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Detmold, Mittwoch, den 27. September 1916

149. Jahrgang

Was wir vom deutschen Reichstag erwarten.

(Von unserem Berliner Mitarbeiter.)

Berlin, 25. Septanber.

Zum neunten Male während des Krieges tritt der deut­sche Reichstag, der seine Verhandlungen am 8. Juni bis zum 26. September vertagt hatte, am Donnerstag zu einer Tagung zusammen, die nicht bloß eine rein geschäftliche Be­deutung haben wird, sondern der das deutsche Volk mit mancherlei Erwartungen entgegensieht. Mit Erwartungen schon deshalb, weil man von dem leitenden Staatsmann in seiner angekündigten Rede wertvolle Aufklärungen über die politische Lage erwartet. Denn in den dreiundeinhalb Monaten, während denen die Volksvertretung pausiert., hat sich auf politischem und militärischem Gebiete mancherlei ge­ändert. Es ist uns unterdessen ein neuer Gegner, Rumänien, und es sind uns auch sonst mancherlei Schwierigkeiten er­nichsen, aber auch bedeutende Erfolge von unseren belden­mitigen Truppen erkämpft worden. Ueber alle diese Dinge, über die politische, militärische und wirtschaftliche Lage er­vartet man vom Reichskanzler Aufschlüsse, soweit diese eben in der Orffentlichkeit gegeben werden können. Gerade in der letzten Zeit sind seitens unserer Gegner eingehende Kriegsziele verkündet worden, die mit rührender Bescheiden­heit in ihr Programm die Vernichtung Deutschlands aufge­nommen haben. So sehr sich Herr v. Bethmann Hollweg auch gegen die Erörterung der Kriegsziele wehrt, wird er inem solchen Progranim gegenüber doch vielleicht das eine der andere programmatische Wort nicht bloß der Abwehr, ondern auch des Vorstoßes finden.

Nicht geringeres Interesse als der politischen wird das Parlament der wirtschaftlichen Lage entgegenbringen, über die man vom Staatssekretär Dr. Helfferich Aufklärungen er. vartet, und die zu sehr eingehenden Erörterungen Anlaß geben dürfte. Dabei wird der Reichstag Auskunft fordern und sicherlich auch erhalten über das Schicksal der im Mai Ind Juni d. Is. gefaßten Beschlüsse, in denen umfangreiche virtschaftliche Forderungen aufgestellt wurden, ferner auch über jene, welche unter anderem die Nachprüfung der Ver­dienste bei den Heereslieferungen und vor allem eine Milde­tung der Zensur verlangten. Dieser Forderung hat sich so­ben auch die Delegiertenversanmnlung des Reichsverbandes der deutschen Presse mit der Forderung angeschlossen, daß die Zenfur politischer Meinungsäußerungen und Nach­sichten auf solche Fälle beschränkt werden sollte, in denen ein gingendes militärisches Interesse vorliegt.

Eine besonders eingehende Erörterung wird selbswer­kändlich die Frage der Lebensmittelversorgung finden, denn uuf diesem Gebiete sind die Klagen und Beschwerden noch mmer sehr mannigfacher Art, und es muß rund heraus zesagt werden, daß die weitgehenden Hoffnungen, die man uuf die Tätigkeit des Kriegsernährungsamtes gesetzt hat, sich doch als erheblich zu weitgehend erwiesen haben. Auch in neuerer Zeit sind mancherlei schwerwiegende Fehler auf dem Gebiete der Kriegsernährung zu verzeichnen gewsen, und es dürfte im Reichstag, nachdem jetzt die Sthonzeit für Herrn v. Batocki abgelaufen ist, an scharfer Kritik nicht fehlen, die hoffentlich zur Klärung und Besserung beitragen wird. Die angekündigte Denkschrift über die wirtschaftlichen Maß­

nahmen wird ja voraussichtlich nicht nur Aufklärung dar­über bringen, uns in Bezug auf unsere Kriegswirtschaft von der Regierung bisher geleistet und zu leisten versucht wurde, sondern auch darüber, welche Wege sie in Zukunft einzu­schlagen gedenkt. Inwieweit die Verhandlungen hierüber in der Vollversammlung des Reichstages stattfinden und inwieweit sie aus ohne weiteres erkenntlichen Gründen in den Hauptausschuß verlegt werden, darüber steht die Ent­scheidung zwischen Regierung und Volksvertretung noch aus.

Jedenfalls werden diese Erörterungen die Haupttätig. keit des Reichstages darstellen, denn an eigentlichen Gesetzer­vorlagen wird ihm nur sehr wenig zur Erledigung vorgelegt werden. Neben einigen kleinen Vorlagen dritten Ranges, wie die über die Kontingentierung der ohne Steuerzuschlag hergestellten Zündwaren=Mengen, kommt hier im wesent­lichen nur der Gesetzentwurf über die Verlängerung der Legislaturperiode des Reichstages(und des elsaß=lothringi. schen Landtags) in Frage. Das Mandat des jetzigen(13) Reichstags würde am 12. Januar 1917 ablaufen; es liegt aber auf der Hand, daß während des heutigen Weltkrieges, der für uns einen Volkskrieg im weitesten Sinne des Wortes bedeutet, Neuwahlen noch weniger denkbar wären, als es im Kriege 1870/71 der Fall war, wo die Legislaturperiode ebenfalls um ein Jahr verlängert wurde. Die gleiche Maß­nahme wird jetzt schwerlich auf irgendwelchen Widerspruch stoßen.

In übrigen aber wird man auf sehr lebhafte Erörte­rungen in der Volksversammlung, die bereits mannigfache Forderungen von der„Pämmenfrage“ und dem„Pensions­schwein" bis zu dem von verschiedenen Seiten befürworteten Gedanken eines parlamentarischen„Reichskriegsrats“ ange. meldet hat, gefaßt sein müssen. Es darf aber dem Wunsche und der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß bei diesen zu erwartenden Auseinandersetzungen und parlamentari­schen Kämpfen die Notwendigkeit nicht außer Acht gelassen wird, die für uns jetzt zwingender ist denn je, unseren zahl­reichen Feinden wie eine geschlossene äußere, so auch eine ge­schlossene innere Front gegenüberzustellen. Denn„noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war“.

Deutscher Tagesbericht.

Fortdauer der Schlacht an der Somme.

wtb. Großes Hauptquartier, 26. Sept. 1916.

Westlicher Kriegsschauplatz. Frout der Heeresgruppe des Generalfeld. marschalls Kronprinz Rupprecht Die englisch=französische Infauterie ist gestern, am vierten Tage des großen Ringens der Artillerie zwischen Ancre und Somme, zum einheitlichen Augriff angetreten. Der mit­tags eingeleitete Kampf tobte mit gleicher Wut auch nachts fort. Zwischen der Aucre und Eaucourt lAbbaye erstickte der feindliche Sturm in unserem Feuer, oder brach blutig vor unserer Linien zusammen.

Erfolge, die unsere Gegner östlich von Eaucourt l'Abbaye und durch die Besitznahme der an der Linie Guende court,Bouchavesues liegenden Dörfer davongetragen haben,

Sylvias Chauffeur.

Roman von Louis Tracy.

(7. Fortsetzung.)

Es schien, daß sie eine rasche Entgegnung, bietleicht ein Wort des Widerspruchs auf den Lippen hatte. Aber sie be­sann sich dann doch eines andern und sagte mit einem kleinen Auflachen:

„Wie komisch doch mitunter diese Schicklichkeitsbegriffe sind! Niemand findet etwas Anstößiges darin, daß ich den ganzen Tag in Ihrer Gesellschaft zubringe, daß ich vielleicht stundenlang neden Ihnen sitze und mich mit Ihnen unter­halte. Damit aber, daß ich Sie zu meinem Schutz auf einen ebendlichen Spaziergang mitnehme, versündige ich mich gegen die guten Sitten. Nun, meinetwegen! Ich will Ihnen glauben, daß Sie recht haben, und weiß Ihnen Dank für die Warnung. Aber ehe ich Ihnen Gutenacht sage, möchte ich Sie noch etwas fragen, was Sie mir nicht verübeln dürfen.“

„Gegen diese Gefahr sind Sie ein für allemal geseit. Miß Pendleton!"

„Nun, wer weiß! Im Grunde geht es mich ja gar nichts an: aber nachdem ich nun einmal heute das für Ihre Tante bestimmte Frühstück verzehrt habe, möchte ich wohl etwas Näheres über diese Tante wissen— vorausgesetzt, daß sie überhaupt existiert.“

„Sie zweifeln also an der Wahrheit meiner Worte?“

Trotz der ungewissen Beleuchtung sah er, daß ihr das Blut in die Wangen stieg und daß ihre Augen seinem Blick auszuweichen suchten.

„Sie hätten doch recht gut einen Grund haben können, sich einer kleinen Rotlüge zu bedienen,“ sagte sie zögernd. „Und es fällt mir, offen gestanden, schwer, mir vorzustellen, daß diese Tanie, die Sie so fürstlich zu bewirten gedachten, eine ältere Dame sein sollte— vielleicht eine würdige Matrone mit runzligem Gesicht und schneeweißen Locken.“

„Gnädiges Fraulein beschreiben meine verehrungs­würdige Verwandte, wie wenn Sie sie bereits gesehen hätten. Sie ist wirklich alt genug, um alle menschlichen Torhetten bereits weit hinter sich zu haben.“

„In der Tat?“ rief Sylvia lebhaft.„Dann möchte ich sie wohl gelegentlich kennen lernen. Papa und ich werden voraussichtlich im Herbst wieder nach Frankfurt kommen und in demselben Hotel absteigen, das ich jetzt bewohnt habe. Ich werde mich freuen, wenn Sie mir dann Ihre Tante bringen. Eine Frau, die ich noch in weißen Haaren einer so ritterlichen Berehrung von seiten eines jungen Nessen zu erfreuen hat, muß ja wirklich ganz außerordentlich schätzenswerte Eigen­Shaiten belinen.“

se amüsant, das Gesicht eines guten Bekannten zu sehen, dem sich's von allem Möglichen plaudern läßt.“

Der Bicomte verbeugte sich tief.

„Madame sind zu gütig.“ versicherte er, sich, wie immer, de französischen Sprache bedienend.„Wie glücklich wäre ich, wen ich hoffen dürfte, daß auch Miß Pendleton etwas von diese Huld für meine unbedeutende Persönlichkeit hätte.“

Graf Hölningen verbeugte sich tief, und es gelang ihm, eine durchaus ernstdafte Miene zu bewahren

„Ich werde diefer gütigen Einladung eingedenk bleiden. Miß Pendleton, und ich zweifle nicht, daß meine Tante die ihr damit erwiesene Ehre nach ihrem ganzen Werte zu schatzen weiß.“

„Ab, es ist nicht nötig. so viel Aufhebens davon zu machen. Und nun, de wir ja wieder am Hotel sind: Gute Nacht, Herr Westenholtz! Ich hoffe, Sie sind morgen früh recht pünktlich. Mein Papa pflegt zu sagen, daß man sich meiner ganz gut als einer Weckuhr bedienen könne, weil ich mich nie auch nur um eine einzige Minute verspäte. Und Sie werden be­greisen, daß ich solche Verspätungen bei anderen darum immer sehr unangenehm empfinde.“

Es war beinahe, als hätte sie ihn noch zu guter Letzt an seine untergeordnete Stellung erinnern wollen. Hoiningen aber fühlte sich dadurch nicht im mindesten verletzt, und die Stimmung, in der er nunmehr sein Lager aufsuchte, war erhedlich besser als die Laune, in der er vorhin mu Hasenkamp zujammengetrossen war.,

5. Kapitel.

Fünf Minuten vor der von Sylvia festgesetzten Zeit hielt Holningen mit seinem Automobil vor ihrem Hotel. Er war nach Kraften bemüht gewesen, sein Gesicht in dem hoch­geschlagenen Kragen des Chauffeurmantels und hinter den dunklen Gläsern der Schutzbrille zu verdergen, und er saß regungslos wie eine Bildsäule, um nicht die Aufmerksantkeit der Leute, von denen er nicht allzu genau betrachtet zu werden wünschte, ohne Rot auf sich zu ziehen. Steif und formlich lüftete er, ohne ihr sein Gesicht zuzuwenden, auf Sylvias freundlichen Morgengruß für einen Moment seine Mütze, und mit verstohlenem Seitenblick nur musterte er den Vicomte, der mit den Damen zugleich aus dem Hotelpottal getreten war, um ihnen bis zu ihrem Wagen das Geleit zu geden.

Der Mund der Baronin Riedberg ston über von Artigkeiten für den Franzosen und von Aeußerungen des Entzückens über den glücklichen Zufall, der es ihm ermöglicht hatte, sie am verflossenen Abend so überaus angenehm zu unterhalten.

„In Heidelberg wird es uns heute abend nicht so gul werden.“ seutzte Us.„Und es in nach einer langen Fabre

sollen anerkannt, vor allem aber soll unserer heldenmütigen Truppen gedacht werden, die hier den zusammengesaßzten englisch=französischen Hauptkräften und dem Masseneinsatz des durch die Kriegsindustrie der ganzen Welt in vier­monatiger Arbeit bereitgestellten Material die Stirn boten. Bei Bouchavesnes und weiter südlich bis zur Somme ist der oft wiederholte Anlauf der Franzosen unter schwer­sten Opfern gescheitert.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Sechsmaliger Ansturm starker feindlicher Kräfte bei Marnajow schlug vollkommen, unter blutigsten Verlusten, fehl.

Ein russisches Riesenflugzeug wurde bei Borguny, west, lich von Krewo, nach heftigem Gefecht von einem unserer Flieger abgeschossen; in derselben Gegend unterlag auch ein russischer Eindecker im Luftkampf.

Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.

Im Ludowa=Abschnitt sind abermals heftige feindliche Augriffe, weiter südlich Teilvorstöße abgewiesen.

Kriegsschauplatz in Siebenbürgen.

Im Abschnitt von Hermanstadt stehen unsere Trup, pen in fortschreitendem Augriff. Rumänische Kräfte ge­wannen beiderseits der Kammlinie Szurduk=Bulkaupaß die Grenzhöhen. Die Paßbesatzung selbst schlug alle Angriffe ab, sie ist heute nacht durch Befehl zurückgenommen.

Balkan=Kriegsschauplatz. Front des Generalfeldmarschalle v. Mackensen.

An der Front keine besonderen Ereignisse.

Luftschiffe und Flieger griffen Bukarest erneut an.

Mazedonische Front.

Kleinere, für die bulgarischen Truppen günstig ver­laufene Gefechte östlich des Prespa=Sees und beiderseits von Florina. Stellenweise lebhafte Artilleriekämpfe.

Der Erste Generalquartier meister.

Ludendorff.

Oesterreichisch-ungarischer Bericht.

wtb. Wien, 26. Sept. Amtlich wird gemeldet:

Oestlicher Kriegsschauplatz. Frout gegen Rumänien.

Der Vulkau, und der Szurduk=Paß wurden vor weit ausholender Umfassung starker rumänischer Kräfte geräumt. Bei Nagy Szeben(Hermannstadt) entwickelten sich neue

Habe ich Ihnen nicht schon gestern gesagt, daß ich sehr er

—iehen?“ so

freut war, Sie wiederzusehen?“ Sie de

.#“ sagte Sylvia ohne übergroße

Warme.„Mehr können Sie doch unmönlich verlangen.“ „Darf ich fragen, wann gnädiges Fräulein wieder i# Frankfurt sein werden?“

„Ende nächster Woche, sofern unser Reiseprogramm nich noch irgendwelche unvorhergezehene Aenderungen erleidet.“ „Und Mister Pendleton, mein ausgezeichneter Freund, den zu begrüßen ich das lebhafteste Verlangen trage— wird auch er um diese Zeit dorthin kommen?“

„Gewiß! Papa und ich sind kaum jemals länger als auf höchstens vierzehn Tage voneinander getrennt.“

„Dann werde ich es unter allen Umständen ein zurichten wissen, daß er mir nicht entgeht. Spätestens Ende nächster Woche also werde ich das Glück haben, Ihnen aufs neue meine##erehrung zu Füßen zu legen.“

„Sofern uns der Zufall nicht schon früher noch einmal zu­sammenführt,“ war die Baronin unvorsichtig genug zu be­merken.„Da Sie sich, wie Sie sagen, noch keine ganz be­

stimmte Route vorgezeichnet haben——“

Die beiden Damen saßen bereits seit etlichen Minuten im Fond des Wagens, und das Gepäck war aufgeladen. Hoiningen trug also nicht das mindeste Bedenken, den Wagen in Bewegung zu setzen, noch ebe die Baronin mit ihrer Rede zu Ende gekommen war und Marigny Gelegenheit gefunden hatte, sich darauf zu äußern. Der Franzose bewegte zwar die Lippen und gestikulierte ziemlich lebhaft mit den Armen. Aber das Gerausch des Motors verschlang seine Worte, und bei der Geschwindigkeit, die das Auto sogleich entwickelte, blieben auch Frau von Riedbergs verzweiselte Verständi­gungsversuche ganz vergeblich.

„Was für eine unerhörte Roheit ist das nun wieder von diesem Menschen!“ zurnte sie in hellster Empörung.„Natürlich hat er es absichtlich getan, um mich zu ärgern. Ich begreife nicht, liebste Sylvia, wie Sie sich das alles ungestraft bieten lassen können.“

Aber die junge Amerikanerin bewies durch ihr helles Auf­lachen, daß sie die Entrustung der Gefährtin durchaus nicht teilte

„Ich hatte Westenholtz auf die Seele gebunden, pünktlich zu sein, und hatte ihm gesagt, daß ich auf die Minute abzu­fahren wunsche. Darf ich ihm jegzt einen Vorwurf daraus machen, wenn er meine Besehle ernst nimmt und darauf bedacht ist, sie buchstadlich auszufuhren?“

„Verzeihung!“ erwiderte Frau von Riedberg gereizt. „Aber es ist merkwürdig, daß ich von solchen Weisungen gar nichts gehört habe.“

„Das war nicht wohl möglich; denn sie bildeten den Beschluß der langen Unterhaltung, die ich gestern nach dem Abendessen mit Westendoltz hatte.“

Kämpfe; österreichisch=ungarische und deutsche Truppen greifen an. An der siebenbürgischen Ostfront kam es stellen­weise zu Zusammenstößen. Südlich von Szekely=Advarhely (Ober=Kellen) schlug ein kroatisches Landwehrbataillon mehrere Angriffe überlegener Abteilungen in erbitterten Kämpfen zurück.

Heeresfront des Generals der Kavallerie

Carl.

An der Dreiländerecke südwestlich von Dorna Watra wurden russisch=rumänische Vorstöße vereitelt. Im Süd­ostwinkel Galiziens setzte der Feind seine Angriffe mit un­verminderter Heftigkeit fort. Alle Angriffe scheiterten an dem heldenhaften Widerstande der im Ludowa=Gebiet kämpfenden deutschen Truppen.

Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Auch gestern brachen nordwestlich von Perepelniki zahl­reiche Angriffe des Geguers zusammen. Bei Watyn(östlich Swiniuchy) wurde ein russisches Farman=Großkampfflug. zeug durch unsere Flieger in die Flucht gejagt.

Italienischee Kriegsschauplatz.

Der Südteil der Karsthochfläche stand zeitweise unter starkem Feuer der feindlichen Artillerie. An der Fleims­talfront beschossen die Italiener das Dorf Dossaccio und den Abschnitt Gardinal=Coltorondo. Auf dem Cancenagol wur­den 27 Alpini, darnnter 2 Offiziere, gefangen genommen.

Der zur Rettung der Verschütteten am Cimone auge­botene Waffenstillstand wurde vom Feinde abgelehnt. Die aus diesem Anlaß im Wege eines Parlamentärs gewechselten Noten lauten wörtlich:

1. Der Kommandant der k. und k. österreichisch= ungarischen Streitkräfte im Raum des Tonczza=Cimone­Gebiets an den Kommandanten der gegenüberstehenden Königl. italienischen Truppen: Unter den Trümmern des von uns in die Luft gesprengten Monte Cimone befindet sich noch lebend eine größere Anzahl italieni­scher Soldaten, wriche um Hilfe schreien. Wir sind be­reit, ihnen zu helfen und sie aus ihrem Grabe zu be­freien, wenn die italienische Artillerie und heute, den 25. September 1916, zwischen 2 Uhr nach­mittags und 7 Uhr abends das Feuer auf den Monte Cimone einstellt. Selbsterständlich betrifft dies ebenso die italienischen Batterien im Tale des Astico wie jene auf den Höhen westlich und östlich dieses Flusses. Während dieser Zeit dürfen sich die italienischen Patrouillen zwischen dem Astico und dem Rufreddo nicht über ihre Befestigungslinie vorwärts bewegen, widrigen­falls wir die Hilfsaktion einstellen und die Feuerpause für gebrochen erachten. Folls der Königlich italienische Konnnandant hierauf nicht eingeht, verfallen die italie. nischen Soldaten ihrem Schicksal. Die bezügliche Ank. wort wolle bis zum 25. September, 12 Uhr mittags, hei unserer Vorpostenlinie bei Forni abgegeben werden. Eile geboten! 25. September 1916.

2. Abschnitt Kommando Pedescala, 25. Sept. 1916. 10.45 Uhr vormittags. In der Erwägung, daß die öster­reichisch=ungarischen Truppen, ebenso wie sie ihren Ver­wimdeten zu Hilfe eilen konnten, in der langen Zeit

des

zwischen der Minenexplosion und dem Beginn

„Nach dem Abendessen? Gestern? Wie soll ich mir das erklaren?“

„Ich verließ mein Zimmer, um Sie zu suchen. Und da ich Sie nicht fand, ließ ich mich durch die Schönheit des Abends zu einer kleinen Promenade verleiten. Vor dem Hotel traf ich mit Westenholtz zusammen, und da haben wir eden noch ein Biertelstündchen miteinander verplaudert.“ Frau von Riedberg setzte ihre würdevollste und seler­lichste Miene auf.

„Meine teure Syloia!— Sie——“

„Um Himmels willen!“ lachte die Amerikanerin mit einer abwehrenden Handbewegung.„Das klingt schon wieder wie die Einleitung zu einer langen Moralpredigt. Aber es ist diesmal wahrhaftig kein Anlaß dazu vorhanden. Westenholt selbst hat dafür gesorgt, daß das Dekorum gewahrt blieb. Denn als ich ihn aufforderte, mich auf einem abendlichen Spaziergang durch die Stadt zu begleiten, hat er mir es aus Gründen der Schicklichkeit rundweg abgeschlagen. Sie müßten ihm auo von Rechts wegen Ihre wärmste Aner­kennung zollen, statt ihn zu tadeln.“

„Er würde in der Tat einen bei ihm sehr über­raschenden Beweis von Taktgefütl abgelegt haben, wenn es sich so verhält, wie Sie, liebe Sylvia, es darstellen. Aber man weiß ja niemals, ob Sie im Ernst reden, oder oo es Ihnen gefällt, sich über mich und meine Gewissenhaftigkeit lustig zu machen.“

„Nein, auf mein Wort, es war genau so, wie ich sagte. Und nun— nicht wahr?- nun wollen wir uns an dem herr­lichen Morgen erfreuen ohne uns mit so törichten und nichtigen Dingen, mud es die deutschen Moraldegriffe zu­weilen sind, die Launo zu verderben.“

Das war deutlich genug, um die Baronin zum Verzicht auf alle weiteren Vorstellungen zu bestimmnen. Und da sie aus naheliegenden Oründen durchaus nicht den Wunsch hatte, das Millionärstöchberchen zu verstimmen, gab sie sich von nun an den Anschein, die Schönheiten der Natur, die sich ihnen jetzt erschlossen, mit demselben Entzücken zu genießen wie ihre reizende Gefährtin.

Die mit den lieblichsten Reizen so überreich geschmückte Bergstraße offenbarte ihnen an diesem köstlichen Frühsommer­tage alle ihre Wunder. Und als sie nach unvergleichlicher Fahrt durch eine Reihe anmutiger Ortschaften und Siede­lungen Schloß Auerbach erreicht hatten, konnte Sylvia dem Berlangen nicht widerstehen, ebenso, wie am gestrigen Tage neden dem Chaufseur Platz zu nehmen und sich von ihm allerlei Erklärungen zu den wichtigsten Punkten geben zu sie auf

lassen, die

ihrem Wege berührten.

(Fortsetzung folgt.)