Die Meinerzhagener Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= u. Festtage. Bezugspreis monatlich 1,65 Reichsmark. Preis der Einzelnummer 10 Reichspfennige. Bestellungen wer­den jederzeit von der Geschäftsstelle u. den Postanstalten entgegengenommen. Telegr.=Adresse: Zeitung Meinerz­hagen. Verantwortlicher Schriftleiter Max Kämper, Meinerzhagen. i. W.

Gelesenste Tageszeitung in Meinerzhagen und Amgegend

Amtlicher

Fernsprecher Amt Meinerzhagen Nr. 542 Postscheckkonto: Dortmund 11452— Schließfach 29

Anzeiger

Herausgabe, Druck und Verlag von Walther Kämper, Meinerzhagen, Hauptstraße 42

Im Falle höherer Gewalt, Streik oder Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf eine Entschädigung

Anzeigenpreise: Für 1 Millimeter­höhe in Spaltenbreite von 35 Milli­meter in Meinerzhagen 8 Reichs­pfennige, Familien=Anzeigen und Stellengesuche 5 Reichspfennige, An­zeigen von auswärts 10 Reichspfennige, Anzeigen von Behörden und Finanz­anzeigen 10 Reichspfennige. Reklame 40 Reichspfennige. Zahlbar sofort Re­daktion u. Geschäftsstelle Hauptstr! 42

Nummer 103

Dienstag, den 5. Mai 1931

20. Jahrgang

Abrüstungs-Appell Hoovers.

Anläßlich der Eröffnung der Handelskammer=Konferenz.—„Die Depressions­

periode größtenteils vorüber.

— Washington, 5. Mai.

In Anwesenheit von 1000 Delegierten aus 300 Ländern, darunter 40 Delegierte aus Deutschland, wurde in Washington der sechste Kongreß der Inter­nationalen Handelskammer eröffnet. Zum Vorsitzenden der Internationalen Handelskammer wurde Franz von Mendelssohn gewählt.

Namens der Vereinigten Staaten entbot Präsi­dent Hoover den Delegierten den Willkommensgruß. Hoovers Rede war kurz und zählte nur 900 Worte; 100 davon waren der Handelskammer, die übrigen der Abrüstungsfrage gewidmet. Eindringlich verwies Prä­sident Hoover auf die wirtschaftliche Verbundenheit der Welt. Selbst die Vereinigten Staaten, die unab­hängiger als irgendene andere Wirtschaftseinheit seien, seien durch die Weltkrise in eine schwere De­pression gebracht worden. Schuld an der Weltkrise sei u. a. der Weltkrieg mit seiner Zerstörung von Leben und Eigentum und den darauffolgenden großen Steuer­lasten sowie den sozialen und politischen Unruhen in drei Vierteln der Bevölkerung der Welt.

„Zum Wiederaufbau"— fuhr Hoover fort—„ist Vertrauen nötig, und dieses Vertrauen kann nur durch Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen erreicht verden. Die Welt gibt 20 Milliarden Mark jährlich für Rüstungen aus, 70 Prozent mehr als vor dem Weltkriege. 5½ Millionen Mann stehen unter den Waffen und weitere 20 Millionen in Reserve, obwohl nun 12 Jahre seit dem Abschluß des Waffenstillstandes vergangen sind und obwohl alle Länder den Kellogg­Pakt zeichneten und darin feierlich auf den Krieg ver­sichteten. Wie kann die Weltwirtschaft sich erholen und vie kann Vertrauen in Handel und Verkehr und in die Sicherheit von Kapitalsanlagen zurückkehren, wenn die Welt bis an die Zähne bewaffnet ist? Diese Rüstungen sind eine Verschwendung ungeheurer Teile des Nationalvermögens, und nichts ist wichtiger, als daß die Genfer Konferenz über die Landabrüstung von Erfolg gekrönt wird.

Amerika hat zwar seine Landstreitkräfte stärker verringert als alle anderen Staaten, aber es ist er­jeblich an der Konferenz interessiert wegen ihrer in­direkten Auswirkungen auf den Frieden, das Ver­rauen und die Wiederkehr wirtschaftlich gesunder Ver­hältnisse. Amerika hofft, daß die Mitglieder der Inter­iationalen Handelskammer darauf bestehen bleiben, daß dieses Problem mutig und ehrlich angepackt wird.“

Der bisherige Präsident der Internationalen Han­delskammer, Theunis, verlas einen Bericht von 52 Druckseiten über die Weltwirtschaftslage und gab be­züglich jedes einzelnen Geschäftszweiges einen Ueber­blick über den gegenwärtigen Konjunkturstand in den verschiedenen Ländern. Theunis war der Auffassung, daß der größere Teil der Depressionsperiode vorüber ist. Die Welt trete nunmehr in eine Periode ruhigen Geschäfts als einer

Vorstufe zur Erholung

ein. Zur Zeit also sei nur das gewöhnliche Risiko der Stagnationszeit gegeben. Der Kaufmann brauche sedoch nicht mehr stürmisch ansteigende oder abfallende Kurven zu befürchten.. Der Mangel an wirtschaftlichem Verständnis zwischen den Nationen sei eine der Haupt­ursachen der gegenwärtigen Schwierigkeiten. Die Welt müsse sich klar werden, daß sie wirtschaftlich eine Ein­heit sei.

Ohne auf das Goldproblem und die Frage des russischen Dumping näher einzugehen, bezeichnete Theunis die durch beide Umstände entstandene Si­

tuation als sehr unbefriedigend. Der amerikanischen These hoher Löhne stehe er skeptisch gegenüber; denn die Konsumtheorie, die von den besser bezahlten Arbeitnehmern erhöhten Absatz erhoffe, führe meist zur Ueberproduktion, und Amerika befinde sich mit seinen hohen Löhnen in der gleichen Depression wie Europa mit seinen niedrigeren Löhnen. Außerdem führe die künstliche Steigerung der Lebenshaltung durch hohe Löhne zu hohen Schutzzöllen und damit zu einem Circulus vitiosus. Die Ueberproduktion stelle nicht eine Vermehrung des Volksreichtums, sondern eine Vergendung von Kapital und Material dar.

Do X in Volama gelandet.

— Berlin, 5. Mai.

Das deutsche Großflugboot Do X startete am Sonntag in Villa Cisneros(Rio de Oro) und flog über Cap Blanco—Dakar nach Bolama(Port. Guinea), wo es glatt landete. Diese Etappe von etwa 1500 Ki­lometern stellt die längste ununterbrochene Flugstrecke dar, die bisher von dem Do X durchflogen wurde. Von Bolama aus werden einige größere Probeflüge unter­nommen, um das Flugschiff auch in tropischen Ver­hältnissen eingehend zu erproben.

* Flugzeugunglück in Staaken.— Zwei Tote.

Auf dem Staakener Flugplatz stürzte ein Flugzeug, in dem sich zwei Mann befanden, ab. Die Insassen, der Pilot und ein Begleiter, waren sofort tot. Das Flugzeug ist verbrannt. Das Unglück ereignete sich kurz nach dem Aufstieg und ist auf das Aussetzen des Motors zurückzuführen. Als der Pilot, Herr von Ka­meke, das Versagen des Motors bemerkte, versuchte er, im Gleitflug niederzugehen. Die Maschine stürzte jedoch aus 60 Meter Höhe senkrecht ab und geriet in Brand. Augenzeugen des Vorfalls eilten herbei, konn­ten aber nur noch feststellen, daß sowohl von Kameke und auch sein Begleiter Waschinski bereits tot waren.

Beantwortung der zu seinem Etat vorliegenden Anfragen.

— Berlin, den 4. Mai 1931.

Im Preußischen Landtag, der seine Etatsarbeiten mit der zweiten Beratung des Haushalts des Staatsministeriums und des Ministerpräsidenten fortsetzte, beantwortete Mini­sterpräsident Braun verschiedene Anfragen. Für den An­kauf der Anhaltischen Salzwerke durch die Preußag seien lediglich wirtschaftliche Erwägungen maßgebend gewesen. Was die Einbeziehung Stettins in die Östhilfe betreffe, werde die Staatsregierung bemüht sein, der Stadt auf dem Gebiete der Lastensenkung eine Erleichterung zu gewähren. Wegen der deutschseindlichen Ausschreitungen in Posen habe sich der Woiwode entschuldigt. Eine mißbräuchliche Benutzung der Minderheitenschulen in Preußen würde strikte verhindert werden.

Die Anfrage über die Gefährdung der Östhilfeaktion wurde dahin beantwortet, die Staatsregierung habe eifrigst mitgearbeitet und bereitwilligst hohe Bürgschaften über­nommen. Wenn von einer Verzögerung der Östhilfe ge­sprochen werden könne, so seien daran die Parteien schuld, die seiner Zeit der Reichsregierung im Reichstag die Ge­folgschaft versagten.

In der allgemeinen Aussprache wünschte Abg. Berten (Soz.) Nachprüfung durch den Landeswahlleiter, ob ein gesetzwidriger Zwang zur Eintragung in die Listen des Volksbegehrens ausgeübt worden sei.

Abg. Oelze(Dntl.) kritisierte das Verhalten der Polizei gegenüber Werbungen für das Volksbegehren. Der seitens des Ministerpräsidenten dem Reichspräsidenten gegenüber ge­äußerte Wunsch, die Ehrenmitgliedschaft im Stahlhelm nie­derzulegen, bedeute einen undemokratischen Uebergriff. Der Landrat von Bismarck habe die ihm zur Last gelegte Aeuße­rung, deretwegen er abgesetzt wurde, gar nicht getan.

Abg. Stendel(Dt. Vp.) sprach seine Befriedigung über das Ergebnis des Volksbegehrens aus.

Abg. Leonhardt(Wirtschp.) erklärte, der Mittelstand sei zu einem Notstand geworden.

Zum Schluß der Sitzung kam es noch zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem deutschnatio­nalen katholischen Abgeordneten Schwecht und den Zen­trumsabgeordneten Dr. Heß und Dr. Lauscher. Bei

dieser Gelegenheit lehnte Abg. Dr. Heß auch die Auf­forderung Hugenbergs, den Landtag im November neu wählen zu lassen, ab.

Chronik des

— Aus Anlaß der Einweihung der Heldenorgel auf der Feste Geroldseck wechselte Reichspräsident von Hinden­zura mit der Stadt Kufstein Telegramme.

— Die deutsch=rumänischen Wirtschaftsverhandlungen sind kurz vor ihrer Wiederaufnahme auf unbestimmte Zeit vertagt worden.

— In Schaumburg=Lippe wurde ein neuer Landtag gewählt. Die bürgerlichen Parteien und die Sozialdemo­kratie erzielten je sieben, die Kommunisten ein Mandat.

— Die italienische Note, mit der die französischen Flottenvorschläge abgelehnt werden, ist jetzt in Paris über­reicht worden.

— Präsident Hoover eröffnete die sechste Konferenz der Internationalen Handelskammer in Washington mit einer Rede, in der er insbesondere die Notwendigkeit der allgemeinen Abrüstung unterstrich.

— Bei einem Flugzeugabsturz in Staaken wurden zwei Personen getötet; das Flugzeug verbrannte.

— Der japanische Flieger Yoshivara, der im ver­gangenen August einen Flug von Tokio nach Berlin unter­nommen hatte, startete zum Fluge über den Pazifischen Ozean.

Mittelmeerimperialismus.

— Berlin, 5. Mat.

In Frankreich wird gegenwärtig ein Projekt er­örtert, das schon einmal, um die Jahrhundertwende, viel behandelt worden ist: die Möglichkeit eines Kanals von Vordeaux nach Narbonne, also die Ver­bindung des Golfs von Biscaya mit dem Mittelmeer.

Rein wirtschaftlich betrachtet, hätte ein solcher Verkehrsweg manches für sich. Die Entfernung von Brest in der Bretagne nach der Südspitze von Sar­dinien bzw. nach Tunis oder Algier, die heute etwa 3500 Kilometer beträgt, würde bei Benutzung eines das Garonnetal entlangführenden Kanals auf gut die Hälfte zusammenschmelzen. Das wäre immerhin eine beträchtliche Einsparung von Zeit und damit eine wesentliche Verminderung der Kosten. Der Preis, mit dem diese„Rationalisierung“ erkauft werden würde, wäre die Entwertung der spanischen Häfen, die ihre Rolle im Mittelmeer=Verkehr ausgespielt haben und nur noch lokale Bedeutung behalten würden.

Nun kann man aber ein Kanalprojekt, das aus­schließlich von militärischen Erwägungen einge­geben ist, nicht unter wirtschaftspolitischen Gesichts­punkten betrachten wollen. Der wirtschaftliche Nutzen dieses Verkehrsweges mag größer oder geringer sein, ausschlaggebend ist, daß Frankreich durch den Kanal von Bordeaux nach Narbonne in die Lage versetzt wird, jederzeit seine Kriegsflotte im Golf von Biscaya mit der im Mittelmeer zu vereinigen! Während heute der Weg von Brest nach Narbonne rund 3200 Kilometer lang ist und bei Gibraltar jederzeit von England oder Spanien abgeriegelt werden kann, würde er bei der Existenz eines Kanals im Garonnetal auf 800 Ki­lometer verkürzt und so gesichert werden, daß Frank­reich seine gesamten Flottenstreitkräfte vereinigen kann, ehe die Welt überhaupt aufmerksam wird.

Und deshalb wird der Kanal von Bordeaux nach Narbonne sicher niemals Wirklichkeit werden, auch wenn, wie man neuerdings hört, ein großer Teil der französischen Senatoren und Abgeordneten für dieses Projekt gewonnen ist. Das gilt selbst dann, wenn die Beziehungen Frankreichs zu England und Italien weniger kritisch wären, als sie es gegenwärtig schließlich doch sind. Politische Konstellationen sind veränderlich; kein Staat wird daher— selbst in einer Stunde des„herzlichen Einvernehmens“ nicht— soweit gehen, daß er einem Projekt zustimmt, dessen Aus­führung die Bewegungsfreiheit des eigenen Landes für die Dauer aufheben wird.

Eine solche Folge müßte aber der Kanal Bor­deaux-Narbonne für Italien haben! Wenn nun aber Italien schon heute die Flottenparität mit Frank­reich fordert, weil es sich bedroht fühlt, dann würde ein Kanal, mit dem Italien auch noch dem Druck des französischen Atlantik=Geschwaders ausgesetzt wird,

die letzte Voraussetzung für eine selbständige ita­lienische Politik beseitigen. Mögen nun die technischen Schwierigkeiten, die dem Kanalbau entgegenstehen