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Nummer 99
Sonntag, den 29. April 1928
17. Fahrgang
Die Ozeonflieger in Newyork.
Ganz Newyork auf den Beinen.
Die„Bremen"-Besatzung
am Grabe Bennetts.
New York. Die gesamte amerikanische Presse würdigt den Entschluß der Ozeanflieger vor den Empfangsfeierlichkeiten in New York an der Beisetzung des bekannten und in Amerika sehr beliebten Piloten Bennett teilzunehmen, um dem toten Kameraden, der um Kameraden zu helfen, sein Leben aufs Spiel setzte und verlor, die letzte Ehre zu geben. Die deutschen Ozeanflieger legten am Grabe Bennetts Flaggen nieder, die sie auf der„Bremen“ mit sich führten. Schon an ihrem Zwischenlandungsplatz in Murray Bay gedachten die Ozeanflieger ihres toten amerikanischen Kameraden.
Der Flug in die Zivilisation.
Baron v. Hünefeld erklärte in seinen Berichten für die amerikanische und deutsche Presse, daß sie glücklich seien, bei ihrem Flug von Greenly Island in die Zivilisation überall so herzlich begrüßt zu werden. Aber sie seien traurig, einmal darüber, daß ein tapferer Kamerad für sie sein Leben ließ, und weiter mache sie der Gedanke traurig, daß sie ihre „Bremen“ an der einsamen Küste von Greenly Island hätten zurücklassen müssen. Leider werde sie dort liegen bleiben müssen, bis man sie nach New York und von dort nach Deutschland werde schaffen können. Die letzte Ursache für das Zurücklassen der„Bremen“ sei das schlechte Wetter gewesen. Nachdem man unter schwerer Mühe das Flugzeug mit Hundeschlitten zu seinem gegenwärtigen Ruheplatz geschleppt hatte, habe man nach Anbringen der Ersatzteile erkannt, daß an einen Start nicht zu denken sei, da einmal die Gleitschienen fehlten und zum anderen das kalte Wetter auf den Motor einen schädlichen Einfluß ausgeübt habe.
Auf dem Fluge von Greenly Island über Lake St. Agnes— Washington— New York lösten sich die Piloten Balchen, Fitzmaurice und Köhl in der Steuerung des Fordflugzeuges ab. Jeder führte etwa eine Stunde.
New Hork auf den Beinen.
Schon Stunden vor der Ankunft der Bremenflieger in New York wälzte sich eine Riesenmenge nach dem Flugplatz. Dort stand eine ganze Anzahl von Flugzeugen bereit, die den Ozeanfliegern, als man erfuhr, daß sie sich New York näherten, zur Begrüßung entgegenflogen. Auch das Schwesterflugzeug der„Bremen“ war wieder flott gemacht und hatte unter Führung des Junkers=Piloten Melchior sich nach Washington begeben. Chamberlin begleitete die Ozeanflieger von Washington nach New York.
Die amtlichen New-Yorker Feierlichkeiten
beginnen am Montag. In aller Frühe werden die„Bremen"Flieger von einem Regierungsdampfer abgeholt, der sie dann den Hudson abwärts bis zur Battery fährt, von wo sie im Triumphzug durch die Stadt geleitet werden. Vor der City Hall begrüßt der New=Yorker Oberbürgermeister Walker die Flieger; dann setzt der Zug seinen Weg zum Zentralpark fort, wo Köhl, Hünefeld und Fitzmaurice die Front von 10 000 Soldaten abschreiten. Am Dienstag findet ein Festbankett der Stadt New York statt und am Mittwoch verschiedene andere Feierlichkeiten, darunter auch die der Deutsch=Amerikaner. An den Feierlichkeiten werden auch Frau Köhl und Frau Fitzmaurice teilnehmen.
Die Bedeutung der Landwirtschaft in der deutschen Wirtschaft.
Industrietagung in Berlin.
Berlin. Nachdem das Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie in einer der üblichen Monatssitzungen dringliche Wirtschaftsfragen behandelt hatte, trat am Freitag vormittag im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates der Große Ausschuß des Reichsverbandes zu einer ungewöhnlich stark besuchten Sitzung zusammen. Den Hauptpunkt der umfangreichen Tagesordnung bildete ein Vortrag von Dr. August Weber über die Bedeutung der Landwirtschaft in der deutschen Wirtschaft.
Dr. Weber kennzeichnete die Bedeutung der jetzk in so schwerer Verschuldung und Rentabilitätskrise befindlichen deutschen Landwirtschaft durch Vergleiche des Produktionswertes bestimmter landwirtschaftlicher Erzeugnisse mit den Produktionswerten und Umsätzen der größten Industrien, und kennzeichnete weiterhin die Landwirtschaft als großen Kunden im Inlandsmarkt. Er verwies weiter auf die Bedrohung unserer Handelsbilanz durch die Einfuhrüberschüsse
Der verstorbene amerikanische Pilot Bennett,
der auf seinem Hilfsfluge nach Grenly=Island in Quebec einer Lungenentzündung erlag.
Landung bei Newyork
Newyork, 28. April. Um 1,48 Uhr(19,50 Uhr MEZ) landeten die Bremenflieger in Curtisfield.
Das Fordflugzeug ist um 7,10 Uhr gestern morgen(13,10 Uhr ME3) von Lake St. Agnes aufgestiegen.
Die Landung auf dem Flugplatz Curtisfield kam gänzlich unerwartet. Es waren deshalb zur Begrüßung nur wenige Personen anwesend. Zahlreiche Presseleute und Photographen weilten zur gleichen Zeit auf dem eine Meile entfernten Flugplatz Mitchellfield, weil man mit einer Landung dort gerechnet hatte. Die Besatzung der„Bremen“ wird die Reise nach Washington mit der Eisenbahn fortsetzen, da der anhaltende Regen einen Flug unratsam erscheinen läßt.
In den Kommentaren über die überraschende Landung der Bremenflieger in Curtisfield, wird mehrfach die Absicht geteilt, daß man die Tatsache der geplanten Landung absichtlich verschwiegen habe, da es sich ja nur um eine Etappe auf der eiligen Reise der Flieger nach Washington hanoelt und man den eigentlichen Empfangsfeierlichkeiten durch eine Vorfeier während der Durchreise keinen Eintrag tun wolle.
Die Abfahrt der Bremenflieger nach dem Bahnhof in Newyork erfolgte um 3,10 Uhr(22,30 Uhr) unter dem Schutz einer Polizeieskorte, die das Auto umgab. Die Flieger erklärten, sie seien erfreut, endlich in Newyork zu sein. Die Zuschauer, die infolge der getroffenen Absperrmaßnahmen kaum mehr als 200 Köpfe betragen mochten, jubelten der Bremenmannschaft begeistert zu.
Start der„Bremen" zum Rückflug?
Entgegen den Meldungen, daß die„Bremen" vorläufig kaum wieder wird instand gesetzt werden können, hat Major Fitzmaurice in seinen Berichten für die Londoner„Times“ erklärt, daß man mit der„Bremen" in etwa zehn Tagen nach Europa zurückzufliegen gedenke. Von wo aus der Start erfolgt, sei allerdings noch nicht bestimmt.
bei den verschiedenen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Es sei keine Frage, daß die Erzeugung der Landwirtschaft um diese an sich gewaltigen, aber doch nur verhältnismäßig geringe Prozentsätze der jetzigen Erzeugung darstellenden Mengen gesteigert werden könne. In der Milchwirt
chaft seien bereits vielversprechende Anfänge dazu gemacht.
Keine Sonderbelastung für Kraftfahrzeuge.
Trotzdem die Sonderbesteuerung der Kraftfahrzeuge für Wegeunterhaltungszwecke durch einen 25prozentigen Zuschlag zu den Sätzen der Kraftfahrzeugsteuer abgelöst worden ist, gingen in letzter Zeit Gemeinden und Kreise in verstärktem Maße dazu über, Landstraßen zwar offiziell zu sperren, ihre Benutzung aber gegen besondere kostenpflichtige. Passierscheine freizugeben. Durch dieses Verfahren entstanden Sonderbelastungen, gegen die der Reichsverband des Deutschen Groß= und Ueberseehandels e. V. beim preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten als, ganz unzulässig Einspruch erhoben hat. Die zuständigen" nachgeordneten Dienststellen sind daraufhin vom Ministerium noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen worden, daß die Erhebung besonderer Unterhaltungskostenbeiträge für die Zulassung des Befahrens gesperrter Straßen mit Kraftfahr
zeuaen nicht zulässia ist.
Das
— Die deutschen Ozeanflieger nahmen an der Beisetzung des Piloten Bennett in Washington teil.
— In Wien wurde der frühere Vorsitzende der Budapester Räteregierung, Bela Khun, verhaftet.
— Am 1. Mai beginnt in Kolmar der Prozeß gegen die elsässischen Autonomisten.
Wirtschaftliche Wochenschau.
Von unserem handelspolitischen Mitarbeiter Muß New York den Diskont erhöhen?— Die deutsche Wirtschaftslage.— Der Status der Reichsbank.
Vor einiger Zeit tauchten Gerüchte von einer Diskonterhöhung der New=Yorker Bankrate auf. Verschiedene Bundes=Reserve=Banken hatten bereits ihre Rediskontrate erhöht. Von den 12 Bundes=Banken setzten fünf den Diskont auf 4,5 Prozent, sieben Banken stehen noch immer aus. Der Zweck dieser Maßnahme war die Einschränkung der in letzter Zeit stark erhöhten Börsenenaaaements, da vom offenen Geldmarkte außerordentliche hohe Beträge abgezogen worden waren, so daß auch in New York verschiedentlich eine leichte Geldverknappung auftrat.
Entscheidend für den internationalen Markt ist der Diskont der New=Yorker Bundes=Reserve=Bank. Von hier wird der europäische Geldmarkt beeinflußt, und zwar besonders, wenn eine Erhöhung der Diskontrate eintritt. Man hatte mit der Heraufsetzung der Diskontrate der sieben BundesBanken schon den Zweck erreicht. Das Börsengeschäft ist in New York und auch an den anderen amerikanischen Börsenplätzen erheblich zusammengeschrumpft, so daß wieder große Geldbeträge, die als Reportkredite gegeben waren, frei wurden und dem offenen Geldmarkt zur Verfügung standen.
Für Deutschland wäre eine Heraufsetzung der amerikanischen Bankrate diesmal nicht sø bedeutungsvoll gewesen, da der deutsche Geldmarkt verhältnismäßig flüssig ist, so daß er auch bei einer evtl. Abwanderung von Guthaben nach Amerika seine Flüssigkeit wahrscheinlich gewahrt hätte. Es mußte vor einiger Zeit schon auffallen, daß auch der Geldmarkt in Deutschland seine Elastizität beibehielt zu einer Zeit, wo von seiten der Börsen sehr erhebliche Beträge abgezogen waren. Wenn auch die letzten Aufwärtsbewegungen an den deutschen Börsenplätzen hauptsächlich durch Spezialhaussen einzelner Favoritpapiere hervorgerufen wurden, so hat doch schließlich die feste Tendenz auf fast alle Marktgebiete übergegriffen und für den Laien auch die Ansicht einer starten Besserung desgesamten Wirtschaftsniveaus hervorgerufen. Es ist nicht zu verkennen, daß das erste Quartal 1927 für die Wirtschaft günstig verlaufen ist.
Das Institut für Konsuntturforschung beschäftigt sich in seinem letzten Wochenbericht mit den wirtschaftlichen Zusammenhängen zwischen der Entwicklung unseres Außenhandels und dem Stand der Gesamtbeschäftigung unserer Wirtschaft. Die Entwicklung unserer Ein= und Ausfuhr zeigt deutlich eine Verringerung des Rohstoffbedarfs einerseits und eine verstärkte Intensität zum Export andererseits. Allerdings hat hier der März stets an erster Stelle gestanden. Die im Herbst aufgegebenen Bestellungen für den Winter kommen zumeist im März zur Ablieferung. Da es der deutschen Industrie noch möglich gewesen ist, im letzten Herbst größere Aufträge aus dem Auslande hereinzubekommen, die im März dann zur Ablieferung gekommen sind, so darf eine erhöhte Exporttätigkeit für den März nicht überraschen. Erfreulich ist allerdings, daß die Passivität des deutschen Außenhandels für März ganz erheblich zurückgegangen ist, auch für April rechnet man mit einem günstigen Ergebnis. Immer wieder muß aber festgestellt werden, daß der saisonmaßige Charakter der einzelnen Frühjahrsmonate zu starken Schwankungen der Außenhandelsziffern und damit auch teilweise zu Ueberschätzungen der Wirtschaftskurven führt. Aehnlich wie die Außenhandelsziffern zur Zeit nicht ungünstig sind, ist auch der Wechselbestand der Reichsbank zurückgegangen. Die dritte Aprilwoche hat einen Rückgang des Wechselportefeuilles um etwa 213 Millionen gebracht. Insgesamt sind an die Reichsbank jetzt 255 Millionen Reichsmark zurückgeflossen. Die Deckung der Noten durch Gold allein besserte sich von 50,5 auf 54,3 Prozent, diejenige durch Gold und deckungsfähige Devisen von 55,4 auf 58,8 Prozent. Der Gesamtstatus der Reichsbank zeigt ein recht günstiges Aussehen, was wiederum indirekt auf den Stand der deutschen Währung günstige Rückschlüsse zuläßt. Der Goldbestand ist auf über 2,04 Milliarden angewachsen. Die Reichsbank hat in letzter Zeit vielfach Gold im Auslande angekauft, wenn die Gelegenheit günstig war. Zur Zeit sind allerdings keine Beträge für Rechnung der Reichsbank unterwegs.
Wie sich der deutsche Geldmarkt durch die kommenden Geldüberweisungen aus der Freigabe des deutschen Eigentums