganze Kirchspiel hat also 2780 Einwohner.
2. Bontkirchen: Zum Pfarrbezirk gehört nur das Dorf Bontkirchen, das 35 Häuser zählt. Als Pfarrer amtiert L. Lohmann, als Lehrer Johann Rischen. Die Pfarrei zählt 318 Katholiken. Andersgläubige sind nicht vorhanden.
3. Thülen: Der Pfarrort Thülen hat 428 Katholiken und 1 Protestanten. Der Pfarrer heißt Franz Schröder, der Primissar Ludwig Wessel; Lehrer, Küster und Organist ist Johann Stradtmann.
Zur Pfarrei gehören die Filialen: Nehden, 366 Seelen, Lehrer Johann Müller; Ratlinghausen, 133 Seelen, Lehrer Johann Voß; Rösenbeck, 387 Seelen, Lehrer Johann Schröder; Messinghausen, 421 Seelen, Vikar Anton Gerling, Lehrer Heinrich Dreir; Hoppecke, Vikar Peitz, Lehrer Joh. Hogrebe, 299 Seelen(davon 7 protestantisch). Thülen zählt 51, Hoppecke 30, Rösenbeck 50, Messinghausen 54, Nehden 44 und Ratlinghausen 16 Häuser.
4. Alme: Der Pfarrbezirk a) Oberalme mit den adeligen Häusern Tinne und Bruch und der obern Papiermühle umfaßt 473 Seelen; b)
*) Archiv des Landratsamtes zu Brilon.