EBSETLEE“!!

S3S

38 5382235

BESPORNUTI

SSP

Westfälisches Tageblatt

5955 23

S5. S

533 35

##pE

B5856S

en S 85

8

AB PEERSREE 58•HSS L

S#T#ES

SEOESSEEE

chtbar schwer,

t, weit her; Gnaden:

ßer Sack

e.

ern sie sehn: Lohlergehn

„

Kiste auch Segen! Fröhlichkeit Herz erfreut jegen.

Väterlein (Mütterlein) zen:

lut'gen Tag ür Dich trag erzen.

Tante Holla.

itsel.

Pauli.

— den— e— 61— lu— na— nd— — ral— r0— ssen

ben sind 11 Wörter und Endbuchstaben n den Anfang eines einzelnen Wörter achtvogel; 3. Zier­I. Nähgerät: 6. Iu­innlicher Vorname; Fluß; 11. Völker­

ätsel. hlüter.

Stadt im deutschen

schädliches Tier

hneidendes Instru­

ra in Asien kennt! nden Münze der

hland manche Dame nennt das Wort, ein Fluß und ein

Rätsel.

Unger.

ast

Altena

Buchstaben

eineschnl?? sungen dei ebracht, zal bringen

Generai Anzeiger für Hagen und Amgegend

a# westfällicht Tageblatt erschemt täglich mit Musnahme der Sonn= und Feiertage.

ReiugsPreie bis auf weiteree monatlich zwei Reichemar! an Streil und döherer Gewalt kann Gewähr für regelmäßige Lieferung nicht übernommen und Bezugsgeld nicht erstattet werden. Einzelnummer 15 Pfg. wertbest.

Gerechstundt der Redaktion 3—6 Uhr nachmittags Fernsprech=Anschluß Nr 126

Hauptgeschäftsstelle u. Redaktion: Hagen(Westf.)

Goldbergstr. 17-21.= Fernruf 120/126.- Telegr.: Tageblatt Hagenwests Zweigstellen mn vielen Städten und Gemeinden.

Eigene Berliner Vertretung:

Berlin SW 48 Kriedrichstr. 226 Fernruf: Rollend. Nr. 4068-71.

Nationale Zeitung für Stadt und Land

Anzeigen aus d. Verbre 6 Pfg., auswärtige 12 D

in der Textspalte. Amtliche u. Finanzanzeigen 30% mehr. schluß tags vorber die 5 Uhr nachm. kamilienanz. die 8 Uhr morgene vor der Ausgabe

Geschäftsstunden: 8 1 und 3 7 Samstags die 5 Uhr Hostscheck=konto öin 24/104

reitungsgebiet tosten 10 Pfg. Familienanzeigen u. Stellengesuche Dfg. für die mm=Höhe in der Anzeigenspalte. Reklamen 30 Dig liche u. Finanzanzeigen 30% mehr. Radatt nach Tarif. Annahme

62 Jahrgang

Freitag, 1. Mai 1925

Nummer 1011

Fortsetzung der Aussprache im Landtag

Ein deutschnationaler Mißtrauensantrag.

Braun ergreift nochmals das Wort diat. Es ist im Wahlkampf das unglaubliche Vort

— Berlin, 30. April. Der preußische Landtag setzte heute die allgemeine politische Aussprache über die Regierungserklärung fort. Zunächst ergriff noch einmal

Ministerpräsident Brann

das Wort. Er sagte: Die Richtlinien der Weima­rer Koalition halte ich nach wie vor für das Kabi­nett als richtig. Es muß jeder Abgeordneter und jeder Regierungsvertreter das Recht für sich in Au­spruch nehmen können, daß er hier gehört wird. Sie nach rechts) würdigen das Parlament selbst herab. (Großer Lärm rechts. Sehr wahr! links.) Eine Volksgemeinschaft, von der die Sozialdemokratie von vornherein ausgeschaltet werden soll, ist keine Volksgemeinschaft. Sie ist auch von der Rechten nicht ernst gemeint. Wir sind in der Zukunft, wenn es zu einem Wahlkampf kommen sollte, bestrebt, die Nehrheit zu erlangen und wir werden darum kämp­sen. Gelingt es nicht, ein arbeitsfähiges Kabinett zusammen zu bringen, so bleibt nichts anderes übrig als Auflösung. Deshalb erhoffe ich auch, daß der Landtag sein Verhalten so einrich­tet, uns in Preußen eine Neuwahl zu erspa­ren. Wenn das deutsche Volk zur Ruhe kommen soll, bitte ich die Herren von der Rechten, den Kampf gegen die bestehende republikanische Staatsform endlich einmal auszugeben. Meine Herren von der Rechten, gehen Sie zurück zu dieser bewährten Po­litik und wir werden Ruhe im Volke haben.(Lärm rechts. Beifall links und in der Mitte.)

Meyer=Hermsdorf(Deutschnational):

Eine„Volk'sgemeinschaft“ mit den Sozialdemo­kraten ist ein Unding. Die Sozialdemokratie ist nicht imstande, aufbauende Arbeit zu leisten. Wenn der. Ministerpräsident heute die Hoffnung auf eine tragfähige Regierungsmehrheit ausgesprochen hat, so scheint er dabei auf die Kommunisten zu rechnen. Wie lange das Zentrum hinter dem Kabinett Braun stehen wird, ist noch sehr ungewiß, denn die Welt­anschauungsgegensätze zwischen Zentrum und So­zialdemokratie sind unüberbrückbar.

Domkapitnlar Pros. Wildermann(Zentrum)

wirft den Parteien der Rechten gehässige Art des Wahlkampfes vor. Die mehr als einseitige konfessio­nelle Hetze. die dabei getrieben worden ist— man hat sogar den unglaublichen Versuch gemacht, das Zentrum mit dem Papst in Gegensatz zu bringen— ist alles Lüge und Schwindel. Der Papst und die katholische Kirche haben wiederholt den Sozialis­mus wie den Protestantismus als Irrlehre bezeich­net.(Hört, hört! und große Aufregung rechts.) Von uns zweifelt kein Mensch daran.(Stürmische Ent­rüstung und andauernder betäubender Lärm rechts.) In aller Ruhe stellen wir fest, daß Sie(nach rechts) dogmatische und bürgerliche Toleranz verwechseln. (Fortgesetzter erregter Widerspruch rechts.)

Dr. von Richter(Deutsche Volksparteis: erklärt, daß ihn die Ausführungen des Vorredners aufs tiefste verletzt hätten.(Sehr richtig rechts). Man soll nicht noch den konfessionellen Streit hinein­tragen. Wenn Herr Wildermann so scharf spricht, dann braucht er sich nicht zu wundern, wenn sich an­dere Parteien verletzt fühlen. Das fördert eine Zu­sammenarbeit nicht. Gesündigt wird im Wahlkampf immer. Der Abgeordnete soll höher stehen als ein Agitator. Sollen denn die deutschnationalen Kreise dauernd von der Verantwortung ausgeschlossen wer­den? Diese Frage stellen heißt sie verneinen. Wir wollen, daß beide Parteien, Sozialdemokra­ten und Deutschnationale gleichmäßig an der Verantwortung beteiligt werden. Es muß der Versuch gemacht werden, die Regierung auf breite Grundlage zu stellen.

Minister Severing

erklärt, wenn man eine Verständigung will, ist sie leichter möglich auf der Grundlage der Ausführun­den des Herrn von Richter als der des Herrn von Campe. Es gibt keinen Minister, keinen Staats­mann, keinen Abgeordneten, der das Kunststück fer­nig brächte, mit allen Parteier, se##g zu werden. im Wahlkampf wurde hüben und drüben gesündigt. Ich selbst sehe ständig in enem solchen Kampfe; nich: ein Tag vergeht, an dem ich nicht solche An­eriffe erfahre, wie sie Hindenburg und Marx im Bahlkampf erfahren haben. Das hat das eine Gute: isch bin abgebrüht.(Schallende Heiterkeit.) Die bründung des Reichsbanners war notwendig, als Werall die Deutschen Tage abgehalten wurden. Das Reichsbanner hat seine geschichtliche Aufgabe Tüllt. Die beste Lösung wäre, wenn alle diese sampforganisationen von der Bildfläche verschwän­den.

Preuß(Demokrat):

Um die Staatsnotwendigkeit in Preußen sicher­dustellen, ist angesichts der tatsächlichen Machtver­haltnisse im Landtage die Auflösung unum­##glich. Das Schicksal der Regierung in Preu­nin wird maßgebend sein auch für Deutschland und für seine Bewertung im Auslande. Wir müssen Kräfte daran setzen. in Preußen nicht die Reak­von hochkommen zu lassen. sondern ein festes repu­Alkanisches Regiment in Preußen aufrichten.(Bei­all bei den Demokraten).

Mohrbotter(Wirtschaftl. Vereinigung

eynt das Kabinett Braun av und polemisiert aen die Sozialisierungsidee, die den Mittelstand 2D0 das Kleingewerbe zerstören und das Eiend Deutschlands ins Ungemessene steigern muß.

Körner(Deutschvölkische Bereinigung

wendet sich dagegen, daß die konfessionelle Frage und eer Kulturkampf wieder in diese Debatte geworfen

sind. und bemerkt, von katholischer Seite Aade man auf diesem Gebiet ebenfalls stark gesün­

gefallen: Der Evangelische Bund ist nicht mehr christlich.

Wildermann(Zentrum)

erklärte zur Reichspräsikentenwahl:„Ich erkläre vor aller Oeffentlichkeit, es ist weder den Sozial­demokraten noch den Demokraten für die Mitwahl des Herrn Marx irgendein Versprechen gemacht. noch ist irgendeine Verpflichtung eingegangen; es ist auch keinerlei Versprechung oder Verpflichtung ver­langt.“ Wir wollen eine Regierung der Volksge­meinschaft und Herr Braun hat die Wahl, in der Absicht, möglichst eine solche Regierung zustande zu bringen, angenommen. Wir wollen daran festhal­ten, daß wir gemeinsam als Deutsche von rechts bis zu den Sozialdemokraten zusammenarbeiten kön­nen.

Nachdem hierauf noch einige persönliche Angriffe zur Debatte gekommen waren, vertagte sich das Haus auf Freitag. den 8. Mai mit der Tagesord­nung: Abstimmung zum Antrage über die An­nahme der Regierungserklärung. Anträge. Schluß 5.20 Uhr.

*

Mißtrauensantrag im Preußischen Landtage.

— Berlin. 30. April. Im Preußischen Laud­tage ist der folgende Antrag Winckler(Deutsch­national eingegangen:

Der Landtag wolle beschließen: Das Staatsmini­sterium besitzt das nach Aktikel 57 Abs. 1 der Ver­sassung zu seiner Amtsführung nötige Vertrauen nicht.

Verhandlungen hinter den Kulissen?

Ueber die Entwicklung, welche die preußische Krise nehmen wird, schreibt unser Berliner Bericht­erstatter, daß die Möglichkeit besteht, daß sich das Zentrum, um eine Auslösung zu vermeiden, ver­handlungsbereit zeigen und einen Abgeordneten seines rechten Flügels mit den Unterhandlungen betrauen wird. Es scheint somit, daß dem Zentrum eine fest Bindung an die Sozialdemokratie uner­wünscht ist. Innere Fraktionsschwierigkeiten spielen hierbei eine Rolle. Der Plan eines Beamtenkabi­netts taucht wieder einmal auf, wird aber nicht allzu günstig beurteilt. Den Sozialdemokraten wäre eine Auflösung, wie es scheint, nicht unwillkommen. Sie rechnen mit Mandatszuwachs. Die Kommunisten und Deutschvölkischen fürchten dagegen eine Auf­lösung, da sie alsdann mit Stimmenverlust rechnen. Es ist möglich, daß infolge Stimmenenthaltung vor­läufig eine Auflösung vermieden wird. Aber in einiger Zeit würde sie doch unvermeidlich sein.

Volksparteiliche Anfragen zum Grundschulgesetz.

( Berlin, 29. April. Zu den von der Preußi­schen Regierung zum Grundschulgesen zum 17. April erlassenen Ausführungsbestimmungen hat die Deut­sche Volkspartei einen Antrag eingebracht, in dem gesagt wird, daß bei Anerkennung des Grundsavzes, daß nur in einzelnen Fällen besonders leistungs­fähigen Schülern und Schülerinnen nach nur drei­jährigem Besuch der Grundschule der Uebergang in mittlere oder höhere Schulen gestattet werden soll, diese Maßnahme in ihrer Auswirkung für durchaus unsoztal zu halten ist. Der Landtag wolle deshalb beschließen, das Staatsministerium zu ersuchen, den Erlaß in der Form zu ändern, daß seine Härten ge­mildert werden, besonders aber leistungsfähigen Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit gegeben wird, die Ziele der Grundschule in drei Jahren zu erreichen. In einem weiteren volksparteilichen An­trag wird auf die Antwort des Kultusministers auf eine kleine Anfrage hingewiesen. nach der die Auf­nahme von Schülern nach vierjährigem Besuch der Grundschule in die Quinta dem Reichsschulgesetz widerspreche und nicht zuzalassen sei. Es wird be­antragt. diese willkürliche Auslegung der Bestim­mungen des Reichsschulgesetzes sofort auszuheben und es bei den bisherigen Bestimmungen über die Aufnahme von Schülern auf höhere Lehranstalten zu belassen bis zur Regelung der Angelegenheit durch das Reichsschulgesetz. Weiter beschäftigt sich eine kleine Anfrage der Deutschen Volkspartei mit der Genehmigung des Antrages des Unterrichtsaus­schusses durch den Landtag, nach dem verboten wird, die Lehrkräfte der früheren Seminare in den einst­weiligen Ruhestand zu versetzen. Das Staatsmini­sterium wird aufgefordert, das Kultusministerium zu veranlassen, dem Beschluß des Landtages alsbald Folge zu leisten.

Hindenburg nimmt an.

= Berlin, 30. April. Generalfeldmarschall von Hindenburg hat in einem heute beim Reichswahl­leiter eingegangenen Schreiben vom 29. April er­klärt, daß er bereit sei, die Wahl anzunehmen.

Dankkundgebung Hindenburgs

(9 Hannover, 29. April. Generalfeldmarschall v. Hindenburg übermittelt der Telunion zur Ver­breitung folgende Danksagung:

„Allen den vielen, die meiner gelegentlich der Reichspräsidentenwahl freundlich gedacht haben, kann ich nur auf diesem Wege meinen herzlichsten tiefempfundenen Dank sagen, weil ich anderweitig sehr beansprucht bin. v. Hindenburg.“

Ein Wunsch Hindenbungs.

X Berlin, 30. April. Der neue Reichspräsident v. Hindenburg hat in Hannover zu dem Reichs­kanzler Luther den Wunsch ausgesprochen, daß von den beabsichtigten parteipolitischen Veran­staltungen bei seiner Uebersiedlung nach Berlin Abstand genommen werden möchte. Das gleiche Ersuchen des Reichspräsidenten ist mehreren rechts­gerichteten Organisationen zugegangen die direkte Anfragen an den neuen Präsidenten gerichtet hatten.

Die finanzielle Tage des

Die Etats ede des Reichsfinanzminisiers.

(9 Berlin, 30. April. Im Reichstag hielt heute Reichshinanzminister v. Schlieben eine große Rede über die Steuer= und Aufwertungsvorlagen. Aufmerksam hörte das Haus seinen ausführlichen Darlegungen zu. Der Minister hob hervor, daß mit den Entwürsen ein Gesetzgebungswerk in Angriff genommen sei, dem in der wechselvollen Geschichte der deutschen Finanzwirtschaft kaum ein zweites an die Seite zu stellen sei.

Die steuerlichen Belastungen sollen in Uebereinstimmung gebracht werden mit den Wirtschaftsverhältnissen, als auch der Finanzlage des Reiches. Es soll eine Grundlage geschafsen werden, auf der der Aufbau und die Gesundung der deutschen Wirtschaft möglich sei. Der Minister gab dann einen Ueberblick über die Finanzlage des Reiches und warnte vor allzu großem Optimismus. Im Jahre 1924 sei zwar ein Reinüberschuß von 1574 Millionen Mark erzielt worden, der aber teils zur Abdeckung dringendster Schuldverpflichtungen, teils zur Rückstellung für noch bevorstehende einmalige nicht vermeidliche Ausgaben verwandt worden sei. Es wäre nicht einmal ein bescheidener Betriebs­mittelfond vorhanden, wenn man nicht Ersparnisse gemacht hätte. Diese seien aber nicht so groß, daß der Fond ausreichend aufgefüllt werden konnte. Es hat sich

bereits für 1925 ein nicht vuerheblicher Fehlbetrag

ergeben, zu dessen teilweiser Abdeckung eine Er­höhung der Bier= und Tabaksteuer vorgenommen werden muß. Der Minister verwies dann darauf, daß im Jahre 1926 die Reparationslasten von 495 Millionen Mark beginnen, die dann bis 1929 auf 1540 Millionen Mark jährlich ansteigen. Auch bei günstiger Entwicklung der Einnahmen müsse schon für 1926 mit einem schwer zu deckenden Fehlbetrag gerechnet werden. Allein die Hebung der Produk­ion kann uns in den Stand setzen, die gewaltigen Reparationslasten zu tragen. Bei den neuen Steuergesetzen sei daher

die freie Entwicklung der Wirtschaft gesichert vorden. Erschwert wurden die Beratungen durch le Verquickung mit dem Finanzausgleich, bei dem ine Uebereinstimmung mit dem Reichsrat nicht er­ielt worden sei. Die Regierung halte an ihren Vorlagen fest. Die Frage der Ablösung der öffent­

lichen Anleihen soll einheitlich, endgültig und im sozialen Geiste geregelt werden. Die Regierung sei mit ihren Vorschlägen bis an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen. Die Gefahr einer neuen Inflation müsse unter allen Umständen vermieden werden. Es handele sich jetzt um die Aufgabe, die Lasten des Londoner Abkommens für das Volks­ganze tragbar zu machen. Der Minister bat drin­gend. durch Verabschiedung sorgsam abgewogener Gesetzentwürfe zum Wiederaufbau des Vaterlandes beizutragen.

Reichsjustizminister Frenken

erörtert dann die Rechtsgrundlage, die für den Regierungsentwurf zum Aufwertungs­gesetz bestimmend war. Die Reichsregierung be­trachtet die Auswertungsfrage weder als reine Rechts= noch als reine Wirtschaftsfrage, sondern sie geht davon aus, das Streben nach Gerechtigkeit mit der Verantwortung für den wirtschaftlichen Fort­bestand und den wirtschaftlichen Aufstieg unseres Landes zu versöhnen. Die Auswertungsfrage ist auch vorwiegend eine soziale Frage. Sie würde zu einer Schicksalsfrage des Deutschen Reiches wer­den, wenn bei ihrer Lösung nicht alle die erwähnten Gesichtspunkte berücksichtigt würden. Darum muß die Regierung die individuelle Lösung ablehnen. Darum muß sie sich bei ihrer Vorlage auch auf die reine Vermögensanlage beschränkem. Der Minister geht dann auf die vom Reichsrat bei der Hypothekenaufwertung vorgeschlagene Lösung ein, und verteidigt ihnen gegenüber die ur­sprüngliche Regierungsvorlage. Eine Aufwertung der Industrie obligationen und der Bank­guthaben erscheine der Reichsregierung finanziell nicht tragbar. Der Minister schließt mit dem Wunsche, daß jetzt eine endgültige Lösung des Auf­wertungsproblems erreicht werden möge, zur Be­ruhigung der Wirtschaft und zum Segen für das Reich.

Darauf wurden die Beratungen abgebrochen und auf Montag vertagt, um den Abgeordneten des Hauses die Möglichkeit zum Studium der Minister­rede zu geben.

Das Haus nahm dann noch den Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums in Angriff. wobei Abgeordneter von Raumer(Deutsche Volkspartei) Bericht über die Ausschußverhandlungen erstattete. Das Haus vertagt sich darauf auf Sonnabend ein Uhr.

Hindenburgs Amtsantritt.

Berlin, 1. Mai. Reichsminister des Innern Dr. Schiele ist gestern in Hannover eingetroffen und hatte nachmittags eine mehrstündige Unter­redung mit Hindenburg, in der laut Lokalanzeiger die Einzelheiten für die Einführung des Reichs­präsidenten in sein Amt festgesetzt wurden. Dem genannten Blatt zufolge legt Hindenburg größten Wert darauf, die Feierlichkeiten der Amtsübernahme so einsach wie möglich zu gestalten. Der Feldmar­schall betonte bei den Beratungen der einzelnen Programmpunkte immer wieder, daß er keinerlei besondere Ehrungen für sich wünsche und vor allem den überparteilichen Charatter der Feier streng ge­wahrt zu wissen wünsche. Das Programm der Feierlichlett wird wie folgt sein: Vor dem Reichs­tagsgebäude wird eine Reichowehrkompagnie beim Eintreisen des Reichopräsidenten ihm die militari­schen Ehrenbezeugungen erweisen. Auf besonderen Wunsck, des Feldmarschalls wird hierzu das Tradi­tionsregiment, das dritte Garderegiment zu Fuß bestimmt werden, bei dem Hindenburg seine mili­tärische Laufbahn begonnen hatte. Nach der Eides­keistung im Reichstage wird der Reichopräsident im Reichspräsidialgebäude durch den Stellvertreter des Reichopräsidenten Dr. Simons begrüßt werden, wo­rauf der Reichopräsident den Reichskanzler und die Mitglieder des Reichskabinetts empfangen wird.

Mit einem vom Stellvertreter des Reichspräsi­denten gegebenen Frühstück schließt die voraussicht­lich am 9. Mai stattfindende Feierlichkeit ab. Ob an diesem Termin festgehalten werden kann, hängt von dem Gang der Arbeiten des Reichswahlaus­schusser ab.

Am nächsten Tage finden in folgender Reihen­folge Empfänge aus dem Reiche und Berlin statt: Reichstagspräsidium, Reichsrat, Vertreter des Preu­ßischen Ministeriums, der Reichswehr, der Direk­tion der Reichseisenbahn, der Reichsbankdirektion, des Oberpräsidiums der Mark Brandenburg. Ober­bürgeimeister und Magistrat der Stadt Berlin, Polizeipräsidium Berlin und Kommandeur der Schutzpolizei.

Am folgenden Tage findet die Vorstellung der Staatssekretäre der Reichsregierung statt. Wenige Tage später wird dann das diplomatische Korps von dem Reichspräsidenten empfangen werden.

Ueber eine Besprechung des Staatssekretärs Dr. Meißzner bei Hindenburg hört der Lokalanzeiger, oaß Hindenburg Dr. Meißzner gebeten hat, sein Amt beizubehalten.

*

= Berlin, 30. April. Zu der Meldung eines Ber­liner Blattes, daß Reichstagsprasident Loebe gestern in Hannover gewesen sei, um mit dem neuen Reichs­präsidenten von Hindeuburg über das Programm der Vereidigung im Reichstage zu sprechen, wird von zuständiger Seite erklärt, daß diese Reise nicht stattgefunden hat Die ersten Vereinbarungen über die Formalitäten der Vereidigung im Reichstage und den Amtsantritt des neuen Reichopräsidenten sind zwischen dem Reichskanzler Dr. Luther und von Hindenburg getroffen worden. Nähere Einzelheiten werden mit dem Staatssekretär Dr. Meißzner ver­einbart. Das erste Zusammentressen des neuen Reichspräsidenten wird ern nach dem Eintressen von Hindenburgs in Berlin stattfinden.

Dr. Marr an Hindenburg.

* Berlin, 30. April. Reichskanzler a. D. Marr hat von Sigmaringen an Generalfeldmarschall von Hindenburg folgendes Schreiben gerichtet: Das deutsche Volk hat Ew. Exzellenz zum Reichopräsi­deuten gewählt. Es entspricht dem Geiste echter Demokratie, daß nunmehr jeder, der sich zu ihr be­kennt, zur Entscheidung der verfassungsmäßigen Mehrheit des Volkes steht. Darum ist es mir ein Bedürfnis, Ew. Exzellenz meinen aufrichtigen Wunsch und die Hoffnung auszusprechen, daß unter Ihrer Präsidentschaft das deutsche Volk die innere Ruhe und den äußeren Frieden finden möge, wonach unser aller Streben geht. Möge der eingeleitete wirtschaftliche Gesundungsprozeß zum Segen unseres Volkes und Reiches ungestört fortschreiten. Möge die Durchdringung des ganzen öffentlichen Lebens mit wahrhaft demokratischem und sozialem Geist jene Krankheitserscheinungen heilen. die der Krieg und Deutschlands Zusammenbruch hinterlassen haben und somit die sittliche Reinigung und Erneuerung unse­res Volkes beschleunigen. Möge es unserem Volke vergönnt sein, auf dem eingeschlagenen Wege der internationalen Verständigung in Frieden und Wohlfahrt recht bald wieder die Stellung in der Welt einzunehmen, auf die es dank seiner Fähig­keiten und seiner Leistungen Anspruch hat.

Marx an seine Wähler.

TU Berlin, 30. April. Reichskanzler a. D. Dr. Marx hat an die Parteien und Wähler des Volks­blockes eine Kundgebung erlassen, in der es heißt:

„Es ist mir ein tiefempfundenes Bedürfnis, den über 13,5 Millionen Männer und Frauen, die am Wahltage mit mir ein aufrichtiges Bekenntnis zum republikanisch=demokratischen Staat abgelegt haben, herzlichen Dank zu sagen. Die Entscheidung ist gegen uns gefallen. Generalfeldmarschall v. Hin­denburg ist, zwar nicht mit absoluter Mehrheit, zum Reichspräsidenten gewählt, aber infolge der staats­und arbeiterfeindlichen Haltung der Kommunistischen Partei hat sich jedoch eine relative Mehrheit des deutschen Volkes für den Kandidaten des Reichs­blocks ergeben. Es ist indes für uns ein stolzes Be­wußtsein, daß die Wähler des Volksblocks sich von klarer politischer Erkenntnis leiten ließen. Wir als die Schützer der Verfassung haben die heilige Pflicht, in dem verfassungsmäßig gewählten Reichspräsiden­ten den Repräsentanten des deutschen Volkes und der deutschen Republik zu achten.

*

Wäre am Sonntag nicht Hindenburg, sondern Marx durchgekommen, so würde es hier anders heißen. Einmal hätte der ritterliche Hindenburg seinem Wahlgegner ein anders klingendes Tele­gramm geschickt, in dem er vermutlich diesem keine „Verhaltungsmaßregeln“ zu erteilen sich herausge­nommen hätte. Das Schreiben von Marx klingt nicht ritterlich, sondern merkwürdig selbstbewußt

44