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Erscheint

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Geschäftsstelle Ritterstr. 43. Fernsprecher Nr. 15.

tessss Sonnabend, 28. April 1906.

Historischer Kalender.

28. April: Landung der Araber unter Tarik in Spanien, 711.— Rastatter Ge­sandtenmord, 1799.— Des Majors von iII heimlicher Admarsch mit seinem Korps zum Streifzug nach Westfalen, 1809.— Ludwig Tieck, Dichter, zu Berlin gest. 1853.— Krieas­erklärung Oesterreichs an Italien, 1859. — Besetzung von Fridericia, 1864— Heinrich von Treitschke, Geschichtsschreiber, gest. 1896.— Die Türken besetzen Tikkala, Niederlage der Griechen bei Pentepe­gadia, 1897.— Kämpfe an der großen Mauer in Chira, 1901.

29. April: Ruyter, holländischer Admiral, gest. 1676.— Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, gest. 1688.— Hinrichtung des dänischen Ministers Grafen Struensee, 1772.—

Kaiser Alexander II. von Rußland, geb. 1818.— Emil Brachvogel, Dichter, geb 1824. — Schulze=Delitzsch, liberaler Volkswirt, gest. 1888

Oeffentlicher

Wetter=Nachrichtendienst.

Im bevorstehenden Sommir gelangt ein öffentlicher Wetterdienst zur Einführung, der durch Ausgabe von Wettervorhersagen und rasche Verbreitung von Witterungsnachrichten in erster Livie den Landwirten Gelegenheit geben soll, das jeweils bevorstehende Wetter bei ihren Arbeiten besser zu beachten als bisher.

Das Gebiet Norddeutschlands wird zu die sem Zwecke in neun Bezirke geteilt, deren jeder eine Wetterdienststelle erhält; vorläufig sind dafür in Aussicht genommen die Orte Königsberg i. Pr., Bromberg, Breslau, Berlin, Magdeburg, Hamburg, Weilburg, Aachen und Ilmenau. Alle diese Dienst­stellen werden an jedem Morgen durch Ver­mittelung der Hamburger Seewarte tele­graphisch die Wetterbeobachtungen en pfangen, welche um 8 Uhr morgens an etwa 70 über ganz Euopa verteilten Wetterstationen angestellt sind. Außerdem erhalten die Dienst stellen telegraphische Morgenberichte von einigen wichtigen Orten ihres Bezieks und Postkarten von(im Sommer) etwa 30 über Deutschland verteilten Stationen, welche das Witter des Vortages welden.

Mittels dieser verschiedenen Angaben werden Karten über die Witterungsverteilung in Europa hergestellt. Auf Grund von Vergleichungen dieser Karten mit denen der vorangegangenen Tage sowie auf Grund genauer Beobachtungen der Witterungsvor­gänge am Otte der Wetterdienststelle wirden alsdann„Wettervothersagen“ für den Nach­mittag und den nächsten Tag aufgestellt. Diese Vorhersagen, welche nach den klimatischen Unterschieden innerhalb des Bezirks für ver­schiedene Gebietsteile eine verschiedene Fassung erhalten können, werden der nächstgelegenen Telegraphenat stalt bis 11 Uhr vormittags mitgeteilt, sofort telegraphisch an alle Tele grapher anstalten des Bezirks weiter gegeben und dort vor 12 Uhr mittags öffentlich ausgehängt. Sie sollen außerdem gegen mäßige Abonnementsgebühren durch Telephon oder Briefttäger verbreitet werden. Die Vorhersagen sollen das Wetter kurz kenn­zeichnen und außerdem regelmäßig aussprechen,

bis zum nächsten Mittag Niederschläge zu erwarten sind. Dabei wird in den An­gaben über Eintrittszeil, Dauer und Stärke der erwarteten Niederschläge immer größere Bestimmtheit angestrebt werden.

Außer der Vorhersage wird noch eine gedruckte„Wetterkalte“ in den Vormittags­stunden hergestellt und baldmöglichst buich die Post verbreitet Die Weiterkarte ist eine Landkerte, welche mit einfachen und auf jedem Blatt erklärten Zeichen die Ver teilung des Luftdrucks über Europa darstellt und Angaben über Temperatur, Bevölkerung, Niederschlag und Wind an den einzelnen Beobachtungsstationen enthält. Sie gibt also einen Ueberblick über die Wetterlage

in Europa um 8 Uhr vormittags. Außer­dem enthält die Karte eine kurze sochliche Schilderung der Witterungeverteilung und eine allgemein gehaltene Wettervorhersage. Diese Karten erleichtern somit dem Leser das Verständnis für die am eigenen Wohn­orte beobachteten Witterungsvorgänge und geben ihm die Möglichkeit, seine eigenen Anschauungen über das kommende Wetter zu vervollkommnen. Es wird erstrebt, die Wetterkarte an allen Telegraphenanstalten, Amtshäusern, Schulen usw. Effentlich auszu hängen und außerdem durch ein bill ges Abonnement(monatlich 0,50 Mk.) möglichst weit zu verbreiten.

Es muß ausdrücklich hervorgehoben werden, daß der neu einzurichtende Vorhei szgedienst zunächst einen Versuch da stellt; die hierbei zu sammelnden Erfahrungen werden dazu beitragen, die Einrichtung allmählig zu ver­vollkommnen. So werden die Größe der Bezirke, welche von den einzelnen Dienst­stellen mit Nachrichten versorgt werden, die gegenseitige Abgrenzung dieser Bezirke, ihre Einteilung in kleinere Gebiete mit ver­schiedenen Vorbersagen und vielerlei andere Dinge eist auf Grund der noch zu gewinnenden Erfahrungen in immer zweckmäßigerer Weise angeordnet werden können.

Wenn also nicht schon von der rächsten Zukunft erwartet werden kann, daß der Wettervorhersagedienst als eisse durchweg einwandfreie Einrichtung sich erweist, so wird doch dies Ziel um so vollständiger erreicht werden, je mehr die beteiligte Berölkerung durch verständnis volles Eingehen auf die ge­schilderten Verhältnisse zur Förderung des Gelingens beittägt.

Soll Stil stard eintreten? Soll dem Walten einer weisen Regierung eine unausbleibliche polnische Anarchie folgen?“

Der polnische Ansturm ist schließlich ge­scheitert, das Deutschtum hat die Gefahr überwunden. Heute gilt es den wesentlich gesicherten Besitz in stiller unverdrossener Arbeit sich zu eigen zu machen. Aber weiter im Osten, in den baltischen Provinzen, ringt das Deutschtum um seine Ex'stenz Soll es unterliegen? Ist es vielleicht schon unterlegen? Wir hossen es nicht. Möze es in zäher Sell sthilfe so geduldig ausharren, so erfolgreich kämpfen, wie die Deutschen es 1848 in der Provinz Posen getan haben.

In stürmischer Zeit.

Das Deutschtum in der Provinz Posen hat niemals schwerere Tage erlebt als 1848. Auf Unterstützung der Regierung war im Kampfe mit dem erregten Polentum nicht sicher zu rechnen und auch die öffentliche Meinung im übrigen Deutschland war so stark mit Polenfreundlichkeit durchsetzt, daß „. deutschen Abgeordneten der Provinz Posen erst nach ftür mischen Beratungen, in denen nicht etwa nur staatsrechtliche Be­denken eine Rolle spielten, zum Frankfurter Parlament am 27. Juli 1848 zugelassen wurden. Aber gerade diese Zeit mit ihren außerordentlichen Schwierigkeiten bedeutet für die Entwicklung des deutschen National­bewußtseins im Osten viel. Man braucht nur Stimmen, wie sie Dr. Christian Meyer in seiner Schrift„Die Deutschen der Provinz Posen gegenüber dem polnischen Aufstand im Jahre 1848“ Lissa i. P. 1905 Friedrich Ebbecks Verlag. 1 50 Mk.) angeführt hat, zu be­achten: In ihnen äußert sich eine Heiwats­liebe, die heute noch vorbildlich wirken kanv. „Mitbürzer!“— so iuft der Meseritzer Oderlehrer Holzschuher, einer der Führer der damaligen Deutschen in einer Denkschrift den Volkseenossen zu—„jeder von Ihnen weiß, daß ich meine Kinder heiß liebe, daß ich an ihnen mit einer Zärtlichkeit hänge, die kein höheres Maß kennt; aber glauben Sie mir, ich würde den Moment segnen, in dem Golt sie mir wieder entrisse, wenn mir die Lewiß­heit würde, daß sie unter einem polnischen Regimente ihrer Nationalttät, ihrer Sprache, ihrer deutschen G.sittung und Bildung ver­lustig würden.“ Wenn auch an Zahl den Polen um ein Fünftel unterlegen sei das Deutschtum für das ganze Land kultur schaffend gewesen. Man vergleiche das Polen ron heute mit dem vor 1772.„Mt bürger! Ueberblicken Sie jtzt dieses Polen! Ueberdlicken Sie es und sehen Sie mit Stolz was ein deutscher König hier Großes ge wirkt hat! Der Bauer ist frei, ein Bürger stand beginnt zu erblühen, Kunste und Gtweibe streben empol, das Land hat bereits eine große Stufe der Humanität ersti zen.

Aus dem Deutschen Reiche.

Berlin, 27. April. Der diesjährige Besuch des Kaisers in den Reichslanden wird sich nach folgendein Programm abspielen: Der Kaiser trifft am 9. Mai von Donaueschingen bezw. Karlsruhe in Straßburg ein, wo kurz darauf die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise ankommt. In Straßburg ist der Aufenthaft bis zum 12 Mai vorgesehen. Während dieser Zeit gedenkt der Kaiser einen Automobllaut flug nach der Hohkönigsburg zu unternehmen. Am 12. Mai erfolgt die Weiterreise über Metz nach Urville und am 17 Mai von dort nach Wies baden.

Wo.ffs Telegraphenbureau meldet: Reichs­kanzler Fürst Bülow hat heute einen längeren Spaziergang im Garten des Richskanzler Palais gemacht. Der Kommissionsbericht über die Tabak­steuer und Brausteuer ist dem Reichs­tage zugegangen.

Ein zweiter Ergänzungsetat für 1906 wird dem Reichstage im Mai zu­gehen. Er bringt, wie die„Täzl. Rundsch.“ vermutet, Forderungen zum weiteren Ausbau der Eisenbahn in Süd­westafrika zur Verlängerung der Linie Lüderitzbucht Kubnd Keetmanshoop.

Die Kammer für Handelssachen des Landgerichts Bochum verhandelte heute über den Antrag des preußschen Fiskus auf Erlaß einer einstweiligen Versügung, daß die Bergwerksgesellschaft Hibernia veranlaßt wirden solle, die auf 6 500000 Mark junger Aktien entfallende Dividende nicht zur Auszahlung zu bringen, solange über die Rechtsgüttigkeit dieser jungen Aktien Protest angängig sei. De Kammer entschied dem Antrage gemäß. Die Kosten fallen dem Antraggegner zur List. Die Nachricht, deß das neutrale Ge­biet von Moreinet in absehbarer Zeit zwischen Preußen und Belgien aufgeteilt werden wird, bestätigt sich, da sich eine Teilung als das Aller praktischste herausgestellt hat. Wann jedoch die Austeilung vor sich gehen wird, steht, entgegen der Nachricht, daß die Vertreter beider Regierungen schon in den nächsten Tagen zusammentreten werden, noch nicht sest. Die Verhandlungen sir d vielmehr noch nicht abgeschlessen.(Hann C)

Das brandenburgische Provinzial schulkollegium verfügte, daß Schüler dem Flottenvorein nicht beitreten dürfen. Diese Verfügung ist allen Schulen mitgeteilt worden.

April gemeldet, ein Leutnant und ein Reiter. Verwundet wurden ein Leutnant, zwei Unteroffiziere und fünf Reiter. Starke Blutspuren beweisen die Verluste des Feindes, welcher eine Arzahl Pferde, Gewehre und zwei G.fangene einbüßte. Telle der Abteilung des Rittmeisters Er­mekeil nahmen die Verfolgung des Feindes auf, der nach den kleinen Karasbergen sich zurückzog. Am 18. Aptil ging Hauptmann v. Rappard mit der halben eisten Eloppen­

kompagnie und einem Geschötz an der West­grenze gegen den Gegner vor und warf ihn aus seinen starken Dünenstellungen. Der Feind entfloh über die Grenze. Rappard ist, wie gemeldet, leicht, ein Reiter schwer verwu det.

Verluste: Am 17. April d. Is. im Gefecht bei Noachabeb leicht verwundet: Reiter Theodor Eckstein, Reiter Wazlaw Spielmann genannt Graczyk. Schwer verwundet: Reiter Josef Schlegel, Gefreiter Arthur Franke, Reiter Robert Hoffmann, Reiter Hermann Gnamm. Leicht verwundet: Sanitäsunteroffizier Joh. Graf, Reiter Gustav Jastrzemski. Reiter Schlegel, ist inzwischen gestorben.

Hamburg, 26. April. Am Montag, 30. d. Mts., abends, werden die Dampfer „Gertrud Woermann" und„Eleonore Woer: mann“ mit 10 Offizieren, etwa 200 Mann und 1000 Pferden nach Südwestafrika abgehen.

Der Aufstand in Afrika.

Amtlich. Von den den Feind nach d.m Gefechte bei Feltkluft und Oas per folgenden deutschen Truppen stellle die Ab teilung des Hauptmantes Hauck(1., 2. und 11. Kompagnie des 1. Regiments und 2 Gebiegsgescütz:) den Genner am 20 April bei der Wasserstelle am Ostharg der großen Karalbeige. Der Gegner, etwa 200 Ge wehre stark, wurde zurückgeworsen. Deutscherseits fielen, wie am 20.

Aus dem Auslande.

Ungarn. Die Eröffnung des un­garischen Reichstages durch Kaiser Franz Josef ist nunmehr beschlossene Sache. Der Kaiser trifft, nachdem er fast zwei Jahre lang den Besuch Ungarns ver­mieden hat, am 20 Mai zur feierlichen Er­öffnung des ungarischen Richttages in Budapest ein, ebenso der Thronsoiger Erz­herzog Frarz Ferdinand. Auch ist die Ab­haltung mehrerer glänzender Hoffestlichkeiten geplant. Die Hauptstadt Budapest beabsichtigt dies mal, in anbetracht der glückichen Lösung der Krifis, dem Kaiser einen überaus groß­artigen Empfang zu bereiten.

Paris, 27. Aptil. Heute wurden in 52 Wohnungen Haussuchungen vor¬­genommen, bei welcher 400 Polizeikommissare mitwirkten. Wie es scheint, wird eine Verbindung zwischen der Leitung des revo­lutionären Arbeiterverbandes und einzelnen antirepublikanischen Par­teiführern vermutet, für die man Be­weis: sucht. Das Publikum regt sich über diese Haussuchungen sehr auf. Die natio­nalistische„Patrie' greist das Miristerium aufs schärfste an. Von den Nationalisten wird versichert, es handle sich um eine von der Regierung zu Wahlzwecken erfundere Verschwörerkomödie. Der Leiter des revolutionären Arbeiterverbandes erklärte einem Berichterstatter, die Regierung wolle die Berökerung glauben machen, daß die Arbeiterbewegung mit dem Gelde der Kleri­kalen angezettelt worden sei. Weder die Arbeiter noch sonst wer würden sich aber täuschen lossen.

Mailand, 27. Apiil. Der König und die Königin sind hier eingetroffen und am Bahnhose von den Ministern Guicciardini, Secch Carmine, Pantano und Mirabello, den Spitzen der Behörden und dem Komitee der I ternationalen Ausstellung empfangen worden.

Neapel 27. Spril. Der König und die Königin vou England sind heute früh mit der königlichen Yicht„V.ktoria

and Albert“ im hiesigen Hasen eingetroffen.

London, 27. April. Wie die„Times“ aue Kuiro melden, geht dort das auch in ofsigullen Kreisen geglaubte Gerücht, daß die Türken bei Rata in der Nähe von El Arisch die Grenzpfähle entfernt hätten.

Madrid, 27. April. Nach Mitteilung