Ausgabe 
24 (22.8.1928) 225
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Durch die Erhaltung von Mittelstädten werden ferner die Ansprüche auf kulturelle Einrichtungen in dem Stande erhalten, der dem Interesse der arbeiten­den Bevölkerung entspricht. Die Auffassung, daß die Großstädte die kulturellen Bedürfnisse der Bevölkerung besser befriedigen, ist unrichtig. Allerdings sind die Aufwendungen für Theater und Konzerte ungewöhn­lich hoch und betragen in Bochum z. B. jährlich 1 200000 RM. Hiermit dient Bochum aber nicht den kulturellen Bedürfnissen des einfachen Mannes, der 80 Prozent der Bevölkerung bildet. Das kulturelle Bedürfnis und die Fortbildung der Mehrheit der Be­völkerung wird in den Großstädten vernachlässigt, wie sich aus einem Vergleich der Leserzahl der öffentlichen Bibliotheken in der Großstadt einerseits und der Stadt Wanne=Eickel andererseits ergibt.

Man kommt also zu dem überraschenden Resultat, daß die Benutzung der Volksbibliothek in Wanne-Eickel bis 7 mal so groß ist wie in den Großstädten(vergl. Dortmund). Ebenso ist in der Mittelstadt Herne die Zahl der Besucher der Bibliotheken bedeutend größer als in den Großstädten. In den Mittelstädten ist also die Zahl der Fortbildung suchenden Einwohner größer als in der verflachenden Großstadt. Die Ein­wohnerschaft steht also kulturell höher. Sie ist durch die vielen Großstadtvergnügungen nicht so verflacht, daß das Interesse für Fortbildung und gute Literatur geschwunden ist. Die geringste Besucherzahl von allen Städten in Dortmund ist nicht bedingt durch mangel­hafte Einrichtung der Bibliothek, denn Dortmund hat im Verhältnis zu der Zahl der Einwohner die best­ausgestattetste Bibliothek, da auf 3 Einwohner zwei Bücher entfallen.

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gebiet an Wanne=Eickel.

Wanne=Eickel ist die am dichtesten besiedelte Stadt des mittteren Industriegebietes.

Wanne=Eickel 43,1 Einwohner auf 1 ha,

Bochum 41,7 Einwohner auf 1 ha,

Herne 31,6 Einwohner auf 1 ha,

Gelsenkirchen=Buer 31,5 Einwohner auf 1 ha,

Recklinghausen 12,7 Einwohner auf 1 ha,

Wattenscheid 26,7 Einwohner auf 1 ha.

Infolgedessen muß der Stadt Wanne=Eickel ein aus­reichend großes Siedlungsgelände zugewiesen wer­den, was vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, sowie von der Handelskammer Bochum ausdrücklich anerkannt ist. Dieses Siedlungsgelände ist nur im Norden in der Gemeinde Herten verfügbar. Es ist also zu untersuchen, bis zu welcher nördlichen Grenzlinie eine Gebietszuweisung an Wanne=Eickel erfolgen muß.

Es wird vorausgeschickt, daß das Gebiet der Ge­meinde Herten durch Ost-West-Bahnlinien in drei Teile geteilt wird. Diese werden begrenzt:

a) Der erste Teil von der nördlichen Grenze Wanne­Eickel und der Ewaldbahn,

b) der zweite Teil von ner Ewaldbahn und der Hamm=Osterfelder Bahn,

e) der dritte Teil von der Hamm=Osterfelder Bahn und der nördlichen Grenze des Amtes Herten.

Zu a): Das Gebiet zwischen Rhein-Herne-Kanal und Ewaldbahn ist schon seit mehreren Jahren durch Planung des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk in seinen wesentlichen Teilen als Hafenerweiterungs­und Industriegelände festgelegt; es befindet sich dem­nächst zu dem wesentlichsten Teile in der Hand der Hafenbetriebsgesellschaft Wanne=Herne und zwar in dem Teile, der durch die Ewaldbahn, den Rhein­Herne=Kanal, die Dorstener Straße zurück zur Em­scher bis zur Recklinghauser Straße, alsdann Reckling­hauser Straße, Ewaldbahn beschrieben wird. Dieses Gelände muß aus lebenswichtigen überkommunalen Verkehrs= und Wirtschaftsinteressen des gesamtenIn­dustriegebiets Mitte lediglich für die nichtaufzuhal­tenden Hafenerweiterungen einschließlich Bahnanlagen und als Industriegelände freigehalten werden. Es ist daher zu Siedlungszwecken nicht verfügbar. Das Restgelände zwischen Ewaldbahn und Nordgrenze Wanne=Eickel einerseits und Recklinghauser Straße und Grenze Gelsenkirchen=Buer andererseits ist zum großen Teil durch den heutigen Kommunalfriedhof Wanne=Eickel und sein dringend notwendiges Erwei­terungsgelände in Anspruch genommen. Es ist au­ßerdem eine geschützte Verbandsgrünfläche, so daß sie im Interesse der Bevölkerung auch über den Rahmen des Waldfriedhofes hinaus erhalten bleiben muß, um so mehr, da ihre Erhaltung, wie der Waldfriedhof Wanne beweist, möglich ist. Eine offene Rand­bebauung in diesem Gebiete ist zum Teil möglich und auf ganz kleine Flächen ebenfalls eine aufgelockerte Besiedelung durchführbar. Die für diese Zwecke jedoch verbleibenden Flächen sind so verschwindend klein, daß ihre Zuteilung zum Zwecke der Besiedelung an Wanne=Eickel nicht von Belang ist.

Ergebnis zu a:

Durch Zuteilung des Gebietes von Herten bis zur Ewaldbahn wird der Stadt Wanne=Eickel das dringend notwendige Siedlungsgelände nicht zugewiesen, sondern ihr lediglich eine Fläche zu­geteilt, über deren Verwendung heute schon klar für andere Zwecke verfügt ist.

Zu b): Das Gelände von der Ewaldbahn bis zum üdlichen Teile des Ortskerns Hertens befindet sich bis auf ganz kleine Teile im Besitze der Gewerkschaft Ewald. Eine Besiedlungsmöglichkeit dieses Geländes durch Baugenossenschaften, durch die öffentliche Hand oder Private besteht daher bekanntlich nicht, da die Zechen kein Gelände abgeben, wenn nicht gegen Zah­lung einer Entschädigungssumme vorher auf Ersatz für Bergschäden verzichtet wird. Grundstücke, die ge­gen Bergschäden abgefunden sind, sind aber nicht be­leihungsfähig und kommen daher für eine Bebauung nicht mehr in Frage. Außerdem ist dieses Gelände zum wesentlichsten Teil Verbandsgrünfläche und wird als solche, da im Besitz von Ewald, auch erhalten. Es bietet sich also das erste größere zusammenhängende Siedlungsgelände erst von der Höhe des füdlichen Kernrandes der Gemeinde Herten an nach Norden. und zwor östlich und westlich des Ostkerns Hertens bis zur Hamm=Osterfelder Bahn. Die Hamm-Oster­elder Bahn wird jedoch als Grenze nicht für empfeh­enswert gehalten, da einmal das bis zu dieser Grenze der Stadt Wanne=Eicke! nunmehr gemeinsam mit Herten zur Verfügung stehende Siedlungsgelände nicht ausreichend

ist, und des weiteren der Bahnhof nördlich der

Bahnlinie liegt, so daß die Möglichkeit vorausschau­ender, städtebaulicher Planung, die unbedingt bei der Bestimmung der kommunalen Grenzen auch laut Erlaß des Preußischen Ministers des Innern vom 22. 6. 28 IVa IV 289 gesichert werden muß, nicht geschaffen wird. Es ist somit auch folgerichtig der Teil von der Hamm-Osterfelder Bahn bis zur Grenze des Amtes Herten mit Wanne=Eickel zu vereinigen, damit der Zweck der Beschaffung von Siedlungsland auch tatsächlich erreicht wird.

Es ist allgemeiner Grundsatz, zusammenhängende Werke ineine Gemeinde zu bringen, wo diesem Ziele keine unüberwindlichen Hindernisse entgegen­stehen. Deshalb wird es für nötig erachtet, Schacht Schürenberg und Waldhausen mit in Wanne=Eickel und Herten einzubeziehen. Die vorgeschlagene Grenzlinienführung ist genereller Art. Sie muß durch Verhandlung und gegenseitige Verständigung örtlich zweckmäßig im Detail bestimmt werden.

Die vorstehende Begründung beweist die Notwen­digkeit der Zusammenlegung Hertens und Wanne­Eickels bei Vornahme der Untersuchung, für Wanne­Eickel Siedlungsgelände bereitzustellen. Durch diese Ausdehnung von Wanne=Eickel nach Norden durch Einbeziehung ländlichen Gebietes zum Zwecke der Er­langung notwendigen Siedlungsgeländes, steigt die Einwohnerzahl bei einer Ausdehnung bis zur Hamm­Osterfelder Bahn auf ca. 115 000 Einwohner, bei Ausdehnung bis zur Nordgrenze von Herten auf ca. 125 000 Einwohner. Wanne=Eickel, das zur Zeit 93000 Einwohner hat, wird dadurch kein Großgebilde, sondern behält den Charakter eines Mittelgebildes.

Da diese Untersuchung zu der städtebaulichen Not­wendigkeit führt, das gesamte Areal Hertens mit Wanne=Eickel zu vereinigen, muß zweckmäßigerweise noch kurz angeführt werden, ob die Entwickelungs­tendenz beider Gemeinden diesen Zusammenschluß ebenfalls rechtfertigt und ob diese Tendenz auch bei anderen nördlich und südlich der Emscher gelagerten Städten und Gemeinden zu beobachten ist.

Die vorstehende Frage ist in allen Teilen unbedingt zu bejahen.

Die Karte, die der Denkschrift angefügt ist, zeigt, daß die Gemeinde Herten, an der Hamm­Osterfelder Bahn wurzelnd, sich in langausgestreckter Form scharf nach Süden entwickelt hat.

Sie zeigt deutlich in ihrer Entwickelungsrichtung den Zug zum Rhein-Herne-Kanal an.

Die starke Verbindung der Zechen Ewald IV. der Hibernia=Schächte Schlägel und Eisen IIV mit dem kommunalen Hafen in Wanne=Eickel ist genug­sam bekannt. Sie sind durch eigene Vollbahn mit dem Hasen Wanne=Eickel verbunden und insgesamt mit 956 533, also fast 1000000 Tonnen jährlich am Um­schlage der Wanne=Eickeler Häfen beteiligt. Der Ver­kehr auf der Straßenbahnstrecke Herten Wanne­Eickel beträgt jährlich 2383 696 Fahrkarten. Außer­dem wandern alltäglich Tausende Einwohner Wanne­Eickels bei schönem Wetter zu den Waldgegenden der Gemeinde Herten.

Der Preußische Minister des Innern verlangt in seiner schon angegebenen Verfügung wörtlich fol­gendes:

Bei verschiedenen Fragekomplexen handelt es sich um die grundsätzliche Frage, ob der bestehende Zustand im wesentlichen bleiben kann, oder ob man zu größeren oder ganz großen Zusammenschlüssen sich entschließen muß. Ganz gleich, zu welcher Ent­scheidung man in diesen Fällen kommen wird, muß auf jeden Fall möglichste Klarheit darüber gewon nen werden, wie die Entwickelung des in Frage kommenden Gebietes auf eine weite Zukunft hin zu beurteilen ist; denn jede Lösung, ob sie einen klei­neren oder größeren Schritt bedeutet, muß so sein, daß sie mit der zu erwartenden Entwickelung nicht in Widerspruch steht; sie darf unter Umständen ge­wisse weitere Konsequenzen einer späteren Ergän­zung vorbehalten. Sie darf aber unter keinen Um­ständen Entscheidungen treffen, die bei einer spä­teren Ergänzung zurückrevidiert werden müßten.

Die oben angeführte augenfällige Neigung Hertens nach Süden, die genugsam bekannte und einzig mog­liche Entwickelungstendenz der Stadt Wanne=Eickel nach Norden führt ganz naturgemäß zum Zusammen­wachsen von Herten und Wanne=Eickel. Es entspricht daher den ausdrücklichen Richtlinien des Preußischen Ministers des Innern, wenn Wanne=Eickel und Her­ten jetzt schon zusammengelegt werden, da ihre an­erkannten Entwickelungsrichtungen diese Zusammen­legung rechtfertigen und fordern, so daß spätere Rück­revidierungen unterbleiben können.

Wanne=Eickel, im August 1928.

Der Oberbürgermeister Kiwit.

Der Himmelhof.

Heute beginnen wir mit der Veröfsentlichung eines neuen Romans, der den Titel hat:Der yimu melhof". Sein Verfasser, Jelir Navor, einer unserer besten katholischen Schriftsteller, ist ein Er­zähler und Gestalter, der an Kunst der Darstellung nur wenige seinesgleichen hat, der über eine uner­schöpfliche Phantasie verfügt, seine Stoffe mit silt­lichem Ernst behandelt und die Leser und Leserinnen von Ansang bis zu Ende in fesselnder Spannung hält.

AuchDer Himmelhof zeigt alle diese Merkmale Navors und dürfte unter seinen zahlreiche: Romanen und Erzählungen zu dem Besten gehören, was er se geschrieben hat. Es ist ein Bauerncoman, der seinen Schauplatz in dem bayerischen Hochlande und Haß und Liebe zweier Bauernsamilien zum Vorwurf hal. Scharf sind die handelnden Personen charakterisiert, die als Wirklichkeitsmenschen mit ihren guten und schlechten Eigenschaften vor uns trelen und unser Interesse fesseln; prachtvoll und packend sind die Na­turschilderungen, aus denen Erdgeruch emporsteigt und die Luft der Berge und ihres Zaubers uns ent­gegenweht; abwechslungsreich und spannend ist die Handlung, die schnell fortschreitet und nach Lösung der Verkettung der Geschehnisse und Entwicklungen zum beglückenden Endziel führt.

Wir hoffen, auch mit diesem Roman unserer Leser­schaft angenehme Unterhaltung zu bieten.

und für Herne.

Sechs Pfennig.

In der Schule für Oberkellner sind in den letzten Jahren neue Rechenbücher eingeführt worden mit einer eigenartigen Prozentrechnung, nach der zehn Prozent von dreißig gleich fünf, zehn Prozent von zwanzig auch gleich fünf, und zehn Prozent von sechzig gleich 10 ist.

Wegen dieser Rechnerei komme ich mit den Herren Ober stets in eine kleine Meinungsverschiedenheit, die damit endet, daß ich geduldig harre, bis er unter unzähligen klappernden Münzen zwei Pfennig sucht, wobei ein Handvoll Geld nach der andern aus der Hosentasche in die Rocktasche wandert, bis er endlich zum Büfett eilt und fünf Pfennig wechseln läßt.

Zum Danke für mein freundliches Warten darf ich dann auch meinen Paletot ohne fremde Hilfe an­ziehen.

Nun trage ich sechs Pfennig in meiner Tasche, zwei Zweipfennig= und zwei Einpfennigstücke, woraus man ersehen kann, daß ich in drei Musikkaffees ein Glas Bier getrunken habe zur Freude des bedienenden HerrnOber und der Gäste an den Nebentischen.

Immerfort fühle ich die runden Münzen und glaube, sie reichen noch zu einem Glase Bier, bis ich dann die große Enttäuschung erlebe, wenn ich die braunen Dinger herausnehme.

Um sie loszuwerden, trete ich ein in ein großes Zigarrengeschäft. Ich werde von einem hübschen, braunäugigen Bubiköpfchen und einem geschniegelten Verkäufer bewillkommnet, während der Chef in dienst­licher Haltung zuschaut.

Was wünscht der Herr?

Etwas zu rauchen.

Ich räuspere mich, damit das hübsche, liebe Fräu­lein nicht merkt, daß ich nur sechs Pfennige bei mir habe. Im Augenblick türmten sich vor mir wie Ge­wissensbisse eine Menge Zigarrenkisten auf von zehn bis sechzig Pfennige das Stück.

Ich schwärme für mittlere Sorten, was mich mit dem Herrn Chef in ein lebhaftes Gespräch über die einzelnen Arten überseeischer Tabake verwickelt, aus dem ich mich nicht zu entrinnen wage.

Andere Kunden werden inzwischen von dem Ver­käufer bedient.

Dem liebenswürdigen Chef und dem netten Fräu­lein fühle ich mich immer mehr verpflichtet, so daß meine Einwendung, ich wünschte heute doch lieber Zigaretten, nur leise wie ein Hauch mir entschwebt.

Schnell und liebenswürdig verwandeln sich die Zigarrenkisten in ein Zigarettenlager, wie ein Völki­scher sich zum Kommunisten umkrempelt.

Wünscht der Herr zu 5, 6, 7, 8, 10, 15 oder 20 Pfennig?

Zu 6 Pfennig!

Ich wählte unter drei Schachteln. Aus der mitt­leren entnehme ich mit spitzen Fingern behutsam eine von den netten runden Dingerchen und zünde es an.

Dabei peinigt mich plötzlich die Angst, ob an den sechs Pfennigen wohl einer fehle oder ob ich mich verzählt habe.

Gottlob, es stimmt. Ich zähle sie in die weiße wohlgepflegte Mädchenhand.

Sie guckt mich an, als hätte ich mich seit vier Wochen nicht rasiert, und faßt die braunen Münzen, als wären es Regenwürmer. Der Chef blickt durch mich hindurch nach der Ladentür hinaus auf die Straße.

Um meine Körperlichkeit zu zeigen, ziehe ich den Zigarettenrauch durch die Nase und spreche:Die Marke ist gut.

Niemand stimmt mir zu. Ich fühle mich sehr

überflüssig in dem Geschäft und gehe hinaus.

Wie hochmütig solch ein junges hübsches Mädchen gucken kann! Hochmütiger als meine Frau, wenn ich mich Donnerstags abends beim Kegeln verspäte.

20=Minuten=Verkehr auf der Linie C.

Wie wir erfahren, ist noch im Herbste dieses Jah­res die Einführung der 20minutigen Wagenfolge auf der Linie C in Aussicht genommen. So waren bisher die Anschlüsse der Linie C in Herne, in Recklinghau­sen=Süd, in Recklinghausen die denkbar schlechtesten,

was hauptsächlich auf die Einführung des 10=Mi­nuten=Verkehrs auf der Nord=Süd=Linie zurückzufüh­ren ist. Aber auch die Anschlußlinien in Recklinghau­sen(Vestische Kleinbahnen) besitzen sämtlich den 20­Minuten=Verkehr. Da vom Recklinghäuser Haupt­bahnhof bis zum Stadtgarten der Betrieb gemeinsam mit der Linie 3 erfolgt, ist auf den Fahrplan dieser Linie wieder Rücksicht zu nehmen, von Recklinghausen bis Recklinghausen=Süd auf den der Linien 8 und 8a, in Herne auf den der Linie 3 und ebenfalls 8 und 8a usw. Hierbei sei noch gesagt, daß die Westfälische Straßenbahn in Kürze die Umstellung des 24=Minuten=Verkehrs in den 20­Minuten=Verkehr vornehmen will, und zwar auf sämtlichen Linien. Dadurch würde schließlich der Anschluß in Gerthe an die Linie A hergestellt. Man sieht hieraus schon, welche Arbeit in der Ausarbeitung eines solchen Fahrplanes liegt und daß eine solche Umstellung nicht von heute auf morgen vorzunehmen ist. Auch die Straßenbahn Herne Castrop= Raurel wird sich sobald wie möglich diesem Vor­gehen anschließen.

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Der Dritte.

Von einem Dritten kann man nur sprechen, wenn schon zwei vorhanden sind. So sagt Dionys zu Da­mon und dessen Freunde:Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte. Suchen zwei Leute einen dritten zum Skat, so ist der dritte, wenn auch noch nicht zur Stelle, so doch durchaus am Platze. Wenn ich mich mit jemandem vertrage oder streite, so geht das in der Regel einen anderen nichts an, mag er sich vielleicht auch darüber freuen oder ärgern. Das preußische Landrecht kannte Verträge über die Handlungen eines Dritten. Das Bürgerliche Gesetz­buch konnte um den dritten nicht mehr herumkommen, nachdem es den andern eingeführt hatte. Hätte der Gesetzgeber in§ 145 gesagt: Wer jemandem(statt einem andern) die Schließung eines Vertrages an­trägt, so wäre uns der dritte erspart geblieben. Aber es läßt sich hier wenigstens begrifflich nichts gegen ihn einwenden. Allein das Gespenst des Dritten spukt auch da, woder andere leibhaftig seine Schuldig­keit vollkommen getan hätte, namentlich in den Rüst­und Rumpelkammern der Juristen, die ohne den Drit­ten nicht streiten können. Wenn zwei Leute einen Vertrag miteinander schließen oder einen Rechtsstreit gegeneinander führen, so sind die Unbeteiligten nie die andern, sondern immer die dritten. Das gilt auch von den Zuschauern beim Skat, den sogenannten Wanzen. Ich darf meine Karte(Fahr=, Eintrittskarte usw.) nicht etwa auf einen andern, sondern auf einen dritten nicht übertragen. Damit sich Dritte nicht an gewisse Orte verirren, wird die Warnung angebracht: Dieser... ort ist nur für das Personal der städti­schen... bestimmt. Die Benutzung durch Dritte ist verboten. Man sollte dem Dritten den Zutritt über­haupt nur da gestatten, wo sich bereits der eine und der andere findet.

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Mehr Hauszinssteuermittel bei Arbeiter­wohnungen.

Der Reichsarbeitsminister hat an den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits­losenversicherung ein Schreiben gerichtet, nach dem die Vermittlung von Arbeitskräften in Arbeitsstel­len außerhalb ihres Wohnortes sehr häufig daran scheitert, daß an dem neuen Arbeitsort keine Woh­nung zu haben ist. Andererseits haben sich die Woh­nungsressorts der Länder mehrfach bereit erklärt, dafür Sorge zu tragen, daß bei der Verteilung der Hauszinssteuermittel für Wohnung­bauten vor allem die Gemeinden berücksichtigt werden, in denen eine Vermehrung der Wohnungen aus ar­beitsmarktpolitischen Gründen notwendig ist. Um die Verteilung der Hauszinssteuermittel in diesem Sinne zu erleichtern, ist es wichtig, daß die Be­hörden, denen die Verteilung obliegt. rechtzeutig da­von Kenntnis erhalten, wo solche Schwierigkeiten in der Arbeitsvermittlung auftreten. Der Reichsarbeits minister ersucht daher, die Landesarbeitsämter und die Arbeitsämter anzuweisen. Erfahrungen dieser Art den Verwaltungen. die für die Verteilung der Hauszinssteuermittel zuständig sind, mitzuteilen. Es werden besonders solche Fälle in Betracht kommen, in denen Gemeinden durch ihre wirtschaftliche Ente­

wicklung, z. B. die Niederlassungen neuer In­dunrien, in den letzten Jahren einen größeren Zu­zug von Arbeitskräften erhalten oder in Zukunft noch zu erwarten haben.

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* Wieder ein schweres Motorradunglück.

Gestern gegen 5.45 Uhr stieß auf der Bochumer Straße Ecke Siepenstraße ein Motorradfahrer mit einem Radfahrer zusammen. Der Radfahrer Oskar Kr. von hier wurde schwer verletzt in das evange­lische Krankenhaus eingeliefert. Der Motorradfahrer Albert Gr. wurde nicht verletzt, dagegen erlitt sein Beifahrer Josef Wi. aus Bochum leichte Verletzungen am kopf und linken Arm. Die Untersuchung der Schuldfrage ist eingeleitet.

* Noch ein Motorradunglück.

Am Montag gegen 17,45 Uhr stieß auf der Dor­stener Straße in Wanne=Eickel in der Nähe des Dy­namowerkes ein Motorrad mit einem Lieferwagen zusammen. Der Motorradfahrer Albert Fl. aus Herne wurde schwer verletzt in das evangel. Krankenhaus in Herne eingeliefert. Lebensgefahr besteht zur Zeit nicht. Die Untersuchung der Schuldfrage ist eingelei­tet.

* Auf dem Markte bestohlen

wurde gestern kurz vor Mittag eine junge Frau. Sie hatte an einem Stand einiges eingekauft und dabei ein großes Paket mit neuen Schuhen, die sie in den Morgenstunden aus einem hiesigen Schuhgeschäft ab­geholt hatte, vor sich hingelegt, um die eingekauften Waren einzupacken. Plötzlich mußte sie die Entdeckung machen, daß ihr Paket verschwunden war. Man kann sich ihren Schrecken vorstellen, doch war der Diebstahl von niemand bemerkt worden. Bei dem Gedränge des Marktes ist also Vorsicht geboten.

* Einen bösen Sturz

erlitt ein Arbeiter mit seinem Fahrrade, als er in die Schaeferstraße einbiegen wollte, infolge des durch den Regen glattgewordenen Bodens. Er trug eine Kopf­wunde und Schrammen davon.

* Viel Staub,

der zeitweise die Straße in eine Wolke einhüllte, gab es gestern im Laufe des Nachmittags beim Abbruch des alten Voorgangschen Hauses. Eine große Menge Volkes umlagerte die Baustelle, die vom Fahrdamm und von den Bürgersteigen aus den Arbeiten zusahen. Auch gerieten noch kurz vor Schicht einige Arbeiter in Gefahr. Als sie die eine große, mehrere Zentner schwere Bruchmauer abstemmten, wurden sie mit in die Tiefe gerissen, die Menge schrie laut auf, jedoch ging die Sache noch einmal gut. Mehr Vorsicht mit der Absperrung wäre auch wohl am Platze.

* Schwerer Zusammenstoß.

Gestern morgen um 8,30 Uhr kam ein Schnell­Lastauto von Wanne=Eickel. Kurz an der Unterfüh­rung der Kolonie Julia bog aus entgegengesetzter Richtung ein Schaustellerwagen um die Ecke. Dem Autofahrer war die Uebersicht genommen, er sah da­

her nicht, daß in Höhe des Pferdefuhrwerks in schnel­er Fahrt ein Lastwagen mit Anhänger heransauste. Es gab einen heftigen Zusammenstoß. Der ganze Vorderwagen des Schnellieferwagens ging zu Bruch, der Motor wurde erheblich beschädigt, so daß das Auto abgeschleppt werden mußte. Der Lastanhänger kam mit geringen Beschädigungen davon, der Bremser des einen Wagens wurde leicht verletzt.

* Ein neues Möbelgeschäft

eröffnet heute im Hause Bahnhofstraße 111(gegen­über Hotel Schmitz) seine Geschäftsräume, die Firma Enker u. Co. Damit wird in Herne die Zahl der Möbelgeschäfte, aber auch der Wettbewerb, wiederum verstärkt. Das ist ein Zeichen dafür, wieviel Fa­milienneugründungen und Auffüllungen des in den Anfängen kärglich gewesenen Hausrats erfolgen. Der Wettbewerb steigert aber auch gleichzeitig die Lei­stungsfähigkeit. Davon legt das neue Geschäft eine Probe ab. Es bietet eine so reiche, in Stil und Preis­lage so mannigfach abgestufte Fülle von Zimmer­einrichtungen, vom Herd bis zum feinsten Edelholz, daß trotz des sehr großen Verkaufsraumes die Fülle des Gebotenen den Besucher erdrücken würde, wäre nicht die Aufstellung so geschickt, daß man bequem bei überall heller Beleuchtung in Ruhe wählen und prü­sen kann. Wir wünschen der neuen Firma viel Glück!

* Unfall in der Grube.

Bei Ausführung einer Berufsarbeit wurde der Bergmann Georg Hugo in der Grube der Zeche Shamrock 1°2 von einem umkippenden Bergewagen erfaßt und gegen das Gebirge gedrückt. Der Becken­bruch, den er hierbei erlitt, machte seine sofortige Ueberführung in das Bergmannsheil in Bochum not­wendig.

* Berufung.

Der Schulamtsbewerberin Luise Schulte am rsch, Tochter des verstorbenen Sanitätsrats Dr. Schulte am lesch, ist durch die Regierung vom 1. Sep­ember d. J. ab die Verwaltung einer Schulstelle an r evangelischen Schule an der Bergstraße übertragen worden.

* Die Temperatur im Sommerbad.

Gestern morgen war die Temperatur des Was­der Luft 16. Gegen abend war das Wasser 21 Grad, die Luft 18 Grad Celsius warm.

* Ein Gaskandelaber umgefahren.

Cenis=Straße gegenüber der Ru­aße fuhr gestern morgen ein hoch mit Brettern beladenes Fuhrwerk den Gaskandelaber um

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