Ablehnung der Anträge Weyerbusch resp. immen. Ebenfalls angenommen wird die
antrag auf Mies angenommen Resolution der Kommission.
Hiermit ist die Tagesordnung erledigt.
Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Kanalvorlage.
Weftfalen und Rheinland.
Hagen, den 12. April.
* Kommers. Zu Ehren des Herrn Prof. Schmidt veranstalteten ehemalige Schüler des genannten Schulmannes gestern Abend im Hotel„Glitz“ einen Kommers, der einen anregenden und glänzenden Verlauf nahm.
* Schüler=Anmeldungen. Bis zum gestrigen Tage
hatten sich bei der hiesigen Realschule 106 Schülgg, somie
bei dem Realgymnasium und Gymnasium 117 Zöglinge zur Aufnehme in diese Anstalten angemeldet.
bein 9.— der Schalse den, schiger Feigaueg. 319:
woblgemut in der Richtung nach Dasp, abmarschiert.
Schließlich landete er in Gevelsberg, wo ein mitleidiger Wirt auf der Hagener Straße den müden und hungrigen Wanderer aufnahm. Dort wurde er gestern von seinem Vater abgeholt. Jedenfalls hat der kleine Kerl an seinem ersten Schultage eine ordentliche Marschleistung unter
X Der Tierschutzverein für Hagen und Umgegend hielt gestern Abend im„Weidenhof“ seine erste Jahresversammlung ab. Die Verhandlungen leitete der Vorsitzende. Herr Julius Funcke. Nachdem vom Schriftführer des Vereins, Herrn Lehrer Ungerath, erstatteten Jahresberichte ist der Verein bemüht gewesen, das sich gesteckte Ziel nach Möglichkeit zu erreichen. Besondere Fürsorge wurde dem Schutze der Pferde und unserer Singvögel gewidmet. An die Pferdebesitzer wurde eine Stallordnung verteilt, welche genaue Belehrung über die Behandlung des Pferdes enthält. Bezüglich des lokalen Vogelschutzes wurde berichtet, daß für den Winter Futterplätze angelegt wurden. Um unseren gefiederten Freunden ein sicheres Heim zu schaffen, wurden die sehr empfohlenen Berlepschen Nistkästen angeschafft und auch an Nichtmitglieder zum Selbstkostenpreise abgegeben; auch von Vereinswegen wurden verschiedene Nistkästen ausgehangen. Um unsern Vogelfängern das Handwerk zu legen, haben verschiedene unserer Mitglieder die bewaldeten Höhen durchwandert.
Es ist ihnen wiederholt gelungen, Lockvögel an sich zu nehmen bezw. in Freiheit zu setzen, Sprenkel, Leimruten 2c.
zu zerstören. Dem Schutze unserer Vogelwelt hat sich gang besonders Herr Hugo Höfer gewidmet. In Anerkennung seiner Thätigkeit und seiner hohen Verdienste um den Verein, wurde ihm durch den Vereinsvorsitzenden ein Tierbilder=Album überreicht. Von dem Gedanken geleitet, daß schon die Kinderherzen gewonnen werden müssen, wenn Erwachsene die Tierschutzsache fördern sollen, wurden an die Schulbibliotheken der evangelischen und katholischen Schulen der Stadt und Nachbarorte 1500 Tierschutzkalender verteilt. An die Mitglieder und sämtliche Besitzer von Zugtieren werden, sofern dies noch nicht schon geschehen, die von unserem 2. Vorsitzenden, Herrn Polizei=Inspektor Meyer, zusammengestellten und vom Verein herausgegebenen gesetzlichen, für den Regierungsbez. Arnsberg geltenden Bestimmungen zur Verteilung gelangen. Wegen Tierquälerei wurden im verflossenen Jahre 15 Personen mit Geldstrafen belegt, 4 Knaben erhielten einen Verweis; wegen Vogelfangs wurden sieben Personen bestraft mit Geldstrafen bis zu 30 Mark. Von sämtlichen Bestrafungen erfolgten 11 auf Mitteilung von Vereinsmitgliedern. Unserer Polizeibehörde wurde für das Interesse, welches dieselbe dem Verein entgegenbringt, ganz besonderer Dank ausgesprochen. Nach dem vom Kassierer Herrn Schlachthof=Inspektor Türcks gegebenen Kassenberichte stellte sich die Einnahme auf 239,20 Mk., die Ausgabe auf 234,31 Mk. Die Rechnung wurde von den Herren Lehrer Düdder und Architekt Mucke geprüft, in allen Teilen richtig befunden und die beantragte Entlastung dem Kassierer erteilt. Die Aufgaben des Vereins sind groß und zu deren Lösung Geldmittel erforderlich. Es ist daher wünschenswert, wenn dem Vereine möglichst viele Mitglieder beitreten und daß wohlhabende Mitbürger den Verein durch besondere Zuwendungen unterstützen. Die Mitgliederzahl pro 1898 betrug 239; der Mitgliedsbeitrag beträgt 1 Mk. Die Vorstandswahl ergab Wiederwahl der durchs Los ausgeschiedenen Herren Lehrer Ungerath, Fr. Göbel, Schlachthof=Inspektor Türcks und Apotheker Ganser, an Stelle des von hier verziehenden Herrn Emil Schollmeyer wurde Herr Werkstätten=Vorsteher Michel und an Stelle des Herrn Oberregierungsrat von Basse Herr Kreisschulinspektor Dr. Körnig gewählt. Entsprechend dem Antrage des Vorstandes wurde derselbe noch um sieben weitere Mitglieder vermehrt und zwar durch die Herren Kreisschulinspektor Nickell, Hugo Höfer, Lehrer Göddenhoff in Eppenhausen, Fritz Klein in Eckesey, Polizei=Kommissare Krohn, Murmann in Hagen und Amtmann Wortmann und Polizei=Kommissar Maurer in Altenhagen. Nachdem noch verschiedene Vereinsangelegenheiten besprochen, wurde die Sitzung geschlossen.
* Gültigkeitsdauer der Rückfahrkarten zu Pfingsten
Aus Anlaß des Pfinstfestes erhalten die gewöhnlichen Rückfahrkarten auf den preußischen Staatsbahnen eine verlängerte Gültigkeitsdauer von einschließlich dem dritten Tage vor bis zu dem achten Tage einschließlich nach dem ersten Feiertage, also vom 18. Mai bis einschließlich 29. Mai. Die Rückreise kann am letzten Gültigkeitstage bis 12 Uhr nachts einschließlich angetreten werden. Im Verkehr nach Belgien besteht diese Vergünstigung nicht. Auf den süddeutschen Bahnen behalten die Rückfahrkarten ihre gewöhnliche Gültigkeitsdauer von zehn Tagen.
* Die plattkölnische Volksbühne, deren sämtliche bisherigen Vorstellungen sich des regsten Besuchs zu erfreuen haben, bringt heute Abend hier zum ersten Male die überall, wo sie zur Darstellung gelangte, mit stürmischem Beifall ausgenommene Originalposse„Kölner Fahrten“ zur Aufführung. Das vorzüglich eingespielte Ensemble wird sich auch am heutigen Abend bemühen, seiner Aufgabe in vollstem Maße gerecht zu werden; es wäre daher zu wünschen und ist auch wohl auf Grund der seitherigen Erfahrungen, die wir bei den Veranstaltungen dieser Truppe in Hagen gemacht haben, bestimmt zu erwarten, daß die Teilnahme an dem rheinischen Frohsinn heute Abend wiederum eine so große sein wird, wie sie den humorvollen Darbietungen dieses lustigen Völkchens gebührt.
* Die Unterbringung verwaister und verlassener Kinder in Familien, namentlich in kinderlosen, erstrebt die„Gesellschaft der Waisenfreunde" in Leipzig. Im letzten Jahre konnte die Gesellschaft nur zwei Kinder unterbringen, viele angemeldeten Eltern harren noch der erbetenen Kinder, müssen sich aber gedulden, da der Gesellschaft keine Waisenkinder angemeldet sind. Verlassene Kinder giebt es schon mehr zu versorgen, aber viele Eltern vermögen sich nicht zu entschließen, solche Kinder zu nehmen, obschon sie oft weit schlimmer daran sind, als verwaiste Kinder, weil diese öffentliches Mitleid finden, bei jenen aber vielfach das Vorurteil wirkt, obschon dieses nach der 21jährigen Erfahrung der Gesellschaft sich als hinfällig erwiesen hat. Aus praktischen Gründen werden die Kinder thunlichst in weite Ferne verpflanzt. Würden dem Geschäftsführer der Gesellschaft, Schuldirektor a. D. Mehner in Hartenstein=Stein(Sachsen), mehr Kinder angemeldet, er wäre dankbar und würde sie gerne versorgen.
dem das Gebäude errichtet wird, bleibt Eigentum der Stadt, der Vertrag gilt auf 29 Jahre.— Die Stadtverordneten bewilligten für Bauten zur Erweiterung des städtischen Krankenhauses 600000 Mark.
*<space> D o r t m u n d,<space> 1 0.<space> A p r i l.<space> D i e<space> f ö r m l i c h e<space> E r ö f f n u n g<space> des Dortmund=Ems=Kanals ist wieder verschoben. Zwar ist der Ortsverkehr zugelassen, auch hat Herr Oberpräsident Studt die Sperre zwischen den Schleusen Hesselte und Gleesen für den 17. d. aufgehoben, aber Minister Thielen hat neuerdings strenge Anweisung erlassen, daß der Kanal nicht eher für den vollen Verkehr freigegeben werden soll, als bis sämtliche mit einem so großen Unternehmen naturgemäß verbundenen Kinderkrankheiten überstanden sind; insbesondere soll darauf gesehen werden, daß in allen Auftragstrecken des Kanals, in denen stets zunächst mit einer gewissen Durchlässigkeit des Bodens zu kämpfen ist, die vollständige Dichtigkeit des Kanalbettes gesichert ist. Der Minister hat für wünschenswert erklärt, daß die volle Betriebseröffnung lieber noch etwas hinausgeschoben wird, um alle noch etwa sich herausstellenden Mängel um so bequemer beseitigen zu können, als daß etwa bald nach der Eröffnung eine störende Reparatur einer Kanalstrecke als notwendig sich herausstellen sollte. Die volle Inbetriebsetzung des DortmundEms=Kanals wird daher schwerlich vor August dieses Jahres erfolgen. Sie wird alsdann voraussichtlich vom Kaiser persönlich eröffnet werden. Das großartige Hebewerk in Henrichenburg hat bisher aufs beste
Gelsenkirchen, 10. April. Ueber den Ausgang einer Beleidigung"age zwischen dem Redacteur der
„Gelsenkirchener tung“ und dem nationalliberalen Reichstags=Abge“, eten Franken lesen wir in dem genannten Blatte:,(ls im Sommer vorigen Jahres der Reichstagswahlkampf seine Höhe erreicht hatte, erschienen in dieser Zeitung als Antwort auf ein gegen die Redaktion gerichtetes Flugblatt der Nationalliberalen mehrere Artikel, die sich gegen den nationalliberalen Kandidaten Herrn Franken wandten. Durch einen derselben fühlte sich Herr Franken beleidigt und strengte deshalb gegen den verantwortlichen Redacteur F. Z. Knappe eine Privatklage an, welche in zwei Sitzungen des hiesigen Schöffengerichts verhandelt wurde. In der gestrigen Sitzung kam zwischen den beiden Parteien ein Vergleich zu stande, nachdem sich der angeklagte Redacteur zur Veröffentlichung folgender Erklärung bereit erklärt hatte: gerichtliche Erhebungen wurde festgestellt, daß die in dem „Zur Wahlbewegung" überschriebenen Artikel der„Gelsenk. Ztg.“ Nr. 132 vom 14. Juni 1898 gegen Herrn Reichstagsabgeordneten Franken erhobene Beschuldigung, er habe dem Forstgehülfen Miethsdörfer die versprochene Arbeitsgelegenheit nicht verschafft und ihn mit 50 Pfg. abgespeist, unrichtig ist, und die Redaktion sowohl, wie auch die durchaus vertrauenswürdigen Gewährsmänner derselben von Miethsdörfer getäuscht worden sind. Der Unterzeichnete nimmt infolge dessen die diesbezüglichen Beschuldigungen mit dem Ausdrucke des Bedauerns zurück. Die dem Herrn Franken gemachten Vorwürfe, daß in seinem Werke unregelmäßig ausgelöhnt würde, sind nicht völlig zutreffend, vielmehr handelt es sich um einen Fall, wo der festgelegte Lohntag auf einen Sonntag fiel und die Auszahlung erst am folgenben Tage vorgenommen
werden konnte. F. Z. Knappe.“
* Bärendorf, 10. April. Gestern fand hier auf der Engelsburg“ die erste Hauptversammlung des nationalliberalen Bürgervereins statt. Trotz des erst halbjährigen Bestehens des Vereins zählt er doch soon etwa 120
ovsoer. 10. April. Hier sind in vergangener Nacht
zwei Straßenräuber verhaftet worden. Die beiden Gauner, von denen der eine 20, der andere erst 16 Jahre zahlt. haben einen völlig betrunkenen Schneider auf der Straße mit dem Schlagring bearbeitet und dann ihn seines Geldes und seiner Uhr beraubt. Die Räuber
wollten sich dann eiligst in Sicherheit bringen. Ihr Laufen machte sie aber einer Schutzmannspatrouille gegenüber verdächtig. Die Schutzleute nahmen daher die
- Unng 10. April. Das Opfer eines Schwindlers wurde ein hiesiger Hauderer. Ein angeblicher Geschäftsreisender kam zu dem Fuhrwerksbesitzer und verhandelte mit ihm über eine Wagenfahrt nach Dortmund, die er nach der Rückkehr bezahlen wollte. Als das Fuhrwerk in Dortmund ankam, wußte der Fremde den Kutscher zu bewegen, ihm das Pferd zu einem Spazierritt zu leihen Wie nachträglich ermittelt wurde, hatte der vergebens erwartete Reiter nichts eiligeres zu thun, als das ziemlich wertvolle Pferd in Dortmund an einen Händler für den Preis von 100 Mark zu verkaufen und mit diesem Betrage das Weite zu suchen.
* Hamm, 9. April. Vorgestern Abend wurde auch hier in Hamm eine Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes gegründet. Herr Justizrat Schulte begrüßte die zahlreich Erschienenen, worauf der Hauptredner des Abends, Redakteur Dr. Reismann=Grone aus Essen, sich über die Zwecke und Ziele des Alldeutschen Verbandes verbreitete, der keine Partei, keine Religion allein bevorzuge, sondern der alle Nationalgesinnten in sich aufnehme. In begeisterter, anschaulicher Rede schilderte Dr. Reismann, wie das Deutschtum durchaus nicht vorwärts dringe, sondern fast überall den Slaven, Czechen, Romanen, Ungarn, Russen usw. zu weichen begonnen. Da habe der Alldeutsche Verband eingesetzt, überall suche er das bedrohte Deutschtum zu stützen und zu stärken, ohne sich ins Einzelne zu verlieren, weil seine Thätigkeit ins Große gehe. Besonders anschaulich war die Schilderung der polnischen Frage, die deshalb so furchtbar sei, weil sie in der Hauptsache eine wirtschaftliche wäre. Die frühere Reichsleitung, Caprivischen Andenkens, bekam dabei bittere Worte zu hören. Von der Auswanderung von Polen nach dem Westen Deutschlands (jährlich etwa viertausend) fürchtet Dr. Reismann nichts; im Gegenteil, er ist von der Aufsaugung des Polentums durch das Deutschtum überzeugt. Die National=Polen würden hier in der dritten Generation und die Masuren (evangelische Polen) bereits in der zweiten Generation germanisiert. Nachdem der lebhafte Beifall, der Herrn Dr. Reismann zuteil geworden, verklungen war, entwickelte sich eine Diskussion, aus der hervorging, daß der alldeutsche Gedanke in Hamm viele Freunde ge
funden hat.„ 9
*<space> H a l t e r n,<space> 9.<space> A p r i l.<space> B e i<space> d e n<space> i n<space> d e r<space> z u m<space> A m t<space>
Haltern gehörenden Gemeinde Lippramsdorf angestellten Bohrversuchen ist die Straßburger internationale Gesellschaft gestern Abend in einer Tiefe von 753 Meter fündig geworden. Das freudige Ereignis wurde durch Böllerschüsse der Umgegend bekannt gegeben. Es ist dies wohl der erste Kohlenfund im Kreise Koesfeld, dem hoffentlich bald weitere folgen werden. Glück auf! an
* Köln, 9. April. Ob es wohl das letzte Mal war, daß der in Verbrecherkreisen als der„alte Herr“ bekannte 76jährige Schreiner Georg Brandenburg vor Gericht stand? Im Jahre 1837 wurde Brandenburg zum erstenmal mit 14 Tagen Gefängnis bestraft. Hiermit begann er seine Verbrecherlaufbahn, die wohl einzig in der Kriminalistik dasteht. Wenn man die heute erkannte Strafe hinzurechnet, so sind es etwa 55 Jahre seines Lebens, die Brandenburg im Zuchthause zugebracht hat. Am 15. April v. J. stahl er mit anderen Burschen mittelst Einbruches aus dem Flur eines Hauses am Weichserhof zwei Fahrräder. Brandenburg, der am 27. August v. J. wegen Hehlerei mit einem Jahre Gefängnis bestraft wurde, erhielt unter Einrechnung dieser Strafe eine Gesamtzuchthausstrafe von 3 Jahren.
die Flammen aus den zusammenbrechenden Häusern des alten Städtchens. Plötzlich, unerwartet brach noch ein Sturm gegen die nach Orme führende Straßenzeile los. General Crouzat hatte die letzten nicht flüchtigen Reste seines Corps bei Orme versammelt. In tiefer Sturmkolonne drängten diese Truppen, dem Beispiel ihres Generals folgend, mit wilder Entschlossenheit gegen die den dortigen Stadtausgang sperrende Barrikade. Nur zwei Kompagnien des 16. Regiments wurden von dem Stoß getroffen. Aber kein Schuß fiel ohne Befehl: erst als die ungestüm vorwärts flutende Masse aus dem wogenden Nebel der Novembernacht in den flackernden Schein der brennenden Häuser geriet, unmittelbar vor den Gewehren der schweigend im Anschlag liegenden Westfalen und Hannoveraner, krachte das Feuer. Die Wirkung war entsetzlich. Hausenweise geschichtet, sah man am andern Morgen die Leichen dicht vor den Barrikaden, darunter mit dem Säbel in der Hand drei mit ihren Pferden erschossene Stabsoffiziere. Die preußische Gesechtsdisziplin überwand hier eine der furchtbarsten
wir an landwirtschaftlichen Produkten einführen.
à Den wenigsten unserer Leser dürfte es bekannt sein, daß Deutschland im letzten Jahre für eingeführte landwirtschaftliche Produkte an das Ausland nicht weniger als etwa 2 Milliarden Mark zahlte, oder genauer 1876010000 Mark. Dieser Betrag macht den dritten Teil unserer vorläufig mit 5477641000 M. bewerteten Gesamteinfuhr aus und verteilt sich auf folgende Artikel: Getreide und andere Erzeugnisse des Landbaues 932 Mill. Mark; Wein, Butter, Fleisch, getrocknetes Obst, Sämereien, Mehl, Tabak und Tabaksabrikate 311 Mill.; Vieh 141 Mill; Tiere und nicht besonders aufgeführte tierische Produkte 137 Mill.; Häute und Felle 189 Mill.; Haare, Federn und Borsten 89 Mill.; Flachs und andere vegetabilische Spinnstoffe(außer Baumwolle und Jute) 98½ Mill.; Hopfen 7½ Mill.; Wachs 5 Mill. Mark. Ueber den Import von Getreide und Vieh wollen wir hier keine weiteren Worte verlieren, wir möchten dagegen einige„kleine" Artikel aus dem Ganzen hervorheben, deren Wert wir gewöhnlich keine besondere Bedeutung beizumessen pflegen, und die dort in unserer Importliste eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Da haben wir zunächst lebende Haushühner, die im Werte von 9½ Mill. Mark eingeführt werden und hauptsächlich aus Oesterreich=Ungarn, Rußland und Italien kommen. Wir stoßen ferner auf 5 Mill. Mark für totes Federvieh mit den Hauptherkunfts=Ländern Oesterreich=Ungarn und Rußland, auf 17½ Mill. Mark für Käse(hauptsächlich aus den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich), auf 11 Mill. Mark für Erbsen(hauptsächlich aus Rußland), auf 15½ Mill. Mark für rohe Bettsedern(hauptsächlich aus Oesterreich=Ungarn, China und Rußland) und auf 5 Mill. Mark für Insekten= und Pflanzenwachs(hauptsächlich aus Japan und Südamerika). Schwer ins Gewicht fallen die bekannten 46½ Mill. Mark für frisches Obst, das uns vorzugsweise Oesterreich=Ungarn, die Schweiz, Italien und Holland liefern. Ganz besonders in die Augen springend ist endlich die Wertsumme der eingeführten Eier von Geflügel, nämlich 71½ Mill. Mk., die wir hauptsächlich an Oesterreich=Ungarn und Rußland zu zahlen haben. Man stelle sich einmal vor, wieviel Millionen Eier für diese Summe geliefert wurden; man erhält einen ungefähren Begriff davon, wenn man erfährt, daß Rußland allein im Jahre 1897 nach Deutschland 645 Millionen Eier sandte. Vorstehende Zahlen sollten unseren Landwirten doch zu denken geben und sie zu der Ecwägung veranlassen, ob es nicht möglich wäre, daß das für diese„kleinen" Artikel gezahlte Geld oder doch zum wenigsten ein guter Teil desselben im Lande bliebe.
Erteilung der Würde eines„Arztes“ und der gelehrten Grade„Doctor medicinae“ und„Dector medicinae et chirurgiae“ an die weiblichen Aerzte ausspricht.
Handel und Industrie.
Der Eisenverbrauch im Deutschen Reiche stellte sich nach Berechnungen des Vereins deutscher Eisenund Stahlindustrieller für das Jahr 1872 auf 59,3 kg für den Kopf der Bevölkerung, 1882 auf 51,5 kg, 1892 auf 74,3 kg und 1898 auf 104,3 kg. Die eigene Produktion stellte sich in denselben Jahren auf 43,9 kg, 74,8 kg, 98,8 kg und 135,2 kg.
Hamburg, 9. April. Der Wert der Waren=Ausfuhr des Konsulats=Distriktes Hamburg nach den Ver. Staaten stellt sich im ersten Quartal 1899 auf Doll. 2599089 gegen Doll. 1511070 in 1898, also um Doll. 1088018 mehr. Während der letzten vier Quartale stellte sich die Ausfuhr wie folgt:
im Vorjahre
II. Quartal 1898 Doll. 5 714069 Doll. 4629 187
III.„ 1898„ 2525 772„ 879 568
IV." 1898„ 1 449897" 1138 680
I.„ 1899„ 2599089" 1511070
An der Ausfuhr des letztverflossenen Quartals waren beteiligt: Zucker mit Doll. 1134 527, Chemikalien und Drogen mit Doll. 131 469, Sämereien mit Doll. 299076, rohes Gummielastikum mit Doll. 309 758, Portland Cement mit Doll. 129 702, rohe Häute und Felle mit Doll. 179 132, Lumpen und Abfälle mit Doll. 110 248. Die übrigen Artikel blieben im Werte weit hinter Doll. 100000 zurück.
A. M. Z. Aus Kairo wird gemeldet: In hiesigen europäischen Kreisen macht es nicht unberechtigtes Aufsehen, daß in allerjüngster Zeit seitens englischer Großkapitalisten sehr erhebliche Anlagen in Egypten gemacht werden. Diese Anlagen erstrecken sich auf Industrie, Handel und Grundbesitz. In allerneuester Zeit sind seitens des englischen Kapitals die fünf größten Hotels Kairos aufgekauft und zu einer Kompagnie vereinigt worden. Ferner ist eine Boundary Warehouse Company im großen Stile gegründet worden, desgleichen eine Market Company. Neuerdings versucht dasselbe Kapitalkonsortium, in Suez und Port=Said allen zum Verkauf stehenden oder erlangbaren Grundbesitz in seine Hände zu bringen. Man führt in Kreisen, die eingeweiht sein können, diese Thätigkeit des englischen Kapitals auf die neuerlichen Erfolge Englands in Egypten zurück, und glaubt, daß eine direkte Anregung dazu von Seiten Lord Cromers gegeben worden ist. Jedenfalls hat früher das englische Kapital in egyptischen Staatswerten sich zwar stark engagiert, aber verhältnismäßig selten in Realwerten der vorgedachten Art. Der ganze Vorgang erscheint von symptomatischer Bedeutung.
Aus dem Gerichtssaal.
* Bochum, 9. April. Der Schlosser Karl Maier aus Lütgendortmund, der gewohnheitsmäßig Badeanstalten durch Diebstähle heimsucht, wurde Donnerstag von der Strafkammer des hiesigen Landgerichts zu 1 Jahr 6 naten Zuchthaus, 3 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht verurteilt.
* Neuwied, 8. April. Die Revision des wegen Mordes vom hiesigen Schwurgerichte zum Tode verurteilten Fritsch wurde vom Reichsgericht verworfen.
* Mannheim, 9. April. Das hiesige Schöffengericht verurteilte gestern den 22jährigen Tagelöhner Heinrich Hacker aus Neckarau, der in der Trunkenheit„aus Ulk“ dem ebenfalls schwer betrunkenen Tüncher Heinrich Matt das rechte Ohr vollständig abschnitt, zu 6 Wochen Gefängnis. Das Gericht nahm mildernde Umstände an.
* Vom 28. Chirurgenkonareß wurde zum Präsidenten des nächstjährigen Kongresses Herr Professor v. Beramann in Berlin gewählt.
— Im Hamburger Stadttheater fand zu Ehren des Kapitäns und der Mannschaft der„Bulgaria“ eine Festvorstellung statt. Ein Prolog Ernst von Wildenbruchs:„Gruß an die Tapferen der„Bulgaria“, in Verbindung mit einem vom Direktor Bittong arran gierten lebenden Bilde, erzielte eine mächtige Wirkung. Festliche Stimmung herrschte bis zum Ende der Aufführung. Aus dem Prolog von Ernst v. Wildenbruch seien die folgenden Strophen wiedergegeben:
„... Deutschland, du keusche Stätte Der Arbeit und der Pflicht,
Wo Rühmen nicht und Prahlen Von Heldenthaten spricht.
Wo man am höchsten ehret,
Wenn man am tiefsten schweigt,
Wo das Verdienst nur adelt,
Das in die Herzen steigt.
Deutschland, thu' auf der Liebe,
Thu' auf dein Herz dem Glück,
Es kehren deine Kinder Zum Herzen dir zurück.
Nach deinem Banner reckte Die grimme Faust der Tod,
Dem Tod zum Trotze flattert Das Banner schwarz=weiß=rot.
Es kommt der Bannerträger Dir heim aus Sturm und Flut,
Der Sturm zerbrach sein Ruder,
Zerbrach ihm nicht den Mut.
Er kommt und bringt sein Schiff dir,
Sein anvertrautes mit,
Mit seinen Schiffsgenossen
Der wack're Kap'tän Schmidt...“
— Freiherr v. Hammerstein, der ehemalige Chefredakteur der„Kreuzztg.“, wird am 26. Juni d. J. aus dem Zuchthaus zu Moabit entlassen werden. Das gegen ihn am 22. April 1896 gefällte Urteil, lautend auf
* Dortmund, 9. April. Die für die Provinz Westfalen gebildete landwirtschaftliche Ein= und VerkaufsGenossenschaft mit dem Sitze in Dortmund hat sich in großartiger Weise entwickelt; ihr Umschlag beziffert sich nach mehrern Millionen. Die Gesellschaft hat sich entschlossen, im Hafengelände ein eigenes Lagerhaus zu errichten. Sie rechnet auf die Gewährung eines Teiles Bausumme zu billigem Zinsfuße durch den Minister. Die Stadtverordneten bewilligten der Gesellschaft auch ein Darlehn von 120000 Mark für den Bau. Der Platz, auf
Kunst und Wissenschaft.
— Erich Mattschaß=Düsseldorf hat ein großes Schlachtenbild, eine dreiteilige Darstellung, für das Kasino des 16. Infanterie=Regiments in Köln bestimmt, vollendet. Das Bild stellt dar:„Die Sechzehner bei Beaune la Rolande am 28. November 1870“. Der geschilderte Vorgang ist nach authentischen Berichten der Kriegsgeschichte folgender:„Die Nacht war gekommen, die Schlacht schien zu Ende. In prasselnder Lohe schlugen
3 Jahre Zuchthaus, 1500 Mark Geldstrafe oder noch 100 Tage Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, wurde erst am 26. Juni rechtskräftig, da an diesem Tage die Revision vom Reichsgericht verworfen wurde. Um dem Freiherrn v. Hammerstein die Verbüßung von noch 100 Tagen Zuchthaus zu ersparen, ist von Freunden seiner Familie die Summe von 1500 Mk. aufgebracht worden. Es ist noch, wie die„Voss. Ztg.“ schreibt, fraglich, ob Freiherr v. Hammerstein nach der Strafverbüßung bei seiner Familie in Friedenau verbleiben oder nach dem Ausland gehen wird.
— In Sachen der Gleichstellung der Aerzte beiderlei Geschlechts ist, wie die Moskauer Blätter melden, auf eine Anfrage der beim russischen Ministerium der Volksaufklärung niedergesetzten Kommission von der medizinischen Fakultät der Moskauer Universität die Antwort ergangen, daß die Fakultät sich für eine völlige Gleichstellung Beider und folglich für die
Letzte Nachrichten.
Berlin, 11. April. Im Reichstag finden Erwägungen und Verhandlungen über Einbringung einer Interpellation betreffs Samoas statt. Die erste Anregung dazu ist von den nationalliberalen Abgeordneten Prof. Hasse und Dr. Lehr ausgegangen. Diese haben auch bereits den Wortlaut einer Interpellation festgestellt. Abg. Dr. Lehr, bekanntlich Geschäftsführer des Alldeutschen Verbandes, legte heute Nachmittag nach Schluß der Reichstagssitzung diesen Wortlaut der Interpellation in einem Zimmer des Reichstagshauses dem Staatssekretär v. Bülow vor und hatte mit letzterem eine längere Besprechung. Auch von anderer Seite ist man dem Gedanken einer Interpellation über Samoa näher getreten, und die Fraktionen, dürften sich teils noch heute Abend, teils morgen Vormittag darüber schlüssig machen. Sollte es zur Einbringung einer solchen Interpellation kommen, was wahrscheinlich ist, wenn es auch noch nicht positiv feststeht, so dürfte dieselbe schließlich von der großen Mehrheit des Reichstags ausgehen.
Berlin, 12. April.(Telegr.) Die„Berl. Neust. Nachr.“ hören, die Ernennung des deutschen Bevollmächtigten für die Samoa=Kommission werde erst erfolgen, wenn England, das jetzt gegen das bereits im Prinzip angenommene Erfordernis der Einstimmigkeit für die Entscheidungen der Kommission neue Weiterungen erhob, die notwendigen Garantieen gegeben hat, um die Respektierung der deutschen Vertragsrechte auf Samoa zu sichern.
Berlin, 11. April. Zahlreiche Beförderungen in der Marine werden morgen veröffentlicht, welche die größten des ganzen Jahres sein werden.
Berlin, 11. April. Die Grundbuchordnung wird demnächst dem Landtage zugehen.
Halle, 11. April. Gestern Abend hat sich ein Liebespaar in einer Droschke auf dem Wege von hier nach Opvin erschossen. Der Mann war 22 Jahre alt und aus Guben gebürtig, die Frau 33 Jahre alt, verheiratet und aus Halle gebürtig.
Quedlinburg, 11. April. Bei einer am vergangenen Sonnabend in das hiesige städtische Krankenhaus eingelieferten polnischen urbeiterin wurden heute seitens des behandelnden Arztes Pocken festgestellt.
Reichenbach, 11. April. Der Kassierer Görlich der gräflich Thunschen Hauptkasse in Bodenbach ist seit Samstag verschwunden. Die Revision ergab einen Fehlbetrag von 50000 Mk.
Wien, 11. April. Der Verein der Deutschnationalen in Oesterreich, dessen Obmann Abgeordneter Wolf ist, und der Verein evangelischer Glaubensgenossen, welche eine mit der Uebertrittsbewegung sympathisierende Kundgebung beschlossen, sind aufgelöst worden.
Venedig, 11. April. Die Kaiserin Friedrich ist heute hier eingetroffen und am Bahnhof von den Vertretern der Behörden empfangen worden.
Rom, 11. April. Der Papst empfing heute die Mitglieder des Kardinalskollegiums, dessen Doyen die Glückwünsche aus Anlaß der Wiedergenesung des Papstes und gleichzeitig zum letzten Jahrestage der Krönung des Papstes aussprach.
Paris, 11. April. Der„Figaro" veröffentlicht heute die Aussagen Casimir Periers, des Generals Gallifet und des Kriegsschullehrers Painléve.
Paris, 11. April. Der frühere Sekretär des durch Selbstmord geendeten Obersten Henry, der ehemalige Adjutant Lormier, hat anläßlich des Empfanges einer Depesche, die ihn nach Paris berief, Selbstmord begangen.
Brest, 11. April. Drei Fischerfahrzeuge erlitten Schiffbruch, wobei einige zwanzig Personen umgekommen sind.
Haag, 11. April. Wie jetzt feststeht, beantworteten bisher England, Frankreich, Amerika und die Türkei die Einladung zur Friedenskonferenz mit Vorbehalt; England hält unbedingt an den Seerüstungen fest, Frankreich an den submarinen Torpedos. Die französische Antwortnote betont ausdrücklich, daß Frankreich die Konferenz nur aus Höflichkeit für den Zaren beschicke.
London, 11. April.(Unterhaus.) Brodrick erklärt auf eine Anfrage, der jüngste Besuch von Cecil Rhodes in Berlin und seine Unterhandlungen mit der deutschen Regierung seien aus der eigenen Initiative Rhodes' erfolgt.
New=York, 11. April. Nach einem Telegramm aus Pana(Illinois) kam es in der Hauptstraße des Ortes zu einer Schlägerei zwischen weißen und farbigen Minenarbettern, bei welcher zwei Weiße und drei Neger, sowie eine Negerin getötet, acht Personen, darunter zwei weiße Frauen, verwundet wurden. Man glaubt, daß von den Verwundeten mehrere ihren Verletzungen erliegen werden.
Washington, 11. April. Präsident Me Kinley tauschte heute im Weißen Hause mit dem französischen Gesandten Cambon die Ratifikation des spanisch=amerikanischen Friedensvertrages aus.
Buenos Aires, 11. April. Die revolutionäre Partei in Bolivia hat einen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen; Oberst Pando, der Führer der Aufständischen, hielt seinen Einzug in Oruro. Präsident Alonso ist geflohen.