mende dwelling auffallend an die Wortform: West­sälinger erinnere: bei den Ostsalen finden wir die entsprechende, über abgetürzte Form: Osterlinger.

In neuester Zeit ist dagegen die Erklärung I. Grimms sehr beifällig begrüßt, und auch von unserem geseierten Historiker Seibertz als das Sinnreichste von Allem bezeichnet worden, was bister zur Deutung unseres Namens beigebracht sei. In der Edda wird nämlich einem der drei Söhne Odins. dem Beldegg. die Herrschaft über Westfalen beigelegt. Damit wird dann in Ver­bindung gebracht, daß die angelsächsischen Gene­alogien dem Voden als Nachtommen(im 6. Grade) den Westerfalena beilegen der auch Weftfalen ge­nannt wird. Aus Westfalca soll dann Westfali oder Westfalai(Ler. Sar.) entstanden sein. Ob aber unser Name aus der Mythologie, oder um­gekehrt die letztere aus dem Namen gebildet sei, wäre noch zu fragen. Sinn= und geistreich ist diese Auffassung allerdings: aber mit Ueberzeu­gung theilen können wir sie nicht.

Aus allen übrigen Erklärungen heben wir nur der Kuriosität halber die des allen Weygand her­aus, der den Namen Westjalen von dem neiten Valen ableitete, den die Herzöge von Altsachsen im Wappen führten. Sicher gab doch nicht das Abzeichen dem Lande den Namen, sondern weit wayrscheinlicher gab der Landesname die Ver­anlassung zur Entstehung des Waprens wenn überhaupt zwischen beiden eine Verbindung dieser Art besteht

Was noch den Namen Westsalens als„Land der rothen Erde“ angebt, so ist die Boden­farbe entschieden nicht rother gefärbt. als die der Nachbarländer: ja namentlich im Süden derrscht die rothe Färbung im Gestein und Boden erst recht jenseits unserer Grenzen. Wir geben hier eine Hypotbese wieder, die mindestens so viel Werth hat, als manche andere. Die„rothe Erde“ bildet einen Gegensatz zu der teira salieg und der fräntischen Erde Jene ist das Land der Unterworfenen, diese das der Herrschenden. Ein

Analogen bildet Roth=Rußland, Roth=Croatien, gegenüber einem Weiß=Rußland und Weiß­Croatien, deren letztere ebenfalls den ersteren früher bevorrechtet gegenüber standen Die c#e­schichte Westfalens würde es allerdings erklärlich finden lassen, neshalb unser Volk gerade diesen, scheinbar wenig eyrenvollen Namen festgehalten habe.“

Soweit die Darstellung von Pfarrer Kamp­schulte. Der Name Westfalen hat einen eindeu­tigen Sinn schon im 6. und 7. Jahrbundert nach Christi Ceburt bekommen wo als Westsalen der­jenige Teil des Sachsenvolkes bezeichnet wird. der westlich wohnt. im Unterschied von den Engern und Ostfalen Den Umfang für das Westfalen­land genau zu beschreiben. ist unter Umständen schwierig, weil die Erenzlinie in den verschiedenen Jahrbunderten schwankend gewesen ist. Die Provinz„Westfalen“ ist bekanntlich erst im Jahre 1816 in ihrem heutigen Umfange festgelegt.

Ueber den Bauernhof to dem Grolle in Aeckendorf

als Unterhof des essendischen Oberhofes Huckarde.

Von Reinhold Grasreiner, Pfleger für kulturgeschichtliche Bodenaltertümer.

Die Aebtissin von Essen hatte rund anderthalb Dutzend Ob.rhöfe, darunter den Brockhof(Bruch­Hof) in Gelientirchen. Nienhausen in Rotthausen. Ueckendorf in Ueckendorf. Viele Unterböfe dieser drei Oberböfe lagen im Bereich des heutigen Gel­senkirchen. Nicht wenige der übrigen Unterdöfe aber hatten eine„Stre.klage“, d d. sie fanden sich außerhalb, erwa im Münsterland, im Sauerland u.d. Dabingegen kam es nicht selten vor, daß ein auswärtiger Oberhof auch Unterböse in unierer Gegend hatte So der Oberhof Huckarde bei Dort­mund. Dieser batte seine Unterböse im wesent­lichen in der Dortmunder Gegend. Aber auch im Bereiche der Stadt Gelsenkirchen gehörte zum Oberhof Huckarde ein Untervof: der Hof to dem Grolle in Ueckendorf. Im ganzen g.börten zum Hosesverband des Obervofes Huckarde annäbernd einhundert Unterböse.

Huckarde. Hokerde oder Hukrithi. westlich von Dor.mund ein alter Reichshof karolingischer Kaiser, wurde schon im 9. Jahrhundert dem Kloster Essen von Ludwig dem Deutschen(843 bis 876) als Schenkung überwiesen. Die kleine Herr­schaft Huckarde ungefähr so groß wie die beiden Gelsenkirchener Stadtbezirke Schalle und Brau­bauerschaft(Bismarck) oder wie Wanne und Eickel (ohne Krange und Holsterhausen). wurde päterbin ein Oberhof der Abtei Essen und stand im Auf­trage der Aebtissin unter einem„Verwahrer" oder Schultheißen, der ein Ritter und zuglech essendi­scher Kanonikus mit der daran tebenden Pfründe war. Ursprünglich hatte die kleine Herrschaft Huckarde, wie etwa auch Strünkede und Grimberg. ihre eigene Gerichtsbarkeit. Allmäblich wurden die aufstrebenden, mächtigen Grasen von der Mark. nicht ganz nach dem Willen der Essener Aebiissin. zu erblichen Schirmvögten der winzigen Herrschaft

Die für den Oberhof im Essener Kettenbuch (1332) niedergeschriebenen„beschworenen Rechte (die natürlich auf S.ite der Aebtissin waren!). welche dieser Oberhof alljährlich zu erfüllen ge­halten ist", besagen: Erstens schuldet der Oberhof Huckarde der Frau Aebtissin zu Essen 7 Mark 11 Schilling Essener Geldes. Ferner 22½ Malter Gerste und 25 Malter Hafer, Ferner dat er für den Konvent(Kloster) beizutragen wie der Ober­hof Viehof. nämlich 88 Malter Roggen, dazu noch­mals 88 Malter Gersteumal; Essener Grotzmaß und 5 Malter Erbsen Essener Grotzmaß. Ferner in der Reihen=„Woche“, die aufs den Oberb. Huckarde entfällt für zwei Tage Fleisch. Fernei schuldet der Oberhof Huckarde jedes Fahr dem Backhaus zwecks Backens des Roggenbrotes 28 Fuhren Backbolz. Dem Bäckermeister sind 11 Schil­ling zu zahlen. Ferner sind dem Drosten der Herrin(Aebnissin) zu liefern 42 Pfund Wachs. Ferner den vier Beamten(Droste, Marschall, Kämmerer. Scheut) zu liefern, wie jeder andere Oberhof auch verpflichtet in Ferner d. m Kano­nikus, der das Spanami(Kirchmeisteramt) unter­hat 5½ Schilling Dortmunder Geldes. Ferner dem Ritter Pilarim von der Leitde als Anteil der Konvinrstope(des Königsgeldes) 3½ Mark Essener Geldes. 3 Malter Roggen. Ferner der Verwaltungs)=Kammer der Aebtissin a Schilling Ferner dem Schwörvogt.„Sollte irgend semand sagen daß dieser Oberhof Huckarde weder Heringe. noch Käse. noch Wein zu entrichten habe. so sei lhm erwidert, daß es in alten Heberegistern ausdrück­lich heißt: alle Verwalter(Oberdofschulten. Schult­heitzen ulw) schulden der Essener Kirche 21 Mesa (— ein damatiges Gemäß. erwa Faß) Heringe. Wenn alle somit auch dieser Oberhof Huckarde“ — Damit sind aber die Lasten und Abgaben der Unterböse die ja alles aufbringen mutzten, keines­weas erschöpft. Wieviel ta.n: B. noch ein beim „Sterbsall“ bei der„Bebandiaung“— wie man denn für die heutzutage schier unglaublichsten Vor­kommnisse Geld. Geld. Geld von den Bauern sor­derte! Nun. zu an diesen Abaaben mußte selbst­verständlich auch unser Hof to dem Grote sein redlich Teil heitragen. gebörte er doch zu den größten Unterböfen Im Essener Kettenbuch stebt, er verzeichnet mit einer fährtichen Abaabe von 14 Scheifel Malz. 6 Schessel Haser, 2 Fab Roggen.

Wieviel an Abgabe noch nebenher floß. ist nicht gesagt.

Aus dem Jahre 1415 besitzen wir eine Urkunde, worin der„Verwahrer" des Huckarder Hoses­verbandes, wozu ja auch unser Ueckendorfer Hof to dem Crolle gehörte, ein auswärtiger Ritter Namens Lohann Cvelacker seiner Herrin, der Acbtissin zu Essen, das schriftliche Versprechen über die Verwahrung gibt. Was der Ritter für den„Hof Huckarde" verspricht, gilt auch entspre­chend immer für jeden der annähernd hundert Unterhöfe. Also der Ritter Ovelacker verspricht. von dem Hof zu Huckarde mit allen Zubehörungen, Rechten. Oerrlichteiten und Gericht treulich und nützlich zu liefern alle Jahr 44 Malter Roggen, 44 Malter Malz und die Bede zu rechten und ge­bührlichen Zeiten auf des Stiftes Speicher, näm­lich Korn und Malz zu Mariä L.chtmeß. Zu Mittsommer(24. Juni) will der Ritter 9 Sester Butter und am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt 24 Hammel und zu Mittfasten 9X120— 1080 Heringe liefern. Davon sollen ihn weder Wehr, Ruf noch Brand abhalten. Dann will der Ritter das Gericht, die Höfe sowie Land und Gut, so darein gehören, verantworten, verbitten. ver­dedingen(cerichtlich vertreten) nach all seiner Macht auf allen Stätten, nur nicht gegen die Aebtissin und das Stift. Ferner will der Ritter des Oberhofes Mark. Weide, Land, Holz und Büsche beschirmen und nicht vertrüsten, ja er winl sie baten und bessern. Wenn die Aebtissin es ver­langt. will er auf seine Kosten einen gewappneten Mann legen binnen Essen. Dieser Mann soll dem Amtmann der Aebtissin helsen beschirmen Leute und Gut im Gericht Essen. Grunderbe, daran des Hofes Leute besterben, will der Ritter nicht an sich oder seine Erben fallen lassen. Sollte der Ritter Fehde ansagen oder sollte ihm Fehde an­gesagt werden, so will er den Oberhof zu guter Zeit auflassen, damit der Aebtissin und ihrem Kapitel kein Schaden gescheye. Auch will er von keinem der Hosesleute irgendwie Gut leiben, um es sich etwa anzueignen. Nicht will er die Hoses­leute höher dringen oder schätzen, als was des Hoses Recht ist. Auch will er Hofesleute nicht anders auswechseln denn mit glattem, gutem Wechsel. Desgleichen will er kein Grunderbe ver­wechseln, es sei denn mit Wissen und Willen der Aebtissin und des Kapitels. So cehen die Ver­sprechungen des Ritters weiter, bis er am Schlusse sagt:„Alle diese Punkte habe ich vorgenannter Johann von Cvelacker gelobet, in guten Treuen gesichert, mit aufcerichteten leiblichen Fingern und mit gestabetem Eide leiblich über den Heili­gen geschworen, alles wahr. fest und unverbrüch­lich zu dalten Beurkundet im Jahre 1415 am vierten Tage vor Lätare.

Im Jahre 1444 wurde der Ritter Dietrich von Eichel, Drosie des Amtes Bochum, Verwadrer#### Huckarder Hosesverbandes. Die darüber ausar­setzte Urkunde lautet:

Ich Dietrich von Eickel, zurzeit Droste zu Bochum, tue kund, daß ich den Hof io Hoferde. den mir die edle Fürstin, meine gnädige Frau, Frau Elisaber von der Beeck. Aebtissin der weltlichen Kirche zu Essen zurzeit, mit allen Hofes=Zubehörungen,=Rechten und=Gerichten nach Stiftsrecht anbefohlen dat, getreulich und zu Nutzen bewahren soll, wie des Stiftes altes Recht und Gewohnheit In. Auch soll ich. vor­genannter Dietrich, meiner gnädigen Frau und lorem Stift alle Jahre auf die deilige Hochzeit Mittwinter(Wetbnachten) bezahlen sechzig Mark. die sich belausen und gerechnet sind auf achtzig schwere oberländische Gulden, seglichen Gulden gerechnet zu neun Schilling. Gegeben in dem Jahre unseres Herrn 1444 auf Santi­Moraareten=Tag, der beilicen Jungfer(13 Juli).

Gegen Ende des Vlerzehnhundert(1486) sin­den sich in einem Steuerveranschlagungsverzeich­nis zwei Groll=Höfe: der des Evert tdem Groll und der des Gerwyn tem Groll. Es mun also inzwischen eine Teilung des einen Grol=Hoses in

zwei Höse vor sich gegangen sein. Da Everts Steuersumme damals 4 Gulden betrug, die des Cerwyn nur 2, so ist jener der spätere Hof Große Grollmann, dieser der Kleine Grollmann.

In demselben Verzeichnis wird aber nur der Kleine Grollmannshof als„essendisch“ angegeben. Somit wird bei oder bald nach der Spaltung des Gesamthofes nur der kleinere beim Stift Essen verblieben, der größere aber von den Esse­ner Damen an einen Ritter„ausgetan“ worden sein.

Im Jahre 1487 erhielt Gerd von Bodelschwingh als„Verwahrer“ den Hosesverband Huckardse. Zwei Jahre später 1489, erhielt ihn Wennemar von Bodelschwingy. Dieser gab 1504 als Droste und„oberster Hofesschulte“ das dem Ober­hof Huckarde unterstellte Hosesgut„zum Grolle“ dem Johann zum Grolle zu Lehen. Dasselbe Gut erhielt 1555 Johann Grollmann, der Soyn des genannten Johann zum Grolle. 1562 wurde das Gut an Jürgen von Asbeck zum Goor in Heßler verkauft vorbehaltlich„ewiger Wiederein­losung". Das war eine Sicherungsklausel der Aebtissin.

Um die Zeit der Reformation trat der Auf­sitzer des Großen Grollmannshoses zur neuen Lehre über, der des Kleinen Groühofes hingegen verblieb bei der alten Lehre. Und so ist es bei den Nachjahren jener beiden Hofesaussitzer ge­blieben bis zu korem Aussterben.

1622, nicht lange nach dem Beginn des Drei­ßigjährigen Krieges. wurde Rutger von Asbeck zu Goor mit dem Grollmannsgut„behandet“. Er war der Sohn des Johann von Asbeck und der Anna von Schadelich(Schalte).

1663 erfolgte die„Behandlgung“ an die Ge­brüder Johann Sigismund, der auch die Dorne­burg in Eickel besaß. und Adolf Joachim Adrian von Asbeck zum Goor

In der Kaminsteuerliste von 1664 treten bei der„Spezifikation der Bauerschaft Ueckendorf we­gen der Kaminsteuern" beide Grollmann auf. Bei dem zuerst genannten heißt es:„Pfächtiger Hen­rich Grollman, ein halb Hovener, drei Feuer­stätten, deren eine im Backhaus von einer alten Frauen, die andere von einem stockalten gebrech­lichen Leibzuchter gebrauchet wird, unvermö­gend.“ Die Steuersumme des Hosaussitzers be­trägt nach der„Neu Matricul anno 1654“ 1

Reichstaler 39 Stüver. Dann folgt unmittelbar die Eintragung über den anderen Grollmann: „Psächtiger Jurgen Grollman, ein Hovener, eine Feuerstätte, ist sein Haus von dießem Sommer neben(— außer) seinem Korn abgebrand, dat ein Erigen in der Scheur, woselbsten Feuer hat; item wohnet einer aus dessen Grunde in einem selbst­gemachten Statenhüttgen. Dieterich in der Wiesche genant.“ Als Steuersumme findet sich bei diesem Groll angegeben: 3 Reichstaler. Also: der Hofner mit 3 Reichstaler ist der Große Groll­

1 Re

mann, der

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der der Kleine Grollmann Als„Grundderr“ ist

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beim Grotzen Grollmann die„Abdei Essen“

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umann die 2—er. Enen- an­

gegeben, sbeim Kleinen Grollmann werden als Grundberren„Canouiei zu Essen“ genannt. Beide Güter rechneten also wieder als essendischer Besiv.

In der sogenannten„Dienstliste“(Aufnahmb deren im Amt Bochumb sich befindenden Stifts Essen Hobsgutteren, 1666) finden sich die beiden Grolldöse nicht oder nicht mehr Es scheint sich also nicht lange nach dem Dreißigjährigen Kriege das Zugebörigkeitsverbältnis zu Essen mertlich gelockert zu daben oder ganz verschwunden gewe­sen zu sein. Aber das scheint nur so. Das Groll­mannsgut war ja vor gut vier Jadrzebnten an die von Asbeck zu Goor ausgetan oder„auf ewige Wiederlöse verkauft" worden.

1704 brachten Jobann am Groten Grolle und seine Ebefrau Anna das Grollgut von dem Herrn von Asbeck zum Goor an sich. Rutger von Asbeck stellte darüber eine Urkunde aus.

Als 1776 die Schöffeler Heide in Ueckendorf getellt wurde, erhielt auch der Kleine Grollmann,

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der östlich von der Heide wohnte, seinen Anteil, sast ein Fünstel der Heide, einen langgestreckten, keilfirmigen Streisen an der Ostseite. Der Große Grollmann war an der Teilung nicht beteiligt.

Bei der Personenstandsaufnahme von 1798 werden wieder die Höse Großer Groll und Kleiner Groll genannt. Der Große Groll war damals ein„Fre.hof". Dies wird er wohl seit 1704 nach der Loslösung von Haus Goor gewesen sein. Der Kleine Groll hingigen wird noch(1798) als ein Essener Vikariengui aufgeführt. Immerhin scheint auch der Große Groll noch in einem, wenn auch ganz lockeren grundverrlichen Verhältnis zum Stift Essen gestanden zu haben, trotz der Frei­machung vom Haus Goor.

1803 hörte jegliches Verhältnis zum Stift Essen auf. da dieses durch den Reichsdeputations­hauptschluß aufgelöst und zu Preußen geschlagen oder säkularisiert wurde. Von da an wurde Preuhen der Rechtsnachfolger des Stiftes Essen, auch in allen bäuerlichen Angelegenheiten. Nach einer längeren Reihe von Jahren wurden end­lich auch die ältesten„Behandigungs"=Zöpse ab­geschnitten. Der Bauer konnte jetzt mehr für sich selber schaffen

Beide Groll=Häuser stehen heute noch in nicht weiter Entfernung voneinander: der Kleine Groll (Almastraße 60a) an einem von der Almastraße rechts(nach Süden) abzweigenden einzachen Landfahrweg, der Große Groll hundert Meter weiter an der linken Seite der Almastraße(63) Wieder bundert Meter weiter biegt in rechtem Winkel nach Süden die Grollmannstraße ab, an der sich dann auf einer Bodenerdöhung an einem Kreuzweg der vor ungefähr 50 bis 60 Jahren errichtete große Neubau des Großen Grolles er­hebt. Die altbäuerliche Bauart der beiden alten Crollböse ist bei dem Kleinen Groll kaum, beim Croßen Groll noch einigermaßen zu erkennen. Beide Häuser wurden von der Zeche Alma ange­kauft und zu„Beamtenwobnungen hergerichtet. Trotzdem der Große Grollhof sein altbäuerliches Anseben so stark verloren vat, sieht ex doch deut­zutage nach einem gründlichen Umbau recht schmuck und einladend aus, was man von dem Kleinen Croll weniger sagen kann Zeigt der Große Groll ein recht freundliches Gesicht, so der Kleine Groll ein fast griesgrämiges, mürrisches. Konnte er sich in die neue Zeit nicht dineinfinden?

Sieht man von einer öden, fast wilden Fläche im Süden der beiden Grollhöse auf diese, so Prängt sich ein sonderbares, zum Nachdenken reizendes Bild auf: Im Vordergrund die beiden uralten Höse, dabinter der Zeche Alma und der Hochöfen wuchtiges Getriebe. Dieses scheint die beiden Alten fast erdrücken zu wollen. Und som­bolisch ist das Pild: Die alte Zeit und unmittet­bar dahinter die neue,— Landwirtschaf: vormals— Industrie heute! Ein stummes und doch soviel sagendes Kampfbild! Die Land­wirtschaft mußte weichen, die dahinter mächtig aufragenden Industriebauten drücken die beiden alten stolzen Höse fast zu einem Nichts berad. Sekten kam mir das Verschwinden der Landwiri­schaft und das siegreiche Aufsteigen der Koblen­und Eisenindustrie so tieswirtend zum Bewußt­sein wie bei diesem Landschaftsbild:

alte Zeit— neue Zeit.

Landwirtschaft—. Großindustrie——

beides hier sich die Hand reichend, das eine in stummer Ergebenhelt, das andere mit Sirenenton kommend und herrschend. Da mögen die beiden Alten wohl denten wie der alte Jatob:„Ich werde mit Leide hinunter fahren in die Grube...“

Sucht ein Maler nach einem trefsenden Motv für den industriegeschichtlich gewordenen Eigen­zug unserer Heimatgegend:— hier hat er es voll­endet vor sich.——

Vom Großen Grolle wurde der Name Große Grollmann u. a. 1819 verpflanzt nach der Bicker­dörne(Wanne), wo er aber inzwischen wieder er­loschen ist. serner auf den Hof Kleine Oven in Heßler, desgleichen nach Bodelschwingy dei Mengede.

Vor- und

in Bestfalen.

Fande

Im Verein für Orts= und Heimatkunde in Witten sprach Dr. Stieren, Assistent der vor­und früdgeschichtlichen Abteilung am Landes­museum zu Bünster über„Vor= und frühgeschicht­liche Funde in Westsalen“. Er sprach dier zum erstenmal über die Ergeynisse seiner letzten Aus­grabungsarbeiten. An Hand einer Reide sehr auter Lichtbilder konnte er den Zuhörern die Funde und Fundstätten anschaulich vorführen.

Dr. Stieren berichtete von Oknengrädern im Norden und Steintisten im mittleren und Süd=Westfalen, den Begrädnisstätten unserer Vorfahren aus der jüngeren Steinzeit. Er stellie. enigegen früderen Ansichten, fest, daß die Hügel­

gräber Hausinnenbauten enthielten, also nach m Muster der oberirdischen Wodnung angeleg: waren. Sodann sprach er von der Bloßlegung eines altfränkischen Frieddofs bei Bocholi. Der Friedhof war teils nach beidnischer, teils nach christlicher Art angelegt. Hier, wie auch in den Hügelgräbern wurde eine Reihe sehr wertvoller Funde gemacht.

In einem Glasschrank waren verschiedene interessante Funde ausgestellt, unter denen sich eine Bronzefigur(Mertur, xömische Arbeit), Perlenketten, sllberne Armreifen(dermanische

Arbeit) und der bekannte Letmather Gold­fund(e.n Hals= und ein Armleien) sich bezas­den. Die Auseralungsarbeiten haben manches Wertrole zu Tace cefördert und der Forschung neue Wege gewiesen. Es muß noch mehr als bis­der Wert darauf celegt werden, derartige deur­würdige, geschichtliche Stätten zu Naturdent mälern zu erheben, damit sie vor Verfall und unbedachter Zerstörung bewahrt bleiben. Aus­arabungen werden ja bekanntlich nur da gemacht. wo die Stätten auf keinen Fall erhalten werden können.

Die Amtswoche.

Humorvolles aus dem westtälischen Pfarrerleben. Von

Dr. Ewald Dresbach.

In den evangelischen Landgemeinden Rhein­lands und Aestialens, an denen zwei Pastoren standen, war früher die Amtswoche üblich. d. d. in der Woche von Samstag(Mitternacht) bis da­hin am folgenden Samstag kamen die Amtsband­lungen(Tausen, Tranungen, Beerdigungen und dergleichen) dem einen Pastor zu, während dem anderen die Pflicht oblag, in der Zeit Haus= und Krankenbesuche zu machen Die Einrichtung datte ihre Vorteile und Nachteile, aber sie war zeitge­mäß. Jedenfalls gab sie den Gemeindegtiedern das erwünschte Recht, zu ihren Amtsdandlungen ln manchen Fällen den Pastor zu wählen, der ihnen am melsten paßte. Andererseits datte der Pastor die Möglichkeit, in seiner freien Woche wenn sonst nichts vorlag, das eine oder andere zu erledigen, was nicht zu seinen amtlichen Ver­pflichtungen gebörte.

In der Neuzeit dat die Amtswoche unter ver­änderten Verhältnissen und auf Drängen der kirchlichen Bevörde der Parochialeinteilung, der Einteilung der Gemeinden in bestimmte und seite Seelsorgerbezirke. Platz gemacht, an manchen Or­

ten nicht ohne heftigen Widerspruch der Gemeinde­gl.eder. Daß die Amtswoche auch in anderer Be­zebung nüt lich und schäulich sein konnte, mag folgender Fall beweisen, der tatsächlich sich ereig­net hat

In einem Dorse standen vor etwa 80 Jahren zwei Panioren. Der ältere hört in einer dunklen und sturmischen Nacht von Samstag zum Sonntag Geräusch an seinet Haustur. I. Glauben, er würde zu einer Rottause oder einer Kranken­kommunion gerusen, macht er richt und sieht, daß die Uhr bereits eins geschlagen hat. Seine Amts­woche war also zu Ende, und sein Kollege mußte in Funktion treten Er dfnet das Fenter und ruft: Ihr müßt zu neinem Kolegen gehen, ich habe die Woche nicht! Nach einer Weile macht sich das Ceräusch wieder bemerkvar. Der Pastor neht wieder auf und rust abermals mit starter Stimme in das Dunkel der Nacht: Geht zu mei­nem Rollegen, der hat die Amtswoche, es ist schon weit über Mitternacht!

Nun alles still. Um 10 Uhr beim Beginn des Gottesdienstes treffen sich die beiden Amtsbrüder nach Gewoynheit in der Satti##el. Der jüngere ist in großer Aufregung: in der Nacht sind Diebe In sein Haus eingebrochen und haben ion mit vor­gehaltener Pistole gezwungen, Geld und Wert­sachen verzugeben. Die Diebe datten es auf den alteren abgesehen waren aber aus dessen ernste und wohlbegründete Vorstellung lächelnd abge­zogen und hatten so dem Kollegen einen erfolg­reichen Besuch abgestattet

Ueberhaupt wurden in Tamaliger Zett, wie die alten Chronisten melden. die Pfarrhäuser nicht selten von Einbrechern heimgesucht. Im Pfarr­hause Konradshof in der Geneinde Eckenhagen Ist der Pastor Köster im Jahre 1768 in der Nacht vom 3 auf den 4. Dezember von 8 Räudern er­mordet worden, weil er nicht guwiltig sein Geld vergeben wollte. Die Räuber wurden erwischt und am 3. Juli des folgenden Jadres in dem benachbarten Dorfe Danzlingen gerädert.

Die ersten Nachrichten aus dem Ruhrtale.

Don C. A. von Nida.

Die Besiedelung des Ruhrtales ist bereits recht in jene

rüo, eregen, Sie reicht

ne ferne Zeit zurück. deren Schritt heute nicht mehr festgesteut werden kann. Zuerst wohnten seltische Stämme hier. die später von den Germanen verdrängt wurden, de­ren Wiege vielleicht an den Aphängen jenes Ge­birges gestanden hat, welches Vorder= und Hinter­asten voneinander trennt.

Wie es vor 2000 Jahren in unserem Vater­lande aussad, wissen wir aus römischen Quellen, da in jener Zeit die Römer sich anschickten, die weiten Landstriche zu beiden Seiten des Roeines zu römischen Kolonien zu machen. Bevor der Fuß römischer Legionssoldaten den deutschen Bo­den betrat, trieben griechische und italienische Kaufleute schon Handel mit den Germanen. und von ihnen erhalten wir die ersten zwar recht lückendaften Nachrichten über unsere Vorsahren. Wie es immer war und sein wird, folgte der Krieger den Spuren des Kaufmannes. Aus rö­mischen Berichten wissen wir, daß ganz Deutsch­land damals mit fast undurchdringlichen

Urwäl­

dern, in denen Ur und Auerochse, Bären und Wötse in proter Zahl dausten, und mit ausge­dehnten Sümpfen bedeckt war.

Die Völkerschaften, welche vor ungefädr 2000) Jahren Deutschlands Wälder bewohnten, datten eine außerordentliche Aehnlichkeit miteinander. Einen Namen, der das ganze Volk bezeichnet hätte, kannten sie noch nicht. Von den Galliern aber wurden sie Germanen genannt, eine Benen­nung, deren sich später auch die Römer bedienten Sallust gebrauchte etwa ums Jahr 73 v. Chr. zu­erst den Namen Germanen für die auf der rech­ten Seite des Rheines wohnenden Völkerschaften. Seinem Beispiele folgte Julius Caesar.

Ueber das, was sich vor Beginn unserer Zeit­rechnung auf unserem heimatlichen Boden begab.

haben wir nur recht dürstige Nachrichten. Im idre 55 v. Chr. überschritt der römische Feld­derr Julius Caesar aus einer kunstvoll erbau­ten Pfayldrücke nördlich von Andernach den Rbein und verwellte mit seinen Legionen 18 Tage am diesseitigen Ufer. Zwei Monate später ging er abermals über den Rhein. zur Adwehr des tapse­ren germanischen Stammesverbandes der Sueven Zu den Sueven gedörten die Cbatten. Ba­taver. Cemnonen, Langobarden, Hermunduren, Angeln. Markomannen, Quaden und vielleicht auch die Cherusker. Gie wurden auch Herminoden oder Irminonen genannt. Die Herminonen bildeten eine Kuitusgemeinschaft, die Ziu als ihren döch­sten Gott veredrie. Der grlechische Geschichts­schreiber Stravo. welcher etwa 60 v. Chr. geboren wurde, schrieb:„Die suebischen Völkerschaften wodnen vom Rheln bis zur Elde din, ein Teil be­siszt auch senseits der Elbe Land.“ Sie waren nach seinen Schilderungen noch Romaden. Die Sue­ven taten sich schon sehr früd durch friegertsche Unternehmungen dervor. Die kühnen germani­schen Scharen, welche Artovist im Jahr 58 v. Chr. in der Gegend von Altbreisach über den Rbein führte, waren Seieven.

Etwa im Jahre 55 v. Chr. wohnten zwischen Ruhr und Layn die Tenchterer oder Tentte­

dreu. Seine An­

war nicht ehne Erfolg ge­lugustus(16—13 u. Cdt.) hatte Römer auch auf dem rechten

rer, zwischen Sieg und Lippe die Sigamdrer oder Sugambrer, nordlich von ihnen, zwischen Lipre und Ems. die Brukterer und östlich von diesen. an der mittleren Weser, die Cderusier. Die Si­gambrer zählte man wie die Ubler, Tentterer, Brukterer, umsivarier, Usll eier und Chamaver zu den Istväonen. Sie vereyrten Wodan als toren Stammvater

Von den Sueven gedrängt. traten die bis da­din am rechten User des Rheines ansälüigen Übier im Jahre 38 v. Cdr. auf das Unke Rbeinuser über und besiedelten das Geviet von Vonn bis Neutz. Nach Westen zu bildete die Wurm wobl die Grenze idres neuen Gevietes. Durch den Umzug der Übier auf die kinbe Rheiniette wollte sich der schlaue Römer einen neuen, wertvollen Bundesgenossen bei der Verteidigung der Rhein­erenze gewinnen

Unter ihrem Häuptling Melo brachten die Sigambrer im Jahre 16 v. Chr. dem Legaten Louius eine schwere Niederlage bei, wodurch sich Augustus veranlaßt südlte, selbst an den Rhein zu

gehen, um durch Unterwertung des westlichen rmaniens Rute derbeizufbor wesenhelt am Rhein wesen. Zur Zeit Aug

sich die Machi der Aömer auch auf

Rheinufer weit gegen die Elde din geienigt, aber eine römische Provinz bildete das rechie Rhein­user doch nicht.

Um diese Zeit waren die Römer Ssters ins Herz unseres Vatrlandes eingedrungen, aber auf unsere engere Heimat fällt in den Berichten über die Kriegszüge kein dellerer Lichtprodt. Drusus unternahm in den Jahren 12—9 p. Cer. vier Krlegszüge ins Innere Deutschtands und legte vier feste Plätze an. Das erstemal drang er vom Zuydersee aus in die Emsmündung enn Dei seinem zweiten Unternehmen atug en das Tal der Lippe aufwärts. Er schlug deim Redergapg über den Rbein im Jahre 12 die zwischen Sieg und Lippe ansässigen Sugambrer zurbch, schloß mit den Batavern und Friesen Bündnitze und drang vom Bataverland durch das Gediel der Ustpeter verwüstend ins Land der Zugamdrer ein. Die Vataver woonten an der Mindung des Rbeines, die Usipeter hatten zu dieser Zeit an der Vecht, zwischen der Ems und dem Zuddertee, ihre Wohn­sitze gehabt. Drufus drang also von Koxden gegen die Ruhr vor. Wie weit er auf diesem Lug gekom­mei ist, wissen wir nicht.

Tiberius, der Stiefie Kaiser Augustus, brachte zwise durch Arglist den Westen 2

zwischen Rhein und Elbe, in keine Eswakt.

bemächtigte sich der Häupter des Stammes durch Arglist und untrwarf dann die Sieanshrei. Dar­auf verpflanzte er 40.000 von idnen ums Jahr 8 v Cor. auf das linke Ufer des Areind, wo ste zwischen Ubiern und Vatavern Re Wacht am Roe'n zu dalten auserseden waren. Dls Zurück­gebliebenen vermischten sich mit dem in die ver­

lassenen Gebiete vordringenden Marfen und Hattuariern.