Welch' ein anderes Bild gewährt gerade zu derselben Zeit Deutschland, als das von allen Seiten zusammengeströmte Volk sich auf dem Niederwalde um seinen greisen Heldenkaiser schaarte, um hier dankbaren Sinnes dem in seinen Fürsten und Stämmen geeinten Vaterlande ein Denkmal zu errichten, welches den spätesten Geschlechtern laut verkünden wird, was Deutsch­land seinem Kaiser und seinen Fürsten verdankt, die das Heer zum Siege, das Volk zur Einigkeit, Freiheit und Unabhängigkeit geführt haben. Wie das Denkmal der nationalen Einheit geweiht ist, so gewährten die an dem Fuße desselben ver­sammelten Festtheilnehmer wie auch das ganze Volk an diesem Tage ein Bild der Eintracht, der Ordnung und der Macht, das Bild eines gesunden, kräftigen Staatswesens, welches ein Geist durchdringt und ein Wille beseelt.

Es wäre verkehrt, noch ein Wort darüber zu verlieren, wie unendlich besser und gesunder unsere Zustände sind, als die unseres Nachbar­volkes. Einsichtige Franzosen haben uns um das Glück beneidet, dessen wir uns erfreuen dürfen.

Wohl dürfen wir über diesen Gegensatz eine Art von patriotischer und nationaler Genug­thuung empfinden; aber wir müssen uns auch dessen bewußt werden, worauf dieser Gegensatz beruht. In Paris hat sich das parlamentarische Regiment in seinen letzten Consequenzen gezeigt, das Niederwaldfest war dagegen ein leuchtendes Zeichen von der Höhe, auf welche ein Volk durch den Segen eines starken monarchischen Re­giments gelangen kann!

Wer möchte nicht, daß Deutschland auf dieser Höhe verbleibe! Und doch arbeitet bei uns der Radicalismus unablässig nach fremden Mustern! Für diejenigen, welche ihr Vaterland wirklich lieben und einen Sinn für das Große, Edle und Schöne haben, werden die Pariser Vorgänge eine Warnung vor dem parlamentarischen Re­giment, das Niederwaldfest aber eine Mahnung sein, das starke monarchische Regiment hoch­zuhalten und für dasselbe mit allen Kräften rückhaltslos und entschlossen einzutreten.

Wochen=Rundschau.

* Am 18. October feierte unser Kronprinz seinen 52. Geburtstag. Derselbe Tag war der 70jährige Gedenktag der Völkerschlacht bei Leipzig, des großen Tages, der das französische Joch, unter dem Deutschland und fast ganz Europa 10 Jahre lang geseufzt hatte, von uns abschüt­telte. Unsere Zeit hat für jene begeisterte Er­hebung des Volkes, wovon nur noch sehr wenige lebende Zeugen unter uns weilen, fast kein Ge­dächtniß mehr; umsomehr ist es Pflicht der Presse, der aber leider nur wenige Blätter ge­nügt haben, der Gegenwart die Erinnerung auch an diese erste Ruhmeszeit der sogen. Befreiungs­kriege aufzufrischen. Zerrissen und ohnmächtig war unser Vaterland, aus tausend Wunden blutend; da ging ein Frühlingswehen durch die Lande, der König erließ den berühmten Aufruf„An Mein Volk“ und hochauf loderte die Flamme der Begeisterung. Aus allen Schichten der Be­völkerung strömte es freiwillig zu den Waffen, alle Unterschiede des Standes wurden beiseite ge­setzt, Alle beseelte nur ein Gedanke:„die Ehre des Vaterlandes wiederherzustellen.“ Und vor dieser gewaltigen, einmüthigen Volkserhebung, zerbrach die Macht der Feinde in Scherben. In dreitägigem, gewaltigen Ringen, am 16., 17. und 18. October 1813 wurde auf den Fluren um Leipzig das Schicksal des französischen Er­oberers endgültig besiegelt. Nach den Beschrei­bungen der Zeitgenossen ist die Begeisterung und Opferfreudigkeit jener Zeit noch unendlich größer gewesen als wir sie im Jahre 1870 miterlebt haben, und deshalb ist es gut, uns von Zeit zu Zeit an diese großen Vorbilder zu erinnern, und uns daran aufzurichten, damit wir nicht er­schlaffen in den glücklichen politischen Zuständen der Gegenwart.

Unser Kaiser beendet am Montag seine Herbst=Kur in Baden=Baden und kehrt zu blei­bendem Winter=Aufenthalte nach Berlin resp. Potsdam zurück.— Unser Kronprinzenpaar hat mit der Prinzessin Victoria von der Schweiz aus einen Ausflug nach Italien gemacht; die hohen Herrschaften haben zu Fuß den St. Bern­hard=Paß überschritten und übernachteten im St. Bernhard=Hospiz bei den Augustiner=Mönchen.

Zu Freiburg in Baden ist am Dienstag, im Alter von 75. Jahren der Professor Alban

Stolz, einer der bedeutendsten, volksthümlichsten katholischen Schriftsteller gestorben.

In Frankreich machen die neuen Minister­Reisen um die öffentliche Meinung zu Gunsten der jetzt wieder etwas friedlicheren und conserva­tiveren Strömung zu bearbeiten. Der Radikalis­mus, wie er durch den entlassenen Kriegsminister repräsentirt wurde, der den noch einigermaßen ruhigen und vernünftigen Franzosen denn doch zu gefährlich für die inneren wie äußeren Zu­stände Frankreichs dünkt, soll jetzt energisch zurückgedämmt werden.

Das Belgische Königspaar hat dem Könige und der Königin von Holland einen mehrtägigen Besuch in Schloß Loo und in Amsterdam ab­gestattet.

Was man über die Tendenzen des neuen spanischen Cabinets bezüglich seiner aus­wärtigen Politik hört, ist geeignet, in Frankreich angenehmer zu berühren, als in Deutschland. Die neuen Minister erklären, daß sie die aus­wärtige Politik des früheren Ministers des Aeußeren, Marquis de la Vega de Armijo, vor den Cortes nicht werden vertreten können. Der letztere wird sich selbst vertheidigen, falls er in der Kammer angegriffen werden sollte. Die Mehrzahl der Blätter sowohl als die öffentliche Meinung tadeln das deutsch=freundliche Verhalten Armijo's. Danach kann man leider nicht hoffen, daß die auswärtige Politik Spaniens für die Zukunft die mit Deutschland angebahnte Freund­schaft fördern wird.

* Ibbenbüren, 15. Octbr. Heute feierte unser verehrter Herr Postmeister Weber, und mit ihm die ganze Stadt, das so seltene Fest seines 50jährigen Dienst=Jubiläums. Nachdem schon am Vorabend Mitglieder des hiesigen Musik=Vereins eine musikalische Ovation dar­gebracht hatten, empfing der Jubilar während des ganzen heutigen Vormittages die zahllosen mündlichen, schriftlichen und telegraphischen Glück­wünsche der Behörden, seiner Kollegen und Freunde aus der Nähe und Ferne, sowie der ganzen hiesigen Bürgerschaft. Die Ober=Post=Direktion Münster hatte einen höheren Beamten entsendet, der mit den Glückwünschen der vorgesetzten Dienstbehörde, den von Sr. Majestät ver­liehenen Königlichen Kronen=Orden überbrachte.— Nachmittags 2 Uhr versammelten sich dann über 100 Beamte und Bürger aus allen Berufs=Kreisen unserer Stadt, ferner fast sämmtliche Postamts=Vorsteher der nächsten Um­gegend, aus Greven, Emsdetten, Burgsteinfurt, sowie eine Anzahl sonstiger Freunde aus Orten früherer Wirksamkeit des Jubilars, im Vahle' schen Saale zu einem solennen Festessen. Unter den rauschenden Klängen der Capelle vom 78. fanterie=Regimente betrat der Gefeierte mit er­freulicher Rüstigkeit und Frische, geschmückt mit dem ihm verliehenen Ordenszeichen den sinnig dekorirten Festsaal und nahm den Ehrenplatz zwischen demVertreter der Stadt, Herrn Amtmann Dittrich, und dem Herrn Ober=Post=Inspektor ein. Während des Festmahles wurde dann eine Reihe von Toasten ausgebracht zuerst auf Sr. Majestät vom Herrn Amtmann, auf den Jubilar vom Vertreter der Oberpostdirektion, noch mehrere auf den Jubilar im Namen der Bürgerschaft, und im Namen der Industrie und Kaufmann­schaft, auf die Damen, und noch viele andere. In späterer Stunde erfreute auch noch der Herr Landrath des Kreises, der schon am Morgen seine Glückwünsche persönlich dargebracht hatte, durch amtliche Thätigkeit in Hopsten aber ver­hindert war, dem Essen beizuwohnen, die Fest­versammlung auf kurze Zeit durch seine Gegen­wart.— Die schöne Feier lieferte den vollsten Beweis dafür, daß der Herr Postmeister Weber es verstanden hat, sich während seines 10jährigen Wirkens unter uns, durch sein zuvorkommendes, freundliches Wesen, und seine Bereitwilligkeit auch über die dienstliche Verpflichtung hinaus dem Publikum entgegenzukommen, die allgemeine Achtung und Freundschaft zu erwerben. Wir Alle in Ibbenbüren wünschen dem Jubilar von ganzem Herzen noch lange Jahre gesegneter Thätigkeit, und einen ruhigen, glücklichen Lebens­abend im Kreise seiner Familie und seiner ihn achtenden und ehrenden Mitbürger!

*— 18. Oct. Wie seit einer Reihe von Jahren schon, fand heute, am Geburtstage Sr. Kaiserl. Hoheit unseres Kronprinzen, die Gene­ral=Versammlung des Zweigvereins der“Kaiser Wilhelms=“ und der„Victoria=National=Invali=

den=Stiftung“ im Hantelmannschen Saale hier­selbst statt. Beide Stiftungen verfolgen den Zweck solchen hülfsbedürftigen Kriegern der letzten Feldzüge, resp. deren Hinterbliebenen, die in Folge der Kriege körperlich oder sonst i ihrer Erwerbsfähigkeit zurückgegangen sind, ohne daß sie auf staatliche Hülfe gesetzlich Anspruch machen können, einmalige oder auch fortlaufende Unterstützungen zu gewähren. Es werden seit langen Jahren einer großen Anzahl solcher Hülfs­bedürftigen im hiesigen Kreise ansehnliche Unter­stützungen zu Theil. Die Mittel des Vereins müssen aber, abgesehen von einem Stiftungsfond, aus freiwilligen Beiträgen besser situirter Mit­menschen fließen, und ist es sehr zu beklagen daß ausgenommen Ibbenbüren und Lengerich die freiwilligen Sammlungen in den Gemeinden unseres Kreises so äußerst spärliche und von Jahr zu Jahr zurückgehende Erträge liefern.

*— 18. Oct. Im Anschlusse an die vor­erwähnte Versammlung fand heute im Hantel­mannschen Saale die Herbst=Generalversammlung des landwirthschaftlichen Kreisvereins unter dem Vorsitze des Vereins=Directors Herrn Landrath Roehrig statt. Es waren ungefähr 60 Vereins­mitglieder erschienen und wurde als besonders erwähnenswerth einstimmig beschlossen beim Re­gierungs=Hauptverein den Antrag zu stellen, daß die Bezirks=Thierschau mit den großen Staats­prämien in Zukunft nur mehr alle 5 Jahre stattfinden möge, dagegen in den übrigen Jahren die Staatsprämien zur Vertheilung bei den Kreis­Thierschauen unter die einzelnen Kreise zu ver­theilen.— Zum Vorstands=Mitgliede für den verstorbenen Herrn Colon Grothmann sen. wurde Herr Colon Schulte=Freckling zu Ledde gewählt. Die so sehr bewährten Wanderversammlungen werden auch im folgenden Jahre an den ver­schiedenen Orten des Kreises abgehalten werden, und sind dafür sehr lehrreiche Vorträge über Molkereiwesen, Rindviehwartung, Heidekultur, Wiesenbau, Winterbeschäftigung des Landwirths 2c. in Aussicht gestellt.

—* Anfang dieser Woche zog eine Zigeuner­bande mit Pferden, Bären und vielen Kindern hier ein; da diese Gäste Nirgend gern gesehen werden, so sorgte unsere Polizei für schleunige Weiterbeförderung.

* Zur Berathung über die Maßregeln, welche auch im Regierungsbezirk Königsberg zur Be­kämpfung des Vagabondenthums zu er­greifen sein möchten, hatte im Juni d. J. dort eine von allen betheiligten Behörden beschickte und von einflußreichen Persönlichkeiten aller Stände besuchte Versammlung stattgefunden, in welcher der ebenfalls anwesende Pastor von Bodelschwingh die Grundsätze darlegte, welche bei Gründung und Leitung der von ihm ins Leben gerufenen Arbeiter=Kolonie zu Wilhelmsdorf zur Anwendung gekommen sind. Das von der Versammlung gewählte provisorische Komitee, an dessen Spitze der Regierungs=Präsident steht, hat nun zunächst die Gründung einer Arbeiter­Kolonie nach dem genannten Muster und zwar in Verbindung mit der zu Carlshof bei Rasten­burg bestehenden Anstalt für Epileptische be­schlossen und zu diesem Zweck an Ort und Stelle weitere Erhebungen veranstaltet. Außerdem ist die Einrichtung von Verpflegungsstationen in Aussicht genommen, welche in angemessenen räumlichen Abständen an den nach Carlshof als Mittelpunkt führenden Hauptverkehrsstraßen auf die Provinz vertheilt werden sollen. Die zu Verpflegenden sollen Nachtquartier und Mahlzeiten, unter Ausschluß jeglicher Geldunterstützung, er­halten und nach Möglichkeit zu Arbeiten heran­gezogen werden. Wegen Aufbringung der er­forderlichen Mittel für diese umfangreiche Or­ganisation sind Verhandlungen mit den Kreis­vertretungen eingeleitet. Hoffentlich gelingt es auf diesem Wege, sowie mit Hilfe der Privat­wohlthätigkeit die nothwendigen Summen für die erste Einrichtung und die ferneren Unterhaltung der Anstalt zu beschaffen.

Montag, 22. d.

Viehmarkt zu Hopsten.— Nächsten Donnerstag, 25. d. Mts.: Viehmarkt zu Ibbenbüren.— Nächsten Freitag, 26. d. Mts.: Viehmarkt zu Recke.

nach den amtlichen Notirungen der Berliner Börse vom 19. October.:

100 Gulden= Mk. 168,65.