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N 262

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Detmold, Dienstag, den 7. November 1916

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149. Jahrgang

Deutscher Tagesbericht.

Ein neuer Großkampftag an der Somme. Schwere Niederlage der Feinde.

Weitere Fortschritte in Rumänien.

wtb. Großes Hauptquartier, 6. Nov. 1916.

estlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Prinzen Rupprecht von Bayern

In der Dauerschlacht an der Somme war der 5. No­vember wiederum ein großer Kampftag erster Ordnung. Engländer und Franzosen haben mit sehr bedeutenden Kräf­ten und unter Einsatz der ganzen Feuerkraft ihrer Artillerie einen gewaltigen Stoß gegen die Front der Armee des Gene­rals von Below geführt. Die unter dem Befehl der Gene­rale Freiherr von Marschall, von Deimling und von Gar­nier stehenden Truppen verschiedener deutscher Stämme haben unerschütterlich standgehalten und dem Feind eine schwere Niederlage bereitet.

Teile des Straßburger Korps, des sächsischen und badener Kontingents, Berliner und Hanseaten, sowie das Meininger Infanterie=Regiment haben sich besonders aus­gezeichnet. Auf der ganzen, fast 20 Kilometer breiten An­griffsfront von Le Sars bis Bouchavesnes haben die ver­bündeten Gegner große, gewaltige Verluste erlitten und, ab­gesehen von einem örtlichen Gewinn am Nordteil des St. Pierre=Vaast=Waldes, nichts erreicht. Wo sonst der Feind bis in unsere Linien vordringen konnte, wurde er sofort wieder hinausgeworfen und ließ 10 Offiziere, 310 Mann und Beute in unserer Hand. Nordöstlich von Le Sars wurden allein über 70 Gefangene und 10 Maschinen­gewehre eingebracht. Bei Soissons wurde der Angriff einer schwachen französischen Abteilung abgeschlagen.

Front des deutschen Kronprinzen.

Rechts der Maas im Abschnitt von Hardoumont heftige Artillerie= und Handgranatenkämpfe.

*

Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Frout des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Die Kämpfe im Toelgyes=Abschnitt, sowie zwischen der Alt=Schanz= und Bodzapaß=Straße dauern ohne wesentliche Veränderung der Lage an.

Südwestlich von Predeal gewannen wir die Höhe La Omu und machten südöstlich des Rote=Turm=Passes weitere Fortschritte. Beiderseits der Szurdukpaß=Straße wurden ru­mänische Angriffe abgeschlagen. Wir nahmen an der Süd­front 450 Manu gefangen.

Balkan=Kriegsschaupratz. Front des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Nichts Neues.

Der Erste Generalquartier meister.

Ludendorff.

Ein erfolgreicher Tag an der Somme.

Wie der amtliche deutsche Heeresbericht meldet, haben unsere Truppen im Sommegebiet den verbündeten Gegnern am Sonntag eine schwere Niederlage beigebracht. Immer wieder versucht der Feind, gegen den deutschen Wall anzu­rennen, und immer wieder opfert er unzählige Menschen der Wahnidee, einen Durchbruch zu erzwingen. Wie eitel sein Bemühen ist, zeigen die Berichte der letzten Tage am deut­lichsten. Der Sonntag war wieder einmal ein Großkampf­tag erster Ordnung im Sommeabschnitt des westlichen Kriegsschauplatzes. Unmengen von Munition hat der Geg­ner gegen unsere Stellungen geschleudert und somit den energischen Vorstoß seiner Truppen gegen die Stelle der Front, an dem der Truppenteil des Generals von Below steht, zu unterstützen versucht, doch an dem eisernen Willen unserer Feldgrauen scheiterte das Anrennen des Feindes völlig. Ruhig erwarteten die unter dem Kommando der Generale Freiher v. Marschall, v. Deimling und v. Garnier stehenden deutschen Truppen den anstürmenden Gegner, um ihn dann mit blutigem Kopfe wieder heimzuschicken. Nicht nur Straßburger Truppen, sondern auch Sachsen und Badenser, ferner Soldaten aus des Deutschen Reiches Haupt­stadt und wetterharte Männer von der Waterkante, sowie die Meininger haben dem Feind einen derben Denkzettel mit auf den Weg gegeben und unerschütterlich in ihren Siel­lungen verharrt.

In fast 20 Kilometer breitem Angriff hat sich der Geg­ner, anstatt einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen, eine schtvere Niederlage geholt und eine größere Zahl Gefangener — mehr als 300 Mann— nehen anderer Kriegsbeute, dar­unter 11 Maschinengewehre, in unserer Hand gelassen. Den tapferen Truppen, die sich an diesem Großkampftag be­sonders ausgezeichnet haben, gevunm unser aller Dank.

Die Sommeschlacht dauert fort.

Köln, 6. Nov. Die„K. Z.“ meldet aus dem Großen Hauptquartier unterm 5. d. Mis.: Die Sommeschlacht, die größte der Weltgeschichte, und wenn man nicht die Kämpfe von Verdun ebenfalls als eine einzige auffassen will, als weitaus längste, nimmt einstweilen, unbeirrt durch das schlechte Wetter des herannahenden Winters, ihren gang. Auf dem französischen Teil der Somme=Front. von —

Sylvias Chauffeur.

Roman von Louis Tracy.

(39. Fortsetzung=,

„Aber doch— doch nicht——“

„Doch nicht der, der uns hierhergebracht hat— wollen Sie sagen? Nein, allerdings nicht! Westenholtz verließ uns vor ungefähr zwei Minuten. Sein Nachfolger heißt Hasen­kamp. Aber ich bin einigermaßen erstaumt varuder, daß Sie erraten konnten——“

„Bitte, sagen Sie mir, warum Westenholt Sie vor zwei Minuten verlassen hat.“

„Er war genotigt, so schnell als möglich nach Frankfurt

zurückzukehren. Im übrigen aber, glaude ich, daß die Reihe, ragen zu stellen, zunächst an mir sein wird. Lassen Sie uns, bitte, hineingehen. Ich mochte mich vor allem von dem Staub der Fahrt befreien. Dann aber müssen Sie sich darauf gesaßt machen, liede Mistreß Leland, ein richtiges Verhör zu bestehen. Darauf will ich Sie beizeiten vorbereiten. Ich bin ja gewiß hocherfreut, Sie so unvermutet wiederzusehen. Und Sie wissen, daß ich in solchen Dingen keine leeren Redens­arten mache. Aber es müssen sich Dinge zugetragen haben,

für die ich vorläufig noch nicht die gen gste Erklärung dave.

nd ich hoffe zuversichtlich, daß Sie ganz ehrlich gegen mich sein werden.“

Mistreß Leland versprach es lächelnd. Aber ihr Lächeln var jetzt etwas gezwungener als vorhin bei der Begrüßung. Sie hatte die Sache bisher nicht allzu tragisch genommen, beil sie in die Ehrenhaftigkeit eines Grasen Hoiningen keinen Zweisel gesetzt. Aber sein plötzliches Verschwinden, das so ganz den Anschein einer heimlichen Flucht hatte, mißfiel ihr in sohem Maße und weckte in ihrer Seele ein Mitztrauen, von dem sie bisher frei gewesen war. Das ganze Abenteuer ge­vann dadurch in ihren Augen ein verandertes und höchst eedenkliches Aussehen. Pendleton mochte doch recht daran eetan haben, sie um ihr Eingreisen zu ersuchen. Und sie war ntschlossen, sich mit ebensoviel Vorsicht als Energie der Er­üllung der Aufgabe zu unterziehen, die ihr da im Interesse bres reizenden jungen Schützlings vom Schicksal zugeteilt schien.

15. Kapitel.

„Guten Morgen, Papa!“

„Guten Morgen, Kurt!— Hast du dich aus deiner Fahrt nach Karlsruhe gut untechalten?“

„Ausgezeichnet!— Und du?“.

„Nun, es geht. Auf der Hinsahrt habe ich mich ver­zweiselt gelangweilt. Ich langweile mich immer, wenn ich allein reise. Zurück aber hatte ich ganz erträgliche Gesellschit — einen Franzosen, der sich immeryin darauf verstand, nur die Zeit zu vertreiben.“

„Einen Herin de Marigny— nicht wahr?“

„Ach ja, du kennst ihn ja. Das halte ich vergessen.“

„Ich vin ihm begegnet. Zu den Leuten, an deren Be­kannischaft mir etwas gelegen ware, gehört er allerdings nicht:

„Das Wetter war für eine Automobiltour ausnehmend günstig. Aber glaubst du nicht, daß es auf dem Punkte ist, umzuschlagen?“

Dabei ging der alte Herr mit großer Bedachtsamkeit daran, ein Ei zu schälen. Er saß am Frühstückstisch im Familsen= Speisezimmer des gräflichen Palaio zu Frankfurt, und Kurt Dietrich kannte das in seinem Vaterhause geltende, unver­brüchliche Gesetz, nach dem wihrend einer Mahlzeit keine Unter­haltung begonnen werden durste, die möglicherweise zu un­angenehmen Auseinandersetzungen führen konnte. Die plötz­liche Wendung, die der alte Herr dem Gespräch gegeven und die ihn durchaus nicht überraschte, nötigte ihm ein Lacheln ab: aber er gab sich keiner Täuschung darüver hin, daß die freundliche Gelassenheit seines Vaters vorläusig lediglich auf den Wunsch zurückzufuhren war, seiner Verdauung nicht durch unzeitige Aufregung einen Schaden zuzufugen. Auch wenn er nicht schon vor seiner Ankunft gewußt hätte, daß die Luft voll Gewitterstimmung sei, wurde er es aus den vertraulichen Aeußerungen des alten Kammeldieners Berringer enmommen haben, der sich gleich nach seiner Ankunft verpzüchtet gefühlt hatte, ihm zuzuflustern:

„Während Ihrer Abwesenheit sind unangenehme Sachen vorgefallen, Herr Graf!. Die gnädigste Grafin Bruchhausen hat iorem gnndigen Herrn Papa gewaltig zugesetzt. Ich glaude, es waren böse Tage für den Herrn

„Ich will Ihnen was sagen, Berringer,“ hatte Kurt Dietrich zwischen Ernst und Scherz erwidert.„Meine gnädigste Frau Tanie wird heute mittag zwischen ein und zwei Uhr mit uns frühstücken, und es ist viellecht angezeigt, daß Sie rechtzeitig für einen Sanitätswagen sorgen. Denn ich fürchte, die Frau Grafin wid in kleine Stücke zerplagen bei dem, was sie wah­rend des Fruhstucks erfahren wird.

Der alte Kammerdiener verzog pflichtschuldigst die Lippen. Kurt Dietrich aver klopfte ihn auf die Schulter.

„Machen Sie sich miinetwegen keine Sorge; treue Seele. Noch ehe die Sonne abermals aufgegangen ist, wird sich alles in estel Wohlgesallen gelöst haben.“

Er sagte es aus ehrlichster Ueberzeugung, denn es schien ihm undenkbar, daß die Hindernisse, die sich der Erfullung einer Wünsche jetzt noch entgegenstellten, sich nicht mit spielen­der Leichtkeit überwinden lassen sollten. Auch nicht die kleinste Regung von Bangigteit und Sorge war in seiner Seele, als der alte Graf jetzt, nach gemachlich beendetem Fruhstück, den Vorschlag machte, in der Bibnot###ek eine Ziga­rette zu rauchen; ja, er brannte vielmehr vor Verlangen, die Ertlärungen zu geben, auf die der alte Herr, wie er ihm be­reitwillig zugestand. ein gutes Recht hatte

Sobald sich die Tür des großen Bivliolbekraumes hinter ihnen geschlossen hatte, placierte sich(praf Hoiningen in der Mitte der Lanuswand, den Rücken gegen den Kamin aekehrt.

dessen nördlichstem Flügel abgesehen, zeigte sich allerdings in den letzten Tagen eine merkbar geringere Tätigkeit, was wohl mit den neuerlichen Anstrengungen der Franzosen bei Verdun und ihrem dort auffallend gesteigerten Artillerie­feuer auch noch an zahlreichen anderen Stellen der Westfront zusammenhängt. Die Engländer aber lassen noch keine Ver­änderung ihrer starrköpfigen Absicht erkennen, durch rück­sichtslose Opfer von Material und Leben hier einen Durch­bruch unserer Linie zu erzwingen, insbesondere setzen sie ihr ungeheuerliches Feuer mit schwerster Artillerie und großen Minenwerfern, das demnächst 20 Wochen lang so gut wie nnunterbrochen Tag und Nacht andauert, fort.

Urteile über die Gründung des Königreichs Polen.

Der eigenen im allgemeinen zustimmenden Stellung­nahme reiht das„Berliner Tageblatt“, die Aeußerungen einiger führender Männer in der Politik an, voran den in den Ostmarkenfragen besonders beschlagenen Gesandten a. D. Raschdau:„Die polnische Frage ist ron kritischen Politikern als die wichtigste des preußischen Staates be­zeichnet worden. Wenn jetzt ein unabhängiges Staatswesen an unserer Grenze entstehen soll, so ist es eine selbstverständ­liche Voraussetzung unserer Mitwirkung, daß wir in dieser Neuschaffung eine Entwicklung zu erkennen glauben, die das schwierige Problem für uns erleichtert und günstiger ge­staltet. Wir zweifeln nicht, daß diese Frage von den höch­sten Instanzen unseres Staatswesens auf das reiflichste ge­prüft worden ist, und daß insbesondere unsere militärische Leitung die Notwendigkeit dieses Aktes erkannt hat.“

Nach dem Fortschrittler Friedrich Naumann

gilt es.„beiderseits eine mögliche Lösung für das Problem es mitteleuropäischen Grenzlandes zu finden, wie es in fast ähnlicher Weise an der rumänischen und serbischen Grenze wiederkehrt. Dabei ist gegenüber dem früheren Zustande das Neue und sehr Wesentliche, daß in der Zukunft alle Polen zu den bisher nur ideell vorhandenen mitteleuropäi­schen Staatsverbänden gehören, daß aber dabei innerhalb dieses Verbandes dreierlei staatsrechtliche Gruppen für Polen sein werden: königliche, galizische und preußische. Nur wenn sich die Polen aller drei Gruppen aufrichtig und klar auf den Boden dieser geschichtlich gewordenen Gestaltung stellen, werden sie innerdolt des neuen großen Staatsver­bandes ihre gemeinsame Nationalität, Sprache und Kultur

Ellegen können. Der neue Aufbau fordert vom polnischen k viel Klugheit und maßvolle Selbstbeherrschung.“

„Ich wünsche ein vollkommen freies Polen“ erklärt der Führer der Sozialdemokraten. Philipp Scheide­mann,„und ich wünsche, daß dieses Polen Deutschlands

Freund sei. Aber zur Liebe kann man keinen zwingen.

rauchen wir Polens Freundschaft, so müssen wir eine ent­sprechende Politik treiben. Bindungen, die nicht aus bei­derseitigem freien Willen erfolgen, sind schädlich“

Nach dem nationalliberalen Abgeordneten Frhrn. von Richtbofen ist die Wierdereri htung eines selbständigen polnischen Staates durch Deutschland und Oesterreich eine unzweifelhaft eigenartige und vielleicht auch überraschende Erscheinung: sie entbehrt aber nicht einer gewissen Konse­

quenz

„Die weit überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes wird, nachdem der Entschluß einmal gefaßt ist, die Wieder­herstellung Polens einer erneuten Teilung bei weitem vor­

in dem naturlich jetzt, im Hochsommer, kein wärmendes Feuer drannte. und indem er die Hande in einer Rapoleonspose auf dem Rücken zusammenlegte, sagie er voll milden vater­lichen Ernstes:

„Nun, mein Sohn, sage mir unumwunden und wahr­heitsgemäß alles über diese verlückte Geschichte.“

Kurt Dietrich erinnerte sich sehr genau, dan er die näm­lichen Worte zum legten Male vor ungefähr zwölf Jahren aus dem Munde seines Vaiers geyört hatte. Damals hatte sich's darum gedandelt, ihn wegen trgendeines übermütigen Jugenostreiches zur Rede zu stellen, und er mußte abermals lacdeln bei der Vorstellung, daß der von ihm innig verehrte alte Herr den Sohn, der inzwischen mehr als einmal die Feuertaufe erhalten und der die Hälfte des Erddalts auf ge­fahrvollen Reisen durchstreift hatte, noch auf die gleiche Weise ins Gebei nehmen wollte mie damals den daldwüchfigen Jungen.

"„Wenn ich dich roch: verslehe. Papa, wünschest du von mir einen Bericht zu erhalten über das, was ich seit meiner Ab­sahrt von Frankfurt getan habe,“ sagte er freundlich und autungsvou, aver doch mit einem merklichen Untertlang von selbstbewußter Bestimmtdeit.„Wohl, ich habe diese Zett dazu angewender, deinen wiederholt geaußerten Wunsch zu erfüllen und eine Frau zu suchen, die würdig ist, den Namen einer Gräsin Hoiningen zu tragen.“

„##err im Himmel!— Das soll doch nicht etwa heißen, daß— daß du— eine heimliche Heirat——“

Beinahe atemlos vor Schrecken hatte Graf Hoiningen mi: Anstrengung diese Worte hervorgebracht. Sein Gesicht hatte sich mit dunkler Rote überzogen, und odwohl man noch nie von einem Schlagfluß in der sehr langledigen Familie gehört hatte, machte sich Kurt Dieirich für einen Moment ernste Sorge um seines Vaters Zustand.

„Richt doch, Papa,“ beeilte er sich, beruhigend zu ver­süchern.„Ich din noch nicht einmal so weit gegangen, die junge Dame um ihre Einwilligung zu befragen. Ich hoffe ja, daß ich ihr nicht gerade unangenehm vin, aver die Umstande waren nicht nach einer Werdung angetan, wie sie ihrer und meiner allein würdig sein konn.

„Iunachst mussen wir naturlch ihre Familie rennen teinen. und——“

„Zum Henker mit ihrer Familie! Bist du denn ganz von Gott verlassen. Kurt, daß du hier stehen und solchen heillosen, hollischen Unsinn schwarten kannst?“

„Nahe, lieber Pana! Es geht doch wohl nicht an, in solchem Ton von Mister Pendieton zu sprechen, dem niemand in den Vereinigten Staaten sein: Hochachtung versagt. Ohne im übrigen irgendwelche Vergleiche anzustellen, glaube ich doch sagen zu dürsen, daß seine gesellschaftlich: Stellung drüben in de= republikanischen Gemeinwesen nicht hinter der deinigen vier in Deulichland zurücksteht. Was aber seine Tochter Sylvia beiraft, so scheint sie mir bedeutend desser geeignet, eine Prasentrone zu tragen, als sehr viele hochgeborene

ziehen. Nicht nur rein menschliche, sondern auch nationale Erwägungen sprechen hierfür. Wir werden daher dem kommenden politischen Staat aufrichtigst wünschen, daß er dereinst einheitlicher und gerechter, staatsmännischer und wirtschaftlicher regiert werden möge als das Königreich Polen vergangener Zeiten. Und wir werden es. vor der oollendeten Tatsache Polens stehend, ebenso wie weite Kreise des neutralen Auslandes begrüßen, wenn das so reich be­gabte Polentum wieder als ein Staat in die Reihe der west­lichen Kulturnationen tritt.“

Die Auslandspresse zur Gründung des Königsreichs Polen.

Rotterdam. 6. Nov. Der„Nieuwe Courant“ widmet der Gründung des Königreichs Polen einen Leitartikel. Das Blatt sagt: Die Proklamation ist von großer Bedeutung für die Zukunft Europas und für den Lauf der Weltgeschichte überhaupt. Natürlich liegt diese Wendung auch im eigenen Interesse der Mitelmächte was aber der großen Bedeutung des kaiserlichen Entschlusses keinen Abbruch tut. Deutschland ist Rußland zuvorgekommen. Man muß sich allerdings fragen, ob es den Russen mit ihren Plänen zur Errichtung eines selbständigen Polens überhaupt jemals Ernst gewesen ist. Die Errichtung des Königreichs ist jedenfalls nach deut­schem Mister ungleich großartiger ausgef illen, als dies vor aussichtlich unter russischer Führung der Fall geworden sein würde.“

wtb. Bern. 6. Nov. Das„Berner Tagblatt" schreibt zur Wiedererrichtung des Königreichs Polen u. a.: Polen als blühendes selbständiges europäisches Königreich: Diese Umwälzung ist das Werk des blutigsten aller Kriege und eine Tat deutscher und österreichisch= ungarischer Barbaren, von denen die Entente die kleinen Völker befreien will.„Wir werden nicht eyer den Kampf beenden, als bis Europa von der Knechtschaft befreit ist, die Deutschalnd ihm bereitet", also sprachen noch dieser Tage die Wortführer der Entente. und in Warschau und in Lublin wird ihnen die Antwort, die einzige, die der Entente nicht behagen wird, denn sie be­raubt sie endgültig der Wirksamkeit der großen Schlagworte, mit denen sie bei den neutralen und eigenen Völkern ihren Krieg rechtfertigte. Sie bringt ihnen auch den Beweis für die ungeschwächte Siegeszuversicht der Zentralmächte, die, um den großen Entschluß zu fassen, des endgültigen Erfol­ges sicher sein müssen. Aber außerhalb der Entente wird es niemand geben, der über die Lösung nicht froh ist. In Polen selbst erfüllt sich ein alter, längst begrabener Traum. Sie brauchen, angelehnt an die Zentralmächte, nie mehr die Rückkehr unter die russische Knechtschaft zu befürchten. Alle Polen stehen heute in einem Lager: ein freies Königreich und ein freies Volk: das ist die ungeahnte Frucht, die ihnen der mörderische Srieg gebracht hat. Der Tag der Wieder­aufrichtung Polens wird ein Segenstag für Europa bleiben. Er ist der erste Strahl einer langen Nacht

Berlin, 6. Nov. Von Schweizer Blättern, die sich mit der Proklamation Polens zu Königreich beschäftigen, be­zweifelt die„Züricher Post“, ob die Wünsche der Polen elbst, die stets für ein ungeteiltes Polen waren, befriedigt eien.— Die„Neuen Zürcher Nachr.“ entbieten dem polni­chen Volk und Staate zu der Wiedergeburt die innigsten Wünsche.„Mögen sie aus ihrer Geschichte lernen, Fehler und Sünden der Väter zu vermeiden.“

Genf. 6. Nov. Zur unbefangenen sachlichen Behand­lung der Berliner und Wiener Entscheidung in der polni­schen Frage finden die Pariser Blätter noch nicht die erfor­derliche Gemütsruhe. Sie beschränken sich vorläufig auf einen Wust von Schmähungen und Verdächtigungen.

junge Damen meiner Bekanntschaft.“

Graf Hoiningen lachte spottisch.

„Das sind die von Frau von Riedberg erteilten Referenzen und Auskunfte— nicht wahr? Wahrhaftig, die würdige Dame scheint den Mund recht voll genommen zu haben, als sich's darum handelte, einen Hoiningen für ihren Schützling ein­sotangen.

„Würde es uns nicht vielleicht schneller und angenehmer zum Ziele fähren, wenn ich dir im Zusammenhang alles er­zählen dürfte, was sich wahrend der letzten Tage ereignet hat?“

„Zu welchem Zweck? Ich habe die ganze Geschichte schon bir zum Ueberdruß gehört, und zwar aus den verschiedensten Quellen. Von der Gräfin Herta, von deinem Hasenkamp, von dem Bicomte de Marigny. Und was die Personalien wie die Ledensgeschichte der famosen Frau von Riedberg betrifft, so hat deine liebe Tante mich auch nicht mit der allerkleinsten widerwärtigen Einzelheit verschont. Ich muß dir sagen, Kurt, daß ich ehrlich erstaunt bin, wie sich ein Mann von deinem Alter und deinem gesunden Menschen­verstand so grödlich mystifizieren lassen konnte. Ich will dir ja gern glauben, daß du aus gutem Herzen oder vielleicht ein wenig in jugendlichem Uebermut gehandelt hast, als du auf die Idee kamst, den Platz eines gewöhnlichen Chauffeurs ein­zunehmen, und daraus würde ich dir in der Erinnerung an gewisse lustige Vorkommnisse aus meiner eigenen Jugendzeit nicht einmal einen ernstlichen Vorwurf machen. Aber sich dann von einer solchen Kreatur ins Garn locken zu lassen, wie es diese mit allen Hunden gehetzte und mit allen Wassern gewaschene Frau von Riedberg ist, nein, das geht über mein Fassungsvermögen hinaus.“

„Ich gede dir die Versicherung, Papa, daß die genannte Dame nicht den geringsten Anspruch hat, sich als die Ver­mitllerin meiner Heirat zu betrochten.“

„Die Vermittlerin deiner Heirat— nein, solchen Ersolges wird sie sich allerdings nicht zu rühmen haben. Dafür will ich schon sorgen.“

„Behandelst du mich wirklich ganz gerecht, lieber Papa? Wie du mir soeben selbst sagtest, hast du deine Informationen nicht eben aus den lautersten Quellen. Denn du wirst nicht verlungen, daß ich die Grafin Herta, die keiner von uns beiden semals in seinem Hause empfangen würde, noch den soge­nannten Vicomte de Marigny, einen unzweifelhaften Glücks­läger, als solche betrachte. Den braven Hasenkamp lasse ich außer Betracht. Denn ich zweisle nicht, daß er dir die volle Wahrheit erzählt hat, soweit er eben dazu imstande war; aber——“

„Da wir gerade von ihm reden,“ siel Graf Hoiningen ein,„wo befindet sich dieser Mensch jetzt?“

„Irgendwo in der Nahe von Stuttgart, wie ich vermute.“

(Fortsetzung folgt.)