46. Bochum Mittwoch,
zeiten. Herausgegeben von Paul Langhaus, Gotha, Justus Per
thes. Jahrespreis 8 Mk., jährlich 6 Hefte. Der Altmeister deutscher Landes= und Volksforschung. Geh. Rat Kirchhoff in Halle urteilt über die„Deutsche Erde“: Der Adelszug strenger Wissenschaftlichkeit, mithin voller Unparteilichkeit, ist diesem kerndeutschen Unternehmen aufgeprägt.“
* Hochwasser wird aus den Flußgebieten der Ruhr, Weser, Eder, Fulda, des Mains, der Oder und der Warthe gemeldet.
Dresden, 23. Febr. Das hiesige Kriegsgericht verurteilte den Unteroffizier Heidrich vom 177. InfanterieRegiment wegen Soldatenmitzhandlung in acht Fällen zu drei Monaten Gefängnis. Einer der Mißhandelten, Rekrut Nopp, war aus einem Fenster der Kaserne gesprungen und schwer verletzt worden.
Mörs, 23. Febr. Das hiesige Schöffengericht sprach den durch seine Lehmkuren bekannten Pastor Felcke aus Repelen von der Anklage, gewerbsmäßig das Heilgewerbe ausgeübt zu haben, frei. Der Küster Kiesendahl erhielt 100 M. Geldstrafe, weil er entgegen der kaiserlichen Verordnung von 1901 homöopathische Arzneien verkauft hat.
Lond on, 23 Febr. Ein Telegramm aus Rotherham Grafschaft Pork) meldet, daß in einer Kohlengrube zu Aldwark bei einem infolge Reißens eines Seiles entstandenen Un fall 6 Mann getötet und mehrere verletzt wurden.
Göttingen. 23. Febr. Der Schäfer Burchardt aus Esplingerode, der den Schafhändler Bust ermordete und beraubte, wurde vom Schwurgericht zum Tode verurteilt.
24. Februar.
* Industrie. Wie die„Rh.=W. Z.“ hört, wird die Aren berg'sche Aktien=Gesellschaft die in der Gewerkenversammlung von Julius Philipp abgeänderte Offerte annehmen. Für diejenigen Kuxe, die bis zum sestgesetzten Einlieferungstermine nicht eingereicht sind, wird der Gegenwert hinterlegt werden.— Die Akt.Ges. Rheinische Stahlwerke in Meiderich beruft nunmehr eine außerordentliche Hauptversammlung auf den 16. März zur Beschlußfassung über die Erhöhung des Grundkapitals zum Zweck der Erwerbung der Aktengesellschaft Duisburger Eisen= und Stahlwerke zu Duisburg. Nach dem vorgesehenen Vereinigungsvertrage übernehmen die Rheinischen Stahlwerke das Vermögen der Duisburger Werke als Ganzes gegen Gewährung von 1 Million Mark neuer Aktien, die vom 1. Jan. 1904 ab dividendenberechtigt sind, also an dem halben Gewinn für das laufende Geschäftsjahr teil haben.— Die Bochumer Koks= und Kohlenwerke verteilen für 1903 keine Dividende.— Die Firma Henschel u. Sohn in Kassel hat die Henrichshütte in Hattingen von der Dortmunder Union erworben und von dieser Gesellschaft eine Anstellung auf die Zeche Karl Friedrich Erbstollen erhalten. Im Juni 1902 war beschlossen worden, die Henrichshütte einer neuzugründenden Aktiengesellschaft zu übertragen. Dieser Beschluß, der bisher nicht zur Ausführung gekommen war, ist durch den Verkauf an Henschel u. Sohn hinfällig geworden. In der letzjährigen Bilanz figurierte die Hütte mit ca. Mk. 13 000 000. Die Berl.„Börs.=3.“ hört, daß auch die Verkaufsverhandlungen wegen der genannten Zeche den gewünschten Erfolg versprechen.— Das Blechwalzwerk Schulz=Knandt, Akt.=Ges., in Essen verteilt aus dem verfügbaren Reingewinn von 279 892 M. 6 Proz. Dividende gegen 4 Proz. i. V.
* Frohe Botschaft. Ein Bruder der an der evang. Volksschule
in Ehrenfeld angestellten Lehrerin Frl. Viereck besitzt eine Farm NeuhofKowas bei Hatsamas, zwei Tagereisen südöstlich von Windhoek, also mitten im Gebiet des Herero=Aufstandes. Verschiedene Zeitungen brachten die Nachricht von der Ermordung des Farmers Viereck. Ein gestern eingegangenes Telegramm der Kolonialabteilung des auswärtigen Amtes meldet aber die glückliche Errettung des Farmers Bares.
* Aus den Vereinen. Der Liberale Bürgerverein im 12. Stadtbezirk hielt am Sonntag Abend eine gutbesuchte Monatsversammlung ab. Mit Interesse hörte man den Vortrag des Herrn Parteisekretärs Schaper über die deutschen Kolonien in Südwestafrika. Die Fortsetzung des Vortrages findet am nächsten Sonntag, vormittags 11 Uhr im Lokale des Herrn Plesken statt. Der 11. Bezirk ladet an diesem Tage die Mitglieder des 12. Bezirks zur Teilnahme an seiner Versammlung ein.
*Oberlandesgericht Düsseldorf. In der Begründung des
bereits früher erörterten Gesetzentwurfs zur Errichtung eines Oberlandesgerichts in Düsseldorf wird mit Bezug auf die westfälischen Gebiete, die dabei inbetracht kommen, gesagt:„Dem neuen Ober landesgerichtsbezirk Düsseldorf würden außer dem Regierungsbezirk Düsseldorf die zum Landgerichtsbezirk Essen gehörigen Teile der Provinz Westfalen— der Stadtkreis Gelsenkirchen, vom Landkreise gleichen Namens das Amt Manne, fast der ganze Kreis Hattingen, der größte Teil des Landkreises Recklinghausen und einige Gemeinden des Kreises Schwelm
zufallen. Wenn früher die Verschiedenheit des in den Bezirken Hamm und Köln geltenden bürgerlichen Rechts die Bil dung eines aus Teilen beider Bezirke zusammengesetzten Oberlandesgerichts entgegenstand, so hat dieses Hindernis durch das Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuches für das DeutscheReich seine Bedeutung zu einem wesentlichen Teile schon gegenwärtig verloren und wird sie ferner in ständig zunehmendem Maße verlieren. Die Zahl der Gerichtseingesessenen würde sich nach der Volkszählung von 1900 stellen bei dem verkleinerten Oberlandesgerichte Köln auf 2 925810, bei dem verkleinerten Oberlandesgerichte Hamm auf 2844 063, bei dem neuen Oberlandesgericht auf 2 913 520.
*Stahlwerksverband. Die gestern in Düsseldorf zur Gründung
des Stahlwerksverbandes geführten Verhandlungen sind völlig ergebnislos verlaufen, da sich weitgehende Differenzen mit der Union wegen des Verkaufs der Henrichshütte an die Firma Henschel u. Sohn in Kassel ergaben.(h) Die bis jetzt auf der Grundlage des Vertragsentwurfs geeinigten 20 Werke sind lt.„K. Ztg.“ dahin übereingekommen, der Aktiengesellschaft Friedr. Krupp eine Erhöhung ihrer Beteiligung um 50000 To. und dem Phönix um 25 000 To. über die bisher vorgesehene Ziffer hinaus anzubieten, um sie zum Beitritt zu veranlassen. Ueber die Stellungnahme von Krupp verlautet noch nichts. Von einer dem Phönix nahestehenden Seite wird auch dieses Anerbieten als unannehmbar bezeichnet.
* Strafkammer. In der gestrigen Sitzung wurden verurteilt:
der Bergmann Valentin Rykarsewski von hier wegen Verursachung einer falschen Eintragung in das Gefängnisregister zu 2 Wochen Gefängnis; der Verkäufer Samuel Gedelfe von hier wegen Unterschlagung und Untreue zu 4 Monaten Gesängnis; der Bergmann Aug. Schneiderat von Weitmar wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung zu 50 Mk. Gefängnis; der Bergmann Carl Westerholt von Herne
wegen des gleichen Deliktes zu 9 Monaten Gefängnis; der Feilen
hauer Joh. Schmidt von Altenbochum wegen Diebstahls zu 4 Mo naten Gefängnis.(9)
* Alldeutscher Verband. Es wird darauf aufmerksam gemacht,
daß zu dem heutigen Vortrage des Herrn Professors Langhans aus Gotha über„Die deutschen Interessen in Ostasien" im Viktoriasaale die nicht dem Alldeutschen Verbande angehörenden Mitglieder der vatriotischen Vereine auch ohne besondere Einladung gern gesehen werden.
* Baugewerken Innung. In der Versammlung der Krankenkasse dieser Innung wurde Herr Sauerbier in den Vorstand gewählt. Das Aerztehonorar wurde(ab 16. April) von 3 auf 4 Mk. pro Jahr und Mitglied erhöht; ebenso wurde der Erhöhung der Beiträge von
„auf 3½ pCt. zugestimmt und dem Gesuch der Kassenvertreter um Ausschluß des sozialdemokratischen Organs von der Insertion entsprochen. Die Versammlung beschloß ferner die Einrichtung einer cigenen Kassenverwaltung. Bet der Besprechung eines Nachtrages
Märkischer Sprecher
zur Krankenordnung wurde auf das Simulantenwesen hingewiesen, andererseits aber auch einer allzu scharfen Kontrolle widerraten.
* Schulzwang zu Schulfesten. Das Kammergericht hatte sich mit der allgemein wichtigen Frage zu beschäftigen, ob Schulkinder auch an Schulfesten teilzunehmen haben. Ein Familienvater K. war auf Grund einer Regierungsverordnung wegen Schulversäumnis in Strafe genommen worden, weil seine Kinder sich nicht an einem Schulfest beteiligt hatten. Nach der in Rede stehenden Regierungs verordnung haben die Eltern dafür Sorge zu tragen, daß ihre Kinder regelmäßig die Schule besuchen. K. behauptet, an den Schulfesten, wo auch getanzt werde, brauchten sich die Kinder nicht zu beteiligen; diese seien lediglich verpflichtet, an dem Unterricht in der Schule teilzunehmen. Das Landgericht verurteilte aber K. zu einer Geldstrafe, da er verpflichtet gewesen sei, dafür Sorge zu tragen, daß seine Kinder dem Schulfest nicht fernblieben. Gegen diese Entscheidung legte K Revision beim Kammergericht ein und betonte, er könne nicht durch eine Regierungsverordnung gezwungen werden, seine Kinder anzu halten, an Schulfesten teilzunehmen. Das Kammergericht wies jedoch die Revision des Angeschuldigten als unbegründet zurück. Das Kammergericht ist der Ansicht, daß unter den Begriff der Schulversäumnis auch die Versäumnisse von solchen Veranstaltungen der Schule fallen, die vorwiegend einen erziehlichen Charakter haben.
* Tollwütiger Hund. Zeitungsnachrichten zufolge ist an der Rüttenscheider Grenze bezw. in Rüttenscheid im Landkreis Essen ein mit Tollwut behafteter Hund frei umhergelaufen. Unter Hinweis auf die Gefahr der Verbreitung der Seuche ersucht die Polizeiverwaltung von Bochum, innerhalb des Stadtbezirks die Hunde nach Möglichkeit festhalten oder an der Leine führen zu lassen und den Ausbruch der Seuche oder etwaige Verdachtsfälle unverzüglich zur Anzeige zu bringen.
* Gaunerei. Bei einem Milchhändler an der Spichernstraße trat
am Freitag ein Dienstmädchen in Stellung, war aber bereits am Samstag Abend wieder verschwunden. Bei naherer Prüfung ergab sich, daß außer ihr Kleidungsstücke der Dienstherrschaft im Werte von über 100 Mk. fehlten. Anzeige ist erstattet.(bg)
* Zwei neue Wagenlaternen, die anscheinend von einem
Diebstahl herrühren, wurden vor einiger Zeit von der hiesigen Kriminalpolizei konfisziert. Der unbekannte Eigentümer kann seine Rechte im Rathaus, Zimmer 37, geltend machen.(bg)
* Prozeß Hochöfen gegen Walzwerke. Die Walzwerke haben, wie die„Rh.=W. Ztg." hört, gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Hamm Revision beim Reichsgericht eingelegt. Termin steht im Nov. an. Bekanntlich hatte das Oberlandesgericht Hamm das Landgerichtsurteil, welches die Klage der Walzwerke abgewiesen hatte, bestätigt und die Berufung der Walzwerke zurückgewiesen.
* Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins. Es ist uns die Nr. 1 des zweiten Jahrgangs zugegangen; dieselbe enthält einen Artikel:„Was lehrt uns schon jetzt der russisch-japanische Krieg?“
*Stadttheater. Auf die heutige Aufführung des„Hüttenbesitzers" machen wir wiederholt empfehlend aufmerksam.— Am Freitag Abend wird Sudermanns„Heimat“ gegeben werden.(1b)
* Wagengestellung zum 23. Febr. für den Kohlen= und Koksverkehr im Ruhrrevier: gestellt 18 129, gefehlt haben keine Wagen.
Nachbarschaft und Provinz.
Herne, 23. Febr. Ein Maurerlehrling machte gestern in einer hiesigen Wirtschaft eine Zeche von 3 Mark und wollte dann französischen Abschied nehmen. Der Wirt faßte ihn jedoch am Kanthaken und überlieferte ihn der Polizei.— Ein Bergmann, der von seiner Frau getrennt lebt, suchte dieselbe gestern in einem Hause an der Kalkstraße auf, wo er sie alsdann brutal mißhandelte. Nur mit Mühe und Not konnte die Frau aus seinen Händen befreit werden. Der wütende Mensch wurde in Polizeiarrest abgeführt und heute vor dem Schöffengericht wegen eines früheren Auftrittes mit 14 Tagen Gefängnis belegt.— Eine andere Skan dalscene spielte sich gestern auf der v. d. Heydtstraße ab. Nach einem Trinkgelage gerieten die fröhlichen Zecher höllisch aneinander und einer feuerte aus seinem Revolver einen Schuß ab. Die Polizei schaffte Ruhe.(:::).— Ein Bürger in Baukau wurde, wie die„H. Z.“ berichtet, Sonntag Abend von einem ihm völlig unbekannten Manne, dem er arglos Einlaß gewährt hatte, überfallen und mit einem Gummischlauche geschlagen. Bei' seiner polizeilichen Vernehmung gab der sonderbare Gast an, daß er nur ein bischen viel getrunken habe.— In Pöppinghausen vermißt man seit dem 19. 0s. Mts. den 68 Jahre alten Friedr. Overkamp und vermutet, daß er, weil sehr schwachsichtig, in die Emscher geraten und darin ertrunken sei.— Ein an dem Hause des Wirtes Fels in Bladenhorst angebrachter Briefkasten ist in letzter Zeit schon zweimal erbrochen worden. Hoffentlich gelingt es, dem bedenklichen Markenfreund balb das Handwerk zu legen.
Weitmar, 23. Febr. Die Amts= resp. Gemeindevertretung erklärte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit dem Ausscheiden der Gemeinden Hamme, Hofstede, Grumme und Wiemelhausen aus dem Amtssparkassenverbande einverstanden. Die Weiterführung der Gas rohrleitung durch die Blumenfeldstraße wurde vertagt, desgl. die Weiterführung der Wasserleitung durch die Nevel= und Grenzstraße. In der Prozeßsache der Bochum=Gelsenkirchener Straßenbahn wurde mitgeteilt, daß die Straßenbahnverwaltung mit ihrer Klage abgewiesen sei. Der Haushaltsplan für das Gaswerk pro 1904 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 43600 Mk. festgesetzt. In der Prozeßsache Gaiser steht neuer Termin am 26. d. M. in Hannover an.
Hamme, 23. Febr. In der gestrigen Sitzung des Kreisaus schusses ist dem Polizei=Wachtmeister Mertens hier die Erlaubnis zum Betriebe einer Wirtschaft für das Haus Hofstederweg Nr. 35, welches er von dem Invaliden Friedrich Bischoff käuflich erworben hat, erteilt worden. Ebenso hat der Bäckermeister Herm. Bartling in Hamme für seine Besitzung Mühlenstraße Nr. 124 die Wirtschaftskonzession erhalten.(.*)
Kray, 23. Febr. Der heute mittag von Gelsenkirchen hier ein laufende Personenzug entgleiste unmittelbar vor der Einfahrt in den Bahnhof Kray. Die Lokomotive und alle Wagen bis auf die beiden letzten legten sich auf die Seite. Der Materialschaden soll nicht sehr beheutend sein; auch kamen Menschen nicht zu Schaden. Man hofft, die Strecke bis zum abend wieder freilegen zu können; inzwischen wird der Verkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten. An der Unfallstelle arbeiten 120 Arbeiter.
Eickel, 23. Febr. Am Samstag hielt das Kuratorium des RealProgymnasiums eine Sitzung ab. Man beabsichtigt, das Anstaltsgebäude auf einem von Herrn Lechtape erworbenen Grundstück an der Göbenstraße in der Nähe des Kurhotels zu errichten.— Herr Landwirt Middeldorf verkaufte seine über 60 Morgen große Besitzung an die Zeche„Königsgrube"; der Kaufpreis beträgt pro Morgen 6300 Mk. Etwa 18 Morgen erwarb die Gemeinde zur Vergrößerung des Volksgartens bezw. zu Bauplätzen, den Morgen zu 5400 Mk.— Die Zeche„Shamrock“ kaufte von dem Landwirt Herrn W. Schulte=Altedorneburg 30 Morgen Land nebst dem Wohnhaus.(1)
Wanne, 23. Febr. In der Monatsversammlung des evang. Arbeitervereins sprach der Vorsitzende über die Bestrebungen der Bodenreform. Herr Lehrer Winkler hielt einen Vortrag über die Hansa.— Ein Händler aus Bismarck verkaufte hier an mehreren Stellen verdorbene Bückinge. Ein Haussuchung förderte noch 500 Kisichen derselben wertlosen Ware zu Tage.— In der Wirtschaft Becker kam es zwischen mehreren Burschen zum Streit. Als der Wirt die Radaubrüder an die Luft setzte, erhielt er von einem derselben Stiche in beide Arme, sodaß er ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußte. Die Polizei nahm den Messenhelden fest.(i)
Recklinghausen, 23. Febr. Unter dem Vorsitze des Herrn Provinzialschulrats Dr. Hechelmann fand gestern und heute hier die mündliche Prüfung der Gymnasialabiturienten statt.— Die Hugo Lohbecksche Wirtschaft ist zum Preise von 66000 Mk. in andere Hände übergegangen.— Aus Bruch klagt man über den Zustand der durch das Regenwetter arg versumpften Straßen.— In einer dortigen Wirtschaft versuchten zwei Personen Zechprellerei. Auf ein ent
24. Februar 1904 Seite 3.
sprechendes Pfand bekamen sie noch etwas aus dem Handgelenk graud.
Cetzte Posten und Depeschen.
Washington, 23. Febr. Man erwartet, daß die Forderungen Deutschlands, Großbritanniens und Italiens an Venezuela binnen zwei Jahren befriedigt sein werden und diejenigen der übrigen Mächte später in Ratenzahlungen beglichen werden.
W. Konstantinopel, 24. Febr. Seitens der türkischen Regierung wurde zwecks Ankaufs von Kanonen eine Kom mission nach Paris entsandt. Mit Creuzot wurde bereits ein Abkommen getroffen.
H Madrid, 24. Febr. Gestern wurden die meisten nach dem Auslande bestimmten Telearamme von der Zensur angehalten. Am Kongreß herrscht großer Tumult. Man befürchtet neue Unruhen. Gerüchte bedenklichster Art sind im Umlauf.
Haag, 23. Febr. Der japanische Gesandte erbat von der Regierung in Tokio Instruktionen bezüglich eines eventuellen Protestes gegen die gestrige Ansprache Murajews in dem Schiedsgerichtshofe
W. Petersburg, 24. Febr. Die deutschen Offiziere Oberleutnant v. Lauenstein und Major Tettow, die sich auf den Kriegsschauplatz begeben werden, sind hier eingetroffen.
W. Washington, 24. Febr. Im Senat erfolgte die Annahme des Panama=Kanalvertrages.
H. München, 24. Febr. In Oberdorf bei Augsburg sind bei einem Brande zwei Personen verunglückt. Eine Bauerntochter wurde von einer einstürzenden Mauer erschlagen, ein Bauernsohn erlitt schwere Verletzungen. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.
Lübeck, 23. Febr. Der Senat hat die Verordnung über das Verhängen der Schaufenster und Schaukästen während der Zeit des öffentlichen Gottesdienstes aufgehoben.
H. Condon, 24. Febr. Aus Newyork sird gemeldet, daß an allen Plätzen die Preise für Korn und Mehl bedeutend gestiegen sind.
Der russisch-japanische Krieg.
H London. 24. Febr. Sämtliche Morgenblätter veröffentlichen Telegramme aus Petersburg, wonach Graf Lambsdorf beabsichtige, seine Demission als Minister des Aeußern zu geben. Die Blätter fügen hinzu, daß seit län gerer Zeit der Minister mit seinen Kollegen nicht mehr in gutem Einverständnisse stehe. Man glaube, daß Lambsdorf durch den früheren Finanzminister Witte ersetzt werde.
H London. 24. Febr. Aus Tschifn wird berichtet: Die russischen Behörden glauben, daß die japanische Flotte einen Angriff auf Dalny machen werden. Im dortigen Hafen sind daher zahlreiche Minen gelegt. Die Handelsschiffe können nur unter Führung von Marincoffizieren in den Hafen einlaufen.
Berlin, 23. Febr. Wie die„N. Pol. Corr.“ schreibt, erwartet man entscheidende Kämpfe auf dem ostasiatischen Kriegsschauplatze nach sachverständigem Urteil erst in einigen Wochen.
Tokio, 23. Febr. Die drei englischen Offiziere, die die Kreuzer„Nishin“ und„Kasuga“ nach Japan gSbracht haben, wurden heute vom Kaiser in Audienz empfangen und verlieh ihnen derselbe die 4. Klasse der„ausgehenden Sonne“ zugleich mit prächtigen Geschenken. Es ist dies eine ungewöhnliche Auszeichnung. Nach der Audienz statteten die Offiziere dem japanischen Marineminister Yamamoto einen Besuch ab. Die Offiziere werden Kobe und andere Städte besuchen, wo die Javaner ihnen zu Ehren Festlichkeiten veranstalten wollen.
W. Petersburg, 24. Febr. Der Kommandant von Kronstadt Admiral Makarow wurde zum Oberbefehlshaber der Flotte im Stillen Ozean ernannt.
600 Gedenktafel. 9 60 0
24. Febr. 1500. Kaiser Karl V. geb.— 1525. Schlacht bei Pavia. — 1614. Uebertritt des Kurfürsten Johann Sigismund von Brandenburg zur reformierten Kirche.— 1809. Generalfeldmarschall Freiherr von Manteuffel geb.— 1829. Romanschriftsteller Friedr. Spielhagen geb.— 1848. Beginn der Februarrevolution in Paris.— 1867. Eröffnung des ersten Reichstages des Norddeutschen Bundes.— 1884. Philolog Georg Büchmann f.
Tageskalender.
24. Febr. Sonnen=Aufgang 7 Uhr 34 Minuten. Sonnen=Untergang:
5 Uhr 56 Minuten.(Tageslänge 10 Stunden 22 Minuten).
Mondphase: 12 Uhr 31 Min. nachmittags Erstes Viertel.
Wetter=Aussichten für Mittwoch den 24. Februar: Ziemlich kühles Wetter, wolkig bis halbheiter mit nordlichen bis östlichen Winden. Schwache Nachtfröste.
Meteorologische Beobachtungen.
Mitgeteilt von Paul Broeker, Optiker, Koctumstraße 7. Barom. Temp.
23. Febr. 12 Uhr M. 760,0+ 2,0° C.
23.„ 8„ A. 760,0+ 3,0° C.
24.„ 8„ V. 761,0+ 1,0° C.
Versammlungen und Veranstaltungen.
Unter dieser Rubrik verzeichnen wir täglich kurz die an dem betreffenden
stattfindenden Versammlungen(Vereinsabende). Theateraufführungen, Concerte etc., über die una Inserate bezw. Mittellungen der Verelnsvorstánde vor
legen
Bochum, Mittwoch, 24. Febr.
Stadttheater. 8 Uhr„Der Hüttenbesitzer“.
Alldeutscher Verband. 8¼ Uhr Vortrag:„Die deutschen Inter
essen in Ostasien" im Viktoriasaal.
Missionsverein. 3 Uhr im Vereinshause.
Verein f. Handlungs=Commis von 1858(kaufm. Verein),
Hamburg, Zweigverein Bochum. 9 Uhr Versammlung im Römer Ev. Arbeiterverein, gemischter Chor. 8 Uhr Gesangprobe. Stenographenverein Gabelsberaer. 9 Uhr Kortum.
Familiennachrichten.
Geboren. Sohn: Hrn. Heinz Hüser(Bröcker), Elberfeld.— Tochter: Hrn. Wilh. Köchlin(Busch), M.=Gladbach.— Hrn. Dr. Langer (Baum), Düsseldorf.
Verlobt. Frl. Gertrud Kayser mit Hrn. Louis Sinkel. Bockum und Krefeld.— Frl. Tulla Hengstenberg mit Hrn. Leutnant Jonkheer Harry von Schmidt auf Altenstadt, Münster.— Frl. Gertrud Grillo mit Hrn. Ernst Lung, Düsseldorf.— Frl. Anny Wülfing mit Hrn. Fritz Henckel fr., Dusseldorf.
Gestorben. Hr. Geh. Bergrat Riemann, Wetzlar.— FrlRösel Hugo, Höhscheid bet Solingen.— Hr. Landgerichtsrat a. D. Bruno Uffeln, Warbura— Hr. Peter Kappes, Düren.
Die heutige Nummer hat 12 Seiten.
Verantwortlich für die Redaktion: Dr. Paul Küppers; für den Inseraten= und Reclametheil: Eugen Wolft in Bochum.